„Here“ von Alicia Keys

Hier gibt es mehr zu meinem Musikgeschmack, damit man diese Besprechung besser im Kontext dazu einordnen kann (nicht, dass ich Ahnung von Musik hätte 😉 ).

Die Musik von Alicia Keys kenne ich schon seit ihrem ersten großen Hit Fallin (aus dem 2001er-Album Songs in A Minor), den ich vor allem aufgrund ihrer stimmlichen Qualitäten mag. So richtig vom Hocker gehauen, haben mich ihre, für meinen Geschmack, zu poppig und glatt produzierten Liedern allerdings nicht. Zumindest nicht ausreichend genug, um mir eines ihrer Alben zu kaufen.

Das änderte sich erst mit ihrem aktuellen Album Here. Wirklich aufmerksam darauf geworden bin ich durch ihre Ankündigung, kein Make-Up mehr tragen zu wollen und den dazugehörigen Fotos und Videos, in denen sie eine ungekünstelte Lebensfreude und ein authentisch wirkendes Selbstbewusstsein ausstrahlt. Hat als PR-Maßnahme also super funktioniert, wirkte auf mich aber trotzdem ehrlich. Ich mag es sehr, wenn Menschen so auftreten, wie sie sich am wohlsten fühlen.

Und so wirkt auch die Musik des Albums bei den meisten Songs, auch wenn einige immer noch ziemlich glatt und poppig produziert sind (die Live-Versionen, die ich hier im Beitrag poste, bieten interessante Variationen zu den Albumversionen). Den Auftakt macht das kraftvolle, schnelle und kompakte Hip-Hop-artige The Gospel über die Herkunft aus einfachen, sozial schwierigen Verhältnissen (Where all god’s children, products of the ghetto. Mama cooked the soup. Daddy did the yelling. Uncle was drunk. Cousin was a fellon), und zeigt direkt den kritischen Ton, der das ganze Album durchzieht. Doch Gospel kommt von good spell, dem Verkünden der frohen Botschaft oder zumindest einer positiven Erzählung, was bedeutet, dass das Album zwar kritisch aber durchaus hoffnungsvoll daherkommt.

Das Thema wird noch vor The Gospel im Intro The Beginning gesetzt, wenn Keys sagt, sie sei history on a turntable, Nina Simone in the park in Harlem in the dark und I’m the musical to the project fables. Es ist nicht Alicia Keys, die diese Worte sagt, sondern die Ich-Erzählerin von The Gospel. Eine von mehreren Rollen, die Keys im Laufe des Albums einnehmen wird. Die Rolle von (vermutlich meist) afroamerikanischen Frauen, die in schwierigen Verhältnissen in New York leben (siehe auch Illusion of Bliss).

Pawn It All kommt mit seinem Chorus viel klassischer daher und stellt die Frage, was man alles bereit wäre herzugeben, um noch einmal von vorne anzufangen. Sehr eingängig, mit toller Stimme gesungen, die immer wieder auf und ab geht.

Eines meiner Lieblingsstücke auf dem Album ist Kill Your Mama . Ein klassischer Folk-Protestsong nur mit schrammelnder Akkustikgittare, knapp zwei Minuten lang, aber energiegeladen, darüber, was wir Mutter Natur antun, in unserer Gier nach Geld und Macht. Hat einen starken Refrain mit Ohrwurmcharakter. Hier im Video (geht bei 2:00min los) hört man eine Version mit klassischen brasilianischen Klängen, wobei mir die rohe Akkustikgitarre aber besser gefällt (ist auf dem Album auch härter gesungen).

She Don’t Really Care / 1 Luv ist eine Art Doppelsong über unterschiedliche Herkunft, holprige Biografien, schlechte Entscheidungen und das Loslassen. Musikalisch für mich einer der schwächeren Beiträge auf dem Album, im ersten Teil aber immerhin schön lässig und eine Abwechslung zu den bisher kraftvollen, angespannten Liedern. Tröpfelt im Übergang der beiden Songs aber ein wenig zu träge vor sich hin.

