Veranstaltungstipps zum Thema: Übersetzen

Bereits am Montag den 30. September findet der Internationale Übersetzertag statt, mit Veranstaltungen in verschiedenen Städten. Hier die Liste: http://www.literaturuebersetzer.de/pages/veranstaltungen-archiv/veranst-iut13.htm

Vom 9. bis zum 13. Oktober findet in Frankfurt am Main die Frankfurter Buchmesse statt. Gastland ist übrigens Brasilien (juhu!!!)
Da gibt es eine Veranstaltungsreihe die Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung heißt. Im Rahmen dieser Reihe wird es am Samstag den 12. Oktober eine Performance mit einem sogenannten gläsernen Übersetzer geben. Frank Böhmert wird in Halle 5.0 E81 im Salon zwei Stunden lang live vor Publikum übersetzen.

10.30–12.30 Uhr, SalonDer gläserne übersetzer:
Science fiction
Interaktive präsentation
Deutsch
Live aus der Zukunft übersetzt: Der erfahrene SF-Übersetzer Frank Böhmert überträgt den Erzählband „The Starry Rift“ der
legendären Autorin James Tiptree Jr. (alias
Alice B. Sheldon), der als „Sternengraben“
im Septime Verlag erscheinen wird.
Einmischung erwünscht!
Mit: Frank Böhmert
(Deutschland),
Übersetzer von Philip K. Dick, Robert B.
Parker und SF-Autor
Kooperation:
Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und
wissenschaftlicher Werke e. V. (VdÜ)
Quelle: http://www.buchmesse.de/images/fbm/dokumente-ua-pdfs/2013/programm_weltempfang_final_deutsch.pdf_38489.pdf

In diesem Programm gibt es noch mehr Veranstaltungen zum Thema Übersetzen.

Am selben Tag findet nicht weit von Frankfurt entfernt der Buchmesse Con statt. Eine kleine Convention für Freunde der phantastischen Literatur, mit vielen Autorenlesungen und der Verleihung des Deutschen Phantastikpreises. Der in diesem Jahr ausnahmsweise nicht an Markus Heitz gehen wird. 🙂

Um 17.00 Uhr gibt es dort ein Salongespräch zwischen Ralf Steinberg und Frank Böhmert (ein gefragter Mann) zum Thema Übersetzen von phantastischen Jugendbüchern.

Der SFCD übersetzt:
Ralf Steinberg im Salongespräch mit Frank Böhmert:
Mit Kind und Kegel in die Zombie-Apokalypse

Frank Böhmert plaudert mit Ralf Steinberg über seine aktuellen Jugendbuchübersetzungen. Frank Böhmert, zweifacher Vater, übersetzt seit vielen Jahren Kinder- und Jugendbücher; dabei spielen erstaunlich oft die Genres SF, Fantasy und Horror eine Rolle. Erstaunlich selten werden diese Bücher, meist sehr gut geschrieben und oft kleine Bestseller, in unserer Szene wahrgenommen. Das wollen wir ändern! Ralf Steinberg, dreifacher Vater, in den einschlägigen Foren als »lapismont« bekannt, schreibt Rezensionen für den Fantasyguide und hat etliche von Franks Übersetzungen gelesen. Frank liest coole Stellen, Ralf stellt kluge Fragen, beide stammeln rum. Das Publikum darf auch mal. Ein Salongespräch für:
– Eltern, die sich fragen, mit welchen Büchern sie ihre Kinder verdammt noch mal zum Lesen kriegen!
– Kinder, die sich fragen, warum ihnen ihre Eltern immer so verdammt langweilige Bücher schenken und nicht solche!
Quelle: http://www.sftd-online.de/bucon/bcprog13/programm13.html

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Wo man mich trifft: Sportplatz und Berlin

Ich berichtete bereits über ein Crowdfundingprojekt für einen Sportplatz in meinem Heimatdorf und habe auch schon Fotos vom ersten Grün geposted. Jetzt ist es soweit, der Sportplatz, auf dem ich praktisch aufgewachsen bin, und der direkt vor meinem Zimmerfenster liegt, wird offiziell eröffnet.

Am 27.09 findet von 19.00 bis ca. 23.00 Uhr neben einigen Jugendspielen auch ein Dorfturnier mit einigen Hobbymannschaften statt. In einer davon werde ich auch mitspielen.

