Erste Leserstimmen zu „Dunkle Materie“

Tja, bei Amazon wird beim Taschenbuch immer noch das alte Cover angezeigt, das man aus mir unbekannten Gründen leider doch nicht verwendet hat. Wie auch immer, inzwischen gibt es erste Leserstimmen zu dem Buch – leider noch keine von Leserinnen. Die würden mich besonders interessieren.

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Auf Phantastik-News.de schreibt Gunter Barnewald:

Carolyn Ives Gilman gelingt ein interessanter, spannender und äußerst unterhaltsamer Roman, dessen Problem sicherlich in der Eingangskonstruktion der Geschichte liegt. Denn sowohl die ganzen physikalischen Prämissen als auch der komplexe kulturelle Hintergrund der verschiedenen menschlichen Völker der Zukunft verlangen dem Leser zu Anfang der Erzählung viel Konzentration und Phantasie ab.
Hat man sich dann aber in der Welt der Autorin eingefunden, wird man mit einer packenden und bunten Geschichte belohnt, wie man sie selten findet.

Und bei Amazon meint Olaf Thomas:

Eine frische Idee, ein gutes Setting und vor allem Einblicke in (Erlebnis-)Welten, die ich mir eigentlich gar nicht vorstellen kann. Besonders hervorheben möchte ich die genial umgesetzte Idee des Reises mit Lichtgeschwindigkeit und die davon ausgehenden Konsequenzen. Das hat mir sehr gut gefallen und mich sogar dazu verleitet ein wenig über die zu Grunde liegende Theorie von Einstein zu lesen (Warum bewegt sich nichts schneller als das Licht?). Der Roman macht alles richtig. Nie bin ich überfordert gewesen von Namen, Orten oder Zusammenhängen. Der Schreibstil ist locker und die kleinen witzigen Anspielungen erscheinen absolut glaubwürdig.

Thomas Götz auf Trekzone empfand einige Längen und ist der Auflösung nicht ganz zufrieden:

Schwer, eine Bewertung abzugeben, ist es aber allemal. Auf der einen Seite muss man den Mut loben, mit seinem Buch eine Botschaft übermitteln zu wollen und dabei auf Action zu verzichten und komplett in die ruhigen, nachdenklichen und teils philosophischen Gebiete abzudriften. Auf der anderen Seite muss der Spagat natürlich gelingen und der Leser sollte nicht zu gelangweilt sein, was hier, ähnlich zum »Ende des Regenbogens«, nicht immer gelingt.

DSFP-Jurymitglied Amtranik hat zwar etwas gebraucht, in den Roman reinzufinden, findet aber, dass sich der Aufwand gelohnt hat:

Ein Roman mit dem ich mich beim Lesen recht schwergetan habe der aber nichtsdestotrotz oder gerade deswegen zu den besseren des Genres zählt. Das Erstkontaktszenario ist bizarr und sehr fantasievoll und man braucht schon eine Menge Konzentration und Phantasie, um immer zu folgen. Die Belohnung ist eine ziemlich originelle Geschichte, die mich tatsächlich ob Ihrer Beschreibungen von sehr unterschiedlichen Wahrnehmungswelten, etwas an China Mievilles »Die Stadt und die Stadt« erinnert hat, allerdings mit weit besserer Rahmenhandlung und für mich höherer Plausibilität. Sicher nichts für jeden aber ganz bestimmt kein 08/15-Roman. 8/10

Schade, dass sich noch keine Leserinnen zu diesem feministischen und durchaus kontroversen SF-Roman geäußert haben. Deren Meinung würde mich besonders interessieren. In Zeiten Trumps ist das Thema aktueller denn je. Wobei es sich gleichzeitig auch um einen faszinierenden Erstkontaktroman mit interessanten physikalischen Konzepten handelt.

