Belegexemplare eingetroffen: Das Blut der Helden von Joseph Nassise

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Nachdem ich gestern schon verkündet habe, dass nun auch die Hardcoverausgabe des Romans erschienen ist, sind die untoten Belegexemplare heute bei mir watschelnd eingefallen.

Der 1. Weltkrieg endete nicht 1918, sondern ging weiter, weil die Deutschen das so genannte Leichengas einsetzten, das die Gefallenen in, Watschler genannte, Untote verwandelte, was den Streitkräften des Kaisers praktisch unbegrenzten Nachschub an Kanonenfutter liefert. Die Watschler sind zwar nicht schnell, aber wie bei den uns bekannten Zombies kommt es auf die Masse und die Beharrlichkeit an. In den Wirren dieses bestialischen Krieges wird das Fliegerass Major Freeman hinter den feindlichen Linien abgeschossen. Und Captain »Madman« Burke, der nicht viel von dem eingebildeten Schnösel hält, muss sich mit seiner Truppe auf ein Himmelfahrtskommando durch das apokalyptische Niemandsland und in das Gebiet des Feindes hinein begeben, um den Schnösel zu retten.

Das Blut der Helden ist ein rasanter Actionroman mit spektakulären Luftkämpfen, steampunkmäßigen Erfindungen, Zombiesoldaten und einer Truppe, die ähnlich wie das dreckige Dutzend, von einer ausweglosen Situation in die nächste gerät.

Mir hat das Übersetzen dieses abwechslungsreichen Buches richtig Spaß gemacht. Das war mal was ganz anderes als Captain Future oder die Horrorgeschichten von Brian Keene. Man sollte sich von der Seitenzahlangabe von 324 Seiten nicht täuschen lassen, für die 14.90 Euro (bzw. 19.90) bekommt man deutlich mehr. Mein fertiges Manuskript hatte 594 Normseiten. Eine Normseite hat 30 Zeilen zu je 60 Zeichen und gilt als Bezugsgröße und ungefähr einschätzen zu können, wie viele Seiten das fertige Buch haben wird. Beim Blut der Helden haben die 324 Seiten 38 Zeilen mit je 70 Zeichen. Trotzdem ist die Schriftgröße gar nicht so klein ausgefallen. Es wird einfach mehr Platz pro Seite genutzt. Manche Paperbackausgaben von größeren Verlagen nutzen gerade mal zwei Drittel der Seite, damit ein relativ dünnes Buch ins Ziegelsteinformat aufgeblasen wird. Atlantis nutzt seinen Platz effektiver, ohne dass man zum Lesen eine Lupe braucht.

Geschrieben hat das Buch der amerikanische Autor Joseph Nassise. Das eindrucksvolle Titelbild stammt von Mark Freier. Den Umschlag hat Timo Kümmel gestaltet. Lektorat und Satz hat André Piotrowski übernommen. Kaufen kann man das Buch bei den bekannten Stellen oder direkt beim Atlantis Verlag. Die Hardcoverausgabe hat übrigens ein Lesebändchen! Ich liebe Lesebändchen!

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Erscheinungstermin verschiebt sich: „Captain Future 4“ und „Das Blut der Helden“

Bei beiden meiner aktuellen Übersetzungen verschiebt sich der Erscheinungstermin von Winter 2013 auf Winter/Frühjahr 2014.

Dass sich Erscheinungstermine verschieben kommt immer wieder vor, sowohl bei großen als auch bei kleinen Verlagen. Das kann verschiedene Gründe haben. Z. B. dass die Übersetzung nicht pünktlich fertig wird, oder das Lektorat, manchmal hat es auch programmtechnische Gründe, oder es hängt in der Druckerei.

