Was macht ein gutes Fantasycover aus? (Teil 1)

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Titelillustration von Marc Simonetti. Quelle: Penguin-Randomhouse

Im Forum der Bibliotheka Phantastika wird regelmäßig über neue Cover bzw. Titelbilder von (vor allem, aber nicht nur) Fantasybüchern diskutiert. Und als gero kürzlich Folgendes zu dem Cover von Michael J. Sullivan schrieb:

Ich persönlich finde das Cover großartig, und es ist für mich mal wieder ein Beweis, dass „gemalte“ Cover (egal, ob konventionell mit Öl- oder Acrylfarben oder am PC entstanden) diesen nachbearbeiteten Fotos, die momentan auch in der Fantasy ziemlich in sind, weit überlegen sind (sofern der Künstler was kann, schon klar ;)). Cover wie dieses gewähren mMn einen Blick in eine andere Welt, wohingegen sowas – das ist jetzt ein willkürlich gewähltes Beispiel, ich hätte auch ein Dutzend andere Bilder nehmen können – für mich den Eindruck vermittelt, da sind ein paar LARPer zum nächsten Auftritt unterwegs.

habe ich mich gefragt, was für mich ein gutes Cover ausmacht? Es heißt ja: don’t judge a book by it’s cover. Und da ist natürlich was dran. Ich kaufe mir kein Buch, nur weil es ein tolles Cover hat. Und ich lasse auch kein Buch liegen, weil mir da eine ästhetische Scheußlichkeit vom Buchdeckel ins Gesicht springt.

Aber wenn ich eine Buchhandlung gehe, in der mehrere hundert oder sogar über tausend Bücher in den Regalen stehen, dann kann ich mir nicht zu jedem einzelnen den Klappentext und die ersten Seiten durchlesen. Da muss ich eine Vorauswahl treffen. Ist mir der Name des Autors bekannt oder ich habe sogar ein paar Rezensionen zu dem Buch gelesen, werde ich natürlich dadurch schon beeinflusst. Aber bei mir völlig unbekannten Autoren und Bücher findet die erste Auswahl eben durch das Cover und den Buchtitel statt.

Um mir ins Auge zu fallen, sollte beides möglichst ansprechend gestaltet sein, um sich von der Masse der anderen Bücher, die mit den Füßen scharrend um meine Aufmerksamkeit buhlen. Da reicht es nicht, einfach den Arm zu heben und zu rufen: »Hier, nimm mich, nimm mich.« Gerade in der Fantasy muss mir das Cover nicht nur optisch gefallen. Es muss mich verführen, mir eine Geschichte versprechen. Und zwar nicht irgendeine, sondern eine voller Abenteuer, Mysterien, Dramen und Spannung.

Warum gerade in der Fantasy? Das hat sich wohl über die Jahrzehnte so entwickelt. In anderen Genres wie dem Krimi oder der allgemeinen Belletristik sind mir die Cover nicht so wichtig, dort haben sie auch oft wenig mit dem Inhalt zu tun. Aber in der Fantasy hat sich, wenn ich mich nicht täusche, vor allem ab den 70er Jahren durch Künstler wie Michael Whelan oder Frank Frazzetta eine Tradition der ansprechenden Bildgestaltung auf den Covern von Fantasybüchern entwickelt, die – zumindest im Idealfall – ein wenig von der Magie der von ihnen bebilderten Geschichte widerspiegeln.

Ich versuche, das Thema mal anhand von einigen älteren Beispielen aus meinen Bücherregalen zu erläutern, die ganz gut die Tradition der Fantasycover auf dem deutschen Buchmarkt wiederspiegeln. Wobei diese Betrachtung natürlich völlig subjektiv und von meiner eigenen Lesehistorie in den 90er Jahren stark beeinflusst ist.

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Das hier ist das erste Fantasybuch, das ich je gelesen habe. Nach langem Stöbern in einer Buchhandlung, dem Lesen vieler Klappentexte und dem Betrachten vieler Cover entschied ich mich für Der Lehrling der Magiers von Raymond Feist. Eine Entscheidung, die goldrichtig war. Denn damit begann eine Leidenschaft, die bis heute anhält.

Der Titel deutet ja schon darauf hin, dass es um einen Magierlehrling als Hauptfigur geht. Da liegt es nahe, dass es eben jener Junge ist, der hier über einem großen und geheimnisvoll wirkenden Buch brütet, während die brennenden Säbel drohend über seinem Kopf schweben. Das verheißt auf den ersten Blick Abenteuer und Magie. Und genau das bekommt man auch. Über den trantütigen Blick des jungen Mannes lässt sich allerdings streiten.

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Auch die Bilder von Teil 2 und 3 (die ebenfalls von Ferenc Regös stammen) passen zu den jeweiligen Geschichten und versprechen Abenteuer (junger? Mann mit Reisekleidung, Schwert und Bogen vor malerischer Flusslandschaft) und Spannung (düstere Gestalten in Kapuzenumhängen mit gefährlich langen Dolchen vor einer auf einem Berg thronenden Festung). Wobei mich die Dolche durch die unterschiedliche Griffhaltung etwas irritieren.

Das sind jetzt alles keine wirklich Meisterwerke der Titelbildgestaltung, aber sie liefern brauchbare Hinweise auf den Inhalt und wecken Neugierde. Vor allem, wenn man sie mit der völlig nichtssagenden und überhaupt nicht zum Inhalt passenden Covergestaltung der aktuellen Neuauflagen vergleicht, die für alle drei Bände ähnlich aussieht, nur mit anderen Farben und ein paar Abweichungen in Details.