Belegexemplare eingetroffen: Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman

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Das ist eine Übersetzung, auf die ich besonders stolz bin, denn kein anderes Buch hat mir bisher beim Übertragen so viel Spaß gemacht wie dieses. Ich verweise noch einmal auf die Besprechung von Josefson in der SF & F Rundschau:

Auf dem Buchcover streut niemand Geringeres als Ursula K. Le Guin der Autorin Rosen. Was durchaus passt, denn mit ihrer »Twenty Planets«-Reihe hat Gilman ein literarisches Universum geschaffen, das Le Guins »Hainish«-Zyklus recht ähnlich ist. Wir bewegen uns in einem kleinen von Menschenabkömmlingen geschaffenen Sternenreich, bei dem es vor allem auf die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Planetenbevölkerungen ankommt.

… ein hervorragendes Buch voller faszinierender Ideen.

Allerdings ist das Buch jetzt mit einem anderen Cover erschienen. Keine Ahnung, warum? Vielleicht war der ursprüngliche Entwurf zu nahe am Original?

Ich befürchte ja, dass dieser Roman in der Flut der aktuellen Science-Fiction-Erscheinungen ein wenig untergehen wird, wodurch den Leserinnen und Lesern ein aufregender und origineller SF-Roman entgehen wird, der mich tatsächlich an Ursula K Le Guins Werke aus den 70er Jahren erinnert. Dunkle Materie, ist deutlich komplexer und anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick wirkt, und enthält einige radikale und kontroverse Themen, die es lohnt, zu diskutieren.

Als Übersetzer bin ich natürlich alles andere als objektiv, trotzdem würde ich das Buch als Leser in eine Reihe mit den besten SF-Romanen stellen, die ich in diesem Jahr gelesen habe: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers, Aurora von Kim Stanley Robinson und Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben

Stand der Dinge – Dezember 2016

2016 mag in vielerlei Hinsicht ein mieses Jahr gewesen sein, für mich persönlich war es unter beruflichen Aspekten allerdings das bisher erfolgreichste – was sich 2017 aber hoffentlich ändern wird. 😉

Zur Leipziger Buchmesse erschien bei Cross Cult die von Jonathan Maberry herausgegebene Anthologie Akte X – Vertrauen Sie Niemandem, mit sechs von mir übersetzten Kurzgeschichten. Den Rückmeldungen zufolge kam sie bei den LeserInnen deutlich besser an als die 10. Staffel der Serie (über die ich lieber den Mantel des Schweigens hülle). Doch so super dolle scheint sie sich nicht verkauft zu haben, denn ich habe nichts davon gehört, ob auch die beiden Nachfolgeanthologien, die in den USA bereits erschienen sind, übersetzt werden sollen.

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Für Cross Cult fertigte ich dann auch meine erste Romanübersetzung des Jahres an: Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman, ein faszinierender Erstkontaktroman auf einer bizarren Welt, in bester Tradition von Ursula K. Le Guin. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist das Buch letzte Woche erschienen. Allerdings bin ich etwas verwirrt, weil inzwischen eine zweite Covervariante aufgetaucht ist – keine Ahnung, ob die nur für die E-Book-Ausgabe gilt, oder das alte Cover ersetzt (mir sagt ja keiner was). Das werde ich wohl erst erfahren, wenn meine Belegexemplare eintreffen.

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Mit der nächsten Übersetzung ging es erneut in den Weltraum, dieses Mal auf eine Generationenraumschiff, das sich kurz vor der Landung auf dem neuen Heimatplaneten befindet (der kolonisiert werden soll), als plötzlich das Undenkbare geschieht: ein Mord. Ein rasanter und sehr unterhaltsamer SF-Krimi in einem sehr interessanten Setting. The Ark – Die letzte Reise der Menschheit von Patrick S. Tomlinson wird im April 2017 bei Knaur Fantasy erscheinen.

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Die letzte Romanübersetzung des Jahres bietet eine interessante und kuriose Mischung aus Science Fiction mit Alieninvasion, Jugendystopie und Fantasy sowie Anleihen bei Ender’s Game, Star Ship Troopers und diversen Animes wie z. B. Vision of Escaflown. Die Neunte Stadt von J. Patrick Black wird im Mai 2017 bei Heyne erscheinen.

