Die phantastischen Netzstreifzüge …

… gab es zuletzt vor mehr als einem Jahr am 6. Februar 2016, danach ist die Rubrik, die es seit der Nummer 1 am 18.02.2014 auf 46 ½ Ausgaben brachte, eingeschlafen, weil mir einfach die Zeit dafür gefehlt hat und ich auch Lust auf andere Arten von Blogeinträgen hatte. In der Rubrik habe ich regelmäßig (aber ohne festen Rhythmus) auf interessante Artikel zu phantastischen Themen verlinkt und sie meist auch noch ein wenig persönlich kommentiert.

Die Rubrik wird erst mal eingeschlafen bleiben, aber dafür gibt es jetzt auf Tor Online drei Mal in der Woche (montags, mittwochs und freitags) die von mir erstellten SFF News – also Neuigkeiten aus den Themenfeldern Science Fiction und Fantasy (aber auch sonstige Phantastik) in Buch, Film und dem ganzen Rest. Drei bis sechs News pro Ausgabe, darunter Trailer und Neuigkeiten zu Filmen und Serien, aber auch immer wieder Themen, die man auf den anderen phantastischen Newsseiten nicht so häufig findet. Wie z. B. der Hinweis auf die SF-Retrospektive der Berlinale in der ersten Ausgabe oder die Eröffnung eines Instituts für Science Fiction und Fantasy an der Anglia Ruskin University in Nummer 2.

Mal sehen, wie die Sache angenommen wird. Wir versuchen durchaus, die Nachrichten relativ tagesaktuell zu bringen, aber es geht nicht darum, schneller als die anderen zu sein. Es soll eine kompakte Übersicht über aktuell für Phantasten und Geeks interessante Neuigkeiten sein.

 

Phantastische Netzstreifzüge 46,5

Ein paar Nachträge zur 46:

Im Endspurt vor der Buchmesse – Nach vielen Monaten gibt der Golkonda Verlag auf seiner Homepage mit einem neuen Newsblogeintrag wieder ein Lebenszeichen von sich. Entgegen einer ursprünglichen Prophezeiung hat der Wechsel von Verlagschef Hannes Riffel zu S.Fischer nicht zu einem Einbruch in den Buchveröffentlichungen geführt. Demnächst stehen wieder einige interessante Neuerscheinungen an; ich freue mich vor allem auf den von Robert Silverberg herausgegebenen Kurzgeschichtenband Science Fiction Hall of Fame, der einige der besten Geschichten aus dem »Golden Age of SF« enthält. Auch mit Captain Future geht es weiter. Der von mir übersetzte Band 6 soll sich gerade im Lektorat befinden. Da ich die Übersetzung vor über einem Jahr abgegeben habe, hoffe ich, dass ich mich noch halbwegs daran erinnern kann, wenn das Lektorat zurückkommt. 😉

Anders als in den letzten beiden Jahren werde ich dieses Jahr übrigens nicht auf die Leipziger Buchmesse fahren.

Zum 75. Geburtstag von Hugh Walker – Gero gratuliert auf der Bibliotheka Phantastika dem deutschen Phantastikurgestein Hugh Walker alias Hubert Straßl zum 75. Geburtstag und schildert nebenbei noch ein packendes Stück deutschsprachige Genregeschichte. Den Glückwünschen schließe ich mich an

February’s Science Fiction, Fantasy and Horror Books – Auf SF-Signal gibt es wieder die monatliche Covergalerie mit den phantastischen Neuerscheinungen und Wiederveröffentlichungen des Monats. Mich interessieren vor allem zwei Bücher: Lovecraft Country von Matt Ruff, das passend zur aktuellen Lovecraft/Rassismus Debatte (siehe World Fantasy Award) sehr politisch ausgefallen sein soll und The High Mountains of Portugal von Yann Martel, dessen Life of Pi ich so großartig erzählt fand.

Phantastische Netzstreifzüge 46

Die letzten phantastischen Netzstreifzüge liegen schon eine Weile zurück, was einfach daran liegt, dass mein Interesse an der Phantastik in den vergangenen Monaten eine kleine Pause eingelegt hatte und ich mich anderen Themen zugewandt habe, wie man teilweise auch hier im Blog verfolgen konnte. Inzwischen habe ich wieder angefangen Phantastik zu lesen, im Januar z. B. Ein Wispern unter der Baker Street von Ben Aaranowitsch und Providence von Allan Moore und Jacen Burrows. Aktuell lese ich Der Wüstenplanet von Frank Herbert in der Neuübersetzung von Jakob Schmidt.

