Die phantastischen Netzstreifzüge …

… gab es zuletzt vor mehr als einem Jahr am 6. Februar 2016, danach ist die Rubrik, die es seit der Nummer 1 am 18.02.2014 auf 46 ½ Ausgaben brachte, eingeschlafen, weil mir einfach die Zeit dafür gefehlt hat und ich auch Lust auf andere Arten von Blogeinträgen hatte. In der Rubrik habe ich regelmäßig (aber ohne festen Rhythmus) auf interessante Artikel zu phantastischen Themen verlinkt und sie meist auch noch ein wenig persönlich kommentiert.

Die Rubrik wird erst mal eingeschlafen bleiben, aber dafür gibt es jetzt auf Tor Online drei Mal in der Woche (montags, mittwochs und freitags) die von mir erstellten SFF News – also Neuigkeiten aus den Themenfeldern Science Fiction und Fantasy (aber auch sonstige Phantastik) in Buch, Film und dem ganzen Rest. Drei bis sechs News pro Ausgabe, darunter Trailer und Neuigkeiten zu Filmen und Serien, aber auch immer wieder Themen, die man auf den anderen phantastischen Newsseiten nicht so häufig findet. Wie z. B. der Hinweis auf die SF-Retrospektive der Berlinale in der ersten Ausgabe oder die Eröffnung eines Instituts für Science Fiction und Fantasy an der Anglia Ruskin University in Nummer 2.

Mal sehen, wie die Sache angenommen wird. Wir versuchen durchaus, die Nachrichten relativ tagesaktuell zu bringen, aber es geht nicht darum, schneller als die anderen zu sein. Es soll eine kompakte Übersicht über aktuell für Phantasten und Geeks interessante Neuigkeiten sein.

 

Lesesplitter und Stand der Dinge Februar 2017

Eigentlich wollte ich nur ein paar Bücher lesen, doch dann geschah etwas Unglaubliches:

1. Bruce Springsteen – Born to Run
2. Antoine Laurain – Liebe mit zwei Unbekannten
3. Anne Berrest – Emelienne oder die Suche nach der perfekten Frau
4. Didier Erebon – Rückkehr nach Reims
5. Oliver Plaschka – Marco Polo: Bis ans Ende der Welt
6. Ben Aaranovitch – Der böse Ort
7. Nathan Hill – Geister

Ich habe noch mehr Bücher gelesen. 😉

Sieben Bücher, drei davon mit jeweils über 800 Seiten. Mein bester Lesemonat seit langem, wobei ich Born to Run zu 90% noch im Dezember gelesen habe. Trotzdem macht sich doch deutlich bemerkbar, dass ich momentan mehr Zeit habe. Im zweiten Halbjahr 2016 steckte ich mit beiden Ohren tief in zwei Übersetzungsprojekten (eines mit 800 Normseiten), so dass mir nicht so viel Zeit zum Lesen blieb. Nach Abgabe von Die Neunte Stadt hatte ich eigentlich vier Wochen Weihnachtsurlaub geplant, doch dann kam am 23.12 noch eine Druckfahne zur Korrektur rein, die mich bis in den Januar beschäftigt hat, gefolgt vom Lektorat der großen Übersetzung und einigen anderen Kleinigkeiten. Die vier Wochen Urlaub am Stück haben also nicht so ganz funktioniert (aber immerhin ein wenig; 2016 hatte ich gar keinen Urlaub). Und wirklich Urlaub war es auch nicht, da ich die Zeit genutzt habe, an einem eigenen Projekt weiterzuschreiben.

An eigenen Texten zu schreiben (zumindest was diesen Roman angeht) funktioniert für mich nicht so, wie zu übersetzen. Da kann ich mich nicht vor den Schreibtisch hocken und sechs bis acht Stunden (mit kleinen Pausen natürlich) am Stück loslegen (bzw. erst wenn es an die Ausarbeitung der Ideen und Szenen geht). Die guten Ideen kommen nicht per Knopfdruck, sondern vor allem, wenn ich mich mit etwas anderem beschäftige. Und die größte Inspiration liefern mir (neben Filmen und Dokumentationen) eben Bücher. Es kann passieren, dass ich mir es gerade erste mit einem Buch gemütlich gemacht habe, und mir nach drei Seiten ein toller Einfall kommt, der mir dann drei gute Seiten oder so verschafft. Für solche Inspiration braucht man aber auch die richtigen Bücher, und da war der Januar ein guter Monat.

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Die Titel 1 bis 4 in der Liste oben habe ich ja schon hier, hier und hier besprochen. Zu Oliver Plaschkas Marco Polo will ich noch eine ausführliche Rezension schreiben, aber bisher ist mir nichts Vernünftiges eingefallen. Es handelt sich um einen ausgezeichneten historischen Abenteuerroman über einen der größten Abenteuerer der Geschichte, der trotz seiner 800 Seiten durch seine clevere Erzählstruktur mit der Geschichte in der Geschichte und einem unverlässlichen? Erzähler, sowie dem Spiel mit Wahrheit und Identität, eine Dynamik besitzt, die dafür sorgt, dass es in dem stilistischklaren und eleganten Roman an keiner Stelle Längen gibt. Absolute Empfehlung für geistige Weltenbummler!

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Der böse Ort von Ben Aaranovitch ist der vierte Teil in der Serie um den magisch begabten Police Constable Peter Grant, der sich in dieser Episode mit den Folgen zauberhafter Architektur und dem großen bösen Widersacher auseinandersetzen muss, wobei die Geschichte in diesen Büchern eher nebensächlich ist, da der große Reiz vor allem in dem freundschaftlichen Geplänkel zwischen PC Grant und seinen KollegInnen liegt, sowie dem scharfsinnigen und humorvollen Blick des Autors auf das moderne London.

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Geister von Nathan Hill ist ein komplexes Familiendrama und Psychogramm, das geschickt die 68er-Proteste in Chicago mit der Gegenwart von 2011 und den Occupyprotesten verbindet. Stilistisch teilweise recht experimentell, mit sehr, sehr viel Liebe zum Detail und zahlreichen hervorragend herausgearbeiteten Figuren. Toll geschrieben, aber teilweise etwas zu altbacken („Burschenschaftler“ für „sorority members“, „das UCLA“) und holprig übersetzt und lektoriert (ich vermute mal, dass es am Zeitdruck lag, damit habe ich auch so meine Erfahrungen). An drei Stellen heißt es, „sie zogen Fahnen Schwinglend durch die Straßen“. Da der Name Schwingle im Buch auftaucht, vermute ich hier mal ein Malheur mit der Ersetzen-Funktion. 🙂 Trotzdem ein ganz großer Roman über Einwanderung, Familie, Protestbewegungen, das College und die perverse Logik der Medien.