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die letzte Übersetzung habe ich gestern abgegeben. Jetzt  mache ich zum ersten Mal in diesem Jahr Urlaub. Heute Abend geht es zum Konzert von ZAZ nach Frankfurt, ab morgen werde ich dann die Weihnachtsfeiertage ganz in Ruhe genießen und an meinem Geheimprojekt weiterarbeiten, das durch die viele Arbeit der letzten Monate leider viel zu kurz kam. Und was 2017 bringen wird? Wir werden sehen.

Lesesplitter Mitte November

Ich klau mir mal diesen Titel und das Konzept ganz frech bei meinem Bloggerkollegen und Mitphantasten Oliver Naujoks und seinem sehr lesenswerten (wenn auch namenstechnisch etwas faulen) Blog Oliblog. 😉

Zuletzt fertiggelesen habe ich New Sol von Margarete Fortune, einem Science Fiction Roman, der bei Bastei Lübbe erschienen ist. Damit habe ich jetzt nach Heyne (Rachel Bach), Knaur (Julia Lange) und Fischer Tor (Becky Chambers), aus jedem aktuellen Phantastikprogramm der großen Publikumsverlage jeweils ein Buch von Autorinnen gelesen (siehe Wo sind die Frauen). Piper und Blanvalet haben da nichts im Angebot, was mich reizt. Wie auch, bei Piper gibt es bei 26 Titeln nur drei von Frauen, und die interessieren mich nicht (Romantasy usw). Ebenso wie die drei von 16 Titeln bei Blanvalet.

Was noch auf meiner Leseliste steht, sind Vektor von Jo Koren (Atlantis), Der Winterkaiser von Kathrine Addison (Fischer Tor) und Die Magier ihrer Majestät von Zen Cho (Knaur). Aber vermutlich werde ich nicht einmal die Hälfte davon schaffen, und wenn auch erst im nächsten Jahr. Wer meinen Blog und die vielen Besprechungen zu zeitgenössischen Büchern französischer Autorinnen gelesen hat, mag mitbekommen haben, dass mich die Phantastik aktuell nicht so anspricht und meine Interessen gerade woanders liegen.

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Nichtsdestotrotz habe ich kürzlich New Sol von Margarete Fortune gelesen, das mir mit freundlichen Grüßen der Übersetzerin Kerstin Fricke ins Haus flatterte. Mit seinen 360 Seiten und dem flüssigen Stil der Übersetzung ist das auch schnell gelesen. Es geht um Lia Johnson, die nach zwei Jahren in einem Kriegsgefangenenlager wieder freikommt und auf die Weltraumstation New Sol verfrachtet wird, wo sie feststellt, dass sie eine lebende Bombe ist und der Countdown unbarmherzig tickt.

Nach der Inhaltsangabe hatte ich mit einem rasanten und knallharten Thriller, so was wie 24 im All, gerechnet, nicht mit einem Jugendbuch, dass sich vor allem auf das Innenleben und die Beziehungen der erst 16-jährigen Protagonistin Lia konzentriert. Wobei das keine negative Überraschung war. Den Lias Suche nach Identität wird einfühlsam und keineswegs langweilig geschildert. Und am Ende gibt es noch einen netten Twist, der das Ganze wieder zum Verschwörungsthriller werden lässt. Mir hat das Buch Spaß gemacht.

Ebenfalls von Kerstin Fricke übersetzt wurde Frostflamme von Christopher Husberg, das ich nach 200 Seiten erst mal zur Seite gelegt habe. Das Buch ist durchaus gut geschrieben, mit interessanten Figuren und einer soliden Handlung, aber es hat dem Genre (zumindest bis Seite 200) absolut nichts Neues hinzuzufügen. Das habe ich alles schon x-mal gelesen, das Magiekonzept kann man durchaus als Faulheit bezeichnen (einfach Telepathie, Telekinese usw.), und die Welt bleibt mir insgesamt zu blass. Auch der religiöse Erzählstrang ist mir zu gewöhnlich. Das ist eher etwas für LeserInnen, die noch nicht viel Fantasy gelesen haben, oder gerne immer mehr vom Gleichen lesen.

