Was macht ein gutes Fantasycover aus? (Teil 1)

9781101965337

Titelillustration von Marc Simonetti. Quelle: Penguin-Randomhouse

Im Forum der Bibliotheka Phantastika wird regelmäßig über neue Cover bzw. Titelbilder von (vor allem, aber nicht nur) Fantasybüchern diskutiert. Und als gero kürzlich Folgendes zu dem Cover von Michael J. Sullivan schrieb:

Ich persönlich finde das Cover großartig, und es ist für mich mal wieder ein Beweis, dass „gemalte“ Cover (egal, ob konventionell mit Öl- oder Acrylfarben oder am PC entstanden) diesen nachbearbeiteten Fotos, die momentan auch in der Fantasy ziemlich in sind, weit überlegen sind (sofern der Künstler was kann, schon klar ;)). Cover wie dieses gewähren mMn einen Blick in eine andere Welt, wohingegen sowas – das ist jetzt ein willkürlich gewähltes Beispiel, ich hätte auch ein Dutzend andere Bilder nehmen können – für mich den Eindruck vermittelt, da sind ein paar LARPer zum nächsten Auftritt unterwegs.

habe ich mich gefragt, was für mich ein gutes Cover ausmacht? Es heißt ja: don’t judge a book by it’s cover. Und da ist natürlich was dran. Ich kaufe mir kein Buch, nur weil es ein tolles Cover hat. Und ich lasse auch kein Buch liegen, weil mir da eine ästhetische Scheußlichkeit vom Buchdeckel ins Gesicht springt.

Aber wenn ich eine Buchhandlung gehe, in der mehrere hundert oder sogar über tausend Bücher in den Regalen stehen, dann kann ich mir nicht zu jedem einzelnen den Klappentext und die ersten Seiten durchlesen. Da muss ich eine Vorauswahl treffen. Ist mir der Name des Autors bekannt oder ich habe sogar ein paar Rezensionen zu dem Buch gelesen, werde ich natürlich dadurch schon beeinflusst. Aber bei mir völlig unbekannten Autoren und Bücher findet die erste Auswahl eben durch das Cover und den Buchtitel statt.

Um mir ins Auge zu fallen, sollte beides möglichst ansprechend gestaltet sein, um sich von der Masse der anderen Bücher, die mit den Füßen scharrend um meine Aufmerksamkeit buhlen. Da reicht es nicht, einfach den Arm zu heben und zu rufen: »Hier, nimm mich, nimm mich.« Gerade in der Fantasy muss mir das Cover nicht nur optisch gefallen. Es muss mich verführen, mir eine Geschichte versprechen. Und zwar nicht irgendeine, sondern eine voller Abenteuer, Mysterien, Dramen und Spannung.

Warum gerade in der Fantasy? Das hat sich wohl über die Jahrzehnte so entwickelt. In anderen Genres wie dem Krimi oder der allgemeinen Belletristik sind mir die Cover nicht so wichtig, dort haben sie auch oft wenig mit dem Inhalt zu tun. Aber in der Fantasy hat sich, wenn ich mich nicht täusche, vor allem ab den 70er Jahren durch Künstler wie Michael Whelan oder Frank Frazzetta eine Tradition der ansprechenden Bildgestaltung auf den Covern von Fantasybüchern entwickelt, die – zumindest im Idealfall – ein wenig von der Magie der von ihnen bebilderten Geschichte widerspiegeln.

Ich versuche, das Thema mal anhand von einigen älteren Beispielen aus meinen Bücherregalen zu erläutern, die ganz gut die Tradition der Fantasycover auf dem deutschen Buchmarkt wiederspiegeln. Wobei diese Betrachtung natürlich völlig subjektiv und von meiner eigenen Lesehistorie in den 90er Jahren stark beeinflusst ist.

P1000988

Das hier ist das erste Fantasybuch, das ich je gelesen habe. Nach langem Stöbern in einer Buchhandlung, dem Lesen vieler Klappentexte und dem Betrachten vieler Cover entschied ich mich für Der Lehrling der Magiers von Raymond Feist. Eine Entscheidung, die goldrichtig war. Denn damit begann eine Leidenschaft, die bis heute anhält.

Der Titel deutet ja schon darauf hin, dass es um einen Magierlehrling als Hauptfigur geht. Da liegt es nahe, dass es eben jener Junge ist, der hier über einem großen und geheimnisvoll wirkenden Buch brütet, während die brennenden Säbel drohend über seinem Kopf schweben. Das verheißt auf den ersten Blick Abenteuer und Magie. Und genau das bekommt man auch. Über den trantütigen Blick des jungen Mannes lässt sich allerdings streiten.