Wie man sieht lese ich momentan sehr wenig auf Englisch, und ich versuche auch, vor allem sprachlich und stilistisch gut geschriebene und übersetzte Werke zu lesen, da ich hoffe, dass sich diese positiv auf meinen eigenen Stil auswirken wird, bzw. mir sprachliche Inspiration verleiht. Liest man zu viel auf Englisch, könnte man sich (gerade beim Übersetzen) unbewusst englische Satzstrukturen angewöhnen bzw. sich nicht ausreichend von ihr lösen.

Meine aktuelle Lektüre ist aber trotzdem auf Englisch, weil ich da auch nicht aus der Übung kommen möchte, und mich das von Stephen King jüngst auf Twitter empfohlene Darktown von Thomas Mullen auf den ersten Blick fasziniert hat. In dem historischen Krimi geht es um eine der ersten schwarzen Polizeieinheiten in den USA, die 1948 in Atlanta Georgia mit acht Officers/Wachtmeistern gegründet wurde. Die durften allerdings nur zu Fuß im Schwarzenviertel der Stadt patrouillieren (immerhin mit Schusswaffen) und bei Vorfällen mit Weißen mussten sie weiße Kollegen hinzuziehen. Die ersten 13% haben ich gestern Abend begeistert verschlungen.

Daneben lese ich noch meinen ersten Manga von Jiro Taniguchi.

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In der zweiten Jahreshälfte 2016 habe ich versucht, verstärkt Bücher von Frauen zu lesen, was auch halbwegs gut funktioniert hat, aber auf meiner aktuellen Leseliste dominieren wieder eindeutig die Männer. Was vor vermutlich daran liegt, dass ich meine Lektüre hauptsächlich themenorientiert aussuche, und irgendwie sind es meist Bücher von Männern, die mich ansprechen. Den Aaranovitch und den Hill habe ich gelesen, weil ich zum ersten Mal seit Monaten wieder unsere Gemeindebücherei besucht habe, und das die einzigen beiden Bücher waren, die mich interessiert haben. Trotzdem stehen auch einige Frauen auf meiner Leseliste. Vor allem von Delphine de Vigan will ich demnächst noch mehr lesen.

Ausblick:

Nachdem ich 2016 gar keinen Urlaub gemacht habe, hatte ich für 2017 eigentlich eine dreiwöchige Reise in die USA im September geplant (unter der Prämisse, dass ihr wisst schon wer nicht Präsident wird), aber aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen ist mir das zu riskant. Momentan lässt sich nicht kalkulieren, ob ich dann überhaupt ins Land kommen würde (oder wieder raus), oder ob es sich bis September zu einer Autokratie/Diktatur entwickelt (momentan halte ich alles für möglich). Außerdem hoffe ich, dass viele Menschen aus Protest ihre Reise in die USA absagen (wie z. B. die Autoren Matt Haig und Kai Meyer), und sich dies empfindlich auf den Tourismus auswirken wird (was zu noch mehr innerpolitischem Druck führen könnte) – viel mehr kann unsereiner hier in Europa ja nicht tun, was Amerika angeht.

Stattdessen möchte ich im Mai eine Woche nach Paris reisen, da ich gerade einen Französischkurs an der Volkshochschule mache und es zu meinem Schreibprojekt passt. Eventuell werde ich mir dann im September noch mehr von diesem schönen Land ansehen (vorausgesetzt, dass Le Pen nicht die Präsidentschaftswahl gewinnt, was aktuell leider gar nicht so unrealistisch ist, da die Konservativen ja anscheinend nicht in der Lage sind, ihre Amtsprivilegien nicht für ihren eigenen Vorteil zu missbrauchen, und die Sozialisten nach der Nullnummer lieber auf einen unrealistischen Träumer setzen, der für die politische Mitte zu radikal ist).

Was Übersetzungen angeht, kann ich für 2017 noch nichts ankündigen (ich habe also noch Kapazitäten frei 😉 ), außer dass im April die von mir übersetzen Bücher The Ark und Die Neunte Stadt erscheinen werden. Ganz untätig bin ich aber nicht, nächste Woche geht es für ein paar Tage nach Berlin, wo ich in eine kleine geekige Nebentätigkeit eingearbeitet werde.

Ansonsten werde ich diesen Blog eventuell ein wenig vernachlässigen, um mich mehr auf mein Schreibprojekt zu konzentrieren.

P.S. Ach ja, kennt jemand ein gutes Buch über die Geschichte von Paris. So in der Art wie Peter Akroyds London – Die Biographie? Oder generell gute Sachbücher über Paris (Geschichte, Kultur usw.)? Über Empfehlungen wäre ich sehr dankbar (am besten auf Deutsch oder Englisch, mein Französisch ist dafür noch lange nicht gut genug).

Und zum allgemeinen Stand der Dinge und zur Aufheiterung überlass ich jetzt das Wort Kate Tempest:

Stand der Dinge – Dezember 2016

2016 mag in vielerlei Hinsicht ein mieses Jahr gewesen sein, für mich persönlich war es unter beruflichen Aspekten allerdings das bisher erfolgreichste – was sich 2017 aber hoffentlich ändern wird. 😉

Zur Leipziger Buchmesse erschien bei Cross Cult die von Jonathan Maberry herausgegebene Anthologie Akte X – Vertrauen Sie Niemandem, mit sechs von mir übersetzten Kurzgeschichten. Den Rückmeldungen zufolge kam sie bei den LeserInnen deutlich besser an als die 10. Staffel der Serie (über die ich lieber den Mantel des Schweigens hülle). Doch so super dolle scheint sie sich nicht verkauft zu haben, denn ich habe nichts davon gehört, ob auch die beiden Nachfolgeanthologien, die in den USA bereits erschienen sind, übersetzt werden sollen.

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Für Cross Cult fertigte ich dann auch meine erste Romanübersetzung des Jahres an: Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman, ein faszinierender Erstkontaktroman auf einer bizarren Welt, in bester Tradition von Ursula K. Le Guin. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist das Buch letzte Woche erschienen. Allerdings bin ich etwas verwirrt, weil inzwischen eine zweite Covervariante aufgetaucht ist – keine Ahnung, ob die nur für die E-Book-Ausgabe gilt, oder das alte Cover ersetzt (mir sagt ja keiner was). Das werde ich wohl erst erfahren, wenn meine Belegexemplare eintreffen.

