„Das Herz der Hölle“ von Jean-Christophe Grangé

Das Böse ist immer und überall, wusste schon die Erste Allgemeine Verunsicherung. Und auch Mathieu wird diese Erkenntnis im Verlaufe des Romans noch machen müssen. Dabei glaubt der strenggläubige Katholik, der das Priesterseminar in Rom nur abgebrochen hat, weil er glaubt, Gott als Polizist noch besser dienen zu können. Den Teufel und das personifizierte Böse hält er für Katholizismus aus dem finstersten Mittelalter. Doch als sein Jugendfreund und Kollege, der eben so gläubig ist, das Undenkbare tut, und einen Selbstmordversuch unternimmt, stößt der Commandant der Mordkommission auf eine Spur des Bösen, die sich durch ganz Europa zieht.

Was hat es mit den scheinbar harmlosen Menschen auf sich, die plötzlich grausame Verbrechen begehen? Wie kann es Leichen geben, die nur teilweise verwest sind? Was hat der Vatikan mit dem Ganzen zu tun? Und warum sind plötzlich gnadenlose Killer hinter Mathieu her?

Eine Identifikationsfigur ist der strenggläubige Ermittler für einen Atheisten und Religions- und Kirchenskeptiker wie mich sicher nicht, aber das macht ihn nur interessanter. Denn es macht Spaß, zuzusehen, wie sein Glaube immer wieder auf die Probe gestellt wird, wenn auch meist auf grausame Weise. Denn das Buch vom französischen Thrillermeister ist nichts für schwache Nerven. Was er sich hier an Grausamkeiten ausgedacht hat, sucht seinesgleichen.

Mit fast 800 Seiten ist das Buch allerdings mindestens 200 Seiten zu lang. Die ersten 400 Seiten lesen sich schnell und spannend weg, da entwickelt das Buch einen unheimlichen Sog, der einen in die Abgründe und Schlünde des menschlichen Daseins hinabzieht. Doch irgendwann tritt die Handlung auf der Stelle, die Ermittlung gerät in einen Leerlauf und es wiederholt sich zu viel. Trotzdem bleibt Das Herz der Hölle ein unheimlich spannender und faszinierender Thriller.

Die Bücher von Grangé lese ich schon seit seinem Debüt Der Flug der Störche (noch vor seinem Durchbruch mit Die purpurnen Flüsse) mit großem Vergnügen, auch wenn nicht alle überzeugen können, wie z. B. Der steinerne Kreis. Ich kenne kaum einen Thrillerautor, dem es gelingt, solch abgründige Themen so spannend und komplex zu inszenieren. Die Übersetzung von Thorsten Schmidt liest sich insgesamt ganz gut, auch wenn sie auf den ersten 50 Seiten noch etwas schwächelt, doch dann fängt sich der Stil und liest sich flüssig weg.

„Die Neunte Stadt“ von J. Patrick Black – Belegexemplare eingetroffen.

Das Buch spielt in einer Zukunft nach einem Alienangriff, durch den fast die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde, bevor einzelne Menschen Superkräfte in sich entdeckten, mit denen die Angreifer zurückgeschlagen werden konnten. Seitdem herrscht Krieg. Neun große Städte gibt es noch, die als Verteidigungsbastionen gegen die unbekannten Angreifer (die nicht mit Raumschiffen kamen) dienen. In diesen Städten wird die militärische Elite ausgebildet. Außerhalb der Städte gibt es Siedlungen, in denen die Menschen in Fabriken schuften müssen, um die Kriegsanstrengungen voranzutreiben. Und außerhalb dieser Siedlungen ist die Menschheit auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückgefallen und leben wie an der Frontier, mit wilden Stämmen und Siedlertreks und wissen nichts von dem Krieg und den großen Städten.

Aus diesen unterschiedlichen Umfeldern stammen die sieben jugendlichen Protagonisten des Buchs, die alle als Ich-Erzähler im Präsens auftreten, und deren Wege sich früher oder später kreuzen werden. Im Prinzip handelt es sich um so eine Ausbildungsgeschichte an einer Militärakademie und im Bootcamp (á la Ender’s Game). Doch bis dahin ist es für einige der Protagonisten ein langer und abenteuerlicher Weg.