Auch bei Amos Oz‘ Eine Geschichte von Liebe und Finsternis befinde ich mich gerade auf Seite 200. Ist durchaus gut geschrieben, mit sehr viel interessanten Informationen zur Gründung Israels und dem intellektuellen Israel zu dieser Zeit, dazu viel Familiengeschichte aus Europa, aber teilweise feuert der Autor maschinengewehrmäßig mit Namen, die mir völlig unbekannt sind, nur so um sich. Wer in Israel aufgewachsen oder mit der Geschichte des Landes besser vertraut ist als ich, wird sicher viele der Autoren, Gelehrten, Politiker usw. erkennen, mir ist das aber zu viel Namedropping. Auch folgt die autobiografische Erzählung keiner Struktur, sondern springt willkürlich von durch die Zeiten und Orte, von Person zu Person, wobei sich vieles wiederholt. Das Buch werde ich definitiv weiterlesen, aber sicher nicht am Stück.

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Unterbrochen habe ich die Lektüre aktuell für den eher locker flockig geschriebenen Urban Fantasy Roman Apocalypse Now Now von Charlie Human, der in Kapstadt Südafrika spielt. Ich habe ja vor ziemlich genau einem Jahr damit angefangen, mich verstärkt für Südafrika und vor allem dessen Literatur zu interessieren (siehe Rezis zu Niq Mlongo u. Lauren Beukes), aber auch für die Musik (Die Antwoord). Da kommt dieser vor popkulturellen Anspielung nur so strotzende Roman gerade recht.

Inzwischen habe ich ihn beendet (schreibe schon seit einer Woche an diesem Beitrag, irgendwie ist ja jetzt auch schon fast Ende November), mal sehen, ob Zeit und Energie noch für ein Rezi reichen. Aktuell lese ich Can’t Stop, Won’t Stop – A History of the Hip Hip Generation von Jeff Chang, das inzwischen als Standardwerk über die Geschichte des Hip Hops gilt. Das Buch ist nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern auch richtig gut geschrieben sowohl von der inhaltlichen Struktur her als auch vom Stil. Rezi folg dann gen Weihnachten.

Und das hier ist der Grund, warum mir gerade so wenig Zeit und/oder Energie für Buchbesprechungen und andere Blogbeiträge bleibt:

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Über 700 Normseiten, drei Monate Zeit, auf dem Endspurt noch eine heftige Erkältung, da muss der Blog etwas warten. Jetzt gerade habe ich auch nur Zeit, weil ich mein Tagespensum schon erledigt habe. Ich werde noch ausführlicher darüber berichten, hier gibt es erste Infos.

Die englischsprachige Ausgabe hat durchaus schon begeisterte Leserinnen gefunden:

 

LeserInnenfeedback zu „Akte X – Vertrauen Sie niemandem“

Die schönste Entlohnung für die Übersetzungsarbeit ist natürlich das Honorar. Aber ich freue mich auch immer sehr, wenn die von mir übersetzten Bücher gelesen werden und den Leserinnen auch gefallen. Weshalb ich Rezensionen und Kritiken auf Amazon immer ganz neugierig verfolge. Es ist einfach schön, die Arbeit nicht in einen leeren Raum hinein zu machen, sondern zu sehen, dass sich der Aufwand auch gelohnt hat.

Zu der von Jonathan Maberry herausgegebenen Kurzgeschichtenanthologie Akte X – Vertrauen sie niemandem, aus der ich sechs Geschichten übertragen habe und die bei Cross Cult im März erschienen ist, sind inzwischen erste Bewertungen und Meinungen veröffentlicht worden.