Die Midkemia-Saga 1 von Raymond Feist

Die Midkemia-Saga 1 von Raymond Feist

Damals Mitte der 90er Jahre, als wir noch kein Internet hatten, und ich auch keine Ahnung von irgendwelchen Fantasymagazinen, waren Cover und Klappentext so ziemliche meine einzigen Entscheidungshilfen bei der Bücherauswahl.

Die kam dann auch bei einem meiner nächsten Fantasybücher zum Tragen. Den Sammelband mit 6 Romanen um Elric von Melnibone von Michael Moorcock. Bis heute eines meiner liebsten Bücher, dass ich, ähnlich wie jene von Feist, schon mehrfach gelesen habe.

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Hier war es die bleiche Gestalt, mit den dämonischen roten Augen, dem finsteren Blick, der martialischen, schwarzen Rüstung und dem verdammt großen Schwert, die mein Interesse weckte. Ach ja, und natürlich die Drachen. Auch hier passt das Bild zum Inhalt, zeigt es doch den tragischen Titel(anti-)helden Elric von Melnibone, unglücklicher Herrscher eines Volkes von dekadenten Drachenreitern. Ein Cover (von Rodney Matthews, das direkt auf den ersten Blick keine optimistische High Fantasy verspricht, sondern düstere, ambivalente Sword & Sorcery.

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Ähnliches gilt auch für die beiden Kane-Titelillustrationen von Frank Frazetta, mit seinen muskolösen Barbaren, die allerdings nicht so ganz mit der Titelfigur korrespondieren.

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An den Titelzeichnungen zu Die vergessenen Reiche (Forgotten Realms) von Larry Elmore erkennt der erfahrene Fantasyleser sofort, dass es sich um Rollenspielfantasy handelt (also Fantasy, die auf Pen-&-Paper-Rollenspielen wie Dungeons and Dragons basieren), sieht man doch hier die einzelnen Teilnehmer der Heldengruppe abgebildet. In diesem Fall der Barbar Wulfgar, der Dunkelelf Drizzt, der Zwerg Bruenor und der Halbing Regis. Man ahnt sofort, dass diese Truppe gemeinsam Abenteuer in unwirtlichen, von schneebedeckten und zerklüfteten Gegenden erleben werden. Oder besser gesagt, dass man diese Abenteuer als Leser gemeinsam mit den Helden erleben wird.

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Ähnlich sieht es bei den Titelbildern der Drachenlanze aus, wobei man hier die Zeichnungen von Larry Elmore leider durch die wappenförmige Gestaltung des Covers viel zu sehr einschränkt und abschneidet; was man wohl getan hat, um ein wiedererkennbares Design der Serie zu schaffen. Auch hier werden Teile der Heldengruppe abgebildet.

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Auf den Titelbilllustrationen von Geoff Taylor zu David Eddings weitaus familienfreundlicheren High-Fantasy-Saga sieht man zwar auch Mitglieder der Heldengruppe, aber deutlich weniger martialisch dargestellt, mit einem Schwerpunkt auf den fantastischen Landschaften, in die er Leser bei der Lektüre abtauchen darf.

Solche Landschaftsillustrationen sind mir persönlich (neben opulenten Städten) die liebsten Fantasycover, da nichts so sehr Abenteuer verspricht, wie exotische, atemberaubende Landschaften. Die verhältnismäßig geringe Größe der Figuren vor diesen gewaltigen Landschaften verdeutlicht die Herausforderung, die diese Landschaft in ihrer Unermesslichkeit und mit all ihren Gefahren für die Protagonisten auf ihrer Heldenreise darstellen.

Eigentlich sollte das hier nur ein kurzer Beitrag darüber werden, was mir an Fantasycovern gefällt, und was nicht. Doch ich merke gerade, dass es da doch einiges zu sagen bzw. schreiben gibt, und ich, wenn ich meine Vorlieben erläutere, auch ein wenig auf die Genrehistorie auf dem deutschen Buchmarkt eingehen muss, so weit ich sie erlebt habe (also ab Mitte der 90er Jahre ungefähr). Und da ein einzelner Blogeintrag nicht zu lange werden sollte, wird es noch mehrere Teile zu dem Thema geben. Hier schließe ich jetzt erst mal mit einigen der ersten Cover ab, die mich geprägt haben, bevor es dann im nächsten Teil zu einigen Büchern geht, die ich mir gekauft habe (und die mir sehr gefallen haben), obwohl ich ihre Cover nicht so toll fand.

Zu den hier gezeigten Cover sei noch gesagt, dass ich sie jetzt nicht alle so gut fand, dass ich sie mir als Poster an die Wand hängen würde, aber jedes einzelne von ihnen hat etwas in mir angesprochen. Mit den Jahren hat sich mein Geschmack auch ein wenig verändert.

„Sternenschiff“ von Rachel Bach

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Ein Liebesroman mit Action im Weltraum. So beschreibt die Autorin ihr Buch scherzhaft im Interview am Ende des Buches. Das trifft es ziemlich genau, und es macht erstaunlich viel Spaß. Die Einflüsse der Geschichte um die Söldnerin Devi aus dem Königreich Paradox, die auf dem berühmt-berüchtigten Schiff Glücklicher Naar anheuert, dessen Sicherheitsmitarbeiter eine geringe Lebensdauer haben soll, denen aber tolle Berufsaussichten winken, wenn sie überleben, sind recht deutlich zu erkennen. Zum Glück verwendet die Autorin dabei nicht so holprige Schachtelsätze, wie den vorangegangenen, sondern bedient sich einer einfachen, flotten Sprache, um diese an Warhammer 40K aber auch Military-SF á la Kris Longknife angelehnte Geschichte zu erzählen, in der es um einen zwielichtigen Kapitän mit einer sympathischen Besatzung geht, die aber voller Geheimnisse steckt.

