„Die Neunte Stadt“ – die Gewinner der Verlosung

So, die eine Woche ist um, die Teilnahmefrist an der Verlosung zu Ende. Vier Teilnehmer gibt es, die sich die Mühe gemacht haben, einen recht trockenen und nicht ganz einfachen Textabschnitt aus dem Buch Die Neunte Stadt von J. Patrick Black zu übersetzen. Vielen Dank für eure Teilnahme! Ich bin ja selbst eher faul, was die Teilnahme an Gewinnspielen angeht. Wenn ich mehr machen muss, als etwas anklicken und ein Formular ausfüllen, lass ich es meistens sein.

Eigentlich wollte ich nur zwei Exemplare verlosen, aber da die Teilnehmeranzahl überschaubar geblieben ist, erhalten alle vier (Bosper, Angela, boreeas und Herr Schäfer) ein Exemplar. Schickt mir doch bitte eure Anschrift an markusmaeurer(hierdateteinfügen)gmx.de.

Den Originaltextabschnitt kann man im Ursprungspost nachlesen, die Übersetzungen der Teilnehmer unten in den Kommentaren. Hier noch die Übersetzung, die im gedruckten Buch steht (von mir übersetzt, von Birgit Herden lektoriert):

Die Bände mit überpräziser legalistischer Sprache, die die Bibliotheken der Akademie füllen, sind ein Versuch, Thelemitie auf etwas Standardisiertes und Beliebiges zu reduzieren, etwas, das gelehrt und kontrolliert werden kann. Aber man kann das Chaos und die Subjektivität nicht vollständig aus etwas herausfiltern, das grundsätzlich chaotisch und subjektiv ist. Standardisierte Artifizien versuchen, alle möglichen Zugänge abzudecken, während man in Wirklichkeit nur das Richtige sagen muss. Ähnlich, wie eine einzelne Zeile Poesie mehr Bedeutung enthalten kann als tausend Seiten mit Instruktionen. Damit ein Artifizium wirklich funktioniert, muss der Artifex verstehen, was er macht und warum er es macht.

Wie schon erwähnt, es gibt nicht die eine Richtige Übersetzung, sondern unterschiedliche Annäherungen an das Original. Mit »Volumes« sind in diesem Fall die Bände gemeint, die in einer Bibliothek stehen (»Volume 1« = »Band 1). »Artifices« hatte ich zunächst noch als »Geschicke« übersetzt, aber das klang zu holprig und zu sehr nach Fantasy und passte nicht zum akademischen Ausrichtung des Buchs. Zunächst hatte ich dann »Artifice« unter Vorbehalt beibehalten, die Lektorin hat dann »Artifizium« vorgeschlagen. Insofern ist keine der Übersetzungen der Teilnehmer falsch, da eine solche Grundsatzentscheidung aus dem Kontext des gesamten Romans getroffen werden muss.

Der »Artifex« steht dort nicht im Original, aber er ist derjeniege, der ein »Artifizium« baut bzw. erschafft. Damit hat man dann eine Wiederholung von »man« und ein Nutzung des im Deutschen eher hässlichen »du« vermieden, das auch nicht passt, wenn man vorher »man« benutz hat. Aus eine längeren englischen Satz kann man ruhig mal zwei machen, wenn es der Lesbarkeit im Deutschen dient. Und einen so eleganten Übergang wie mit Nebensatz, den »the way« einleitet, gibt die deutsche Grammatik leider nicht her. Wobei »so wie und »vergleichbar« natürlich auch passen.

Es ist übrigens nichts Verwerfliches daran, sich beim Übersetzen Hilfe zu holen. Das mache ich auch. Beim Berliner Übersetzungsstammtisch, den ich vier Jahre lang besucht habe, kommen auch immer wieder erfahrene Übersetzer, die schon Pulitzer- und Booker-Preisträger übersetzt haben, und holen sich Rat bei kniffligen Stellen. Ich stelle Übersetzungsprobleme gelegentlich auf Facebook zur Diskussion.

Viel Spaß mit dem Buch!

„Die Neunte Stadt“ von J. Patrick Black – Belegexemplare eingetroffen.