Bei kleinen Verlagen ist es ja meist so, dass man die Arbeit (Übesetzung, Lektorat, Covergestaltung usw.) nur nebenbei macht, da die Bezahlung nicht für den Lebensunterhalt reicht. Also geht der Brotberuf vor, und da muss die andere Arbeit hintenanstehen und ihren Terminkalender danach richten. Bei Golkonda erscheinen zur Zeit ganz viele Bücher, so dass sich die Arbeit wohl überschneidet und die ursprünglich genannten Termine etwas optimistisch gewählt waren (siehe hier:  Golkonda Blog)

Hängt die Übersetzerin bei großen Verlagen hinterher, wird oft noch eine zweite oder dritte dazugeholt, damit der Termin eingehalten werden kann. Das sorgt aber auch für Chaos in der Übersetzung, weil jede Übersetzerin einen Teil des Buches übernimmt, und diese Teile dann sprachlich und begrifflich aufeinander abgestimmt werden müssen. Dadurch erhöht sich das Fehlerpotenzial massiv. Auch der Stil kann darunter leiden (ein Extrembeispiel ist Dan Browns »Das verlorene Symbol«: 7 Übersetzer die eine Woche Zeit für den kompletten Roman hatten).

Verlage mit starren Terminen drücken die Veröffentlichung auch oft durch, wenn die Zeit eigentlich nicht reicht. Das führt dann zu Werken, die man bei Computerspielen als »verbuggte Version« bezeichnen würde. Und anders als bei den Spielen kann man bei gedruckten Büchern keinen Patch hinterherschieben.

Übersetzungen für die die notwendige Zeit fehlt, sind oft (nicht immer) fehlerhaft, lesen sich holprig, haben einen schlechten Stil, enthalten oft noch den englischen Satzbau – weil einfach die Zeit für den Feinschliff fehlte.

Die Verlage Golkonda und Atlantis legen sehr viel Wert auf sorgfältige, fehlerfreie Bücher, die in der bestmöglichen Übersetzung erscheinen. Da ist es besser, man verschiebt den Erscheinungstermin ein wenig nach hinten, statt eine suboptimale Version des Buches rauszubringen.

In diesen beiden Fällen liegt es an Folgendem:

Captain Future 4 – Der Triumph

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Die Übersetzung habe ich Ende August abgegeben, allerdings wurde die Übersetzung zu Band 3 »Die Herausforderung« ungefähr zur selben Zeit von meiner Kollegin abgegeben. Also hatte Band 3 erst mal Vorrang, was das Lektorat angeht. Das ist inzwischen fertig, der Anhang ist auch von Hannes Riffel übersetzt, den habe ich Anfang November nochmal durchgesehen, damit die Begriffe und Bezeichnungen auch einheitlich sind. Ich vermute, dass sich das Buch jetzt im Satz befindet und in den nächsten Wochen in den Druck geht. Insofern ist es ja nicht schlimm, dass Band 4 noch etwas braucht.
Meiner Einschätzung nach (ist jetzt nicht offiziell vom Verlag bestätigt), wird es sicher noch bis März/April dauern, bis Band 4 druckreif ist. Damit liegt er aber dann noch gut in der Zeit, denn Band 2 wird dann genau ein Jahr zuvor erschienen sein.

Das Blut der Helden

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Hier liegt es ganz alleine an mir. Ursprünglich hatte ich mit dem Verlag den 31. Oktober als Abgabetermin vereinbart. Aber durch die Endphase meines Studiums, einen Umzug von Berlin in den Westerwald und den Beginn einer Teilzeitstelle, war mir das terminlich einfach nicht möglich.
Dazu kommt, dass ich die Menge des Textes unterschätz habe. Ich dachte es würden 400 – 450 deutsche Normseiten werden, jetzt sind es aber knapp über 600.

Aktuell bin ich bei 500 Seiten. Fehlen also noch 100. Zusammen mit dem Korrekturgang (den ich zur Hälfte aber auch schon durch habe) wird es noch ungefähr 2-3 Wochen dauern. Dann muss das Buch auch noch ins Lektorat und der Lektor hat auch noch andere Bücher zu bearbeiten, außerdem steht dann Weihnachten vor der Tür.

