Meine neue Website: lesenswelt.de

Mit lesenswelt.de habe ich mir eine neue Internetseite zusammengebastelt. Translate Or Die begann 2012 ursprünglich als Webpräsenz meiner Übersetzertätigkeit. Ein von WordPress gehosteter Blog erschien mir die einfachste Lösung zu sein. Text reinkopieren, noch ein paar kleine Formatierungen anpassen, hier und da Bilder oder Videos einfügen und fertig. Unkompliziert und schlicht sollte es sein, mit Fokus auf den Texten. Von der beruflichen Präsenz ist der Blog mit der Zeit zum persönlichen Webspace geworden, auf dem ich über alles Mögliche schreibe, vor allem aber Bücher bespreche.

Doch so ab 2019, seit meinem beiden Knie-OPs, ist mir die Lust am Bloggen irgendwie abhandengekommen. Lag sicher auch daran, dass ich meine Schreibenergie auf meine Artikel für Tor Online konzentriert habe, für die ich bezahlt werde, und mit denen ich mir einen Teil meines Lebensunterhalts verdiene. Dazu ist mir das einfache Bloggen zur Routine geworden, die irgendwann langweilt.

Lesenswelt ist der Versuch, die Sache noch mal auf neue Weise anzugehen. Ursprünglich wollte ich mich einfach nur etwas mit Webdesign beschäftigen. Meine eigene Seite hosten (also bei einem Hostinganbieter) und auch komplett von Grund auf selbst zusammenbasteln. Dafür ist das Plugin Elementor übrigens eine große Hilfe (und die Youtube-Universität). Aber für die neue Seite ist mir halt nichts „Besseres“ als Buchbesprechungen eingefallen, die ich aber versuche, auf etwas ungewöhnliche Weise aufzuziehen und nach einem thematischen Konzept: Die Welt in Büchern erlesen.

Man kann es kaum lesen, das ist aber die New York Library, die ich 2018 vor Ort fotografiert habe.

Die erste Fassung der Seite und die erste Ausgabe standen schon über die Weihnachtsfeiertage, aber ich wollte mir noch zwei Monate Zeit nehmen, um an den Feinheiten zu feilen und die nächsten beiden Ausgaben fertigzustellen, damit ich mit meinem Monatsrhythmus nicht unter Zeitdruck gerate. Das Ausmaß der Besprechungen hat sich dann etwas verselbständigt. Plötzlich kamen mir ganz viele Ideen für Themen und Büchern. Inzwischen ist schon fast das komplette Jahr durchgeplant.

Jede Ausgabe von lesenswelt wird komplett neu entworfen, ohne vorgegebenes Schema oder Theme, immer dem Inhalt angepasst. Deshalb erscheint auch jede Ausgabe als neue Seite, nicht einfach als Blogbeitrag. So ein bisschen wie ein Magazinartikel mit Layout. Was die Praktikabilität des Designs angeht, muss ich mich sicher noch etwas eingrooven. Am besten liest es sich am PC, ist aber auch fürs Smartphone und Tablet in eine lesbare Form gebracht worden.

Immer am ersten jeden Monats gibt es eine neue Ausgabe mit Besprechungen zu Büchern, die alle zu einem bestimmten Thema passen.

lesenswelt#1: China im Wandel –
Die Neuerfindung der Diktatur

Das heißt aber nicht, dass ich Translate Or Die ganz schließen werde. Gelegentlich wird es hier sicher noch Beiträge geben, wie z. B. zuletzt den zu aktueller Musik.

Und hier noch der offizielle Vorstellungstext von lesenswelt

In pandemischen Zeiten voller Shutdowns, Lockdowns und Reisebeschränkungen, in einer Ära, in der die Klimakrise durch massiven CO2-Ausstoß angeheizt wird, ist es schwieriger geworden, die Welt zu bereisen, fremde Kulturen zu erleben und die letzte verbliebene Schönheit unserer Erde zu bewundern, während die Welt immer komplexer und komplizierter wird, sich exponentiell beschleunigt und uns über den Kopf wächst.

Lesenswelt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bücher zu besprechen, die uns in andere Länder und Kulturen reisen lassen, die uns die Welt mit all ihren Problemen erklären, die für uns Erfahrungen simulieren, die die Realität nicht ersetzen können, uns aber dabei helfen Empathie und Verständnis zu entwickeln.

Ich werde versuchen, keine klassischen Rezensionen abzuliefern, sondern etwas anders an die Bücher und ihre Themen heranzugehen. Ein Buch wird das Leitthema der jeweiligen Besprechung stellen, doch werde ich auch andere Bücher erwähnen, die vielleicht eine andere Perspektive auf die Thematik werfen oder eine gute Ergänzung sind. Es können auch mal Filme dabei sein, oder gar Musik. Mal schauen, wie es sich entwickelt.

Pro Jahr wird es nur zwölf Besprechungen geben, jeden Monat eine, da ich eben nicht einfach nur einen Text runterschreibe und auf meinen Blog stelle, sondern alles optisch und inhaltlich etwas aufwendiger aufbereite. Lesenswelt ist für die Lektüre am Computer optimiert, ich achte aber darauf, dass die Artikel auch auf Smartphone und Tablet lesbar sind.