P1000989

Auch die Bilder von Teil 2 und 3 (die ebenfalls von Ferenc Regös stammen) passen zu den jeweiligen Geschichten und versprechen Abenteuer (junger? Mann mit Reisekleidung, Schwert und Bogen vor malerischer Flusslandschaft) und Spannung (düstere Gestalten in Kapuzenumhängen mit gefährlich langen Dolchen vor einer auf einem Berg thronenden Festung). Wobei mich die Dolche durch die unterschiedliche Griffhaltung etwas irritieren.

Das sind jetzt alles keine wirklich Meisterwerke der Titelbildgestaltung, aber sie liefern brauchbare Hinweise auf den Inhalt und wecken Neugierde. Vor allem, wenn man sie mit der völlig nichtssagenden und überhaupt nicht zum Inhalt passenden Covergestaltung der aktuellen Neuauflagen vergleicht, die für alle drei Bände ähnlich aussieht, nur mit anderen Farben und ein paar Abweichungen in Details.

Die Midkemia-Saga 1 von Raymond Feist

Die Midkemia-Saga 1 von Raymond Feist

Damals Mitte der 90er Jahre, als wir noch kein Internet hatten, und ich auch keine Ahnung von irgendwelchen Fantasymagazinen, waren Cover und Klappentext so ziemliche meine einzigen Entscheidungshilfen bei der Bücherauswahl.

Die kam dann auch bei einem meiner nächsten Fantasybücher zum Tragen. Den Sammelband mit 6 Romanen um Elric von Melnibone von Michael Moorcock. Bis heute eines meiner liebsten Bücher, dass ich, ähnlich wie jene von Feist, schon mehrfach gelesen habe.

P1000990

Hier war es die bleiche Gestalt, mit den dämonischen roten Augen, dem finsteren Blick, der martialischen, schwarzen Rüstung und dem verdammt großen Schwert, die mein Interesse weckte. Ach ja, und natürlich die Drachen. Auch hier passt das Bild zum Inhalt, zeigt es doch den tragischen Titel(anti-)helden Elric von Melnibone, unglücklicher Herrscher eines Volkes von dekadenten Drachenreitern. Ein Cover (von Rodney Matthews, das direkt auf den ersten Blick keine optimistische High Fantasy verspricht, sondern düstere, ambivalente Sword & Sorcery.

P1000991

Ähnliches gilt auch für die beiden Kane-Titelillustrationen von Frank Frazetta, mit seinen muskolösen Barbaren, die allerdings nicht so ganz mit der Titelfigur korrespondieren.

P1000992
An den Titelzeichnungen zu Die vergessenen Reiche (Forgotten Realms) von Larry Elmore erkennt der erfahrene Fantasyleser sofort, dass es sich um Rollenspielfantasy handelt (also Fantasy, die auf Pen-&-Paper-Rollenspielen wie Dungeons and Dragons basieren), sieht man doch hier die einzelnen Teilnehmer der Heldengruppe abgebildet. In diesem Fall der Barbar Wulfgar, der Dunkelelf Drizzt, der Zwerg Bruenor und der Halbing Regis. Man ahnt sofort, dass diese Truppe gemeinsam Abenteuer in unwirtlichen, von schneebedeckten und zerklüfteten Gegenden erleben werden. Oder besser gesagt, dass man diese Abenteuer als Leser gemeinsam mit den Helden erleben wird.

P1000993

Ähnlich sieht es bei den Titelbildern der Drachenlanze aus, wobei man hier die Zeichnungen von Larry Elmore leider durch die wappenförmige Gestaltung des Covers viel zu sehr einschränkt und abschneidet; was man wohl getan hat, um ein wiedererkennbares Design der Serie zu schaffen. Auch hier werden Teile der Heldengruppe abgebildet.

P1000994

Auf den Titelbilllustrationen von Geoff Taylor zu David Eddings weitaus familienfreundlicheren High-Fantasy-Saga sieht man zwar auch Mitglieder der Heldengruppe, aber deutlich weniger martialisch dargestellt, mit einem Schwerpunkt auf den fantastischen Landschaften, in die er Leser bei der Lektüre abtauchen darf.

