Veranstaltungstipp: Living in Translation

Eine geschätzte Leserin meines Blogs hat mich auf eine interessante Veranstaltung hingewiesen: »Living in Translation«, So 3. Juni, 17 Uhr
verschiedene Übersetzer / Autoren sprechen über Erfahrungen zum
Übersetzen, Herangehensweise, die Geschichte der Übersetzung…
http://www.literaturwerkstatt.org//index.php?id=1198

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Berliner Poesiefestivals statt. Ich werde vermutlich hingehen, wenn ich rechtzeitig aus der Uni rauskomme. Am Sonntag habe ich von 10.00 Uhr an ein Blockseminar (2. Sitzung zum Thema „Freiberufler“).

Linktipp: Lektorat vs. Übersetzer

Ich habe hier einen sehr schönen Blogtext einer Übersetzerin/Lektorin zum Thema Lektorat gegen Übersetzer gefunden, der aufzeigt, was auf dem Weg von der Übersetzung bis zum gedruckten Buch alles schiefgehen kann: http://blog.textmission.de/2012/04/19/lektorat-gegen-uebersetzer/

dDieser Absatz, den sie als Lektorin geschrieben hat, gefällt mir besonders gut:

Wenn ich Texte lektoriere, halte ich mich an eine Maxime, die ich irgendwo aufgeschnappt habe und die mir logisch erschien, nämlich: „Ändere nur so viel wie nötig am Text. Wenn es zwei korrekte Varianten gibt, lasse die vom Autoren/Übersetzer gewählte stehen, es sei denn, dadurch wird der Text uneinheitlich.

P.S. Den Fehler mit dem „…“ ohne Leerzeichen beim abgebrochenen Satz hatte ich in meinen ersten beiden Texten auch noch gemacht.

„arme (und beine) literaturübersetzer“ – Neues von der Front

Es tut sich etwas an der Übersetzerfront. Während ich momentan noch mitten in der Übersetzung von Captain Future stecke (werde demnächst mal dazu posten, welche Herausforderungen ein SF-Text aus den 1940er Jahren bietet), habe ich mir in den letzten Tagen doch ein wenig Sorgen gemacht, dass ich ab dem 1. Juli (obwohl schon Sachen in Aussicht standen) auftragslos dastehen werde.
Diese Befürchtung hat sich nicht erfüllt. Inzwischen habe ich meinen nächsten Auftrag von Festa bekommen, über den ich aber wieder schweigen werde, bis der Verlag ihn selbst ankündigt (wobei hier auch noch die letzte Ankündigung aussteht).
Und auch bei Atlantis tut sich etwas. Der Auftrag ist noch nicht offiziell, aber der amerikanische Autor eines 350 Seiten Romans (den ich schon vor einigen Wochen begutachtet habe) hat jetzt zugesagt. Nun müssen erst mal die Vertragsunterlagen hin und her geschickt werde. Deshalb werde ich dazu auch noch schweigen. Ich sage nur so viel: Zombies, Erster Weltkrieg und ein toter Baron.

Über einen Mangel an Arbeit kann ich mich also nicht beschweren und in den Semesterferien werde ich nicht auf der faulen Haut liegen. Zum Glück hat sich, dank einer neuen Prüfungsordnung, meine Zahl der Hausarbeiten für dieses Semester von drei auf eine reduziert. Ansonsten wäre alles sehr eng geworden.

P.S. heute ist jemand durch den Suchbegriff »arme Literaturübersetzer« auf meinen Blog gelangt. Habe den Begriff gleich mal gegoogelt und bin beruhigt, dass da nicht direkt ein Foto von mir erscheint. 🙂 Trotzdem komm mein Blog an dritter Stelle, allerdings durch diese Textpassage: »So, hier jetzt endlich die Übersetzungen der Teilnehmer. … Handys gelehnt, die Knie bis an die Brust gezogen, die Arme um die Beine …«

So clever scheint mir Googles Suchalgorithmus doch nicht zu sein.