Was den Roman so ungewöhnlich macht, ist seine Mischung aus Science Fiction und Fantasy. Die Technik der Zukunft, die Kriegsführung und die »Superkräfte« einiger der Hauptfiguren basieren auf etwas, das man durchaus als Magie bezeichnen könnte, im Roman aber Thelemetie heißt und an der Akademie wissenschaftlich erforscht und umgesetzt wird. Es gib riesige Mechroboter, gigantische Geschütze und allen möglichen Kram, der mit diesen Kräften/Energien angetrieben wird.

Was den Roman außerdem ungewöhnlich macht, ist der Stil des Autors, denn jeder der sieben Ich-Erzähler hat seinen ganz eigenen Stil. Torro, der in einer der dystopischen Fabriksiedlungen schuftet, spricht in einem locker-rotzigen jugendlichen Tonfall, die junge Naomi, die mit ihrer Familie durch die Wildnis zieht, im altmodischen Stil 19. Jahrhundert; das Technikgenie Kizabel in einer verschwurbelten akademischen Sprache mit unzähligen Fußnoten und wissenschaftlichen Erklärungen, aber auch mit viel Ironie. Und so weiter. Das macht das Lesen (und auch Übersetzen) dieses dicken Buches sehr abwechslungsreich und verleiht jedem Protagonisten eine eigene Stimme.

Von der Auswahl der Figuren her könnte man meinen, es handele sich um ein Jugendbuch á la Red Rising, doch dafür ist es inhaltlich zu komplex und sprachlich zu anspruchsvoll geschrieben. Es fällt mir schwer eine genaue Zielgruppe zu benennen, aber in seiner Mischung und vom Stil her ist das Buch einzigartig und originell (auch wenn viele bekannte Versatzstücke verwendet werden). Wer also mal was ganz anderes abseits der üblichen Science Fiction und Fantasy lesen möchte, sollte es mit Die Neunte Stadt versuchen.

Es gibt zwar viele spektakuläre Kämpfe und Schlachten auf der Erde und im Weltraum, aber die große Stärke des Romans sind die (mal mehr, mal weniger) liebenswürdigen Figuren mit ihren Beziehungen untereinander.

Es fällt mir schwer, das Buch adäquat zu beschreiben, da so viel drinsteckt und es keine passenden Vergleichsmöglichkeiten gibt. Wer es wagt, erhält eine Wundertüte, die auf jeden Fall einige Überraschungen bereithält.

Das Buch erscheint am Dienstag den 13. Juni.

„Paris-Spaziergänge“ von Hella Broerken, der Besprechung zweiter Teil (Montmatre)

Fortsetzung meiner Buchbesprechung mit Praxistest (im ersten Teil ging es ins Quartier Latin, dort kann man auch grundlegendes über den Aufbau des Buches lesen).

An einem heißen Dienstagmorgenführte der Spaziergang  bei strahlendem Sonnenschein nach Montmatre, wo mich die Metro an der Station Blanche ausspuckte, mitten auf dem Boulevard de Clichy in Pigalle, neben dem Moulin Rouge.

Doch vom Rotlichtviertel aus ging es direkt den Berg hinauf über die Rue Lepic, die in schmalere und nicht so stark frequentierte Nebenstraßen führte. Biegt man dann rechts in die Rue des Abesses ab, stößt man bald auf einen kleinen, schicken Park – den Square Rictus, wo an einer Kachelwand in 250 Sprachen Je t’aime geschrieben steht. Weiter geht es in dem schmucken kleinen Park durch ein Hintertörchen hinauf in einen zweiten Park und dann direkt auf die erste Treppe, um La Butte zu besteigen.

Auf dem Weg zu Sacre Coeur bin ich von der angegebenen Route abgekommen, da die vielen kleinen verwinkelten Straßen mit den unzähligen Touristen, dem Anlieferverkehr und den Zeichnern recht unübersichtlich und stressig sind. Ich landete auf der Rue Novins, die ich eigentlich erst beim Abstieg passieren sollte, irgendwie bin ich wohl auf der falschen Seite am Dalí Museum vorbei. Egal, um die gewaltige Kathedrale Sacre Coeur herum, bin ich dann auf eigenen Faust umhergestiefelt, habe sie aus allen möglichen Winkeln fotografiert und versucht, den Touristenströmen auszuweichen. Die Aussicht von dort oben über Paris ist ganz wunderbar.