Aktuelle Musik, die mich begeistert (1/x)

Es gibt eine Studie von 2018, nach der bei den Deutschen mit dem 31. Lebensjahr musikalischer Stillstand eintreten soll. Also, dass man ab dann keine neue Musik mehr für sich entdecke. Es war, glaube, ich Douglas Adams, der mal gesagt haben soll, alles, was nach dem 30. Lebensjahr erschaffen wird, würde man scheiße finden, oder so ähnlich (kann das Zitat nicht mehr finden).

Ich kenne tatsächlich viele Menschen in meinem Alter (bin 41) und darüber, die musikalisch nur das Zeugs von früher hören. So eine Phase hatte ich auch. Für einige Jahre haben ich nur neue Musik gehört, wenn sie von Musikern kam, die ich schon im alten Jahrtausend oder vor meinem 30. Lebensjahr gehört habe: Nick Cave, Radiohead, Faith No More usw. Da hatte ich auch dieses Gefühl, dass keine gute neue Musik mehr erscheint. Was natürlich Bullshit ist. Das nennt man wohl Altwerden.

In den letzten Jahren und vor allem in der letzten Zeit hat sich das stark geändert (Midlife-Crisis?), und ich entdecke immer wieder tolle neue Musik, vor allem von Musikerinnen. Schaue ich auf meine CD-Sammlung, findet sich dort zu 80% Musik von Männern. Die Ausnahmen sind Björk (von der ich schon immer jedes neue Album gekauft habe), Tori Amos, Fiona Apple und vereinzelte CD von Sängerinnen wie Jewel, Nelly Furtado; Yael Naim oder Shakira.

Mein Musikgeschmack vor dem 30. Lebensjahr bestand zu 70% aus Rockmusik. Erstaunlicherweise entdecke inzwischen kaum noch neue Rockmusik für mich, sondern vor allem poppigere Sachen, die ich als junger Mann nie gehört hätte. In seinem Video What Killed Rock & Roll?? vertritt Rick Beato die These, dass das Verschwinden der Blues-Einflüsse dafür verantwortlich sei.

Und er hat nicht ganz unrecht. Schaut man sich die Headliner der großen Rockfestivals der letzten Jahre, finden sich dort fast ausschließlich Bands aus dem letzten Jahrtausend: Foo Fighters, Metallica, System of a Down, Green Day, Tool, Rammstein, Slpknot, Muse, Black Sabbath, Kiss usw. Während bei Hip-Hop-Festivals vor allem aktuelle neue Musiker headlinen.

Es gibt natürlich immer noch gute neue Rockmusik, aber diese Bands erhalten keine Aufmerksamkeit und gehen, wie man auf den Postern zu Rockfestivals sieht, im Kleingedruckten unter, während die Rock-Dinosaurier immer noch das Geschäft dominieren. Und es sind natürlich die Fans, die immer nur ihre alten Helden mit den alten Hits hören wollen, während sich die neueren Generationen anderen Musikgenres zugewandt haben (die Spotify-Charts sind eindeutig). Software wie Autotune und Melodyne haben mit der einhergehenden digitalen Perfektion der Musik im Studio sicher auch ihren Beitrag geleistet. Zeichnete sich die Musik vor den 2000ern noch durch ihr menschliches Element aus, das für kleine Nuance sorgte, die den Sound „imperfekt“ und eigen machte, und für Blues essenziell ist.

So viel dazu, warum meine Generation+ nicht viel mit aktueller Musik anfangen kann. Kommen wir zum Positiven: der neuen tollen aktuellen Musik

Billie Eilish

Auf dem Radar habe ich Billie Eilish schon seit ca. 2. Jahren, fand sie schon immer originell, konnte aber zunächst nichts mit ihrem „breathy“ Gesang anfangen. Erst durch Reaction-Videos von Vocal-Coaches bin ich darauf aufmerksam geworden, wie viel Kunstfertigkeit und Können in ihrer Art zu singen steckt. Was mich dazu gebracht hat, mich näher mit den einzelnen Songs auseinanderzusetzen. Für manche, wie My Future, habe ich etwas länger gebraucht, bis sie mir gefallen haben, dann aber so richtig. Andere, wie All The Good Girls Go To Hell, mochte ich vom ersten Ton an.

Eilishs Song (produziert von ihrem Bruder Finneas) klingen poppig genug, um erfolgreich zu sein, und bei den Grammys abzuräumen, haben aber doch etwas ganz Eigenes, Kantiges, dass sie vom Rest abhebt. Dazu die originellen Videos und Billie Eilishs Auftreten, das offen und ehrlich wirkt. Läuft bei mir seit zwei Wochen in Heavy Rotation und heben meine Laune erheblich.

My Future: Dieser jazzige Sound, die ruhige Melodie, der hervorragende Text, mit dem ich mich auch als 41-jähriger noch gut identifizieren kann: großartig.

Die Uptempo-Musik mit Westcoast-Sound á la Dr. Dre kombiniert mit ihrem typischen Gesang, der hier noch eine Spur lässiger daherkommt, während er ein ernstes Thema behandelt (Klimakrise), machen All The Good Girls Go To Hell zu einem meiner Lieblingssongs von ihr. Mir gefällt aber auch das komplette Album When We All Fall Asleep, Where Do We Go und einige der älteren Songs.

Dass die Lieder auch gut ohne das ganze elektronischen Brimborium funktionieren, zeigen ihre kleinen Liveauftritte, wie hier beim Tiny Desk Concert.