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Irene Salzman liefert auf Phantastik-News.de eine kleine Übersicht über das, was die Leserin erwartet und ist von den Geschichten offenbar recht angetan:

Spukhäuser, magische Orte, Zeitreisen, Gestaltwandler, Vampire, Mörderpuppen, Aliens, rachsüchtige Wissenschaftler und was man sonst noch erwartet, wenn man „Akte X“ schaut oder liest, findet man in dieser Anthologie. Ausnahmslos bewegen sich die Storys auf einem gleichbleibend hohen Niveau und erfüllen die Ansprüche der Fans. Auch die Charaktere sind bestens getroffen, sodass das Kopfkino beim Lesen mitläuft.

Auf ihrem Blog Blutrot kommt Jamie zu dem Schluss:

»Akte X – Vertrauen Sie niemandem« ist ein echt super spannendes, gruseliges Buch voller Action, Humor und vieler Anspielungen auf die TV-Serie. Mir jedoch am wichtigsten: Das Buch und seine einzelnen Geschichten konnten sehr gut an die Stimmung aus der Serie anknüpfen: Der Zwiespalt zwischen Mulders Hoffnung und Glauben an das Übernatürliche und Scullys skeptische, wissenschaftliche Art, die gruselige, mysteriöse Atmosphäre und die super abwechslungsreiche Welt der X-Akten.

Justine Wynne Gacy (Marilyn-Manson-Fan?) meint auf ihrem Blog:

Scully und Mulder waren und sind für mich schon immer das Traumpaar der mysteriösen Ermittlungen. Meine Kindheit verbrachte ich gebannt vor dem TV und sah zu wie sie die unglaublichsten Fälle lösten. Somit war dieses Buch für mich ein Trip in die Vergangenheit.

Christian Siegel widmet der Anthologie auf FictionBOX.de eine sehr ausführliche Besprechung, in der er auch auf die einzelnen Geschichten eingeht und sie bewertet (insgesamt vergibt er 3,5 von 5 Punkten):

Mit „Katatonie“ von Tim Lebbon legt „Vertrauen Sie Niemandem“ gleich mal einen sehr guten Start hin. Die Grundidee hinter der Geschichte ist durchaus interessant, und auch über den Auftritt von Alex Krycek habe ich mir sehr gefreut. Die größte Stärke ist aber Lebbons gewitzter Schreibstil, mit dem er den Dialogen zwischen Mulder und Scully viel Humor einverleibt, was das Lesen sehr unterhaltsam macht.

Solches Lob freut mich natürlich als Übersetzer besonders, da es mir anscheinend gelungen ist, den Dialogwitz in die deutsche Fassung zu übertragen.

Florian Hilleberg hat die Geschichten für Literra besprochen und verschweigt zum Glück auch nicht, was ihm nicht gefallen hat, ist aber insgesamt auch sehr angetan:

Siebzehn Autoren mit Rang und Namen zeigen auf innovative Weise was für ein enormes Potenzial die Serie noch immer birgt. Mit abwechslungsreichen und spannenden Storys wird dem Leser ins Bewusstsein gerufen, dass absolut niemandem zu trauen ist. Eine Horror-Thriller-Science-Fiction-Anthologie der Superlative.

Moritz Mehlem scheibt auf DnD-Gate:

Eine recht klassische Monster of the week-Sammlung ohne große Schwächen und mit einigen Highlights. Perfekt, um sich auf die neue Staffel einzustimmen und wieder in den „I want to believe“-Groove zu kommen. Wenn es jetzt noch einen roten Faden gegeben hätte, wäre ich noch begeisterter gewesen, aber auch so gilt eine klare Kaufempfehlung für alle Fans der Mystery-Serie.

Aber nicht alle sind gleichermaßen begeistert. Das wäre mir auch schon fast unheimlich geworden. Thomas Götz äußert sich auf Trekzone.de kritischer:

Nach einem interessanten Start versinken die Stories zunehmend im ähnlichen Handlungsablauf, so das sich Langeweile einstellt. Diese bereits aus der Serie bekannte „Krankheit“ hätte man durchaus ausmerzen können, so bleibt leider nur ein etwas halbgarer Band zurück, der es gerade mal so ins Mittelfeld schafft.