Nur wenige Stunden später um ca. 6.00 Uhr am Samstagmorgen geht es für mich dann mit dem Sprinter nach Berlin, wo ich meine Wohnung ausräumen werde. Zurück fahren wir dann am Sonntag. Ob ich es rechtzeitig zum ersten Meisterschaftsspiel meiner Fußballmannschaft auf dem neuen Platz schaffen werde, weiß ich noch nicht. Vermutlich eher nicht.

Direkt am Monat geht es für mich per Flugzeug wieder zurück nach Berlin, wo abends der letzte Berliner SF-Treff mit meiner Wenigkeit um 19.00 Uhr im Tiki Heart stattfinden wird. Ein monatliches Treffen, das ich einst mit Mitgliedern des SF-Netzwerks ins Leben gerufen habe. Ein Treffen, das mir sehr fehlen wird.

Dienstags um 10.00 Uhr habe ich dann Wohnungsübergabe und muss dann noch irgendwie die Zeit bis zu meinem Rückflug um 19.30 Uhr rumkriegen.

Das werden stressige vier Tage werden, auf die ich mich aber auch freue.

Werkstattbericht: Ein Käfig voller Heldenblut

das-blut-der-helden

Aktuell sitze ich mitten in der Übersetzung von Joseph Nassise »Das Blut der Helden«. Der Roman spielt im Ersten Weltkrieg, der 1918 nicht endete. Denn die Deutschen hatten die tolle Idee ihre Truppen mittels Leichengas in Mehrwegsoldaten zu verwandeln, die wie in unserem heutigen Müllkreislauf, erst durch die vollständige Verbrennung ein Ende finden. So lange wollen sie nur eines: fressen – und zwar die Lebenden. Also watscheln diese hirnlosen Untoten über die Schlachtfelder Frankreichs und trachten allem, was noch nicht nach Verwesung müffelt, nach dem Leben.

Nassise Erster Weltkrieg unterscheidet sich deutlich von dem, der wirklich stattgefunden hat. Nicht nur gibt es die sogenannten Watschler (Shambler), sondern auch technische Erfindungen, die ihrer Zeit weit voraus sind, und den Laboren des unvermeidlichen Nikola Tesla entstammen – der vermutlich sämtliche bekannten Inkarnationen des Steampunks und der Alternative History in Buch, Film und Serienform heimsucht.

Wie kann es 1918 mechanische Federwerkshände geben, die so gut wie beim Sechs-Millionen-Dollar-Mann funktionieren?

Nikola Tesla!

Wie kann es Kanonen geben, die elektrische Ladungen verschießen und dampfgetriebene LKW?

Nikola Tesla!

Zum Glück werden diese technischen Spielereien aber wohldosiert eingesetzt, so dass zumindest halbwegs das Gefühl entsteht, dass man sich als Leser tatsächlich durch die schlammigen, blutigen Gräben und das von Stacheldraht gesäumte Niemandsland kämpft.

Für mich als Übersetzer ist es manchmal schwierig herauszufinden, ob es die im Text erwähnten technischen Geräte, Waffen und Flugzeuge damals tatsächlich schon gab. Wenn ja, dann gibt es dafür nämlich auch feststehende deutsche Begriffe, die ich recherchieren muss.

Neben dem Infanteristen Captain Burke, der sich mit seiner Federwerkhand durch die Zombiehorden am Boden kämpft, ist die zweite Hauptfigur das Fliegerass Major Freeman, der sich in einem »Dogfight« mit dem untoten Baron Manfred von Richthofen duelliert. Es gibt also auch einige Flugzeugbezeichnungen und Begriffe aus der Fliegerei. Wer weiß schon aus dem Stegreif, was ein Immelmann ist?

Hinzu kommt, dass die Recherche des Autors teilweise wohl sehr oberflächlich ausgefallen ist. Ca. 90% aller deutschen Begriffe, die er im englischen Text verwendet, sind falsch. Wenn ein deutscher Soldat dem amerikanischen Gefangenen das Kommando »to move« erteilt, steht dort »Verschieben!«. Das passiert, wenn man den erstbesten Begriff aus dem Googletranslator nimmt.
»The secret People« sind »das Geheime Volks«, den der Translator sagt ja, dass »people« »Volk« heißt.  We the people – Wir, das Volk …

Das Buch hätte auch ein gutes Lektorat vertragen können, da Nassise seine Sätze teilweise unnötig umständlich und kompliziert formuliert. Man hätte sie schon im Original kürzer und flüssiger formulieren können, was es für mich schwieriger macht, sie adäquat zu übersetzen. Im Deutschen kommt automatisch noch Text dazu, wodurch die ohnehin schon langen und umständlichen Sätze noch länger und damit fast unlesbar werden. Teilweise muss ich zwei Sätze daraus machen.