Es wird gar nicht so viel gekämpft, wie man vielleicht vermutet, aber wenn, dann geht es richtig zur Sache und erinnert mit Devis mechanisch-elektronischer Kampfrüstung und ihrem glühenden Thermitschwert stark an japanische Videospiele wie Final Fantasy. Devi ist eine tolle Frauenfigur, gar nicht so die klischeehafte Söldnerin, sondern eher eine abgeklärte Kampfsau mit liebenswürdigen Zügen, einem Hang zur Romantik und einem Hitzkopf, der sie ständig in Schwierigkeiten bringt. Zum Beispiel, wenn sie sich in den mysteriösen Schiffskoch Rupert verliebt, der ihr gerade durch seine zurückhaltende und schüchterne Art den Kopf verdreht.

Die meiste Zeit spielt die Handlung auf dem kleinen Schiff, ab und zu geht es mal auf einen gefährlichen Planeten oder ein noch gefährlicheres gegnerisches Schiff, während sich die Besatzung auf für Devi unbekannter Mission befindet. Apropos Besatzung, die besteht nicht nur aus Menschen, sondern auch aus einem vogelartigen Navigator und einem echsenartigen Schiffsarzt, der einer Rasse angehört, die am liebsten Menschen schlachtet und verspeist (aber eigentlich ein netter Kerl ist).

Viel Tiefgang oder außergewöhnlichen Weltenbau bietet die Geschichte nicht, aber das muss sie auch nicht. Als locker flockige Popcornunterhaltung macht sie auf ihre oberflächliche aber durchaus sympathische Art viel Spaß. Das ist genau die richtige Abwechslung, wenn man zwischen sperrigen Autoren wie Neal Stephenson und Kim Stanley Robinson mal etwas Leichtes benötigt. Aber anders als viele andere einfach gehaltene Space-Action-Romane, gibt es in Bachs Sternenschiff dreidimensionale Figuren mit Herz und einem gut ausgearbeiteten Hintergrund, der über die üblichen Abziehbilder hinausgeht. Trotz des relativ hohen Anteils an Action und Söldnergerede dreht sich die Geschichte vor allem um ihre Handlungsfiguren, allen voran die Ich-Erzählerin Devi.

Ach ja, es handelt sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte. Ein paar Geheimnisse werden gelüftet, aber vieles bleibt offen, und wird wohl erst in den beiden Fortsetzungen erklärt, die bisher aber nur auf Englisch erschienen sind. Vom langweiligen deutschen Titelbild und dem nichtssagenden und einfallslosen Titel Sternenschiff sollte man sich nicht abschrecken lassen. Im Original hat sich die Autorin mit Fortune’s Pawn, Honor’s Knight und Heaven’s Queen wohl von David Eddings inspirieren lassen, der in den fünf Titeln seiner Belgariad-Saga auch jeweils eine Schachfigur untergebracht hat. Die Übersetzung von Irene Holicki ließt sich ganz ordentlich, schwächt aber mit ihrer manchmal etwas biederen Wortwahl die rotzfrechen Formulierungen der Ich-Erzählerin im Original ein wenig ab.

Zu Beispiel wurde aus: Cotter leaned forward. »Where do you get off being such a bossy bitch?«

I looked him dead in the eyes. »I was born a bossy bitch, so you can either roll with it or get rolled over.«

»Cotter beugte sich vor. »Wo hast du eigentlich gelernt, so stur und zickig zu sein?

Ich schaute ihm fest in die Augen. »Ich wurde stur und zickig geboren, also spiel mit, oder du wirst überrollt.«

Autorin Rachel Bach lebt übrigens in der Stadt Athens im US-Bundestaat Georgia, nicht in Athen, wie es im Buch in der Autorinnenbeschreibung steht.😉

Belegexemplar eingetroffen: phantastisch! Nr. 63

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Mein Belegexemplar der aktuellen phantastisch! ist eingetroffen, die, nachdem kürzlich bekannt wurde, dass die Nautilus eingestellt wird (die ich allerdings nie gelesen habe), das letzte regelmäßig erscheinende gedruckte Phantastikmagazin in deutscher Sprache ist, das den Schwerpunkt nicht auf Blockbusterfilmen hat (dabei denke ich an die Geek, die aber auch einen kleinen Literaturteil hat).

Nach erstem Durchblättern habe ich schon einige Artikel entdeckt, auf deren Lektüre ich mich freue. Ein Interview mit dem in Deutschland viel zu wenig stattfindenden Tim Powers, von dem auch viel zu wenig auf Deutsch veröffentlicht wird. Ich finde es sehr löblich, dass die phantastisch! Autoren interviewt, die bei uns (oder zumindest bei den deutschen Verlagen) aktuell nicht so hoch im Kurs stehen, wie in der letzten Ausgabe z. b. Gregory Benford.

Auch freut es mich, dass Achim Schnurrer einen Bericht über das PAN-Branchentreffen in Köln geschrieben hat, das im April stattfand und an dem ich auch teilgenommen habe. Eigentlich wollte ich auch einen Bericht schreiben, habe es aber irgendwie nicht auf die Reihe bekommen.