Das Buch spielt in einer Zukunft nach einem Alienangriff, durch den fast die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde, bevor einzelne Menschen Superkräfte in sich entdeckten, mit denen die Angreifer zurückgeschlagen werden konnten. Seitdem herrscht Krieg. Neun große Städte gibt es noch, die als Verteidigungsbastionen gegen die unbekannten Angreifer (die nicht mit Raumschiffen kamen) dienen. In diesen Städten wird die militärische Elite ausgebildet. Außerhalb der Städte gibt es Siedlungen, in denen die Menschen in Fabriken schuften müssen, um die Kriegsanstrengungen voranzutreiben. Und außerhalb dieser Siedlungen ist die Menschheit auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückgefallen und leben wie an der Frontier, mit wilden Stämmen und Siedlertreks und wissen nichts von dem Krieg und den großen Städten.

Aus diesen unterschiedlichen Umfeldern stammen die sieben jugendlichen Protagonisten des Buchs, die alle als Ich-Erzähler im Präsens auftreten, und deren Wege sich früher oder später kreuzen werden. Im Prinzip handelt es sich um so eine Ausbildungsgeschichte an einer Militärakademie und im Bootcamp (á la Ender’s Game). Doch bis dahin ist es für einige der Protagonisten ein langer und abenteuerlicher Weg.

Was den Roman so ungewöhnlich macht, ist seine Mischung aus Science Fiction und Fantasy. Die Technik der Zukunft, die Kriegsführung und die »Superkräfte« einiger der Hauptfiguren basieren auf etwas, das man durchaus als Magie bezeichnen könnte, im Roman aber Thelemetie heißt und an der Akademie wissenschaftlich erforscht und umgesetzt wird. Es gib riesige Mechroboter, gigantische Geschütze und allen möglichen Kram, der mit diesen Kräften/Energien angetrieben wird.

Was den Roman außerdem ungewöhnlich macht, ist der Stil des Autors, denn jeder der sieben Ich-Erzähler hat seinen ganz eigenen Stil. Torro, der in einer der dystopischen Fabriksiedlungen schuftet, spricht in einem locker-rotzigen jugendlichen Tonfall, die junge Naomi, die mit ihrer Familie durch die Wildnis zieht, im altmodischen Stil 19. Jahrhundert; das Technikgenie Kizabel in einer verschwurbelten akademischen Sprache mit unzähligen Fußnoten und wissenschaftlichen Erklärungen, aber auch mit viel Ironie. Und so weiter. Das macht das Lesen (und auch Übersetzen) dieses dicken Buches sehr abwechslungsreich und verleiht jedem Protagonisten eine eigene Stimme.

Von der Auswahl der Figuren her könnte man meinen, es handele sich um ein Jugendbuch á la Red Rising, doch dafür ist es inhaltlich zu komplex und sprachlich zu anspruchsvoll geschrieben. Es fällt mir schwer eine genaue Zielgruppe zu benennen, aber in seiner Mischung und vom Stil her ist das Buch einzigartig und originell (auch wenn viele bekannte Versatzstücke verwendet werden). Wer also mal was ganz anderes abseits der üblichen Science Fiction und Fantasy lesen möchte, sollte es mit Die Neunte Stadt versuchen.

Es gibt zwar viele spektakuläre Kämpfe und Schlachten auf der Erde und im Weltraum, aber die große Stärke des Romans sind die (mal mehr, mal weniger) liebenswürdigen Figuren mit ihren Beziehungen untereinander.

Es fällt mir schwer, das Buch adäquat zu beschreiben, da so viel drinsteckt und es keine passenden Vergleichsmöglichkeiten gibt. Wer es wagt, erhält eine Wundertüte, die auf jeden Fall einige Überraschungen bereithält.

Das Buch erscheint am Dienstag den 13. Juni.

Belegexemplare eingetroffen: The Ark – Die Letzte Reise der Menschheit

Ist doch immer ein schönes Gefühl, wenn man die Früchte der eigenen Arbeit in der Hand halten kann. Da hier ist eines der drei SF-Bücher, die ich im letzten Jahr übersetzt habe (Dunkle Materie ist schon im Dezember erschienen, Die Neunte Stadt wird im Juni rauskommen). Hier der Klappentext von Knaur:

Die Einsätze sind hoch in Patrick S. Tomlinsons faszinierendem Science Fiction-Debüt – denn die Arche ist die letzte Hoffnung der Menschheit.