Ich bin natürlich nicht der Lektor des Originals, aber ich habe auch den Anspruch einen lesbaren, guten deutschen Text abzuliefern, weshalb ich gelegentlich mal etwas kürzen muss, ohne das aber der Inhalt verändert wird. Der Autor hat die Angewohnheit Sachen, die er gerade erst erklärt hat, oder die offensichtlich sind, kurz darauf noch einmal ausführlich zu erklären, was zu unnötigen Wiederholungen führt.

Ein Beispiel: der Pilot Freeman kämpft in einer Grube voller verwesender Leichen gegen einen mutierten Riesen. Als Waffe schnappt er sich einen spitzen Knochen. Nach dem beschrieben wurde, wie er sich den Knochen greift und hochhebt, wird kurz darauf, als er den Knochen als Waffe benutzt nochmal erwähnt, dass es der Knochen ist, den er in seiner Hand hält, obwohl das durch die Beschreibung von kurz zuvor offensichtlich ist.

Ein anderes Beispiel: He rolled down the sleeve of his wool uniform shirt and got up
from the camp stool he’d been sitting on.

Captain Burke steht aus dem Stuhl auf, in dem er gesessen hat. Aus welchem Stuhl soll er denn sonst aufstehen? Der zweite Teil des Satzes ist überflüssig. Im Englischen kann man das durchaus so formulieren, aber im Deutschen hört sich das holprig an.

Er rollte den Ärmel seines wollenen Uniformhemdes herab und stand aus dem Feldstuhl auf.

Das ist jetzt noch ein einfaches Beispiel mit einem kurzen Satz, aber das Prinzip zieht sich durch den gesamten Text und viele Sätze die, wenn ich sie ganz nah am Original übersetzen würde, oft mehr als 30 Wörter pro Satz haben.

Es ist immer wieder dieses »had«, dass der Autor gerne benutzt. »He swung the stick he had picked up a minute before.« Obwohl im Satz zuvor genau dieses Aufheben des Stocks beschrieben wurde. (Das ist jetzt ein erfundenes Beispiel)

Versteht mich aber nicht falsch, das sind typische Probleme, mit denen sich ein Übersetzer beschäftigen muss. Trotzdem ist »Das Blut der Helden« ein spannendes, unterhaltsames und einfallreiches Buch mit viel Action.

Zombies, Erster Weltkrieg, mechanische Hände, Luftkämpfe mit Doppeldeckern, ein untoter Baron von Richthofen, finstere Experimente in tiefen Verliesen, ein grausiges Gefangenlager, dessen Oberst Klink … äh Schulheim nicht ohne Grund spitz gefeilte Zähne hat.

Einerseits versuche ich dem Stil des Originals treu zu bleiben, andererseits aber auch einen lesbaren deutschen Text abzuliefern. Inhaltlich wird sich natürlich überhaupt nichts ändern. Es gibt nicht die richtige Übersetzung. Mit meiner Übersetzung versuche ich, die gleiche Wirkung des Originaltexts auf dessen Leser auch für den deutschen Leser zu erzeugen. Ob mir das gelingen wird, bleibt abzuwarten.

In meinem nächsten Werkstattbericht wird es einen längeren Textauszug als Beispiel geben.

 

P.S. Gebt mir bitte Bescheid, falls ihr in meinem Blog Werbeanzeigen seht. Das macht WordPress manchmal bei seinem kostenlosen Angebot (kostenlos für mich als Blogbetreiber). Dann muss ich doch ein paar Euro in die werbefreie Version investieren.

