Scheiß drauf, das bleibt jetzt so! Mein Rückblick auf das ausklingende Jahrzehnt

Das Ende eines Jahrzehnts gilt als Wegmarke, die Anlass bietet, einen Blick zurückzuwerfen, auf jene Dekade, die gerade verstrichen ist. Ein Blick zurück auf verpasste Chancen und genutzte Gelegenheiten, die größten Triumphe und bittersten Niederlagen, erreichte Ziele und verpasste Träume. Auf Entscheidungen und deren Folgen.

Mein vorletztes Jahrzehnt endete mit einer Entscheidung, die mein Leben bis heute maßgeblich beeinflussen sollte. Einer Entscheidung, die ich nie bereut habe und die auch zur Existenz dieses Blogs führte. Und jetzt sitze ich hier und blicke auf ein abwechslungsreiches und aufregendes Jahrzehnt zurück, das mir so einige großartige Möglichkeiten bot, die ich nicht alle zu nutzen wusste.

Ein Jahrzehnt, das mich erstmals nach Paris und New York brachte; in dem ich mein erstes Buch übersetzte, dem zwölf weitere folgen sollten; in dem ich meinen zweiten Uni-Abschluss machte; in dem ich aber auch wieder ins Elternhaus zurückzog und zeitweise in einen Beruf zurückkehrte, mit dem ich eigentlich schon abgeschlossen hatte. Ein Jahrzehnt, in dem ich gelernt habe, dass ich kein guter Netzwerker bin, es aber irgendwie doch halbwegs auf die Reihe bekommen habe, wenn auch nur bis zu einem gewissen Grad; und in dem ich ein wenig den Anschluss an die digitale Gegenwart verloren habe, zumindest was die beruflichen Skills angeht, obwohl ich schon seit drei Jahren einen Teil meines Einkommens über das Internet verdiene. Was ich aber – und hier ist der erste gute Vorsatz fürs nächste Jahrzehnt – jetzt zu ändern gedenke.

Die Nullerjahre beendete ich als Optimist, meine persönliche Zukunft ebenso betreffend, wie jene der Menschheit. Das aktuelle Jahrzehnt beende ich als Zweifler. Daran zweifelnd, wie es bei mir weitergehen soll, und schwarzsehend, was die Zukunft der Menschheit angeht. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass die 2010er-Jahre als das Jahrzehnt in die Geschichte eingehen wird, in dem die Demokratie nach ihrem kurzen Höhenflug, der nur drei Jahrzehnte anhalten sollte, in finstere Untiefen abstürzte. Die 2010er werden nicht nur das Jahrzehnt sein, an dem der Tipping Point verpasst wurde, an dem man die Folgen des Klimawandels zumindest noch hätte abschwächen können, sondern auch die Dekade der Rechtspopulisten und Autokraten.

Das letzte Jahrzehnt vor dem Zeitalter der Dystopie, in dem jene Szenarien Wirklichkeit werden, von denen ich sonst so gerne in Science-Fiction-Romanen gelesen habe, wissend, dass sie als Warnung vor einer Zukunft galten, die es uns noch gelingen würde zu verhindern. Ein Irrtum, wie sich mit Blick nach China, Russland, England, Amerika und auch in die direkte Nachbarschaft zeigt. Eine Regierungsbeteiligung der rechtsextremen AFD ist nur eine Frage der Zeit, und ich bin fest überzeugt, dass dieser Sündenfall schon in den nächsten Jahren eintreten wird, denn der Rechtsruck in unserer Gesellschaft hat nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien und im Journalismus längst stattgefunden und ist bereits tief in unseren gesellschaftlichen Strukturen verankert, auch wenn die Meisten noch die Augen davor verschließen, und so tun, als würde es sich nur um eine Randerscheinung handeln, die schnell vorübergeht. Aber darum soll es hier nicht gehen. Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Da bin ich ganz pragmatisch. Vielleicht kann ich es mir auch erlauben, weil ich keine Kinder habe. Hier geht es um meinen persönlichen Rückblick auf das letzte Jahrzehnt, nicht um die Sorgen für das nächste.

Im Spätsommer 2009 entschied ich mich, nach Berlin zu ziehen, nachdem meine Bewerbung für ein Zweitstudium an der Freien Universität Berlin erfolgreich war. Es folgten ein sehr kurzfristig anberaumter Sprachtest und eine hektische Wohnungssuche, erschwert dadurch, dass ich mein zweites Jahr als Sozialpädagoge in einer psychosomatischen Suchtklinik beenden musste, und nicht mehr genügend Urlaub übrig hatte, um mehrere Wochen ausschließlich auf die Wohnungssuche verwenden zu können.