Ich hätte die Übersetzung sicher auch einen Monat schneller geschafft, aber dann hätte sie nicht meine eigenen Qualitätsansprüchen erfüllt. So gibt es eine sorgfältig recherchierte und bearbeitete Fassung, die dem Lektorat hoffentlich weniger Arbeit macht und sich für den Leser flüssig und authentisch liest.
Im aktuellen Spiegel sagt der Linguist und Übersetzer Bernd-Jürgen Fischer, der in den letzten 10 Jahren Marcel Proust »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« neu übersetzt hat: »Sie können das ja nicht den ganzen Tag machen, dann kommt nur noch Unsinn dabei raus.«

Also, »Das Blut der Helden« von Joseph Nassise und »Captain Future 04 – Der Triumph« von Edmond Hamilton erscheinen erst im Winter/Frühjahr 2014, dafür aber in sorgfältig übersetzten und lektorierten Fassungen.

P.S.  Durch das Verfassen dieses Blogeintrags verschiebt sich die Veröffentlichung von »Das Blut der Helden« um weitere 30 Minuten. 🙂

Nachtrag: Hier die offizielle Meldung vom Atlantis Verlag.

Vertipper und Satz des Tages (Das Blut der Helden)

Vertipper des Tages ist der „Schnapsschuss“, den ich versehentlich für „snaphshot“ genommen habe.

Ein feindlicher Soldat nähert sich Captain Burke und seinem Team auf einem Motorrad und kommt dort schlitternd zum Stehen, während die amerikanischen Soldaten in Deckung gegangen sind.

He stepped out from behind the car with his Tommy gun in hand and shouted, „Einfrieren!

Freeze.

Solange die Ergebnisse vom Google Translator so aussehen, mache ich mir um den Übersetzerberuf keine Sorgen.

Mit seiner Tommy-Gun im Anschlag trat er hinter dem Auto hervor und rief auf Deutsch: „Keine Bewegung!

Da ich hier einen englischen Roman, der gelegentlich auch deutsche Begriffe verwendet, ins Deutsche übersetze, habe ich natürlich das Problem, dass ich deutlich machen muss, wann Deutsch gesprochen wird, damit der Leser weiß, dass die amerikanischen Protagonisten jetzt nicht verstehen, was da geredet wird.

Ansonsten würde da so ein Desaster rauskommen, wie z. B. bei der deutschen Synchrofassung der norwegisch-amerikanischen TV-Serie Lillyhammer. Da geht es um einen amerikanischen Mafioso im Zeugenschutzprogramm, der nach Norwegen kommt. Er redet Englisch, die Norweger meist Norwegisch (ohne Untertitel), so dass man als Zuschauer den gleichen Kulturschock wieder die Hauptfigur erleidet, und ebenso aus der Situation heraus raten, muss was die Norwegerinnen da jetzt gesagt haben. In der deutschen Synchro sprechen einfach alle Deutsch und die Sprachprobleme und der Kulturschock sind wie von Zauberhand verschwunden.

Ausblicke und Einblicke (mein Arbeitsplatz und ein Textauszug aus „Das Blut der Helden“)

Das hier ist übrigens der Blick aus meinem Arbeitszimmer, in dem ich momentan einen Großteil meiner Zeit mit Übersetzen verbringe:

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Hier ein Blick auf den jüngst ergrünten Sportplatz, der einst mein Hauptaufenthaltsort in der Kindheit war, und auf dem ich jetzt zum Ausgleich gelegentlich am Fußballtraining meiner alten Mannschaft teilnehme. Ist ein guter Platz geworden.

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Und hier hängt der SF-Kalender 2014 von Timo Kümmel mit Titelbildern aus dem Atlantis Verlag über den Ausdrucken meiner aktuellen Atlantis-Übersetzung. Titelbilder meiner Übersetzungen sind in dem Kalender allerdings nicht vorhanden, da es bisher ausschließlich Horrorbücher waren, die von Mark Freier bebildert wurden.