Beim Abstieg habe ich dann die obere Rue Lepic verpasst, bzw. die Abzweigung davon und stand plötzlich wieder unten in Pigalle. Da ich den Spaziergang aber komplett durchziehen wollte, musste ich in der Mittagshitze wieder den Berg hoch latschen, fand dann die richtige Abzweigung in die Rue Tourlaque und dort endlich das erste Café mit einem schattigen Plätzchen. Im quis parle? bestellte ich mir jetzt in kulinarischer Waghalsigkeit Entenbrust mit Kartoffelpüree und frittierten? Apfelstücken. Da ich die Karte nur teilweise lesen konnte, dachte ich, es wären normale Kartoffeln, aber der Püree mundete ganz vorzüglich. Dieses Café – in dem sich sonst vor allem Einheimische zu treffen schienen, die sich alle kannten und mich zu meiner exzellenten Menüwahl beglückwünschten – kann ich nur empfehlen.

Dann ging es weiter: das auf der Strecke liegende Museeum Montmatre und den Friedhof habe ich aber nicht besucht, nur den kleinen Weinberg fotografiert. Von Montmatre habe ich sicher nur einen Bruchteil gesehen, aber der hat mir richtig gut gefallen. Abseits der extrem stark befahrenen und lauten Straßen in der Innenstadt bieten die zum Teil mittelalterlich anmutenden Straßen und Gässchen, eine willkommene und ruhige Abwechslung. Am Ende des Spaziergangs ging es eine lange steinerne Wendeltreppe hinab zur Metro an der Station Lamarck-Cualaincourt.

Die Route und ihre Sehenswürdigkeiten sind in diesem Kapitel ganz hervorragend beschrieben, dass ich mich verlaufen habe, liegt eher daran, dass mein Stadtplan nicht den ganzen Teil von Montmatre abdeckt. Trotz der Hitze habe ich diesen Spaziergang durch teilweise mit Touristen vermintes Gebiet sehr genossen, vor allem dann, wenn ich abseits der ausgetretenen Pfade auf die kleinen, atmosphärischen Ecken des Viertels stieß, in denen das Stadtleben noch ungestört zu funktionieren scheint. Wo man sich auf den Bänken im Schatten der Bäume auf einen Plausch trifft, oder in de Cafés und Bistros, wo man sich kennt und schätzt.

„Paris-Spaziergänge“ von Hella Broerken, der Besprechung erster Teil (Quartier Latin)

Letzte Woche habe ich Urlaub in Paris gemacht, und wie es sich für eine Leseratte gehört, habe ich mich natürlich mit Büchern darauf vorbereitet. Es war mein erster Besuch in der Stadt, einige Sehenswürdigkeiten waren mir natürlich ein Begriff, aber einen wirklichen Überblick hatte ich nicht. Was ich nicht machen wollte, war die einzelnen typischen Touristenattraktionen (Eiffelturm, Louvre, Notre Dame usw.) der Reihe nach abhaken, ohne vom Rest der Stadt etwas mitzubekommen.


Also habe ich mir dieses Buch mit empfohlenen Spaziergängen gekauft, da ich die Stadt weder vom Bus aus noch per Boot erkunden wollte, sondern zu Fuß, ganz gemütlich in meinem eigenen Tempo. Hella Broerken stellt neun verschiedene von ihr individuell nach ihrem Geschmack gestaltete Spaziergänge vor, die ich mir im Vorfeld alle durchgelesen habe. Für fünf Tage in Paris (von denen zwei größtenteils für An- und Abreise draufgehen) sind neun Spaziergänge natürlich zu viel. Also musste ich eine Auswahl treffen und habe mich einfach an die Reihenfolge im Buch gehalten, da mir die ersten drei auch sehr vielversprechend erschienen (die restlichen werde ich dann bei meinem nächsten Besuch nachholen).

Die Autorin machte in ihren Beschreibungen einen sympathischen Eindruck, deckt durchaus einige bekannte Sehenswürdigkeiten ab, hat aber auch Empfehlungen, die man in den üblichen Touristenführern eher nicht findet (wobei ich zum Vergleich nur den von Lonely Planet kenne). Jedenfalls haben mir ihre Schilderungen richtig Lust darauf gemacht, in ihre Fußstapfen zu treten.

