Serien und Filme Februar 2020

Wie immer gilt, es werden nur Serien aufgeführt, die ich auch im Februar beendet habe. Von Altered Carbon habe ich die letzte Folge z. B. erst am 1. März gesehen, womit die Serie erst im nächsten Monat gelistet wird.

Serien

Bad Banks S02 7/10
Pastewka S10 8/10
Succession S01 7/10
This is Us S03 9/10
Ares 9/10

Das Maß aller Dinge in Sachen Serien und Erzählkunst ist für mich aktuell auch in der dritten Staffel noch This Is Us. Ausgerechnet eine Networkserie (NBC), die aber kunstvolles und emotionales Erzählen mit einer bodenständige (Familien-) Geschichte verbindet. Mit den Pearsons verbringe ich einfach gerne Zeit, und jetzt erfährt man auch mehr über die eingeheirateten Mitglieder und deren Familien sowie Jacks Zeit in Vietnam und seinen Bruder Nicky.

Pastewka ist nach einer schwachen neunten Staffel der gelungene Abschluss der über weite Strecken großartigen und witzigen Serie. Hat genau den richtigen Ton getroffen.

Succession ist wirklich toll geschrieben, aber zu geradlinig inszeniert. Doch was als Klischeegeschichte über eine versnobte Milliardärsfamilie beginnt, die sich um den großen familieneigenen Medienkonzern zofft, bekommt mit jeder Folge mehr Tiefgang.

Bad Banks ist ein ordentliche Fortsetzung der ersten Staffel, kommt aber in Sachen Spannung und Intensität nicht ganz an diese heran. Dafür wiederholt sich zu viel und ist manches auch zu konstruiert.

Ares dürfte eigentlich, objektiver gesehen, nur 7/10 Punkten erhalten, aber da ich alle acht (halbstündigen) Folgen am Stück durchgesehen habe (was sonst nur selten bei mir passiert), wäre das eine zu schwache Wertung. Die Serie hat bei mir genau die richtigen Knöpfe gedrückt und meine Vorlieben in Sachen Verschwörungen und Geheimgesellschaften getroffen, bekommt aber am Ende noch einen schönen Twist in Richtung niederländischer Kolonialismus-Kritik im Stile von Jordan Peele.

Filme

The Dead Don’t Die 6/10
Tiger Girl 6/10
Vox Lux 5/10
Ad Astra 7/10
If Beale Street Could Talk 8/10
Generation Wealth 7/10
Days of Beeing Wild 7/10
Hotel Mumbai 8/10
Die Erfindung der Wahrheit 8/10
Sweethearts 6/10
The Sun Is Also A Star 9/10
Ready Or Not 6/10
The Public 7/10
The Guard 7/10
Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers 5/10

Meine Filmauswahl ist in diesem Monat deutlich durchwachsener ausgefallen, da waren einige Enttäuschungen wie Jim Jarmuschs Zombikomödie The Dead Dont’t Die, oder Vox Lux mit Natalie Portman, der sehr merkwürdig inszeniert ist. Absolutes Highlight war für mich:

The Sun Is Also A Star, ein mitreißendes Drama über zwei Jugendliche, die sich in New York kennen und lieben lernen, denen aber nur ein Tag zusammen verbleibt. Toll gefilmt. So schön sieht man New York selten. Durchaus kitschig, aber manchmal sollte man sich die Zeit zum Träumen einfach nehmen.

Hotel Mumbai ist sehr mitreißend und schockierend inszeniert, bringt einem die Schrecken eines solchen Terroranschlags unmittelbar näher, ohne sich an der Gewalt zu weiden.

Die Erfindung der Wahrheit überzeugt vor allem durch Jessica Chastain und den Twist am Ende, der alles zuvorgesehene deutlich aufwertet.

Und If Beale Street Could Talk ist eine berührende und elegante Geschichte über Liebe, Rassismus und Ungerechtigkeit nach einem Roman von James Baldwin.

Filme, Serien und Bücher im Januar 2020

Gelistet wird nur, was ich im Monat auch beendet habe.

Filme

The Man from U.N.C.L.E. 7/10
Close 6/10
Der geheime Roman des Monsieur Pick 8/10
Tigermilch 8/10
Good Time 6/10
Videodrome 7/10
The Pelican Brief 8/10
Taxi Driver 9/10
Event Horizon 8/10
1917 9/10
Chungking Express 9/10
Widows 7/10
Happy Deathday 2U 6/10
Miss Americana 6/10
Uncut Gems 9/10

Das Kinohighlight des Monats war natürlich 1917 mit seinen atemberaubenden Bildern aus den Schützengräben des 1. Weltkriegs, gefilmt, fast wie in einer Einstellung – beeindruckend.

Ansonsten ist das Kleinod der Januars Uncut Gems auf Netflix mit Adam Sandler als Diamantenhändler, der sich durch seine Wettsucht immer tiefer in die Scheiße reitet. Neben dem großartigen Sandler und den eleganten und atmosphärisch dichten Bildern auch eine faszinierende Analogie auf die Finanzmärkte.

Tigermilch ist ein bewegendes deutsches Coming-of-Age-Drama um zwei junge Freundinnen.

Daneben gab es noch einige Rewatches, zum Beispiel von Wong Kar-Wais Chungking Express mit hypnotisch schönen Bildern von Kameramann Christopher Doyle. Videodrome gefällt mir aufgrund des schmuddeligen 80er-Jahre-VHS-Flairs. Und Thriller wie The Pelican Brief (Die Akte) wurden nur in den 90ern gedreht.

Miss Americana ist eine Doku über Taylor Swift, die durchaus eine interessante Frau und Musikerin ist. Sehr intelligent und mit einer guten politischen Einstellung. Der Film wirkt aber eher wie ein langer PR-Clip, in dem fast nur Swift selbst zu Wort kommt.

Serien

Dracula 5/10
Hip Hop Evolution S04 7/10
Ray Donovan S02 7/10
Virgin River 6/10
Sex Education S02 8/10

Dracula hat mir in der ersten Folge ganz gut gefallen, stimmig und mit dichter Atmosphäre vor imposanter Kulisse und mit einem ausgezeichneten Dracula inszeniert. Auch wenn es am Ende bei den Nonnen doch etwas zu viel des Guten ist, und die Autoren, wie schon im Finale von Sherlock, kein Maß für ihre Selbstverliebtheit finden. In Folge zwei auf dem Schiff wird es aber langweilig, da ein Locked-In-Murder-Mystery-Fall nur funktioniert – anders als z. B. Columbo –, wenn man den Täter nicht schon kennt. Hier reiht sich ein dröger Mord an den nächsten. Der Twist am Ende ist aber toll. Nur leider machen sie nichts daraus, sondern verlieren sich in Folge drei in Albernheiten und einer konfusen Story ohne roten Faden und Spannung. Durch diese Episode musste ich mich quälen und Claes Bang, den ich in Folge 1 noch so toll fand, ging mir nur noch auf die Nerven.

Das Highlight ist natürlich Sex Education, das in der zweiten Staffel das hohe Niveau halten kann, trotz gelegentliche Albernheiten nie seine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik aus den Augen verliert.

Bücher

Sally Rooney – Conversations with Friends 8/10
Dennis Wheatley – They Found Atlantis 7/10
Richard Paul Russo – Ship of Fools 7/10
Ferdinand von Schirach – Strafe 6/10
Ben Nevis – Die drei Fragezeichen: Der dunkle Wächter 5/10
Christopher Huang – Tod eines Gentleman 7/10

Das beste Buch auf dieser Liste ist Sally Rooneys Conversations With Friends, über eine interessante Vierecksbeziehung zwischen vier jungen IrInnen. Scharfsinnig beobachtet und gut beschrieben.

Ship of Fools ist besser geschrieben als erwartet, gar nicht der plumpe B-Movie-Horror, sondern viel reflektierender in Sachen Theologie und menschlicher Natur, wenn auch etwas unbefriedigend im finalen Akt. Keine Ahnung, warum das nie auf Deutsch erschienen ist. Vielleicht haben sich die Vorgängerbücher von Russo in der Übersetzung nicht so gut verkauft?

Dokutipp: »A Week in Watts«

Die Dokumentation A Week in Watts zeigt, wie engagierte Community Work von Polizisten des LAPD in sozialen Brennpukten die Kriminalität senkt und vielversprechenden Kindern neue Perspektiven ermöglicht.

Das LAPD gilt als das korrupteste und brutalste Police Department in den USA, die sozialen Brennpunkte in Vierteln wie Inglewood, Compton und Watts als die gefährlichsten und kriminellsten Wohnviertel des Landes. Dort wo sich Gangs wie die Bloods und Grips per Drive-By-Shooting bekämpfen, Kinder das Haus nicht verlassen können, aus Angst vor Querschlägern; wo Drogen die Straßen fluten; wo Angst vor der und Hass auf die Polizei herrscht;  wo man Angst hat, als Afroamerikaner erschossen zu werden, nur weil man schwarz ist.

Wie kann in solchen Verhältnissen noch ein Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Polizei entstehen, deren Aufgabe to Protect and Serve ist? Ganz einfach, indem sich die Polizei darauf besinnt, dass sie auch aus Bürgern besteht, die in diesen Vierteln aufgewachsen sind und wohnen. Dass sie keine Gefängniswächter sind, sondern dem Wohle der Bevölkerung dienen und mit den Bürgern zusammen an einer besseren Zukunft arbeiten.

Das Projekt Operation Progress ist auf privater Initiative von Polizisten entstanden, die es nicht in Ordnung fanden, dass so viel Geld in die Rehabilitation von Straftätern fließt, während die einfachen und gesetzestreuen Menschen, die in diesen von Kriminalität und Gewalt gebeutelten Vierteln leben, vergessen werden und auf der Strecke bleiben.

