Wo man mich trifft: Köln, Berlin, New York

Mein Winterschlaf neigt sich dem Ende zu, bald werde ich meine Höhle verlassen und mich auf die Suche nach Zivilisation und Kultur begeben.

Köln: PAN-Branchentreffen am 19. und 20. April

PAN ist das Phantastikautorennetzwerk e. V., also ein Verein, der aus Phantastikautorinnen besteht und sich für das Genre und die Mitglieder einsetzt. Auf dem Branchentreffen trifft sich, wie der Name schon sagt, die Phantastikbranche. Das heißt, Autorinnen, Verlagsmitarbeiterinnen, Lektorinnen, Bloggerinnen und Leute, die anderweitig beruflich und/oder leidenschaftlich mit Phantastik zu tun haben.

Das erste Treffen vor zwei Jahren war großartig, fand ebenfalls im Odyseeum in Köln statt und ging über zwei Tage. Es gab zahlreiche interessante Podiumsdiskussionen und Vorträge, aber auch Gelegenheiten zum Netzwerken. Im letzten Jahr fand es in Berlin statt, da hatte ich ausgesetzt, freue mich aber schon, dieses Jahr wieder dabei sein zu können, viele Freunde und Bekannte zu treffen und neue Leute kennenzulernen. Weiterlesen

Blogbeiträge nur teilweise anzeigen?

Ich spiele gerade mit dem Gedanken, die Blogeinträge, die bisher immer in voller Länge auf der Startseite angezeigt wurden, nur noch teilweise dort anzuzeigen, mit der Option, sie mit Klick auf »weiterlesen« komplett aufzuklappen.

Auf diese Weise könnte man sich einen schnelleren Überblick über meine letzten Blogeinträge verschaffen. Besonders bei längeren Artikeln muss man endlos scrollen, um bis zum nächsten zu gelangen. So gibt es einen bis drei Absätze als Anreißer, und wer mehr lesen möchte, muss einfach auf »weiterlesen« klicken.

Was meint ihr? Macht das den Blog übersichtlicher? Oder lieber doch alles auf die Startseite? Schaut es euch mal auf der Startseite an, habe das für die letzten Beiträge schon mal so eingstellt.

„Rocking the Forest“ von Cornelius Zimmermann

Slayer in the Jungle

Iggy ist ein Wolfmorf, der sich mit seiner Band verkracht und plötzlich, nur wenige Tage vor dem legendären Rocking the Forest Contest, ohne Kapelle dasteht. Also macht er sich auf – wie einst Al Bundy und seine No’Mam-Kollegen zu Iron Ed Hayes -, um sich Rat bei einem großen Weisen des Forst Dooms zu holen. Forest Doom ist die vorherrschende Musikrichtung im musikalischen Mützelwald, und ihr Hohepriester ist Blubb die Pfütze, der inzwischen am anderen Ende des Waldes in einer Gated Community unter Spießerkäfern wohnt. Für Iggy beginnt eine Odyssee durch die gefährlichsten Regionen des Mützelwaldes, in denen er den absonderlichsten und kuriosesten Wesen begegnet, die (zimmer)man sich vorstellen kann. Unterwegs muss er sich seinem größten Trauma stellen, verliebt sich hoffnungslos und begibt sich auf einen mörderischen Trip zwischen halluzinogenen Pilsporen. Und ab und zu rockt er einfach das (Baum)Haus.

Mit Funny Fantasy ist das so eine Sache, entweder heißt man Terry Pratchett, oder man hat als Autor in diesem Untergenre nicht viel zu lachen. Denn in kaum einem Untergenre muss man sich so sehr an dessen prominentesten Vertreter messen lassen. Dabei war Pratchett nicht mal der erste, der dieses Gebiet beackerte. Robert Aspirin und Piers Anthony begannen ungefähr zur gleichen Zeit, die Lachmuskeln ihrer Leser zu reizen, erreichten aber nie so ganz das Niveau Pratchetts (das er selbst auch erst später erreichte), an das meiner Meinung auch nur Walter Moers wirklich heranreicht, und ein paar vereinzelte Autoren mit einzelnen Werken (wie William Goldmann z. B. mit Die Brautprinzessin).