Mein absolutes Lieblingslied von Alicia Keys ist Illusion of Bliss, meiner Meinung nach auch ihr bestes. Eine wilde Tour de Force über eine junge Suchtkranke, auf der Keys die volle Bandbreite und Vielfältigkeit ihrer Stimme ausreizt. Bottomless Kiss ist eine tolle Metapher. Die gegen Ende im Hintergrund erklingenden Sirenen deuten an, dass es sich um den dramatischen Weg von den Ursachen über den Kontrollverlust bis zum Schuss und dem endgültigen Absturz handelt.

In Blended Family widmet sich Alicia Keys ihrer Lebenssituation in einer Patchworkfamilie mit Kindern aus vorangegangenen Beziehungen (des Mannes). Gefällt mir trotz des leicht kitschigen Textes sehr gut, bis die Rapeinlage von ASAP Rocky die Stimmung und die Harmonie zerschießt (fehlt unten in der Liveversion), aber so ist das bei Patchworkfamilien wohl gelegentlich. Der bisher fröhlichste Song des Albums, der wunderbar lässig mit einem schönen Akkustikgitarrenriff daherkommt.

Work on it kommt mir trotz des eingängigen Rhythmus und des Hintergrundchorus ein wenig zu kitschig und seicht daher, mit der Botschaft, Beziehungen seien schwierig und man müsse ständig daran arbeiten. Scheint auch eine Liebeserklärung an ihren Mann zu sein.

Girl Can’t be herself beginnt mit einem poppigen Refrain, der mich schon fast dazu gebracht hätte, zum nächsten Song zu springen, geht dann aber in einen starken Vers mit tollem Rhythmus über, der schon fast was von Calypso oder Reggae hat und dessen Gesang eine Tonlage tiefer liegt. Ein sehr feministisches Lied über die Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen. Doch wo ich „feministisch“ schreibe, müsste eigentlich „selbstverständlich“ stehen.

Den Gute-Laune-Song bietet dann More Than We Know über Möglichkeiten und mögliche Unmöglichkeiten, stark gesungen, wenn auch etwas zu klassisch strukturiert.

Ziemlich langweilig fand ich Where do we begin, textlich wie musikalisch.

Viel cleverer ist da Holy War über die verdrehten Ansichten der amerikanischen Gesellschaft über Waffen, Krieg und Sex. Mancher mag es naiv nennen, für mich aber ein kraftvolles Lied über das Überwinden von Grenzen und festgefahrenen Ansichten. Keys Stimme klingt hier wunderbar rau.

Hallelujah bietet kurz vor Ende des Albums noch eine kraftvolle Ballade, die für mich der perfekte Abschluss des Albums gewesen wäre. Sehr klavierlastig im Vergleich zu den meisten anderen Songs und damit näher dran, an Keys bisherigen Alben, aber trotzdem sehr stark.

Den Abschluss bildet dann das mir viel zu poppige mit einfachen Beats und Synthieklängen minimalistisch inszeniert, stimmlich sehr flach gehalten, doch textlich ganz nette In Common. If you could Love somebody like me, you must be messed up to.

In den Interviews zum Album sagte Keys, sie wolle sich nicht länger verstecken, hinter Make-Up, Outfits, geglättetem Haar oder einem konstruierten Image. Das merkt man dem Album mit seinen kritischen Texten und der klaren Sprache (wie der mehrfachen Verwendung des Worts fuck) deutlich an. Eingebettet sind die Songs in kleine Zwischenspiele, die aus Dialogfetzen bestehen und das ganze in einen narrativen Rahmen kleiden. Das Album wirkt erwachsener, selbstbewusster und zügelloser. Wobei ich mir gewünscht hätte, dass Keys noch mehr von den üblichen Popstandards in der Produktion abweichen würde. Für einen kompletten Neuanfang ist das dann doch zu wenig, bzw. in der Gesamtheit noch nicht ganz stimmig.

Beim erstmaligen Hören haben mir nur drei, vier Lieder gefallen, doch nachdem ich mich ausführlich mit allen Songs beschäftigt habe, mag ich fast alle auf die ein oder andere Weise (mit Einschränkungen). Was mich selbst überrascht, dachte ich doch, das würde eines jener Alben, die man wegen zwei tollen Liedern kauft und dann im Regal verstauben lässt.