Nachdem die Erde zerstört wurde, sind die letzten 50.000 Menschen auf einem gewaltigen Raumschiff, der „Arche«, unterwegs zum nächsten bewohnbaren Planeten. Beinahe hundert Jahre hat die Reise bereits gedauert, erst die jetzige Generation von Bewohnern soll die Ankunft erleben. Das Leben an Bord ist streng reglementiert, jeder Bewohner ist über ein Implantat jederzeit zu orten. Dennoch verschwindet der brillante junge Wissenschaftler Edmond Laraby spurlos – und wird kurz darauf tot aufgefunden. »Selbstmord«, heißt es von offizieller Stelle, doch Detective Bryan Benson hegt Zweifel: Was hat es mit den Aufnahmen von Tau Ceti auf sich, die Laraby ausgewertet hat? Und wie hängt eine Geheimorganisation, deren Mitglieder sich durch Vortäuschen des eigenen Todes der Überwachung entzogen haben, in der Sache mit drin?

»Wenn Sie einen Mix aus hervorragender Science Fiction und Action-Thriller suchen, dem eine Prise Mystery beigemengt wurde, dann lesen Sie dieses Buch!« SF & F Reviews

Wobei die Sache mit dem vorgetäuschten Tod ein wenig spoilert (wenn auch nicht schlimm). Ist auf jeden Fall ein unterhaltsamer SF-Krimi in ungewöhnlichem Setting, mit viel Humor und einer rasanten und spannenden Handlung. Man darf keine Hard-SF wie in Kim Stanley Robinsons Aurora erwarten, das hier geht eher in Richtung leichte Unterhaltung, wobei der Autor sich schon bemüht, in technischer Hinsicht ein halbwegs realistisches (oder zumindest glaubhaftes) Szenario zu erschaffen (was ihm auch ganz gut gelingt). Und einige interessante moralische Fragen werden auch behandelt. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und das mit 400 Seiten relativ (und angenehm) kurze Buch hat keine Längen, erzeugt aber trotzdem eine sehr dichte und lebendige Welt, die über eine reine effektvolle Kulisse hinausgeht.

Die Haupthandlung mit dem Mordfall ist abgeschlossen, aber es gibt einige spannende Andeutung, die Lust auf die beiden Fortsetzungen machen. Ob die auch auf Deutsch erscheinen werden, weiß ich allerdings nicht. Habe da noch nichts in die Richtung gehört. Auf Englisch heißt die Reihe Children of a Dead Earth; Teil 2 ist unter dem Titel Trident Forge bereits letztes Jahr erschienen.

The Ark – Die letzte Reise der Menschheit erscheint bei uns am 3. April bei Knaur Fantasy.

Erste Leserstimmen zu „Dunkle Materie“

Tja, bei Amazon wird beim Taschenbuch immer noch das alte Cover angezeigt, das man aus mir unbekannten Gründen leider doch nicht verwendet hat. Wie auch immer, inzwischen gibt es erste Leserstimmen zu dem Buch – leider noch keine von Leserinnen. Die würden mich besonders interessieren.

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Auf Phantastik-News.de schreibt Gunter Barnewald:

Carolyn Ives Gilman gelingt ein interessanter, spannender und äußerst unterhaltsamer Roman, dessen Problem sicherlich in der Eingangskonstruktion der Geschichte liegt. Denn sowohl die ganzen physikalischen Prämissen als auch der komplexe kulturelle Hintergrund der verschiedenen menschlichen Völker der Zukunft verlangen dem Leser zu Anfang der Erzählung viel Konzentration und Phantasie ab.
Hat man sich dann aber in der Welt der Autorin eingefunden, wird man mit einer packenden und bunten Geschichte belohnt, wie man sie selten findet.

Und bei Amazon meint Olaf Thomas:

Eine frische Idee, ein gutes Setting und vor allem Einblicke in (Erlebnis-)Welten, die ich mir eigentlich gar nicht vorstellen kann. Besonders hervorheben möchte ich die genial umgesetzte Idee des Reises mit Lichtgeschwindigkeit und die davon ausgehenden Konsequenzen. Das hat mir sehr gut gefallen und mich sogar dazu verleitet ein wenig über die zu Grunde liegende Theorie von Einstein zu lesen (Warum bewegt sich nichts schneller als das Licht?). Der Roman macht alles richtig. Nie bin ich überfordert gewesen von Namen, Orten oder Zusammenhängen. Der Schreibstil ist locker und die kleinen witzigen Anspielungen erscheinen absolut glaubwürdig.