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Erscheinen zu viele Bücher? (Teil 2 von 2)

Hier geht es zum ersten Teil, der die Frage, ob zu viele Bücher erscheinen, aus Perspektive von Autorinnen und Verlagen behandelt. Im unten stehenden Beitrag versuche ich die Sicht des Buchandels, von Leserinnen, Blogerinnen/Rezensentinnen und Übersetzerinnen einzunehmen und blicke am Schluss noch mit einem Fazit auf die Gesamtlage und formuliere meine Theorie dazu.

Buchhandel

In den Buchhandel habe ich die wenigsten Einblicke, auch wenn ich mit ein paar Buchhändlern befreundet bin. Ich vermute, dass aus Sicht des Buchhandels zu viele Bücher erscheinen. Ganz einfach, weil es für sie immer schwieriger wird, einen Überblick über den Markt und die Neuerscheinungen zu behalten. Denn von den Buchhändlerinnen wird erwartet, dass sie mit den angebotenen Titeln vertraut sind, dass sie wissen, was alles neu erscheint. Eine Sisyphusarbeit.

Hinzu kommt noch, dass den Buchhandlungen immer wieder von Leserinnen vorgeworfen wird, den gesuchten Titel nicht vorrätig zu haben. In Diskussionen über den Buchhandel und seine Zukunft lese ich immer wieder, dass Leserinnen nicht mehr in die Buchhandlung gehen, weil sie dort das, was sie suchen, sowieso nicht finden. Geht mir übrigens auch oft so, aber ich finde auch gerne das, was ich nicht suche.

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Erscheinen zu viele Bücher? (Teil 1 von 2)

Auf Facebook und Twitter schrieb Karla Paul kürzlich:

Heute die ersten Mails zu den Herbstvorschauen erhalten und weine jetzt inmitten der teils noch ungelesenen Frühjahrsstapel leise vor mich hin. 100.000 Neuerscheinungen jährlich (ungefähr, Selfpublishing unklar), 3 Monate Zeit zum Abverkauf, noch vor ET Abschreibungstitel (und die Autor_Innen wissen nichts davon), auch das gehört zum Buchmarkt. Puh. Ich freue mich für jeden, der heute eine Chance auf Veröffentlichung erhält, aber hunderttausend Titel jedes Jahr, das ist einfach viel zu viel. Diese Massen will doch eigentlich keiner, und dass dann ein Großteil sogar vernichtet werden muss, totaler Wahnsinn!

Leider kann ich nicht auf den Beitrag und die wirklich hochinteressante Diskussion darunter, an der sich viele Profis aus dem Buchbereich beteiligen, verlinken. Vieles, was ich hier aufführe, wird dort auch erwähnt. Da müsst ihr auf Facebook einfach bei Karla Paul vorbeischauen.

Ausgehend davon werde ich versuchen in diesem Beitrag der Frage: Erscheinen zu viele Bücher? aus verschiedenen Perspektiven nachzugehen. Aus Sicht der Leserin, der Autorin, der Übersetzerin, des Verlages und des Buchhandels. Da der Text ziemlich lang geworden ist, teile ich ihn in zwei Blogeinträge auf. Los geht es mit der Perspektive der Autorinnen und der Verlage. Ich benutze inzwischen übrigens nur noch die weibliche Form als die allgemeine Form für beide Geschlechter, wenn keine konkrete Person gemeint ist.