Arbeitet man als Übersetzer alleine?

Im Statistikteil meines Blogs kann ich sehen, über welche Links (z.B. meine Signatur in diversen Foren oder Facebookeinträge) Besucher zu meinem Blog gefunden haben. Ich kann auch sehen, über welche Suchmaschinenanfragen die Leute kommen. Bisher waren da noch nicht so lustige Sachen wie z.B. beim Wortvogel  (http://wortvogel.de/2012/05/people-are-strange-top-10-eigenwillige-suchbegriffe/) dabei, auf dessen Seite tatsächlich jemand durch die Suchanfrage »babara salesch porn« gekommen ist, aber es sind schon interessante Sachen darunter. Hier eine kleine Liste

zurückhalten muss pipi – ja das kann unangenehm werden. Das ist wohl der Textprobe von Briane Keene im dem  kleinen Übersetzungswettbewerb zu verdanken 🙂
wie als übersetzer aufträge von buchverlagen bekommen? – Und viele ähnliche Suchanfragen
bildliche redensarten »du hast recht« – und weitere Fragen nach Übersetzungen. Werde ich bei Gelegenheit mal sammeln und beantworten.
selbstüberschätzung der englischkenntnisse – Ob ich damit gemeint bin 🙂
markus mäurer sozialpädagoge – und andere Kombinationen mit meinem Namen. Ob ich da einen Stalker habe?

Und der  Sucheintrag »arbeitet man als Übersetzer alleine«

Eine Frage, die in meinem Blog bisher nur am Rande behandelt wurde, deshalb versuche ich sie jetzt zu beantworten:

Es kommt darauf an. Als Literaturübersetzer arbeitet man zu geschätzten 90% alleine, die anderen 10% sind vor allem die Zusammenarbeit mit dem Lektor, die meist telefonisch oder per E-Mail stattfindet. Aber während der Übersetzung des Buches sitzt man einsam und alleine in seinem stillen Kämmerlein. Es sei den man hat sich in einer Bürogemeinschaft eingemietet. Was viele machen (sofern sie es sich leisten können) um eben nicht so einsam zu sein.
Ich habe schon gehört, dass es auf Dauer nicht gesund sein soll, ausschließlich so isoliert zu arbeiten. Mancher Übersetzer soll dabei schon recht eigentümlich geworden sein. Es kann jedenfalls nicht schaden, wenn man sich noch etwas zum Ausgleich sucht, bei dem man unter Menschen kommt.

Ich bin schon von jeher ein Einzelgänger (bin auch Einzelkind), habe aber auch keine Probleme damit, im Team zu arbeiten. Trotzdem ziehe ich es vor, mein eigenes Ding durchzuziehen und genieße es, wenn ich mir meine Arbeit selbst einteilen und ihr dann auch in Ruhe ungestört nachgehen kann.
Momentan bekomme ich noch Abwechslung durch mein Studium, da komme in den Seminaren zwangsläufig unter Leute. Wenn ich Heimaturlaub mache, trainiere ich bei meiner ehemaligen Fußballmannschaft mit.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten als Übersetzer zu arbeiten. Im nichtliterarischen Bereich kann man auch in Übersetzerbüros arbeiten und es gibt sicher auch noch andere Modelle, von denen ich nichts weiß. Es kommt auch vor, dass sich zwei Übersetzer die Übersetzung eines Buches teilen, da muss man dann mit dem Partner zusammenarbeiten.

Übersetzungs-Crowdfunding

In den letzten Monaten hat sich Crowdfunding zu einem richtigen Trend entwickelt. Vor allem, durch einige prominente Beispiele, bei denen in kürzester Zeit sehr große Beträge zusammengekommen sind.