Solche Landschaftsillustrationen sind mir persönlich (neben opulenten Städten) die liebsten Fantasycover, da nichts so sehr Abenteuer verspricht, wie exotische, atemberaubende Landschaften. Die verhältnismäßig geringe Größe der Figuren vor diesen gewaltigen Landschaften verdeutlicht die Herausforderung, die diese Landschaft in ihrer Unermesslichkeit und mit all ihren Gefahren für die Protagonisten auf ihrer Heldenreise darstellen.

Eigentlich sollte das hier nur ein kurzer Beitrag darüber werden, was mir an Fantasycovern gefällt, und was nicht. Doch ich merke gerade, dass es da doch einiges zu sagen bzw. schreiben gibt, und ich, wenn ich meine Vorlieben erläutere, auch ein wenig auf die Genrehistorie auf dem deutschen Buchmarkt eingehen muss, so weit ich sie erlebt habe (also ab Mitte der 90er Jahre ungefähr). Und da ein einzelner Blogeintrag nicht zu lange werden sollte, wird es noch mehrere Teile zu dem Thema geben. Hier schließe ich jetzt erst mal mit einigen der ersten Cover ab, die mich geprägt haben, bevor es dann im nächsten Teil zu einigen Büchern geht, die ich mir gekauft habe (und die mir sehr gefallen haben), obwohl ich ihre Cover nicht so toll fand.

Zu den hier gezeigten Cover sei noch gesagt, dass ich sie jetzt nicht alle so gut fand, dass ich sie mir als Poster an die Wand hängen würde, aber jedes einzelne von ihnen hat etwas in mir angesprochen. Mit den Jahren hat sich mein Geschmack auch ein wenig verändert.

„Sternenschiff“ von Rachel Bach

P1000946

Ein Liebesroman mit Action im Weltraum. So beschreibt die Autorin ihr Buch scherzhaft im Interview am Ende des Buches. Das trifft es ziemlich genau, und es macht erstaunlich viel Spaß. Die Einflüsse der Geschichte um die Söldnerin Devi aus dem Königreich Paradox, die auf dem berühmt-berüchtigten Schiff Glücklicher Naar anheuert, dessen Sicherheitsmitarbeiter eine geringe Lebensdauer haben soll, denen aber tolle Berufsaussichten winken, wenn sie überleben, sind recht deutlich zu erkennen. Zum Glück verwendet die Autorin dabei nicht so holprige Schachtelsätze, wie den vorangegangenen, sondern bedient sich einer einfachen, flotten Sprache, um diese an Warhammer 40K aber auch Military-SF á la Kris Longknife angelehnte Geschichte zu erzählen, in der es um einen zwielichtigen Kapitän mit einer sympathischen Besatzung geht, die aber voller Geheimnisse steckt.

Es wird gar nicht so viel gekämpft, wie man vielleicht vermutet, aber wenn, dann geht es richtig zur Sache und erinnert mit Devis mechanisch-elektronischer Kampfrüstung und ihrem glühenden Thermitschwert stark an japanische Videospiele wie Final Fantasy. Devi ist eine tolle Frauenfigur, gar nicht so die klischeehafte Söldnerin, sondern eher eine abgeklärte Kampfsau mit liebenswürdigen Zügen, einem Hang zur Romantik und einem Hitzkopf, der sie ständig in Schwierigkeiten bringt. Zum Beispiel, wenn sie sich in den mysteriösen Schiffskoch Rupert verliebt, der ihr gerade durch seine zurückhaltende und schüchterne Art den Kopf verdreht.

Die meiste Zeit spielt die Handlung auf dem kleinen Schiff, ab und zu geht es mal auf einen gefährlichen Planeten oder ein noch gefährlicheres gegnerisches Schiff, während sich die Besatzung auf für Devi unbekannter Mission befindet. Apropos Besatzung, die besteht nicht nur aus Menschen, sondern auch aus einem vogelartigen Navigator und einem echsenartigen Schiffsarzt, der einer Rasse angehört, die am liebsten Menschen schlachtet und verspeist (aber eigentlich ein netter Kerl ist).

Viel Tiefgang oder außergewöhnlichen Weltenbau bietet die Geschichte nicht, aber das muss sie auch nicht. Als locker flockige Popcornunterhaltung macht sie auf ihre oberflächliche aber durchaus sympathische Art viel Spaß. Das ist genau die richtige Abwechslung, wenn man zwischen sperrigen Autoren wie Neal Stephenson und Kim Stanley Robinson mal etwas Leichtes benötigt. Aber anders als viele andere einfach gehaltene Space-Action-Romane, gibt es in Bachs Sternenschiff dreidimensionale Figuren mit Herz und einem gut ausgearbeiteten Hintergrund, der über die üblichen Abziehbilder hinausgeht. Trotz des relativ hohen Anteils an Action und Söldnergerede dreht sich die Geschichte vor allem um ihre Handlungsfiguren, allen voran die Ich-Erzählerin Devi.