Here ist eine starke Hommage an die moderne, starke, selbstbewusste und intelligente schwarze Frau: alleinerziehend, in Patch-Workfamilien, mit Sucht kämpfend, gegen Rassismus, überzogene Erwartungen und eine Gesellschaft, die sich über Äußerlichkeiten definiert.

Müsste ich die Thematik des Albums in einem Wort zusammenfassen, es wäre Empowerment.

Passend zum Thema gibt es zum Schluss noch einen kleinen Lesetipp: Rabbit: A Memoir von Patricia Williams, die mithilfe der Autorin Jeannine Amber aus ihrer Kindheit im Ghetto erzählt, wie sie mit dreizehn das erste Mal Mutter wird, mit fünfzehn das zweite Mal und mit sechzehn dann Crack vertickt, um die Kinder ernähren zu können. Von der Mutter, die sie zum Klauen schickt und mit einer Pistole auf sie schießt; dem Großvater, der eine illegale Bar im Wohnhaus betreibt; und den anderen Verwandten, die alle kriminell sind. Und davon, wie sie es aus diesen Verhältnissen rausgeschafft hat.

Musik, die mich in diesem Jahr inspiriert und bewegt hat

Über meine Lieblingsmusik habe ich hier ja schon mal gebloggt, ebenso über Musik, die ich gerne beim Übersetzen höre. Ob es am Alter liegt, oder am Musikmarkt? Jedenfalls kommt nur wenig neue Musik dazu. Doch in diesem Jahr habe ich so einige Musikerinnen für mich entdeckt.

Im letzten Jahr war es vor allem die Musik von ZAZ, die mich inspirierte und beflügelte. Zweimal habe ich sie live gesehen, Open Air in Köln und im Winter dann in Frankfurt:

In diesem Sommer lief bei mir vor allem die Musik der Schwedin Karin Dreijer Andersson mir ihren diversen Musikprojekten rauf und runter. Den Anfang machte das von ihr gesungene What Else Is There von Röyskoop, das mich mit seiner düster-melancholischen Atmosphäre gebannt hat (Dreijer Andersson sieht man übrigens erst später im Video in dem elisabethanischen Kostüm).

Das kenne ich zwar schon seit Erscheinen, ebenso wie Fever Ray, aber gefunkt hat es erst in diesem Jahr. Fever Ray ist das Soloprojekt von Andersson, das nach der Veröffentlichung des selbstbetitelten Debütalbum ziemlich erfolgreich wurde, die Songs liefen in diversen Filmen und das atmosphärisch dichte If I Had A Heart wurde die Titelmusik der ausgezeichneten Serie Vikings. Einer meiner Favoriten ist das ebenso stimmungsvolle Keep The Streets Empty For Me.

Es dauerte etwas, bis ich mich an Anderssons leicht knatschige Stimme gewöhnte, aber sie passt auch gut zu den originellen Songs, deren Sounddesign sie auch selbst übernimmt, und ist eine angenehme Abwechslung zu dem inzwischen üblichen Autotune-Gejaule. Das Projekt ist eine Art Gesamtkunstwerk, in dem die Künstlerin ausschließlich in aufwendigen Kostümen auftritt. Aktuell ist hier zweites Album Plunge erschienen (da bin ich noch skeptisch, wie es mir gefallen wird).

Eine Musikerin, die ihre Songs ebenfalls selbst textet und komponiert, ist die Französin Émilie Simon, die ich erst in diesem Jahr beim zappen auf TV5 Monde entdeckte. Dabei hätte ich ihre Musik aus dem Film Die Reise der Pinguine kennen können, für den sie den Soundtrack komponiert hat. Ihr Sound ist unverkennbar, eine Mischung aus Trip-Hop, Pop und Chanson, die Stimme ganz zart. Simone bietet wunderbare Klangwelten abseits von Mainstreampop. Mit Végétal hat sie ein komplettes Album über Blumen aufgenommen.

Ebenfalls aus Frankreich kommt Fishbach, die ich diesen Sommer zufällig entdeckte. Die Single Une autre que mois ist ein bisschen 80er-Jahre-Retropop, gefällt mir aber trotzdem ausgezeichnet.

Ebenso das auf arabisch gesungene Un beau langage (Ajmal Logha).