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Mit der nächsten Übersetzung ging es erneut in den Weltraum, dieses Mal auf eine Generationenraumschiff, das sich kurz vor der Landung auf dem neuen Heimatplaneten befindet (der kolonisiert werden soll), als plötzlich das Undenkbare geschieht: ein Mord. Ein rasanter und sehr unterhaltsamer SF-Krimi in einem sehr interessanten Setting. The Ark – Die letzte Reise der Menschheit von Patrick S. Tomlinson wird im April 2017 bei Knaur Fantasy erscheinen.

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Die letzte Romanübersetzung des Jahres bietet eine interessante und kuriose Mischung aus Science Fiction mit Alieninvasion, Jugendystopie und Fantasy sowie Anleihen bei Ender’s Game, Star Ship Troopers und diversen Animes wie z. B. Vision of Escaflown. Die Neunte Stadt von J. Patrick Black wird im Mai 2017 bei Heyne erscheinen.

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die letzte Übersetzung habe ich gestern abgegeben. Jetzt  mache ich zum ersten Mal in diesem Jahr Urlaub. Heute Abend geht es zum Konzert von ZAZ nach Frankfurt, ab morgen werde ich dann die Weihnachtsfeiertage ganz in Ruhe genießen und an meinem Geheimprojekt weiterarbeiten, das durch die viele Arbeit der letzten Monate leider viel zu kurz kam. Und was 2017 bringen wird? Wir werden sehen.

Lesesplitter Mitte November

Ich klau mir mal diesen Titel und das Konzept ganz frech bei meinem Bloggerkollegen und Mitphantasten Oliver Naujoks und seinem sehr lesenswerten (wenn auch namenstechnisch etwas faulen) Blog Oliblog. 😉

Zuletzt fertiggelesen habe ich New Sol von Margarete Fortune, einem Science Fiction Roman, der bei Bastei Lübbe erschienen ist. Damit habe ich jetzt nach Heyne (Rachel Bach), Knaur (Julia Lange) und Fischer Tor (Becky Chambers), aus jedem aktuellen Phantastikprogramm der großen Publikumsverlage jeweils ein Buch von Autorinnen gelesen (siehe Wo sind die Frauen). Piper und Blanvalet haben da nichts im Angebot, was mich reizt. Wie auch, bei Piper gibt es bei 26 Titeln nur drei von Frauen, und die interessieren mich nicht (Romantasy usw). Ebenso wie die drei von 16 Titeln bei Blanvalet.

Was noch auf meiner Leseliste steht, sind Vektor von Jo Koren (Atlantis), Der Winterkaiser von Kathrine Addison (Fischer Tor) und Die Magier ihrer Majestät von Zen Cho (Knaur). Aber vermutlich werde ich nicht einmal die Hälfte davon schaffen, und wenn auch erst im nächsten Jahr. Wer meinen Blog und die vielen Besprechungen zu zeitgenössischen Büchern französischer Autorinnen gelesen hat, mag mitbekommen haben, dass mich die Phantastik aktuell nicht so anspricht und meine Interessen gerade woanders liegen.

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Nichtsdestotrotz habe ich kürzlich New Sol von Margarete Fortune gelesen, das mir mit freundlichen Grüßen der Übersetzerin Kerstin Fricke ins Haus flatterte. Mit seinen 360 Seiten und dem flüssigen Stil der Übersetzung ist das auch schnell gelesen. Es geht um Lia Johnson, die nach zwei Jahren in einem Kriegsgefangenenlager wieder freikommt und auf die Weltraumstation New Sol verfrachtet wird, wo sie feststellt, dass sie eine lebende Bombe ist und der Countdown unbarmherzig tickt.

Nach der Inhaltsangabe hatte ich mit einem rasanten und knallharten Thriller, so was wie 24 im All, gerechnet, nicht mit einem Jugendbuch, dass sich vor allem auf das Innenleben und die Beziehungen der erst 16-jährigen Protagonistin Lia konzentriert. Wobei das keine negative Überraschung war. Den Lias Suche nach Identität wird einfühlsam und keineswegs langweilig geschildert. Und am Ende gibt es noch einen netten Twist, der das Ganze wieder zum Verschwörungsthriller werden lässt. Mir hat das Buch Spaß gemacht.

Ebenfalls von Kerstin Fricke übersetzt wurde Frostflamme von Christopher Husberg, das ich nach 200 Seiten erst mal zur Seite gelegt habe. Das Buch ist durchaus gut geschrieben, mit interessanten Figuren und einer soliden Handlung, aber es hat dem Genre (zumindest bis Seite 200) absolut nichts Neues hinzuzufügen. Das habe ich alles schon x-mal gelesen, das Magiekonzept kann man durchaus als Faulheit bezeichnen (einfach Telepathie, Telekinese usw.), und die Welt bleibt mir insgesamt zu blass. Auch der religiöse Erzählstrang ist mir zu gewöhnlich. Das ist eher etwas für LeserInnen, die noch nicht viel Fantasy gelesen haben, oder gerne immer mehr vom Gleichen lesen.

Auch bei Amos Oz‘ Eine Geschichte von Liebe und Finsternis befinde ich mich gerade auf Seite 200. Ist durchaus gut geschrieben, mit sehr viel interessanten Informationen zur Gründung Israels und dem intellektuellen Israel zu dieser Zeit, dazu viel Familiengeschichte aus Europa, aber teilweise feuert der Autor maschinengewehrmäßig mit Namen, die mir völlig unbekannt sind, nur so um sich. Wer in Israel aufgewachsen oder mit der Geschichte des Landes besser vertraut ist als ich, wird sicher viele der Autoren, Gelehrten, Politiker usw. erkennen, mir ist das aber zu viel Namedropping. Auch folgt die autobiografische Erzählung keiner Struktur, sondern springt willkürlich von durch die Zeiten und Orte, von Person zu Person, wobei sich vieles wiederholt. Das Buch werde ich definitiv weiterlesen, aber sicher nicht am Stück.

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Unterbrochen habe ich die Lektüre aktuell für den eher locker flockig geschriebenen Urban Fantasy Roman Apocalypse Now Now von Charlie Human, der in Kapstadt Südafrika spielt. Ich habe ja vor ziemlich genau einem Jahr damit angefangen, mich verstärkt für Südafrika und vor allem dessen Literatur zu interessieren (siehe Rezis zu Niq Mlongo u. Lauren Beukes), aber auch für die Musik (Die Antwoord). Da kommt dieser vor popkulturellen Anspielung nur so strotzende Roman gerade recht.