Mit einem kurzen Artikel stellt Christian Endres Paolo Bacigalupi vor, dessen Debütroman The Wind Up Girl (Biokrieg) ich großartig fand, und dessen aktueller Roman The Water Knife (Water) im letzten Jahr auch außerhalb des Genres für Aufsehen sorgte. Muss ich unbedingt noch lesen.

Gespannt bin ich auch auf den Artikel über die neue Reihe an phantastisch-historischen Serien, wie dem ausgezeichneten Penny Dreadful mit der herausragenden Eva Green, einer Horrorserie, die in der dritten Staffel leider etwas überhastet zum Abschluss gebracht wurde. Oder die großartige Verfilmung von Susanna Clarkes Jonathan Strange und Mr Norrel. The Frankenstein Chronicles und Houdini und Doyle interessieren mich eigentlich nicht, aber vielleicht ändert der Artikel das ja.

Was ich nicht lesen werde, ist die Kurzgeschichte Der Holzkobold von Brian Stavely. Denn diese Geschichte um einen melancholischen kleinen Holzdieb kenne ich schon, da ich sie übersetzt habe. Stavley Fantasyroman der verlorenen Thron kann ich übrigens nur empfehlen.

An dieser Stelle möchte ich mich mal bei den Machern der phantastisch! bedanken, die es seit 63 Ausgaben schaffen, vier Mal im Jahr immer pünktlich und auf gleichbleibendem Niveau Phantastisches abzuliefern. Auch, wenn ich mir hier und da eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit dem Genre wünschen würde. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, und die phantastisch! bleibt ihrer Linie konsequent treu.

Was dürfen Bücher kosten?

Da ich selbst vom Übersetzen von Büchern lebe, und davon, dass die Leserinnen und Leser dafür bezahlen, habe ich natürlich ein direktes Interesse daran, dass sich Bücher gut verkaufen. Aber in diesem Beitrag möchte ich die Frage rein aus Leserperspektive beantworten. Der Preis eines Buches wirkt sich übrigens überhaupt nicht auf das Honorar des Übersetzers aus. Ich zumindest weiß nicht, was das Buch, dass ich übersetze, später kosten wird.

Ein Blick auf meine Bücherregale zeigt schnell, dass die Taschenbücher eindeutig dominieren. Ich würde mal sagen, 80% meiner Bücher sind Taschenbücher (und Paperbacks). Das hat mehrere Gründe. Die Sammlung habe ich mir in den letzten zwanzig Jahren angelegt, angefangen als Schüler, der mit seinem Budget haushalten musste. Dazu kommt, dass ich damals fast ausschließlich Fantasy und Science Fiction gelesen habe, was beides klassische Taschenbuchgenres sind, in denen nur wenige Titel zunächst als Hardcover erscheinen. Da ich nach der Schulzeit eine nicht unbeträchtliche Zeit meines Lebens Student gewesen bin, musste ich auch in dieser Phase darauf achten, wie viel Geld ich ausgebe, und teure Hardcovers ab 20 Euro aufwärts waren da nicht drin.

Inzwischen ist die finanzielle Lage etwas entspannter, aber da man vom Übersetzen auch nicht gerade reich wird, schaue ich immer noch sehr genau darauf, was ein Buch kostet. Da geht es nicht nur darum, ob ich es mir leisten kann, sondern auch darum, ob ich es mir leisten will. 25 Euro für einen mir unbekannten Autor, mit dem Risiko, dass mir das Buch nicht gefällt und ich es abbreche, ist mir ein zu hohes Risiko. Meine Grenze bei Autoren, von denen ich noch nichts gelesen habe, liegt bei 15 Euro. Da ist gerade noch so ein Klappenbroschur drin (wie zuletzt z. B. Das Schiff von Andreas Brandhorst).

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Hardcover kaufe ich fast ausschließlich von meinen wenigen Lieblingsautoren, vor allem von Stephen King, dessen neu erschienenen Werke im Hardcover auch nicht so teuer sind. Ganz selten mal von einem Autor, den ich noch nicht kenne, wenn ich aufgrund von Rezensionen oder sonstigen Gründen brennend neugierig auf das Buch bin. Wie zuletzt z. B. bei Auerhaus von Bov Bjerg oder im letzten Jahr The Grace of Kings von Ken Liu (fast 30 Euro). Ansonsten lese ich Hardcover meist, wenn ich sie mir in unserer Gemeindebücherei ausleihe, wie zuletzt z. B. Diese Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi.

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Ein zweiter Grund, warum ich wenig Hardcover kaufe, ist der Platz im Regal. Mit über 2.000 Bücher habe ich davon einfach nicht mehr viel. Meine über zwei Zimmer verteilte Bibliothek platzt aus allen Nähten, weshalb ich inzwischen verstärkt eBooks kaufe. Denn wenn ich mir ein Buch kaufe, dann behalte ich es auch (wobei ich kein Sammler bin, der einheitliche Ausgabe von Reihen und Serien haben muss). Ein paar gehen höchstens Mal als Spende an die Bücherei, aber ich verkaufe keine gebrauchten Bücher. Ich möchte meine Schätze behalten, selbst jene, die nicht so schön funkeln.

Hardcover sind auch ziemlich unhandlich. Ich weiß noch, dass ich, als ich Frank Schätzings Der Schwarm las, ständig Angst hatte, im Bett (meinem liebsten Leseort) davon erschlagen zu werden.

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Aber was darf ein Hardover kosten, damit ich es mir kaufe? Nicht mehr als 25 Euro. Das ist meine persönliche Grenze. Die Ausnahmen in meinem Regal kann man an einer Hand abzählen oder wurden mir geschenkt oder sonst wie kostenfrei zugeführt.

