Serienempfehlungen abseits der üblichen Verdächtigen 2

Teil 1 gibt es hier.

You Me Her

Tolle Beziehungskomödie, über eine Dreiecksbeziehung eines Ehepaars mit einer Studentin, die sich ihr Studium als Escortgirl finanziert. Durch die fehlenden Beschränkungen des Networkfernsehens hätte ich fast geschrieben, dann aber gesehen, dass die Serie vom Sender Audience Television ist, trotzdem geht die Serie ganz unverkrampft mit Sexualität und alternativen Beziehungsmodellen um. Gegen Ende droht der Albernheitsfaktor durch die spionierende Nachbarin, die unsere Protagonisten für die Wiedergeburt der Klopeks zu halten scheint, etwas überhandzunehmen, aber zum Glück bekommt die Serie genau im richtigen Moment wieder die Kurve zur durchaus ernsten Thematik, die aber unterhaltsam präsentiert wird. Das Highlight der Serie sind die beiden bezaubernden und strahlenden Hauptdarstellerinnen Priscilla Faia und Rachel Blanchard. Der Balanceakt zwischen ernsthaftem Beziehungsdrama und Romcom gelingt ganz hervorrragend. Mir hat die Serie richtig Spaß gemacht.

Fleabag

Britische Comedyserie von Phoebe Waller-Bridge, die aber deutlich zynischer und abgründiger daherkommt als You Me Her. Eher so was wie ein britisches, weibliche Louie in böse. Irgendwie fällt es mir schwer, den Inhalt angemessen wiederzugeben. Einfach selber ansehen.

Les Grandes Grandes Vacances (Die langen großen Ferien)

Ist eine tolle französische Zeichentrickserie über eine Kindheit in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs, mit einem Hauch Ghibli, den Freuden der Kindheit, aber auch der bedrohlichen Atmosphäre, die der Krieg mit sich bringt. Bisher habe ich nur die erste Folge gesehen (wohl zwei Episoden zu einer zusammengefasst), bin aber hellauf begeistert.

Hooten and the Lady

Britische Abenteuerserie im Stil von Relic Hunter oder The Librarians, gefällt mir aber deutlich besser als die beiden genannten Serien. Die Pilotfolge ist etwas wirr geraten, danach fängt sich die Serie aber, allerdings darf man nicht zu sehr über Logik und ähnliche Spaßbremsen nachdenken.

Lesesplitter und Stand der Dinge Ende Februar 2017

Lesesplitter

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Am Wochenende habe ich Die Krone der Sterne von Kai Meyer beendet, ein Buch, dem ich als Captain-Future-Übersetzer schon deswegen nicht widerstehen konnte, weil es unter anderem Edmond Hamilton gewidmet ist, einem der Urväter der flotten Space Opera. Und genauso flott kommt das Buch auch daher, das die junge (aber erwachsene) Ineza auf der Flucht vor dem Hexenorden begleitet, der sie zur Braut der Gottkaiserin mache möchte (was kein ersterbenswertes Ziel ist). Im Prinzip besteht das Buch auch aus einer einzigen Flucht, was auf Dauer Gefahr läuft, etwas zu repetitiv zu werden, da die einzelnen Kapitel und Szenen im Prinzip immer Variationen des gleichen Themas sind: Gefangennahme, Schießerei, Flucht, Streiterei untereinander, Verrat, Gefangennahme … Dafür, dass es einem dabei aber nicht langweilig wird, sorgt der geschickt eingeflochtene Weltenbau, der mich an eine Mischung aus Dune (in der Lynchversion) und Riddick erinnert. Ein flottes, unterhaltsames Weltraumabenteuer mit starken Frauenfiguren, das sich nicht um Physik schert; gute Unterhaltung für zwischendurch. Und, liebe SF-Verlage, so gestaltet man ein Science-Fiction-Buch, das auch LeserInnen ansprechen soll, die nicht so genreaffin sind und sich nicht mit dem generischen Raumschiff im All zufriedengeben. Neben der wunderschönen Umschlaggestaltung gibt es auch noch zahlreiche Illustrationen von Jens Maria Weber, die das Buch wie ein Vorspann einleiten. Meine Mutter liest das Buch übrigens gerade auch mit großer Begeisterung, dabei liest sie Science Fiction sonst nur, wenn ich sie übersetzt habe.