Inzwischen habe ich ihn beendet (schreibe schon seit einer Woche an diesem Beitrag, irgendwie ist ja jetzt auch schon fast Ende November), mal sehen, ob Zeit und Energie noch für ein Rezi reichen. Aktuell lese ich Can’t Stop, Won’t Stop – A History of the Hip Hip Generation von Jeff Chang, das inzwischen als Standardwerk über die Geschichte des Hip Hops gilt. Das Buch ist nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern auch richtig gut geschrieben sowohl von der inhaltlichen Struktur her als auch vom Stil. Rezi folg dann gen Weihnachten.

Und das hier ist der Grund, warum mir gerade so wenig Zeit und/oder Energie für Buchbesprechungen und andere Blogbeiträge bleibt:

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Die Neunte Stadt von J Patrick Black

Über 700 Normseiten, drei Monate Zeit, auf dem Endspurt noch eine heftige Erkältung, da muss der Blog etwas warten. Jetzt gerade habe ich auch nur Zeit, weil ich mein Tagespensum schon erledigt habe. Ich werde noch ausführlicher darüber berichten, hier gibt es erste Infos.

Die englischsprachige Ausgabe hat durchaus schon begeisterte Leserinnen gefunden:

 

Stand der Dinge: August 2016

Short English summary at the end.

Nach einer kurzen produktiven Phase herrscht hier im Blog gerade wieder ein Sommerloch, was vor allem daran liegt, dass ich aktuell Sonderschichten fahre, um eine Romanübersetzung abzuschließen, da die nächste bereits mit den Hufen schart. Beruflich läuft es also ausgezeichnet, momentan allerdings ein wenig auf Kosten der Freizeit, und damit auch auf Kosten des Blogs.

Dazu kommt, dass ich aktuell eine Phase habe, in der ich mich kaum für’s Genre (Fantasy u. Science Fiction) interessiere (habe ich meist einmal im Jahr, kann ein bis zwei Monate dauern). Seit ich Ende Juli auf einem ganz großartigen Konzert der wunderbaren ZAZ war, wurde bei mir durch ihr fantastische Musik ein intensives Interesse an Frankreich geweckt. Ich bin schon immer ein Fan des französischen Kinos gewesen, und habe auch das eine oder andere Buch aus unserem Nachbarland gelesen (vor allem die Thriller von Jean-Christophe Grangé), möchte mich aber jetzt genauer mit der (vor allem zeitgenössischen) französischen Literatur beschäftigen. Dazu haben ich schon Paris, die Nacht von Jérémie Guez und Elementarteilchen von Michel Houellebecqu gelesen, und stecke gerade mitten in dem ganz großartigen Roman Der Club der unverbesserlichen Optimisten von Jean-Michel Guenassia.

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Zu den drei Büchern wird es einen ganz kurzen Blogeintrag geben. Mehr aber nicht, da ich meiner Linie treu bleiben werde, in diesem Jahr nur Romane von Frauen ausführlich zu besprechen. Die stehen dann als Nächstes auf der Leseliste. Und zwar: Das Lächeln meiner Mutter von Delphine de Vigan, Der Liebhaber von Marguerite Duras und Baise-moi von Virginie Despentes.

Falls noch jemand weitere zeitgenössische französische Autorinnen empfehlen kann, immer her damit! Außerdem bin ich auf der Suche nach einem guten Sachbuch über Paris. So in der Art wie Peter Akroyds London – Die Biographie. Scheint es aber nicht zu geben.

Die angekündigte Beitragsreihe Was macht ein gutes Fantasycover aus? werde ich vermutlich nicht fortsetzten. Da es dazu kaum Feedback gab und die Zugriffszahlen sich in Grenzen halten, scheint es auch nicht viel Interesse daran zu geben. Der Beitrag ist sowieso nur aus einer Laune heraus entstanden, und mein Elan für das Thema ist inzwischen wieder versiegt.

Was ich aber weiter im Auge behalten werde, sind die hier schon vorgestellten Herbst/Winter-Programme der phantastischen Verlage (vor allem die Bücher von Autorinnen). Da erscheinen jetzt die ersten Titel, und mit Irrlichtfeuer von Julia Lange ein Buch, dass ich mir vormerken werde. Sobald die Frankreichobsession ein wenig abschwächt, wird das Buch dann drankommen.

Ansonsten habe ich den Sommer mit tollen Wanderungen an Rhein, Lahn, Mosel und im Westerwald verbracht und einigen Fahrradtouren. Das Fantasy Filmfest werde ich in diesem Jahr aus Zeitgründen leider nicht besuchen. Urlaub wird es bei mir erst im nächsten Jahr wieder geben (dann aber richtig). Die einzigen beiden Sachen, die ich 2016 noch besuchen werden, sind das Galaktische Forum im Rahmen der Frankfurter Buchmesse und natürlich der traditionelle Bucon (den ich mir in keinem Jahr entgehen lasse).

Due to a translation that has to be finished, and another one that is waiting to get started, I am neglecting this blog currently. Since I have been to a wonderful concert by the fantastic ZAZ, I am intensely interested in France and especially French literature. There will be some reviews of French books in the near future.

Listen to the music of ZAZ! It makes the world a better place!

LeserInnenfeedback zu „Akte X – Vertrauen Sie niemandem“

Die schönste Entlohnung für die Übersetzungsarbeit ist natürlich das Honorar. Aber ich freue mich auch immer sehr, wenn die von mir übersetzten Bücher gelesen werden und den Leserinnen auch gefallen. Weshalb ich Rezensionen und Kritiken auf Amazon immer ganz neugierig verfolge. Es ist einfach schön, die Arbeit nicht in einen leeren Raum hinein zu machen, sondern zu sehen, dass sich der Aufwand auch gelohnt hat.

Zu der von Jonathan Maberry herausgegebenen Kurzgeschichtenanthologie Akte X – Vertrauen sie niemandem, aus der ich sechs Geschichten übertragen habe und die bei Cross Cult im März erschienen ist, sind inzwischen erste Bewertungen und Meinungen veröffentlicht worden.

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Irene Salzman liefert auf Phantastik-News.de eine kleine Übersicht über das, was die Leserin erwartet und ist von den Geschichten offenbar recht angetan:

Spukhäuser, magische Orte, Zeitreisen, Gestaltwandler, Vampire, Mörderpuppen, Aliens, rachsüchtige Wissenschaftler und was man sonst noch erwartet, wenn man „Akte X“ schaut oder liest, findet man in dieser Anthologie. Ausnahmslos bewegen sich die Storys auf einem gleichbleibend hohen Niveau und erfüllen die Ansprüche der Fans. Auch die Charaktere sind bestens getroffen, sodass das Kopfkino beim Lesen mitläuft.