Auf Amazon gibt es bisher 9 Bewertungen mit einem Schnitt von 5 Sternen (wobei einer davon der schon oben erwähnte Florian Hillenberg ist), und begründen auch relativ ausführlich und nachvollziehbar, warum die Geschichten gefallen haben. Als Fazit daraus habe ich gezogen, dass es den Leserinnen vor allem gefällt, wieder neue (alte) Abenteuer mit Mulder und Scully zu erleben, die sehr an die ersten Staffeln der Serie erinnern.

Auf Lovelybooks gab es eine Leserunde, in der die Geschichten im Einzelnen (natürlich mit Spoilern) besprochen wurden, aber es gibt auch einige spoilerfreie Besprechungen im Fazit. Dass es zwei Geschichten mit Direktor Skinner als Hauptfigur gibt, ist größtenteils auch sehr positiv angekommen. Mir hat das auch sehr gefallen.

Es gibt auch eine Hörbuchfassung von Audible. Aber leider, leider kann ich die nicht guten Gewissens empfehlen, spricht doch der Sprecher den Namen von Mulder konsequent falsch als Malder aus. Hier hat Audible auch eine echte Chance vertan, die Originalsprecher Franziska Pigulla und Benjamin Völz wieder zusammenzuführen. Gerade, nachdem Pro 7 ja für die neue 10. Staffel, sehr zum Entsetzen der Fans, einen neuen Synchronsprecher für Mulder engagiert hat (was meiner Meinung nach gar nicht geht, Völz ist einfach Kult). Mit den beiden an Bord hätte das Hörbuch einen echten Mehrwert gehabt. Schade.

Carolyn Ives Gilman – Dark Orbit (Video)

Im vorletzten Beitrag habe ich ja ein wenig das Buch Dark Orbit bzw. Dunkle Materie vorgestellt, dass ich kürzlich übersetzt habe. Wer sich näher dafür interessiert, dem empfehle ich dieses halbstündige Video mit einer Lesung von Carolyn Ives Gilman in der Washingtoner Buchhandlung Politics & Prose, in dem sie sehr sympathisch und unterhaltsam über ihr Buch spricht.

Abgeliefert: „Dunkle Materie“ von Carolyn Ives Gilman

Letzten Montag habe ich die Übersetzung des Science-Fiction-Romans Dunkle Materie (Dark Orbit) bei Cross Cult abgeliefert. Soll im ausgezeichneten Herbstprogramm neben Linda Nagata, Nnedi Okorafor und Connie Willis erscheinen.

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Das Titelbild stammt von Martin Frei.

Dunkle Materie spielt in der fernen Zukunft der Zwanzig Planeten, in der die Menschen per Lichtstrahl von Welt zu Welt reisen. Doch während für die Reisenden nur wenige Sekunden vergehen, verstreicht für jedes Lichtjahr Distanz ein Jahr für den Rest der Menschheit.

For others, time passed. For a Waster, it was always just now. Fraglos eines der Highlights in „Dark Orbit“, dem jüngsten Roman Carolyn Ives Gilmans, ist das Anfangskapitel, in dem die US-Autorin die schönste Beschreibung eines nonlinearen Lebensstils seit Joe Haldemans „Der ewige Krieg“ abliefert.

(Schreibt Josefson in der SF & F Rundschau)

Zur Gemeinschaft dieser ausgegrenzten Reisenden, die sich in der ständig wandelnden normalen Welt stets fremd fühlen, gehört auch die Exoethnologin Saraswati Calicot, die eine einmalige Gelegenheit erhält, auf ein Erkundungsschiff zu reisen, das einen neuen Planeten entdeckt hat. Diese unbemannten Schiffe wurden vor Jahrhunderten von den Vorfahren der jetzigen Menschheit ausgeschickt, um die unermesslichen Weiten des Alls nach neuen Planeten und nach Leben zu durchsuchen. Per Lichtstrahltransmitter reist Sara auf das achtundfünfzig (Licht-)Jahre entfernte Erkundungsschiff Escher, das um den fremdartigen Regenbogenplaneten Iris kreist, der sich in einem Teil des Weltraums befindet, in dem Raum und Zeit nicht mehr den Gesetzen der Physik gehorchen zu scheinen und Dunkle Materie zu Anomalien im Gefüge des Universums führt.

lntellectually daring, brilliantly imagined, strongly felt. This one’s a winner.