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Kürzlich habe ich darüber berichtet, dass Philip Pullman eine neue Trilogie in der Welt von His Dark Materials plant, was mir Lust darauf gemacht hat, Der Goldene Kompass noch einmal zu lesen. Zuletzt hatte ich das Buch im Sommer 2001 gelesen, in jenen endlos trägen Wochen zwischen meinem Fachabitur und dem Beginn des Physikstudiums, auf das ich mich eigentlich hätte vorbereiten sollen – tja, so bin ich dann auch am Ende Übersetzer geworden, und nicht Physiker. 😉 Jedenfalls gefällt mir das Buch beim Reread noch genauso gut wie beim ersten Mal. Pullman hat da eine ganz wunderbar eigene Welt erschaffen, die knapp neben der unsrigen liegt, und versteht es, sie mit Anspruch unterhaltsam in eine spannende Geschichte einzubinden.

Stand der Dinge – Reise-Mäurer

Vor zwei Wochen bin ich in Berlin gewesen, in den Verlagsräumlichkeiten von Fischer Tor (sehr schick), um mich dort in das Typo 3 von tor-online.de einarbeiten zu lassen. Über den Grund habe ich ja in meinem letzten Blogeintrag berichtet. Das war nur ein kurzer Blitzbesuch, der mir gerade mal Zeit ließ, mich mit einem guten alten Studienfreund zu treffen, einen SF-Stammtisch in kleinem Kreise abzuhalten und einen Blitzbesuch im Otherland zu machen. Dienstag ging mein Flug nach Berlin, am Donnerstag dann der Rückflug, womit ich echt Glück hatte, da das Bodenpersonal von Tegel am Mittwoch dazwischen gestreikt hat.

Die nächste Reise geht dann am Freitag den 24. März zur Leipziger Buchmesse. Eigentlich wollte ich ja diese Jahr nicht, aber irgendwie habe ich den Messebesuch in den letzten Jahren doch lieb gewonnen, und es ist eine tolle Gelegenheit, viele Bekannte und Freunde zu treffen, die ich sonst kaum sehe (auch wenn ein Tag eigentlich zu knapp dafür ist).

In der dritten Maiwoche werde ich für eine Woche nach Paris reisen (falls mich Präsidentin Le Pen dann noch reinlässt), einfach, um mir die Stadt mal anzusehen, in der ich noch nie war. Das wird meine erste Urlaubsreise seit über zehn Jahren sein.

Wo ich dieses Jahr nicht hinfahren werde, ist der Marburg Con, den ich in den letzten drei Jahren besucht habe. Passt zeitlich einfach nicht, außerdem ist mein Stammreisebegleiter abgesprungen. Und so ganz alleine mag ich auch nicht fahren.

Ebenfalls ausfallen lasse ich dieses Jahr das Pan-Branchentreffen in Berlin. Zwar fand ich das Treffen im letzten Jahr großartig, aber da ich dieses Jahr Urlaub machen möchte, muss ich ein paar Prioritäten setzen (und das bisherige Programm finde ich auch nicht so interessant für mich ). Auch nicht besuchen werde ich die großen Cons des Jahres, wie den Eurocon in Dortmund, den Worldcon in Helsinki und den Dirkcon (anlässlich des 50 Geburtstages des Tentakelmeisters) in Dirktropolis. Dafür ist der Bucon aber wieder fest gesetzt, den ich seit über 10 Jahren immer besuche.

Eventuell werde ich im Sommer auch noch eine oder zwei Wochen in Berlin verbringen, um mir etwas mehr Zeit für meine ehemalige Heimat zu nehmen. Das wird aber vermutlich nicht in die Zeit des Fantasy Filmfests fallen, das in diesem Jahr leider erste Ende September stattfindet. Für mich gehört das FFF einfach in den Hochsommer. Und mit der Streckung auf zwölf Tage und den Wegfall der Parallelvorstellung kann ich mich auch nicht so recht anfreunden.

Die phantastischen Netzstreifzüge …

… gab es zuletzt vor mehr als einem Jahr am 6. Februar 2016, danach ist die Rubrik, die es seit der Nummer 1 am 18.02.2014 auf 46 ½ Ausgaben brachte, eingeschlafen, weil mir einfach die Zeit dafür gefehlt hat und ich auch Lust auf andere Arten von Blogeinträgen hatte. In der Rubrik habe ich regelmäßig (aber ohne festen Rhythmus) auf interessante Artikel zu phantastischen Themen verlinkt und sie meist auch noch ein wenig persönlich kommentiert.