Thomas Götz auf Trekzone empfand einige Längen und ist der Auflösung nicht ganz zufrieden:

Schwer, eine Bewertung abzugeben, ist es aber allemal. Auf der einen Seite muss man den Mut loben, mit seinem Buch eine Botschaft übermitteln zu wollen und dabei auf Action zu verzichten und komplett in die ruhigen, nachdenklichen und teils philosophischen Gebiete abzudriften. Auf der anderen Seite muss der Spagat natürlich gelingen und der Leser sollte nicht zu gelangweilt sein, was hier, ähnlich zum »Ende des Regenbogens«, nicht immer gelingt.

DSFP-Jurymitglied Amtranik hat zwar etwas gebraucht, in den Roman reinzufinden, findet aber, dass sich der Aufwand gelohnt hat:

Ein Roman mit dem ich mich beim Lesen recht schwergetan habe der aber nichtsdestotrotz oder gerade deswegen zu den besseren des Genres zählt. Das Erstkontaktszenario ist bizarr und sehr fantasievoll und man braucht schon eine Menge Konzentration und Phantasie, um immer zu folgen. Die Belohnung ist eine ziemlich originelle Geschichte, die mich tatsächlich ob Ihrer Beschreibungen von sehr unterschiedlichen Wahrnehmungswelten, etwas an China Mievilles »Die Stadt und die Stadt« erinnert hat, allerdings mit weit besserer Rahmenhandlung und für mich höherer Plausibilität. Sicher nichts für jeden aber ganz bestimmt kein 08/15-Roman. 8/10

Schade, dass sich noch keine Leserinnen zu diesem feministischen und durchaus kontroversen SF-Roman geäußert haben. Deren Meinung würde mich besonders interessieren. In Zeiten Trumps ist das Thema aktueller denn je. Wobei es sich gleichzeitig auch um einen faszinierenden Erstkontaktroman mit interessanten physikalischen Konzepten handelt.

Belegexemplare eingetroffen: Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman

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Das ist eine Übersetzung, auf die ich besonders stolz bin, denn kein anderes Buch hat mir bisher beim Übertragen so viel Spaß gemacht wie dieses. Ich verweise noch einmal auf die Besprechung von Josefson in der SF & F Rundschau:

Auf dem Buchcover streut niemand Geringeres als Ursula K. Le Guin der Autorin Rosen. Was durchaus passt, denn mit ihrer »Twenty Planets«-Reihe hat Gilman ein literarisches Universum geschaffen, das Le Guins »Hainish«-Zyklus recht ähnlich ist. Wir bewegen uns in einem kleinen von Menschenabkömmlingen geschaffenen Sternenreich, bei dem es vor allem auf die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Planetenbevölkerungen ankommt.

… ein hervorragendes Buch voller faszinierender Ideen.

Allerdings ist das Buch jetzt mit einem anderen Cover erschienen. Keine Ahnung, warum? Vielleicht war der ursprüngliche Entwurf zu nahe am Original?

Ich befürchte ja, dass dieser Roman in der Flut der aktuellen Science-Fiction-Erscheinungen ein wenig untergehen wird, wodurch den Leserinnen und Lesern ein aufregender und origineller SF-Roman entgehen wird, der mich tatsächlich an Ursula K Le Guins Werke aus den 70er Jahren erinnert. Dunkle Materie, ist deutlich komplexer und anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick wirkt, und enthält einige radikale und kontroverse Themen, die es lohnt, zu diskutieren.

Als Übersetzer bin ich natürlich alles andere als objektiv, trotzdem würde ich das Buch als Leser in eine Reihe mit den besten SF-Romanen stellen, die ich in diesem Jahr gelesen habe: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers, Aurora von Kim Stanley Robinson und Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben

Stand der Dinge – Dezember 2016

2016 mag in vielerlei Hinsicht ein mieses Jahr gewesen sein, für mich persönlich war es unter beruflichen Aspekten allerdings das bisher erfolgreichste – was sich 2017 aber hoffentlich ändern wird. 😉

Zur Leipziger Buchmesse erschien bei Cross Cult die von Jonathan Maberry herausgegebene Anthologie Akte X – Vertrauen Sie Niemandem, mit sechs von mir übersetzten Kurzgeschichten. Den Rückmeldungen zufolge kam sie bei den LeserInnen deutlich besser an als die 10. Staffel der Serie (über die ich lieber den Mantel des Schweigens hülle). Doch so super dolle scheint sie sich nicht verkauft zu haben, denn ich habe nichts davon gehört, ob auch die beiden Nachfolgeanthologien, die in den USA bereits erschienen sind, übersetzt werden sollen.