Ursula K. Le Guin.

Von allen Romanen, die ich bisher übersetzt habe, hat mir dieser am meisten Spaß gemacht. Die Übersetzung ging mir daher auch leicht von der Hand und war erstaunlich schnell fertig. Das ist eine jener Geschichten, in der ich mich sofort heimisch gefühlt habe, in die ich intensiv eingetaucht bin. Eine komplexe und elegante Geschichte über zwei starke Frauen und die Grenzen unserer Wahrnehmung – mit viel »Sense of Wonder«.

Reizvoll ist in „Dark Orbit“ etwa die brisante Chemie zwischen Sara und dem Sicherheitschef der Expedition, Dagan Atlabatlow. Sie entstammt einer Kultur, in der man auf Autoritäten pfeift – er kommt von einem Planeten, auf dem man glaubt, dass die innigste Beziehung zwischen Jäger und (menschlicher) Beute besteht.

Josefson

Neben dem Sense of Wonder kommen auch das Innenleben der Figuren und ihre Beziehungen untereinander nicht zu kurz.

Und hier noch ein kleiner (unlektorierter und unkorrigierter) Auszug aus meiner Übersetzung):

In einer einzelnen Reihe schritten sie hinaus in die Prärie, mit Atlabatlow an der Spitze, der das Gras mit einem Wanderstock teilte, um Speerpflanzen und eine Art niedrigem Bodenkaktus mit metallischen Nadeln, die sie ebenfalls im Gras gefunden hatten, aufzuspüren. Bis auf ein paar gelegentliche Warnungen oder Aufschreie, wenn eine Nadelfliege jemandes Overall durchbohrte, gab es keine Unterhaltungen. Hinter sich konnte Sara hören, wie Mr. Gibb sich selbst Notizen diktierte. »Die Entdecker brechen auf, um einen jungfräulichen Planeten zu penetrieren und seine Geheimnisse freizulegen. Iris, in Geheimnisse verhüllt, und so weiter, und so weiter.«
Sie kamen nur langsam voran. Ihre Augen waren notwendigerweise auf den Boden vor sich gerichtet, und so hörten sie die Anomalie, bevor sie sie sahen.
Über dem Pfeifen des Windes auf dem Gras lag ein schwacher musikalischer Unterton, der an Windspiele erinnerte. Inzwischen konnten sie die Grenze des Gebiets deutlich vor sich sehen, und so hielten sie verblüfft an.
Sara konnte nicht im mindesten verstehen, was sie da sah. In einem Moment sah es wie die vertikale Oberfläche eines Sees aus; im nächsten wie eine Masse aus kantigen Spalten – Risse im Tag. Für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, dass sie nach unten blickte, über den Rand des Abgrunds, und trat einen Schritt nach vorne, um den Fall zu stoppen, nur um herauszufinden, dass der Boden immer noch horizontal war, auch wenn sie desorientiert schwankte.
»Was zur Hölle?« keuchte sie.
Thora neben ihr starrte mit gebannter Faszination darauf. »Das ist etwas, zu dem unsere Sinne nicht entwickelt sind, es wahrzunehmen«, sagte sie.
Überraschenderweise war es Mr. Gibb, der rausfand, um was es sich handelte. »Oh, ich verstehe«, sagte er plötzlich. »Das ist ein Wald.«
»Was?« Sara konnte keinerlei organische Formen darin sehen – zumindest keine nach menschlichen Maßstäben.
»Die ganzen kleinen Reflexionen, das sind die Blätter«, erklärte er. »Die Stämme sind die vertikalen Oberflächen, wie facettierte Spiegel. Einige von ihnen besitzen diese reflektierenden Wedel und Bänder anstelle von Blättern. Deshalb ist es so schwierig, die Stämme zu sehen.«