Auf ihrem Blog Blutrot kommt Jamie zu dem Schluss:

»Akte X – Vertrauen Sie niemandem« ist ein echt super spannendes, gruseliges Buch voller Action, Humor und vieler Anspielungen auf die TV-Serie. Mir jedoch am wichtigsten: Das Buch und seine einzelnen Geschichten konnten sehr gut an die Stimmung aus der Serie anknüpfen: Der Zwiespalt zwischen Mulders Hoffnung und Glauben an das Übernatürliche und Scullys skeptische, wissenschaftliche Art, die gruselige, mysteriöse Atmosphäre und die super abwechslungsreiche Welt der X-Akten.

Justine Wynne Gacy (Marilyn-Manson-Fan?) meint auf ihrem Blog:

Scully und Mulder waren und sind für mich schon immer das Traumpaar der mysteriösen Ermittlungen. Meine Kindheit verbrachte ich gebannt vor dem TV und sah zu wie sie die unglaublichsten Fälle lösten. Somit war dieses Buch für mich ein Trip in die Vergangenheit.

Christian Siegel widmet der Anthologie auf FictionBOX.de eine sehr ausführliche Besprechung, in der er auch auf die einzelnen Geschichten eingeht und sie bewertet (insgesamt vergibt er 3,5 von 5 Punkten):

Mit „Katatonie“ von Tim Lebbon legt „Vertrauen Sie Niemandem“ gleich mal einen sehr guten Start hin. Die Grundidee hinter der Geschichte ist durchaus interessant, und auch über den Auftritt von Alex Krycek habe ich mir sehr gefreut. Die größte Stärke ist aber Lebbons gewitzter Schreibstil, mit dem er den Dialogen zwischen Mulder und Scully viel Humor einverleibt, was das Lesen sehr unterhaltsam macht.

Solches Lob freut mich natürlich als Übersetzer besonders, da es mir anscheinend gelungen ist, den Dialogwitz in die deutsche Fassung zu übertragen.

Florian Hilleberg hat die Geschichten für Literra besprochen und verschweigt zum Glück auch nicht, was ihm nicht gefallen hat, ist aber insgesamt auch sehr angetan:

Siebzehn Autoren mit Rang und Namen zeigen auf innovative Weise was für ein enormes Potenzial die Serie noch immer birgt. Mit abwechslungsreichen und spannenden Storys wird dem Leser ins Bewusstsein gerufen, dass absolut niemandem zu trauen ist. Eine Horror-Thriller-Science-Fiction-Anthologie der Superlative.

Moritz Mehlem scheibt auf DnD-Gate:

Eine recht klassische Monster of the week-Sammlung ohne große Schwächen und mit einigen Highlights. Perfekt, um sich auf die neue Staffel einzustimmen und wieder in den „I want to believe“-Groove zu kommen. Wenn es jetzt noch einen roten Faden gegeben hätte, wäre ich noch begeisterter gewesen, aber auch so gilt eine klare Kaufempfehlung für alle Fans der Mystery-Serie.

Aber nicht alle sind gleichermaßen begeistert. Das wäre mir auch schon fast unheimlich geworden. Thomas Götz äußert sich auf Trekzone.de kritischer:

Nach einem interessanten Start versinken die Stories zunehmend im ähnlichen Handlungsablauf, so das sich Langeweile einstellt. Diese bereits aus der Serie bekannte „Krankheit“ hätte man durchaus ausmerzen können, so bleibt leider nur ein etwas halbgarer Band zurück, der es gerade mal so ins Mittelfeld schafft.

Auf Amazon gibt es bisher 9 Bewertungen mit einem Schnitt von 5 Sternen (wobei einer davon der schon oben erwähnte Florian Hillenberg ist), und begründen auch relativ ausführlich und nachvollziehbar, warum die Geschichten gefallen haben. Als Fazit daraus habe ich gezogen, dass es den Leserinnen vor allem gefällt, wieder neue (alte) Abenteuer mit Mulder und Scully zu erleben, die sehr an die ersten Staffeln der Serie erinnern.

Auf Lovelybooks gab es eine Leserunde, in der die Geschichten im Einzelnen (natürlich mit Spoilern) besprochen wurden, aber es gibt auch einige spoilerfreie Besprechungen im Fazit. Dass es zwei Geschichten mit Direktor Skinner als Hauptfigur gibt, ist größtenteils auch sehr positiv angekommen. Mir hat das auch sehr gefallen.

Es gibt auch eine Hörbuchfassung von Audible. Aber leider, leider kann ich die nicht guten Gewissens empfehlen, spricht doch der Sprecher den Namen von Mulder konsequent falsch als Malder aus. Hier hat Audible auch eine echte Chance vertan, die Originalsprecher Franziska Pigulla und Benjamin Völz wieder zusammenzuführen. Gerade, nachdem Pro 7 ja für die neue 10. Staffel, sehr zum Entsetzen der Fans, einen neuen Synchronsprecher für Mulder engagiert hat (was meiner Meinung nach gar nicht geht, Völz ist einfach Kult). Mit den beiden an Bord hätte das Hörbuch einen echten Mehrwert gehabt. Schade.

Abgeliefert: „Dunkle Materie“ von Carolyn Ives Gilman

Letzten Montag habe ich die Übersetzung des Science-Fiction-Romans Dunkle Materie (Dark Orbit) bei Cross Cult abgeliefert. Soll im ausgezeichneten Herbstprogramm neben Linda Nagata, Nnedi Okorafor und Connie Willis erscheinen.

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Das Titelbild stammt von Martin Frei.

Dunkle Materie spielt in der fernen Zukunft der Zwanzig Planeten, in der die Menschen per Lichtstrahl von Welt zu Welt reisen. Doch während für die Reisenden nur wenige Sekunden vergehen, verstreicht für jedes Lichtjahr Distanz ein Jahr für den Rest der Menschheit.

For others, time passed. For a Waster, it was always just now. Fraglos eines der Highlights in „Dark Orbit“, dem jüngsten Roman Carolyn Ives Gilmans, ist das Anfangskapitel, in dem die US-Autorin die schönste Beschreibung eines nonlinearen Lebensstils seit Joe Haldemans „Der ewige Krieg“ abliefert.