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Wie gesagt, momentan bin praktisch rund um die Uhr mit Übersetzen beschäftigt. So langsam nähere ich mich der Hälfte des ca. 600 Seiten langen Romans, in dem amerikanische Soldaten mit steampunkigen Gerätschaften (wie künstlichen Federwerkhänden) gegen kaiserliche Zombiesoldaten in den Gräben des Ersten Weltkriegs kämpfen. Demnächst folgt noch ein Klappentext, aber hier erst mal ein längerer Auszug, aus der noch unlektorierten und unkorrigierten Rohfassung meiner Übersetzung:

Burke wechselte seine Pistole in die linke Hand, während er in der Tasche seines Mantels mit den Fingern seiner rechten Hand nach der Extramunition kramte, die er dort aufbewahrte.
Die Kreatur wog ihren Kopf erst in die eine, dann in die andere Richtung, wie ein Hund, der über etwas nachdachte, das ihm zuvor noch nicht begegnet war.
Hastig zog Burke das Magazin seiner Pistole heraus und fing an, die Kugeln in die Kammer zu schieben, während er den Blick keine Sekunde von dem Ding vor ihm ließ.
In seinen Augen schimmerte eine Art listiger Intelligenz.
»Scheiße«, murmelte Burk leise.
Der Watschler sprang wie ein Sprinter von seinen Hinterbeinen aus nach vorne und rannte den Graben entlang auf ihn zu.
Burke gelang es einen Schuss abzufeuern, dann einen zweiten, beide trafen den Watschler im fleischigen Bereich seines Brustkorbs, aber sie verlangsamten ihn nicht im geringsten. Er versuchte gerade den dritten und finalen Schuss auf den Schädel der Kreatur anzusetzen, als diese mit der Wucht eines Güterzugs in ihn hineinknallte.
Er ging hart zu Boden, das volle Gewicht des Dings lag auf seiner Brust, und sein Hinterkopf hatte etwas Unnachgiebiges getroffen, was ihn für einen Moment benommen machte.
Er schüttelt seinen Kopf, um ihn klar zu bekommen und öffnete die Augen, nur um zu sehen, wie der Watschler mit unverhohlenem Hunger zu ihm herabstarrte. Einstmals war er ein blonder, kräftig gebauter Deutscher gewesen, über einsneunzig groß und einhundert Kilo schwer. Jetzt war seine Haut grau und von schwarzen Venen durchzogen, die aus dem langsam verwesenden Fleisch hervorstanden, seine Augen bestanden aus einem von gelbem Eitern umrandeten dünnen Weiß.
Burke zögert nicht; er schwang seine Pistole herum und zielte auf das Gesicht der Kreatur.
Nur um sie mit einem Rückhandschlag aus der Hand geschlagen zu bekommen.
Hilflos, ohne Waffe unter dem Watschler gefangen, sah Burke mit Entsetzen, wie das Ding seinen Mund öffnete und abgebrochene Zähne entblößte, von denen ein dicker, grün-grauer Schleim tropfte. Der Biss eines Watschlers war giftig, und die Rettungskräfte mussten schnell handeln, um einen Mann zu retten, der das Pech hatte, gebissen zu werden. Das Gift, das durch einen Watschlerbiss übertragen wurde, breitete sich mit unglaublicher Geschwindigkeit im Körper aus und verursachte eine rasende Infektion, lähmende Schmerzen und schließlich den Tod. Die wirklichen Pechvögel würden sich selbst in Watschler verwandeln und einige Stunden später wieder auferstehen, wenn die Transformation abgeschlossen war. Gott sei Dank passierte das nicht sehr oft.
Die Kreatur bäumte sich auf, zog ihren Kopf wie eine Schlange zurück, bereit zuzuschlagen, dann schoss der Kopf nach unten auf Burkes ungeschützten Nacken zu.
Während er sich voll und ganz darauf konzentrierte, die geifernden Kiefer von seinem ungeschützten Fleisch fernzuhalten, tat Burke das Einzige, was ihm in diesem Moment einfiel.
Er schob die Prothese an seinem linken Arm in den Mund der Kreatur und rammte sie zwischen dessen Kiefer.
Aus früheren Erfahrungen wusste Burke, wie stark der Biss eines Watschlers sein konnte; sein linker Arm und die Hand waren drei Jahre zuvor von einem zermalmt worden, was schließlich eine Amputation erforderte. Aber eine Hand zu verlieren, war besser, als sein Leben zu verlieren. Dieses Mal schloss sich der Kiefer der Kreatur mit einem lauten Klirren um die Metallhaut seines Unterarms und zerquetschte ihn wie eine Blechdose.
Das einst menschliche Wesen zog seinen Kopf in der Hoffnung zur Seite, von der falschen Gliedmaße fortzukommen, um erneut zu versuchen das weiche Gewebe an Burks Hals zu erreichen, musste aber zu ihrem eigenen Frust und Burkes Schrecken feststellen, dass sich die Zähne im verdrehten Metall von Burkes mechanischem Arm verfangen hatten.
Für einen Moment erstarrten beide und durchbohrten sich gegenseitig mit Blicken, dann drehte der Watschler durch und schlitzte Burkes Gesicht mit überlangen Fingernägeln auf, trat mit seinen Füßen nach ihm und versuchte sich, aus der heiklen Position zu befreien.
Der Tobsuchtsanfall des Watschlers führte nur dazu, dass sich seine Zähne noch tiefer in der verdrehten Masse verfingen, die einst Burkes Unterarm gewesen war.