Die Rubrik wird erst mal eingeschlafen bleiben, aber dafür gibt es jetzt auf Tor Online drei Mal in der Woche (montags, mittwochs und freitags) die von mir erstellten SFF News – also Neuigkeiten aus den Themenfeldern Science Fiction und Fantasy (aber auch sonstige Phantastik) in Buch, Film und dem ganzen Rest. Drei bis sechs News pro Ausgabe, darunter Trailer und Neuigkeiten zu Filmen und Serien, aber auch immer wieder Themen, die man auf den anderen phantastischen Newsseiten nicht so häufig findet. Wie z. B. der Hinweis auf die SF-Retrospektive der Berlinale in der ersten Ausgabe oder die Eröffnung eines Instituts für Science Fiction und Fantasy an der Anglia Ruskin University in Nummer 2.

Mal sehen, wie die Sache angenommen wird. Wir versuchen durchaus, die Nachrichten relativ tagesaktuell zu bringen, aber es geht nicht darum, schneller als die anderen zu sein. Es soll eine kompakte Übersicht über aktuell für Phantasten und Geeks interessante Neuigkeiten sein.

 

„Vertraute Fremde“ von Jiro Taniguchi

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Noch einmal Kind sein, oder zumindest die Jugendzeit erneut durchleben, mit dem Wissen des erwachsenen Ichs. Wer hat nicht schon mal darüber nachgedacht, wie das wäre, was man anders machen würde, wie das Leben wohl verlaufen wäre, wenn man sich in bestimmten Situationen anders verhalten hätte?

Jiro Taniguchi hat aus diesem Gedankenspiel einen Manga gemacht, in dem der 48-Jährige Familienvater Hiroshi Nakahara diese Chance erhält, um zu ergründen, warum sein Vater in jenem Sommer, als Hiroshi 14 Jahre alt war, die Familie wortlos verließ. Nachdem er in den falschen Zug steigt und sich plötzlich in der Stadt wiederfindet, in der er aufgewachsen ist, verliert er vor dem Grab seiner Mutter das Bewusstsein und wacht als 14-jähriger Hiroshi wieder auf. Schnell wird ihm klar, dass sich ihm die Gelegenheit bietet, dem (jetzt anstehenden) Verschwinden seines Vaters auf den Grund zu gehen.

Doch neben diesem ernsten Hintergrund genießt er es auch wieder, in einem jungen Körper zu stecken, mutiert zur Sportskanone und zum Englischprofi, während er sich in seine hübsche Mitschülerin Tomoko verliebt, was den Erwachsenen im Jungenkörper gehörig in eine Zwickmühle bringt, und er sich fragt, ob er durch die Änderungen, die er gerade an seiner Vergangenheit durchführt, auch seine Zukunft verändert?

Vetraute Fremde ist (in der Übersetzung von Peter) ein stilles Buch, das sich Zeit nimmt, den Leser mit der Fremde vertraut zu machen. Man sitzt mit Hiroshi auf einer Bank im Park und lauscht, wie der Wind die Blätter zum Rascheln bringt, man begleitet ihn an den Strand, wo Tomoko das Rauschen der tosenden Wellen genießt. Man leidet mit ihm, während er am idyllischen Familienleben teilnimmt, wissend, dass es bald ein jähes Ende finden wird.

Taniguchi hat einen guten Blick für die kleinen Dinge des Alltags, für die Beziehungen der Menschen untereinander, ein Gefühl für ihre Ängste und Nöte, ihre Sorgen und Träume. Es ist ein melancholischer und wehmütiger Blick zurück auf die Jugend, der einem aber auch eine neue Perspektive auf die alltägliche Routine bieten kann, in der wir uns von Zeit zu Zeit wiederfinden und vergessen, die kleinen Freuden des Lebens zu genießen und wertzuschätzen. Statt sich zu fragen, was wäre, wenn ich mich damals anders entschieden hätte? Sollte man lieber anerkennen, was man hat und welche Möglichkeiten noch vor einem liegen.

Noch nie ist ein Autor gestorben, während ich gerade eines seiner Bücher las. Jiro Taniguchi verstarb am 11. Februar 2017, als ich mich gerade auf den letzten 100 Seiten von Vertraute Fremde befand, einem Buch, in dem er auch sehr einfühlsam die Themen Trauer und Verlust behandelt.

Lars von Törne hat für den Tagesspiegel einen sehr schönen Nachruf auf den Ausnahmekünstler verfasst.

„Darktown“ by Thomas Mullen

Please excuse my rusty English, I am out of pratice.