Aber was ist Crowdfunding überhaupt?
Die Einstürzenden Neubauten haben das schon vor ca. 10 Jahren gemacht. Als Fan konnte man 30 Euro bezahlen und war dabei exklusiv über das Internet dabei, wie sie ein neues Album aufgenommen haben, dass dann auch nur für diese Unterstützer (Supporter) veröffentlicht wurde.
Es geht also darum, das die potentiellen Käufer eines Produkts (Musikalbum, Film, Computerspiel usw.) dieses im Vorfeld durch Spenden finanzieren. Dafür bekommen sie dann besondere Leistungen (Specials) im Gegenzug, und eben das Produkt, dass sonst vermutlich nie das Licht der Welt erblickt hätte, da es in der (Musik-, Film- oder Computerspiel-) Industrie niemanden gibt, der es finanzieren würde.

Computerspiellegende Tim Schafer (Monkey Island, Grim Fandango) hat über die Crowdfundingplattform kickstarter innerhalb kürzester Zeit 3,3 Millionen Dollar für sein neues (noch zu entwickelndes) Adventure gesammelt (weit mehr als angestrebt): http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fans-spenden-Tim-Schafer-mehr-als-3-Millionen-Dollar-fuer-Spieleentwicklung-1470983.html

Die ehemalige Sängerin der Dresden Dolls Amanda Palmer konnte innerhalb von 7 Stunden 100.000 Dollar für ihr neues Album (inklusive einer Riesentour uvm.) sammeln: http://www.huffingtonpost.com/holly-cara-price/amanda-palmer-kickstarter_b_1465243.html

Und jetzt ist mir auch das erste Crowdfundingprojekt einer Übersetzerin untergekommen. Susanne Gerold, die zahlreiche Fantasybücher übersetzt hat (unter anderem auch meine Fantasyeinstiegsdroge Raymond Feist) möchte über dieses Modell die Übersetzung und Erscheinung des vierten Bandes des Valashu-Epos von David Zindell finanzieren. Die Reihe erschien zu Beginn des neuen Jahrtausends bei Blanvalet, ist inzwischen aber nur noch gebraucht erhältlich und wurde auch nie vollständig auf Deutsch veröffentlicht.
Wer also nicht der englischen Sprache mächtig ist, oder generell lieber auf Deutsch liest und dieses Epos damals begonnen hat und nie erfuhr, wie es ausging, hat jetzt die Möglichkeit sich an diesem Projekt zu beteiligen, um endlich rauszufinden, wie die ganze Geschichte endet: http://www.startnext.de/valashu-epos

In der Regel stehe ich Crowdfunding-Projekten eher skeptisch gegenüber.

1. Man weiß nie, ob das Produkt am Ende auch erscheinen wird, oder ob es dann auch gut sein wird. Man hat bereits dafür bezahlt, bevor man durch Rezensionen oder Sonstiges erfährt, ob es überhaupt was taugt.

2. Auch erhält man in der Regel keine Gewinnbeteiligung, obwohl man ja eigentlich Investor ist. Ich glaube ja nicht, dass die meisten dieser Projekte viel Kohle einbringen werden, aber wenn sie es doch mal täten, erhielte der Investor keinen Anteil davon.

3. Wenn man die oben erwähnten Zahlen liest, könnte man schnell in einen Goldrausch verfallen, aber man sollte sich vor Augen halten, dass die Projekte, die solche Zahlen erreichen, von Leuten durchgeführt werden, die schon ziemlich bekannt sind. Tim Schafer ist in der Computerspielbranche und unter Spielern eine Legende. Sozusagen der Bob Dylan unter den Computerspielentwicklern. Und Amanda Palmer hat sich über viele Jahre eine treue und relativ große weltweite Fangemeinschaft aufgebaut. No-Names erreichen den erforderlichen Finanzierungsbetrag oft nicht.

Nichtsdestotrotz wünsche ich Susanne mit ihrem Projekt viel Erfolg, da es sich wirklich um eine Herzensangelegenheit von ihr zu handeln scheint, den deutschen Lesern auch den vierten Band von David Zindell präsentieren zu können. Dass da kein Verlag einspringt, ist ziemlich eindeutig. Eine abgebrochene Reihe, die schon lange vergriffen ist und von Anfang an kein Bestseller war, würde sich wirtschaftlich einfach nicht lohnen. Aber durch dieses Projekt von Susanne hätten die Leser, die hungrig auf den vierten Band sind, die Möglichkeit, sein Erscheinen selbst mit in die Wege zu leiten.