Werkstattbericht: Ein Käfig voller Heldenblut

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Aktuell sitze ich mitten in der Übersetzung von Joseph Nassise »Das Blut der Helden«. Der Roman spielt im Ersten Weltkrieg, der 1918 nicht endete. Denn die Deutschen hatten die tolle Idee ihre Truppen mittels Leichengas in Mehrwegsoldaten zu verwandeln, die wie in unserem heutigen Müllkreislauf, erst durch die vollständige Verbrennung ein Ende finden. So lange wollen sie nur eines: fressen – und zwar die Lebenden. Also watscheln diese hirnlosen Untoten über die Schlachtfelder Frankreichs und trachten allem, was noch nicht nach Verwesung müffelt, nach dem Leben.

Nassise Erster Weltkrieg unterscheidet sich deutlich von dem, der wirklich stattgefunden hat. Nicht nur gibt es die sogenannten Watschler (Shambler), sondern auch technische Erfindungen, die ihrer Zeit weit voraus sind, und den Laboren des unvermeidlichen Nikola Tesla entstammen – der vermutlich sämtliche bekannten Inkarnationen des Steampunks und der Alternative History in Buch, Film und Serienform heimsucht.

Wie kann es 1918 mechanische Federwerkshände geben, die so gut wie beim Sechs-Millionen-Dollar-Mann funktionieren?

Nikola Tesla!

Wie kann es Kanonen geben, die elektrische Ladungen verschießen und dampfgetriebene LKW?

Nikola Tesla!

Zum Glück werden diese technischen Spielereien aber wohldosiert eingesetzt, so dass zumindest halbwegs das Gefühl entsteht, dass man sich als Leser tatsächlich durch die schlammigen, blutigen Gräben und das von Stacheldraht gesäumte Niemandsland kämpft.

Für mich als Übersetzer ist es manchmal schwierig herauszufinden, ob es die im Text erwähnten technischen Geräte, Waffen und Flugzeuge damals tatsächlich schon gab. Wenn ja, dann gibt es dafür nämlich auch feststehende deutsche Begriffe, die ich recherchieren muss.