Deshalb haben (inzwischen um die 30) Beamte des Los Angeles Police Department damit begonnen, vielversprechende Schülerinnen und Schüler aus Watts als Mentoren zu betreuen. Sie haben dafür gesorgt, dass sie auf bessere Schulen kommen, ein Leben jenseits des Ghettos kennenlernen, motivierende Freizeitaktivitäten verfolgen und eine Perspektive erhalten.

Diese Polizisten treten nicht mehr als Aggresssoren auf, sondern als Teil der Gemeinschaft und leisten vielversprechende Community Work, also Stadtteilarbeit. Durch die Arbeit mit den Kindern ist es ihnen gelungen, ein Vertrauensverhältnis zu vielen Bewohnern aufzubauen, die sonst immer einen großen Bogen um die Polizei gemacht haben.

Und die Arbeit zeigt Wirkung. Die Mordrate ist drastisch gesunken, die Kriminalität deutlich zurückgegangen. Jene Kinder, die an dem Programm teilnehmen, schaffen einen guten Schulabschluss und gehen aufs College.

Aus Fernsehserien kennt man amerikanische Polizisten meist als coole Säue, korrupte Gewalttäter oder resignierte Zyniker, aber die Leidenschaft und Begeisterung, mit denen diese Beamten (vom einfachen Officer bis zum Lieutenant) »ihren« Kindern sprechen, zeigt ein anderes Bild und wirkt sehr ansteckend.

Hier wird ein anderes Amerika gezeigt, als man es meist im Fernsehen und anderen Medien zu sehen bekommt, zwar von Gewalt gezeichnet, aber mit viel Hoffnung und Optimismus einen pragmatischen Weg aus der Krise aufzeigend, indem man alte Vorurteile über den Haufen wirft und in neuen Bahnen denkt.

Die Dokumentation von Gregory Caruso aus dem Jahr 2017 ist bei uns auf Netflix zu sehen.

Filmtipp: Loving

USA 1958: Mildred und Richard Loving sind Verbrecher, denn sie lieben sich. Und setzen sogar noch eins drauf, indem sie in Washington heiraten. Doch nach der Rückkehr in ihren Heimatstaat Virginia werden sie verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Eine Strafe, die auf Bewährung ausgesetzt wird, wenn sich beide schuldig bekennen und den Staat verlassen – für 25 Jahre! Schweren Herzens lassen sie ihre Familien, ihre Freunde und ihre Heimat zurück und ziehen nach Washington, wo sie drei Kinder aufziehen. Doch als eines davon von einem Auto angefahren wird, reicht es Mildred. Sie will zurück nach Hause.

Ach ja, Mildred ist schwarz, Richard weiß.

Da Mildred von Ruth Neega gespielt wird, habe ich ständig damit gerechnet, dass sie irgendwann die Shotgun auspackt und den Scheißrassisten den Schädel Preacher-Style wegpustet. Macht sie aber nicht. Sie tut etwas viel Mächtigeres: sie schreibt einen Brief. Und zwar an den  Attorney General (Bundesstaatsanwalt) Robert Kennedy, der ihr zwar nicht direkt weiterhelfen kann, den Brief aber and den Bürgerrechtsanwalt Bernard Cohen von der ACLU (American Civil Liberties Union) weiterreicht. Und so klagen sie sich von Instanz zu Instanz, bis der Fall vor dem Supreme Court landet und Geschichte schreiben wird.

Loving ist ein ruhiges Drama, das die wahre Geschichte dieser Familie äußerst realistisch erzählt, ganz ohne verdichtete Hollywooddramarturgie, wie es z. B. bei Hidden Figures der Fall ist, ohne dramatisch und brutal inszenierte Polizeigewalt wie in Selma. Man könnte das als langweilig empfinden, doch ich fand den Film trotzdem super spannend. Wie Mildred und Richard nach der Verurteilung heimlich nach Virginia zurückkehren, damit sie ihr erstes Kind im Kreis der geliebten Familie zur Welt bringen kann, wie sie später heimlich auf eine Farm ziehen, unter der ständigen Bedrohung, wieder verhaftet zu werden, das wird von den beiden HauptdarstellerInnen Ruth Neega und Joel Edgerton mit zurückhaltender Mimik und ruhigem Spiel eindrucksvoll rübergebracht.

Edgerton gibt das etwas schlichte und schüchterne, aber doch mutige und starke Landei mehr als überzeugend und Neega die zunächst völlig verängstigte und verletzliche junge Frau, die angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeit über sich hinaus wächst und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles für ihre Familie tut. Das sind einfach Menschen, die gar nicht so recht verstehen, was die beiden Anwälte ihnen da aufschwatzen, aber am Ende – nach 9 Jahren! – sind sie erfolgreich.

Es ist dem Film von Autor und Regisseur Jeff Nichols hoch anzurechnen, dass er ganz ohne körperliche Gewalt auskommt, hier treten kein Ku-Klux-Klan oder ein Lynchmob auf, der Rassismus beschränkt sich auf wenige Worte (durch den übereifrigen Sheriff), die Anwendung eines grausamen, ungerechten Gesetzes und einige Blicke.

Ein leiser Film über den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Rassismus, der vom subtilen Spiel einer beiden HauptdarstellerInnen und der fast schon naturalistischen Inszenierung lebt. Es dreht sich alles um den Alltag dieser beiden herzensguten Menschen und die Frage, was denn so schlimm daran sein soll, dass sie zusammenleben?

Kurzkritiken zu Filmen (November 2017)

Lion

Rührstück über einen kleinen indischen Jungen, der im falschen Zug einschläft und seine Mutter erst 25 Jahre später wiedersieht. Vor allem der erste Teil über die Odyssee des Kleinen ist eindrucksvoll geworden, im zweiten Teil bei der Suche des erwachsenen Saroo – der von einer australischen Familie adoptiert wurde – nach seiner Heimat, drückt die Inszenierung ein wenig zu offensichtlich auf die emotionalen Knöpfe des Zuschauers – unter anderem durch den Einsatz des Klavierspiels von Hauschka. Trotzdem ein toller Film.

I, Daniel Blake

Großartiges Sozialdrama über die Perversität und Unmenschlichkeit unserer Sozialsysteme und Behörden. Könnte auch in Deutschland spielen. Mit einer grundsympathischen Hauptfigur; Ken Loach in Höchstform.

Paterson

Über einen dichtenden Busfahrer namens Paterson, der in der Stadt Paterson wohnt. Jener Stadt, die einst den berühmten amerikanischen Kinderarzt und Poeten William Carlos Willams beherbergte, der seiner Frau so ein wunderbares Gedicht schrieb, als er ihr die Pflaumen wegaß. Im Prinzip passiert nicht viel in dem Film, und genau das ist Jim Jarmuschs Stärke, die Banalität und Schönheit des Alltags hat er hier wunderbar lyrisch festgehalten.

Just la Fin du Monde (Einfach das Ende der Welt)

Ausgezeichnetes und hochkarätig besetztes Familiendrama von Xavier Dolan über die Unfähigkeit von Familien, sich die wirklich wichtigen Dinge zu sagen. Spielt an einem Nachmittag, und wirkt doch trotz seiner Kammerspielartigkeit (basiert auf einem Theaterstück) episch.

Manchester by the Sea

Bewegendes Familiendrama mit tollen Darstellern, dessen Tragik sich sehr subtil während der ruhigen Inszenierung entfaltet.

Nocturnal Animals

Geschickt inszeniertes Beziehungsdrama, dessen Fiesheit sich erst ganz zum Schluss erschließt. Allerdings auch sehr sperrig und wenig zugänglich.

The Witch

Sehr eigenwilliges Gruseldrama in puritanisch karger Kulisse der ersten europäischen Kolonisten in Nordamerika, das gängige Sehgewohnheiten unterläuft.

The Wicker Man

Ungewöhnlicher Horrorthriller vor märchenhafter Kulisse mit ganz toller Musik und einer schrägen aber wirksamen Dramaturgie. Habe die kürzere Kinofassung gesehen. Das Original natürlich, nicht das Remake mit Nicholas Cage.

Auch gesehen habe ich die routinierten und unterhaltsamen Actionthriller John Wick 2 und Jack Reacher 2.

Ins Kino komme ich leider kaum noch (zuletzt Dunkirk im August). Bei mir in der Nähe läuft leider nur der übliche Blockbuster-Mainstreamkram. Und auch alles nur in deutscher Synchro. Nix für mich.

Kurzkritiken: Film

Hier mal ein paar Kurzkritiken zu Filmen, die ich in den letzten Monaten gesehen habe. Im Schnitt sehe ich mir vielleicht zwei Filme pro Woche an, ins Kino gehe ich nur sehr selten, weil hier bei mir in der Nähe kaum Film in der Originalfassung laufen. Am liebsten schaue ich mir kleine, ruhige Filmperlen mit berührenden Geschichten und große Dramen an (also alles, was inzwischen kaum noch im Kino läuft). Gelegentlich auch mal prollige Blockbuster und Actionfilme (wobei mir der ganze schematische Superheldenkram langsam zum Hals raushängt, genauso wie Star Wars und alle anderen Franchisesachen; aber wenn sie auf Sky laufen, sehe ich sie mir manchmal an.

Brooklyn – kein Film hat mich in den letzten Monaten so berührt und beeindruckt, wie dieses sanfte Einwanderer/Familiendrama aus der Feder von Nick Hornby nach dem Roman von Colm Tóibín. Trotz eines Todesfalls erzählt der Film so wunderbar unaufgeregt von der jungen Irin Eilis Lacey (gespielt von der fantastischen Saoirse Ronan), die in den 1950ern in die USA einwandert, um dort ihr Glück zu versuchen, dass es eine helle Freude ist. Solche Filme werden in den heutigen Bombast-Blockbuster-Comic-Superhelden-Sci-Fic-Monsterflic-Kinozeiten kaum noch gedreht.