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„Captain Future – Sternenstraße zum Ruhm“ von Edmond Hamilton erschienen

Gerade ist mit Sternenstraße zum Ruhm der sechste Band der Captain-Future-Neuauflage bei Golkonda in meiner Übersetzung erschienen. Bei Amazon gibt es bereits eine erste Besprechung von Torsten69:

Wie ich finde hat Edmund Hamilton hier eine sehr gute und spannende Geschichte geschrieben. Man merkt deutlich, dass er seinen Stil für die Geschichten rund um Captain Future endlich gefunden hat. Diese Geschichte beinhaltet zudem weniger Unglaubwürdiges und dafür mehr Faszinierendes – falls man das so ausdrücken kann. Fasziniert hat mich beispielsweise wieder einmal die phantasievolle Schilderung von außerirdischen Lebens, Landschaften und ähnliches – während zugleich viele Apparate dem des heutigen Zeitalters entsprechen, beispielsweise der »Televisor«.

Dass es so lange gedauert hat, bis der nächste Band erschienen ist, lag daran, dass sich der Golkonda Verlag einige Zeit im Limbus befand, bis er Anfang 2017 dann vom Europa Verlag gekauft wurde. Die neuen Besitzer und Programmgestalter waren wohl etwas überrascht von der starken Nachfrage der kleinen, aber loyalen Captain-Future-Fangemeinde. Im Mai soll Band 7 Der Marsmagier erscheinen. Ob und wie es danach weitergeht, weiß ich nicht.

Was für mich starke Frauen in Film, Serie und Literatur ausmacht

Im Zuge des Weltfrauentages kam in meiner Twittertimeline die Frage auf, was starke Frauenfiguren in Literatur, Film und Serie ausmachen, aber auch einiger Unmut über die Formulierung »starke Frauenfiguren«, denn man würde ja auch nicht von »starken Männerfiguren« schreiben.

An Letzterem ist sicher was dran, wer würde in einer Rezension von Stirb Langsam John Mclane als starke Männerfigur bezeichnen. Das ist eher der archaische Standard, den man nicht betonen muss, weil er als Selbstverständlichkeit gilt. Besonders betont werden eher komplex und ambivalent angelegte Männer, wie z. B. Tony Soprano, Don Draper oder Walter White (auf die ich später noch einmal zurückkommen werde).

Das aktuelle Paradebeispiel im öffentlichen Diskurs für eine starke Frau und Feminismus auf der Leinwand ist wohl Wonder Woman, die im gleichnamigen Film so wunderbar von Gal Gadot verkörpert wird. Aber ist sie das wirklich?

Diana ist eine Amazone, ein Übermensch, eine Halbgöttin, die Kugeln mit ihren Armschienen abwehrt, ein magisches Lasso schwingt und es am Ende des Films sogar mit Kriegsgott Ares aufnimmt. Nicht unbedingt repräsentativ für die Frauen in unserer Gesellschaft.

Eine starke Frau ist sie vielmehr im Kontext des Superheldenkosmos neben Superman, Batman oder Captain America, geschaffen in den 1940ern vom Psychologen und Feministen William Marsden und seiner Frau Elizabeth, eben als Gegenentwurf zum Übermenschen Superman. Eine Frau, die sich in einer Jahrtausende alten Männerprofession, dem Heldentum, durchsetzt.

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„An guten Tagen siehst du den Norden: Südkorea zwischen Geistern und Glasfassaden“ von Sören Kittel

Einem Buch, das die Kapitelüberschrift Heidi Kang wird nicht gefoltert hat, kann man doch nicht widerstehen? Oder? Man sollte es jedenfalls nicht, denn Sören Kittel liefert hier einen faszinierenden, witzigen und herzlichen Blick in die Gesellschaft und Kultur Südkoreas. Ein Land, in dem es als unhöflich gilt, sich fürs Anrempeln zu entschuldigen, weil man damit erst auf die Tat aufmerksam macht. Es bleibt also vieles unausgesprochen, in dieser Nation, über der eine permanente Traurigkeit liegt, die als Han bezeichnet wird.