Die Spaziergänge beginnen und enden immer an einer Metrostation, so dass man immer gut hin und auch wieder wegkommt. Zu Beginn jedes Kapitels (ein Kapitel pro Spaziergang) gibt es eine kleine Karte, auf der die Route (mit den Highlights der Strecke) eingezeichnet ist. Trotzdem sollte man noch einen richtigen Stadtplan mitnehmen, da nur die Straßen bezeichnet sind, die man entlanggeht. Hat man sich mal verlaufen (was mir mehrmals passiert ist) benötigt man eine Straßenkarte oder Googlemaps auf dem Smartphone (was ich aber aus Angst vor hohen Roaminggebühren nicht genutzt habe, da ich per Aldi-Auslandspaket nur eine geringe Datenmenge frei hatte).

Im Vorfeld habe ich mir im Fließtext alle Straßennamen, interessante Einrichtungen (Museen, Parks usw.) per Textmarker markiert, damit ich im Gehen nicht immer den ganzen Text lesen muss. Jedes Kapitel enthält auch einige Fotos und am Ende eine Informationstafel mit den Öffnungszeiten der im Spaziergang enthaltenen Einrichtungen.

Im Quartier Latin

Das Viertel liegt im Südosten der Stadt, direkt am linken Seineufer unterhalb der Île Saint-Louis, jener kleineren Insel direkt hinter der Île de la Cité (auf der die Kathedrale von Notre-Dame steht). Startpunkt ist die Metro-Station Sully Morland am rechten Seine-Ufer. Hier muss man darauf achten, welchen Ausgang man nimmt, sonst könnte es erst mal verwirrend werden, ich bin dann auch direkt auf der falschen Brücke gelandet und musste wieder zurückgehen, um die Pont de Sully zu betreten. Von dieser Seine-Brücke hat man einen guten Blick auf die Rückseite von Notre-Dame.

Hat man das andere Ufer erreicht, erhebt sich vor einem direkt das modern gestaltet Gebäude des Institut du Monde Arabe, in dem ich eine ganz interessante Ausstellung zur Geschichte der arabischen Welt besucht habe (da kommt man mit dem Museumspass rein, dessen 62 Euro für vier Tage sich durchaus lohnen, wenn man einige Museen auf dem Programm hat). Danach geht es dann am Ufer den Quai Saint Bernard entlang, an dem einige Skulpturen ausgestellt sind. Hier lässt sich – wie in eigentlich jedem Park von Paris – auch bei heißem Wetter noch ein freies schattiges Plätzchen zum Hinsetzen finden. Ich war in der Mittagszeit dort, als viele Franzosen ihre Mittagspause in der strahlenden Sonne genossen. Am Ende des Quais geht es dann über die Straße in den Jardin des Plantes, einem großen, grünen Park, in dem sich die Galerie d’Anatomie befindet (in der Dinosaurierskelette ausgestellt werden) und das Naturkundemuseum. Dummerweise hatte ich nicht auf die Angaben der Öffnungszeiten am Ende dieses Kapitels geachtet und stand an diesem Dienstag bei beiden Museen vor verschlossener Tür. Egal, weiter ging es zur Moschee des Viertels (die man für 3 Euro besichtigen kann), die ich mir aber nur von außen angesehen habe.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich Hunger und stürzte mich in das Gewirr aus kleinen Straßen und Boulevards des Quartier Latin, bis ich schließlich in der Rue Censier in einem Restaurant landete, wo ich kulinarischer Hasenfuß mir erstmal ganz unfranzösisch einen Burger bestellte (der dann noch nicht mal wirklich gut war). Genügend Mut mich auf die französische Küche einzulassen, sollte ich erst am nächsten Tag zeigen.

Ich weiß ja nicht, ob es an dem enttäuschend Essen lag, jedenfalls gelang es mir dann trotz Straßenkarte nicht, die Rue Mouffetard zu finden, die mich zum Pantheon führen sollte. Irgendwie bin ich in einer Parallelstraße gelandet, und als ich das Pantheon dann schon in Sichtweite hatte, wollte ich nicht mehr zurücklaufen. Die Ruhmeshalle, in der einige französische Berühmtheiten wie Victor Hugo, Émile Zola und Alexandre Dumas bestattet liegen, bietet sowohl von außen als auch von innen einen imposanten Anblick. An einem so hochsommerlichen Tag mit strahlenden Sonnenschein empfiehlt sich nach einem schweißtreibenden Spaziergang auch ein Besuch der angenehm kühlen Krypta. Vom Pantheon geht es dann noch weiter zum Schlusspunkt dieses Spaziergangs: den riesigen Jardin de Luxembourg, wo es auch zahlreiche Bänke und Stühle im Schatten gibt.