Hannibal – Die Serie

Das aktuelle und alles beherrschende Thema im Bereich TV-Serien lautet Breaking Bad keine Zeitung, kein Wochenmagazin, keine Internetseite, die momentan nicht über Walt White und sein Alter Ego Heisenberg berichtet. Auch ich verfolge aktuelle die letzten Folgen der vermutlich wirklich besten Serie aller Zeiten auf iTunes. Ich bin von Anfang an dabei, seit die erste Staffel anlief, und ja, auch für mich ist die finale Staffel das Fernsehereignis des Jahres. Deshalb verzichte ich momentan darauf, hier darüber zu schreiben. Im aktuellen Spiegel gibt es einen hervorragenden Artikel, der beschreibt, was die Serie so außergewöhnlich und einzigartig macht.

Aber es gibt auch eine Zeit nach Breaking Bad, nächste Woche Sonntag endet dieses Meisterwerk der Erzählkunst. Zeit, sich neue Serien zu suchen. Erstaunlicherweise hat ein Networksender (ausgerechnet der Gurkengarant NBC) eine interessante Serie im Angebot: Hannibal

Hannibal3© 2012 NBC Universal Media, LLC

Ich habe bereits im April über die Serie berichtet. Inzwischen habe ich die komplette erste Staffel gesehen, die ab dem 10. Oktober auch auf Sat 1 (garantiert gekürzt) anlaufen wird. Bin mal gespannt, wie lange sie durchhalten. Alternativ kann man sie sich aber auch schon auf Maxdom anschauen.

Hannibal basiert auf den Romanen von Thomas Harris und erzählt die Vorgeschichte zum ersten Band „Roter Drache“. Im Fokus stehen der FBI Agent Will Graham und der Psychiater Hannibal Lecter.

Graham besitzt eine besondere Gabe, er kann sich an Tatorten in die Gedankenwelt von Mördern hineinversetzen und erlebt die Tat aus deren Perspektive, was von der Serie in beeindruckend schaurig-schönen Bildern präsentiert wird. Für Graham wird es aber immer schwieriger, aus diesen abgründigen Gedankenwelten zurückzukehren. Sein Chef Jack Crawford (Lawrence Fishburne) macht sich Sorgen, will aber auch nicht auf seinen besten Mann verzichten, deshalb zieht er den renommierten Psychiater Dr. Hannibal Lecter zu Rate. Der ist fasziniert von Graham und beginnt eine eingenartige Beziehung zu ihm, die aus einer Mischung von Freundschaft und perfid-perverser Manipulation besteht.

Diese Beziehung ist das Hauptthema der Serie. Zwar gibt es gelegentlich auch den Serienkiller der Woche, um Crawfords Beziehungprobleme, die FBI-Psychologin Dr. Alana Bloom und die Tochter eines Serienkillers, aber im Mittelpunkt steht die intensive Beziehung zwischen Graham und Lecter.

Hannibal2© 2012 NBC Universal Media, LLC

Wer hier actionreiche Spannung wie bei Criminal Minds erwartet, ist an der falschen Adresse. Hannibal ist weniger Thriller denn vielmehr Psychodrama. Obwohl die Grausamkeiten, die hier teilweise präsentiert werden, ihresgleichen suchen, steht  das Seelenleben der Figuren im Vordergrund. Und das ist düster. So wie die ganze Serie extrem düster ist. Diese Finsternis wird dabei in wunderschönen eleganten Bildern präsentiert, die mehr Kunstwerken gleichen und weniger den runtergekurbelten Network-Procedurals, die man sonst auf NBC findet. Hinzu kommt ein ausgefeiltes und atmosphärisch dichtes Sounddesign.

Der Humor der Serie ist sehr makaber, bösartig und subtil, er setzt bei den Zuschauern das (mit Sicherheit vorhandene) Wissen um Hannibal Lecter und seine kulinarischen Gewohnheiten voraus, die in der Serie mit der Eleganz eines Fünf-Sterne-Kochs inszeniert werden.

Apropos Hannibal, der hier von Mads Mikkelson gespielte Hannibal ist ganz anders, als die ikonische Interpretation von Anthony Hopkins. Wo bei Hopkins jederzeit die körperliche Aggressivität eines Raubtieres präsent ist, kommt Mikkelson sehr viel zurückhaltender daher. Seine Darstellung ist deutlich reduzierter und unscheinbarer. Was aber auch zur Serie passt, schließlich weiß bei Hopkins Hannibal jeder, mit wem er es zutun hat, während er in der Serie noch größtenteils im Verborgenen agiert. Mikkelsons Hannibal weiß durchaus zu gefallen, aber die Bedrohlichkeit von Hopkins fehlt ein wenig. Ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten, Mikkelson sei ein Paradeabsolvent der Steven Seagal Schauspielschule, aber seine Mimik ist teilweise etwas zu reduziert, um dem Intellekt Hannibals gerecht zu werden.