Das brandneue Testament (Le tout nouveau Testament) – respektloser und urkomischer Film von Jaco Van Dormael (Nobody) über den in Brüssel vor sich hinlebenden, misanthropischen Gott, dessen einzige Freude es ist, den Menschen mit kleinen Gemeinheiten den Alltag zu vermasseln; und seine Tochter, die davon genug hat, ausbüchst und ihre eigenen zwölf Apostel sucht, die alle ihre ganz eigenen berührenden Geschichten zu erzählen haben. Der Film ist noch besser, als der Trailer vermuten lässt.

Toni Erdmann – die ersten 15 Minuten dachte ich, Helge Schneider für Arme (und Beine), aber dann wurde es richtig gut. Ein sehr skurriler und tragikkomischer Film mit einer wunderbaren Darstellung von Sandra Hüller und Peter Simonischek. Das wird Jack Nicholson im völlig überflüssigen Remake mit seiner Grinsenummer nie so gut hinbekommen.

Me, Earl und the Dying Girl – meisterhafter Jugendfilm, der sich vor den besten Werken John Hughes‘ nicht verstecken muss. Tieftraurig, sehr berührend, aber auch unglaublich komisch. Grandios erzählt.

Zwei Tage, eine Nacht (Deux jours, une nuit) – kleiner aber feiner Film von Jean-Pierre und Luc Dardenne über eine junge Mutter (großartig gespielt von Marion Cotillard), die eben zwei Tage und eine Nacht Zeit hat, ihre Kollegen davon zu überzeugen, auf einen Bonus zu verzichten, damit sie ihre Stelle behalten kann.

Frühstück bei Monsieur Henri (L‘ étudiante et Monsieur Henri) – eine dieser typischen französischen Wohlfühlkomödien, die einfach gute Laune verbreiten, aber verschroben genug sind, um nicht zu kitschig zu werden. Mit einer tollen jungen Hauptdarstellerin (Noémie Schmidt) und einem glänzend aufgelegten Claude Brasseur.

Before We Go – recht einfallloser Abklatsch von Before Sunrise, der nur durch den Charme der Hauptdarstellerin gerettet wird, aber eigentlich recht unmotiviert vor sich hinplätschert. Habe ich aber trotzdem ganz gerne gesehen, da ich für solche kitschigen Romanzen recht anfällig bin.

Kong: Skull Island: unterhaltsamer Monsterabenteuerbombastblockbuster ;), der aber richtig Spaß macht. Ich liebe solche Geschichten über noch unentdeckte Regionen, wie in Arthur Conan Doyles Die verlorene Welt, wo sich eine ganz eigene gefährliche Fauna entwickelt hat. Dabei konnte mich King Kong bisher wenig begeistern.

Ghost in the Shell – habe ich erstmals 1996 im Alter von 16 Jahren gesehen. Ein paar Jahre zuvor hatte mich Akira förmlich umgehauen und zum lebenslangen Animefan gemacht. Doch Ghost in the Shell fand ich damals langweilig. Allerdings traue ich meinem 16-jährigen Ich in Geschmacksfragen nur bedingt, gehörten doch damals Filme wie Urutsokidoji 1 u. 2 oder Fist of the North Star zu meinen Lieblingsanimes (heute kann ich sie mir nicht mehr ansehen). Die Neusichtung des Kultklassikers von 1996 zeigt, dass ich mit meinem Misstrauen gegenüber meines jugendlichen Urteilsvermögen richtig lag, damals wusste ich die ruhige aber atmosphärisch dichte Inszenierung, die wunderbaren Bilder und die philosophischen Betrachtungen einfach nicht zu schätzen.

Garden of Words – wunderbarer, kurzer Film von Makoto Shinkai (The Place Promised In Our Early Days) über eine Schüler und eine junge Frau, die eine zarte Freundschaft entwickeln, weil sie sich immer wenn es regenet in einer Pagode im Park treffen.

Southpaw – ganz nette Boxergeschichte, mit tragischen Wendungen und zwei guten Hauptdarstellern, durchaus mit den üblichen Klischees, dafür aber mit spektakulär inszenierten Kämpfen.

Bone Tomahawk – knallharter Horrorwestern, der trotzdem recht langsam inszeniert ist, hätte ruhig 20 Minuten kürzer sein können, ist aber trotzdem sehenswert – Kurt Russel in Topform.

Carol – Beziehungs- und Familiendrama nach einem autobiografischen Roman von Patricia Highsmith, den sie seinerzeit aufgrund der lesbischen Thematik unter Pseudonym veröffentlicht hatte. Mit zwei ganz wunderbaren Hauptdarstellerinnen.

Kill Your Friends – nicht so clever, wie er gerne wäre, und viel zu zahm inszeniert, um wirklich so zynisch und böse zu sein, wie er tut. Durchaus sehenswert, mit tollem Soundtrack, aber das gewisse Etwas fehlt. Nach dem Roman von John Niven, in der Musikbranche der 80er Jahre. Cooler Auftritt von Moritz Bleibtreu.

Mistress America – ein typischer Baumbach/Gerwig-Film, mit der bezaubernden Lola Kirke (aus Mozart in the Jungle), witzig, leicht tragisch, leicht schräg, aber doch ganz harmlos.

Lights Out – Effektiver Grusler, der das Beste aus der Thematik rausholt und mit seiner kurzen Laufzeit wunderbar kompakt daherkommt.

Green Room – Punkband landet in Nazikaschemme, sieht, was sie nicht sehen soll und muss bald um ihr Leben kämpfen. Mit Patrick Stewart als Obernazi, eigentlich ganz stimmungsvoll, mir persönlich aber etwas zu statisch inszeniert.

Backtrack – Atmosphärisch dichter und psychologisch ausgefeilter ruhiger australischer Grusler mit Adrian Brody. Hat mir gut gefallen.

The Dressmaker – dachte, es würde sich um ein ruhiges Familiendrama mit Homecoming handeln, stattdessen bekam ich eine bitterböse und tiefschwarze Satire mit Kate Winslet und viel skurrilen Figuren.

Don’t Breath – spannender Einbruch-geht-schief-mit-böser-Überraschung-Thriller mit einem sehr präsenten Stephen Lang und ein paar netten Twists. Handwerklich hervorragend inszeniert.

Dope – ausgezeichnete Mischung aus Gangsterthriller und Coming-of-Age-Drama.

Burnt – ganz nettes Drama mit Bradley Cooper als Ex-Junkie-Sternekoch, der einen Neuanfang versucht, dabei aber so kotzbrockig rüberkommt, dass ich so meine Schwierigkeiten mit dem Film hatte.

Lo and Behold – herausragende Doku von Werner Herzog über die Entstehung und Entwicklung des Internets – denn Herzog stellt immer die richtigen Fragen, die man in keiner anderen Doku hört.

The Nice Guys – arschcooler Retrothriller von Shane Black, in dem die junge Hauptdarstellerin Angourie Rice Russel Crow und Ryan Gosling locker die Show stiehlt.

The Neon Demon – unglaublich stylisch inszenierter Albtraum in der Modelszene von L.A. mit der für Nicolas Winding Refn typischen Brutalität. War mir aber zu glatt und zynisch.

Baskin – knallhart und sehr stilsicher inszenierter türkischer Horrorfilm.

Der kleine Nick (Le Petit Nicolas) – wunderbare Umsetzung des berühmten Kinderbuchs, mit ganz tollen jungen Darstellern und einigen sehr witzigen Episoden.

Stuck in Love – sehr unterhaltsam inszenierter Beziehungsfilm aus der klassischen amerikanischen Mittelschicht, mit ausgezeichneten Darstellern, Figuren mit Tiefe und einer anrührenden Geschichte

Infinitely Polar Bear – sehr intensiv gefilmtes Beziehungsdrama um einen Vater mit bi-polarer Persönlichkeitsstörung, mit einem herausragenden Mark Ruffalo. Wunderbare kleine Filmperle.

Anomalisa – schwermütiger Animationsfilm von Charlie Kaufmann, schon fast frustrierend melancholisch inszeniert, aber sehr sehenswert.

X-Men: Apocalypse – hat ein paar nette Momente ist aber ansonsten das übliche Guter-Magneto-Böser-Magneto-Spiel, nur viel plumper inszeniert als in den letzten beiden Filmen.

Batman vs. Superman – der hat keine netten Momente. Trotz des scheinheiligen Deckmantels der kritischen Reflexion über die Zerstörungsorgie in Man of Steel, geht es dem Film dann doch nur darum, eine noch apokalyptischere Zerstörungsorgie abzufeiern. Schlecht geschrieben, aalglatt wie Supermans Frisur, völlig humorlos und ohne Seele.

Captain America: Civil War – tut ähnlich wie Batman vs. Superman so, als würde er kritisch über die Zerstörungsorgien in Avengers 2 reflektieren, am Ende geht es aber doch nur um weitere Kloppereien – dieses Mal halt zwischen den Avengers. Ist aber viel humorvoller und stimmiger inszeniert als das DC-Pendant. Hat mich aber trotzdem gelangweilt, da alle Marvel-Filme im Prinzip nach dem gleichen Schema ablaufen.

World of Warcraft – ziemlicher Murks. Ich bin zwar großer Fantasyfan, und teilweise sieht der Film auch ganz schick aus, aber die Story ist zusammengepanschter Klischeepunsch. Keine Ahnung, ob der Leuten besser gefällt, die das Onlinerollenspiel zocken?

Drei Filmempfehlungen aus Fernost

Netflix, Amazon Prime und Sky, das sind meine primären Filmquellen, doch da sie bis auf einige schöne Ausnahmen hauptsächlich westliches Mainstreamkino anbieten, stellen sie keinen Ersatz für die Videothek von früher dar, die stets gut mit asiatischen Filmen bestückt war. Dann muss ich mir die Filme halt kaufen, und da es einige, wie The Wailing noch gar nicht bei uns gibt, und andere wie The Yellow Sea nur stark gekürzt, habe ich sie mir in England bestellt, solange das noch günstig geht.