Arlo Parks

Die junge britische Musikerin Arlo Parks ist schon seit ca. 2 Jahren im Gespräch, mir ist sie erst letzte Woche anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütalbums Collapsed Into Sunbeams (ein Zitat einer meiner Lieblingsautorinnen Zadie Smith) richtig aufgefallen. Entspannter jazziger Sound mit Trip-Hop-und-Thom-Yorke-Anleihen, dazu ihre Wahnsinnsstimme, die absolut unverkennbar ist. Und Parks ist eine ausgezeichnete Geschichtenerzählerin, wie z. B. Caroline zeigt, über einen Beziehungsstreit auf offener Straße:

Caroline, I Swear To Good I’ll Try

Neben Black Dog ist wohl Hurt mein Lieblingssong von ihr. Der hat den originellsten Sound und den besten Flow des Albums. Depression, Schmerz und schwere Zeiten sind große Themen von Arlo Parks.

Phoebe Brigders

Ihr Album Punisher habe ich erst einmal gehört, kann das noch nicht so gut beurteilen, Kyoto, der Song über die schwierige Beziehung zu ihrem alkoholkranken Vater ist aber großartig und kommt trotz des schweren Themas irgendwie fröhlich daher.

Lorde – Liability

Kürzlich in der zweiten Special-Folge von Euphoria gehört (in der auch Billie Eilishs und Rosalias Lo Vas A Olvidar zu hören war). Hat mich daran erinnert, was für eine tolle Songschreiberin Lorde ist.

Jinjer

Um auch etwas Rockmusik (bzw. Metal) in der Liste zu haben, hier die 2009 in der Ukraine gegründete Band Jinjer, die mit Pisces 2017 einen großen Youtube-Hit hat, den ich hier aber jetzt extra nicht einbette. Lieber das aktuellere Judgement (& Punishment), wo sich Reaggea-Elemente mit dem typtischen Schreigesang von Tatiana Shmayluk abwechseln.

Jelly Roll

Ist vor allem allem als Rapper bekannt, der Themen aus der weißen Unterschicht der USA und aus seinem Leben behandelt. Zwar hat er schon immer auch gute Gesangspart in seinen ausgezeichneten Rap-Parts eingepflegt, aber mit einer so herzzerreißend guten Stimme wie in Save me hat man ihn wohl noch nicht gehört.

To be continued …

Meine Top Ten des Jahres relativ aktueller Filme:

Uncut Gems
The Sun Is Also A Star
Shoplifters
Parasite
Ex Libris: The New York Public Library
The Half of It
The Farewell
Porträt einer jungen Frau in Flammen
Marlina – Eine Mörderin in vier Akten
Ramen Shop

Und als Bonus noch: A Taxi Driver

Knapp verfehlt haben die Liste »Ford vs. Ferrari«, »1917« u. »Joker«, weil ich am Ende lieber den kleineren Filmen den Vorzug gebe. Klassiker im Rewatch wie »Taxi Driver« oder »Arizona Dream« habe ich weggelassen.

Insgesamt habe ich 150 Filme gesehen. Stärkster Monat war der November mit 21, schwächster der September mit 5. Im November begann mein Rewach aller Bond-Filme, gestern kam ich bei »Octopussy« an.

»Uncut Gems« auf Netflix mit Adam Sandler als Diamantenhändler, der sich durch seine Wettsucht immer tiefer in die Scheiße reitet. Neben dem großartigen Sandler und den eleganten und atmosphärisch dichten Bildern auch eine faszinierende Analogie auf die Finanzmärkte.

»The Sun is Also a Star«: Mitreißendes Drama über zwei Jugendliche, die sich in New York kennen und lieben lernen, denen aber nur ein Tag zusammen verbleibt. Toll gefilmt. So schön sieht man New York selten. Durchaus kitschig, aber manchmal sollte man sich die Zeit zum Träumen einfach nehmen.

In »Shoplifters« geht es auf den ersten Blick um Armut – ein Tabuthema in der japanischen Gesellschaft, weshalb man es eher selten im Film sieht –, doch dann bekommt der Film einen Twist, der die Frage aufwirft, was Familie wirklich bedeutet. Sehr warmherzig und bewegend erzählt.

»Parasite« ist thematisch ähnlich gelagert wie »Shoplifters«, geht das Thema aber als böse Satire an. Ist eleganter gefilmt, dafür weniger warmherzig erzählt. Wird dem Hype nicht ganz gerecht, dafür ist er nicht clever genug geschrieben. Trotzdem ein großartiger Film, der zu keiner Sekunde langweilt.

»Ex Libris: The New York Public Library« von Frederick Wiseman ist eine 3 ½-stündige Doku über die öffentliche New Yorker Bibliothek, die viel mehr leistet als nur Bücher auszuleihen. Das steckt ganz viel wichtige Stadtteil- und Sozialarbeit drin. Wiseman begleitet die Mitarbeiter, aber auch die Leitung bei ihrer Arbeit. Faszinierend und erhellend.

»The Half Of It« ist ein wunderbarer Coming-of-Age-Film in erfrischend anderem Kleinstadtsetting mit eher ungewöhnlicher Figurenkonstellation, der zwar ein paar Klischees aufgreift, sie aber stimmig nutzt, um eine warmherzige Geschichte jenseits der üblichen Genreformel zu erzählen.

»The Farewell« über eine junge Frau, hingerissen zwischen zwei Kulturen, die von den USA nach China reist, um sich von ihrer sterbenden Großmutter zu verabschieden, der man dort ihre Krankheit verschweigt, um ihr die letzten Tag leichter zu machen. Feinfühlig erzähltes Drama mit Sinn für Humor.