Im Januar 2010 saß ich als Erstsemester der Nord- und Lateinamerikastudien in meiner Wohnung in Berlin/Moabit und genoss es erstmals, ganz alleine zu wohnen. Zwar hatte ich in meinen sechs Jahren an der Uni Siegen ein Zimmer im Studentenwohnheim, aber von alleine wohnen kann da keine Rede sein. Für die die damalige Zeit und mich mit Anfang 20 war es genau das Richtige, so wie ein Jahrzehnt später eine ganz eigene Wohnung genau das Richtige war. Mit 30 ein neues Studium zu beginnen, umgeben von zehn Jahre jüngeren Studierenden war ein ganz eigenes Erlebnis, das zu einem komplett anderen – und viel fokussierterem Studium! – führte.

Es war aufregend, während der Amtszeit und Wiederwahl Barak Obamas US-amerikanische Geschichte, Politik, Soziologie und Kultur zu studieren. Noch interessanter wäre es nur während des Beginns der Ära Trump gewesen, denn die haben wir alle nicht kommen sehen, obwohl die Anzeichen dafür da waren. Vermutlich wollten wir sie nicht sehen, weil es so bequemer war und wir uns weiterhin nicht eingestehen mussten, kein Mittel gegen die Radikalisierung der Rechten und den Populismus zu haben, und das uns die Digitalisierung und das Internet über den Kopf wuchsen.

13 Bücher (sowie zahlreiche Kurzgeschichten und Fernsehdokumentationen) habe ich im vergangenen Jahrzehnt übersetzt, und nicht immer war „Scheiß drauf, das bleibt jetzt so!“ die richtige Entscheidung, auch wenn sie teilweise Umständen geschuldet war, auf die ich nur wenig Einfluss hatte – von wegen (oft künstlich und ohne Not herbeigeführter) Zeitdruck in der Branche. Und ganz ehrlich, manchmal habe ich mir auch gedacht: „Wenn ihr nur XY Euro für eine Übersetzung zahlt, dann bekommt ihr auch eine Übersetzung für XY Euro.“ Auch wenn mir mein beruflicher Stolz lautstark ins Gewissen geredet hat – hin und wieder erfolgreich.

Aber ich bin stolz auf meine Übersetzungen und halte manche davon für durchaus gelungen. Bücher zu übersetzen war sozusagen die realistischere Variante davon, die Leidenschaft für Bücher zum Beruf zu machen. An der unrealistischeren arbeite ich noch. Ich stecke immer noch mitten in der Überarbeitung der ersten Fassung meines ersten Romans. Die Illusion, damit Geld zu verdienen habe ich nicht (man beachte dazu Falko Löfflers wunderbar ehrlichen und toll geschriebenen Dekadenrückblick, der mich zu diesem hier inspirierte). Da ist das Übersetzen die realistischere Variante, wenn auch nicht mehr für lange. Bis vor Kurzem war ich der festen Überzeugung, dass es noch Jahrzehnte dauern würde, bis wir Übersetzer von Computern ersetzt werden. Inzwischen bin ich überzeugt, dass die ersten Verlage schon daran arbeiten, Übersetzungen in Zukunft von Software wie DeepL machen und das Ergebnis nur noch von einem Lektorat überarbeiten zu lassen. Ganz gleich, ob die Programme schon so weit sind, oder das Ergebnis überhaupt halbwegs lesbar sein wird. Das ist die Illusion, die mir die professionelle Tätigkeit in der Branche ein wenig geraubt hat.

Ein Jahrzehnt, das ich mit Zweifeln beende, darüber, wie es beruflich weiter gehen soll. Aktuell arbeite ich sehr viel für das phantastische Onlinemagazin Tor Online von Fischer Tor (S. Fischer Verlag), verfasse zweimal wöchentlich eine Newszusammenfassung und schreibe Artikel zu Themen der Phantastik. Ab Januar wird noch ein weiterer Aufgabenbereich hinzukommen, was mir erstmal etwas mehr finanzielle Sicherheit gibt. Trotzdem muss ich mich weiter nach Möglichkeiten umsehen und mich auch weiterentwickeln, wenn ich in den nächsten Jahren wieder nach Berlin ziehen möchte. Und das möchte ich wirklich, da mir das Leben in dieser Stadt inzwischen sehr fehlt.

