Fantasy Filmfest 2015 – Kurzkritiken (2/2)

Hier die restlichen 8 Kurzkritiken. In den nächsten Tagen folgt noch ein abschließender Bericht mit Fazit zum Filmfest.

Sweet Home

Spanischer Beitrag zum Thema Gentrifizierung. Die junge Maklerin? Alicia inspiziert ein altes, heruntergekommenes Haus, in dem nur noch ein alter, nicht ganz so heruntergekommener störrischer Mann die Stellung hält. Warum Alicia auf die Idee kommt, ihrem englischen Freund zu dessen Geburtstag in dieser Bruchbude ein romantisches Schäferstündchen zu inszenieren, kann man wohl nur verstehen, wenn man in der Immobilienbranche tätig ist und dadurch einen speziellen sexuellen Fetisch für Wohnobjekte entwickelt hat. Jedenfalls stecken die beiden bald in der Falle, als böse, verkommene Gentrifizierer in das wie eine Festung verriegelte Haus eindringen (sie haben einen Schlüssel) und Jagd auf die beiden machen.

Sweet Home ist ein durchaus ansehnlicher und spannender Home-Invasion-Thriller, der aber zu keinem Zeitpunkt die Klasse und Kreativität von z. B. You’re Next erreicht. Der Reiz liegt darin, wie es der toughen Heldin gelingt, auf diesem begrenzten Raum dem übermächtigen Bösewicht zu entkommen. Da fiebert man durchaus mit.

Body

Die Story dieses nur 75-minütigen Films hätte man auch in eine 40-minütige Folge von Law and Order packen können. Drei junge Frauen lassen es in der Villa eines reichen Onkels krachen, bis unerwartet ein Mann auftaucht und alles furchtbar schiefgeht. Plötzlich stehen die drei jungen Damen vor den Scherben ihres zukünftigen Lebens und müssen einige schwerwiegende moralische Entscheidungen treffen. Ohne zu viel zu verraten, sie treffen natürlich immer die schlechteste Entscheidung.

Gelangweilt habe ich mich jetzt nicht wirklich während des Films, aber insgesamt ist er doch zu unspannend und undramatisch geraten. Da wäre mehr dringewesen.

Deathgasm

Ein jener typischen Fantasy-Filmfest-Crowdpleaser, die in jedem Jahrgang ein bis zweimal vorkommen (der zweite dieses Jahr ist wohl Turbo Kid). Damit sind vor allem Splatterkomödien gemeint, die in der besonderen Festivalatmosphäre doppelt so viel Spaß machen, als wenn man sie allein zu Hause vor dem Fernseher schaut. An Tucker and Dale vs. Evil reicht er nicht ganz heran, ich würde Deathgasm eher knapp über My Name is Bruce ansiedeln. Wenn man Metal-Fan ist, macht es sich er noch mehr Spaß.

In dem neuseeländischen Film geht es um einen Jugendlichen Metalhead, der unfreiwillig in der Spießerfamilie seines Onkels landet, an der neuen Schule einiges Mobbing aushalten muss, und sich rächt, in dem er eine satanische Hymne spielt, die all die Spießer und Mobber in von Dämonen besessene Zombies verwandelt. Und hier kann jetzt der durchaus einfallsreiche Splatterspaß losgehen. Wobei er das Splattergenre auch nicht neu erfindet. Die große Stärke des Films ist der Underdog-Humor bezogen auf die Subkulturen der Metaller und Rollenspieler.

Hätte ich den Film zu Hause vor dem Fernseher gesehen, hätte er mich vermutlich gelangweilt, aber auf dem Fantasy Filmfest war er ein großer Spaß mit nur leichten Abstrichen.

Ava’s Possessions

Was passiert eigentlich, wenn der Exorzismus gelungen und die Besessene wieder frei von Dämonen ist? In der Regel der Abspann, in diesem Fall geht der Film aber erst los. Ava war über Monate von einem Dämon besessen, hat so allerlei angestellt, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Als sie wieder zu sich kommt, lautet ihre erste Frage an die Familie, ob jemand sie bei ihrem Arbeitgeber krankgemeldet habe. Das betretene Schweigen spricht Bände. Und so versucht Ava die Scherben ihrer Existenz wieder zusammenzusetzen, begibt sich auf die Suche nach den verlorenen Erinnerungen und muss an einer Selbsthilfegruppe für ehemalige Besessene als Teil einer Gerichtsauflage teilnehmen, um nicht im Gefängnis zu landen. Denn ihr Dämon ließ sie nicht nur Dinge, sondern auch Menschen beschädigen. Ja, in Avas Welt ist es offiziell anerkannt, dass Menschen von Dämonen besessen werden können. Was dem Film eine wunderbare Prämisse liefert.