Mir hat dieser erste Spaziergang nach dem Buch von Hella Broerken ausgezeichnet gefallen, auch wenn ich mich unterwegs verlaufen und die Rue Mouffetard verpasst habe. Nicht schlimm, denn anders als die Autorin bin ich nicht so ein Ladenbummler, der sich für putzige kleine Geschäfte und deren Waren interessiert. Alles, was keine Buchhandlung ist, erhält von mir nur eingeschränkt Beachtung. Dass man sich auf diesen Spaziergängen schon mal verlaufen kann, liegt vor allem an den riesigen Straßenkreuzungen, an denen mehr als vier Straßen zusammenlaufen, da wird es dann unübersichtlich. Ist aber nicht schlimm, denn auch abseits der geplanten Wege kann man auf interessante Sachen stoßen.

Für diesen ersten Spaziergang wählte ich übrigens – aufgrund des heißen Wetters – das falsche Schuhwerk. Jene Sandalen, die jahrelang bei mir auf dem Speicher standen, weil sie mir zu unbequem waren, sorgten dann für einige Blasen an meinen Füßen, die mich aber nicht daran hinderten, nach dem Spaziergang noch vom Jardin de Luxembourg zur Kathedrale von Notre Dame zu latschen.

Untergekommen bin ich übrigens im putzigen Hotel Chopin in der Passage Jouffroy, die Teil des neunten Spaziergangs ist, der durch einige dieser Einkaufspassagen aus dem 19. Jahrhundert führt. Das ist zentral gelegen, direkt vor der Metrostation Grand Boulevard am Boulevard Montmatre, in Fußnähe zum Louvre und dem Seineufer. Ein etwas in die Jahre gekommenes Hotel mit Charme und Katze, relativ günstig, für meinen Geschmack aber mit etwas zu hellhörigen Wänden, dafür aber ruhig gelegen und sauber.

Im zweiten Teil der Besprechung wird es dann nach Montmatre und ins Marais gehen.

P. S. Meinen Hinflug nach Paris hätte ich fast verpasst, weil ich auf der Anfahrt zum Frankfurter Flughafen am Wiesbadener Kreuz zwei Stunden in einem 20 Kilometer langen Stau gestanden habe (Montagsmorgens ist keine gute Zeit, um über die Autobahn nach Frankfurt zu fahren). Landet man auf dem Roissy (dem Flughafen Charles de Gaulle), sollte man sich vorher einen Plan ansehen, denn der Flughafen ist riesig und leicht verwirrend, ich bin in Terminal 2g angekommen, das Abseits von allem anderen liegt, und hatte erst mal keine Ahnung, wie ich zu meinem Bus komme. Ich dachte, es gäbe nur einen Terminal 2 und nicht sieben. Für die Fahrt in die Stadt sollte man auch noch mal eine Stunde plus einplanen, je nachdem wo man hinmuss.

Ist man eine Woche in Paris, lohnt sich die Wochenkarte Navigo Decouverte. Dafür holt man sich in einer Metrostation oder am Flughafen (wenn man es findet) einen Bon am Automaten, für den man dann am Informationsschalter den Navigo Pass ausgestellt bekommt (für den man ein Passfoto benötigt), den man dann wiederum am Automaten mit Geld auflädt. Im Navigo ist ein RFID-Chip, mit dem man dann am Drehkreuz zur Metro über einen Scanner fährt und dann eintreten kann.

Kurzkritiken: Cleave, Louis, Gregory, Thiemeyer und Kiernan

Liebe in diesen Zeiten (Everyone Brave is Forgiven) – Chris Cleave (Übersetzung Susanna Goga Klinkenberg)

Chris Cleave kann schreiben (und Susanna Goga-Klinkenberg übersetzen). Hier stimmt jedes Wort, jeder Satz ist unterhaltsam, jeder Dialog vom trockenen oder bissigen bis schwarzen britischen Humor geprägt. Jede einzelne Figur entwickelt schon nach wenigen Worten eine eigene Persönlichkeit. Und Cleave findet genau den richtigen Ton für und die richtige Balance zwischen Komödie, Romanze und den herzergreifend tragischen Schicksalen während des Zweiten Weltkriegs.