Ich kann sehr faul, aber auch sehr produktiv sein, wenn es um die Arbeit an eigenen fiktionalen Texten geht, aber mit dem zu Ende bringen hapert es häufig. „I bully myself ‚cause I make me do what I put my mind to“, rappt Eminem in Rap God. Das ist etwas, was ich besser trainieren muss. Mich selbst dazu antreiben, Dinge zu tun, die ich mir vorgenommen habe.

Die letzten Jahre in der Selbstständigkeit hat sich bei mir eine gewisse Routine eingeschlichen, die bequem ist, da sie mir immer wieder ausreichend Freizeit bescherte, was ich für den größten Luxus überhaupt halte, die mir aber irgendwie auch die Energie für gewisse Projekte stahl. Meine Knieverletzung Anfang 2019, mit zwei darauf folgenden Operationen und einer langwierigen Rehaphase, hat mich ein wenig aus dieser Routine geworfen, was ich trotz diverser Unannehmlichkeiten teilweise begrüßt habe. Zumindest was meinen Alltag betraf, ansonsten bin ich dadurch weniger verreist und unter Leute gekommen als normalerweise. Es hat mir aber auch gezeigt, wie gelassen und pragmatisch ich auf solche Unannehmlichkeiten und unbequeme Dinge reagieren kann, wenn ich sie schließlich angehe.

Es war ein lehrreiches Jahrzehnt, das mich in einige für mich ungewohnte Situationen gebracht hat. Allein in der Großstadt zu leben, in der Kinder- und Jugendhilfe zu arbeiten, im Kindergarten, dann den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen und die Erkenntnis, dass dies das richtige Berufsmodell für mich ist. Im kommenden Jahrzehnt sollte ich mich auf diese Erkenntnisse und meine Stärken konzentrieren und diese besser und öfters nutzen. Und ich sollte wieder mehr Veränderungen in mein Leben lassen, denn durch diese bin ich in der Vergangenheit immer aufgeblüht. Obwohl ich den Gedanken an Veränderungen zunächst immer hasse.

Die Zehnerjahre waren auch eine Dekade des Bloggens. Translate or die ging 2011 an den Start. Ursprünglich als rein berufliche Internetpräsenz gedacht, wurde es mit der Zeit immer persönlicher und bot mir als introvertiertem und schüchternem Menschen die Möglichkeit, etwas mehr an die Öffentlichkeit zu gehen. 2019 ging die Zahl der Blogpost drastisch zurück, und irgendwie habe ich ein wenig die Lust daran verloren, aber schließen werde ich den Blog nicht. Vielleicht ist es nur eine Phase.

Es war auch ein Jahrzehnt, in dem ich den Kontakt zu einigen alten Freunden verloren habe, die mir doch sehr fehlen. Aber Lebensmodelle und -läufe entwickeln sich irgendwann auseinander und es reicht wohl auf Dauer nicht, sich krampfhaft an den Erinnerungen an die schöne gemeinsame Zeit festzuhalten. Doch es war auch ein Jahrzehnt, in dem neue Freundschaften entstanden sind. Ein Jahrzehnt, in dem ich erstmals Trauzeuge war.

Nostalgie ist Gift und hält uns davon ab, unbeschwert in die Zukunft zu gehen. Deshalb schließe ich den Dekadenrückblick hiermit ab, hadere nicht länger mit falschen Entscheidungen, trauere keinen verpassten Gelegenheiten nach und klammere mich nicht an schöne Erinnerungen. Trotz aller Zweifel und Sorgen möchte ich lieber erhobenen Hauptes mit intaktem Knie und voller Tatendrang ins neue Jahrzehnt schreiten.

Sinkende Leselust durch eingefahrene Leseroutine und eine Pause von der Phantastik

Von den neun Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen:

Laird Barron – Occultation
William Wells – Sun Detective
Sven Regener – Wiener Strasse
Linus Geschke – Tannenstein
Sibylle Berg – GRM Brainfuck
Adam Horowitz und Mike Diamond – Beastie Boys Book

oder angefangen habe zu lesen:

Ada Palmer – Too Like The Lightning
Marlon James – Black Leopard, Red Wolf
Max Gladstone – Empress Of Forever

hat mich nur das Beastie Boys Book so richtig begeistern können – und zwar so, dass ich die 600 Seiten innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Was mich zu der Erkenntnis brachte, dass ich mit einer Lektüreauswahl in einer Routine gelandet bin, die zu steigender Leseunlust führ. Zwar habe ich noch jeden Tag gelesen, aber deutlich weniger Seiten bei steigendem Serienkonsum.