The Assassin

Arthouse-Wuxia-Drama aus Taiwan, bei dem sich die Kampfszenen (die ganz ordentlich inszeniert sind) allerdings in Grenzen halten. Die meiste Zeit sitz man vor dem Fernseher und sieht anderen Menschen dabei zu, wie sie sitzen und anderen Menschen beim Sitzen zusehen. Manchmal starren sie auch bedeutungsschwanger ins Leere, und gelegentlich müssen sie auch stehen, wenn sie Bedienstete sind. Hauptsächlich sind es relativ jung und hübsch aussehende Menschen, die sich irgendwie gegenseitig umbringen wollen, oder auch nicht. Hinter allem steckt ein alter Zausel, dessen angeklebte Weißbartmaske direkt aus dem Fundus der Shaw-Brother zu stammen scheint. Eigentlich ganz schön gefilmt, wenn auch in komischem Format (zumindest auf meiner DVD), aber ich fand ihn stinklangweilig. Dabei mag ich eigentlich ruhig inszenierte Arthousfilme, selbst Tsai Ming-liangs (Rebellen im Neonlicht) Der Fluss fand ich spannend. Kollege Naujoks hingegen hat der Film, den er durchaus als sehr seltsam bezeichnet, gut gefallen. Für Leute, denen Ashes of Time und The Grandmaster zu flott inszeniert sind.

The Yellow Sea

Koreanisches Thrillerdrama um einen chinesischen Koreaner (in China gibt es wohl eine Exilgemeinde), der. durch Spielschulden gezwungen nach Korea reist, um dort einen Mordauftrag auszuführen und seine Frau zu suchen. Da es sich um keinen professionellen Killer handelt, gerät die Situation, trotz seines relativ akribischen Vorgehens, bald außer Kontrolle, und er wird nicht nur von der Polizei gejagt, sondern auch von zwei unterschiedlichen Gangsterfraktionen, die sich auch gegenseitig bekämpfen. Atmosphärisch dichter, stets im Schummerlicht und ärmlicher Kulisse gefilmter Thriller, der so ganz anders daherkommt, als die üblichen Hochglanzthriller aus Korea (auch anders als The Chaser vom gleichen Regisseur). Es gibt übrigens keine Schießereien (außer einmal die depperten Provinzpolizisten, die sich gegenseitig erschießen), die Gangster bekämpfen sich alle mit Äxten und Messern, was stellenweise zu ziemlich brutalen und schmutzigen Kämpfen ganz ohne Kampfkunstchoreographie führt. Ich würde den Film trotz aller Gewalt als relativ bodenständig bezeichnen, auch wenn es einige Verfolgungsjagden gibt, gefilmt in der Ästhetik eines Sozialdramas.

The Wailing

Horrorfilm, der ebenso wie The Yellow Sea von Na Hong-jin ist, in dem es ein trotteliger Dorfpolizist mit unheimlichen und schrecklichen Vorgängen zu tun bekommt, die zu einer ganzen Reihe brutaler Morde führt. Neben der Serienkillerthematik auch ein Exorzismus- und Familiendrama, wunderschön und durchaus mit Humor gefilmt. Aber auch knallhart. Hat mir von allen vier Filmen hier am besten gefallen.

The World of Kanako

»Der Film wird dich fertig machen«, schrieb mir Wortvogel Torsten Dewi auf Facebook (hier seine ausgezeichnete Filmbesprechung). Ein abgehalfterter, gewalttätiger Ex-Cop begibt sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Tochter und folgt dabei einer kleinen, verdorbenen Alice in die Abgründe des Wunderlands. Bildgewaltig und bildgewalttätig inszeniert dieser Film die Abgründe der japanischen Gesellschaft von Schulmobbing über Misshandlung in der Familie bis zu Kinderprostitution in hypnotisch zuckenden Bildern, die nie stillhalten und immer wieder in absurden Gewaltspitzen gipfeln. Der Film macht einen fertig.

Kleiner Filmtipp (Underdogs): Dawg Fight

Dawg Fight ist eine Dokumentation über Hinterhofkämpfe im zu Dade County gehörenden Viertel West Perrine in Florida. Ein Viertel, in dem große Armut herrscht und 73 Prozent der Bewohner Afroamerikaner sind. Und für diese Bewohner organisiert der MMA(Mixed-Martial-Arts)-Kämpfer Dada 5000 illegale Hinterhofkämpfe zwischen mal mehr, mal weniger durchtrainierten Männern aus dem Viertel. Es gibt einen improvisierten Ring, Dada als Ringrichter und nur wenige Regeln. Gekämpft wird »bare-knuckled«, also ohne Handschuhe. Dabei geht es ganz schön brutal zur Sache und kommt immer wieder zu ernsthaften Verletzungen. Der Begriff »backyard-brawl« passt wohl am besten, da es sich oft um wilde Raufereien unprofessioneller Kämpfer handelt. Die Untrainierten verletzen sich an der Hand, weil sie nicht wissen, wie man richtig zuschlägt, oder sie erleiden heftige Kopfverletzungen, da eben ohne Handschuhe gekämpft wird.

Dada versteht die Organisation dieser Kämpfe als »community work«, also praktisch als Sozialarbeit in seinem Viertel. Er gebe den Kämpfern einen Grund auf Hoffnung, ein Ziel, etwas, woran sie glauben können. Der Traum: als professioneller MMA-Kämpfer Geld verdienen. Und einige schaffen das tatsächlich. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass ich (obwohl Kampfsportfan) kein großer Fan von MMA-Kämpfen bin, diese aber für weniger gefährlich halte, was schwere Verletzungen angeht, als Boxen, was von einigen Studien auch bestätigt wird. Auch wenn es nicht so aussieht, sind die Handschuhe beim MMA besser gepolstert als beim Boxen, und da häufig Hebel und Klammergriffe angewendet werden, gibt es nicht so viele direkte Treffer auf den Kopf. Auch wenn es brutaler aussieht, als beim Boxen.

Aber was da auf den Hinterhöfen stattfindet, ist brutal, illegal und unsicher. Es gibt keinen Ringarzt, und wenn jemand dabei stirbt, kommt auch der Veranstalter wegen Mordes ins Gefängnis. Wer eine Karriere als professioneller MMA-Kämpfer machen will, darf sich nicht bei solchen Hinterhofkämpfen erwischen lassen, da er sonst seine Lizenz verliert.

Ich hätte mir von dem Film gewünscht, dass er etwas mehr auf die Biografien und Lebensumstände der einzelnen Kämpfer eingeht. Stattdessen wird viel Zeit auf eine martialische und (dank der Musikuntermalung) pompöse Inszenierung der Kämpfe gelegt. Dada meint, auf diese Art könnten diese jungen Männer ihre Aggressionen und ihren Ärger in den Ring tragen und dort loswerden. Eine aggressive Stimmung herrscht auch beim Publikum, wenn da ältere Damen und kleine Kinder blutdürstig danach rufen, dass ihr Favorit seinen Gegner alle machen solle.

Die Polizei lässt die Kämpfe übrigens laufen, da es, wenn Dada wieder was organisiert, weniger Ärger auf der Straße gebe. Das war zumindest 2009 so, als der Film gedreht wurde, inzwischen soll sich das geändert haben, wie Regisseur Billy Corbern in einem sehr interessanten Interview auf Rollingstone.com erzählt. Der Film hat auch sehr lange keinen Verleih gefunden, bis sich Netflix in diesem Jahr erbarmt hat.

Trotz der teils martialischen Inszenierung und der grafisch stilisierten Gewalt, liefert der Film einen interessanten Einblick in eine Parallelwelt am Rande der Gesellschaft, in der Menschen, die teils auf der Strecke geblieben sind, ihre Hoffnung in eine gefährliche Tätigkeit stecken.

Einer der Kämpfer (der Publikumsliebling) wurde zur Zeit der Dreharbeiten übrigens erschossen, was aber nichts mit den Kämpfen zu tun hatte. Ein weiterer starb kurz nach den Dreharbeiten während einer Verhaftung, als die Polizei mit Pfefferspray und Tasern gegen ihn vorging.

Fantasy-Filmfest-Retrospektive: 2010

Anlässlich des aktuelle Fantasy Filmfest starte ich hier mal eine Retrospektive und veröffentliche meine Kurzkritiken aus vergangenen Jahrgängen. Da die meisten noch aus Zeiten stammen, bevor ich einen Blog angefangen habe, stammen sie hauptsächlich aus dem Forum von SF-Fan.de. Den Anfang macht der ausgezeichnete Jahrgang 2010. Hier auch der Link zum entsprechenden Forenthread. Gerade in diesem Jahr gab es dort auch eine lebhafte und sehr interessante Diskussion über die Filme.

Genauere Informationen zu den Filmen gibt es im FantasyFilmfest-Archiv.

Mir ist aufgefallen, dass die Kritiken der letzten Jahre deutlich unterhaltsamer und besser ausgefallen sind, als meine Besprechungen aus diesem Jahr. Liegt vermutlich daran, dass ich sie in den vergangenen Jahren gleich in der Nacht nach Sichtung der Filme oder direkt am nächsten Tag geschrieben habe, als die Eindrücke noch frisch waren. Dieses Jahr (2015) habe ich erst alle 16 Filme gesehen, bevor ich die Kritiken dann, zurück in der Heimat, runtergeschrieben habe.