Ach ja, es handelt sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte. Ein paar Geheimnisse werden gelüftet, aber vieles bleibt offen, und wird wohl erst in den beiden Fortsetzungen erklärt, die bisher aber nur auf Englisch erschienen sind. Vom langweiligen deutschen Titelbild und dem nichtssagenden und einfallslosen Titel Sternenschiff sollte man sich nicht abschrecken lassen. Im Original hat sich die Autorin mit Fortune’s Pawn, Honor’s Knight und Heaven’s Queen wohl von David Eddings inspirieren lassen, der in den fünf Titeln seiner Belgariad-Saga auch jeweils eine Schachfigur untergebracht hat. Die Übersetzung von Irene Holicki ließt sich ganz ordentlich, schwächt aber mit ihrer manchmal etwas biederen Wortwahl die rotzfrechen Formulierungen der Ich-Erzählerin im Original ein wenig ab.

Zu Beispiel wurde aus: Cotter leaned forward. »Where do you get off being such a bossy bitch?«

I looked him dead in the eyes. »I was born a bossy bitch, so you can either roll with it or get rolled over.«

»Cotter beugte sich vor. »Wo hast du eigentlich gelernt, so stur und zickig zu sein?

Ich schaute ihm fest in die Augen. »Ich wurde stur und zickig geboren, also spiel mit, oder du wirst überrollt.«

Autorin Rachel Bach lebt übrigens in der Stadt Athens im US-Bundestaat Georgia, nicht in Athen, wie es im Buch in der Autorinnenbeschreibung steht. 😉

Belegexemplar eingetroffen: phantastisch! Nr. 63

P1000948

Mein Belegexemplar der aktuellen phantastisch! ist eingetroffen, die, nachdem kürzlich bekannt wurde, dass die Nautilus eingestellt wird (die ich allerdings nie gelesen habe), das letzte regelmäßig erscheinende gedruckte Phantastikmagazin in deutscher Sprache ist, das den Schwerpunkt nicht auf Blockbusterfilmen hat (dabei denke ich an die Geek, die aber auch einen kleinen Literaturteil hat).

Nach erstem Durchblättern habe ich schon einige Artikel entdeckt, auf deren Lektüre ich mich freue. Ein Interview mit dem in Deutschland viel zu wenig stattfindenden Tim Powers, von dem auch viel zu wenig auf Deutsch veröffentlicht wird. Ich finde es sehr löblich, dass die phantastisch! Autoren interviewt, die bei uns (oder zumindest bei den deutschen Verlagen) aktuell nicht so hoch im Kurs stehen, wie in der letzten Ausgabe z. b. Gregory Benford.

Auch freut es mich, dass Achim Schnurrer einen Bericht über das PAN-Branchentreffen in Köln geschrieben hat, das im April stattfand und an dem ich auch teilgenommen habe. Eigentlich wollte ich auch einen Bericht schreiben, habe es aber irgendwie nicht auf die Reihe bekommen.

Mit einem kurzen Artikel stellt Christian Endres Paolo Bacigalupi vor, dessen Debütroman The Wind Up Girl (Biokrieg) ich großartig fand, und dessen aktueller Roman The Water Knife (Water) im letzten Jahr auch außerhalb des Genres für Aufsehen sorgte. Muss ich unbedingt noch lesen.

Gespannt bin ich auch auf den Artikel über die neue Reihe an phantastisch-historischen Serien, wie dem ausgezeichneten Penny Dreadful mit der herausragenden Eva Green, einer Horrorserie, die in der dritten Staffel leider etwas überhastet zum Abschluss gebracht wurde. Oder die großartige Verfilmung von Susanna Clarkes Jonathan Strange und Mr Norrel. The Frankenstein Chronicles und Houdini und Doyle interessieren mich eigentlich nicht, aber vielleicht ändert der Artikel das ja.

Was ich nicht lesen werde, ist die Kurzgeschichte Der Holzkobold von Brian Stavely. Denn diese Geschichte um einen melancholischen kleinen Holzdieb kenne ich schon, da ich sie übersetzt habe. Stavley Fantasyroman der verlorenen Thron kann ich übrigens nur empfehlen.