Aufgrund dessen, was ich im Vorfeld so von dem Film mitbekomme habe, war er für mich die potenzielle Festivalgurke, um so überraschter war ich dann, wie gut er mir gefallen hat.

The Invitation

David fährt mit seiner Freundin zu einer Einladung bei seiner Ex-Frau Eden und ihrem neuen Freund, die nach zwei Jahren Abwesenheit alle alten Freunde zu sich eingeladen haben, in genau jenem Haus, in dem Davids und Edens Sohn gestorben ist. Zu einem also oberflächlich betrachtet lockeren Dinnerabend wird jede Menge Ballast mitgebracht. David ist von Anfang an misstrauisch, während sich alle anderen verhalten, als wäre alles wie immer.

Mehr will ich gar nicht verraten. The Invitation ist ein kleines aber feines Drama über Tod, Trauer und wie unterschiedlich man damit umgehen kann. Die Konflikte zwischen den Figuren sind gut ausgearbeitet. Die unangenehmen Vorfälle, die andeuten, dass etwas nicht stimmt, sind geschickt eingeflochten, wobei relativ früh (ab der Videopräsentation) klar ist, wie der Hase läuft. Der Film ist also recht vorhersehbar, mich hat aber die konsequente misstrauische Griesgrämigkeit Davids bei der Stange gehalten. Die große Überraschung, die ich im Vorfeld erwartet hatte, bietet der Film nicht, aber sehenswert ist er durchaus.

The Pack

Tierhorror mit einer wildgewordenen Hundemeute die im australischen Outback eine Familie auf ihrer Farm terrorisiert. Im Prinzip ein Home-Invasion-Film nur mit Tieren statt Menschen als Täter. Wobei die Hunde sich viel zu sehr wie Menschen verhalten. Wenn sich die Protagonisten in Nischen, in Schränken und einfach um die Ecke verstecken, laufen die Hunde ahnungslos an ihnen vorbei, ohne sie zu riechen oder etwas zu hören, obwohl sie doch deutlich bessere Sinne haben sollten, als eben Menschen. Handwerklich ist der Film solide und zumindest halbwegs spannend erzählt, die Hauptfiguren sind gut ausgearbeitet und die Hunde wirken zumindest in der Nahaufnahme relativ bösartig. Der Schrecken geht allerdings ein wenig verloren, wenn sie angreifen, dann sieht man meist nur ein wenig schwarzes Fell durch die Wackelkamera herumzucken. Der Film hat nichts, was man nicht schon anderswo besser gesehen hat und bleibt für einen Tierschocker auf dem Fantasy Filmfest zu harmlos. Trotzdem ist es ein ganz solider Film, den man sich ansehen kann, wenn man (wie ich) sonst nichts Besseres vorhat.

Yakuza Apocalypse

Die meisten (der zahlreichen) Zuschauer haben den Film vermutlich als absurdes Trashfeuerwerk wahrgenommen, ich habe allerdings eine bitterböse Groteske gesehen, in der die Yakuza und deren Verflechtung in der Gesellschaft lächerlich gemacht wird; also ein durch und durch sozialkritischer Film mit Elementen des absurden Theaters und japanischer Folklore. Die Yakuza sind Vampire (im Film gibt es tatsächlich Yakuza-Vampire), die der Gesellschaft das Blut aussaugen. Doch wenn, wie im Film, plötzlich jeder (also auch das Schulmädchen und die Krankenschwester) zu Yakuza-Vampiren werden können und damit auch zu Yakuza, verlieren die Yakuza ihren Sinn.

Stellenweise ist der Film von Takashi Miike etwas zu lang geraten, man merkt ihm auch das geringe Budget an, aber dafür ist das Froschmonster (im Stoffkostüm mit Pappmascheekopf) – der Welt bester Superterrorist – schon eine coole Sau.