»Porträt einer jungen Frau in Flammen«, bewegende, zärtliche Liebesgeschichte zweier Frauen in historischem Setting. Großartig gespielt, mitreißend gefilmt, zu keiner Zeit kitschig, aber auch nie unnötig dramatisiert.

»Marlina«: Großartiger indonesischer Film über eine Frau, die in Notwehr ihre Vergewaltiger tötet. Kein Rachethriller, sondern in wunderschönen melancholischen Bildern inszenierte Neo-Italo-Western über Frauen in einer frauenfeindlichen Gesellschaft.

»Ramen Shop«, wunderbar ruhiger Familienfilm über einen jungen Japaner, der in Singapur seinen Kindheitserinnerungen und der Familie seiner Mutter nachspürt. Gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an die Esskultur des Landes.

Und als Bonus noch:

»A Taxi Driver«, sehr bewegender Film über einen südkoreanischen Taxifahrer, der 1980 den ARD-Reporter Jürgen Hinzpeter ins abgeriegelte Gwangju fährt, wo das Militär ein Massaker verübt. Beginnt humorvoll, bis einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Reread: „Die Gärten des Mondes“ von Steven Erikson

Spiel der Götter 1, Originaltitel: Gardens of the Moon Übers. von Tim Straetmann alias Gerd Rottenecker

Ein Reread, bei dem ich das Buch ebenso begeistert verschlungen haben, wie bei der Erstlektüre an Silvester 2006. Und es bleibt auch in der Top 5 meiner liebsten Fantasybücher.

Die Gärten des Mondes trifft meinen Fantasygeschmack perfekt, mit seinem groß angelegten Panorama, den zahlreichen Fraktionen und Figuren, den Göttern, Dämonen und unterschiedlichen Völkern und Rassen (abseits von Tolkien). Eine Welt, in der jeder Stein, jeder Baum und jede jahrtausende alte Ruine Geheimnisse und Mysterien birgt.

Im Prinzip handelt es sich um Military-Fantasy, in der der Feldzug des malazanischen Imperiums gegen die freien Städte und darunter vor allem Darujhistan im Mittelpunkt steht. Und hier im Besonderen die Brückenverbrenner um Sergeant Elster, eine Sabotage-Truppe, die nicht umsonst an die Black Company von Glen Cook erinnert.

Orientierungspunkt 2 sind die Freunde um den Dieb Crokus in Darujhistan, die uns die Geschichte aus Perspektive der zu Erobernden erleben lässt. Hier wechseln wir zu (fast) klassischer Städtefantasy, mit Dieben und Assassinen, die sich gegenseitig über die Dächer jagen, während Armbrustbolzen klackernd von Mauern und Schindeln abprallen und die Juwelen schöner Adelstöchter die verborgenen Taschen beschweren.

Die großen Schlachten spart sich Erikson für spätere Bände auf, die Eroberung von Fahl bekommen wir nur am Rande mit, mit einem großen magischen Gefecht zwischen den Hohemagier*innen des Imperiums und dem Lord von Mondbrut. Kämpfe finden meist in Form von Duellen und in kleinen Gruppen statt, meist im Verborgenen – und sind in der Regel auch relativ kurz. Zwischen den Zeilen knistert die Magie, neben dem Rascheln beim Umblättern der Seite hören wir schwach eine sich drehende Münze.

Es ist schon ziemlich komplex, was Erikson hier entworfen hat, das Figurenarsenal ist riesig, die Fraktionen und ihre Verbindungen und Intrigen untereinander wirken auf den ersten Blick sehr unübersichtlich. Liest man die Kundenbewertungen bei Amazon, ist es einigen Leser*innen auch zu komplex und verwirrend. Aber man kann Erikson nicht vorwerfen, sich übernommen zu haben, denn es fügt sich alles stimmig in einander, aber dafür muss man aufmerksam lesen und eben auch die Folgebände. Denn vieles, was hier im ersten Band angedeutet wird, ist der Grundstein für die weitere Teile, manches wird erst einige Bücher später aufgegriffen, aber alles folgt einem Plan, Erikson hat die Zügel stets fest im Griff.

Es gibt Vorwürfe, seine Figuren wären flach und wenig ausgearbeitet, ich behaupte das genaue Gegenteil. Trotz des riesigen Ensembles gelingt es ihm, fast jeder wichtigeren Figur mit wenigen (okay, bei Kruppe etwas mehr) Worten und Taten einen ganz eigenen Charakter zu verleihen, auch wenn sich manche Figuren in vielen Eigenschaften ähneln. Ich kann aber auch verstehen, wenn man durch die zahlreichen Perspektivwechsel zu den schier unzähligen Figuren keinen Bezug zum Buch aufbauen kann. Manche brauchen halt ein, zwei Bezugspersonen als Anker, wenn es zu viele werden, verliert man als Leser*in den Halt. In den Folgebänden wird das noch schlimmer, da schon in Band 2 wieder ganz neue Figuren auftauchen werden, und die, an die man sich in Band 1 gewöhnt hat, eben nicht. Wer Endlosserien wegen des Soapcharakters liest, ist hier falsch.

Die Gärten des Mondes ist der Auftakt zu einer (wenn nicht der) gewaltigsten und ambitioniertesten Fantasyserien aller Zeiten, die trotz der großen Dinge, die sich ankündigen, doch auf relativ engem Raum stattfindet, mit vielen unvergesslichen und unterhaltsamen Figuren. Für mich ein fast* perfektes Fantasybuch. Und das zweite Lesen hat auf eine ganz ander Weise Spaß gemacht, eben weil ich viele Andeutungen nun einzuordnen wusste.