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Für Cross Cult fertigte ich dann auch meine erste Romanübersetzung des Jahres an: Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman, ein faszinierender Erstkontaktroman auf einer bizarren Welt, in bester Tradition von Ursula K. Le Guin. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist das Buch letzte Woche erschienen. Allerdings bin ich etwas verwirrt, weil inzwischen eine zweite Covervariante aufgetaucht ist – keine Ahnung, ob die nur für die E-Book-Ausgabe gilt, oder das alte Cover ersetzt (mir sagt ja keiner was). Das werde ich wohl erst erfahren, wenn meine Belegexemplare eintreffen.

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Mit der nächsten Übersetzung ging es erneut in den Weltraum, dieses Mal auf eine Generationenraumschiff, das sich kurz vor der Landung auf dem neuen Heimatplaneten befindet (der kolonisiert werden soll), als plötzlich das Undenkbare geschieht: ein Mord. Ein rasanter und sehr unterhaltsamer SF-Krimi in einem sehr interessanten Setting. The Ark – Die letzte Reise der Menschheit von Patrick S. Tomlinson wird im April 2017 bei Knaur Fantasy erscheinen.

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Die letzte Romanübersetzung des Jahres bietet eine interessante und kuriose Mischung aus Science Fiction mit Alieninvasion, Jugendystopie und Fantasy sowie Anleihen bei Ender’s Game, Star Ship Troopers und diversen Animes wie z. B. Vision of Escaflown. Die Neunte Stadt von J. Patrick Black wird im Mai 2017 bei Heyne erscheinen.

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die letzte Übersetzung habe ich gestern abgegeben. Jetzt  mache ich zum ersten Mal in diesem Jahr Urlaub. Heute Abend geht es zum Konzert von ZAZ nach Frankfurt, ab morgen werde ich dann die Weihnachtsfeiertage ganz in Ruhe genießen und an meinem Geheimprojekt weiterarbeiten, das durch die viele Arbeit der letzten Monate leider viel zu kurz kam. Und was 2017 bringen wird? Wir werden sehen.

Lesesplitter Mitte November

Ich klau mir mal diesen Titel und das Konzept ganz frech bei meinem Bloggerkollegen und Mitphantasten Oliver Naujoks und seinem sehr lesenswerten (wenn auch namenstechnisch etwas faulen) Blog Oliblog. 😉

Zuletzt fertiggelesen habe ich New Sol von Margarete Fortune, einem Science Fiction Roman, der bei Bastei Lübbe erschienen ist. Damit habe ich jetzt nach Heyne (Rachel Bach), Knaur (Julia Lange) und Fischer Tor (Becky Chambers), aus jedem aktuellen Phantastikprogramm der großen Publikumsverlage jeweils ein Buch von Autorinnen gelesen (siehe Wo sind die Frauen). Piper und Blanvalet haben da nichts im Angebot, was mich reizt. Wie auch, bei Piper gibt es bei 26 Titeln nur drei von Frauen, und die interessieren mich nicht (Romantasy usw). Ebenso wie die drei von 16 Titeln bei Blanvalet.

Was noch auf meiner Leseliste steht, sind Vektor von Jo Koren (Atlantis), Der Winterkaiser von Kathrine Addison (Fischer Tor) und Die Magier ihrer Majestät von Zen Cho (Knaur). Aber vermutlich werde ich nicht einmal die Hälfte davon schaffen, und wenn auch erst im nächsten Jahr. Wer meinen Blog und die vielen Besprechungen zu zeitgenössischen Büchern französischer Autorinnen gelesen hat, mag mitbekommen haben, dass mich die Phantastik aktuell nicht so anspricht und meine Interessen gerade woanders liegen.

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Nichtsdestotrotz habe ich kürzlich New Sol von Margarete Fortune gelesen, das mir mit freundlichen Grüßen der Übersetzerin Kerstin Fricke ins Haus flatterte. Mit seinen 360 Seiten und dem flüssigen Stil der Übersetzung ist das auch schnell gelesen. Es geht um Lia Johnson, die nach zwei Jahren in einem Kriegsgefangenenlager wieder freikommt und auf die Weltraumstation New Sol verfrachtet wird, wo sie feststellt, dass sie eine lebende Bombe ist und der Countdown unbarmherzig tickt.