Ich werde das Projekt auf jeden Fall gespannt weiterverfolgen.

Where the magic happens

Heute gibt es zur Abwechslung mal nur Bilder von mir. Mein Schreibtisch in meiner Berliner Residenz. Bilder aus meinem Westerwaldschloss folgen dann Ende Juli, wenn ich mich für den Sommer in meine Sommerresidenz zurückziehen werde.

 

Und hier ein nicht-repräsentativer Einblick in meine Lektüre. Die meisten meiner Bücher musst ich aus Platzgründen im Haus meiner Eltern zurücklassen.

 

VG-Wort und meine Gedanken zum Urheberrecht

Bevor es den angekündigten Artikel zu Wörterbüchern und Onlineressourcen gibt, hier ein aktueller Einschub:

Heute habe ich mich bei der VG-Wort (http://www.vgwort.de/die-vg-wort.html) angemeldet. Dieser Verein ist eines dieser »Bürokratiemonster«, die die Piraten gerne erlegen möchten.
Als Übersetzer ist man Urheber (noch so ein böses Wort). Man verfasst Texte in einer eigenen geistigen Leistung (die Piraten würden sagen, man fängt nur auf, was sowieso schon durch den Äther schwirrt), auch wenn sie auf einem Originaltext in einer anderen Sprache basieren.
Die VG-Wort vertritt die Rechte, die ein Urheber selbst gar nicht wahrnehmen kann. Sie bekommt z.B. Abgaben für Kopierer, aus Bibliotheken und sonstigen Verwertungen. Als Urheber meldet man seine Werke (egal ob Romane, journalistische Artikel oder Übersetzungen) bei der VG-Wort an und bekommt irgendwann Zahlungen dafür, dass Dritte das eigene Werk verwerten bzw. verwenden. Die VG-Wort macht also für Autoren das, was die GEMA für Musiker macht.
Für reine Übersetzer wird in den ersten Jahren vermutlich kaum ein Betrag zusammenkommen, der der Rede wert ist. Mit den Jahren kann sich das aber durchaus steigern, wenn auch nicht beträchtlich. Ein fleißiger Journalist kann da weitaus höhere Beträge bekommen. (Am Wochenende erzählte mir ein Journalist, der unter anderem für den Deutschlandfunk, Spiegel u.a. arbeitet, dass er im Jahr so um die 3000 Euro bekomme. Aus Übersetzerkreisen habe ich von einem Betrag um die 300 Euro gehört. Wohlgemerkt jeweils nach 20 Jahren im Geschäft.)
Ich kann nur jedem, der in irgendeiner Form Texte veröffentlicht empfehlen, sich bei der VG-Wort anzumelden, bzw. mit ihr einen Wahrnehmungsvertrag abzuschließen. Das kostet nichts, verpflichtet einen zu nichts, hat keinen Einfluss auf die Rechte, die man selbst verwerten kann, und könnte einem mit der Zeit ein nettes Taschengeld einbringen.