(Schreibt Josefson in der SF & F Rundschau)

Zur Gemeinschaft dieser ausgegrenzten Reisenden, die sich in der ständig wandelnden normalen Welt stets fremd fühlen, gehört auch die Exoethnologin Saraswati Calicot, die eine einmalige Gelegenheit erhält, auf ein Erkundungsschiff zu reisen, das einen neuen Planeten entdeckt hat. Diese unbemannten Schiffe wurden vor Jahrhunderten von den Vorfahren der jetzigen Menschheit ausgeschickt, um die unermesslichen Weiten des Alls nach neuen Planeten und nach Leben zu durchsuchen. Per Lichtstrahltransmitter reist Sara auf das achtundfünfzig (Licht-)Jahre entfernte Erkundungsschiff Escher, das um den fremdartigen Regenbogenplaneten Iris kreist, der sich in einem Teil des Weltraums befindet, in dem Raum und Zeit nicht mehr den Gesetzen der Physik gehorchen zu scheinen und Dunkle Materie zu Anomalien im Gefüge des Universums führt.

lntellectually daring, brilliantly imagined, strongly felt. This one’s a winner.

Ursula K. Le Guin.

Von allen Romanen, die ich bisher übersetzt habe, hat mir dieser am meisten Spaß gemacht. Die Übersetzung ging mir daher auch leicht von der Hand und war erstaunlich schnell fertig. Das ist eine jener Geschichten, in der ich mich sofort heimisch gefühlt habe, in die ich intensiv eingetaucht bin. Eine komplexe und elegante Geschichte über zwei starke Frauen und die Grenzen unserer Wahrnehmung – mit viel »Sense of Wonder«.

Reizvoll ist in „Dark Orbit“ etwa die brisante Chemie zwischen Sara und dem Sicherheitschef der Expedition, Dagan Atlabatlow. Sie entstammt einer Kultur, in der man auf Autoritäten pfeift – er kommt von einem Planeten, auf dem man glaubt, dass die innigste Beziehung zwischen Jäger und (menschlicher) Beute besteht.

Josefson

Neben dem Sense of Wonder kommen auch das Innenleben der Figuren und ihre Beziehungen untereinander nicht zu kurz.

Und hier noch ein kleiner (unlektorierter und unkorrigierter) Auszug aus meiner Übersetzung):

In einer einzelnen Reihe schritten sie hinaus in die Prärie, mit Atlabatlow an der Spitze, der das Gras mit einem Wanderstock teilte, um Speerpflanzen und eine Art niedrigem Bodenkaktus mit metallischen Nadeln, die sie ebenfalls im Gras gefunden hatten, aufzuspüren. Bis auf ein paar gelegentliche Warnungen oder Aufschreie, wenn eine Nadelfliege jemandes Overall durchbohrte, gab es keine Unterhaltungen. Hinter sich konnte Sara hören, wie Mr. Gibb sich selbst Notizen diktierte. »Die Entdecker brechen auf, um einen jungfräulichen Planeten zu penetrieren und seine Geheimnisse freizulegen. Iris, in Geheimnisse verhüllt, und so weiter, und so weiter.«
Sie kamen nur langsam voran. Ihre Augen waren notwendigerweise auf den Boden vor sich gerichtet, und so hörten sie die Anomalie, bevor sie sie sahen.
Über dem Pfeifen des Windes auf dem Gras lag ein schwacher musikalischer Unterton, der an Windspiele erinnerte. Inzwischen konnten sie die Grenze des Gebiets deutlich vor sich sehen, und so hielten sie verblüfft an.
Sara konnte nicht im mindesten verstehen, was sie da sah. In einem Moment sah es wie die vertikale Oberfläche eines Sees aus; im nächsten wie eine Masse aus kantigen Spalten – Risse im Tag. Für einen Augenblick hatte sie das Gefühl, dass sie nach unten blickte, über den Rand des Abgrunds, und trat einen Schritt nach vorne, um den Fall zu stoppen, nur um herauszufinden, dass der Boden immer noch horizontal war, auch wenn sie desorientiert schwankte.
»Was zur Hölle?« keuchte sie.
Thora neben ihr starrte mit gebannter Faszination darauf. »Das ist etwas, zu dem unsere Sinne nicht entwickelt sind, es wahrzunehmen«, sagte sie.
Überraschenderweise war es Mr. Gibb, der rausfand, um was es sich handelte. »Oh, ich verstehe«, sagte er plötzlich. »Das ist ein Wald.«
»Was?« Sara konnte keinerlei organische Formen darin sehen – zumindest keine nach menschlichen Maßstäben.
»Die ganzen kleinen Reflexionen, das sind die Blätter«, erklärte er. »Die Stämme sind die vertikalen Oberflächen, wie facettierte Spiegel. Einige von ihnen besitzen diese reflektierenden Wedel und Bänder anstelle von Blättern. Deshalb ist es so schwierig, die Stämme zu sehen.«
Mit einiger geistiger Anstrengung gelang es Sara, zu sehen, was er meinte. Es war, als würde man auf ein visuelles Paradoxon blicken, als würde sie sich zwingen, die beiden Gesichter anstelle der Vase zu sehen.
»Das ist sehr clever«, sagte Thora leise, »und sehr falsch.«
Falsch oder nicht, die schimmernde Wand aus Reflexionen, die sich jetzt in eine Art kubistische Origamiszene auflöste, ergab zumindest einen bizarren Sinn. Die Musik kam aus dem Inneren.
»Windspielbäume«, sagte Sri Paul. Er hielt einen Taschenrecorder in der Hand und stellte ihn darauf ein, Choralgesänge abzuspielen. Als der erste Akkord des Glockenkonzerts erklang, wurde er umgehend von dem Wald zurückgeworfen. Es folgte ein Arpeggio, das im Bruchteil einer Sekunde später von den flüssigen Windspielen imitiert wurde. Paul hielt die Aufzeichnung an, und die Waldmusik kehrte zu den komplexeren Harmonien von vorher zurück. »Zeichne es auf und spiel es ab«, schlug Ming vor. Paul tat es, und die Musik der Bäume pfiff fröhlich zur Antwort.
»Du musst eine Art sympathischer Vibrationen ausgelöst haben«, sagte Touli.
»Spiegelbilder«, grübelte Thora mehr zu sich selbst.
Vorsichtig näherten sie sich dem Rand des Waldes. Kurz davor musste sich Sara erneut geistig anstrengen, um die Bäume zu sehen. Ihre Stämme sahen wie Klumpen aus transparentem Kristall aus, wie Kandiszucker am Stiel. Um sie herum hingen die »Blätter« – lange, baumelnde Dinger in Prismenform, so durchsichtig wie Glas, die klingelten, wenn sie sich, durch den Wind aufgewühlt, gegenseitig berührten.
Die Windspielblätter bildeten einen dicken Vorhang am Waldrand und reichten fast bis auf den Boden. Während sie sich drehten und wandelten, warfen sie Regenbogenschatten. Ein Spektrum jagte über Atlabatlows entschlossenes Gesicht, als er seinen Stock ausstreckte, um eines der größten Blätter zu berühren, das fast so groß wie er war. Doch statt die Oberfläche zu berühren, ging sein Stock durch das Blatt hindurch, sein Ende tauchte auf der anderen Seite wieder auf, um sechzig Grad von der Ausgangsposition abgewinkelt. Langsam zog er ihn wieder raus, sie versammelten sich alle darum, um ihn zu inspizieren. Er sah perfekt intakt und ganz unberührt aus.
»Es muss eine Art optischer Täuschung sein«, sagte Touli. Dann, bevor jemand reagieren konnte, trat er nach vorne, um das Blatt selbst zu berühren. Seine Hand fuhr durch die spiegelartige Oberfläche und trat auf der anderen Seite aus, in einem unmöglichen, gebrochenen Winkel verdreht. Es sah so schrecklich aus, dass mehrere Leute aufkeuchten. Aber er zog seinen intakten Arm wieder hervor, betrachtete ihn neugierig und wackelte mit den Fingern.
»Bitte seien Sie in Zukunft vorsichtiger«, sagte Atlabatlow mit ernster Stimme. »Wir haben keinen Arzt dabei.«
»Wie fühlt sich das an?«, fragte Thora eifrig.
»Als würde man eine Wasseroberfläche durchstoßen«, brummelte Touli nachdenklich. »Ich glaube nicht, dass es eine optische Täuschung ist.«
Das Windspielblatt hatte sich im Wind gedreht, und Atlabatlow benutzte jetzt seinen Stock, um es zurückzudrehen. In dem Augenblick, in dem der Stock das Blatt berührte, zerfiel er in zwei Teile, als wäre er sauber von einer lautlosen Kreissäge zerschnitten worden.