Wer wissen will, wie sich ein langjähriger Besuch des Fantasy Filmfest auswirken kann, sollte die Kritik zu The Ape weiter unten lesen. 😉

Ich wohne dieses Jahr zum ersten Mal direkt in einer Festivalstadt (Berlin). Bisher musste ich immer eine Stunde mit dem Auto nach Köln oder Frankfurt fahren. Da hat vor allem die Rückfahrt nach der »Midnight Madness« keinen Spaß mehr gemacht. Leider habe ich es versäumt, mir rechtzeitig eine Dauerkarte zu kaufen. Mal sehen ob ich meinen eigenen Rekord von 21 Filmen brechen werde. Die meisten Filme sind inzwischen online, aber ich werde mir die Auswahl erst anschauen, wenn alle dabei sind. Auf den Streifen mit dem psychopathischen Autoreifen bin ich aber schon gespannt. 😀

Tag 1

Bevor es mit dem FFF losging, habe ich mich mit Inception auf das Festival eingestimmt. Ich bezweifle, dass ein Festivalbeitrag an dieses herausragende Kinoerlebnis heranreichen wird, aber egal, es wird sicher genug Spaß dabei sein.

The Pack oder was Hans Maulwurf in Frankreich treibt.

Auf meiner Liste mit 20 Filmen, die ich interessant finde, steht The Pack an letzter Stelle, und auch nur, weil es der Eröffnungsfilm ist, sonst wäre ich nie reingegangen. Trailer und Programmbeschreibung waren einfach zu lahm und entsprechen leider vollkommen dem Film. Es handelt sich dabei um einen lahmen und einfallslosen Backwoodslasher, den einzig seine bedrohliche Atmosphäre (die ein wenig an Calvaire erinnert) davor bewahrt, eine Gurke zu werden. Handwerklich ist er gut gemacht, dramaturgisch leider ein Rohrkrepierer.
Die Story: Eine junge wilde Dame landet erst in einer Hinterwäldlerspelunke, dann im Käfig und auf dem Speiseplan. Eigentlich wie bei Frontiers, nur ohne dessen Brutalität. Die Bösewichte sehen aus wie eine Freakversion der Blue Man Group.

5/10 ersten Dates (für einen Eröffnungsfilm definitiv zu wenig)

Eigentlich sollte der Regisseur anwesend sein, fehlte aber, weil er in Paris mit abgelaufenem Pass am Flughafen stand. Nun, das kann durchaus vorkommen, mein Ausweis läuft auch demnächst ab, und ich muss wir was einfallen lassen, um in dieser Zeit mit Ryanair zurück nach Berlin fliegen zu können.

Solomon Kane oder Wacken 1600

Der Film war ein unterhaltsames ästhetisches Kontrastprogramm zur Tudors-Doppelfolge auf Arte: Match, Dreck, hässliche Kerle, viel Action, viel Blut, eine 08/15 Story (Held rettet holde Jungfrau vor bösem Zauberer), und ein Kane der nicht so ganz der Figur von Howard entspricht. Das Setdesign ist sehr stimmungsvoll, die Kostüme gelungen (sofern ich das unter all dem Matsch erkennen konnte) und die Effekte sind gut. Ein Haudrauf-Action-Schinken, der nur sehr wenige Längen hat, bei dem man das Gehirn abschalten kann und dem es insgesamt gelingt zu unterhalten. Auch wenn er stellenweise ein wenig zu pathetisch inszeniert ist.

7/10 Kreuzen (bitte in einer Reihe aufstellen und jeder nur ein Kreuz)

Nach Inception ist es übrigens der zweite Film an diesem Tag, in dem Pete Postlethwaite stirbt. Was sich leider als prophetisch erweisen sollte, da dieser tolle Schauspieler kurz darauf wirklich gestorben ist.

 

Das Cinemaxx ist von den FFF Kinos, die ich kenne, (Frankfurt und Köln) das schlechteste, mit der geringsten Atmosphäre. Es hatten übrigens nicht nur Filme Premiere, sondern auch die renovierte Toilette; was kräftig in die Hose ging, da die Klinke der Herrentoilette bei geschlossener Tür abbrach und niemand rein oder raus kam. Ich hatte mich, aufgrund des Andrangs, zum Glück kurz zuvor entschieden, in den Keller aufs Klo zu gehen. Puh Glück gehabt.
In Köln wurde das Festival letztes Jahr ein wenig gestört, weil die Kinderdarsteller aus Die Vorstadtkrokodile zur Filmpremiere kamen. Morgen wird es gestört, weil Angelina Jolie kommt (Deutschlandpremiere von Salt).
Zur Kinosituation schreibe ich mehr, wenn ich in beiden Kinos war und den nervigen Straßenseitenwechsel hinter mir habe.

Edit: Ich bitte meine Ortographie aufgrund der späten Stunde zu entschludigen.

Tag 2
Angelina Jolie habe ich nicht gesehen, dafür bin ich bis auf die Haut durchnässt worden.

14 Blades oder Der grimmige Donnie mit seiner fliegenden Wunderkiste

Der grimmige Donnie ist Donnie Yen, der letztes Jahr mit Ip-Man für Aufsehen sorgte. Die fliegende Wunderkiste ist seine Waffe. Eine Schwertkiste mit 16 Klingen und schlecht computeranimierten Zahnrädern, die immer dann erscheinen, wenn Donnie das Teufelsding, das von einem grausamen Daniel Düsentrieb konstruiert wurde, in Bewegung setzt. Die Story mit ihren Intrigen kann ich hier nicht wieder geben, da ich ihr genauso wenig folgen konnte, wie einigen der Kämpfe. Und das lag nicht an den Untertitel, die schneller über den Bildschirm flogen, als die unzähligen Pfeile. Von rechts nach links lesen ging nicht, man musste die Textzeilen immer gleich als Ganzes erfassen, woran ich mich aber schnell gewöhnt habe.

Im Prinzip läuft die Story so ab: Verschwörer klauen kaiserliches Sigel, getäuschter Supergeneral will es zurückbeschaffen, muss sich dabei mit einer Menge Schurken prügeln und beweist die Gefährlichkeit von angenagten Hühnerbeinen.

Die Kämpfe sind ganz ordentlich animiert und die Bilder sind teilweise richtig schön, einzig die, teils übertriebenen, Computeranimationen stören ein wenig und der asiatische Kitschlevel liegt ziemlich hoch. Insgesamt ein ganz ordentlicher Wuxia-Film mit tollen Kämpfern. Wobei der Film hauptsächlich von Donnie Yen getragen wird. An Meisterwerke wie Hero reicht 14 Blades bei weitem nicht ran und kann auch nicht mit den koreanischen Highlights der letzten Jahre mithalten, aber er unterhält. (Unterhaltsam ist ein Kriterium, das ich beim diesjährigen FFF häufig vorwende. Es soll heißen, auf dem FFF machen diese Filme Spaß, aber auf DVD würde ich sie mir nicht holen)

6/10 ausgewürgten Hühnerknochen

Centurio oder Warum man nicht auf sein Frühstück pinkeln sollte

Ganz Britannien ist von den Römern besetzt. Ganz Britannien? Nein, ein kleines Völkchen namens Pikten, leistet heftigen Widerstand, in der Gegend, die nördlich des späteren Hadrianwalls liegt. Centurion ist ein ziemlich primitiver Film. Im Prinzip ist es Doomsday, nur mit Römern, Pikten und Pferden. Ein echter Männer-Film, in dem Männer noch schwitzen, bluten, kämpfen, Schädel spalten und eben sterben wie echte Männer.
Eine Legion, angeführt von einem General, der eine echte Kampfsau ist (Dominic West, McNulty aus The Wire), zieht aus, die Pikten zu vermöbeln. Natürlich kommt es anders als geplant, die Legion wird massakriert und nur sechs Soldaten überleben. Weit hinter den feindlichen Linien, unbarmherzig gejagt, müssen sie sich durch die Wildnis schlagen. Verfolgt werden sie unter anderem von einer Frau (Olga Kurayenko), die kämpft, als wäre sie als Kind in den Zaubertrank gefallen.

Der Film hat beeindruckende Bilder zu bieten, ebenso wie spektakulär inszenierte Kämpfe, die für meinen Geschmack aber schon zu brutal sind, was von Neil Marshall allerdings nicht anders zu erwarten war und zum Festival passt. Dagegen sieht Gladiator wie ein Kindergeburtstag aus.
Primitiv, aber wie könnte es anders sein – unterhaltsam.

7 von 10 durchbohrten Augen

Den Bericht zu Monsters schreibe ich morgen. Da bin ich jetzt zu müde für. Kann aber schon verraten, dass der Film das erste Highlight des Festivals ist und mehr als nur unterhält.

Monsters oder Tentakelliebe

Vorweg: Monsters ist ein Roadmovie, bei dem die Aliengeschichte eher im Hintergrund steht.
Vor 6 Jahren ist eine Raumsonde mit Alienproben in New Mexico abgestürzt. Die Proben haben sich zu riesigen Ten2takelaliens entwickelt, die wie aus »Liebling, wir haben ein Riesen-Elefanten-Kraken-Baby wirken. Sie haben sich rasch ausgebreitet, und so wurde ein riesiger Streifen zwischen Mexiko und den USA zur infizierten Quarantänezone erklärt, und aus dem Grenzzaun wurde eine riesige Mauer.

Durch eben jene Zone müssen die beiden Hauptdarsteller reisen. Er ist ein Fotograf, der die Tochter seines Chefs sicher nach Hause eskortieren soll. Genau daraus entwickelt sich ein Roadmovie mit leisen Tönen, in dem die beiden Hauptdarsteller und ihre, sich entwickelnde, Beziehung im Vordergrund stehen. Dabei reisen sie durch ein zerstörtes Gebiet, das vor allem durch die Bomben des Militärs verwüstet wurde, und weniger durch die Aliens.

Monsters ist ein sehr schöner Film, der fast immer die richtigen Töne trifft. die Spezialeffekte sind so geschickt eingesetzt, dass man das niedrige Budget gar nicht bemerkt. Mit Actionkrachern wie District 9 oder Cloverfield hat der Film nicht viel gemein. Von Stimmung und Tempo erinnert er dann eher an Moon. Wobei der Film auch ganz ohne Aliens funktionieren würde. Der Film spielt sicher auch auf die Situation der illegalen Immigranten und den Grenzzaun an, rückt aber auch dies nie in den Vordergrund. Die Grundstimmung ist melancholisch, die Aliens sind nicht wirklich feindselig. Sie erinnern eher an Wale, die durch den Himmel streifen.