Was die ganze Urheberrechtsdebatte angeht, werde ich mich da weitestgehend raushalten. Nur so viel: Das Übersetzen von Texten ist harte und kreative Arbeit. Ich habe schon in den Ferien im Lager (nicht im Ferienlager, sondern Apothekenbedarf) gearbeitet, Zivildienst in einem Krankenhaus gemacht und zwei Jahre als Sozialpädagoge in einem Krankenhaus gearbeitet. Die Arbeit, die ich in den letzten Wochen gemacht habe, war ebenso anstrengend, stressig und zeitintensiv. Sollte ich in Zukunft nicht mehr dafür bezahlt werden, würde ich sie auch nicht mehr machen. Da müssen die Leute, die den Wert »geistiger« Arbeit nicht zu schätzen wissen, sehen, wo sie ihre amerikanischen Romane herbekommen.
Ich denke die Arbeit von Schriftstellern ist sogar noch kreativer, anstrengender und arbeitsaufwendiger. Auch sie sollten für ihre Arbeit in Zukunft anständig bezahlt werden, so wie man auch seinen Bäcker, seinen Elektriker und seinen Maler bezahlt. Solange es Leser gibt, die bereit sind für Bücher zu bezahlen und ihren Wert zu schätzen wissen, solange sollte es auch den Autoren möglich sein, anständig für ihre Arbeit entlohnt zu werden. Und wer Bücher nicht zu schätzen weiß und meint, dass sie nichts Wert sind, der muss sie ja auch nicht lesen.
Und wer nicht zu schätzen weiß, welchen Einfluss Verlage mit ihren Lektoren, Korrektoren, Setzern, Titelbildgestaltern, Klappentextverfassern (duck und renn weg 🙂 ) usw. auf ein Buch haben, der soll für den Rest seines Lebens mit grottigen E-Book-Selbstveröffentlichungen glücklich werden. Ich bin als Leser doch sehr froh über den qualitativen Filter, den Verlage darstellen (manchmal mehr, manchmal weniger) und auch um ihre Vermarktung, die mich als Leser überhaupt auf Bücher aufmerksam macht, und auch darüber, dass sie erfolgreiche und gute Autoren aufbauen und fördern. Ich möchte sie zwischen mir und dem Autor haben.

Literaturübersetzer werden — aber wie?

Wie versprochen gibt es heute einen Gastbeitrag von Frank Böhmert (http://frankboehmert.blogspot.de/). Dabei handelt es sich allerdings um keinen neuen Beitrag, sondern um einen, den er bereits 2009 in seinen Blog gestellt hat. Unter anderem aufgrund meiner Anfrage danach, wie man denn Literaturübersetzer werde. Ich hatte mich seiner Aufgabe gestellt und in seinem Blog darüber berichtet. Dieser Eintrag ist also mit dafür verantwortlich, dass ich jetzt diesen Blog hier betreibe und auch inzwischen fleißig Bücher übersetze.

Es lohnt sich also, sich auf diesen Test einzulassen.
Dass dieser Beitrag jetzt hier im Blog gelandet ist, liegt daran, dass Frank seine Blogeinträge nach 3 Jahren wieder löscht. Doch dieser Beitrag erfreut sich immer noch großer Beliebtheit und es gibt immer noch Interessenten, die diesen Test absolvieren. Außerdem findet man ansonsten nur wenig zu dem Thema „Literaturübersetzer werden“ im Internet.

Und jetzt übergebe ich Frank das Wort:

In der letzten Zeit haben mich mehrmals angehende Literaturübersetzer um Rat gefragt. Aus Gründen der Arbeitserleichterung antworte ich jetzt mal hier, wo es auch andere lesen können:

Du bist ja selber als Quereinsteiger zum Übersetzen gekommen. Wie würdest du heute die Chancen für einen Quereinsteiger einschätzen (aus dem Englischen ins Deutsche)?

Ob Quereinsteiger oder studiert, das ist, glaube ich, völlig egal.

Ich habe damals meine ersten Aufträge nicht bekommen, weil ich so toll englisch gekonnt hätte, sondern weil ich so gut deutsch konnte. Sprich: aufgrund meiner eigenen, ganz unbescheiden gesagt sehr vielfältigen Schreiberfahrungen.

Dass ich vorher jahrelang in allen möglichen Firmenjobs gelernt habe, meine Arbeitsabläufe selbst zu ordnen und Termine einzuhalten, war sicher auch nicht schädlich.

Ich spiele schon länger mit dem Gedanken es als Übersetzer zu versuchen. Gibt es da überhaupt eine Chance?

Diese Frage kann sich jeder nur selbst beantworten.

Mein dringender Tipp: Spiele nicht mit dem Gedanken, spiele mit der Tätigkeit!