Wobei ich bei meinem Erstdurchgang von Malazan nicht über House of Chains hinausgekommen bin. Da hatte ich den Fehler gemacht, von Gerds tollen Übersetzungen auf die englische Fassung umzusteigen, da mir die deutschen Splittbände während meines zweiten Studiums zu teuer waren. An dem Band lese ich jetzt schon seit zehn Jahren und bin gerade mal im letzten Drittel. Deshalb habe ich jetzt im Spiel der Götter noch mal von vorne angefangen und werde nun alle Bände auf Deutsch lesen.

*Meinem Empfinden nach gibt es zu viel Deus-ex-Machina-Momente, in denen wieder jemand durch das Eingreifen höherer Mächte oder bisher völlig unbekannter Fraktionen wie aus dem Nichts gerettet wird. Deshalb »fast perfekt«.

Parallellesen: Wie mir mein verändertes Leseverhalten wieder mehr Spaß am Lesen brachte

Bisher war ich vor allem Ein-Buch-Leser. Sprich, ich habe immer nur an einem Buch zur gleichen Zeit gelesen. Es ist durchaus vorgekommen, dass ich ein Buch mittendrin zur Seite gelegt habe, um erst ein anderes komplett zu lesen, das mich noch mehr interessiert, bevor ich mit dem zur Seite gelegten weitergemacht habe. Und manche dieser zur Seite gelegten Bücher liegen dort noch immer, aber wirklich mehrere Bücher gleichzeitig gelesen, zwischen ihnen hin und her springend, habe ich nie.

Das hat sich im September dieses Jahres geändert. Ausgangspunkt war, dass ich mehr Sachbücher lesen will. Angesichts der anstehenden US-Präsidentschaftswahlen regte sich in mir das Bedürfnis, mich wieder intensiver mit den aktuellen politischen, technologischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Welt zu beschäftigen, um diese besser zu verstehen.

So ganz ohne Roman ging das dann aber nicht, wie ich feststellen musste. Nur ein Sachbuch zu lesen, reicht mir nicht. Zum Ausgleich brauche ich auch den eskapistischen Ansatz einer fiktiven Geschichte, in die ich mich zur Erholung begeben kann. Die Lösung: Beides gleichzeitig lesen.

Und zu meinem eigenen Erstaunen zeigte sich, dass das nicht nur sehr gut funktioniert, sondern, dass ich dadurch auch viel mehr gelesen bekomme, als in den Monaten zuvor. Meine Vermutung: Lese ich ein einziges Buch, das zwischendurch die ein oder andere Länge hat, oder für das ich nicht immer rund um die Uhr in Stimmung bin, lege ich es zur Seite und mache etwas anderes. Schaue drei Serienfolgen statt nur einer am Tag, oder zocke ein Computerspiel.

Lese ich mehrere Bücher parallel, kann ich, wenn obiger Fall eintritt, einfach zu einem anderen Buch springen, das meiner aktuellen Stimmung eher entspricht, das gerade spannender ist, oder mich durch die thematische Abwechslung bei der Stange hält. Das führte nicht dazu, dass ich eines der Bücher vernachlässigt habe, sondern alle gleichzeitig kontinuierlich schnell gelesen bekomme.

Bis September habe ich im Monat durchschnittlich vier Bücher gelesen. Im September waren es dann neun, im Oktober acht. Wobei noch hinzukommt, dass ich seit September samstags immer internetfrei mache, dass Smartphone komplett ausgeschaltet lasse und generell nicht mehr so viele Serien auf einmal schaue. Auch schalte ich mein Handy abends ab. 20.00 Uhr konsequent aus und schaue tagsüber nicht mehr so häufig drauf und in den sozialen Netzwerken von Twitter und Facebook) vorbei.

Ein weiterer Grund fürs Parallellesen ist die oft unnötig kleine Schrift bei gedruckten Büchern. Wenn ich den ganzen Tag beruflich intensiv Texte am Bildschirm bearbeitete, kann es sein, dass mir bei kleiner Schrift nach einigen Seiten die Buchstaben vor den Augen verschwimmen, oder es mir einfach zu anstrengend wird, in Reclamheftschriftgröße zu lesen. Dann wechsel ich zum E-Book-Reader, wo ich mir die Schriftgröße selbst einstellen kann und nie Ermüdungserscheinungen beim Lesen habe (sehr schade, dass es keine E-Book-Variante zum gedruckten Buch dazu gibt).

Und so sieht meine Lektüre aktuell aus

Peter Akroyds London: Die Biografie habe ich mir Anfang des Jahres zur Vorbereitung auf meinen London-Urlaub im Mai zugelegt. Da aus dem nichts wurde, habe ich das Buch zur Langzeitlektüre umgewandelt, von der ich jeden Tag nur ein paar Seiten lese. Inzwischen bin ich fast durch. Tolles Buch, das ein lebendiges Bild der englischen Hauptstadt über die Jahrhunderte zeichnet.

Die Masterpieces of Fantasy Art sind eine Sonderlektüre, die ich mir ausnahmsweise zum letzten Geburtstag selbst gegönnt habe. Da lese ich immer nur ein Kapitel über eine (n) Künstler*inn am Stück. Der Text hält sich in Grenzen, vor allem geht es um die Bilder, die ich so intensiv genießen kann.