Zwischen Hardcover und Taschenbuch gibt es ja noch den unsäglichen Klappenbroschur bzw. das Paperback, das das Schlechteste aus beiden Welten vereint. Ist wie ein Taschenbuch verarbeitet, kostet aber fast so viel wie ein Hardcover und nimmt oft genauso viel Platz weg und ist ähnlich unhandlich, aber nicht so gut und stabil verarbeitet, da der runde Buchrücken fehlt – also auch unpraktisch zu lesen, weil man es nicht so gut aufklappen kann. Ist vor allem seit dem Boom der Völkerfantasy im Fantasygenre sehr beliebt. Ich finde es furchtbar und versuche es inzwischen zu meiden. Die Orks hat schon vor mehr als zehn Jahren 15 Euro gekostet, inzwischen geht die Preistendenz weiter nach oben. Aber 15 Euro bleiben für mich die Obergrenze.

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Traditionell ist das Taschenbuch mein liebstes Format – vorausgesetzt, dass es nicht mit winziger Schrift bedruckt ist. Bei englischen Büchern ziehe ich allerdings die digitale Version vor, da Taschenbücher dort oft grauselig auf billigem Papier verarbeitet sind, man sie kaum aufklappen kann und eine Lupe zum Lesen braucht. Ein Taschenbuch sollte für mich nicht mehr als 12 Euro kosten. eBooks auch nicht. Das sind 12 Euro für mich die Obergrenze bei Autoren, die mich besonders interessieren. Ansonsten geht es bis 6 Euro abwärts.

Wie gesagt, das ist mein persönliches Preisempfinden, das vor allem durch meine Zeit als Schüler und Student geprägt ist. Andere mögen da anders empfinden. Erstaunt bin ich ein wenig über diese Aussagen der Buchhändler, denen zufolge die Preisgrenze ihrer Kunden eher zwischen 35 bis 40 Euro liegen würde. Ich vermute mal, dass es sich dabei vor allem um LeserInnen handelt, die grundsätzlich oder überwiegend Hardcover kaufen und eher von Verlagen wie Hanser oder Kunstmann, also weniger Genreliteratur. In meinem sozialen Umfeld (virtuell und real) herrscht eher ein ausgeprägtes Preisbewusstsein, das mir in manchen Extremfällen aber auch schon als Geiz erscheint.

Bücher sollten meiner Meinung nach nicht zu viel kosten (wobei hier jeder für sich selbst definieren soll, was »zu viel« bedeutet). Sie sollten aber auch nicht zu billig sein, bzw. sich nicht unter Wert verkaufen. Das bezieht sich vor allem auf eBook-Ausgaben, die sich an den Kampfpreisen von Sefpublishern orientieren und unter 6 Euro liegen. Ich erwarte von einem Buch eine ordentlich lektorierte, korrigierte und gesetzte Fassung, und dafür bin ich auch bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Ich bin kein Sammler und auch kein Liebhaber von Sonderausgaben und besonderen Ausstattungen. Wobei ich ein besonders schön gestaltetes Buch durchaus zu würdigen weiß. Bücher von Golkonda kaufe ich mir z. B. ausschließlich in den Printausgaben, oder die tolle Tiptree-Gesamtausgabe von Septime. Aber mir kommt es in erster Linie auf den Inhalt an, die Ausstattung ist da zweitrangig. Wenn sich ein Buch scheiße liest, nutzt auch die tollste Ausstattung und Gestaltung nichts.

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Ich will mit diesem Beitrag jetzt nicht sagen, dass ich bestimmte Bücher für zu teuer halte. Sondern nur, dass ich mir bestimmte Bücher (je nach Ausgabe) ab einem gewissen Preis nicht mehr kaufe. Die Mentalität, bestimmte Sachen sofort nach Erscheinen lesen zu müssen (selbst bei meinen Lieblingsautoren), habe ich mir inzwischen abgewöhnt. Da bin ich sehr geduldig und warte gerne auf die Taschenbuchausgabe.

Wie sieht es bei euch aus?

 

Nachtrag: Es geht dabei um die Preise von neuen Büchern, nicht von gebrauchten. Gegen gebrauchte Bücher hege ich eine leichte monksche Abneigung, weshalb ich sie mir nur kaufe, wenn sie neu vergriffen sind.

Stand der Dinge: Bloggermüdigkeit

Seit ich im Mai einen ausführlichen und zeitaufwendigen Blogeintrag nach dem anderen rausgehauen habe, hat mich nach dem letzten Beitrag (über das Programm von Cross Cult) die Bloggermüdigkeit erwischt. Normalerweise juckt es mich andauernd in den Fingern, einen neuen Beitrag zu verfassen, ständig habe ich Idee, die ich im Kopf schon vorformuliere – aber plötzlich war die Luft raus. Da kam nix. Eigentlich schreibe ich immer total gerne für den Blog, aber seit einigen Wochen hat mich eine totale Unlust erfasst, obwohl ich zwei Buchbesprechungen schon halb fertig habe (darunter den großartigen und liebenswürdigen SF-Roman The Long Way  To A Small, Angry Planet von Becky Chambers), fiel mir nix Vernünftiges mehr dazu ein.