Momentum

Südafrikanischer Bankraub/Agenten-Film, in dem die hübsche Bankräuberin nach getaner Arbeit von bösen aber charismatischen Killern gejagt wird. B-Movie-Action, die aber ausgezeichnet gefilmt ist, viel Selbstironie mitbringt und mit den typischen Klischees so übertrieben spielt (wie der blonde, grimmige deutsche Killer), dass es richtig Spaß macht. Kam beim Publikum in der Nachtvorstellung gut an und erhielt sogar stellenweise Szenenapplaus, was ich in diesem Jahr nur bei wenigen Filmen erlebt habe.

Serien, die ich in den letzten Monaten gesehen habe

House of Cards Season 1 & 2

Sehr intelligentes Intrigenspiel im politischen Haifischbecken Washingtons. Hauptfigur Frank Underwood (man beachte die Initialen F. U.) ist Mehrheitsführer der Demokraten im Kongress, strebt nach höheren Würden und geht dafür über Leichen. Dabei ist er aber kein stereotyper Bösewicht, sondern ein ambivalenter und vielschichtiger Charakter, der durchaus auch seine sympathischen Momente hat. Ähnliches gilt auch für seine Frau Claire, mit der er eine interessante Beziehung führt, die so gar nicht ins klassische Bild des redlichen Politikers passt. Cleveres und zynisches Politdrama mit ausgezeichneten Darstellern und hintersinnigen Dialogen. Game of Thrones in Washington, auch hier haben die Macher keine Angst vor schockierenden Wendungen. (Das britische Original habe ich übrigens noch nicht gesehen.)

Fargo Season 1

Für mich die beste neue Serie 2014. Hält sich nur vage an die Filmvorlage der Coen-Brothers, und kreiert stattdessen seine eigene kultige Atmosphäre, die unter anderem von den großartigen Darstellern getragen wird – allen voran Billy Bob Thornton als lakonischer Killer Lorne Malvo, der einem teilweise das Blut in den Adern gefrieren lässt und für einige denkwürdige Zitate sorgt. Seine Interaktionen mit Martin Freeman und Colin Hanks sind echte Highlights. Tiefschwarzer Humor, schrullige Figuren und eine tolle Atmosphäre.

True Detective Season 1

Düsteres Krimidrama mit schwül-bedrückender Südstaatenatmosphäre, das von Robetr W. Chambers »The Yellow King« beeinflusst in die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz hinabsteigt. Die Handlung schreitet in gemächlichem Tempo voran, entwickelt aber eine unwiderstehlichen Sog. Aber über diese Serie wurde im letzten Jahr schon genügend geschrieben.

Freaks and Geeks Season 1 and only

Seit dem Erfolg von The Wonder Years (Wunderbare Jahre) haben sich immer wieder Serien daran versucht, eine Coming-of-Age-Geschichte in einer vergangenen Ära zu erzählen, aber keine davon kam auch nur ansatzweise an die Qualität des Vorbildes heran. Freaks and Geeks schafft es. Während The Wonder Years von der Stimmung in den 60er Jahren erzählt, sind es bei Freaks and Geeks die 80er Jahre. Die Handlung setzt kurz nach dem Tod von John Bonham, dem Schlagzeuger von Led Zeppelin ein, und erzählt von den Leiden der jungen Amerikaner in Zeiten des Kalten Krieges.

Californication Season 7

Ein würdiger Abschluss dieser herrlichen Serie um Schwerenöter Hank Moody, der die Frauen einfach zu sehr liebt, um seiner Familie gerecht zu werden. Nach den beiden schwächeren Vorgängerstaffeln gelingt es der Serie, hier noch einmal an alte Qualitäten anzuknüpfen (und es gibt die stets bezaubernde Heather Graham). Hank und Karen sind für mich das TV-Traumpaar schlechthin. Der Humor ist teilweise sehr derb und sexbezogen, aber Hanks unwiderstehlicher Charme macht das wieder wett. Eine der besten Familienserien aller Zeiten – denn darum geht es neben all dem Sex, den Drogen und den Ferkeleien wirklich.