An dieser Stelle möchte ich mich mal bei den Machern der phantastisch! bedanken, die es seit 63 Ausgaben schaffen, vier Mal im Jahr immer pünktlich und auf gleichbleibendem Niveau Phantastisches abzuliefern. Auch, wenn ich mir hier und da eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit dem Genre wünschen würde. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, und die phantastisch! bleibt ihrer Linie konsequent treu.

Was dürfen Bücher kosten?

Da ich selbst vom Übersetzen von Büchern lebe, und davon, dass die Leserinnen und Leser dafür bezahlen, habe ich natürlich ein direktes Interesse daran, dass sich Bücher gut verkaufen. Aber in diesem Beitrag möchte ich die Frage rein aus Leserperspektive beantworten. Der Preis eines Buches wirkt sich übrigens überhaupt nicht auf das Honorar des Übersetzers aus. Ich zumindest weiß nicht, was das Buch, dass ich übersetze, später kosten wird.

Ein Blick auf meine Bücherregale zeigt schnell, dass die Taschenbücher eindeutig dominieren. Ich würde mal sagen, 80% meiner Bücher sind Taschenbücher (und Paperbacks). Das hat mehrere Gründe. Die Sammlung habe ich mir in den letzten zwanzig Jahren angelegt, angefangen als Schüler, der mit seinem Budget haushalten musste. Dazu kommt, dass ich damals fast ausschließlich Fantasy und Science Fiction gelesen habe, was beides klassische Taschenbuchgenres sind, in denen nur wenige Titel zunächst als Hardcover erscheinen. Da ich nach der Schulzeit eine nicht unbeträchtliche Zeit meines Lebens Student gewesen bin, musste ich auch in dieser Phase darauf achten, wie viel Geld ich ausgebe, und teure Hardcovers ab 20 Euro aufwärts waren da nicht drin.

Inzwischen ist die finanzielle Lage etwas entspannter, aber da man vom Übersetzen auch nicht gerade reich wird, schaue ich immer noch sehr genau darauf, was ein Buch kostet. Da geht es nicht nur darum, ob ich es mir leisten kann, sondern auch darum, ob ich es mir leisten will. 25 Euro für einen mir unbekannten Autor, mit dem Risiko, dass mir das Buch nicht gefällt und ich es abbreche, ist mir ein zu hohes Risiko. Meine Grenze bei Autoren, von denen ich noch nichts gelesen habe, liegt bei 15 Euro. Da ist gerade noch so ein Klappenbroschur drin (wie zuletzt z. B. Das Schiff von Andreas Brandhorst).

P1000937

Hardcover kaufe ich fast ausschließlich von meinen wenigen Lieblingsautoren, vor allem von Stephen King, dessen neu erschienenen Werke im Hardcover auch nicht so teuer sind. Ganz selten mal von einem Autor, den ich noch nicht kenne, wenn ich aufgrund von Rezensionen oder sonstigen Gründen brennend neugierig auf das Buch bin. Wie zuletzt z. B. bei Auerhaus von Bov Bjerg oder im letzten Jahr The Grace of Kings von Ken Liu (fast 30 Euro). Ansonsten lese ich Hardcover meist, wenn ich sie mir in unserer Gemeindebücherei ausleihe, wie zuletzt z. B. Diese Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi.

P1000938

Ein zweiter Grund, warum ich wenig Hardcover kaufe, ist der Platz im Regal. Mit über 2.000 Bücher habe ich davon einfach nicht mehr viel. Meine über zwei Zimmer verteilte Bibliothek platzt aus allen Nähten, weshalb ich inzwischen verstärkt eBooks kaufe. Denn wenn ich mir ein Buch kaufe, dann behalte ich es auch (wobei ich kein Sammler bin, der einheitliche Ausgabe von Reihen und Serien haben muss). Ein paar gehen höchstens Mal als Spende an die Bücherei, aber ich verkaufe keine gebrauchten Bücher. Ich möchte meine Schätze behalten, selbst jene, die nicht so schön funkeln.

Hardcover sind auch ziemlich unhandlich. Ich weiß noch, dass ich, als ich Frank Schätzings Der Schwarm las, ständig Angst hatte, im Bett (meinem liebsten Leseort) davon erschlagen zu werden.