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Here in Germany we grew up with the aftermath of World War Two, the Nazi-Regime and the Holocaust. I belong to a generation whose grandfathers fought in the war. We were sensitized about what happened to the Jewish population since Hitler got voted in 1933. Yet it is a difference to read about racism in books and watch movies about it, or to experience it firsthand. Of course racism did not stop after the war ended and the Nuremberg trials were held. But it declined over the decades and we Germans grew up with a special sensitivity and awareness about the topic. Racism and anti-Semitism always lurked under the surface , and from time to time it had its peaks. Right now, in the wake of a worldwide growing populism of the right wing, it shows it’s ugly face by people, who think, they can come out of the closet and say what has been a taboo for decades. They are a minority, but they are loud.

Still for Germans it is always an astonishing experience to learn about institutionalized racism backed by the law in the years after World War Two, especially when it happens in the country that has freed us from the tyranny of the fascists. It is also surprising for the most of us, how long after the end of the Civil War and the liberation of the slaves, the segregation continued wide into the 1960s. And we are also shocked about, how deep this racism is still rooted in the former Confederated States. A fellow student of mine, who, back in high school (in the year 2007!), lived as an exchange student in Georgia, was shocked, when she was not allowed by here guest family to invite black students for her birthday party.

Books like Darktown are important in reminding us that those dark times are not that long over, and that pieces of them still remain to haunt our society. The 1950s and especially the 1960s are pretty good covered by books and movies like Mississippi Burning, the slave times are covered by authors like Frederick Douglas or Harriet Jacobs or fictional biographies like Roots, but the years right after World War 2, this transitional years, before the baby boomers and the consumerism, were like a blank pages (at least in my perception, of course there are books and movies about those years) .

Thomas Mullan filled some of these pages in his crime novel about one of the first black police units in America and especially the southern states that were haunted by an openly lived out racism, lynch mobs, and the Ku Klux Klan. How can the land of the free, the oldest democracy of the world, still have laws based on racism?

The novel cannot answer this (maybe unanswerable?) question. The victims of this injustice, this hatred, and this torment are perplexed by this question. When asked, why he is going to move to Chicago, the cousin of the black officer Lucius Boggs says, those people here are all mad. Black lives did not matter for them, and the police did not give a shit about a dead „nigger“ – they are just looking for the next Bigger Thomas.

The times have changed, but they haven’t changed enough. White people today seemed to have forgotten about those centuries of violent oppression. They need to be reminded, why the slogan „black lives matter“ need to be repeated, and that it does not mean that white lives do not matter, but that there is a difference, because not long a ago there was a time when black lives did not matter for huge part of the white population in the USA.

Darktown is an entertaining and thrilling crime novel, but it is also a vivid reminder of those dark times that can sensitize people for the history of racism and discrimination. Those young officers like Lucious Boggs and Thomas Smith have fought in World War Two against the Nazis, just to return to a country where they are still oppressed by the American equivalent of the German fascists.

The picture of the savage Indian has been formed by the movies of John Ford (who regretted it later) and his colleges in western movies where the word Geronimo was enough to scare people to death. The influence of medias like movies and books on a society cannot be underestimated. And so it is up to those medias to change this aberration. They can do, what boring history classes can not, they can create empathy for characters like Kunta Kinte or Lucius Boggs.

But Dark Town does not preach. It is a crime novel, a murder (of a young black woman) has to be solved, and in the tradition of the genre, we follow two of the investigators through a lot of trouble, while they are just trying to do their job properly in a vicious environment. Mullan is able to create a vivid image of this time that grabs the reader an pulls them into the perspective of the black Officer Lucius Boogs and the white beat cop Denny Rakestraw, whose not willing to follow the path of racism, abuse and corruption that so many of his colleagues have violently stomped into the dusty ground of Georgia over the last decades.

Meine Lieblingsrezensenten im Netz (Teil 1)

Als Nachtrag zu meinem Beitrag Wie ich Bücher bespreche möchte ich jetzt ein paar Rezensenten vorstellen, deren Besprechungen ich sehr schätze. Ich schrieb:

Damals sah ich Rezensionen vor allem als Hilfe bei Kauf- und Leseentscheidungen; ich wollte Lesern helfen, die überlegen, ob sie das Buch kaufen sollen oder nicht, und bei der Internetrecherche auf meine Besprechung gestoßen sind. Darauf habe ich inzwischen aber auch keine Lust mehr.