Sons of Anarchy Seaons 6

In der vorletzten Staffel machen sich erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Vieles wiederholt sich, die Luft ist raus, aber gegen Ende der Staffel wird es nochmal heftig und emotional. Das macht Lust auf die letzte Staffel einer insgesamt grandiosen Serie über Biker, Gewalt, Liebe und Familie.

Marco Polo Season 1

Imposant ausgestattetes historisches Drama über Marco Polos Zeit am Hofe Kublai Khans. Versucht an Game of Thrones heranzureichen, und überzeugt auch mit toller Optik und eindrucksvoller Wuxia-Kampfchoreografie, kann das große Vorbild aber dank mittelmäßiger Dialoge nicht erreichen. Trotzdem sehenswert.

How I Met Your Mother Season 9

Für mich das perfekte und erwartete Ende einer außergewöhnlichen und originellen Sitcom. Das Problem ist nicht das Ende, sondern die Handlung der achten und neunten Staffel, die bei vielen Zuschauern andere Erwartungen aufgebaut haben. Ein Hochzeitswochenende über eine ganze Staffel zu strecken ist schon ein gewagtes Unterfangen, aber mir hat es gefallen.

Den Trailer solltet Ihr euch unbeding ansehen 🙂 :

From Dusk Till Dawn

Müder, einfallsloser Abklatsch von Robert Rodriguez‘ eigenem Film. Mir scheint, dass er einfach eine zugkräftige Marke für seinen eigenen TV-Sender El Ray gebraucht hat. Kann man sich sparen. Ein Beispiel dafür, wie man einen Film nicht als Serie umsetzen sollte.

Orphan Black Season 2

Fand ich nicht mehr ganz so spannend wie die erste Staffel. Ist aber immer noch eine tolle Serie auf hohem Niveau, die vor allem gegen Ende der Staffel wieder an Fahrt gewinnt. Tatiana Maslany ist in ihren vielen Rollen immer noch sensationell.

Louie Season 1

Ist ein wenig wie Seinfeld, nur in böse. Und zwar in ganz Böse. Politisch absolut unkorrekt und jenseits von Gut und Böse, mit tiefschwarzem Humor, der stellenweise sehr derb ist, aber nie platt oder dumm. Sehr hintersinnige und schonungslose Alltagsbetrachtungen eines getrennt lebenden Familienvaters, der sein Geld als Stand-up Comedian verdient.

30 Filme, die ich in den letzten Monaten gesehen habe

Interstellar – für mich das Kinoereignis des Jahres. Für genau solche Science Fiction wurde das Kino erfundenl, und für genau solche Filme lohnt es sich noch, ins Kino zu gehen. Ohne nutzloses 3-D-Gedöns, bildgewaltig, emotional mitreißend und mit einer gehörigen Portion Sense of Wonder.

Ruhet in Frieden – Detektivgeschichte der alten Schule, mit einem Lian Neeson, der ausmahmsweise mal nicht als unbesiegbarer Superkämpfer mit CIA-Vergangenheit austeilt, sondern auf die altmodische Art ermittelt. Solider Krimifilm.

The Equalizer – Denzel Washington als unbesiegbarer Superkämpfer mit CIA-Vergangenheit, der in bester Heimwerkkönigmanier gegen die bösen Schurken austeilt, um die gefallen Hure (the whore with the golden heart) zu retten.

Stimme des Herzens – Wunderbarer Ghibli-Film über ein junges, aufgewecktes Mädchen, dass die erste Liebe erlebt und die erste Liebe zum Geschichtenerzählen. In diesem, eigentlich von Phantastik freiem, Film, erfährt man allerdings, was es mit dem Baron aus Königreich der Katzen auf sich hat.

Tränen der Erinnerung – Noch einmal Ghibli. Ein japanischer Anime, in dem ungarische Bauernmusik gespielt wird, hat bei mir direkt ein Stein im Brett. Ein ebenfalls wunderbarer Film über eine junge Frau aus der Stadt, die Urlaub auf dem Land macht und in Kindheitserinnerungen schwelgt. Viel passiert in dem Film nicht, aber dass muss es auch nicht. Poetisch ruhiger Film über das Wesen der einfachen Dinge.