Serienkillerserien sind momentan groß in Mode, in meinem oben verlinkten Artikel gehe ich näher auf dieses Phänomen ein. In Hannibal wird der Serienkiller, also Hannibal Lecter, anders als in Dexter oder auch in den Filmen, nicht zum Helden stilisiert. Er handelt von Anfang an amoralisch, grausam und stets zu seinem eigenen Nutzen und Vergnügen. Er tötet und manipuliert aus reiner Neugierde. Auch wenn er eine faszinierende Persönlichkeit ist, besteht kein Zweifel daran, dass er der Bösewicht der Serie ist. Die Perfidität, mit der er Will Graham im Verlauf der Serie manipuliert, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Der einzige Ausgleich zu dieser Kaltblütigkeit entsteht, wenn er seinerseits zu Therapiesitzungen mit der von Gillian Anderson gespielten Therapeutin Dr. Du Maurier geht. Sie ahnt, was unter seiner Oberfläche lauert, was hinter seinem Bestreben nach Freundschaft wirklich steckt.

Hannibal ist ein schaurig schönes Gemälde aus Mord, Verderben, Abgründigkeit und Kontrollverlust. Eine der Serienüberraschungen des Jahres, elegant gefilmt, psychologisch tiefgründig, dabei stets abgründig und bedrohlich.

Anstand und Zuverlässigkeit im Bewerbungsprozess

Manche Blogleser mögen es schon mitbekommen habe, mein Studium ist bald zu Ende und ich befinde mich gerade in der Bewerbungsphase. Das heißt, ich durchforste das Internet nach Stellenanzeigen und bewerbe mich, wenn ich meine, dass ich zur Stelle passe und umgekehrt. Mir ist zwar schon vorher klar gewesen, dass dies ein langwieriger und frustrierender Prozess werden kann, aber ärgern tut es mich trotzdem.

Ich bin noch lange nicht so weit, frustriert zu sein, von 70 bis 100 vergeblichen Bewerbungen, bin ich noch weit entfernt. Bisher sind es 8. Von diesen 8 Bewerbungen hab ich bisher nur 3 Reaktionen bekommen. Ich weiß ja, dass es inzwischen (vielleicht auch schon immer) üblich sein soll, dass Unternehmen gar nicht auf Bewerbungen reagieren, aber gerade von Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitsbereich hatte ich da Besseres erwartet. Von 5 Einrichtungen gab es weder eine Eingangsbestätigung noch eine Absage. Die Bewerbungen habe ich teils per E-Mail und teils schriftlich eingereicht. Von der Vorstellung meine Bewerbungsmappen zurückzubekommen, hatte ich mich schon von Anfang an verabschiedet. Aber das man (einen Monat nach Ende der Bewerbungsfrist) so gar nichts hört, empfinde ich doch als sehr unhöflich. Kann ja sein, dass ich für die Stellen nicht infrage komme, nicht qualifiziert bin oder irgendetwas schrecklich falsch mit meiner Bewerbung gemacht habe, aber man könnte doch zumindest so höflich sein, eine Absage zu schicken, und wenn es nur per E-Mail ist.

Von einer Einrichtung gab es eine Absage mit dem Hinweis, man würde mich in den aktiven Bewerberpool einfügen – das war auch eine Initiativbewerbung. Von den Bewerbungen auf konkrete Stellenanzeigen gab es exakt eine Eingangsbestätigung, mit dem Hinweis, man würde die Bewerbung an die zuständige Abeilung weiterleiten und es könne etwas länger dauern, bis man sich melde. Ist auch schon über einen Monat her, aber Okay, da weiß ich wenigsten Bescheid.

Die einzige schnelle und positive Reaktion gab es dann tatsächlich aus der Wirtschaft. Ein Internet-Start-up – da hatte ich bereits 2 Tage nach Eingang der Bewerbung ein Vorstellungsgespräch. Dass es dann im beidseitigen Einvernehmen nicht geklappt hat, ist eine andere Sache.