Hinzu kommt, dass ich Anfang Juni kurzfristig einige Übersetzungsaufträge für TV-Dokus reinbekommen habe, die natürlich alle ganz schnell fertig sein mussten. Und an meiner aktuellen Romanübersetzung musste und muss ich ja auch noch weiterarbeiten. Daneben fehlte mir dann die Energie, noch mehr zu schreiben. Die Dokus werden wieder auf N24 laufen (Spezialkommandos im Zweiten Weltkrieg), der aktuelle Roman (siehe Bild unten) wird im Sommer 2017 bei Knaur Fantasy erscheinen (mit neuem Titelbild).

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Neben den beiden Buchbesprechungen wird es hier demnächst auch im Programm weitergehen, bzw. mit den kleineren Phantastikverlagen, die ich ja auch noch vorstellen möchte. Aber in welcher Frequenz, das wird sich noch zeigen müssen. Mir fehlen momentan auch die Ideen für unterhaltsame Buchbesprechungen, und mit langweiligen möchte ich niemanden belästigen. Außerdem habe ich da noch eine Kurzgeschichte in Arbeit, in die ich dringend mehr Zeit investieren möchte. Und Fußball will ja auch noch gesehen werden. Von den ganzen tollen Serien (Person of Interest, Shameless, Penny Dreadful, Game of Thrones, Preacher, Bloodline, Outcast …), deren aktuelle Staffeln gerade auf verschiedenen Streamingplattformen zu sehen sind, ganz zu schweigen. Und wenn das Wetter demnächst hoffentlich besser wird, werde ich auch wieder per Fahrrad und mit Wanderschuhen in der Natur unterwegs sein.

Man kann also durchaus von einer kleinen Sommerpause mit eingeschränktem Betrieb sprechen.

Phantastikvorschau Herbst/Winter 2016/17 von Cross Cult – Klein aber fein!

Nachdem ich jetzt den aktuellen phantastischen Verlagsvorschauen der großen Publikumsverlage viel Aufmerksamkeit geschenkt habe, wird es Zeit, sich den kleineren Verlagen mit ihren ambitionierten Programmen zu widmen, die sich hinter den großen nicht zu verstecken brauchen. Darunter befindet sich auch – ursprünglich mal als Comicverlag gestartet – Cross Cult (hier kann man sich die Vorschauen als PDF runterladen).

Cross Cult ist natürlich immer noch ein Comicverlag und weiterhin die Heimat von Serien wie The Walking Dead, Sin City oder Saga (um mal drei zu nennen, die ich kenne). Wirklich wahrgenommen habe ich den Verlag aber erst, als dort die ersten Star-Trek-Romane erschienen sind. Die habe ich zwar nicht gelesen, aber es freute mich, dass die Star-Trek-Fans unter meinen Bekannten und Freunden wieder mit Nachschub versorgt wurden, nach dem die Franchiseromane bei Heyne aus dem Programm verschwunden waren. Seitdem sind noch einige Franchises wie z. B. Castle, Doctor Who oder James Bond dazugekommen (wobei man James Bond ja eigentlich nicht als Franchise bezeichnen kann, da die Romane von Ian Fleming die Vorlage für die Filme waren).

Den Franchiseromanen, die in diesem Fall vor allem auf TV-Serien basierten, folgten dann vor wenigen Jahren auch eigenständige SF-Titel wie z. B. die Serie Clone Rebellion von Steven L. Kent, die Spider-Wars-Trilogie von Adam Chistopher oder die Nordland-Trilogie von Stephen Baxter. Aber auch Titel von deutschsprachigen Autorinen wie die Serie Homo Sapiens 404 von Claudia Kern, oder der Kurzgeschichtenband Das Beste von Tad Williams (den ich nur empfehlen kann, auch wenn ich ihn noch nicht ganz durch habe).

Als ich im Sommerprogramm 2016 Meer der Dunkelheit (A Darkling Sea) von James L. Cambias entdeckte, wurde mir klar, dass man nach den im obigen Absatz erwähnten Serien von Kent und Christopher, die noch eher in die Richtung unterhaltsame Military-SF gehen, ambitioniertere Pläne für ein anspruchsvolleres Programm verfolgt. Und die jetzt online veröffentlichte Vorschau für das Herbst/Winter-Programm 2016/17 bestätigt diese Vermutung.

Denn hier finden sich so einige Titel, von denen ich mir schon vor einem Jahr erhofft hatte, dass sie einen deutschen Verlag finden würden. Und die meisten davon stammen auch noch von Frauen.:)

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Was für ein wundervolles Cover von Greg Ruth!

Das große Highlight des Programms ist für mich Lagune (Lagoon, Link zur Besprechung von Josefson folgen) von Nnedi Okorafor, einer Autorin, zu der ich in den letzten zwei Jahren schon öfters meine Hoffnung auf eine deutschsprachige Veröffentlichung geäußert hatte. Da ich das Buch bereits im März 2015 gelesen habe, kann ich auch schon aus erster Hand sagen, dass es sich dabei um einen aufregenden und ungewöhnlichen SF-Roman handelt. Die Kritik auf meinem Blog war damals aus Zeitgründen allerdings etwas knapp ausgefallen:

Alien landet in Afrika und sorgt für eine Menge Aufregung. Nicht der Action-B-Movie-Roman, den ich durch die Verweise auf District 9 erwartet habe. Vielmehr ein literarischer SF-Roman, der auch afrikanische Mythen mit einbringt. Sehr entspannt und unterhaltsam erzählt. Wird aber nicht einfach zu übersetzen sein, da es viele Dialoge in Pidgin-Englisch gibt.