Beruflich werde ich der Phantastik das gesamte Jahr 2016 über treu bleiben. Alle drei Romane, die ich dieses Jahr übersetzen werde, sind lupenreine, im Weltraum und auf fremden Planeten spielende Science Fiction. Captain Future ist übrigens nicht darunter. Die Bücher werden bei Cross Cult und einem großen Publikumsverlag erscheinen. Die Titel verrate ich aber erst, wenn die Verlage sie angekündigt haben. Die Kritiken im englischsprachigen Raum (und auch bei Josefson) fallen äußerst positiv aus. Gestern habe ich die lektorierte Fassung einer Kurzgeschichte von Jeff VanderMeer bearbeitet, die ich übersetzt habe und die in der nächsten Ausgabe der phantastisch! erscheinen wird. Im März erscheint bei Cross Cult ein Band mit Kurzgeschichten aus dem Akte-X-Universum (Vertrauen Sie niemandem), aus dem ich inzwischen einige davon übersetzt habe (mir gefallen ja die mit Skinner als Hauptfigur besonders gut).

Aber jetzt zu den Netzstreifzügen. Es hat sich einiges getan:

Pan – Einige deutschsprachige Phantastikautorinnen und Autoren haben mit PAN das Phantastik-Autoren-Netzwerk gegründet, einen Verein, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, AutorInnen zu vernetzen und die Phantastik zu fördern. Dazu findet im April z. B. ein Branchentreffen statt, bei dem ich mir trotz der hohen Teilnahmegebühr überlege hinzugehen. Ich bin weder Phantastikautor noch Vereinsmensch, halte diese Gründung aber für eine gute Sache, da ich es immer gut finde, wenn sich AutorInnen zusammentun. Und das Branchentreffen wirkt den ersten Infoschnipseln zufolge auch sehr ambitioniert.

Die aus meiner Verbandsgemeinde stammende Autorin Alessandra Reß (Spielende Götter) gehört auch zu den Gründungsmitgliedern und hat auf ihrem Blog Fragmentansichten ein wenig darüber geschrieben. Dort berichtet sie auch über die Longlist des Phantastikpreises Seraph (Glückwunsch zur Nominierung) und die Tagung der GFF, der Gesellschaft zur Fantastikforschung (die Banausen schreiben Phantastik doch tatsächlich mit „F“ 😉 ).

Knaur Fantasy und Science Fiction – Im Herbst wird das neue Phantastikprogramm von Knaur starten. Dazu gibt es jetzt auf Facebook eine passende Seite, auf der man schon erste Infoschnipsel erhaschen kann. Knaur wird auf dem Branchentreffen übrigens ebenso vertreten sein wie Fischer/Tor, die ja auch im Herbst mit einem neuen phantastischen Programm starten, bisher haber noch keinen öffentlichen Internetauftritt haben.

The Worlds of Ursula K. Le GuinBin eigentlich kein großer Freund von Crowdfounding, aber das ist eine Doku, die ich sehen will. Le Guin ist eine der größten lebenden SF- und Fantasyautorinnen. The Left Hand of Darkness und The Dispossessed sind großartige SF-Bücher, über letzteres habe ich auch mal eine Hausarbeit geschrieben. Ich habe das Projekt unterstützt, obwohl der Mindestbetrag von 80.000 Euro bereits erreicht ist. Die Doku ist schon gefilmt, es fehlt aber noch Geld für die Postproduktion. Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt ist ihr Werk leider ein wenig in Vergessenheit geraten. In den letzten 10 Jahren ist kaum was erschienen, obwohl sie weiterhin fleißig schreibt. Verlorene Paradiese im Atlantis Verlag bildet die löbliche Ausnahmen.

 Die Top 25 Fantasy-Werke – Solche Bestenlisten gibt es ja wie Sand in der Wüste von Arrakis, und sie sind stets streitbar, aber diese hier gefällt mir besonders gut, weil sie ihre Auswahl ausführlich und nachvollziehbar begründet. Was ich davon gelesen habe und was mir auf der Liste fehlt, kann man dort in den Kommentaren nachlesen. Die Liste ist auf jeden Fall ein guter Orientierungspunkt, wenn man mit dem Genre nicht so vertraut ist, sich aber ausführlicher damit beschäftigen möchte.

Hier die Bücher aus der Liste, die ich gelesen habe (jeweils nur ein Band). Robin Hobb fehlt, die hatte ich mir nur ausgeliehen.

Hier die Bücher aus der Liste, die ich gelesen habe (jeweils nur ein Band). Robin Hobb fehlt, die hatte ich mir nur ausgeliehen.

Business Musings: Serious Writer Voice – Die Autorin Kristine Kathryn Rusch (Das Buch der Fey) bemängelt in diesem Beitrag das Fehlen einer eigenen Erzählstimme in den unzähligen Kurzgeschichten, die sie in der letzten Zeit gelesen hat. Diese Geschichten hätten zwar gute Plots und Ideen, würden sich aber von der Erzählstimme her alle gleich anhören bzw. lesen. Dafür hat sie auch einen Schuldigen ausgemacht: vermeintlich hilfreiche Schreibregeln von Autorenworkshops, durch die die Erzählstimmen alle in ein konformes Korsett gezwängt werden. Gerade in den USA sind ja Schreiblehrgänge, Studiengänge wie Creative Writing und Workshops wie zum Beispiel Clarion West weit verbreitet, und führen (meiner Vermutung nach) teilweise dazu, dass das Handwerk im Schreiben überbetont wird, und die Kunst dadurch ein wenig verdrängt. Man muss das Handwerk natürlich beherrschen, aber wenn man es tut, kann man die Regeln gezielt und gekonnt brechen, um Kreativität und Originalität zu schaffen.

So werden Bestseller wirklich gemacht – Auf Welt.de gibt es einen interessanten Artikel von Felix Zwinzscher, darüber, wie wenig aussagekräftig die bekannten Bestsellerlisten wirklich sind, was die tatsächlichen Verkäufe von Büchern angeht.

Hong Kong In The 1950s Captured By A Teenager – Ich stehe ja total auf Filme aus Hongkong, der in den 1960ern spielende Film Days of Being Wild von Kar-wai Wong gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Deshalb gefallen mir diese tollen Fotografien aus den 1950ern besonders gut. Danke für den Link, Oli.

Hysterical Literature – Und zum Abschluss noch was Spaßiges. Hier lesen einige Frauen aus Büchern vor, während sie sich mit technischen Hilfsmittel stimulieren und damit in eine gut gelaunte Lesestimmung bringen lassen. Sehe ich da einen neuen Trend für Lesungen … 🙂

Phantastische Netzstreifzüge 45

Wie wird eigentlich ein Roman übersetzt? – Übersetzerin Kerstin Fricke (die auch phantastische Literatur und Computerspiele übersetzt) berichtet auf ihrem Blog Die Wortspielerin darüber, wie bei ihr die Übersetzung eines Romans abläuft. Bei mir sieht das ganz ähnlich aus, nur dass mir die Lektorinnen noch nicht die Bude mit Anfragen einrennen. Die zu übersetzenden Romane lese ich auch nicht immer vor Beginn der Übersetzung. Bei Sachen, die sprachlich etwas nervig oder anstrengend sein können (wie z. B. Captain Future), trägt die Neugier darauf, wie es weitergehen soll, einen deutlich Motivationsschub bei, um konsequent weiterzuarbeiten. Die lektorierte Fassung und/oder die Korrekturfahnen bekomme ich auch nicht von allen Verlagen vor Publikation zu Gesicht. Was in Ordnung ist, wenn ich es vorher weiß und mich darauf einstellen kann. Bevor ich einen Auftrag annehme, schaue ich mir das zu übersetzende Buch aber auf jeden Fall an, damit ich auch weiß, worauf ich mich da einlasse. Anders ist es auch schwierig, abzuschätzen, wie lange man für die Übersetzung (je nach Schwierigkeitsgrad) brauchen wird und ob das Honorar auch für den Aufwand angemessen ist.

A History of Epic Fantasy – Adam Whitehead gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Phantastikbloggern im englischen Sprachraum. In den letzten Jahren ist es auf seinem Blog (aus beruflichen Gründen) etwas stiller geworden. Aber in den letzten Wochen hat er dort eine tolle Artikelserie gestartet, in der er die Geschichte der epischen Fantasy erzählt. Aktuell ist er bei Teil 10 und in den 80er Jahren angekommen. Obwohl ich seit 20 Jahren Fantasy lese und über ein relativ gutes Genrewissen verfüge, habe ich dort noch einiges Interessantes lernen können. Wer des Englischen halbwegs mächtig ist und sich für Fantasyliteratur interessiert, sollte sich die Artikel auf jeden Fall einmal ansehen. Auf Deutsch ist mir ein ähnliches Projekt bzw. eine ähnliche Übersicht über das Genre nicht gekannt.

Rereading Shannara – Aidan Moher hat auf tor.com einen Reread von The Elfstones of Shannara (Die Elfensteine von Shannara) gestartet. Normalerweise sind mir diese Rereads zu detailliert, da jedes Kapitel ausführlich besprochen wird, aber weil ich das Buch selbst gerade erst gelesen habe (dazu wird es noch einen eigenen Blogeintrag geben), finde ich Mohers Analyse sehr interessant. Es ist wirklich erstaunlich, wie aufmerksam er den Text liest und wie ausführlich er auch einzelne Sätze analysiert. Ich habe das Buch wohl etwas zu schnell gelesen, so dass mir einige wirklich tolle Feinheiten entgangen sind.

The Elfstones of Shannara ist der zweite Teil der Shannara-Reihe von Terry Brooks, kann aber eigenständig gelesen werden, da er 50 Jahre nach Band 1 spielt. Allerdings gibt es zahlreiche Anspielungen auf den Vorgänger, dessen Geschichte aber ausführlich erwähnt wird, so dass man inhaltlich mitbekommt, was damals passiert ist. The Sword of Shannara erschien 1977 bei Del Rey und war ein großer Erfolg, der eine neue Ära im Fantasygenre einleitete. Obwohl (oder vielleicht auch weil) es sich um eine ziemliche dreiste Tolkien-Kopie handelte, die aber sehr unterhaltsam geschrieben ist. Ich habe Band 1 vor ca. 15 Jahren gelesen und genauso in Erinnerung behalten. Die deutsche Fassung des im Original mit knapp über 400 Seiten nicht gerade dicken Buchs hat man tatsächlich in 3! dünne Bände gesplittet, und es dabei noch geschafft, sie mit einer leserunfreundlichen kleinen Schrift zu bedrucken. Bei den Elfensteinen lief es ähnlich ab. Der erste Splittband steht bei mir auch schon seit 15 Jahren im Regal, aber ob ich ihn mal gelesen habe, weiß ich nicht. Als ich jetzt die englische Fassung gelesen habe, kam mir nichts bekannt vor.

Auch Mistkaeferl hatte sich vor einigen Jahren auf der Bibliotheka Phantastika an einen Reread gewagt und war positiv überrascht, wie gut sich die Geschichte gehalten hat.

Terry Brooks hat mit diesen beiden Büchern der epischen Fantasy eine neue Richtung gegeben, der dann erfolgreiche Autoren wie Dave Eddings, Raymond Feist und viele andere folgten.

Im Januar 2016 läuft auf MTV die Serienverfilmung von The Elfstones of Shannara an, und die bisherigen Trailer sehen gar nicht so schlecht aus.

Phantastische Netzstreifzüge 44

Lesung von Marko Kloos am 19.06.2015 im Otherland – Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Marko Kloos (vier Jahre bei der Bundeswehr) zog in die USA um Bestsellerautor zu werden. Mission Accomplished. Seine auf Englisch verfasste und zunächst selbstpublizierte Military-SF-Trilogie entwickelte sich zum Besteller, der inzwischen auch bei Heyne auf Deutsch erscheint. Des Weiteren wurde Kloos bekannt, weil er für den diesjährigen Hugo-Award nominiert war, seine Nominierung aber selbst zurückzog. Warum er das getan hat, und was es sonst noch Interessantes über ihn zu berichten gibt, könnte ihr im Lesungsbericht von Ralf Steinberg nachlesen. Als kleine Anmerkung noch: Als Übersetzer wäre ich doch sehr nervös, wenn der Autor, den ich übersetze, fließend Deutsch spricht. 😉

Sci Fi TV-Quartett: „The Last Man on Earth“, „Other Space“, „Dark Matter“ & „Killjoys“ – Der Wortvogel hat vier aktuelle SF-Serien besprochen. Den Piloten von Dark Matter habe ich letzte Woche gesehen und kann mich dem Urteil des Vogels nur anschließen. Auf eine anständige Weltraum-SF müssen wir weiterhin warten. Ob Expanse das liefern kann? Läuft ja auch auf dem Gurkengarant Syfy.

SIGMA 2 Foxtrot 016 — Werner Fuchs und Hardy Kettlitz – Die beste Buchhandlung dieser Welt – das Otherland in Berlin – bietet nicht nur zahlreiche interessante Lesungen wie zuletzt mit Joe Abercrombie und Marko Kloos an, sondern ab und zu schauen auch mal Genre-Urgesteine wie Werner Fuchs vorbei. Fuchs ist seit den 70er Jahren der deutsche Agent von George R. R. Martin, hat das Rollenspiel Das schwarze Auge mitentwickelt, die SF bei Knaur mitherausgegeben und den Verlag FanPro gegründet. Dementsprechend kann er viel Interessantes und Unterhaltsames aus dem Nähkästchen plaudern. Und die Jung vom SIGMA 2 Foxtrot waren auch noch so nett, diesen Abend für all jene mitzuschneiden, die an diesem Abend nicht in einem anderen Land weilen konnten. Ach ja, Hardy ist natürlich auch immer höhrenswert, der weiß nicht nur über die Hugos Bescheid, sondern auch über die SF-Szene der DDR.

Breaking the Boundaries Between Fantasy and Literary Fiction – Auf New Repupblic gibt es ein hochinteressantes Gespräch zwischen Neil Geiman und Kazuo Ishiguro über Genregrenzen und Genrezwänge. Ist sehr lange, aber es lohnt sich.

»Mad Max: Fury Road«, oder: »What a movie! What a lovely movie!!!« (inkl. »Mad Max« 1-3) – Mad molosovsky hat sich der Mad-Max-Reihe gewidmet. Seinen Einschätzungen kann ich mich durchweg anschließen. Der aktuelle vierte Teil ist der beste der Reihe. Der hat mich im Kino so richtig umgehauen. Wer hätte das gedacht. Ich glaube nicht, dass dieses Jahr noch ein Film laufen wird, der mich ähnlich beeindrucken kann. Der beste Actionfilm der letzten Jahre, optisch ein Kunstwerk, da ist es auch nicht schlimm, dass es kaum (offensichtliche) Story gibt.

Phantastische Netzstreifzüge 43

Wolfgang Jeschke (1936­–2015) – Es gibt wohl keinen Herausgeber, der einen solch großen und bedeutenden Einfluss auf die Science Fiction in Deutschland hatte, wie Wolfgang Jescke, der seit Beginn der 70er Jahre die SF-Reihe bei Heyne herausgegeben hat. Und auch als Autor leistete er beeindruckende Werke ab. Ich habe von ihm nur den ausgezeichneten Roman Der letzte Tag der Schöpfung und einige Kurzgeschichten gelesen. Mein Beileid an die Angehörigen.

Nebula Award für den fremdartigsten Roman des Jahres – Josefson kommentiert die Preisvergabe der Nebula-Awards am letzten Wochenende. Zum Preisträger in der Romankategorie Anihilation schrieb ich letztes Jahr:

Eine Biologin, eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Linguistin begeben sich auf eine Expedition in ein Gebiet, in dem Flora und Faune durch ein nicht näher spezifiziertes Ereignis auf teils recht unheimliche Weise verändert wurden, und auch die vier Expeditionsteilnehmer werden durch das Gebiet verändert. Dass sie nur bei ihren Berufsbezeichnungen genannt werden, und nicht bei ihren Namen, hat auch damit zu tun. Einer gelungener, atmosphärisch dichter und psychologisch komplexer Roman, der der mich trotz der relativen Ereignisarmut in seinen Bann gezogen hat. Ein vielversprechender Auftakt für die Southern-Reach-Trilogie, die in diesem Jahr noch im Kunstmann Verlag erscheinen soll. Sprachlich gar nicht so sperrig, wie ich es von VanderMeer erwartet hätte.

Meine Stimme hätte allerdings The Three-Body Problem von Cixin Liu bekommen. Meine Meinung dazu gibt es hier. Ansonsten kann ich mich Josefson nur anschließen.

Stephen King: By the Book – Stephen King äußert sich in der New York Times zu Autoren und Büchern, die er empfehlen kann. Allerdings scheint er doch mit gehörigen Scheuklappen zu lesen (was durchaus sein Recht ist). Auf die Frage: »Do you enjoy fiction in translation? Stories from particular corners of the world?«, antwortet er:

I actually avoid novels in translation when I can, because I always have the feeling that the author is being filtered through another mind. I read “Nana” last year, and swapped back and forth between two translations. They were quite different — not in the plot, which is simple, but in the mode of expression. That said, I read Pierre Lemaitre, a really excellent suspense novelist, and the aforementioned Karin Fossum. And of course the wonderful John Ajvide Lindqvist. I also enjoyed Stieg Larsson, wooden prose and all.

Finde ich sehr schade, da ihm dadurch viele tolle Bücher aus den unterschiedlichsten Kulturen entgehen. Dass er sich als Autor mit Übersetzungen seiner Werke unwohl fühlt, und dass das übersetzte Buch nicht das Buch ist, das der Autor verfasst hat, kann ich gut verstehen. Bei einer guten Übersetzung ist es aber eine möglichst wirkungsäquivalente Annäherung. Ich möchte jedenfalls nicht auf die ganzen großartigen Bücher aus Sprachen verzichten, die ich nicht selbst beherrsche. Und wenn ihm Lindqvist und Larsson in Übersetzung gefallen haben (mir übrigens auch), warum dann nicht auch andere?

Ich kenne übrigens nicht wenige Übersetzer, die es selbst vermeiden Übersetzungen zu lesen. 😉

»Ich lasse mich reinfallen« – Die taz hat ein sehr interessantes Interview mit dem Übersetzer Dirk van Gunsteren geführt, in dem es allerlei Interessantes zum Übersetzen von Tomas Pynchon, aber auch zum Übersetzen allgemein, zu erfahren gibt.

Tanith Lee Was An Indispensible Fantasy Author – Ende Mai ist die Autorin Tanith Lee verstorben. Ich hatte ihren Namen eigentlich immer auf dem Radar, habe es aber trotzdem versäumt, mal etwas von ihr zu lesen. Nach allem, was ich in den vielen Nachrufen über sie und ihr Werk gelesen habe, muss ich das dringend nachholen.

How Comic-Cons are Killing Fandom – Oscar Bernie darüber, warum Comic-Cons seiner Meinung nach das Fandom zerstören. Ich bin selbst leider noch nie auf einer Comic-Con in den USA gewesen, aber ich kann seine Argumentation gut nachvollziehen. Die einstige Kultveranstaltung in San Diego (und ihre Ableger) scheinen nach allem, was ich so in den Medien mitbekomme, immer mehr zu einer reinen Werbeveranstaltung für Filmverleiher und TV-Sender geworden zu sein, in der es vor allem darum geht, die neuesten Produkte zu vermarkten, und weniger um die eigentlichen Helden der Cons: die Fans. Ich persönlich ziehe kleinere, familiärere Cons auch den großen Mediacons vor. Deshalb bin ich in meinem Leben auch nur einmal auf der Fedcon gewesen, fahre aber seit 10 Jahren zum Bucon. Wobei man die deutschen Cons nicht mit denen in Amerika vergleichen kann, und es auch nicht allein auf die Größe ankommt. Der nicht gerade kleine Worldcon scheint ja auch eine relativ unkommerzielle Veranstaltung zu sein.

Single page of notes wins SF author John Scalzi $3.4m deal – Da soll noch mal einer sagen, dass sich Science Fiction nicht verkauft. John Scalzi hat seine nächsten 10 Bücher für 3,4 Millionen Dollar verkauft. Okay, über 10 Jahr gesehen ist das jetzt auch kein Riesenvermögen, aber deutsche Genreautoren können von solchen Zahlen nur träumen (und die meisten englischsprachigen vermutlich auch). John Scalzi Bücher verkaufen sich jeden Monat in einem fünfstelligen Bereich. Respekt. Ich habe von ihm bisher nur Krieg der Klone gelesen, fand ich ganz gut, aber irgendwie ist der Rest von ihm an mir vorbeigegangen.

Nachtrag: Wie ich gerade erfahren habe, ist auch Christopher Lee verstorben. Ein großer Schauspieler, der auch noch im hohen Alter von 93 Jahren gerockt hat.