Es sind alles keine schlechten Bücher. GRM Brainfuck z. B. hat mich über die ersten 400 Seiten ob seines herausragenden Stils und seines scharfsinnigen analytischen Blicks auf unsere Gesellschaft stark begeistert. Doch über die letzten 200 ermüdete mich das gleichbleibende Schwarz-in-schwarz-Zeichnen, und der zutiefst dystopische Charakter der Erzählung. Warum ich der Dystopien müde bin, habe ich kürzlich auf Tor Online in dem Artikel Schluss mit der Schwarzseherei! Warum Zukunft wieder ein positiv besetzter Begriff werden muss aufgeschrieben.

Auf Empress Of Forever hatte ich mich schon ein halbes Jahr lang gefreut, da ich Gladstones Craft-Sequence großartig und super originell finde. Doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Ich bin jetzt bei 80%, aber die rasante Space-Fantasy mit toll ausgearbeiteten Figuren ist mir irgendwie zu abstrakt geraten, was Weltenbau und teilweise auch den Ablauf mancher Szenen angeht.

Black Leopard Red Wolf von Booker-Prize-Gewinner Marlon James ist stilistisch wunderbar geraten, ein originelles Fantasyszenario mit starken afrikanischen Einflüssen abseits der üblichen eurozentrischen Mittelalterfantasyklischees. Und doch konnte es mich bisher nicht so recht packen, und ich hänge bei 10% (ca. Seite 100) fest.

Dass es selbst so herausragend geschriebenen Werken der Fantasy und Science Fiction nicht gelingt, mich zu begeistern, bringt mich zu dem Schluss, dass sich bei mir aktuell Ermüdungserscheinungen in Sachen Phantastik bemerkbar machen. Ich beschäftige mich beruflich so viel mit Phantastik, und das durchaus mit Begeisterung, dass ich privat jetzt mal etwas thematische Abwechslung brauche. Weshalb ich dem Genre für eine Weile in Sachen Literatur den Rücken kehren werde. Solche Phasen habe ich alle paar Jahre immer wieder mal. Die halten dann oft einige Monate an. Von den 22. Büchern, die ich dieses Jahr schon komplett gelesen habe, waren es nicht die 10 Phantastikbücher, die mich begeistern konnte, sondern Krimis (The Borrowed/Das Auge von Hongkong, wobei ich hier mit Sun Detective und Tannenstein zwei nicht so dolle erwischt habe)), historische Romane (Die goldene Stadt), zeitgenössische Belletristik (Das Leben des Vernon Subutex 2 und 3, hier konnte mich überraschenderweise Wiener Straße von einem meiner Lieblingsautoren überhaupt nicht begeistern) und Sachbücher (Wütendes Wetter).

Als Folge der Begeisterung für das Beastie Boys Book, werde ich mich jetzt erst mal verstärkt Sachbüchern widmen, vor allem mit (auto)biografischen Elementen. Ich liebe Bücher über Menschen, die Sachen machen, die ich mich nicht trauen würde. Aus der Band-Biografie habe ich drei Lesetipps mitgenommen:

Tania Aebi – Maiden Voyage
Luc Sante – Low Life: Lures and Snares of Old New York
Ada Calhoun – St. Marks Is Dead

Tania Aebi gehörte zum Freundeskreis der Beastie Boys in deren Jugendjahren. Als sie 18 war, stellte ihr Vater sie vor die Wahl, ihr entweder das College zu bezahlen, oder ein Segelboot. Wenn sie sich für das Segelboot entscheiden würde, müsste sie damit aber auch allein um die Welt segeln. Und ratet mal, was sie getan hat …

Die anderen beiden Bücher erzählen die Historie zweier Bezirke von New York, für die ich mich seit meinem Urlaub dort im letzten Jahr besonders interessiere, da mein Hotel auf der Lower Eastside lag, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe. Beide AutorInnen haben ausgezeichnete Gastkapitel zum Beastie Boys Book beigetragen.