Da bin ich gespannt, was aus den Dialogen gemacht wurde. Ich hoffe, sie wurden nicht einfach glattgebügelt, da sie für die Atmosphäre des Romans eine wichtige Rolle spielen. Ich persönlich hätte sie ja als „Unserdeutsch“ übersetzt. Aber mal abwarten, was sich die Übersetzerin hat einfallen lassen.

Mit Dunkelheit (Blackout) und Licht (All Clear) von Connie Willis erscheinen endlich zwei Alternativwelt/Zeitreise-Romane, die im Original bei Erscheinen für einiges an Aufsehen gesorgt haben, und mit denen sie bei den wichtigsten SF-Preisen des Jahres (Hugo, Nebula und Locus Awards) abräumte. Ist mir unverständlich, warum dieser Doppelroman erst 6 Jahre nach erscheinen auch in Deutschland auf den Markt kommt. Aber um so schöner, dass sich Cross Cult seiner angenommen hat.

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Military-SF ist nicht unbedingt mein liebstes Subgenre, aber ich bin ihm auch nicht gänzlich abgeneigt, da es auch immer wieder ausgezeichnete Romane jenseits der üblichen Klischees und Vorurteile (militaristisch usw.) hervorbringt. Glaubt man Josefson (siehe seine Besprechung in der SF und F Rundschau) und den Kritiken in englischsprachigen Genremagazinen wie Locus, dann ist der hawaiianischen Autorin Linda Nagata mit ihrer Serie The Red etwas ganz besonders gelungen.

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Mein Favorit im Programm ist natürlich Dunkle Materie (Dark Orbit) von Carolyn Ives Gilman, da ich es übersetzt habe. Aber ganz unabhängig davon halte ich es für eines der besten SF-Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

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So viele Autorinnen in einem so relativ kleinen Programm (im Vergleich zu den großen Publikumsverlagen), aber keine Sorge, es sind auch ein paar Autoren dabei. Über einen davon freue ich mich besonders, denn es ist schon fast 10 Jahre her, dass etwas von Altmeister Vernor Vinge auf Deutsch erschienen ist. Und wie bei Connie Willis zeigt sich, dass der Gewinn des Hugo-Awards keine rasche Übersetzung garantiert. Doch jetzt ist es endlich so weit, dass der bereits 2007 im Original erschienene Roman Rainbows End auf Deutsch als Das Ende des Regenbogens veröffentlicht wird.

Cover zu Band 1, der im September erscheinen soll.

Cover zu Band 1, der im September erscheinen soll.

Doch trotz so vieler Übersetzungen kommen auch die deutschsprachigen SF-Autoren nicht zu kurz. Mit Die Welten der Skir erscheint eine neue Space Opera von Dirk van den Boom, den man bisher vor allem aus seinen bei Atlantis erschienenen Tentakel- und Kaiserkrieger-Romanen kennt, aber auch als Mastermind hinter der bei Wurdack erschienenen Reihe Die Neunte Expansion. Und expandieren tut nun auch der Vielschreiber Diboo zu einem weiteren Verlag, womit er inzwischen ziemlich breit aufgestellt ist und der Weltherrschaft nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Mit W. C. Bauers gibt es doch tatsächlich auch einen Autor im Programm, der mir so gar nichts sagt. Sieht nach Military/Söldner-SF aus.

Neben den bisher genannten eingenständigen SF-Romanen erscheinen aber auch noch einige Star-Trek-Romane so wie Bücher aus den Serienwelten von Doctor Who und der gerade eingestellten Krimiserie Castle. Ich bin mal gespannt, wie es mit Star Trek weitergehen wird, da ja ab nächstem Jahre eine neue TV-Serie ansteht, bei der es sich den Gerüchten zufolge um eine Anthologieserie mit abgeschlossenen Staffeln handeln soll. Ich hoffe, dass sie besser wird, als die seelenlosen Krach-Bumm-Actionfilme von J. J. Abrams.

Durch die Starts der neuen Programme der Verlage Knaur und Fischer/Tor sowie der SF-mäßigen Aufrüstung bei Piper und Bastei/Lübbe wird es für das ambitionierte SF-Programm von Cross Cult sicher starke Konkurrenz geben, aber bei den qualitativ herausragenden Titeln mache ich mir da keine Sorgen. Cross Cult hat sich inzwischen einen guten Ruf in der SF-Szene erarbeitet und durch das kleinere und konzentriertere Programm könnte auch mehr Aufmerksamkeit für die einzelnen Titel abfallen.

LeserInnenfeedback zu „Akte X – Vertrauen Sie niemandem“

Die schönste Entlohnung für die Übersetzungsarbeit ist natürlich das Honorar. Aber ich freue mich auch immer sehr, wenn die von mir übersetzten Bücher gelesen werden und den Leserinnen auch gefallen. Weshalb ich Rezensionen und Kritiken auf Amazon immer ganz neugierig verfolge. Es ist einfach schön, die Arbeit nicht in einen leeren Raum hinein zu machen, sondern zu sehen, dass sich der Aufwand auch gelohnt hat.

Zu der von Jonathan Maberry herausgegebenen Kurzgeschichtenanthologie Akte X – Vertrauen sie niemandem, aus der ich sechs Geschichten übertragen habe und die bei Cross Cult im März erschienen ist, sind inzwischen erste Bewertungen und Meinungen veröffentlicht worden.