Mit einiger geistiger Anstrengung gelang es Sara, zu sehen, was er meinte. Es war, als würde man auf ein visuelles Paradoxon blicken, als würde sie sich zwingen, die beiden Gesichter anstelle der Vase zu sehen.
»Das ist sehr clever«, sagte Thora leise, »und sehr falsch.«
Falsch oder nicht, die schimmernde Wand aus Reflexionen, die sich jetzt in eine Art kubistische Origamiszene auflöste, ergab zumindest einen bizarren Sinn. Die Musik kam aus dem Inneren.
»Windspielbäume«, sagte Sri Paul. Er hielt einen Taschenrecorder in der Hand und stellte ihn darauf ein, Choralgesänge abzuspielen. Als der erste Akkord des Glockenkonzerts erklang, wurde er umgehend von dem Wald zurückgeworfen. Es folgte ein Arpeggio, das im Bruchteil einer Sekunde später von den flüssigen Windspielen imitiert wurde. Paul hielt die Aufzeichnung an, und die Waldmusik kehrte zu den komplexeren Harmonien von vorher zurück. »Zeichne es auf und spiel es ab«, schlug Ming vor. Paul tat es, und die Musik der Bäume pfiff fröhlich zur Antwort.
»Du musst eine Art sympathischer Vibrationen ausgelöst haben«, sagte Touli.
»Spiegelbilder«, grübelte Thora mehr zu sich selbst.
Vorsichtig näherten sie sich dem Rand des Waldes. Kurz davor musste sich Sara erneut geistig anstrengen, um die Bäume zu sehen. Ihre Stämme sahen wie Klumpen aus transparentem Kristall aus, wie Kandiszucker am Stiel. Um sie herum hingen die »Blätter« – lange, baumelnde Dinger in Prismenform, so durchsichtig wie Glas, die klingelten, wenn sie sich, durch den Wind aufgewühlt, gegenseitig berührten.
Die Windspielblätter bildeten einen dicken Vorhang am Waldrand und reichten fast bis auf den Boden. Während sie sich drehten und wandelten, warfen sie Regenbogenschatten. Ein Spektrum jagte über Atlabatlows entschlossenes Gesicht, als er seinen Stock ausstreckte, um eines der größten Blätter zu berühren, das fast so groß wie er war. Doch statt die Oberfläche zu berühren, ging sein Stock durch das Blatt hindurch, sein Ende tauchte auf der anderen Seite wieder auf, um sechzig Grad von der Ausgangsposition abgewinkelt. Langsam zog er ihn wieder raus, sie versammelten sich alle darum, um ihn zu inspizieren. Er sah perfekt intakt und ganz unberührt aus.
»Es muss eine Art optischer Täuschung sein«, sagte Touli. Dann, bevor jemand reagieren konnte, trat er nach vorne, um das Blatt selbst zu berühren. Seine Hand fuhr durch die spiegelartige Oberfläche und trat auf der anderen Seite aus, in einem unmöglichen, gebrochenen Winkel verdreht. Es sah so schrecklich aus, dass mehrere Leute aufkeuchten. Aber er zog seinen intakten Arm wieder hervor, betrachtete ihn neugierig und wackelte mit den Fingern.
»Bitte seien Sie in Zukunft vorsichtiger«, sagte Atlabatlow mit ernster Stimme. »Wir haben keinen Arzt dabei.«
»Wie fühlt sich das an?«, fragte Thora eifrig.
»Als würde man eine Wasseroberfläche durchstoßen«, brummelte Touli nachdenklich. »Ich glaube nicht, dass es eine optische Täuschung ist.«
Das Windspielblatt hatte sich im Wind gedreht, und Atlabatlow benutzte jetzt seinen Stock, um es zurückzudrehen. In dem Augenblick, in dem der Stock das Blatt berührte, zerfiel er in zwei Teile, als wäre er sauber von einer lautlosen Kreissäge zerschnitten worden.