Und noch mal Frankreich. Gaëtan Roussel kannte ich bisher nur als Sänger von Louise Attaque, die ich seit meiner Zeit im Studentenwohnheim gerne höre. Sein aktuelles Projekt heißt Lady Sir, zusammen mit der Sängerin Rachida Brakni. Le temps passe ist eine schön melancholische Ballade über das (oder die?) Vergehen der Zeit.

Blue Light von Kelela ist so ein Beispiel für ein Lied, das mir eigentlich gefallen würde bei dem ich den Autotune-Sound aber nervig finde.

Viele Musikerinnen, deren Alben eher seicht auf Mainstream produziert werden, hören sich live viel besser an. Wie z. B. Alicia Keys.

Wie sieht es bei euch aus? Welche Musik hat euch dieses Jahr besonders beeindruckt und bewegt?

Meine Lieblingsmusik – My favorite music

Da es hier demnächst meine erste Besprechung eines Musikalbums geben wird, hier mal eine Liste mit der Musik, die ich gerne höre, damit ihr die Besprechung im Kontext meines Musikgeschmacks einordnen könnt. Eine Liste mit meiner liebsten Instrumentalmusik gibt es hier.

Nine Inch Nails
Pearl Jam
Radiohead
Tom Yorke


System of a Down
The Dave Matthews Band
Ben Harper (and the Innocent Criminals)
Tool
Nick Cave and the Bad Seeds


Grinderman
Die Antwoord
Björk
Sigur Ros
Faith No More
Fantomas
Mike Patton (und seine sämtlichen Projekte wie Peeping Tom, Tomahawk oder die Kollaboration mit John Zorn)
Beastie Boys


Tom Waits
The Doors
The Cure
David Bowie
ZAZ


Tori Amos
Damien Rice
The Streets
Beatles


Smashing Pumpkins (in alter Besetzung)
Rage Against the Machine
Aphex Twin
Atari Teenage Riot


Fiona Apple
Deine Lakaien
Einstürzende Neubauten
Marilyn Manson (alles bis Holywood)
Saul Williams
Beck
Eminem
Jack Johnson
Led Zeppelin
Red Hot Chilli Peppers
John Fruscianti
Coldplay (Nimm dies! Torsten Scheib 🙂 )
Travis


Simon and Garfunkel
Genesis (vor allem mit Peter Gabriel)
Peter Gabriel
Ken Ishi
KMFDM
Bright Eyes
Nirvana
Foo Fighters
Louise Attaque
Klaus Hoffman
Seu Jorge


Chico Buarque
Kaizers Orchestra
Rollins Band
Massive Attack
Prodigy
Bad Religion
Gogol Bordello


Rammstein
Wakey! Wakey!
They Might Be Giants
Tenacious D
Helge Schneider
Dresden Dolls


Johnny Cash
Frank Zappa

Wie man sieht ein breitgefächerter Musikgeschmak, mit allem, was nicht auf den computergenerierten die-Hits-der-70er-80er-und-90er-Radiosendern läuft.

The Ninja and I

Zu meinem Musikgeschmack habe ich mich hier im Blog (bis auf den Eintrag mit Instrumentalmusik, die ich zum Übersetzen höre), noch gar nicht geäußert – damit nerve ich sonst nur meine Facebookfreunde. Demnächst werde ich aber mal eine Liste oder einen Beitrag zu meiner Lieblingsmusik verfassen. Da sind fast nur Künstlerinnen und Künstler dabei, die schon vor dem Jahr 2000 Musik gemacht haben. Neuere Sachen können mich eher selten begeistern. Eine der wenigen Ausnahmen (neben ZAZ) ist Die Antwoord aus Südafrika. Ich hatte zwar schon 2009/2010 mitbekommen, dass sie sich zu einem Internetphänomen entwickelt haben, mich aber nicht weiter mit der Musik beschäftigt. Bis ich kürzlich das Chappie-Video zu Enter the Ninja sah (danke für den Hinweis, Kai!) – da war es um mich geschehen.

Der Song hat mich auf so vielen Ebenen erreicht, inzwischen bin ich von der Band total begeistert und werde demnächst anfangen, hier ihre Alben hier besprechen. Aber zunächst nur ein paar Worte zum Ninja:

Wer wie ich mit Ninja-Filme aufgewachsen ist, wird vermutlich verstehen, wie der Text diese Songs gemeint ist.