Under the Skin – Eigentlich stehe ich ja auf so arthousige »Kunstkacke« mit wenigen Dialogen und kunstvoll surrealistischen Aufnahmen, aber den Film musste ich nach einer Stunde abbrechen, weil er mir tierisch auf die Nerven ging und stinklangweilig war. Und es kommt nur alle paar Jahre vor, dass ich einen Film abbreche (vor allem, wenn ich für ihn bezahlt habe). Ich weiß aber auch, dass er vielen Filmliebhabern gefallen hat, weil er so gegen die Konventionen inszeniert ist.

47 Ronin – Ich stehe total auf japanische Samuraifilme (auch jene mit phantastischen Elementen) und ich mag Keanu Reeves sehr, aber dieser Film ist wie ein Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann, obwohl man weiß, dass es nur schlimmer wird. Simpel gestrickte Rachestory mit Samurais und Dämonen, der aber ein roter Faden, eine ordentliche Erzählstimme und auch sonst Vieles fehlt.

The Woman – Vermeintlich zivilisierter Familienvater will im neuen Familienprojekt einer im Wald eingefangene Kannibalin! Manieren beibringen, in dem er sie unter anderem vergewaltigt und vom soziopathischen Sohn Foltern lässt. Dass dies ein blutiges Ende nehmen wird, ist absehbar, aber ansonsten verzichtet der Film weitestgehend auf Dramaturgie. Ist nicht schlecht, aber hat mich auch nicht vom Hocker gerissen. Die Stärke des Films ist die Charakterisierung der Tochter, die das alles fassungslos und hilflos miterleben muss. Nach einer Vorlage von Jack Ketchum und quasi die Fortsetzung von „Offspring“.

Infection – Fast meditativer Infektionshorrorfilm aus Japan, der an einem Abend in einem heruntergekommenen (unheimlichen) Krankenhaus spielt, auf dem sich eine eklige Seuche ausbreitet. Ruhig inszeniert, wenig Budget, aber gute Darsteller und interessante Erzählstruktur, bedrückender Atmosphäre und mit unerwartetem Ende.

Her – Ein Mann verliebt sich in ein Computerprogramm, genauer gesagt, in ein Operation System, das per Knopf im Ohr ständig mit ihm in Verbindung steht. Wer kann es ihm verdenken, da es immerhin mit der Stimme von Scarlett Johannson spricht. Ruhig inszeniertes Beziehungsdrama von Spike Jonze, über unser mögliches zukünftiges Sozialleben. Kann ich nur empfehlen. Starke Nebendarstellerinnen.

Nightbreed Director’s Cut – Alternative Schnittfassung des Klassikers von Clive Barker. So sehr wie angekündigt unterscheidet sich der DC jetzt nicht vom Original, ist aber trotzdem sehr sehenswert. Phantasievolle Parabel über vermeintliche Normen und die Angst vor dem Fremden und Andersartigen (Pegida ick hör‘ dir trapsen).

Flight – Erstklassiges Trinkerdrama um einen Piloten, der unter Koks und Alkohol eine eigentlich unmögliche Heldentat vollbringt, damit viele Leben rettet und als Belohnung dafür in den Knast soll. Denzel Washington in Hochform.

Wolf of Wallstreet – Dreistündiger Partyfilm von Martin Scoresese, in dem es neben den zahlreichen Exzessen auch ein wenig um unmoralisches Verhalten an der Wall Street geht. Der heimliche Star des Films ist Jonah Hill, mit einer wahrlich göttlichen Darbietung.

The Maschine – Low Budget SF-Thriller über künstliche Intelligenz, der Schick aussieht, einen guten futuristischen 80er Jahre Soundtrack hat, zwar thematisch nicht viel Neues bietet, aber trotzdem gefällt.

New World – Koreanisches Gangsterdrama um Intrigen und einen Undercoverbeamten in der Zwickmühle. Nicht schlecht, kommt mir aber emotional etwas zu unterkühlt daher. Es fehlt die Bindung zu den Figuren und kann nicht an Infernal Affairs heranreichen.

Jack Reacher – Gut gefilmte Umsetzung der Buchreihe von Lee Child, mit einem gut aufgelegten Tom Cruise (auch wenn der nicht im entferntesten an den Reacher aus den Büchern erinner) und einem fingerfertigen Wolfgang Herzog. Nette Action für zwischendurch.