Neben dem Infanteristen Captain Burke, der sich mit seiner Federwerkhand durch die Zombiehorden am Boden kämpft, ist die zweite Hauptfigur das Fliegerass Major Freeman, der sich in einem »Dogfight« mit dem untoten Baron Manfred von Richthofen duelliert. Es gibt also auch einige Flugzeugbezeichnungen und Begriffe aus der Fliegerei. Wer weiß schon aus dem Stegreif, was ein Immelmann ist?

Hinzu kommt, dass die Recherche des Autors teilweise wohl sehr oberflächlich ausgefallen ist. Ca. 90% aller deutschen Begriffe, die er im englischen Text verwendet, sind falsch. Wenn ein deutscher Soldat dem amerikanischen Gefangenen das Kommando »to move« erteilt, steht dort »Verschieben!«. Das passiert, wenn man den erstbesten Begriff aus dem Googletranslator nimmt.
»The secret People« sind »das Geheime Volks«, den der Translator sagt ja, dass »people« »Volk« heißt.  We the people – Wir, das Volk …

Das Buch hätte auch ein gutes Lektorat vertragen können, da Nassise seine Sätze teilweise unnötig umständlich und kompliziert formuliert. Man hätte sie schon im Original kürzer und flüssiger formulieren können, was es für mich schwieriger macht, sie adäquat zu übersetzen. Im Deutschen kommt automatisch noch Text dazu, wodurch die ohnehin schon langen und umständlichen Sätze noch länger und damit fast unlesbar werden. Teilweise muss ich zwei Sätze daraus machen.

Ich bin natürlich nicht der Lektor des Originals, aber ich habe auch den Anspruch einen lesbaren, guten deutschen Text abzuliefern, weshalb ich gelegentlich mal etwas kürzen muss, ohne das aber der Inhalt verändert wird. Der Autor hat die Angewohnheit Sachen, die er gerade erst erklärt hat, oder die offensichtlich sind, kurz darauf noch einmal ausführlich zu erklären, was zu unnötigen Wiederholungen führt.

Ein Beispiel: der Pilot Freeman kämpft in einer Grube voller verwesender Leichen gegen einen mutierten Riesen. Als Waffe schnappt er sich einen spitzen Knochen. Nach dem beschrieben wurde, wie er sich den Knochen greift und hochhebt, wird kurz darauf, als er den Knochen als Waffe benutzt nochmal erwähnt, dass es der Knochen ist, den er in seiner Hand hält, obwohl das durch die Beschreibung von kurz zuvor offensichtlich ist.

Ein anderes Beispiel: He rolled down the sleeve of his wool uniform shirt and got up
from the camp stool he’d been sitting on.

Captain Burke steht aus dem Stuhl auf, in dem er gesessen hat. Aus welchem Stuhl soll er denn sonst aufstehen? Der zweite Teil des Satzes ist überflüssig. Im Englischen kann man das durchaus so formulieren, aber im Deutschen hört sich das holprig an.

Er rollte den Ärmel seines wollenen Uniformhemdes herab und stand aus dem Feldstuhl auf.

Das ist jetzt noch ein einfaches Beispiel mit einem kurzen Satz, aber das Prinzip zieht sich durch den gesamten Text und viele Sätze die, wenn ich sie ganz nah am Original übersetzen würde, oft mehr als 30 Wörter pro Satz haben.

Es ist immer wieder dieses »had«, dass der Autor gerne benutzt. »He swung the stick he had picked up a minute before.« Obwohl im Satz zuvor genau dieses Aufheben des Stocks beschrieben wurde. (Das ist jetzt ein erfundenes Beispiel)

Versteht mich aber nicht falsch, das sind typische Probleme, mit denen sich ein Übersetzer beschäftigen muss. Trotzdem ist »Das Blut der Helden« ein spannendes, unterhaltsames und einfallreiches Buch mit viel Action.