Im Kino war auch der Regisseur Gary Edwards, der im Anschluss einige Fragen zum Film beantwortet hat. Er kam sehr sympathisch und witzig rüber. Das Drehteam bestand aus den beiden Hauptdarstellern, dem Regisseur/Kameramann, dem Produzenten und einem Übersetzer. Zusammen sind sie in einem Van die Reise der Hauptfiguren abgefahren und haben vor Ort mit Laien gedreht, die sich dazu überreden ließen. Es gab keine Sets, die dekoriert wurden, man nahm alles so, wie es war auf. Sämtliche Spezialeffekte wurden im Nachhinein mit dem Computer ergänzt. Die Postproduktion fand übrigens in Berlin statt, wo die eindrucksvollen Soundeffekte entstanden.
Auf die Frage, was der Film gekostet habe, antwortete Edwards: »Ich weiß es nicht. Hat man mir nicht gesagt.«

Ich hätte nicht gedacht, dass aus einem Roadtrip mit zwei Schauspielern, einem Tonmann und einem Regisseur mit Kamera so ein eindrucksvoller Film entstehen kann. Die Bilder die Edwards gedreht hat, sind einfach wunderschön.
Hier gibt es die Q&A Session mit dem Regisseur als Videopodcast: http://www.f-lm.de/2010/08/19/infected-zone/
Und ein Fazit von Jörg Buttgereit und Jochen Werner: http://www.f-lm.de/2010/08/19/illegal-aliens/

Aktueller Nachtrag (2015): Für Regisseur Gareth Edwards war dieser Film der Sprung nach Hollywood. Inzwischen hat er einen ganz ansehnlichen Godzilla gedreht und wird einen der kommenden Star-Wars-Filme machen.

Little Big Soldier oder Ein Film gegen die Wehrpflicht

Heute gab es nur einen Film für mich. Dafür hat mich Ralf alias Lapismont begleitet. Vor Beginn des Films hat mich Ralf darüber informiert, dass er noch nie einen Jackie-Chan-Film gesehen hat. Uff. Das hat mich erst mal sprachlos zurückgelassen. Für mich war Jackie Chan genauso ein Held meiner Kindheit wie Bud Spencer, Terence Hill und Otto der Außerfriesische. Ralf meinte, die Trailer hätten ihn nie angesprochen. Na, das kann ja was werden, dachte ich.
Ich glaube Ralf hat von allen im Kino am lautesten gelacht. Bildungslücke behoben, Mission Accomplished.

Der Film spielt, kurz bevor Kaiser Quin die sieben Reiche zu dem Kaiserreich China vereint (siehe Hero: Alle Reiche unter einem Himmel). Jackie Chan versucht alles, um Kämpfe zu vermeiden, was gar nicht so einfach ist, wenn man Soldat ist. Doch der einfallsreiche kleine Soldat hat die Kampfvermeidung zur Kunst entwickelt. Nach einer Schlacht, in der um die 3000 Soldaten sterben, ist er der einzige Überlebende. Mit Ausnahme des gegnerischen Generals, den Jackie prompt als Geisel nimmt, in der Hoffnung, dass er als Belohnung aus der Armee entlassen wird. Mit dem widerspenstigen General im Schlepptau (im wahrsten Sinne des Wortes) stolpert er von einem Kampf in den nächsten.

Der Film bietet eine Menge Slapstickkomik, wie man sie aus Chans besten Zeiten kennt, wobei er aber dieses Mal nicht wirklich kämpft, sondern versucht es zu vermeiden, was aber zu ähnlich kuriosen und artistischen Einlagen führt. Der Film hat einige urkomische Szenen, ein gut aufgelegten Jackie Chan, ist niemals zu albern und hat auch einen ernsten Unterton. Nachdem Chan im letzten Jahr in einer ernsten Rolle im tragisch düsteren Drama Shinjuku Incident überzeugen konnte, überzeugt er dieses Jahr in einer fast gewohnten Rolle.

8 von 10 Fingern in der Wunde

Freitag lege ich eine FFF-Pause ein, bevor es am Samstag mit 4 Filmen weitergeht.

Der Samstag oder Vier Filme am Stück, inklusive Kinowechsel. Wie schafft man da eine Pinkelpause?

Stranded oder Langeweile im Sandkasten

Der Film ist so langweilig, dass ich nicht viele Worte darüber verlieren möchte.
Algerien in den 60er Jahren: Eine Gruppe französischer Soldaten soll einen Koffer in der Wüste finden, geraten an Rebellen, suchen Zuflucht in einem Dorf und bekommen es mit Djinns zu tun.
Diese Djinns sind die so ziemlich lahmsten Filmmonster, die mir je untergekommen sind. Sie machen nichts anderes, als auf allen Vieren rumzukrabbeln. Dabei manipulieren sie die Psyche ihrer Opfer.
Ich hatte einen Gruselschocker erwartet. Aber der Film versucht sich als psychologischer Horrorfilm, der an keiner Stelle funktioniert. Laaaaaangweilig.

4/10 Punkten (der Film war langweilig und nichtssagend, dass mir hier nichts Passendes einfällt)

The Wild Hunt oder Von der Gruppendynamik des Rollenspiels

Eine Gruppe Liveactionrollenspieler trifft sich in den Wäldern, um dort ein Wochenende mit Spiel, Spaß und Spannung zu verbringen. Während sein großer Bruder Björn sich dem Ganzen mit an Fanatismus grenzender Leidenschaft widmet, kann Erik mit dem Kram nichts anfangen. Fährt aber in die Wälder, um seine Freundin zurückzuholen, die sich bei LARPen dem Eskapismus hingibt. Was als spaßiges Rollenspielspektakel beginnt, gerät bald außer Kontrolle.
Ich bin ein wenig überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass der Film ein so hartes Sozialdrama ist. In der ersten Hälfte wird die Rollenspielgemeinschaft liebe- und humorvoll dargestellt. Dafür wurde ein aufwendiger Mittelalterset in den Bergen Kanadas geschaffen. In der zweiten Hälfte zeigt der Film, wie sich aus einem wilden Rollenspielabend eine aggressive Gruppendynamik entwickelt, die in einer Tragödie endet.
Der Rollenspielteil ist wirklich toll inszeniert. Aber Zuschauer, die davon keine Ahnung haben, können mit Film vermutlich nicht viel anfangen.
Mir hat er richtig gut gefallen. Der Film kommt mit einer emotionalen Wucht daher, die mich nach dem Trailer und der Programmbeschreibung wirklich überrascht hat.

8 von 10 entführten Prinzessinnen.

Tucker & Dale vs. Evil oder Communication Breakdown

Der Hit des Festivals. Der Film hat den Saal zum Toben gebracht. Der große Kinosaal im Sonycenter war in der Wiederholung komplett ausverkauft.
Tucker und Dale sind zwei freundliche aber schüchterne Hillbillys, die sich eine Ferienhütte am See gekauft haben, um dort in Ruhe entspannen zu können. Wenn da nur nicht die durchgeknallten Collegekids wären, die wie aus dem Nichts kommen, um sich auf Tucker und Dales Grundstück umzubringen.
Diese Collegekids haben offensichtlich zu viele Backwoodslasher gesehen und halten Tucker und Dale für Psychokiller. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und einiger Kommunikationsprobleme bringen sich die Kids versehentlich und auf äußerst blutige Weise selbst um. Wobei es so aussieht, als wären Tucker und Dale dafür verantwortlich.

Der Film hätte ziemlich albern werden können. Ist er aber nicht. Denn er hat ein gutes Drehbuch, eine solide Regie und zwei hervorragende Hauptdarsteller, die als Hillybillys eine Offenbarung sind. Aus Tucker und Dale sollte man unbedingt eine Serie machen. Die Situationskomik zwischen den Beiden ist zum urkomisch. Tyler Labine (Reaper) und Alan Tudyk (Firefly) liefern eine Mordsleistung, die den Film über alle andern Genrekomödien der letzten Jahre hebt. Für solche Filme wurde das Fantasyfilmfest erschaffen.

10/10 in Häcksler springende Collegboys (wobei es 2 Punkte Festivalbonus gibt. Das ist ein Partyfilm)

Black Death oder Bringt eure Toten raus
Mehr dazu morgen.

Wenn ich mir so die ganzen Reviews, unter anderem bei http://f3a.net/ , anschaue, sind mir wohl leider einige Highlights entgangen. Four Lions soll eine sehr witzige, heftige und bitterböse Selbstmordattentäter-Komödie sein. Auch Kaboom und The Loved Ones kamen fast durchweg gut an. Ebenso wie Two Eyes Staaring, der ein subtiler Gruselstreifen mit guten Plottwists sein soll. Schade, im Nachhinein hätte ich diese Filme gern gesehen. Ich hoffe, sie kommen bald auf DVD raus.

Black Death oder Bringt eure Toten raus

England, ich glaube es war 1348. Die Pest wütet und die Menschen sterben in Massen. Nur ein Dorf, das Abseits in den Marschen liegt bleibt bisher verschont. Da der Bischof Hexerei oder gar Nekromantie vermutet, schickt er einen Trupp harter Burschen, angeführt von Sean Bean, um der Sache auf den Grund zu gehen. Geführt werden sie von einen junge und verliebten Mönch. Mehr will ich gar nicht über den Inhalt verraten. Es kommt teils anders, als man denkt.

Von der Ausstattung und den Kämpfen erinnert der Film ein wenig an Centurion. Die Kämpfe sind ebenso brutal, aber viel seltener. Sean Bean, der aussieht wie Boromir, ist im Auftrag des Herrn unterwegs und lässt es richtig krachen. Im Gegenteil zu Centurion hat der Film eine gute Story und geht auch moralische und theologische Fragen an. Hätte ich von Regisseur Christopher Smith (Creep, Severance) gar nicht erwartet. Smith war auch anwesend und hat ein wenig von den Dreharbeiten in Ostdeutschland erzählt.