Das gilt für meine eigenen Rezensionen, als Leser lese ich Buchbesprechungen aber immer noch vor allem als Kauf- und Leseanregung. Aber nicht nur. Da ich nicht alle Bücher lesen kann, finde ich es auch interessant, mich einfach zu informieren, was es sonst noch an Büchern gibt. Außerdem lese ich Rezensionen gerne nach Lektüre des Buchs, um zu sehen, wie andere das Buch empfunden haben.

fantasyguide-de

Ralf Steinberg Mastermind vom Fantasyguide (und passionierter Elfenskeptiker) fährt bei seinen Besprechungen oft zweigleisig. Auf dem Phantastikportal Fantasyguide.de versucht er, die Bücher ausgewogener zu besprechen, mit einem objektiven Ansatz, während er gleichzeitig auf seinem eigenen Blog noch mal persönlicher auf die Bücher eingeht und seinen Geschmack mehr einbringt. Hier als Beispiel seine Besprechungen zu Kim Stanley Robinsons Aurora, dass ich auch kürzlich gelesen habe:

Hier auf dem Fantasyguide:

Diese Mischform aus Roman und Essaysammlung ist eine Besonderheit Robinsons, auf die man sich einlassen muss, wenn man Spaß bei der Lektüre haben will.

Und hier auf dem persönlichen Blog:

Klingt erstmal alles auch ganz toll und überlegenswert, aber KSR hat mich über weite Strecken des Romans einfach nur gelangweilt mit endlosen Betrachtungen der Schiffs-KI, physikalischen Erklärungen und technischen Details.

Ralf hat, wie ich, einen sehr breiten Lesegeschmack und bespricht neben Phantastik auch immer wieder gerne Klassiker  oder Biografien. Hier eine Übersicht über seine Besprechungen 2016.

Obwohl ich inzwischen wohl höchstens noch zu 40% Phantastik im Jahr lese, liegt der Anteil der Phantastik bei Buchbesprechungen, die ich lese, geschätzt bei 70%. Um das Feuilleton mache ich in der Regel einen großen Bogen (außer wenn ich konkret auf interessante Besprechungen hingewiesen werde). Und irgendwie bewege ich mich im Internet und in den sozialen Netzwerken vor allem auf phantastischen Pfaden. Doch Buchbesprechungen, die meinen Ansprüchen genügen bzw. meinen Geschmack treffen, werden immer seltener. Es gibt kaum noch Rezensionsportale und Magazine, die regelmäßig qualitativ hochwertige Buchbesprechungen bringen, was vermutlich daran liegt, dass man für Phantastikbesprechungen in der Regel nicht bezahlt wird. Phantastikportale wie Fantasyguide.de oder Phantastik-News.de sind Hobbyprojekte, die keine Honorare zahlen können. Und Zeitungen und Magazine, die Honorare zahlen, bringen nur sehr selten Phantastikbesprechungen (Ausnahmen sind eventuell die phantastisch! und die Geek). Eine der wenigen Ausnahmen ist der Onlineauftritt der österreichischen Zeitung Der Standard, auf dem Josefson einmal im Monat die SF und F Rundschau mit jeweils ca. zwölf Besprechungen pro Ausgabe veröffentlicht.

Josefson hat sich in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet, und gilt weithin als der renommierteste und beliebteste Phantastikrezensent. Manchmal wird mir in seinen Kritiken zu sehr auf den Inhalt eingegangen, und gelegentlich wird mir aus dem Text nicht ganz ersichtlich, ob ihm das Buch gefallen hat oder nicht, aber aktuell gibt es keinen Rezensenten, auf dessen neue Besprechungen ich mich mehr freue. Was unter anderem auch daran liegt, dass er immer wieder englischsprachige Kuriositäten und Perlen im Programm hat, die mir bis dato völlig unbekannt waren. So landeten z. B. Age of Zeus von James Lovegrove, das sprachlich herausragende Mechanique: A Tale of the Circus Tresaulti von Genevieve Valentine erst dank Josefson in meinem Regal.

Er hat auch keinerlei Berührungsängste, was abseitige Texte wie z. B. Bizzaro Fiction angeht, oder einfach Popcornliteratur, die er zwischen Hard SF und anspruchsvolleren Werken platziert. Nur ganz dicke Bücher und Mehrteiler sind nicht so sein Ding.