P1000935

Aber was darf ein Hardover kosten, damit ich es mir kaufe? Nicht mehr als 25 Euro. Das ist meine persönliche Grenze. Die Ausnahmen in meinem Regal kann man an einer Hand abzählen oder wurden mir geschenkt oder sonst wie kostenfrei zugeführt.

Zwischen Hardcover und Taschenbuch gibt es ja noch den unsäglichen Klappenbroschur bzw. das Paperback, das das Schlechteste aus beiden Welten vereint. Ist wie ein Taschenbuch verarbeitet, kostet aber fast so viel wie ein Hardcover und nimmt oft genauso viel Platz weg und ist ähnlich unhandlich, aber nicht so gut und stabil verarbeitet, da der runde Buchrücken fehlt – also auch unpraktisch zu lesen, weil man es nicht so gut aufklappen kann. Ist vor allem seit dem Boom der Völkerfantasy im Fantasygenre sehr beliebt. Ich finde es furchtbar und versuche es inzwischen zu meiden. Die Orks hat schon vor mehr als zehn Jahren 15 Euro gekostet, inzwischen geht die Preistendenz weiter nach oben. Aber 15 Euro bleiben für mich die Obergrenze.

P1000890

Traditionell ist das Taschenbuch mein liebstes Format – vorausgesetzt, dass es nicht mit winziger Schrift bedruckt ist. Bei englischen Büchern ziehe ich allerdings die digitale Version vor, da Taschenbücher dort oft grauselig auf billigem Papier verarbeitet sind, man sie kaum aufklappen kann und eine Lupe zum Lesen braucht. Ein Taschenbuch sollte für mich nicht mehr als 12 Euro kosten. eBooks auch nicht. Das sind 12 Euro für mich die Obergrenze bei Autoren, die mich besonders interessieren. Ansonsten geht es bis 6 Euro abwärts.

Wie gesagt, das ist mein persönliches Preisempfinden, das vor allem durch meine Zeit als Schüler und Student geprägt ist. Andere mögen da anders empfinden. Erstaunt bin ich ein wenig über diese Aussagen der Buchhändler, denen zufolge die Preisgrenze ihrer Kunden eher zwischen 35 bis 40 Euro liegen würde. Ich vermute mal, dass es sich dabei vor allem um LeserInnen handelt, die grundsätzlich oder überwiegend Hardcover kaufen und eher von Verlagen wie Hanser oder Kunstmann, also weniger Genreliteratur. In meinem sozialen Umfeld (virtuell und real) herrscht eher ein ausgeprägtes Preisbewusstsein, das mir in manchen Extremfällen aber auch schon als Geiz erscheint.

Bücher sollten meiner Meinung nach nicht zu viel kosten (wobei hier jeder für sich selbst definieren soll, was »zu viel« bedeutet). Sie sollten aber auch nicht zu billig sein, bzw. sich nicht unter Wert verkaufen. Das bezieht sich vor allem auf eBook-Ausgaben, die sich an den Kampfpreisen von Sefpublishern orientieren und unter 6 Euro liegen. Ich erwarte von einem Buch eine ordentlich lektorierte, korrigierte und gesetzte Fassung, und dafür bin ich auch bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Ich bin kein Sammler und auch kein Liebhaber von Sonderausgaben und besonderen Ausstattungen. Wobei ich ein besonders schön gestaltetes Buch durchaus zu würdigen weiß. Bücher von Golkonda kaufe ich mir z. B. ausschließlich in den Printausgaben, oder die tolle Tiptree-Gesamtausgabe von Septime. Aber mir kommt es in erster Linie auf den Inhalt an, die Ausstattung ist da zweitrangig. Wenn sich ein Buch scheiße liest, nutzt auch die tollste Ausstattung und Gestaltung nichts.

P1000936

Ich will mit diesem Beitrag jetzt nicht sagen, dass ich bestimmte Bücher für zu teuer halte. Sondern nur, dass ich mir bestimmte Bücher (je nach Ausgabe) ab einem gewissen Preis nicht mehr kaufe. Die Mentalität, bestimmte Sachen sofort nach Erscheinen lesen zu müssen (selbst bei meinen Lieblingsautoren), habe ich mir inzwischen abgewöhnt. Da bin ich sehr geduldig und warte gerne auf die Taschenbuchausgabe.

Wie sieht es bei euch aus?

 

Nachtrag: Es geht dabei um die Preise von neuen Büchern, nicht von gebrauchten. Gegen gebrauchte Bücher hege ich eine leichte monksche Abneigung, weshalb ich sie mir nur kaufe, wenn sie neu vergriffen sind.