Mir hat der Film gut gefallen, auch wenn es keine wirklichen dramaturgischen Höhepunkte gibt. Die Handlung hat aber ein paar Überraschungen parat, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ein schön gemachter Mittelalterfilm, der weitaus realistischer daherkommt als der fantastische, computergenerierte Solomon Kane.

7 von 10 heiligen Handgranaten von Antiochia (wobei der Film ziemlich humorlos und grimmig ist)

Chatroom oder Breakfast Club im Internet und in böse

Es geht um fünf Teenager aus Chelsea (warum muss ich da nur an Elvis Costello denken), die sich in einem privaten Chatroom im Internet treffen und über ihre Probleme diskutieren. Der Film basiert auf einem Theaterstück, und das merkt man ihm auch an. Gute Dialoge, ausgearbeitete Figuren und kammerartige Darstellung. Das Chatten im Internet wird so visuell dargestellt, wie vermutlich auch in dem Theaterstück. Der Chatroom ist ein tastsächlicher Raum, der in einem schäbigen Hotelflur liegt, dessen Türen zu den unterschiedlichsten Bereichen des Internets führen. Die Figuren zeigen sich dort so, wie sie sich im Netz eben ausgeben. Das kann teil erheblich von der Realität abweichen, aber der wahre Charakter blitzt immer wieder durch. Ein Pädophiler erscheint als Schulmädchen, verliert aber zwischendurch die Form und wird zum alten Sack.

Für den bösen dramatischen Handlungsverlauf gebe ich nur ein paar Stichworte: Antidepressiva, Familiendrama, Neid, Manipulation und Selbstmordclubs.
Der Film ist bei vielen Zuschauern nicht gut angekommen, aber ich finde ihn Klasse. Gerade, dass die Darstellung des Internets, ganz ohne irgendwelchen Cyberkram, etwas altbacken wirkt, macht sie für mich glaubhafter. Darüber ob die Handlungen der Figuren immer glaubhaft sind, kann man streiten, aber im Gesamten funktioniert es gut. Handwerklich und visuell ist der Film super gefilmt. Für einen großen Lacher sorgte ein »Gastauftritt« von Angela Merkel

8 von 10 Aspekten einer verwundeten Persönlichkeit

Ich hinke etwas hinterher. Habe schon The Ape (Gurke) und Tetsuo (Enttäuschung) gesehen. Mehr dazu morgen.

The Ape oder A Day In The Life of Larry Langweilig

Die Filmbeschreibungen im Programmheft erinnern mich an Comical-Alis Ausrufe im Fernsehen, man werde die amerikanischen Teufel vernichten, während im Hintergrund schon amerikanische Panzer rumfuhren. Ich traue den Beschreibungen so sehr, wie dem gerissensten Gebrauchtwagenhändler. Aber ein Satz aus der Beschreibung von The Ape trifft es genau auf den Punkt: »-das Grauen enthüllt sich für ihn in nur qualvoller Langsamkeit.« Genauso geht es auch dem Zuschauer. Nur, dass gar nichts enthüllt wird. 80 Minuten qualvolle Langeweile ohne Handlung. Damit ich zumindest ein wenig Spaß mit dem Film habe, versuche ich mich mal an einer Rezension im Stile der Programmbeschreibungen.

Wie auf einer nuklearen LSD-Rakete reitend, mit dem Aussehen eines durch Genexperimente zum Hulk mutierten Helge Schneiders, dabei das Schlumpflied pfeifend und die Welt mit höhnischem Lachen verachtend. Ein Villa-kunterbuntes Schweden, in dem der Wahnsinn Stepp tanzt, Astrid Lindgren als Zombie die Straßen den Wachturm verteilt und der Ikea Markt von neben an, ein Todesparcours ohne Überlebenschance ist und dessen Endgegner Kleiner Onkel und Herr Nilson heißen. Spezialeffekte, die grobe Körner auf die Gehirne der Zuschauer schießen, bis diese sich einnässen und den Nachbarn nach ner Mark fragen. Mindfucks, die jedes Präservativ zum Schmelzen bringen und die virale Frucht der Erkenntnis in jeden Verstand einbrennen, der auch nur in die Nähe des Kinos kommt.

All das gibt es in diesem Film nicht zu sehen. Stattdessen folgt einer mit einer Handkamera dem Protagonisten Krister, der mit dem Fahrrad in die Werkstatt fährt, sein Auto abholt, Fahrunterricht gibt, durch die Gegend latscht, im Baumarkt einkauft, Tennis spielt, duscht, seine Mutter besucht, durch die Gegend latscht, Carrera-Autos fahren lässt, noch mehr durch die Gegend latscht, ins Krankenhaus geht und Schluss.
Wer den letzten Satz gelesen hat gelesen, kann sich den Film sparen. Ach ja, Krister ist auch noch ein Kotzbrocken.

Mir ist in meiner gesamten ca. 25jährigen Kinogängerkarriere noch nie der Gedanke gekommen, das Kino frühzeitig zu verlassen. Insofern war The Ape eine Premiere. Ich blieb aber, weil ich doch wissen wollte, wie das Ganze aufgelöst wird. Also ertrug ich die quälende Langeweile, nur um zu erfahren, dass gar nichts aufgelöst wird.
Ups, jetzt hat der schlechteste Film den längsten Text bekommen.

1 von 10 durchgelatschten Gegenden

Tetsuo: The Bullet Man oder BAM BAM BAM. BAM BAM BAM. BAM BAM BAM BAM

Ist für mich die Enttäuschung des Festivals. Die beiden Vorgänger, von vor ca. 20 Jahren, waren damals echte Knaller. Extrem, radikal, experimentell, visuell beeindrucken und verstörend. Filmerlebnisse, wie man sie bis dato noch nicht gesehen hatte. Leider weiß The Bullet Man den beiden Vorgängern nichts Neues hinzuzufügen. BAM BAM BAM Dabei beginnt er noch recht vielversprechend, aber leider ist der Höhepunkt schon nach 10 Minuten erreicht. Ab da kopiert sich Tsukamoto nur noch selbst. Der Versuch eine Story einzubauen scheitert total. Tetsuo sieht aus wie eine zerknautschte Mülltonne und der Film wirkt technisch wie auf dem Stand der 80er Jahre. Einzig die Musik (Industrial-BAMBAMBAM) hat mir gefallen. Im Abspann gibt es übrigens einen, eigens für diesen Film komponierten, Song von Nine Inch Nails alias Trent Reznor.

3/10 Blindgängern BAM BAM BAM

Der Festivaltag hat sich nicht gelohnt. The Ape war eine spontane Entscheidung, weil ich zwischen einem Unitermin und Tetsuo noch Zeit hatte. Ich hätte mich auf mein erstes Gefühl verlassen sollen. Aber, je ne regrette rien. Gurken gehören beim Filmfest auch dazu. Sie sollten sich nur nicht häufen.
Morgen gibt es die Besprechungen zu Outrage (gut) und Amer (brilliant und ätzend zu gleich).

Outrage oder Intrigenstadl im Yakzuland

Der Film war so gut wie ausverkauft. Hätte ich nicht erwartet.
Takeshi Kitanos Filme zeichnen sich meist durch eine warmherzige Geschichte, poetische Bilder, stimmungsvolle Musik, schrägem und subtilem Humor und oft auch extreme Gewaltausbrüche aus. In Outrage beschränkt er sich auf Gewalt und Humor. Wobei der Film nicht nur aus Gewalt besteht. Es geht um den Intrigenstadl bei der Yakuza. Verschiedene Gruppierungen (Clans/Familien) versuchen sich gegenseitig auszuspielen und umzubringen. Erstaunlichweise schafft es der Film dabei auch noch, witzig zu sein. Der Film zeigt wie mächtig und präsent die Yakuza in der japanischen Gesellschaft sind. Ein guter und unterhaltsamer Film.

7 von 10 Zahnvorsorgeuntersuchungen

Amer oder knirsch, knarz, stöhn

Mich hat der Film zwiespältig zurückgelassen. Stilistisch ist er brilliant inszeniert. Vor allem die erste Episode. Aber danach ging mir das ewige Knarzen, Knirschen, Atmen, Keuchen, Türrenknallen usw. tierisch auf die Nerven. Wie gesagt, die stilistische Inszenierung mit Ton und Bild ist brilliant, trägt den Film aber für mich nicht über die gesamte Länge. Das ist mehr eine Spielerei als ein Film. Denn wirklich was zu erzählen hatte er nicht.

Amer wirkt für mich wie eine stilistische Fingerübung, die aber nichts zu erzählen hat und nicht über Spielfilmlänge funktioniert. Mein letzter Giallo ist über 10 Jahre her, deswegen weiß ich gar nicht mehr, ob es ein Markenzeichen dieser Filme ist, keine Handlung zu haben.

Sicher, der Film ist ein Erlebnis für die Sinne, aber die waren bei aber bald genervt.
Ist für mich nicht bewertbar.

22 Bulletts oder The Jean Reno Kick Ass Movie

Der Film ist ein harter französischer Rache Thriller, der nichts wirklich Neues zu bieten hat, aber trotzdem Spaß macht. Charly ist ein alternder Mafiapate, der alten Schule (keine Drogen, Frauen und Kinder bleiben unversehrt), der sich zurückgezogen hat, um
sich ganz seiner Familie widmen zu können. Da wird er von 22 Kugeln getroffen, überlebt und beginnt einen Rachefeldzug, bei dem ihm auch alte Freunde in den Weg kommen. Die Stärke des Films ist neben der Action, die glaubhafte Zeichnung der Figuren, die zwar ein paar Klischees bedient aber trotzdem funktioniert. Jean Reno spielt so gut wie immer und auch Kad Merad (der Postbote aus Wilkommen bei den Schtiss) liefert eine gute Vorstellung als cholerischer und hypochondrischer Gangsterboss ab.
Ein schöner altmodischer Actionthriller, der auf hohem Niveau inszeniert wurde. (Warum kriegen die Deutschen so was nicht hin?)