American Muscle – Dreckiger kleiner Rachethriller über den Badest Motherfucker of the Cell Block, der sich nach 10 Jahren im Knast an seinen Komplizen rächt. Mit kaum Budget in bester Grindhouse-Tradition gefilmt. Den Bechdeltest würde der Film nicht bestehen. Die Frauen, die der „Held“ trifft, lassen sich entweder bereitwillig von ihm vögeln, oder nicht so ganz bereitwillig erschießen. Der eigentlich strunzdumme Film macht dank des Hauptdarstellers und seiner konsequenten Härte trotzdem Spaß.

Young Detective Dee: Rise of the Dragon – kann leider nicht an den ersten Film der Reihe heranreichen. Dafür ist die Story zu zerfahren und konfus. Auch die Kämpfe sind nicht so gut und spannend inszeniert. Trotzdem immer noch ein sehenswerter asiatischer Fantasy-Wuxia-Film.

Galaxie des Schreckens – Netter Alien-Ripp-Off, der vor allem durch das stimmungsvolle Set-Design James Camerons überzeugt. Und die Story ist originell genug, um keine bloßer Abklatsch zu sein. Dazu gibt es Sid Haig und Robert Englund in einem Film und einen klassischen Pornobalken-Held der 80er Jahre.

Dredd – Konsequent harte und brutale Umsetzung des Comics, in der Judge Dredd (Karl Urban) nicht einmal seinen Helm absetzt. Unterhaltsamer und erstklassig gefilmter Actionkracher.

World War Z – Bis zum letzten Drittel eindrucksvoll gefilmter Zombie-Katastrophenfilm, der aber in jenem letzten Drittel jegliche Spannung verliert und plötzlich reichlich unspektakulär daher kommt.

Arachnophobia – Bester Spinnenhorror, der je gedreht wurde, und mich heute noch mehr gruselt, als fast alle anderen Horrorfilme, dabei nimmt sich der Film selbst nicht zu ernst und kommt dank John Goodman stellenweise sehr humorvoll daher.

Witching and Bitching – Netter Hexenhorrorslapstickspaß, der mit einem eindrucksvollen Banküberfall beginnt, sich zunehmende zu einem Gruselstreifen wandelt und im bewusst völlig übertriebenen Finale alle Hemmungen fallen lässt. Spaßig abgedrehter Horror aus Spanien, der sich schon allein wegen Carolina Bang lohnt.

Nymphomaniac 1 u. 2 – Deprimierendes aber auch eindrucksvoll inszeniertes Psychogramm einer sexuell gestörten Persönlichkeit. Gleichzeitig aber auch (vor allem durch Christian Slater) auch ein einfühlsames Familiendrama.

Frances Ha – Wunderbar lebensfreudiges Independent-Drama mit einer bezaubernden Greta Gerwig. Eine jener Filmperlen, die es immer seltener ins Kino schaffen.

The Lincoln Lawyer – Spannender Anwaltsthriller um einen windigen Rechtsverdreher, der böse aufs Glatteis geführt wird und all seine Raffinesse einsetzen muss, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Basiert, anders als ich zunächst dachte, nicht auf einem Buch von John Grisham, sondern auf einer Vorlage von Michael Connelly (dessen Harry-Bosch-Reihe mir sehr gut gefällt).

Tamara Drew – solide Beziehungskomödie von Stephen Frears, die sich um einen Rückzugsort von Schriftstellern und eine hübsche Frau dreht, die wiederum allen den Kopf verdreht. Nicht ganz so witzig wie erwartet und etwas merkwürdigem Ende, aber dafür mit einer bezaubernden Gemma Atterton und Tamsin Graig (Black Books).

Little Deaths – Episodenfilm der versucht die Themen Sex und Horror zu verbinden, dabei aber kläglich versagt.

Book of Blood – Umsetzung zweier Kurzgeschichten von Clive Barker, die einen ganz netten Spukhausfilm abgibt, aber im Vergleich zu den Filmen, die der Meister selbst inszeniert hat nur verlieren kann. Könnte etwas mehr Tempo und Schrecken gebrauchen.

Filme, die ich in letzter Zeit (den letzten Monaten) gesehen habe

Der Mohnblumenberg – Wunderbarer Ghibli-Film, der eine einfache aber mitreißende Geschichte mit beschwingtem Humor und liebenswürdigen Figuren erzählt.