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Irene Salzman liefert auf Phantastik-News.de eine kleine Übersicht über das, was die Leserin erwartet und ist von den Geschichten offenbar recht angetan:

Spukhäuser, magische Orte, Zeitreisen, Gestaltwandler, Vampire, Mörderpuppen, Aliens, rachsüchtige Wissenschaftler und was man sonst noch erwartet, wenn man „Akte X“ schaut oder liest, findet man in dieser Anthologie. Ausnahmslos bewegen sich die Storys auf einem gleichbleibend hohen Niveau und erfüllen die Ansprüche der Fans. Auch die Charaktere sind bestens getroffen, sodass das Kopfkino beim Lesen mitläuft.

Auf ihrem Blog Blutrot kommt Jamie zu dem Schluss:

»Akte X – Vertrauen Sie niemandem« ist ein echt super spannendes, gruseliges Buch voller Action, Humor und vieler Anspielungen auf die TV-Serie. Mir jedoch am wichtigsten: Das Buch und seine einzelnen Geschichten konnten sehr gut an die Stimmung aus der Serie anknüpfen: Der Zwiespalt zwischen Mulders Hoffnung und Glauben an das Übernatürliche und Scullys skeptische, wissenschaftliche Art, die gruselige, mysteriöse Atmosphäre und die super abwechslungsreiche Welt der X-Akten.

Justine Wynne Gacy (Marilyn-Manson-Fan?) meint auf ihrem Blog:

Scully und Mulder waren und sind für mich schon immer das Traumpaar der mysteriösen Ermittlungen. Meine Kindheit verbrachte ich gebannt vor dem TV und sah zu wie sie die unglaublichsten Fälle lösten. Somit war dieses Buch für mich ein Trip in die Vergangenheit.

Christian Siegel widmet der Anthologie auf FictionBOX.de eine sehr ausführliche Besprechung, in der er auch auf die einzelnen Geschichten eingeht und sie bewertet (insgesamt vergibt er 3,5 von 5 Punkten):

Mit „Katatonie“ von Tim Lebbon legt „Vertrauen Sie Niemandem“ gleich mal einen sehr guten Start hin. Die Grundidee hinter der Geschichte ist durchaus interessant, und auch über den Auftritt von Alex Krycek habe ich mir sehr gefreut. Die größte Stärke ist aber Lebbons gewitzter Schreibstil, mit dem er den Dialogen zwischen Mulder und Scully viel Humor einverleibt, was das Lesen sehr unterhaltsam macht.

Solches Lob freut mich natürlich als Übersetzer besonders, da es mir anscheinend gelungen ist, den Dialogwitz in die deutsche Fassung zu übertragen.

Florian Hilleberg hat die Geschichten für Literra besprochen und verschweigt zum Glück auch nicht, was ihm nicht gefallen hat, ist aber insgesamt auch sehr angetan:

Siebzehn Autoren mit Rang und Namen zeigen auf innovative Weise was für ein enormes Potenzial die Serie noch immer birgt. Mit abwechslungsreichen und spannenden Storys wird dem Leser ins Bewusstsein gerufen, dass absolut niemandem zu trauen ist. Eine Horror-Thriller-Science-Fiction-Anthologie der Superlative.

Moritz Mehlem scheibt auf DnD-Gate:

Eine recht klassische Monster of the week-Sammlung ohne große Schwächen und mit einigen Highlights. Perfekt, um sich auf die neue Staffel einzustimmen und wieder in den „I want to believe“-Groove zu kommen. Wenn es jetzt noch einen roten Faden gegeben hätte, wäre ich noch begeisterter gewesen, aber auch so gilt eine klare Kaufempfehlung für alle Fans der Mystery-Serie.

Aber nicht alle sind gleichermaßen begeistert. Das wäre mir auch schon fast unheimlich geworden. Thomas Götz äußert sich auf Trekzone.de kritischer:

Nach einem interessanten Start versinken die Stories zunehmend im ähnlichen Handlungsablauf, so das sich Langeweile einstellt. Diese bereits aus der Serie bekannte „Krankheit“ hätte man durchaus ausmerzen können, so bleibt leider nur ein etwas halbgarer Band zurück, der es gerade mal so ins Mittelfeld schafft.

Auf Amazon gibt es bisher 9 Bewertungen mit einem Schnitt von 5 Sternen (wobei einer davon der schon oben erwähnte Florian Hillenberg ist), und begründen auch relativ ausführlich und nachvollziehbar, warum die Geschichten gefallen haben. Als Fazit daraus habe ich gezogen, dass es den Leserinnen vor allem gefällt, wieder neue (alte) Abenteuer mit Mulder und Scully zu erleben, die sehr an die ersten Staffeln der Serie erinnern.

Auf Lovelybooks gab es eine Leserunde, in der die Geschichten im Einzelnen (natürlich mit Spoilern) besprochen wurden, aber es gibt auch einige spoilerfreie Besprechungen im Fazit. Dass es zwei Geschichten mit Direktor Skinner als Hauptfigur gibt, ist größtenteils auch sehr positiv angekommen. Mir hat das auch sehr gefallen.

Es gibt auch eine Hörbuchfassung von Audible. Aber leider, leider kann ich die nicht guten Gewissens empfehlen, spricht doch der Sprecher den Namen von Mulder konsequent falsch als Malder aus. Hier hat Audible auch eine echte Chance vertan, die Originalsprecher Franziska Pigulla und Benjamin Völz wieder zusammenzuführen. Gerade, nachdem Pro 7 ja für die neue 10. Staffel, sehr zum Entsetzen der Fans, einen neuen Synchronsprecher für Mulder engagiert hat (was meiner Meinung nach gar nicht geht, Völz ist einfach Kult). Mit den beiden an Bord hätte das Hörbuch einen echten Mehrwert gehabt. Schade.