Ein Land, das nach konfuzianischer Harmonie strebt, wo sich alle ständig gegenseitig anlügen, um beim Gegenüber keine schlechten Gefühle zu erzeugen, da man ja auch für die Gefühle der anderen verantwortlich sei. Ein Land, das auf mich aus der Ferne deshalb angespannt wie ein Schnellkochtopf wirkt, weil gleichzeitig auch alles ppalli ppalli, also schnell, schnell gehen muss. Ohne mit dieser gesellschaftliche Konvention zum Lügen vertraut zu sein, dürfte es den Meisten aus dem Westen z. B. schwerfallen, das Ende des koreanischen Erfolgsfilm Old Boy zu verstehen. Ich weiß noch, wie ich im Kino saß und dachte: »Der ganze Aufstand wegen einer solchen Kleinigkeit?!«. Doch in koreanischem Denken ist die ganze Handlung wohl vollkommen logisch nachzuvollziehen. Auch half mir das Buch dabei, zu verstehen, warum im Zombieapoklypsenfilm Train to Busan eben jene Stadt Busan die letzte Bastion ist, die den einfallenden Horden Widerstand leistet, sowie einst beim Überfall Nordkoreas 1958.

Ein Land, das rasend schnell aus der Diktatur zur Industrie und High-Tech-Nation aufstieg, während sich die Führer gleichzeitig von Geomanten beraten lassen, damit die Gebäude auch im richtigen Energiefluss stehen.

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„Der spazierende Mann“ von Jiro Taniguchi

Ein Mann spaziert, die Hände in den Taschen, ein Schritt vor den anderen, gemächlich, gemütlich, bei Sonne und Wind, Regen und Schnee. Bunte Blätter wirbeln um seine Füße, weiße Flocken legen sich auf seine Schultern, Kinder rennen spielend durch die Straßen, über die Felder, lassen Papierflieger kreisen, lachen.

Mal mit Hund, mal mit Frau, meist allein, den Kopf in den Wolken, tagträumend ohne Grenzen. Mit nackten Füßen auf den Baum kletternd, ausgebreitet im Gras liegend, die Wonnen der eigenen Kindheit vor Augen, vollkommen entschleunigt, abseits des Bürostresses, von gesellschaftlichen Verpflichtungen und all der anderen Hektik.

Neue Städte, egal ob im Urlaub oder neu hingezogen, erkunde ich am liebsten zu Fuß, und gehe auch sonst gerne wandern. Während Autos hupend an einem vorbeisausen, Fußgänger nur noch auf ihr Smartphone starren und die Stadt in ihren Abläufen so konstruiert ist, dass sie am Besten funktionieren würde, wenn es gar keine Menschen gäbe, ist das Flanieren der beste Weg hinter die Fassaden zu schauen, einen Blick für die einfachen Dinge des Alltages zu bekommen.

Jiro Taniguchis Der spazierende Mann ist im Original aus dem Jahr 1992, da gab es noch keine Smartphones und die Digitalisierung stand in ihren Kinderschuhen, aber die 80er-Jahre waren gerade erst vorbei. Jenes Jahrzehnt, in dem die japanische Wirtschaft unheimlich an Fahrt gewann und Nippon zu einer der führenden Technologienationen aufstieg. Man dachte, die Zukunft würde japanisch werden, so wie in William Gibsons Neuromancer.

Taniguchi lässt seinen Protagonisten aus diesem Hamsterrad hinaustreten. Mit seiner Frau zieht er in eine kleine Stadt, in ein putziges Häuschen mit papierbezogenen Wänden und einem knuffigen Hund vom Vormieter. Und dann geht er einfach los, ohne viel Worte, mal hierhin, mal dorthin, bei Wind und Wetter. Jeder Spaziergang nur ein paar Seiten, doch immer mit einer eigenen Geschichte, die man teilweise zwischen den Panels findet.

Und genauso entspannt habe ich das Buch gelesen, jeden Tag einen Spaziergang, ein Kapitel, lässig liegend, während das Panorama der Zeichnungen auf mich einwirkte. Eine wunderbare Ode an da Spaziergehen, das sich Vertrautmachen mit der Umgebung, das Genießen der Landschaft und der kleinen Dinge des Alltags.

Hier geht es zu meiner Besprechung von Jiro Taniguchis Vertraute Fremde.