Hier kommt eine Übungsaufgabe, die dich ganz dicht an die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse der Branche heranführt. Lies sie dir durch, überschlafe die Entscheidung, und wenn du das Spiel am nächsten Morgen immer noch wagen willst, dann lege knallhart los! Als würdest du dafür bezahlt werden. Als müsstest du damit deinen nächsten Lebensmitteleinkauf finanzieren.

Also:

  • Zieh sofort los, ganz gleich ob zur Bahnhofsbuchhandlung oder zum Internetbuchhändler, und kaufe das Buch, das in deiner Ausgangssprache diese Woche auf Platz 12 der allgemeinen Belletristik-Bestseller steht.
  • Ganz egal, was für ein Roman das ist, du wirst jetzt die ersten zwanzig Seiten davon übersetzen. Ab dem Augenblick, wo du das Buch zu Hause in den Händen hältst und den Anfang das erste Mal in Ruhe wirst lesen können — Uhrzeit notieren! –, hast du genau sieben Kalendertage Zeit, die endgültige deutsche Fassung zu erstellen.
  • Ganz gleich, was für Hindernisse kommen: sieben Kalendertage für die zwanzig Seiten. Organisiere sie dir gut.

Wichtig ist, dass du die Sache sportlich nimmst und dich nicht selbst betrügst:

  • Das Buch auf Platz 12 liegt dir nicht? Egal! Stell dir vor, du hast nach einer Durststrecke endlich die Chance, einen Auftrag an Land zu ziehen, und bekommst gerade genau dieses Buch angeboten. Und jetzt sollst du mit einer Probeübersetzung beweisen, dass du es drauf hast. Dieses Buch, dieses verflixte Buch, das dir nicht liegt, könnte dein Einstieg sein!
  • In den sieben Tagen hast du nicht frei … ist eine wichtige Party … bist du frisch verliebt … hast du gerade Zahnschmerzen … oder Krach mit deinem oder deiner Liebsten? Egal! Verschieb den Termin nicht. Klar, die Verlage mögen tolle geniale Übersetzer. Aber noch lieber mögen sie zuverlässige tolle geniale Übersetzer.

Wenn du nach sieben Tagen eine fertige Fassung in der Hand hältst und sagen kannst: Ja, das ist eine anständige deutsche Übersetzung, für die ich mich nicht schämen müsste — dann hast du auch das Zeug zum Literaturübersetzer.

Womit wir beim zweiten wichtigen Teil des Handwerks wären: dem Klappern.

Was würdest du einem Berufsanfänger empfehlen? Wie geht man da am besten vor? Wie bekommt man „einen Fuß in die Tür“?

Kontaktpflege, Kontaktpflege, Kontaktpflege. Gehe zu Übersetzerstammtischen. Fahre zu Übersetzerseminaren und -tagungen. Besuche Übersetzereinrichtungen. Unter www.literaturuebersetzer.de findest du vieles.

Über den Verdienst mache ich mir keine Illusionen.

I’m sorry, aber da wärst du der Erste.

Um mal ein paar Pflöcke einzuschlagen, die ich beide in meinen über fünfzehn Berufsjahren schon erlebt habe: Zwischen Alg-II-Niveau und drei-, viertausend Euro im Monat ist alles drin. Es wird im Wesentlichen an dir liegen.

Wie ich übersetze

Am 1. Mai habe ich nicht nur meine Hausarbeit über Mexikos Krieg gegen die Drogen im Kontext der mexikanischen Geschichte und Außenpolitik abgegeben, sondern auch meine dritte Buchübersetzung. 150 Seiten eines amerikanischen Horrorautors, über den ich aber noch nicht mehr verraten darf.
An dieser Stelle möchte ich darüber berichten, wie ich arbeite. Das wird eine Serie von mehreren Blogeinträgen werden, in denen es unter anderem auch um Wörterbücher, Onlinewörterbücher, Recherche usw. gehen wird. Heute aber berichte ich von der Arbeit an sich.