Lütten Klein: Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft von Steffen Mau ist meine eigentlich aktuelle Sachbuchlektüre. Hatte einen Artikel im Spiegel darüber gelesen, wie der Soziologe seine eigene Autobiografie dafür verwendet, einen soziologisch-analytischen, aber auch persönlichen Blick auf die Gesellschaft der ehemaligen DDR vor und nach der Wende zu werfen. Sehr interessante Lektüre, die Taschenbuchausgabe hat allerdings doch eine sehr kleine Schrift.

Durch mein Sachbuchinteresse ist auch mein Interesse an Romanen wieder angestiegen, die sich mit den aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft beschäftigen. Und der gerade erschienene Near-Future-Roman Ministry for the Future von Kim Stanley Robinson ist dafür doch mit seiner durchaus optimistisch gestimmten Behandlung des Themas Klimakrise bestens geeignet. Auch, wenn es sich über weite Strecken eher wie ein Sachbuch liest, da die Infodump-Kapitel ohne Handlung (die er schon immer gerne vereinzelt eingestreut hat) einen sehr großen Anteil haben, das Lesevergnügen aber in keiner Weise beeinträchtigen.

Und da ich gerade die Suche nach den 100 besten Fantasybüchern aller Zeiten koordiniere, habe ich auch Lust darauf bekommen, wieder mehr Fantasy zu lesen. Sofia Samatars A Stranger in Olondria steht schon seit seinem Erscheinen 2013 ganz oben auf meiner Leseliste, hat es aber dann doch nie an die Spitze geschafft. Da es für die Liste nominiert wurde, nutze ich die Gelegenheit, dieses außergewöhnlich, wunderbar poetisch geschriebene Buch, das leider nie ins Deutsche übersetzt wurde, endlich zu lesen.

Doch wie sieht es bei euch aus? Wie ist euer Leseverhalten?

Artikel auf Tor Online: „Wegsehen, boykottieren, kritisieren? Cixin Liu und die Uiguren“

Für das Internetmagazin Tor Online habe ich einen Übersichtsartikel mit dem Titel Wegsehen, boykottieren, kritisieren? Cixin Liu und die Uiguren geschrieben, in dem es um kontroverse Äußerungen von Cixin Liu zu Chinas Umgang mit der muslimischen Minderheit geht. Die wurden schon 2019 getätigt, sind jetzt aber hochgekommen, nachdem Netflix bekanntgab, Lius Trisolaris-Trilogie als Serie umsetzen zu wollen. Woraufhin fünf republikanische Senatoren von Netflix Konsequenzen forderten.

Was es damit auf sich hat, erkläre ich im Artikel, und gehe auch auf Disney, Mulan und Chinas wachsenden Einfluss auf Hollywood aber auch die westliche Wirtschaft und akademische Welt allgemein.

„Außerhalb der Politik im Westen scheint mir der größere Aufreger die Personalie D. B. Weiss und David Benioff zu sein, jene Showrunner, die das Ende von Game of Thrones nach Meinung vieler versaut haben sollen. Der popkulturelle Groll über fiktive Ereignisse scheint länger zu währen als jener über reale Menschenrechtsverletzungen.“

Cixin Lius deutscher Lektor Sebastian Pirling von Heyne hat auf meinen Artikel zu Lius Äußerungen bzgl. der Uiguren in China mit einem eigenen Beitrag auf die Zukunft reagiert.

Ein paar Gedanken zu Sarah Kendziors „Hiding in Plain Sight“

Donald Trump sei kein Faschist, schreibt Sarah Kendzior, sondern ein autokratischer Kleptokrat. Also jemand, der sein Amt sehr autoritär und autokratisch (fast diktatorisch) ausübt, es aber vor allem nutzt, um sich, seine Familie und seine Mitverschwörer zu bereichern. Faschisten folgen einer Ideologie, sind an einer starken Nation interessiert. Trump will die USA zerstören, um sich die kostbarsten Trümmerstücke unter den Nagel zu reißen. Katastrophenkapitalismus nennt Naomi Klein das.

Mit solchen Kleptokraten kennt Sarah Kendzior sich aus, sie hat sie zehn Jahre lang studiert, vor allem in ehemaligen Sowjetstaaten wie Usbekistan. Sie kennt die Mechanismen; den populistischen Aufstieg; die Verteufelung der Medien; die Verdammung aller, die anderer Meinung sind; die systematische Verbreitung von Lügen, die als Wahrheit verkauft werden, während Fakten als Lügen gebrandmarkt werden, und am Ende niemand mehr an die Wahrheit glaubt, aber alles, was gelogen ist, wenn es ins eigene Weltbild passt. Kendzior kennt den schleichenden Abbau der Demokratie, die Zerstörung demokratischer Institutionen und Strukturen, das martialische und repressive Auftreten der Sicherheitsbehörden, die Unterminierung der Wissenschaft und die kriminellen Machenschaften, die Teils hinter den Kulissen, teils völlig schamlos in der aller Öffentlichkeit ablaufen.

Kendzior warnt seit Jahren davor, dass die USA sich in genau diese Richtung entwickeln, warnt seit Jahren (schon lange vor 2016) vor Donald Trump. Seine Präsidentschaft war kein kurioser Unfall, kein Versehen, um bessere Einschaltquoten zu bekommen. Sondern seit den 1980ern Jahren geplant, von Trump, seinem Mentor Roy Cohn (†1986) und dem Schurken Roger Stone. Die alle zusammen schon seit Jahrzehnten mit der russischen Mafia verbandelten sind, die wiederum Trumps Immobilienprojekte zur Geldwäsche nutzt.

Hiding in Plain Sight zeichnet diese Entwicklung von den 1980ern bis heute präzise und scharfsinnig nach und analysiert die Zustände, die dazu führen konnten, dass sich die USA zu einer Bananenrepublik entwickelt haben, die jetzt von gewissenlosen Kriminellen hemmungslos geplündert wird, während die Bevölkerung immer weiter in die Armut abrutscht (wenn sie denn Covid-19 überhaupt überlebt) und wie Infrastruktur, Bildungswesen und Wissenschaft zerschlagen werden. Am Ende wird das Land in Trümmern liegen, die Demokratie weltweit bedroht sein und der Planet auf Grund der Klimakatastrophe immer unbewohnbarer werden (siehe Kalifornien aktuell).

Besonders interessant ist Kendziors Beobachtung, dass Donald Trump sich immer dann in Interviews besonders dämlich gibt, wenn kurz zuvor eine seiner kriminellen Machenschaften ans Licht gekommen ist. Er macht sich also bewusst zum Affen, um von dem jüngsten kriminellen Skandal abzulenken. Und alle fallen drauf rein, das Interview, in dem er zum Beispiel grenzdebil mit irgendwelchen schwachsinnigen Statistiken rumwedelt, geht viral, während die letzte Enthüllung schon wieder aus dem Nachrichtenzyklus verschwindet. Boris Johnsons hat das auch schon gemacht, als er behauptete Busse aus Pappkartons zu basteln, nur damit in den Suchmaschinen die Meldungen zu diesem absurden Interview jene zu den NHS-Bussen ablösen. Trump ist es egal, ob seine Feinde ihn für dumm halten, Hauptsache er kann seine illegalen Machenschaften wieder unter den Teppich kehren. Ich glaube, er gibt sich in seinen Wahlkampfreden auch so dumm, weil er seine Wähler für so dumm hält und glaubt, so eine Sprache zu sprechen, die sie verstehen.

Hört man sich das Woodward-Tape an, hört man da einen ganz anderen Trump, der kalt und berechnend in klaren und korrekt strukturierten Sätzen spricht, nicht wie jemand, der an Demenz leidet. Aber warum sollte er sich so immer wieder so dumm geben? Weil es funktioniert!

Sarah Kendzior lebt in Missouri und nutzt die eigene Biografie und die jüngste politische und gesellschaftliche Entwicklung ihres Bundesstaates, um den Zerfall der USA und wie er weitergehen wird, anschaulich zu demonstrieren. Man beachte den Skandal um den zurückgetretenen Gouverneur Eric Greitens.

Die Fakten, die sie hier über Trump und seine Machenschaften zusammengetragen hat, sind eigentlich alle bekannt, entwickeln in dieser geballten und kompakten Form aber trotzdem eine erschreckende Wucht, bei der man sich eigentlich von Seite 1 an fragt, warum niemand diesem Spuk ein Ende bereitet. Fassungslos sieht man zu, wie die Medien der USA sich auf Trumps Spiel einlassen und ihn auch jenseits von Fox News praktisch mit im Amt halten, weil sie den Kotau vor ihm machen, da er Abos und Einschaltquoten bringt. Anders kann ich mir nicht erklären, warum auch nur eine seriöse Zeitung und nur ein seriöser TV-Sender noch Journalist*innen zur großen Lügenparade der Pressekonferenzen im Weißen Haus schickt.

Und genau das benennt Sarah Kendzior unverblümt in ihrem Buch, zählt Skandal und Enthüllungsgeschichten auf, die praktisch schon geschrieben waren, und dann von etablierten Zeitungsredaktionen wieder gestrichen wurden. Dementsprechend wird ihr Buch von den größeren Medien in den USA komplett ignoriert, und auch kein deutscher Verlag hat es bisher übersetzt – dafür aber jedes Altervorsorge-„Enthüllungsbuch“ von ehemaligen Trump-Schergen. Dabei sollte man, wenn man überhaupt ein Buch zur anstehenden Präsidentschaftswahl in den USA liest, Hiding in Plain Sight lesen. Denn das, was Sarah Kendior hier über den Zerfall der USA und den Aufstieg der Autokratie schildert, könnte uns ebenso hier in Europa und in Deutschland auf lange Sicht bevorstehen. Auch in den USA hat man gesagt (und tut es teilweise immer noch): „Hier kann es ja nicht passieren“, bis es dann doch passiert und zu spät ist.

Man muss nur bis nach Ungarn, Polen oder Großbritannien mit seiner Brexit-Gruselshow blicken, oder zu den Coronaleugnern und dem QAnon-Virus schauen, das sich in immer mehr Köpfen festsetzt, um die destruktive Macht zu sehen, die hier durch soziale Medien potenziert wird.

Und neben all den erschreckenden Fakten und scharfsichtigen Analysen ist das Buch auch noch ziemlich gut und mitreißend geschrieben.

Weitere Lektüretipps zur Thematik

Geschichte der USA:

A People’s History of the United States von Howard Zinn, erzählt die Geschichte der USA aus anderer Perspektive, aus jener der Unterdrückten, der Indianer, Sklaven, Afroamerikaner, aus Sicht der „Verlierer“, die sonst keine Geschichte schreiben.

Gunfighter Nation – The Myth of the Frontier in Twentieth-Century America von Richard Slotkin. Die USA sind auf Blut, Gewalt und Ideologie aufgebaut („Praise the Lord an pass the amunition“). Wer verstehen will, wie diese Gewalt das Land bis heute so stark prägen konnte, wird bei Slotkin fündig.

Demokratie:

The Light That Failed von Ivan Krastev und Stephen Holmes zeigt wie die Ostblockländer nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Demokratie simulierten, um den Westen ruhig zu stellen und Gelder von ihm abzukassieren, während der Westen seine eigene Demokratie für alternativlos hielt und versuchte, die Welt zu missionieren. Dabei blieben die alten Strukturen in Ländern wie Russland bestehen, verborgen unter dem Deckmantel der Demokratie, unter dem populistische Autokraten gediehen, bis sie sich stark genug fühlten, offen aufzutreten, und auch westliche Länder und ihre ach so makellosen Demokratien mit dem Virus des Rechtspopulismus infizierten (siehe USA, UK).

Soziale Medien:

Ten Arguments for Deleting Your Social Media Accounts Right Now von Jarone Lanier über die destruktive Kraft sozialer Netzwerke, deren User (nicht Kunden) die Ware sind, während Manipulatoren im Hintergrund Geld dafür bezahlen, das Verhalten der User zu verändern.

Da Laniers Buch stilistisch und argumentativ etwas ungelenk formuliert ist, empfehle ich auch noch die Netflix-Dokumentation The Social Dilemma, die das alles etwas kompakter, eleganter und eindringlicher darstellt.

US-Gesellschaft

The View From Flyover Country: Dispatches From The Forgotten America von Sarah Kendzior bietet Einblicke in jene Teile der US-Gesellschaft, die nicht nur von uns hier in Deutschland, sondern auch von den liberalen Eliten an Ost- und Westküste gerne übersehen werden.

Gaslit Nation ist ein Podcast von Sarah Kendzior und Andrea Chalupa, auf dem sie sich wöchentlich zu aktuellen Themen unterhalten.

„The Social Dilemma“: eine Doku, die ihr sehen solltet

»The Social Dilemma« ist eine ausgezeichnete und sehr beängstigende Dokumentation auf Netlix, darüber, wie perfide und destruktiv uns das Internet und vor allem soziale Medien manipulieren. Wie sie die Gesellschaft spalten und die Demokratie zerstören, weil die meisten nur noch Informationen und Desinformationen aus der eigene von Algorithmen bestimmten Filterblase erhalten und gar nicht mitbekommen, dass andere Menschen ganz andere Sachen vorgesetzt bekommen. Ganz gleich ob in der Facebook-Timeline oder in der Google-Suche.

Darüber, wie soziale Netzwerke und Apps über Belohnungssysteme und Endorphinausschüttung unser Suchtverhalten triggern. Wie sie sie seit 2010 die Suizidrate unter Jugendlichen in den USA massiv ansteigen lassen. Und wie sie am Ende zur Zerstörung unseres Planeten führen, weil niemand mehr die Wahrheit und an die Wahrheit glaubt, und klare Fakten für Lügen hält.

Alles davon ist eigentlich bekannt (zumindest in meiner Filterblase), wirkt aber hier noch mal auf kompakte, verständliche und drastische Art von eben jenen Leuten präsentiert, die diese sozialen Netzwerke und Algorithmen mitentwickelt haben.

Es gibt natürlich auch viel Positives, was das Internet und die sozialen Netzwerke hervorgebracht haben, aber durch ihren jüngsten Einfluss auf den Aufstieg zahlreicher Populisten an die Regierungsmacht ihrer jeweiligen Ländern, und wie effizient und effektiv autokratische Regierungen wie Russland und China sie zur Desinformation und Unterdrückung und für Propagandazwecke nutzen, zeigt sich, dass die negativen Folgen inzwischen massiv überwiegen. Und zwar jetzt und hier, und nicht der fiktiven Zukunft einer »Black Mirror«-Folge.

Wer das hier liest, sollte sich die Doku auf jeden Fall ansehen.

Ich werde ab jetzt zumindest mal den Samstag zum komplett Internetfreien Tag bei mir machen. Und mich noch mehr mit dem Thema beschäftigen.

Acrylmalerei (1)

Seit meine Mutter vor ca. 2 Jahren einen Kurs in Acrylmalerei absolviert hat, hat sie ein neues Hobby gefunden und unser Haus neue Wanddekorationen. Und ich muss sagen, die Bilder an den Wänden gefallen mir richtig gut. Viel besser als das gekaufte Zeugs, was da vorher gehangen hat. Deswegen werde ich hier auf dem Blog (der ansonsten ja ein wenig eingeschlafen ist) schrittweise alle Bilder präsentieren.

Wie genau das alles funktioniert, weiß ich nicht. Sie malt natürlich mit Acrylfarben, hinzu kommen aber auch immer wieder Objekte, die in die Bilder integriert werden. Zerbrochene CDs, Metallteile, Hufeisen, Holzstücke usw. Oft malt sie auf Leinwand, die noch mit Marmormehl grundiert wird. Manche Sachen lässt sie rosten. Es wird lakiert uvm.

Die Pfeifen auf Bild 2 sind übrigens Tonpfeifen, die bei uns hier im Dorf (Hilgert) noch auf die traditionelle Weise hergestellt werden. So weit ich weiß, ist das die letzte Tonpfeifenwerkstatt ihrer Art.