Nach der Inhaltsangabe hatte ich mit einem rasanten und knallharten Thriller, so was wie 24 im All, gerechnet, nicht mit einem Jugendbuch, dass sich vor allem auf das Innenleben und die Beziehungen der erst 16-jährigen Protagonistin Lia konzentriert. Wobei das keine negative Überraschung war. Den Lias Suche nach Identität wird einfühlsam und keineswegs langweilig geschildert. Und am Ende gibt es noch einen netten Twist, der das Ganze wieder zum Verschwörungsthriller werden lässt. Mir hat das Buch Spaß gemacht.

Ebenfalls von Kerstin Fricke übersetzt wurde Frostflamme von Christopher Husberg, das ich nach 200 Seiten erst mal zur Seite gelegt habe. Das Buch ist durchaus gut geschrieben, mit interessanten Figuren und einer soliden Handlung, aber es hat dem Genre (zumindest bis Seite 200) absolut nichts Neues hinzuzufügen. Das habe ich alles schon x-mal gelesen, das Magiekonzept kann man durchaus als Faulheit bezeichnen (einfach Telepathie, Telekinese usw.), und die Welt bleibt mir insgesamt zu blass. Auch der religiöse Erzählstrang ist mir zu gewöhnlich. Das ist eher etwas für LeserInnen, die noch nicht viel Fantasy gelesen haben, oder gerne immer mehr vom Gleichen lesen.

Auch bei Amos Oz‘ Eine Geschichte von Liebe und Finsternis befinde ich mich gerade auf Seite 200. Ist durchaus gut geschrieben, mit sehr viel interessanten Informationen zur Gründung Israels und dem intellektuellen Israel zu dieser Zeit, dazu viel Familiengeschichte aus Europa, aber teilweise feuert der Autor maschinengewehrmäßig mit Namen, die mir völlig unbekannt sind, nur so um sich. Wer in Israel aufgewachsen oder mit der Geschichte des Landes besser vertraut ist als ich, wird sicher viele der Autoren, Gelehrten, Politiker usw. erkennen, mir ist das aber zu viel Namedropping. Auch folgt die autobiografische Erzählung keiner Struktur, sondern springt willkürlich von durch die Zeiten und Orte, von Person zu Person, wobei sich vieles wiederholt. Das Buch werde ich definitiv weiterlesen, aber sicher nicht am Stück.

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Unterbrochen habe ich die Lektüre aktuell für den eher locker flockig geschriebenen Urban Fantasy Roman Apocalypse Now Now von Charlie Human, der in Kapstadt Südafrika spielt. Ich habe ja vor ziemlich genau einem Jahr damit angefangen, mich verstärkt für Südafrika und vor allem dessen Literatur zu interessieren (siehe Rezis zu Niq Mlongo u. Lauren Beukes), aber auch für die Musik (Die Antwoord). Da kommt dieser vor popkulturellen Anspielung nur so strotzende Roman gerade recht.

Inzwischen habe ich ihn beendet (schreibe schon seit einer Woche an diesem Beitrag, irgendwie ist ja jetzt auch schon fast Ende November), mal sehen, ob Zeit und Energie noch für ein Rezi reichen. Aktuell lese ich Can’t Stop, Won’t Stop – A History of the Hip Hip Generation von Jeff Chang, das inzwischen als Standardwerk über die Geschichte des Hip Hops gilt. Das Buch ist nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern auch richtig gut geschrieben sowohl von der inhaltlichen Struktur her als auch vom Stil. Rezi folg dann gen Weihnachten.

Und das hier ist der Grund, warum mir gerade so wenig Zeit und/oder Energie für Buchbesprechungen und andere Blogbeiträge bleibt:

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Über 700 Normseiten, drei Monate Zeit, auf dem Endspurt noch eine heftige Erkältung, da muss der Blog etwas warten. Jetzt gerade habe ich auch nur Zeit, weil ich mein Tagespensum schon erledigt habe. Ich werde noch ausführlicher darüber berichten, hier gibt es erste Infos.

Die englischsprachige Ausgabe hat durchaus schon begeisterte Leserinnen gefunden: