Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 26

Die letzten Netzstreifzüge sind schon über einen Monat her, was an verschiedenen Gründen lag. Beruflichen Trubel, einwöchiges Übersetzerseminar, Krankheit (nix Schlimmes) usw. Dadurch ist der September als phantastischer Monat irgendwie an mir vorbei gegangen. Ab Oktober werde ich aber wieder mehr Zeit zum Bloggen haben und es befinden sich auch schon einige Einträge in Planung und Arbeit.

Tatort Zukunft – Elstercon 2014 – Alle zwei Jahre findet in Leipzig der Elstercon statt. Ein kleiner, familiärer SF-Con der aber stets hochkarätige Gäste zu bieten hat. In diesem Jahr waren es unter anderem Edward Lee, Lavie Tidhar, Ian Tregillis, Christian von Dittfurth, Phillip Kerr uvm. Ich hatte mir fest vorgenommen, dieses Jahr dorthin zu fahren, aber aus den oben genannten Gründen, ist es mir leider nicht möglich gewesen. Dafür war mein Freund und Fantasyguide.de-Kollege Ralf Steinberg dort und hat einen sehr ausführlichen und interessanten Bericht verfasst.

2014|09|25 Öffentlichkeitsarbeit …Hannes Riffel vom Golkondaverlag berichtet über den Stand der Dinge (was ja nicht sehr häufig vorkommt 😉 ) Demnächst wird also A« von Martin erscheinen und man kann auch schon Klappentext und Cover des neuen Joe Walton bewundern. Ich muss ja gestehen, dass es doch etwas frustrierend ist, zu sehen,was da alles für tolle Sachen bei Golkonda übersetzt werden, während ich mich mit dem ollen Captain Future rumschlagen muss. Da soll der nächste Band übrigens (nach einigen Verspätungen) endlich im Herbst erscheinen. Noch tiefere Einblicke in die Arbeit von Golkonda liefert Hannes in einem sehr aufschlussreichen Interview, welches er Michael Schmidt (Herausgeber von Zwielicht) gegeben hat.

The Dragonbone Chair by Tad Williams and Its Place in the History of Epic Fantasy – Larry Ketchersid hat auf SF-Signal einen interessanten Artikel über Tad Williams Drachenbeinthron-Saga im Kontext der epischen Fantasy geschrieben. Hat mich dazu animiert, einen Reread von Der Drachenbeinthron zu beginnen (hatte ich zwar sowieso vor, da Williams ja nach Osten Ard zurückkehren will, aber so habe ich auch direkt losgelegt). Die Reihe habe ich vor ungefähr 20 Jahren mal gelesen, weshalb mir nur noch einige Schlüsselszenen und Figuren im Gedächtnis sind. Insofern macht der Reread nach 150 schon richtig Spaß. Ich liebe diese detaillierten Beschreibungen von Simons Abenteuer auf dem Hochhorst (was viele Leser ja als langweiligen Einstieg empfinden), ich fühlte mich da fast wie auf Gormenghast. Als ich die Bücher damals Mitte bis Ende der 90er Jahre gelesen habe, war mir übrigens nicht klar, dass Band 1 bereits 1989 erschienen war, und damit deutlich vor Martins das Lied von Eis und Feuer.Über den Reread werde ich noch ausführlich berichten.

Die Gedanken sind frei – Vierteiliger Essay von Huan Vu über die Entwicklung der Phantastik in Deutschland, vor allem in Bezug auf den Film.

Interview (Part 1): Nina Allan On Her Debut Novel, The Race – Interview (auf Amazing Stories) mit einer der zurzeit angesagtesten phantastischen Kurzgeschichtenautorinnen im englischsprachigen Raum anlässlich der Veröffentlichung ihres ersten Romans. Es handelt sich um Nina Allan, deren Kurzgeschichte Im Angesicht Gottes fliegen ich die Ehre hatte, zu übersetzen. Das Beste, was ich bisher übersetzen durfte. Davon würde ich gerne mehr machen. Sollte mal ein Verlag etwas von ihr auf Deutsch veröffentlichen wollen, melde ich mich als Übersetzer freiwillig! 🙂

On Responding to Reviews – Kameron Hurley (die dringend ins Deutsche übersetzt gehört!) über den Umgang mit Rezensionen und Lesern.

Kulturkrieg, Kommerz und Sad PuppiesMurilegus rex (the Blogger formerly known as Anubis) auf Lake Hermannstadt über den unsäglichen Sexismus-War, der zurzeit vor allem in der Gamerszene stattfindet, und der zeigt, warum solche Aufklärungsvideo wie die von Femenist Frequency mehr als notwendig sind. Traurig wie sich viele Männer hier gegenüber den selbstbewussten und intelligenten Frauen verhalten, die sich nicht mehr länger alles gefallen lassen.

 Awesome Aliens: Jim Cambias’s A Darkling Sea – Joe Walton macht auf einen aufregenden Debütroman neugierig, in dem es um die Begegnungen mit zwei fremdartigen Alienrassen geht. Heyne übernehmen Sie!

GFF 2014 – Simon Spiegel (der seit der ersten Stunde dabei ist) über die aktuelle fünfte Tagung der Gesellschaft für Fantastikforschung, der so ein wenig die Luft auszugehen scheint. Aber vielleicht liegt es auch nur am diesjährigen Thema Rollenspiele und der DSA-Lastigkeit (Das schwarze Auge).

Der Vibrator des Todes – fast vergessen, die neue SF und F-Rundschau ist da. Sind wieder einige interessante Titel dabei. Z.B. das auf Deutsch erschienen Proxima von Stephen Baxter und natürlich die Kurzgeschichtensammlung von Harlan Ellison, die ich unbedingt noch lesen muss. Nexus von Namez Raam steht bereits im Regal. Ich habe es kürzlich angefangen, war aber nicht in der richtigen Stimmung dafür (deshalb der Fantasy-Reread). Und obwohl ich ja davon leben möchte, phantastische Bücher ins Deutsche zu übersetzen, kann ich mich Josefsons Aufruf nur anschließen: Freunde der Phantastik, lest auch auf Englisch! Ansonsten werden Euch so viele tolle Sachen entgehen, die nie ins Deutsche übersetzt werden. Gerade in der Fantasy erscheint im englischen Sprachraum so viel kreatives und anspruchsvolles Zeugs jenseits der Assasinen-Kapuzen-Zwerge-Völker-Fantasy, mit der sich die deutschen Leserinnen begnügen müssen.

TV-Tipp: Das Rätsel des Sphinx (auf N24)

Am Mittwochabend um 22.05 Uhr läuft mit Das Rätsel des Sphinx die erste N24-Doku, zu der ich das Skript übersetzt habe. Das ist eine BBC-Doku, die sich mit der Frage beschäftigt, wer als Erbauer des Sphinx von Gizeh infrage kommt. War es Cheops, Erbauer der berühmten großen Pyramide, oder einer seiner Söhne – Radjedef oder Chephren. Die Dokus spielt die verschiedenen Theorien durch, ist aber auch ein wenig auf Unterhaltung getrimmt. So wirkt es, als würden die im Film auftauchenden Forscher direkt vor Ort große Entdeckungen machen. Dabei sind das Sachen, die teilweise schon seit hundert Jahren bekannt sind. Interessant ist die Doku aber trotzdem.

Ich hatte »the sphinx« übrigens als »die Sphinx« übersetzt, weil es die gebräuchliche Form ist und alles andere sich komisch anhört. Dabei ist die männliche Form »der Sphinx« und »Rätsel des Sphinx« aber tatsächlich passender, weil sie wohl einen Mann darstellt. In der Archäologie setzt sich die männliche Form inzwischen auch immer mehr durch.

Hier noch die Inhaltsangabe von N24:

Sie ist das größte von Menschen aus einem Stück gefertigte Bauwerk auf der Welt: Die Sphinx von Gizeh. Auch heute noch gibt sie Forschern Rätsel auf. Von wem wurde sie erbaut, wessen Antlitz bildet sie ab? Es herrscht Unklarheit darüber, wie alt das Monument ist und welchem Zweck es im antiken Ägypten diente. Archäologen und Ägyptologen überprüfen die verschiedenen Theorien und versuchen die Puzzleteile dieses einzigartigen Stücks Menschheitsgeschichte zusammenzusetzen.

Ab Mittwoch 22.05 Uhr kann man sich die Doku auch in der Mediathek ansehen.

Öffentliche Kritik an Übersetzungen: Der Spiegel und „Der erste Sohn“

Im Spiegel Nr. 36 wirft Martin Doerry die Frage auf, warum das in den USA zum Bestseller gewordene Buch Der erste Sohn von Phillip Meyer in Deutschland floppte. Doerry bezeichnet seinen dreiseitigen Artikel als „Erklärungsversuch“. Dabei ist die Frage schnell beantwortet. Wild-West-Romane funktionieren auf dem deutschsprachigen Buchmarkt einfach nicht. Der Roman beschreibt ein uramerikanisches Thema (das Leben an der frontier), für das man sich hier einfach nicht interessiert.

Trotzdem schießt sich Doerry auf die Übersetzung als Ursache ein, und liefert 13 Textbeispiele, bei denen die Übersetzung nicht so gut gelungen ist, bzw. wo etwas falsch übersetzt wurde. 13 Sätze bzw. Satzbruchstücke aus 600 Seiten.

Kritisiert man eine Übersetzung, muss man seine Argumente natürlich mit Beispielen untermauern. Aber gerade bei Literaturübersetzungen ist es schwierig, diese Beispiele aus dem Kontext gerissen zu bewerten. Hat der Übersetzer hier ein anderes Wort gewählt, weil durch die wörtliche Übersetzung eine Wortwiederholung auftaucht? Oder weil es nicht zum Satzrhythmus passt, nicht zur Sprachebene, zum Sprachfluss?

Fehler passieren. Vor allem bei einem so dicken Buch. Da kommt es auf die Zeit an, die der Übersetzer für den Text hat. Und auch darauf, ob er die Fahnenkorrekturen nochmal zur Ansicht bekommt. In seinem Leserbrief im Spiegel nur 38 schreibt Übersetzer Hans M. Herzog, dass dies hier nicht der Fall gewesen sei. Gibt damit aber auch fairerweise zu, dass ihm da tatsächlich ein paar Übersetzungsschnitzer durchgegangen sind. Schnitzer, die in einem finalen Korrekturgang der Druckfahnen noch auffallen könnten.

Mir selbst ist es auch schon passiert, dass ich die abgegebene erste Fassung einer Übersetzung erst wieder zu Gesicht bekam, als sie als Belegexemplar im Briefkasten lag. Da bemerkte ich dann nicht nur Fehler, die mir entgangen sind, sondern auch Fehler, die vom Lektorat „reinverbessert“ worden sind. Eine sehr ärgerliche Sache, da ich für den Text mit meinem Namen einstehe, obwohl die Fehler von jemand anderem gemacht wurden, ohne dass ich es hätte verhindern können.

Bevor man also den Übersetzer öffentlich als Alleinschuldigen ausmacht, sollte man sich man darüber nachdenken, dass es auf dem Weg von der Übersetzung bis zum fertigen Buch noch einige andere Fehlerquellen geben könnte. Wobei ich zugebe, dass es für die meisten Leser, die sich nicht mit der Buchbranche beschäftigen, schwierig sein dürfte, Einblicke in die Buchproduktion zu erhalten, da sich die Verlage in der Regel sehr bedeckt halten, was den Ablauf der Produktion angeht.

Der Übersetzer bekommt vom Verlag ein Manuskript, das es zu übersetzen gilt. Im Idealfall stimmt dieses Manuskript auch mit dem fertigen Originalbuch überein. Oft ist das nicht der Fall. Habe schon mehrfach gehört, dass Übersetzer eine Rohfassung erhalten haben, die teilweise massiv von dem fertigen Originalbuch abgewichen ist. Und meist haben sie es auch nicht gewusst oder erst per Zufall erfahren (ist oft der Fall, wenn die deutsche Ausgabe zeitnah zum Originalbuch erscheinen soll).

Ist das Buch (häufig unter großem Zeitdruck und schlecht bezahlt) übersetzt, geht die Übersetzung zum Lektorat. Die Lektorin geht den Text dann vor allem auf der sprachlichen Ebene durch. Im Idealfall geht die Übersetzung nach erfolgtem Lektorat wieder zurück zum Übersetzer, damit dieser die Änderungen bzw. die Änderungsvorschläge durchgehen kann, um sie abzusegnen oder auch um sich eine bessere Alternative zu überlegen oder für seine Version zu kämpfen. Das kostet natürlich Zeit und wird dem Übersetzer auch nicht bezahlt.

Das Lektorat erfolgt inzwischen häufig bei freien Lektoren und Lektorinnen, die nicht beim Verlag angestellt sind.Bekommen sie z. B. eine ziemlich fehlerfreie Übersetzung und haben nichts anzumerken oder zu ändern, kommen sie schnell in Erklärungsnot, wofür sie denn da ein Honorar verlangen würden. Da macht man auch schon mal Änderungen, wo eigentlich keine notwendig wären.

Dann geht es zum Korrektorat, das im Idealfall nicht mit dem Lektorat identisch ist. Mehr Augen sehen auch mehr Fehler. Hier geht es jetzt um Tipp-, Rechtschreib-, Komma- und Grammatikfehler.

Dann geht der Text in den Satz. Satz heißt, der Text wird so gesetzt, dass er in der gedruckten Fassung ein einheitliches und stimmiges Bild abgibt. Ordentliche Zeilen- und Seitenumbrüche, eine gleichmäßige Zeilenlänge usw. Dabei werden oft noch sogenannte Schusterjungen und Hurenkinder entfernt. Also Wörter bzw. Satzteile, die dafür sorgen, dass der Text nicht gleichmäßig ordentlich aussieht, bei Absätzen am Ende der Seite. Je nach Setzer können da durchaus wichtige Sachen verschwinden. Bei einem richtig guten Setzer (wie z. B. im Golkonda Verlag) gibt es keine Hurenkinder.

Der fertig gesetzte Text ist dann die sogenannte Druckfahne, also die Version des Textes, die in die Druckerei geht. Und im Idealfall bekommt der Übersetzer sie noch zu sehen, bevor sie unter seinem Namen in den Buchhandel gelangt.

Das ist jetzt grob vereinfacht dargestellt. Ich bin auch kein Experte, was die Buchproduktion angeht. Aber es sollte verdeutlichen, dass nicht immer der Übersetzer alleinige Schuld an Fehlern im fertigen Buch hat. Da gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Fehlerquellen. Und immerhin ist ja der Verlag auch dafür verantwortlich, was da bei ihm als Buch erscheint. Erhält er eine schlechte Übersetzung, muss er dafür sorgen, dass sie in Ordnung gebracht wird. Aber das alles kostet eben Zeit und Geld.

Am Ende seines Artikels geht Doerry zumindest noch darauf ein, dass viele Titel unter einem hohen Zeit- und Kostendruck entstehen, der einer fehlerfreien, guten Produktion nicht gerade förderlich ist.

Für den Übersetzer ist ein solch prominenter Artikel im Spiegel mit Sicherheit vernichtend und wird sich negativ auf die Auftragslage auswirken. Egal, ob und wie er jetzt für etwaige Fehler im Buch verantwortlich ist.

Dass eine gute oder schlechte Übersetzung dafür sorgen kann, ob ein Buch ein Bestseller werden kann, wage ich doch zu bezweifeln. Die in einer Woche von 10 Übersetzern runtergehetzte, schlechte Übersetzung von Dan Browns Das verlorene Symbol hat sich jedenfalls nicht negativ auf dessen Verkaufszahlen ausgewirkt. Und wie schon erwähnt, der Wilde Westen zieht einfach nicht, weder in Film noch in Buchform.

 

Edit: einige Tippfehler verbessert.

 

P. S. Es geht mir hier nicht um Schuldzuweisung, sondern nur darum, mögliche weitere Fehlerquellen neben den Übersetzern aufzuzeigen (siehe die Kommentare unten).

Mich gibt es auch auf …

LinkedIn, Traduguide, Facebook und Twitter.

Wenn man als Übersetzer Aufträge bekommen möchte, braucht man Kontakte. Kontakte kann man auf alle möglichen Arten bekommen: Schule, Studium, Verwandtschaft, Freundes- und Bekanntenkreis, Messen, Seminare usw.

Immer wichtiger wird es aber, im Internet vernetzt zu sein. Sprich in den sozialen Netzwerken. Facebook ist jetzt eher was für den privaten Kreis der Freunde und weiteren Bekannten. Twitter ganz ähnlich, aber auf reduzierte Weise.

LinkedIn hingegen ist ein soziales Netzwerk für berufliche Kontakte. Ich bin da jetzt schon seit einem Jahr dabei, habe aber noch nicht so recht verstanden, wie das funktioniert. Die fünf Kontakte, die ich hatte, sind inzwischen wieder auf drei geschrumpft.

Heute habe ich mich auf Empfehlung eines Kollegen noch bei Traduguide.com angemeldet. Eine Plattform auf der Übersetzer und Dolmetscher ihre Dienste anbieten und auf der Aufträge ausgeschrieben werden. Mal schauen, ob sich da was tut.

Sollte jemand Empfehlungen haben, wo man sich sonst noch im Netz anmelden sollte, nur her damit. 🙂

Bei LinkedIn sieht das z. B. so aus:

LinkedIn-Profil

 

Wo man mich trifft: Übersetzungsseminar in Straelen

Vom 3. bis zum 7. September werde ich an einem Übersetzungsseminar/Workshop des Deutschen Übersetzerfonds am Europäischen Übersetzerkollegium in Straelen teilnehmen. Der Deutsche Übersetzerfonds veranstaltet regelmäßig Seminare und Workshops für Übersetzer zu bestimmten Themen. Thema dieses Seminars:

»In einer anderen Welt«
Sprachenübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Fantasyliteratur

Wer dem obigen Link folgt, findet dort den ganzen Ausschreibungstext.

12 Teilnehmer, die Science Fiction, Fantasy und sonstige Phantastik übersetzen, werden in diesen fünf Tagen gemeinsam an ihren Übersetzungen arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt. Die Texte liegen mir bereits vor, einige der ÜbersetzerInnen kenne ich bereits, andere noch nicht.

Wenn ich zurück bin, werde ich hier im Blog über das Seminar berichten.