Früher, kurz nach dem Krieg (als ich noch in die Grundschule ging), da hatten wir ja nichts! 😉 Nur drei Fernsehprogramme: ARD, ZDF und SWR. Aber, wenn mir der Wettergott hold war, haben wir auch RTL mit mehr oder weniger Schnee im Bild empfangen. Und der erste Film, bei dem ich mir erinnere, ihn auf RTL gesehen zu haben, war American Fighter (American Ninja) mit Michael Dudikoff als amerikanischen Ninja. Das grieselige Bild machte es allerdings schwierig, die schwarzgekleideten Ninjas in der Nacht zu erkennen.

Jedenfalls war das der Beginn meiner Ninja-Leidenschaft. Zusammen mit meinem damaligen besten Freund habe ich an Ninjakostümen und Waffen gebastelt. Wir haben uns selbst Ninjamasken aus verschiedenen Stoffen in unterschiedlichen Farben genäht, die wir bei ihm auf dem Dachboden gefunden haben. Nunchakus wurden aus Draht und Holzstücken bebaut, ich habe mir eine Armschiene aus Pappe und Bindfaden gebastelt, auf die ich ein winzig kleines ausklappbares Taschenmesser geklebt habe (die es damals auf Kirmes zu gewinnen gab), mein Freund hat sich seinen Judoanzug schwarz gefärbt (hätte ich mit meinem nie gemacht, zu mal das Ergebnis auch eher kotzgrün aussah). Meine Eltern haben mir sogar ein Butterflymesser geschenkt und mein Kumpel hatte echte Wurfsterne. Nur die Schwerter waren aus Plastik. Dass Ninjas bezahlte Meuchelmörder waren, war uns damals natürlich nicht bewusst. Für uns waren Ninjas vor allem cool.

Mit dem Einzug des Kabelfernsehens konnten wir dann auch noch die weiteren Teile der American Fighter-Reihe sehen und ältere Jungs aus dem Freundeskreis haben obskure Ninjafilme aus Asien auf VHS besorgt.

Als ich Bücherregal meiner Mutter den Roman Der Ninja von Eric van Lustbader entdeckte, begann ich dann, nach der Lektüre, mit Kuli und kleinem Notizblock meinen eigenen ersten Ninjaroman, der glücklicherweise nie über die ersten Seiten hinausging. Als Erwachsener habe ich Der Ninja dann nochmal mit großem Vergnügen gelesen.

Meine Vorliebe für Ninjas (und japanische Kultur und Geschichte insgesamt) ist geblieben. Ich schaue mir immer noch gerne Ninja-Filme an, wobei ich zugeben muss, dass es da nur wenig gute gibt. Aber es gibt ja zahlreiche hervorragende Samurai-Filme, in denen ab und zu auch mal ein Ninja auftaucht (wie z. B. in der exzellenten und leicht durchgeknallten Okami-Reihe, auf Englisch als Lone Wolf and Cub bekannt). Als im sowieso schon grandiosen Roman Die verschwundene Welt von Nick Harkawy auch noch Ninjas auftauchten, kannte meine Begeisterung keine Grenzen.

Jetzt bin ich erwachsen, aber ein Ninja bin ich nicht geworden. Statt Ninjutsu zu lernen, habe ich mich lieber für die sanfte Kampfkunst Aikido entschieden, bei der es darum geht, den Gegner möglichst so zu überwältigen, seine Kraft und seinen Schwung so gegen ihn zu verwenden, dass er dabei nicht verletzt wird. Die Hebel sind so ausgelegt, dass er nur verletzt wird, wenn er selbst weitermacht, obwohl ihm die Schmerzen signalisieren sollten: Bis hier hin und nicht weiter. Mein letztes Training ist jetzt aber auch schon wieder 10 Jahre her, da es hier im Westewald leider kein Aikido-Dojo in der Nähe gibt.

Der Ninja war für uns ein Symbol, dass man alles schaffen kann, egal was die anderen (die Erwachsenen) einem einreden. Dass man sein Ding durchziehen soll, ganz gleich, was die anderen denken, ganz gleich, welche Hürden es zu überwinden gibt, der Ninja schafft das. Und wenn nicht, hat er es zumindest versucht.