Reaktionen auf die restlichen fünf Bewerbungen (vier davon auf konkrete Stellenanzeigen): gleich null. Von Arbeitnehmern wird in der Regel Zuverlässigkeit, Flexibilität und Gründlichkeit erwartet. Das sind Anforderungen, die ich auch an Arbeitgeber stelle. Aber hey, keine Reaktion ist auch eine Reaktion. Das sagt auch etwas über die Wertschätzung und den Umgang der Einrichtung bzw. des Unternehmens gegenüber seinen (potentiellen) Mitarbeitern aus. Da ist es vielleicht gut, wenn man dort nicht landet.

Aber ich befinde mich ja immer noch am Anfang meiner Bewerbungsphase. Momentan warte ich noch auf die Bewertung meiner Bachelorarbeit, werde noch bis Ende September offiziell Student sein und vermutlich Mitte Oktober meinen Studienabschluss in der Tasche haben. Bis Ende Oktober habe ich auch noch gut mit einer Übersetzung zu tun und sollte es bis November nicht mit einer festen Stelle klappen, kann ich vielleicht auch noch einen Übersetzungsauftrag an Land ziehen, der mich bis Ende des Jahres beschäftigt hält. Ich bin also arbeitssuchend, aber durchaus nicht arbeitslos.

Trotzdem musste ich mal meinen kleinen Ärger über diese Nicht-Reaktionen loswerden. Vielleicht bin ich da in der Vergangenheit auch zu sehr verwöhnt worden. Schon während ich in meinem ersten Studium an der Diplomarbeit schrieb, hatte ich meine Stelle für die Zeit danach in der Tasche. Vier Bewerbungen, drei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und das dritte habe ich abgesagt, weil ich nach dem zweiten schon eine Zusage hatte.
Während des Studium hatte ich mich mal an der Uni und bei der DPA beworben, die Stellen habe ich zwar nicht bekommen, aber zumindest die Chance, mich in einem Bewerbungsgespräch vorzustellen. Selbst als ich mich vor drei Jahren (als blutiger Anfänger viel zu früh) mal als Übersetzer bei 6 Verlagen beworben habe, gab es von 5 eine Standardabsage, und von einem später sogar doch noch eine Zusage.

Diese Nicht-Reaktionen sind also eine neue Erfahrung für mich. Vielleicht bin ich da ja zu ungeduldig, und die Auswahlphase dauert tatsächlich so lange? An der Uni war ich mal in der Berufungskommission für eine Professur, da gab es unzählige Sitzungen mit Auswahlprozessen, das hat sich über Monate hingezogen, aber an Unis ticken die Uhren auch etwas anders.

Ich werde mich jedenfalls weiter fleißig bewerben. Noch gehe ich die ganze Sache ganz entspannt an.

Buchempfehlung: Spin von Robert Charles Wilson

Keine Zeit zum bloggen, deshalb ne alte Rezi, die mal bei X-Zine.de erschienen ist:

Spin von Robert Charles Wilson

Robert Charles Wilson ist gut darin, Dinge verschwinden bzw. auftauchen zu lassen. In „Darwinia“ war es ganz Europa, das verschwand. In „Die Chronolithen“ tauchten riesige Monumente aus der Zukunft aus. In „Spin“, lässt er gar die Sterne verschwinden. Zumindest wirkt es so auf die ca. zwölfjährigen Freunde Tyler, Jason und Diane. Sie sitzen im Garten beobachten mit einem Teleskop den Himmel, und plötzlich sind die Sternen weg.
Das alles und das Leben der Drei erzählt Tyler aus seiner Perspektive im Jahr 4 x 10 hoch 9. Was den Leser erst einmal verwundern mag, scheinen die Kinder doch in unserer Gegenwart aufzuwachsen. Aber da es sich ja um einen Science Fiction Roman handelt ist es auch nicht so ungewöhnlich, und wird im Laufe der Geschichte aufgeklärt. Denn es sind nicht die Sterne, die verschwinden, sondern nur die Aussicht auf sie. Die Erde ist plötzlich von einem Energieschirm umgeben, der sie vom restlichen Universum abschirmt. Diese Tatsache sorgt natürlich für Beunruhigung unter den Menschen. Einige verfallen neuen Glaubensrichtungen und warten teilweise auf das Ende der Welt. Andere wollen das Phänomen wissenschaftlich untersuchen. Zu ihnen gehört auch Jason, Dianes Bruder und Tylers hochbegabter Freund, der eine Karriere als Wissenschaftler einschlägt und zusammen mit seinem Vater ein Unternehmen zur Erforschung des Spins leitet. Währenddessen wendet sich Diane immer mehr der Religion zu und entfernt sich immer weiter von ihren Freunden und ihrer Familie. Tyler wird Arzt, hält immer losen Kontakt zu Jason und landet am Ende auch in dessen Firma. Doch was ist der Spin, welche Auswirkungen hat er, welche Gefahren birgt er und vor allem wer hat in geschaffen?