Zombies, Erster Weltkrieg, mechanische Hände, Luftkämpfe mit Doppeldeckern, ein untoter Baron von Richthofen, finstere Experimente in tiefen Verliesen, ein grausiges Gefangenlager, dessen Oberst Klink … äh Schulheim nicht ohne Grund spitz gefeilte Zähne hat.

Einerseits versuche ich dem Stil des Originals treu zu bleiben, andererseits aber auch einen lesbaren deutschen Text abzuliefern. Inhaltlich wird sich natürlich überhaupt nichts ändern. Es gibt nicht die richtige Übersetzung. Mit meiner Übersetzung versuche ich, die gleiche Wirkung des Originaltexts auf dessen Leser auch für den deutschen Leser zu erzeugen. Ob mir das gelingen wird, bleibt abzuwarten.

In meinem nächsten Werkstattbericht wird es einen längeren Textauszug als Beispiel geben.

 

P.S. Gebt mir bitte Bescheid, falls ihr in meinem Blog Werbeanzeigen seht. Das macht WordPress manchmal bei seinem kostenlosen Angebot (kostenlos für mich als Blogbetreiber). Dann muss ich doch ein paar Euro in die werbefreie Version investieren.

Krieg und Watschler

Zum Abschluss der Übersetzungswoche, hier ein Auszug aus meiner aktuellen Arbeit »Das Blut der Helden« von Joseph Nassise – ein Zombieroman, der im Ersten Weltkrieg spielt. Dabei handelt es sich nur um eine erste Rohfassung, an der sich noch einiges ändern kann. Teilweise finde ich meine Sätze noch etwas umständlich formuliert und nicht flüssig zu lesen.

Der erste Watschler tauchte jenseits des Stacheldrahts aus dem Nebel auf und watschelte in dem eigenartigen Gang auf sie zu, dem er seinen Namen verdankte. Hinter ihm folgte mindestens ein weiteres Dutzend, und Burke war sich sicher, dass dies nur die erste Welle sein konnte.

Einst waren sie Männer gewesen; das war einfach zu erkennen. Einige trugen immer noch die zerfledderten Überreste der deutschen Uniformen, die sie einmal als Lebende angezogen hatten. Fetzen aus grauem Stoff hingen an ihren ausgemergelten Körpern; andere waren nackt, unter ihrem verrottenden Fleisch lagen die Knochen teilweise frei. Die Kontrollgeräte, die sie trugen, stachen als einzige intakte Teile an ihnen heraus; dunkle Halsbänder, die ihre Nacken umschlossen und auf ihren linken Gesichtshälften zu einer Mischung aus Leder und elektronischen Komponenten übergingen, die sie vollständig bedeckten.

Watschler heißen im Original »shambler«. Auf den ersten Seiten wusste ich noch nicht, was damit gemeint war. Ich dachte, es sein eine dieser fortschrittlichen Maschinen, die es in diesem Alternativweltszenario gibt. Dann stellte sich heraus, dass damit die Zombies gemeint sind, und so genannt werden, weil sie eben watscheln (to shamble). Ich habe sie jetzt erst mal Watschler genannt. Vielleicht fällt mir noch was Besseres ein.
Der Zombiepurist weiß auch: Zombies don‘t run – Zombies rennen nicht. In der Regel schlurfen sie, und hier watscheln sie eben. Klassische Zombies sind es aber nicht, denn sie werden mit einem Leichengas (T-Gas) zum Unleben erweckt und durch ein Kontrollgerät gesteuert. Es gibt auch noch eine andere Art von Zombies, auf die ich jetzt aber nicht näher eingehe, da ich nicht zu viel verraten will.

Es macht auf jeden Fall Spaß, ein Buch aus dem (wenn auch etwas anders verlaufenden) Ersten Weltkrieg zu übersetzen. In die speziellen Begrifflichkeiten muss ich mich noch ein wenig einlesen, wobei sie sich auch in Grenzen halten.

Und hier das tolle Cover von Mark Freier:

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