8 von 10 Kugeln im Ziel

Rubber
Why should you like this movie?
No reason.
9 von 10 verliebten Autoreifen

Four Lions

Den habe ich jetzt nachträglich auf DVD gesehen. Ich nehme mal an, dass er in einem vollbesetzten Kino noch witziger wirkt. Ich musste zwar einige Male über die strunzdoofen Attentäter lachen, aber es fehlte die FFF-Atmosphäre.
Deswegen bekommt er von mir nur 7 von Angriffen auf die britische Nahrungskette.

Fantasy Filmfest 2015 – Kurzkritiken (2/2)

Hier die restlichen 8 Kurzkritiken. In den nächsten Tagen folgt noch ein abschließender Bericht mit Fazit zum Filmfest.

Sweet Home

Spanischer Beitrag zum Thema Gentrifizierung. Die junge Maklerin? Alicia inspiziert ein altes, heruntergekommenes Haus, in dem nur noch ein alter, nicht ganz so heruntergekommener störrischer Mann die Stellung hält. Warum Alicia auf die Idee kommt, ihrem englischen Freund zu dessen Geburtstag in dieser Bruchbude ein romantisches Schäferstündchen zu inszenieren, kann man wohl nur verstehen, wenn man in der Immobilienbranche tätig ist und dadurch einen speziellen sexuellen Fetisch für Wohnobjekte entwickelt hat. Jedenfalls stecken die beiden bald in der Falle, als böse, verkommene Gentrifizierer in das wie eine Festung verriegelte Haus eindringen (sie haben einen Schlüssel) und Jagd auf die beiden machen.

Sweet Home ist ein durchaus ansehnlicher und spannender Home-Invasion-Thriller, der aber zu keinem Zeitpunkt die Klasse und Kreativität von z. B. You’re Next erreicht. Der Reiz liegt darin, wie es der toughen Heldin gelingt, auf diesem begrenzten Raum dem übermächtigen Bösewicht zu entkommen. Da fiebert man durchaus mit.

Body

Die Story dieses nur 75-minütigen Films hätte man auch in eine 40-minütige Folge von Law and Order packen können. Drei junge Frauen lassen es in der Villa eines reichen Onkels krachen, bis unerwartet ein Mann auftaucht und alles furchtbar schiefgeht. Plötzlich stehen die drei jungen Damen vor den Scherben ihres zukünftigen Lebens und müssen einige schwerwiegende moralische Entscheidungen treffen. Ohne zu viel zu verraten, sie treffen natürlich immer die schlechteste Entscheidung.

Gelangweilt habe ich mich jetzt nicht wirklich während des Films, aber insgesamt ist er doch zu unspannend und undramatisch geraten. Da wäre mehr dringewesen.

Deathgasm

Ein jener typischen Fantasy-Filmfest-Crowdpleaser, die in jedem Jahrgang ein bis zweimal vorkommen (der zweite dieses Jahr ist wohl Turbo Kid). Damit sind vor allem Splatterkomödien gemeint, die in der besonderen Festivalatmosphäre doppelt so viel Spaß machen, als wenn man sie allein zu Hause vor dem Fernseher schaut. An Tucker and Dale vs. Evil reicht er nicht ganz heran, ich würde Deathgasm eher knapp über My Name is Bruce ansiedeln. Wenn man Metal-Fan ist, macht es sich er noch mehr Spaß.

In dem neuseeländischen Film geht es um einen Jugendlichen Metalhead, der unfreiwillig in der Spießerfamilie seines Onkels landet, an der neuen Schule einiges Mobbing aushalten muss, und sich rächt, in dem er eine satanische Hymne spielt, die all die Spießer und Mobber in von Dämonen besessene Zombies verwandelt. Und hier kann jetzt der durchaus einfallsreiche Splatterspaß losgehen. Wobei er das Splattergenre auch nicht neu erfindet. Die große Stärke des Films ist der Underdog-Humor bezogen auf die Subkulturen der Metaller und Rollenspieler.

Hätte ich den Film zu Hause vor dem Fernseher gesehen, hätte er mich vermutlich gelangweilt, aber auf dem Fantasy Filmfest war er ein großer Spaß mit nur leichten Abstrichen.

Ava’s Possessions

Was passiert eigentlich, wenn der Exorzismus gelungen und die Besessene wieder frei von Dämonen ist? In der Regel der Abspann, in diesem Fall geht der Film aber erst los. Ava war über Monate von einem Dämon besessen, hat so allerlei angestellt, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Als sie wieder zu sich kommt, lautet ihre erste Frage an die Familie, ob jemand sie bei ihrem Arbeitgeber krankgemeldet habe. Das betretene Schweigen spricht Bände. Und so versucht Ava die Scherben ihrer Existenz wieder zusammenzusetzen, begibt sich auf die Suche nach den verlorenen Erinnerungen und muss an einer Selbsthilfegruppe für ehemalige Besessene als Teil einer Gerichtsauflage teilnehmen, um nicht im Gefängnis zu landen. Denn ihr Dämon ließ sie nicht nur Dinge, sondern auch Menschen beschädigen. Ja, in Avas Welt ist es offiziell anerkannt, dass Menschen von Dämonen besessen werden können. Was dem Film eine wunderbare Prämisse liefert.

Aufgrund dessen, was ich im Vorfeld so von dem Film mitbekomme habe, war er für mich die potenzielle Festivalgurke, um so überraschter war ich dann, wie gut er mir gefallen hat.

The Invitation

David fährt mit seiner Freundin zu einer Einladung bei seiner Ex-Frau Eden und ihrem neuen Freund, die nach zwei Jahren Abwesenheit alle alten Freunde zu sich eingeladen haben, in genau jenem Haus, in dem Davids und Edens Sohn gestorben ist. Zu einem also oberflächlich betrachtet lockeren Dinnerabend wird jede Menge Ballast mitgebracht. David ist von Anfang an misstrauisch, während sich alle anderen verhalten, als wäre alles wie immer.

Mehr will ich gar nicht verraten. The Invitation ist ein kleines aber feines Drama über Tod, Trauer und wie unterschiedlich man damit umgehen kann. Die Konflikte zwischen den Figuren sind gut ausgearbeitet. Die unangenehmen Vorfälle, die andeuten, dass etwas nicht stimmt, sind geschickt eingeflochten, wobei relativ früh (ab der Videopräsentation) klar ist, wie der Hase läuft. Der Film ist also recht vorhersehbar, mich hat aber die konsequente misstrauische Griesgrämigkeit Davids bei der Stange gehalten. Die große Überraschung, die ich im Vorfeld erwartet hatte, bietet der Film nicht, aber sehenswert ist er durchaus.

The Pack

Tierhorror mit einer wildgewordenen Hundemeute die im australischen Outback eine Familie auf ihrer Farm terrorisiert. Im Prinzip ein Home-Invasion-Film nur mit Tieren statt Menschen als Täter. Wobei die Hunde sich viel zu sehr wie Menschen verhalten. Wenn sich die Protagonisten in Nischen, in Schränken und einfach um die Ecke verstecken, laufen die Hunde ahnungslos an ihnen vorbei, ohne sie zu riechen oder etwas zu hören, obwohl sie doch deutlich bessere Sinne haben sollten, als eben Menschen. Handwerklich ist der Film solide und zumindest halbwegs spannend erzählt, die Hauptfiguren sind gut ausgearbeitet und die Hunde wirken zumindest in der Nahaufnahme relativ bösartig. Der Schrecken geht allerdings ein wenig verloren, wenn sie angreifen, dann sieht man meist nur ein wenig schwarzes Fell durch die Wackelkamera herumzucken. Der Film hat nichts, was man nicht schon anderswo besser gesehen hat und bleibt für einen Tierschocker auf dem Fantasy Filmfest zu harmlos. Trotzdem ist es ein ganz solider Film, den man sich ansehen kann, wenn man (wie ich) sonst nichts Besseres vorhat.

Yakuza Apocalypse

Die meisten (der zahlreichen) Zuschauer haben den Film vermutlich als absurdes Trashfeuerwerk wahrgenommen, ich habe allerdings eine bitterböse Groteske gesehen, in der die Yakuza und deren Verflechtung in der Gesellschaft lächerlich gemacht wird; also ein durch und durch sozialkritischer Film mit Elementen des absurden Theaters und japanischer Folklore. Die Yakuza sind Vampire (im Film gibt es tatsächlich Yakuza-Vampire), die der Gesellschaft das Blut aussaugen. Doch wenn, wie im Film, plötzlich jeder (also auch das Schulmädchen und die Krankenschwester) zu Yakuza-Vampiren werden können und damit auch zu Yakuza, verlieren die Yakuza ihren Sinn.

Stellenweise ist der Film von Takashi Miike etwas zu lang geraten, man merkt ihm auch das geringe Budget an, aber dafür ist das Froschmonster (im Stoffkostüm mit Pappmascheekopf) – der Welt bester Superterrorist – schon eine coole Sau.

Momentum

Südafrikanischer Bankraub/Agenten-Film, in dem die hübsche Bankräuberin nach getaner Arbeit von bösen aber charismatischen Killern gejagt wird. B-Movie-Action, die aber ausgezeichnet gefilmt ist, viel Selbstironie mitbringt und mit den typischen Klischees so übertrieben spielt (wie der blonde, grimmige deutsche Killer), dass es richtig Spaß macht. Kam beim Publikum in der Nachtvorstellung gut an und erhielt sogar stellenweise Szenenapplaus, was ich in diesem Jahr nur bei wenigen Filmen erlebt habe.