Im Prinzip erzählt Wilson die Lebensgeschichte von Tyler, die eng mit Diane und Jason, und somit auch eng mit dem Spin verbunden ist. Das plötzliche Auftauchen eines solchen Phänomens lässt sich am besten mit Kinderaugen schildern. Kindliche Neugier, noch frei von Ängsten und religiösen Schlussfolgerungen.
Es ist die große Stärke des Romans, dass sich Wilson in erster Linie auf die Figuren konzentriert, dann erst auf das Phänomen und seine gesellschaftlichen Auswirkungen. Damit hebt er sich von den vielen Hard-SF Romane ab, die sich nur auf das wissenschaftliche konzentrieren. Er bindet den Leser mit in die Geschichte ein, und lässt in mit den Figuren Freud und Leid teilen. Er schafft sympathische Identifikationsfiguren, und erzählt eine packende Geschichte ohne dabei die Idee aus den Augen zu lassen.
Wilson lässt sich immer was Gutes als Aufmacher einfallen, und macht dann daraus eine spannende Geschichte mit guten Charakteren.

Die Geschichte zeigt auch, wie ein einzelnes Ereignis die ganze Menschheit aus der Bahn werfen kann. Apokalyptiker und andere religiöse „Gurus“ bekommen Hochkonjunktur. Die Zivilisation steht am Rande der Anarchie. Die Menschen leben als würde es kein Morgen geben. Das wird es vielleicht auch nicht. Aber ein paar wenige bleiben mit beiden Füßen in der Realität verankert. Unter ihnen Jason und Tyler, sie versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Das ganze Szenario zeigt wie sehr sich Menschen vor Veränderung fürchten, und in ihrer Furcht selber zu dem von ihnen befürchteten Untergang der Zivilisation beitragen.

In „Spin“ gibt es keine Raumschlachten, keine Kriege und sowieso wenig Action. Obwohl ein spektakuläres Ereignis eintritt, ist „Spin“ eher ein ruhiger Roman, der an den sogenannten „Sense of Wonder“ aus älteren Science Fiction Büchern erinnert. Für mich bisher der beste SF-Roman des Jahres.

Wo man mich (nicht mehr) trifft

In Berlin! Ich werde umziehen. Vier Jahre nachdem ich für mein Studium von Hilgert (im Westerwald) nach Berlin gezogen bin, werde ich jetzt in meine Heimat zurückkehren. „Jetzt“ heißt übrigens am Donnerstag (5.9.13) per Fernbus. Der komplette Umzug wird wahrscheinlich am 28.9 stattfinden. Die Entscheidung ist nach reiflicher Überlegung dann etwas kurzfristig (letzte Woche Donnerstag endgültig) gefallen, weshalb ich es leider nicht geschafft habe, mich mit allen Berliner Freunden noch mal zu treffen.

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Einerseits freue ich mich auf den Westerwald, und dass ich nicht mehr zwischen zwei Wohnsitzen hin und her pendeln werde, ohne irgendwo richtig heimisch zu sein, andererseits wird mir Berlin sehr fehlen. Warum und was mir an Berlin so gefällt, darüber werde ich demnächst noch einen eigenen Blogeintrag verfassen.

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In Zukunft kann man mich wieder hier treffen

Berlin werde ich nächstes Jahr aber auf jeden Fall besuchen, und ich schließe auch nicht aus, in Zukunft nochmal in die Hauptstadt zu ziehen, sollte es sich beruflich so ergeben. Ich mag die Abwechslung.

So, und jetzt gehe ich noch ein letztes Mal zum Stöbern in die beste Buchhandlung der Welt.