Das Königreich der Katzen – Nicht ganz so guter Ghibli-Film, der aber trotzdem Spaß macht; denn Katzen gehen immer, vor allem wenn man erfährt, was sie so treiben, wenn man nicht hinschaut.

Inside Lewin Davis – Katzen gehen immer; auch in diesem melancholischen Film der Coen-Brüder über einen Folkmusiker in den 60er Jahren, der nichts auf die Reihe bekommt und von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt.

The Equalizer – In diesem durchgestylten und brutalen Actionfilm von Antoine Fuqua spielt Denzel Washington einen Heimwerkerkönig, der ganz ohne bärtigen Assistenten einen Haufen russischer Schurken mittels Werkzeugen und Heimwerkerbedarf ihrer Final Destination zuführt; was nicht unbedingt originell ist, aber zumindest auch nicht langweilig.

The Grandmaster – Meisterhaft bebildertes Kampfkunstepos über das Ende einer Ära im China des 2. Weltkriegs, das neben den großartig choreografierten Kämpfen eine ruhige aber durchaus dramatische Geschichte erzählt, die vielen Wuxia-Fans die gerne Kloppereien a lá Ip Man sehen, zu langweilig sein könnte.

House of the Devil – Atmosphärisch dichte Hommage an die Horrorfilme der 70er und 80er Jahre, in der im Prinzip nichts passiert, bei der ich mich aber trotzdem (zu meiner eigenen Überraschung) kaum gelangweilt habe, und bei der nur das Ende deutlich enttäuscht.

Only God Forgives – Nachdem mir Drive und Valhalla Rising sehr gut gefallen haben, kann ich mit diesem Werk von Winding Refn überhaupt nichts anfangen, da es zwar versucht eine kunstvolle Meditation über Gewalt zu sein, aber eigentlich nur gähnende Langweile unterbrochen von sinnloser Brutalität zu bieten hat.

300 – Rise of an Empire – Durchaus unterhaltsam inszenierte Quasifortsetzung von 300, die dem ersten Teil aber nichts Neues hinzufügen kann und deren Hauptfiguren alle etwas blass bleiben.

Genug gesagt – Sympathische und unaufgeregte Beziehungskomödie – mit James Gandolfini in einer seiner letzten Rollen – die einem mit einem wohligen Gefühl zurücklässt.

Don Jon – Unterhaltsamer Beziehungsfilm über einen pornosüchtigen Hengst, dem es nicht gelingt, seine beiden Hobbys (Frauen und Pornos) unter einen Hut zu bekommen.

Mud – Ausgezeichnetes Krimi-Coming-of-Age Südstaatendrama mit einem Matthew McConaughey, der noch nie so gepflegt ausgesehen hat.

Drecksau – Eine Irvine-Welsh-Verfilmung, von der ich mir dank des Trailers eigentlich mehr erwartete habe, denn statt einer durchgeknallten Komödie bekommt man hier eher ein Psychodrama über einen sich in einer Abwärtsspirale befindenden korrupten Cop, der nach Trennung von seiner Familie langsam den Verstand verliert.

12 Years a Slave – Obwohl gut gespielt, hat er mir nicht gefallen, da mir bei Zusehen jegliches Zeitgefühl gefehlt hat und die 12 Jahre wirkten, als wären es nur wenige Monate.

Prisoners – Großartiges Entführungsrama um verschwundene Kinder und Selbstjustiz, das dank seiner herausragenden Hauptdarsteller unter die Haut geht und bis zum Ende spannend bleibt.

Riddick – Ganze netter Aufguss von Pitch Black, der aber eigentlich nur aus der Vin-Diesel-Show besteht, die nach der ersten Stunde ihren Reiz verliert.

American Hustle – Schicke Gaunerdramödie über Trickbetrüger in den 70ern, mit ausgezeichneten Darstellern, die allerdings von ihren Frisuren an die Wand gespielt werden.

John Dies at the End – Durchgeknallte Horrorkomödie von Don Coscarelli, dem ich für seinen nächsten Film ein ordentliches Budget wünsche, der sich aber auch so durch originelle Einfälle wie dem Wursttelefon zu helfen weiß.

Und zum Schluß noch einen Trailer zu dem Film aus der Liste, der mir am besten gefallen hat: