Lesesplitter Mitte März 2017

Momentan komme ich recht oft zum Lesen, schon 15 Bücher habe ich in diesem Jahr geschafft. Abgebrochen nur eins:

Ein ganzes Halbes Jahr von Jojo Moyes. Die Geschichte finde ich ja ganz nett und die Hauptfigur mit ihrer antriebslosen Orientierungslosigkeit sehr sympathisch, aber sprachlich plätschert mir das in der deutschen Übersetzung zu farblos vor sich hin (ich vermute mal, im Original ist es änlich). Da bin ich wohl in der Minderheit, wenn man sich den großen Erfolg des Buchs ansieht, dabei lese ich sonst ganz gerne in diese Richtung (z. B. Anna McPartlin oder Kathrine Scholes), aber dieses Werk konnte mich nicht packen.

Und über Die Überfahrt von Mats Strandberg kann ich noch nichts schreiben, da es sich um das Vorabexemplar eines Titel handelt, der erst Ende Mai erscheinen wird.

Richtig begeistert bin ich von Pages for You von Sylvia Brownrigg (dt. Geschrieben für dich), auf das mich Frank Duwald mit seiner Rezension aufmerksam gemacht hat, und der ich mich nur anschließen kann. Die wunderbar einfühlsam geschilderte Geschichte der Liebe zwischen einer Studentin und ihrer Tutorin. Und einem Roman, dessen Haupfigur Flannery heißt, kann ich gar nicht widerstehen. Ganz toll!

Andrzej Sapkowski – Das Erbe der Elfen

Ist nach den beiden Kurzgeschichtenbänden (Der letzte Wunsch und Das Schwert der Vorsehung) der erste Roman um den Hexer Geralt (den die Meisten inzwischen vermutlich durch die grandiose Computerspielumsetzung kennen) und seine Mündel Ciri. Man merkt dem Buch durch seine Episodenhaftigkeit noch an, dass Sapkowski den Sprung von lose zusammenhängenden Kurzgeschichten zum Roman mit geschlossener Handlung noch nicht ganz vollzogen hat, was das Buch aber keineswegs weniger empfehlenswert macht. Mit viel Humor und Scharfsinn erzählt der Autor in gemächlichem (aber nie langweiligem) Tempo die Geschichte von Ciris Ausbildung und den ganzen politischen Akteuren, die hinter ihr her sind, weil sie im Spiel um Krieg und Frieden eine wichtige Rolle spielen soll. Habe ich mit großem Vergnügen gelesen, da es eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Fantasyerzählern bietet. Die Übersetzung von Erik Simon liest sich wie immer augezeichnet und trifft wunderbar den etwas altmodischen Erzählstil des Autors.

H. P. Baxxter äh Lovecraft – Der Fall Charles Dexter Ward (oder Providence sucht den Supernekromanten)

Einer der Klassiker der Horrorliteratur vom vermutlich einflussreichsten Horrorautor aller Zeiten, in einer wundervollen Neuübersetzung von Andreas Fliedner, in der einfach jedes Wort passt, die ganz hervorragend den etwas altmodischen Berichtsstil trifft, ohne dabei aber antiquiert und langweilig zu klingen. Die Neuausgabe von Golkonda enthält auch knapp zweihundert Anmerkungen in Fußnoten vom Lovecraftexperten S. T. Joshi, sowie Fotos von den Schauplätzen in Providence.

Meine aktuelle Lektüre ist Mortal Engines von Phillip Reeve, das mich nach 30% schon schwer begeistert. Nebenher lese ich noch diese Anthologie mit Abenteuergeschichten, die hauptsächlich aus der Pulp-Ära stammen:

„Bonjour tristesse“ von Françoise Sagan

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Um zu verstehen, warum Bonjour tristesse nicht nur ein riesen Erfolg wurde, sondern auch ein Skandalroman, muss man es im Kontext der Zeit sehen, in der es erschienen ist. 1954, die Jahre zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder beziehungsweise der Entstehung der Konsumgesellschaft. Nach den entbehrlichen Kriegsjahren dürstete es die jungen und junggebliebenen Franzosen nach Unterhaltung, am linken Seine-Ufer entstanden die Cabarets, in denen Truppen wie die Frère Jaques auftraten und das Chanson mit Künstlern wie Barbara, George Brassen, Jacques Brels oder Léo Ferré seine Blütezeit erlebte, während am rechten Ufer die Touristenläden und Restaurants brummten und die Music-Halls gefüllt wurden. Es war die Zeit der wilden und freien Jugendkultur, bevor die Yéyé-Musik kam und alles kommerzialisiert wurde. Die junge Pariser genossen das Nachtleben und das Leben allgemein. Nachts ging man aus und im Sommer fuhr man in den großen Ferien ans Meer (wobei der Winter 54 zu einem der härtesten Winter in der Geschichte von Paris gilt, in dem viele Obdachlose erfroren sind).

Doch viele Auswüchse wurden von der bürgerlichen Gesellschaft – der Bourgeoisie (vom rechten Seine-Ufer) – mit Skepsis und Verachtung betrachtet. Die jungen Leute verstießen gegen das Savoir-vivre, das gute Benehmen, lebten in ihren Augen zügellos und in Sünde. Man darf nicht vergessen, das Frankreich ein zutiefst katholisches Land ist. Da verwundert es nicht, dass der Erfolg von Bonjour tristesse, diesem lasterhaft Buch, geschrieben von „einem jungen Ding“, auch zum Skandal wurde.

Nach Jahren der Entbehrung in einem katholischen Pensionat genießt die junge Cécile, die gerade ihre Abschlussprüfung verhauen hat, das Partyleben mit ihrem 40-jährigen Vater, der ein echter Lebemann ist, und die Sommerferien mit seiner Tochter und seiner jungen Geliebten in einer Villa am Meer verbringt. Bis dann eine alte Freundin von Céciles verstorbener Mutter auftaucht, die sich langsam in das Leben der kleinen Familie einschleicht und immer mehr die Kontrolle übernimmt, was Cecile wiederum ihren Spaß nimmt. Also schmiedet sie einen Plan, der im Unheil enden wird.

1954 ist das Buch erschienen, doch sein Alter merkt man ihm nicht an. Es ist so lebendig und spritzig geschrieben, dass es mich auch mit meinen heutigen Lesegewohnheiten noch mitreißt. Als leidenschaftlicher Fan langer Sommerferien und eines lockeren, unverkrampften Lebensstils leide ich mit Cécile, die nicht nur ihr leichtes und spaßiges Leben davonschwimmen sieht, sondern auch die Liebe ihres Vaters, dessen für ihn untypisches Verhalten sie schon fast als Verrat versteht. Veränderungen machen Angst und schmerzen.

Der Übersetzung von Helga Treichl merkt man ihr Alter durchaus an, was Wortwahl und einige Begriffe und Satzkonstrukte angeht, doch das finde ich gut. Ich will nicht alles in einer modernen Einheitssprache neu übersetzt lesen.

Dazu empfehle ich noch Sagan, Paris 54 von Anne Berest.

Lesesplitter und Stand der Dinge Ende Februar 2017

Lesesplitter

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Am Wochenende habe ich Die Krone der Sterne von Kai Meyer beendet, ein Buch, dem ich als Captain-Future-Übersetzer schon deswegen nicht widerstehen konnte, weil es unter anderem Edmond Hamilton gewidmet ist, einem der Urväter der flotten Space Opera. Und genauso flott kommt das Buch auch daher, das die junge (aber erwachsene) Ineza auf der Flucht vor dem Hexenorden begleitet, der sie zur Braut der Gottkaiserin mache möchte (was kein ersterbenswertes Ziel ist). Im Prinzip besteht das Buch auch aus einer einzigen Flucht, was auf Dauer Gefahr läuft, etwas zu repetitiv zu werden, da die einzelnen Kapitel und Szenen im Prinzip immer Variationen des gleichen Themas sind: Gefangennahme, Schießerei, Flucht, Streiterei untereinander, Verrat, Gefangennahme … Dafür, dass es einem dabei aber nicht langweilig wird, sorgt der geschickt eingeflochtene Weltenbau, der mich an eine Mischung aus Dune (in der Lynchversion) und Riddick erinnert. Ein flottes, unterhaltsames Weltraumabenteuer mit starken Frauenfiguren, das sich nicht um Physik schert; gute Unterhaltung für zwischendurch. Und, liebe SF-Verlage, so gestaltet man ein Science-Fiction-Buch, das auch LeserInnen ansprechen soll, die nicht so genreaffin sind und sich nicht mit dem generischen Raumschiff im All zufriedengeben. Neben der wunderschönen Umschlaggestaltung gibt es auch noch zahlreiche Illustrationen von Jens Maria Weber, die das Buch wie ein Vorspann einleiten. Meine Mutter liest das Buch übrigens gerade auch mit großer Begeisterung, dabei liest sie Science Fiction sonst nur, wenn ich sie übersetzt habe.

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Kürzlich habe ich darüber berichtet, dass Philip Pullman eine neue Trilogie in der Welt von His Dark Materials plant, was mir Lust darauf gemacht hat, Der Goldene Kompass noch einmal zu lesen. Zuletzt hatte ich das Buch im Sommer 2001 gelesen, in jenen endlos trägen Wochen zwischen meinem Fachabitur und dem Beginn des Physikstudiums, auf das ich mich eigentlich hätte vorbereiten sollen – tja, so bin ich dann auch am Ende Übersetzer geworden, und nicht Physiker. 😉 Jedenfalls gefällt mir das Buch beim Reread noch genauso gut wie beim ersten Mal. Pullman hat da eine ganz wunderbar eigene Welt erschaffen, die knapp neben der unsrigen liegt, und versteht es, sie mit Anspruch unterhaltsam in eine spannende Geschichte einzubinden.

Stand der Dinge – Reise-Mäurer

Vor zwei Wochen bin ich in Berlin gewesen, in den Verlagsräumlichkeiten von Fischer Tor (sehr schick), um mich dort in das Typo 3 von tor-online.de einarbeiten zu lassen. Über den Grund habe ich ja in meinem letzten Blogeintrag berichtet. Das war nur ein kurzer Blitzbesuch, der mir gerade mal Zeit ließ, mich mit einem guten alten Studienfreund zu treffen, einen SF-Stammtisch in kleinem Kreise abzuhalten und einen Blitzbesuch im Otherland zu machen. Dienstag ging mein Flug nach Berlin, am Donnerstag dann der Rückflug, womit ich echt Glück hatte, da das Bodenpersonal von Tegel am Mittwoch dazwischen gestreikt hat.

Die nächste Reise geht dann am Freitag den 24. März zur Leipziger Buchmesse. Eigentlich wollte ich ja diese Jahr nicht, aber irgendwie habe ich den Messebesuch in den letzten Jahren doch lieb gewonnen, und es ist eine tolle Gelegenheit, viele Bekannte und Freunde zu treffen, die ich sonst kaum sehe (auch wenn ein Tag eigentlich zu knapp dafür ist).

In der dritten Maiwoche werde ich für eine Woche nach Paris reisen (falls mich Präsidentin Le Pen dann noch reinlässt), einfach, um mir die Stadt mal anzusehen, in der ich noch nie war. Das wird meine erste Urlaubsreise seit über zehn Jahren sein.

Wo ich dieses Jahr nicht hinfahren werde, ist der Marburg Con, den ich in den letzten drei Jahren besucht habe. Passt zeitlich einfach nicht, außerdem ist mein Stammreisebegleiter abgesprungen. Und so ganz alleine mag ich auch nicht fahren.

Ebenfalls ausfallen lasse ich dieses Jahr das Pan-Branchentreffen in Berlin. Zwar fand ich das Treffen im letzten Jahr großartig, aber da ich dieses Jahr Urlaub machen möchte, muss ich ein paar Prioritäten setzen (und das bisherige Programm finde ich auch nicht so interessant für mich ). Auch nicht besuchen werde ich die großen Cons des Jahres, wie den Eurocon in Dortmund, den Worldcon in Helsinki und den Dirkcon (anlässlich des 50 Geburtstages des Tentakelmeisters) in Dirktropolis. Dafür ist der Bucon aber wieder fest gesetzt, den ich seit über 10 Jahren immer besuche.

Eventuell werde ich im Sommer auch noch eine oder zwei Wochen in Berlin verbringen, um mir etwas mehr Zeit für meine ehemalige Heimat zu nehmen. Das wird aber vermutlich nicht in die Zeit des Fantasy Filmfests fallen, das in diesem Jahr leider erste Ende September stattfindet. Für mich gehört das FFF einfach in den Hochsommer. Und mit der Streckung auf zwölf Tage und den Wegfall der Parallelvorstellung kann ich mich auch nicht so recht anfreunden.

„Vertraute Fremde“ von Jiro Taniguchi

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Noch einmal Kind sein, oder zumindest die Jugendzeit erneut durchleben, mit dem Wissen des erwachsenen Ichs. Wer hat nicht schon mal darüber nachgedacht, wie das wäre, was man anders machen würde, wie das Leben wohl verlaufen wäre, wenn man sich in bestimmten Situationen anders verhalten hätte?

Jiro Taniguchi hat aus diesem Gedankenspiel einen Manga gemacht, in dem der 48-Jährige Familienvater Hiroshi Nakahara diese Chance erhält, um zu ergründen, warum sein Vater in jenem Sommer, als Hiroshi 14 Jahre alt war, die Familie wortlos verließ. Nachdem er in den falschen Zug steigt und sich plötzlich in der Stadt wiederfindet, in der er aufgewachsen ist, verliert er vor dem Grab seiner Mutter das Bewusstsein und wacht als 14-jähriger Hiroshi wieder auf. Schnell wird ihm klar, dass sich ihm die Gelegenheit bietet, dem (jetzt anstehenden) Verschwinden seines Vaters auf den Grund zu gehen.

Doch neben diesem ernsten Hintergrund genießt er es auch wieder, in einem jungen Körper zu stecken, mutiert zur Sportskanone und zum Englischprofi, während er sich in seine hübsche Mitschülerin Tomoko verliebt, was den Erwachsenen im Jungenkörper gehörig in eine Zwickmühle bringt, und er sich fragt, ob er durch die Änderungen, die er gerade an seiner Vergangenheit durchführt, auch seine Zukunft verändert?

Vetraute Fremde ist (in der Übersetzung von Peter) ein stilles Buch, das sich Zeit nimmt, den Leser mit der Fremde vertraut zu machen. Man sitzt mit Hiroshi auf einer Bank im Park und lauscht, wie der Wind die Blätter zum Rascheln bringt, man begleitet ihn an den Strand, wo Tomoko das Rauschen der tosenden Wellen genießt. Man leidet mit ihm, während er am idyllischen Familienleben teilnimmt, wissend, dass es bald ein jähes Ende finden wird.

Taniguchi hat einen guten Blick für die kleinen Dinge des Alltags, für die Beziehungen der Menschen untereinander, ein Gefühl für ihre Ängste und Nöte, ihre Sorgen und Träume. Es ist ein melancholischer und wehmütiger Blick zurück auf die Jugend, der einem aber auch eine neue Perspektive auf die alltägliche Routine bieten kann, in der wir uns von Zeit zu Zeit wiederfinden und vergessen, die kleinen Freuden des Lebens zu genießen und wertzuschätzen. Statt sich zu fragen, was wäre, wenn ich mich damals anders entschieden hätte? Sollte man lieber anerkennen, was man hat und welche Möglichkeiten noch vor einem liegen.

Noch nie ist ein Autor gestorben, während ich gerade eines seiner Bücher las. Jiro Taniguchi verstarb am 11. Februar 2017, als ich mich gerade auf den letzten 100 Seiten von Vertraute Fremde befand, einem Buch, in dem er auch sehr einfühlsam die Themen Trauer und Verlust behandelt.

Lars von Törne hat für den Tagesspiegel einen sehr schönen Nachruf auf den Ausnahmekünstler verfasst.

„Darktown“ by Thomas Mullen

Please excuse my rusty English, I am out of pratice.

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Here in Germany we grew up with the aftermath of World War Two, the Nazi-Regime and the Holocaust. I belong to a generation whose grandfathers fought in the war. We were sensitized about what happened to the Jewish population since Hitler got voted in 1933. Yet it is a difference to read about racism in books and watch movies about it, or to experience it firsthand. Of course racism did not stop after the war ended and the Nuremberg trials were held. But it declined over the decades and we Germans grew up with a special sensitivity and awareness about the topic. Racism and anti-Semitism always lurked under the surface , and from time to time it had its peaks. Right now, in the wake of a worldwide growing populism of the right wing, it shows it’s ugly face by people, who think, they can come out of the closet and say what has been a taboo for decades. They are a minority, but they are loud.

Still for Germans it is always an astonishing experience to learn about institutionalized racism backed by the law in the years after World War Two, especially when it happens in the country that has freed us from the tyranny of the fascists. It is also surprising for the most of us, how long after the end of the Civil War and the liberation of the slaves, the segregation continued wide into the 1960s. And we are also shocked about, how deep this racism is still rooted in the former Confederated States. A fellow student of mine, who, back in high school (in the year 2007!), lived as an exchange student in Georgia, was shocked, when she was not allowed by here guest family to invite black students for her birthday party.

Books like Darktown are important in reminding us that those dark times are not that long over, and that pieces of them still remain to haunt our society. The 1950s and especially the 1960s are pretty good covered by books and movies like Mississippi Burning, the slave times are covered by authors like Frederick Douglas or Harriet Jacobs or fictional biographies like Roots, but the years right after World War 2, this transitional years, before the baby boomers and the consumerism, were like a blank pages (at least in my perception, of course there are books and movies about those years) .

Thomas Mullan filled some of these pages in his crime novel about one of the first black police units in America and especially the southern states that were haunted by an openly lived out racism, lynch mobs, and the Ku Klux Klan. How can the land of the free, the oldest democracy of the world, still have laws based on racism?