Belegexemplare eingetroffen: „Akte X – Vertrauen Sie Niemandem“

Ich bin Akte X-Fan der ersten Stunde. Als Pro Sieben die erste Folge am 5. September 1994 ausstrahlte, war ich 14 Jahre alt, vom Golden Age of Science Fiction (twelve) also noch nicht allzu weit entfernt. Natürlich kannte ich damals schon Raumschiff Enterprise und Twillight Zone, meine Lieblingsserie war Twin Peaks, aber Akte X war noch mal was ganz anderes. Hier kulminierten Verschwörungstheorien, Aliens und das Übernatürliche zu einer einzigartigen, kultigen Mischung, die mich über viele Jahre gebannt vor der Mattscheibe hielt. Ausgestiegen bin ich dann kurz nach David Duchovny, da hatte die Serie für mich den berühmten Hai übersprungen und ihren Reiz verloren.

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Da die beiden deutschen SynchronsprecherInnen von Mulder und Scully, Benjamin Völz und Franziska Pigulla, mit ihren Kultstimmen maßgeblich zu der dichten Atmosphäre der Serie beigetragen haben, habe ich mir beim meinem Rewatch der ersten vier Staffeln im letzten Jahr auch wieder die deutsche Fassung angesehen (obwohl ich inzwischen sonst alles im Original gucke).

Als man mich fragte, ob ich einige Kurzgeschichten für eine Akte X-Anthologie übersetzen wolle, habe ich keine Sekunde gezögert, den diese Mystery-Serie ist ein prägender Teil meiner Jugend gewesen. Dank der erneuten Sichtung der ersten Staffeln hatte ich auch den Tonfall der deutschen Stimmen im Kopf, während ich übersetzt habe. Und einige der Autoren haben diesen Tonfall von Mulder und Scully wirklich gut getroffen. Unter ihnen übrigens Brian Keene – jener Autor, mit dem meine Übersetzerkarriere vor einigen Jahren begonnen hat (seine Hauptfigur ist allerdings Skinner).

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„Akte X“ in prominenter Gesellschaft auf der Leipziger Buchmesse

Mit der kürzlich ausgestrahlten (und reichlich verstrahlten) zehnten Staffel konnte ich leider nicht viel anfangen, da ich sie (vor allem die Folgen von Chris Carter) für recht schlecht geschrieben halte. Da treffen die Kurzgeschichten in diesem Band (sicher nicht alle), die unterschiedlichen Zeiträume im Akte X-Universum abdecken Ton und Atmosphäre deutlich besser.

Solche Franchisegeschichten sind ja nicht jedermanns und -fraus Sache, aber wer nochmal Lust auf die gute Alte Akte X-Atmosphäre hat, sollte sich dieses Anthologie nicht entgehen lassen. Sie enthält 15 Geschichten. Meine Lesetipps:

Non Gratum Anus Rodentum von Brian Keene, in der Direktor Skinner von seiner Vergangenheit in Vietnam eingeholt wird.

Die Bestie von Little Hill von Peter Clines, eine amüsante Geschichte, in der es Scully und Mulder mit Rednecks und vermeintlichen (?) Aliens im Gefrierschrank zu tun bekommen.

Späte Einsicht von Aaron Rosenberg, in der sich Walter Skinner mit einer widerspenstigen Dame aus der Buchhaltung rumschlagen muss.

Bisher kenne ich allerdings auch nur die sechs Geschichten, die ich übersetzt haben. Den Rest muss ich noch lesen. Aber vertrauen Sie mir und kaufen Sie Vertrauen Sie niemandem, erschienen bei Cross Cult in der Übersetzung von Claudia Kern, Sabine Elbers, Helga Parmiter Susanne Picard und Markus Mäurer.

Verschiedenes zum Übersetzen

Auf der Seite Schwarz auf Weiß berichtet die Übersetzerin Gabriele Haefs (Percy Jackson) über ihre Abenteuer beim Übersetzen. In Teil 4 erzählt sie auf sehr amüsante Weise von ihren Kontakten zu ambitionierten Nachwuchsübersetzerinnen und Übersetzern und deren Kampf gegen die Realität.

Ich bin selbst mal einer dieser Nachwuchsübersetzer gewesen, die bei einem erfahrenen Kollegen um Rat gebeten haben, wie der Berufseinstieg am besten gelingen könne. Wer diesen Blog hier schon länger verfolgt, weiß vielleicht, dass in meinem Fall das bedauernswerte Opfer meiner naiven Anfrage Frank Böhmert war, der darauf hin auf seinem Blog den Beitrag Literaturübersetzer werden – aber wie? verfasste, mit dem für mich alles begann. Zu sehr kann ich Frank aber damals (2009) nicht genervt haben, da wir heute noch Freunde sind und er mir schon mal Unterschlupf gewährt, wenn ich in Berlin bin.