Wenn ich in meinen Lesegewohnheiten zu eingefahren bin, hilft es, diese ein wenig zu ändern, mich selbst mit der Lektüreauswahl zu überraschen, mich spontan für Bücher zu entscheiden, die mich jetzt gerade besonders ansprechen, und diese dann auch direkt zu lesen. Statt Monate im Voraus bestimmte Titel zu planen, nur weil sie gerade im Genre angesagt sind und ich auf dem neuesten Stand bleiben möchte. Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, keine neuen Bücher mehr zu kaufen, was ich auch ein Quartal lang durchgehalten habe. Aber nur Bücher zu lesen, die schon lange bei mir im Regal stehen, nimmt mir das Überraschungsmoment und verhindert, spontanen Leselaunen zu folgen und auch mal Bücher zu Themen zu lesen, die mich eigentlich nicht interessieren (da habe ich mir mal Stephen Frys Mythos: The Greek Myths Retold für die nähere Zukunft notiert)

Ob es was hilft, mein Leseverhalten zu ändern, zu anderer Lektüre zu greifen, als in den letzten Monaten und Jahren, wieder mehr zu lesen und weniger TV/Streamingserien zu schauen … wir werden sehen. Ich hoffe aber, dadurch wieder mehr Begeisterung beim Lesen zu haben, und nicht einfach nur routiniert was runterzulesen, was ganz okay ist, aber aktuell nicht zu meiner Lesestimmung passt. Manche Bücher liest man einfach zur falschen Zeit.

Wie sieht es bei euch aus? Kennt ihr sowas?

„Rabbit: A Memoir“ by Patricia Williams and Jeannine Amber

Trigger Warning: Please excuse my bad English, I’m hopelessly out of practice. 😉

For his now well known study Gang Leader For A Day sociologist Sudhir Venkatesh went into the projects of Chicago and asked some gang members: „How does it feel to be black and poor?“ What he really asked (in this suicidal attempt) was: „How does it feel to be black, poor and male?“.

In his recent article for the New Yorker Jim DeRogatis asked: „Why Has R. Kelly’s Career Thrived Despite Sexual-Misconduct Allegations?“

One of the answers lies in the skin color of his victims. For the Washington Post Karen Attiah said: „As long as black women are seen to be a caste not worthy of care and protection, his actions will not receive widespread outcry …“

In her autobiography (that I am currently reading) Angela Davis describes a jail in New York where ninety percent of the female inmates where blacks or Puerto Ricans, due to a bail system designed for the white and wealthy.

Patricia Williams a.k.a. Rabitt a.k.a. Ms Pat was thirteen when she got pregnant by an adult. She conceived her second child by the same father at the age of fifteen. She grew up in ghetto in Atlanta under circumstances people not living there wouldn’t believe. Her grandfather runs an illegal liquor house, where the whole family lives. Her mother instructs her to steal, and every family member does something criminal for living. To survive, to feed her children, she starts selling crack.

When people like me, white privileged outsider, think about the ghetto, we think of TV shows like The Wire, we think of young gangsters dealing crack and killing each other in drive-by shootings. What we don’t see are the black girls and women that grew up and live in all this violence, in all this poverty, without finishing school, without proper jobs. To us they are invisible.

This is how Rabbit felt all those years. This is why she was looking for a way out of the hood The reason she finally went on stage and became a comic. There she talks about her life, not in way that generates pity, but in way that makes people laugh.

The book was written by Jeannine Amber, because Patricia Williams is according to her own statement not an author. But she definitely knows how to tell a heartbreaking story full of tragedy in an entertaining way with a lot of hope between the lines. And Amber was the right person to put this story in a book.

I am more than amazed, how important family was for this young women, still a child herself, but already taking care of several other children, who were not all her own. But they were family, and so she took care of the four daughters of her drug-addicted sister, without hesitating for a second.

This iron will to do what has to been done, might be one of the reasons, she made it out of the hood, into a normal life, with a husband, a regular job, and a career as a comic. Another reason could be her business sense, doing the dealing the right way, in a sense of make a profit out of it from the beginning. And last but not least she did not take drugs herself. On top of all that she also had help from people who believed in her (like her husband), who stayed with her, even when she had a setback and times where getting harder.

Although this story depicts mostly in the 90s, sometimes you can find subtle comments on the present. For example, when Hood, the owner of the laundromat says „at least we have Bill Cosby“, after a rant about negative example of former black idols like Mike Tyson.

Well Patricia Williams, you are not invisible any more, you are not unheard anymore. Even here in Germany I can see and hear you. And albeit of those tragic circumstances and life stories, that surrounded and crossed your way out of the shadows, you made me laugh a lot. Most of the women, who would need the encouragement and example displayed in this book, won’t be able or willing to read it. Still I hope it will inspire many.

On her homepage you can find some of her appearances and more information. I got curios about the book by this review in the New York Times.

If you are interested in a positive view on black communities in the USA, take a look at the Photographs of Jamel Shabazz.

Song for the book (cause it summarizes its content pretty good):