The novel cannot answer this (maybe unanswerable?) question. The victims of this injustice, this hatred, and this torment are perplexed by this question. When asked, why he is going to move to Chicago, the cousin of the black officer Lucius Boggs says, those people here are all mad. Black lives did not matter for them, and the police did not give a shit about a dead „nigger“ – they are just looking for the next Bigger Thomas.

The times have changed, but they haven’t changed enough. White people today seemed to have forgotten about those centuries of violent oppression. They need to be reminded, why the slogan „black lives matter“ need to be repeated, and that it does not mean that white lives do not matter, but that there is a difference, because not long a ago there was a time when black lives did not matter for huge part of the white population in the USA.

Darktown is an entertaining and thrilling crime novel, but it is also a vivid reminder of those dark times that can sensitize people for the history of racism and discrimination. Those young officers like Lucious Boggs and Thomas Smith have fought in World War Two against the Nazis, just to return to a country where they are still oppressed by the American equivalent of the German fascists.

The picture of the savage Indian has been formed by the movies of John Ford (who regretted it later) and his colleges in western movies where the word Geronimo was enough to scare people to death. The influence of medias like movies and books on a society cannot be underestimated. And so it is up to those medias to change this aberration. They can do, what boring history classes can not, they can create empathy for characters like Kunta Kinte or Lucius Boggs.

But Dark Town does not preach. It is a crime novel, a murder (of a young black woman) has to be solved, and in the tradition of the genre, we follow two of the investigators through a lot of trouble, while they are just trying to do their job properly in a vicious environment. Mullan is able to create a vivid image of this time that grabs the reader an pulls them into the perspective of the black Officer Lucius Boogs and the white beat cop Denny Rakestraw, whose not willing to follow the path of racism, abuse and corruption that so many of his colleagues have violently stomped into the dusty ground of Georgia over the last decades.

Lesesplitter und Stand der Dinge Februar 2017

Eigentlich wollte ich nur ein paar Bücher lesen, doch dann geschah etwas Unglaubliches:

1. Bruce Springsteen – Born to Run
2. Antoine Laurain – Liebe mit zwei Unbekannten
3. Anne Berrest – Emelienne oder die Suche nach der perfekten Frau
4. Didier Erebon – Rückkehr nach Reims
5. Oliver Plaschka – Marco Polo: Bis ans Ende der Welt
6. Ben Aaranovitch – Der böse Ort
7. Nathan Hill – Geister

Ich habe noch mehr Bücher gelesen. 😉

Sieben Bücher, drei davon mit jeweils über 800 Seiten. Mein bester Lesemonat seit langem, wobei ich Born to Run zu 90% noch im Dezember gelesen habe. Trotzdem macht sich doch deutlich bemerkbar, dass ich momentan mehr Zeit habe. Im zweiten Halbjahr 2016 steckte ich mit beiden Ohren tief in zwei Übersetzungsprojekten (eines mit 800 Normseiten), so dass mir nicht so viel Zeit zum Lesen blieb. Nach Abgabe von Die Neunte Stadt hatte ich eigentlich vier Wochen Weihnachtsurlaub geplant, doch dann kam am 23.12 noch eine Druckfahne zur Korrektur rein, die mich bis in den Januar beschäftigt hat, gefolgt vom Lektorat der großen Übersetzung und einigen anderen Kleinigkeiten. Die vier Wochen Urlaub am Stück haben also nicht so ganz funktioniert (aber immerhin ein wenig; 2016 hatte ich gar keinen Urlaub). Und wirklich Urlaub war es auch nicht, da ich die Zeit genutzt habe, an einem eigenen Projekt weiterzuschreiben.

An eigenen Texten zu schreiben (zumindest was diesen Roman angeht) funktioniert für mich nicht so, wie zu übersetzen. Da kann ich mich nicht vor den Schreibtisch hocken und sechs bis acht Stunden (mit kleinen Pausen natürlich) am Stück loslegen (bzw. erst wenn es an die Ausarbeitung der Ideen und Szenen geht). Die guten Ideen kommen nicht per Knopfdruck, sondern vor allem, wenn ich mich mit etwas anderem beschäftige. Und die größte Inspiration liefern mir (neben Filmen und Dokumentationen) eben Bücher. Es kann passieren, dass ich mir es gerade erste mit einem Buch gemütlich gemacht habe, und mir nach drei Seiten ein toller Einfall kommt, der mir dann drei gute Seiten oder so verschafft. Für solche Inspiration braucht man aber auch die richtigen Bücher, und da war der Januar ein guter Monat.