Sechs Jahre sind nach dieser ersten Anfrage und meinen ersten Überlegungen Übersetzer zu werden vergangen, bis es dann so weit war, dass ich den Beruf erstmals tatsächlich hauptberuflich ausgeübt habe. Was vor einem Jahr war. Dazwischen lagen noch 4 Jahre Studium und einige Tätigkeiten als Sozialpädagoge, wobei ich währenddessen immer schon nebenberuflich übersetzt habe. Es ist also machbar, kann aber bisweilen ein langer Weg sein.

Die aktuellste von mir erschienene Übersetzung ist Die Maschine erwacht von Adam Christopher bei Cross Cult. Das Wichtigste, was ich nach Abgabe der Übersetzung bekomme, ist natürlich das Honorar, aber ich freue mich auch sehr über Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern. Es ist doch ein befriedigendes Gefühl, zu sehen, dass das, was man übersetzt hat, auch auf Gefallen stößt und dass man einigen Menschen damit ein paar schöne Lesestunden verschafft hat. Mit Ausnahme der beiden Bücher von Edward Lee ist das Feedback der Leserschaft zu den von mir übersetzten Büchern aber recht überschaubar, weshalb ich mich über jede noch so kleine Besprechung freue.

Wie auch schon zu Das Blut der Helden und den beiden Captain Future-Romanen, gibt es zu Die Maschine erwacht bisher recht wenige Bewertungen, aber auch hier fallen sie größtenteils positiv aus.

Auf Amazon.de schreibt Kaiz74:

Ein solides und komplexes SF-Machwerk, gespickt mit Verschwörungen und vielen verschachtelten Geheimnissen.

Auch das 2. Buch der Reihe kann grundsätzlich überzeugen.

Auf Splashbooks hat Götz Piesbergen eine etwas ausführlichere Besprechung verfasst:

Was Adam Christopher auf jeden Fall gelingt, ist eine gelungene Atmosphäre zu erzeugen. Innerhalb weniger Seiten weiß man, wo und wann man sich befindet. Und die Erde hat hier einen ähnlichen Charme, wie das Sonnensystem mit der unheimlichen Sonne des ersten Teils.

Die Story erinnert an einen SciFi-Krimi, was im vollkommenen Kontrast zum SciFi-Mystery-Grusel des Vorgängerbandes steht. Und auch von der Tonart her nicht passt.

Da hat er nicht ganz unrecht. Lesern, denen Band 1 vor allem wegen der Gruselatmosphäre gefallen hat, und die jetzt Ähnliches in Band zwei erwarten, könnten enttäuscht werden. Andererseits wiederholt sich Christopher nicht, sondern hat sich was Neues einfallen lassen, um dieses Universum um weitere interessante Aspekte zu erweitern. Dadurch ist auf jeden Fall für Abwechslung in der Reihe gesorgt.

Belegexemplare eingetrudelt: Die Maschine Erwacht von Adam Christopher

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Heute sind die Belegexemplare zu meiner Übersetzung von Adam Christophers Die Maschine erwacht eingetroffen. Dazu hier noch mal der Klappentext:

Als der alternde Flottenadmiral ermordet wird, vermutet Special Agent Von Kodiak, es wäre das Werk seines Nachfolgers gewesen. Doch als auch dieser ermordet wird, gerät alles aus den Fugen und Kodiak findet heraus, dass der Hauptverdächtige jemand aus seinen eigenen Reihen ist – ein PSI-Marine und ausgezeichneter Held – ein Held, der vor Monaten im Kampf gefallen war … Doch noch etwas anderes geht im Jovian-System vor sich. Sie sind hinterlistig und intelligent. Sie sind Maschinen und sie sind hungrig. Die Spinnen sind nicht mehr weit …

Warum es sich lohnt, das Buch zu lesen? Ich finde, dass Christopher da ein sehr interessantes Zukunftsszenario entworfen hat: Die Menschheit im Konflikt (manche nennen es auch Krieg) mit einer intelligenten Maschinenrasse, die aus spinnenartigen Wesen besteht, die teilweise so groß sind, dass sie ganze Kontinente verschlingen können (zwecks Rohstoffabbau). Was sie in diesem Fall auch mit Südamerika gemacht haben. Die Erde ist also deutlich gezeichnet, von diesem Konflikt (der auf unzähligen Planeten auf äußerst blutige Weise ausgetragen wird). Geführt wird die Menschheit dabei von einer militärischen Organisation, die deutlich autoritärer ausgelegt ist, als die Sternenflotte.

Während Band 1 noch auf einer abgelegenen Weltraumstation spielt, geht es jetzt mit neuen Hauptfiguren auf die Erde, wo sich ein spannender Thrillerplot um eine Verschwörung innerhalb der Führungsriege und dem militärisch-industriellen Komplex entfaltet, die zu einer spannenden Hetzjagd und schließlich zu einem spektakulären Showdown im All führt.

Die Maschine erwacht ist ein flott zu lesender und unterhaltsamer SF-Thriller in militärischem Umfeld, mit einer ganz interessanten (wenn auch nicht übermäßig detailliert ausgebauten) Zukunftsvision. Kann man auch unabhängig von Band 1 lesen.

Die Übersetzung von Band 3 werde ich vermutlich Anfang nächsten Jahres beginnen (der Autor muss erst selbst noch mit dem Buch fertig werden).

Mich freut es jedenfalls, wenn mein Regal mit den Belegexemplaren weiter anwächst. Da fehlt jetzt noch Captain Future – Sternenstraße zum Ruhm. Aber ich habe keine Ahnung, wann das erscheinen wird. Sicher nicht vor Mitte 2016.

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An dieser Stelle möchte ich mal auf das lesenswerte Romanprogramm von Cross Cult hinweisen. Da gibt es nicht nur Franchise-Romane zu Star Trek, Dr. Who, James Bond, Castle usw., sondern inzwischen auch eine eigenständige SF-Schiene mit (nicht nur SF-) Romanen von Stephen L. Kent, Claudia Kern, Stephen Baxter und eben Adam Christopher. Dazu ist gerade ein dicker Kurzgeschichtenband von Tad Williams (Das Beste von Tad Williams) erschienen, der bei mir schon im Regal direkt neben den Osten-Ard-Romanen steht.

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