Meine bisherigen Texte habe ich als PDF-Datei bekommen. Die drucke ich aus und lege die aktuelle Seite auf meinen Schreibtisch. (Ach ja, im Idealfall hat man den Text auch schon einmal gelesen, bevor man mit der Übersetzung anfängt. Das hat unter anderem den Vorteil, dass man schon weiß, worauf die Geschichte hinauslaufen wird und wie eventuell nicht ganz eindeutige Begriffe gemeint sind.)

Die Funktastatur (die ich dringend mal reinigen muss) liegt dabei auf meinem Schoss, da ich in einem bequemen Sessel sitze (Foto folgt, sobald ich aufgeräumt habe 🙂 ) Das ist ergonomisch vielleicht nicht sehr gesund, mir aber tausendmal lieber als ein Bürostuhl. Da ich glücklicherweise das Zehnfingersystem beherrsche und blind schnell tippen kann, brauche ich nicht auf die Tastatur schauen und kann mich voll auf den Text konzentrieren.


Dabei gehe ich Satz für Satz vor. Lese den englischen Satz und übersetze ihn dann. Steht er erst mal auf Deutsch da, löse ich mich zunächst von der Vorlage und konzentriere mich darauf, ober er auch in der deutschen Fassung stimmig klingt.
Während des Übersetzens habe ich mehrere Internetseiten geöffnet (dict.cc, leo.org, oald8.oxfordlearnersdictionaries.com, urbandictionary.com, linguee.de und google.de – auf diese Seiten werde ich noch in einem gesonderten Eintrag eingehen) um schnell ein Wort oder einen Begriff nachzuschlagen.
Werde ich auf die Schnelle nicht fündig, markiere ich mir das Wort gelb in der Übersetzung und mit Textmarker im Original und mache erst mal weiter, damit ich mich nicht zu sehr mit einem Problem aufhalte und dadurch aus dem Takt komme. Das gilt vor allem für Wörter, Fachbegriffe, Slangausdrücke usw. die sich nicht so schnell finden lassen. Komplizierten Satzbau versuche ich direkt zu lösen, auch wenn es länger dauert.

Je nach Schwere des Textes schaffe ich ein bis zwei Normseiten in der Stunde. Wenn ich dann einmal mit der ersten Fassung durch bin, drucke ich sie mir aus und lese sie vor allem auf Fehler Korrektur und schaue, ob es sich auch im Ganzen stimmig liest. Fehler finde ich leider immer wieder. Da ich sehr schnell tippe, sind öfters Buchstabendreher dabei (Leonard hieß z.B. oft Loenard). Gerne verwechsel ich auch in/ihn, seit/seid und den/denn. Wobei ich auf diese Wörter inzwischen so konditioniert bin, dass bei mir direkt die Alarmglocken läuten, wenn ich sie schreibe. Hauptsächlich sind es vergessene Buchstaben und Wörter.

Wenn ich mit der ersten Korrektur durch bin, nehme ich wieder das Original zur Hand und vergleiche den kompletten Text Satz für Satz mit der Übersetzung. Wobei ich hier zuerst den deutschen Satz lese und dann den Originalsatz. Dabei entdecke ich auch noch weitere Tippfehler und auch, dass ich meist noch zwei bis drei Sätze übersehen hatte. An einigen (aber nur sehr wenigen) Stellen merke ich auch, dass ich was falsch übersetzt habe.

Die Korrekturgänge sind auch sehr hilfreich, um noch bessere und elegantere Formulierungen zu finden. Hier fallen mir oft schönere und passendere Varianten ein, als im ersten Durchgang und ich bin dann besser für Wortwiederholungen sensibilisiert, da ich ja schon weiß, was für Wörter noch folgen.

Wenn ich die Zeit habe, lese ich danach nochmal den kompletten deutschen Text, und wenn es sich flüssig und stimmig liest, geht es dann ab an den Verlag.

Im nächsten Blogeintrag wird es einen Gastbeitrag von Frank Böhmert geben, bevor ich dann auf die oben erwähnten Internetseiten und Wörterbücher eingehen werde.