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Die Titel 1 bis 4 in der Liste oben habe ich ja schon hier, hier und hier besprochen. Zu Oliver Plaschkas Marco Polo will ich noch eine ausführliche Rezension schreiben, aber bisher ist mir nichts Vernünftiges eingefallen. Es handelt sich um einen ausgezeichneten historischen Abenteuerroman über einen der größten Abenteuerer der Geschichte, der trotz seiner 800 Seiten durch seine clevere Erzählstruktur mit der Geschichte in der Geschichte und einem unverlässlichen? Erzähler, sowie dem Spiel mit Wahrheit und Identität, eine Dynamik besitzt, die dafür sorgt, dass es in dem stilistischklaren und eleganten Roman an keiner Stelle Längen gibt. Absolute Empfehlung für geistige Weltenbummler!

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Der böse Ort von Ben Aaranovitch ist der vierte Teil in der Serie um den magisch begabten Police Constable Peter Grant, der sich in dieser Episode mit den Folgen zauberhafter Architektur und dem großen bösen Widersacher auseinandersetzen muss, wobei die Geschichte in diesen Büchern eher nebensächlich ist, da der große Reiz vor allem in dem freundschaftlichen Geplänkel zwischen PC Grant und seinen KollegInnen liegt, sowie dem scharfsinnigen und humorvollen Blick des Autors auf das moderne London.

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Geister von Nathan Hill ist ein komplexes Familiendrama und Psychogramm, das geschickt die 68er-Proteste in Chicago mit der Gegenwart von 2011 und den Occupyprotesten verbindet. Stilistisch teilweise recht experimentell, mit sehr, sehr viel Liebe zum Detail und zahlreichen hervorragend herausgearbeiteten Figuren. Toll geschrieben, aber teilweise etwas zu altbacken („Burschenschaftler“ für „sorority members“, „das UCLA“) und holprig übersetzt und lektoriert (ich vermute mal, dass es am Zeitdruck lag, damit habe ich auch so meine Erfahrungen). An drei Stellen heißt es, „sie zogen Fahnen Schwinglend durch die Straßen“. Da der Name Schwingle im Buch auftaucht, vermute ich hier mal ein Malheur mit der Ersetzen-Funktion. 🙂 Trotzdem ein ganz großer Roman über Einwanderung, Familie, Protestbewegungen, das College und die perverse Logik der Medien.

Wie man sieht lese ich momentan sehr wenig auf Englisch, und ich versuche auch, vor allem sprachlich und stilistisch gut geschriebene und übersetzte Werke zu lesen, da ich hoffe, dass sich diese positiv auf meinen eigenen Stil auswirken wird, bzw. mir sprachliche Inspiration verleiht. Liest man zu viel auf Englisch, könnte man sich (gerade beim Übersetzen) unbewusst englische Satzstrukturen angewöhnen bzw. sich nicht ausreichend von ihr lösen.

Meine aktuelle Lektüre ist aber trotzdem auf Englisch, weil ich da auch nicht aus der Übung kommen möchte, und mich das von Stephen King jüngst auf Twitter empfohlene Darktown von Thomas Mullen auf den ersten Blick fasziniert hat. In dem historischen Krimi geht es um eine der ersten schwarzen Polizeieinheiten in den USA, die 1948 in Atlanta Georgia mit acht Officers/Wachtmeistern gegründet wurde. Die durften allerdings nur zu Fuß im Schwarzenviertel der Stadt patrouillieren (immerhin mit Schusswaffen) und bei Vorfällen mit Weißen mussten sie weiße Kollegen hinzuziehen. Die ersten 13% haben ich gestern Abend begeistert verschlungen.

Daneben lese ich noch meinen ersten Manga von Jiro Taniguchi.

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In der zweiten Jahreshälfte 2016 habe ich versucht, verstärkt Bücher von Frauen zu lesen, was auch halbwegs gut funktioniert hat, aber auf meiner aktuellen Leseliste dominieren wieder eindeutig die Männer. Was vor vermutlich daran liegt, dass ich meine Lektüre hauptsächlich themenorientiert aussuche, und irgendwie sind es meist Bücher von Männern, die mich ansprechen. Den Aaranovitch und den Hill habe ich gelesen, weil ich zum ersten Mal seit Monaten wieder unsere Gemeindebücherei besucht habe, und das die einzigen beiden Bücher waren, die mich interessiert haben. Trotzdem stehen auch einige Frauen auf meiner Leseliste. Vor allem von Delphine de Vigan will ich demnächst noch mehr lesen.

Ausblick:

Nachdem ich 2016 gar keinen Urlaub gemacht habe, hatte ich für 2017 eigentlich eine dreiwöchige Reise in die USA im September geplant (unter der Prämisse, dass ihr wisst schon wer nicht Präsident wird), aber aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen ist mir das zu riskant. Momentan lässt sich nicht kalkulieren, ob ich dann überhaupt ins Land kommen würde (oder wieder raus), oder ob es sich bis September zu einer Autokratie/Diktatur entwickelt (momentan halte ich alles für möglich). Außerdem hoffe ich, dass viele Menschen aus Protest ihre Reise in die USA absagen (wie z. B. die Autoren Matt Haig und Kai Meyer), und sich dies empfindlich auf den Tourismus auswirken wird (was zu noch mehr innerpolitischem Druck führen könnte) – viel mehr kann unsereiner hier in Europa ja nicht tun, was Amerika angeht.

Stattdessen möchte ich im Mai eine Woche nach Paris reisen, da ich gerade einen Französischkurs an der Volkshochschule mache und es zu meinem Schreibprojekt passt. Eventuell werde ich mir dann im September noch mehr von diesem schönen Land ansehen (vorausgesetzt, dass Le Pen nicht die Präsidentschaftswahl gewinnt, was aktuell leider gar nicht so unrealistisch ist, da die Konservativen ja anscheinend nicht in der Lage sind, ihre Amtsprivilegien nicht für ihren eigenen Vorteil zu missbrauchen, und die Sozialisten nach der Nullnummer lieber auf einen unrealistischen Träumer setzen, der für die politische Mitte zu radikal ist).

Was Übersetzungen angeht, kann ich für 2017 noch nichts ankündigen (ich habe also noch Kapazitäten frei 😉 ), außer dass im April die von mir übersetzen Bücher The Ark und Die Neunte Stadt erscheinen werden. Ganz untätig bin ich aber nicht, nächste Woche geht es für ein paar Tage nach Berlin, wo ich in eine kleine geekige Nebentätigkeit eingearbeitet werde.

Ansonsten werde ich diesen Blog eventuell ein wenig vernachlässigen, um mich mehr auf mein Schreibprojekt zu konzentrieren.

P.S. Ach ja, kennt jemand ein gutes Buch über die Geschichte von Paris. So in der Art wie Peter Akroyds London – Die Biographie? Oder generell gute Sachbücher über Paris (Geschichte, Kultur usw.)? Über Empfehlungen wäre ich sehr dankbar (am besten auf Deutsch oder Englisch, mein Französisch ist dafür noch lange nicht gut genug).

Und zum allgemeinen Stand der Dinge und zur Aufheiterung überlass ich jetzt das Wort Kate Tempest:

„Rückkehr nach Reims“ von Didier Eribon (übersetzt von Tobias Haberkorn)

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Ich muss gestehen, dass ich mit etwas falschen Vorstellungen an das Buch herangegangen bin, dachte ich doch, dass der Titel Rückkehr nach Reims wörtlich zu verstehen ist, und nicht metaphorisch. Ja, ich dachte tatsächlich, Didier Eribon würde über eine physische Reise zurück in seine Heimatstadt und zu seiner Familie berichten, der er 35 Jahre lang den Rücken zugekehrt hatte. Doch bei der Rückkehr handelt es sich viel mehr um eine gedankliche, selbstreflektierende Reise, bei der er sich auf analytische Weise mit Themen beschäftigt, die er für lange Zeit verdrängt hatte – durchaus auf persönliche Weise, aber immer mit dem scharfen Blick des Soziologen.

Die Rückkehr besteht viel mehr aus Telefonaten und ein paar Besuchen bei seiner Mutter; den Vater, den er 35 Jahre lang nicht gesehen hat, besucht er selbst im Angesicht dessen Todes nicht, und nimmt auch nicht an dessen Beerdigung teil; mit einem seiner Brüder tauscht er zumindest E-Mails aus.

Aber warum hat Erebon seine Familie so konsequent verlassen, ohne einmal zurückzublicken? Liegt es daran, dass er als Homosexueller das homophobe Umfeld seiner Familie aus der Arbeiterklasse nicht ertragen hat? Hat er sich als angehender Intellektueller, der es als Erster und Einziger aus seiner Familie an die Uni geschafft hat, nicht wohl gefühlt, in einem Umfeld, in dem nur äußerst selten zu einem Buch gegriffen wird und es als selbstverständlich gilt, mit vierzehn die Schule zu verlassen? Wollte er einfach raus aus der Provinz, um endlich frei und offen leben zu können? Vermutlich ist es seine Mischung aus allem, wobei er seine Herkunft stets wie eine Last mit sich umhertrug, derer er sich schämte.

Bis zu einem gewissen Grad kann ich seine Motivation nachvollziehen. Zwar bin ich nicht homosexuell, hatte eine tolle Kindheit und mag meine Familie, doch die Provinzialität des Dorflebens – wo kaum einer meiner Freunde und Bekannten nach der Schule auch nur ein Buch gelesen hat, wo ich der Erste und einzige in der Familie bin, der studiert hat (zumindest jener, die ich kennengelernt habe, einer, der früh weggezogen ist, hat Jura studiert und ist inzwischen Justizsenator), wo das Freizeitprogramm aus Kirmes, Karnevalssitzung und Dorfdisko besteht – hat auch in mir das Bedürfnis geweckt, in eine größere Stadt (sprich Berlin, bei Eribon Paris) zu ziehen, um an einem kulturellen Leben in einer ganz anderen Welt teilzunehmen, mich mit Gleichgesinnten zu treffen, die meine Interessen verstehen und teilen.

Doch die Härte und die Konsequenz, mit der er seine Familie meidet, konnte sich mir aus dem Text nicht so ganz erschließen. Hier und da gib es Andeutungen, aber ich vermute mal, dass Erebon noch so einiges verschweigt. Die Schilderung von Ereignissen und Episoden aus der Kindheit halten sich stark in Grenzen, anders, als zum Beispiel bei der von mir kürzlich gelesenen Autobiografie Bruce Springsteens, dem es besser gelingt, dem Leser ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie es war, in ärmlichen und schwierigen Familienverhältnissen aufzuwachsen. Auch an Elena Ferrantes Kindheitsschilderungen aus einem gewalttätigen, machohaften Umfeld im Nepael der 50er Jahre in Meine geniale Freundin musste ich denken.

Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit liegt Erebons Schwerpunkt vielmehr auf der soziologischen Analyse der Klassenunterschiede und der Stellung der Familie in der Arbeiterschicht. Dabei setzt er voraus, dass seine Leser mit den Texten jener Autoren vertraut sind, auf die er sich ausführlich bezieht (vor allem Pierre Bourdieu, Gille Deleuze und Roland Barthes, aber auch Michel Foucault, bei dem er viele Gemeinsamkeiten sieht), allerdings hält sich die Verwendung von soziologischen Fachbegriffen noch in Grenzen, so dass man den Text auch ohne Vorkenntnisse lesen kann (ich hatte das Glück, besagte Autoren an der Uni gelesen zu haben, Bourdieu war für meine Diplomarbeit sogar sehr wichtig).

Im zweiten Teil seiner Analyse, jenem Teil, der wohl dafür sorgt, dass das Buch – das in Frankreich bereits 2009 erschienen ist – bei uns momentan in aller Munde ist, widmet sich Erebon der Frage, wie es kommen konnte, dass seine Familie aus dem klassischen Arbeitermilieu, die früher einmal die Kommunisten gewählt hat, plötzlich ihre Stimme für den Front National abgibt.

Dieser Teil fällt sehr stark und nachvollziehbar aus, wobei er auch nicht so wirklich Neues zu bieten hat. Wer mit solchen Milieus vertraut ist, weiß, wie die Leute ticken, und, dass es von der einstigen Arbeiterbewegung, der Nähe zum Kommunismus nicht weit bis zu Antisemitismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und anderen diskriminierenden Ansichten ist. Die Aufregung um das Buch wirkt ein wenig, als würden die Bewohner des Elfenbeinturms plötzlich ein Fernrohr erhalten, mit dem sie von der Turmspitze aus zum Fuße des Turms blicken und sehen könnten, was die kleinen, wie Ameisen wuselnden Menschen dort unten so treiben, statt, dass sie einfach mal die Treppe runter gehen und sich unters Volk mischen.

Viel interessanter und eindrucksvoller ist Eribons persönliche Auseinandersetzung mit diesem Phänomen bzw. dieser Entwicklung in der eigenen Familie, wie er und sein Bruder sich immer mehr auseinander leben, bis sie sich nichts mehr zu sagen haben, seine Reaktion auf die Vorwürfe der jüngeren Geschwister, er habe sie einfach im Stich gelassen, die in zum Nachdenken bringen, ob er deren Entwicklung hätte beeinflussen können, wer er mehr Vorbild gewesen wäre, und den Kontakt zu ihnen gepflegt hätte. Genau dieser Punkt, ist für mich der wichtigste Teil des Buchs: Da sollten wir uns alle die Frage stellen, was wir in unserem Umfeld, in unserer Familie tun könnten, um auf Menschen (ich denke da vor allem an junge), die sich von der politischen Mitte ab und radikaleren Parteien zuwenden, Einfluss zu nehmen. Nicht missionieren oder predigen, sondern Vorleben, den persönlichen Kontakt pflegen und diskutieren.