Frank Böhmert ist Übersetzerkollege und Berliner SF-Freund, der mich schon seit Anfang meiner Übersetzerkarriere begleitet. Auf seinem Blog bespricht er immer wieder mal seine Lektüre, die sich nicht an aktuellen Moden und Neuerscheinungen orientiert, sondern an dem, was er so beim Flanieren über die Berliner Boulevards in die Finger bekommt, oder was ihm Freunde im Netz empfehlen. Dabei richtet er sich nach einem interessanten Schema und strukturiert seine Besprechungen nach Fragen wie „Was hat gefallen“, „Was hat nicht so gefallen“ usw. Habe ich auch mal versucht zu übernehmen, war aber nicht mein Ding.

In letzter Zeit lese ich auch gerne die Besprechungen zu abseitigen Literatur von Frank Duwald auf Dandelion sowie seine Gastreihe über Liebesreigen der Literatur bei Sätze und Schätze.

Öffentliche Kritik an Übersetzungen, was bedeutet das für Übersetzer?

Ich habe gerade Nathan Hills Geister in der deutschen Übersetzung gelesen, die auf Zeit.de von Marie Schmidt als »Katastrophe« bezeichnet wird. Ich muss sagen, ich fand die Übersetzung auch ziemlich holprig. Statt »Fahnen schwingend« stand dort an drei Stellen »Fahnen Schwinglend« (es gibt jemandem mit dem Namen Schwingle im Buch, so dass ich einen falschen Gebrauch der Ersetzenfunktion vermute), da steht »das UCLA« für die University of California, und auch viele Redewendungen und Idiome wurden teilweise zu wörtlich übersetzt. Als Übersetzer, der selbst schon Erfahrung mit enormem Zeitdruck bei solchen Brocken gemacht hat, erkenne ich, dass es wohl schnell gehen musste, damit es zeitnah zum Original erscheint.

Meine Frage an die ÜbersetzerInnen (und LektorInnen): Begrüßt ihr solche Kritiken in den Rezensionen (auch auf die Gefahr hin, dass es einen selbst mal erwischen könnte)? Vom Verband der Übersetzer (und Kolleginnen und Kollegen) kommen oft Klagen, wenn der Übersetzer nicht erwähnt wird, wenn nicht erwähnt wird, dass der tolle Stil auch der Übersetzung geschuldet ist. Dann muss aber auch umgekehrt erwähnt werden, wenn sich die Übersetzung nicht gut liest. Auch, wenn die Rezensentin natürlich nicht erkennen kann, woran es gelegen hat (Zeitdruck, zu viele Übersetzer, schlechtes Lektorat usw.).

Ist meine Hoffnung naiv, dass die Verlage durch solche öffentlichen Kritiken an Übersetzungen vielleicht ein wenig umdenken, und solch anspruchsvolle Bücher (der Autor hat zehn Jahre daran geschrieben), innerhalb kürzester Zeit übersetzen lassen? Die Hoffnung, dass man als Übersetzer die Zeit für einen Text bekommt, die er eigentlich benötigt (was durchaus häufig der Fall ist, aber eben nicht immer und vermutlich immer weniger)?

In den meisten Kritiken wird auf die Übersetzung übrigens gar nicht eingegangen, auch in den Amazon-Besprechungen taucht kaum welche auf? Zeigt das, dass die Verlage (bzw. manche, aber natürlich nicht alle) mit ihrer Strategie Erfolg haben, auch mangelhafte oder schwächere Übersetzungen zu veröffentlichen, ohne, dass sich das auf die Verkaufszahlen auswirkt (weil die meisten Leser es gar nicht merken, und weil den professionellen Rezensenten Zeit und/oder Lust haben, sie mit dem Original zu vergleichen, sofern sie der Ausgangssprache mächtig sind)? Vermutlich leider schon.

Meiner Meinung nach könnte diese oft fehlende Übersetzungskritik dazu führen, dass sich die Bedingungen für uns Übersetzer (und Lektoren) eher noch verschlechtern (auch wenn es finanziell vielleicht lohnender ist, wenn man mit einer Übersetzung schnell durch ist).

 

P.S. mir ist klar, dass es heikel ist so ein Thema als Übersetzer öffentlich zu diskutieren, aber es brennt mir unter den Nägeln. In meinem bisher relativ kurzen Berufsleben habe ich schon alles gehabt: super wenig Zeit für viel Text, angemessen Zeit und so viel Zeit, wie ich möchte. Zu viel Zeit muss auch nicht immer gut sein, wenn die Arbeit am Text dann z. B. zu weit auseinander liegt und man noch Sachen dazwischen schiebt.