Im Prinzip geht es um eine Dreiecksgeschichte während des Zweiten Weltkriegs, in der wir die tragischen Schicksale der drei Protagonisten während des Blitz in London (als die Bomben fallen und alles in Schutt und Asche versinkt) und des Kriegseinsatzes in Frankreich und auf Malta verfolgen. Der Star des Buches ist sicher die unerschütterliche und unermüdliche junge Mary North, die sich für den Kriegseinsatz meldet, unfreiwillig Lehrerin wird, Spaß an der Sache findet und nach dem fast alle Kinder aus London evakuiert wurden, mit denen zurückbleibt, die keiner will, mit Behinderungen, Beeinträchtigungen, schwarzer Hautfarbe und anderen „Makeln“, die die armen Kleinen in der versnobten britischen Gesellschaft zu einem Club der Verlierer abstempeln.

Das Ende von Eddy (En finir avec Eddy Bellegueule) von Éduard Louis (Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel)

Ähnlich wie Didier Eribon (dem das Buch auch gewidmet ist) in Rückkehr nach Reims, erzählt Édouard Louis von der schwierigen Kindheit eines homosexuellen Außenseiters in einfachen (sozial Schwachen) Verhältnissen auf dem Land in Frankreich. Obwohl viele Jahrzehnte zwischen Eribons und Louis‘ Kindheit liegen, scheint sich nicht viel verändert zu haben. Rassismus, Intoleranz, Gewalt, Hass auf die da oben, Städter, feine Pinkel und alle, die anders sind.

Ich bin zwar in auf einem Dorf aufgewachsen, aber die Lebensverhältnisse, die Louis hier schildert, keine Glühbirnen auf den Zimmern, kein Teppichboden, kaum Türen im Haus, dafür jede Menge Schimmel und Feuchtigkeit, sind ziemlich schockierend. So etwas hätte ich eher in den 50er Jahren vermutet. Dass so was vereinzelt noch vorkommt, klar, aber so massiv in so vielen Haushalten in einem Dorf … Dazu die alltägliche Gewalt, der Eddy an der Schule ausgesetzt ist, das konstante Mobbing der gesamten Dorfgemeinschaft (auch wenn es nicht immer böse gemeint ist) und sogar aus seiner Familie. Das alles schildert Louis beeindruckend und bewegend, in einer einfachen aber effektiven Sprache, ähnlich wie Eribon, nur ohne die soziologische Analyse und etwas unmittelbarer, weil er direkt aus der Kindheit erzählt.

Es gibt aber auch Widersprüche in der Geschichte. Auf der einen Seite heißt es, sie hätten kein Telefon zuhause, weshalb Eddy stundenlang in der Telefonzelle mit seiner Freundin telefoniert hätte, ein paar Seiten später ruft ihn dann seine Mutter abends zuhause an, um Bescheid zu geben, es würde etwas später werden.

Ein heftiges, brutales und schonungsloses Buch über einen Teil der Gesellschaft, der vermutlich so gut wie allen die zu dem Buch greifen oder meinen Blog lesen vollkommen fremd sein mag. Jenem Teil der Gesellschaft, der nach der Wahl Trumps in den USA und den aktuellen Erfolgen des Front National (zumindest in der Auslandspresse) wieder viel Aufmerksamkeit erhält, ohne das er aber wirklich verstanden wird.

Die Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel liest sich ausgezeichnet, vor allem auch in Bezug auf die Schimpfworte und Umgangssprache, da ich die Sprache gerade lerne, freut es mich auch, dass er einige interessante Begriffe auf Französisch erklärend im Text belassen hat.

After Party von Daryl Gregory (Übersetzung Frank Böhmert)

Neurochemikerin verlässt auf eigene Verantwortung die Psychiatrie, um herauszufinden, wer plötzlich wieder die Droge auf den Markt bringt, die sie überhaupt erst in die Geschlossene gebracht hat und an deren Herstellung sie mitgewirkt hat. Eine Droge, die dafür sorgt, dass einem Gott erscheint (bei jedem in einer anderen Manifestation) und nicht mehr verschwinden will. Daraus entwickelt sich dann eine Mischung aus Gangsterstory und Road-Movie, die mir für meinen Geschmack anfangs zu ziellos dahinplätschert. Erst gegen Ende, wenn die Storyfäden um die titelgebende Afterparty zusammenlaufen und sich die Geschichte als Krimi entpuppt, kommt sie so richtig in Fahrt. Schlecht fand ich das Buch nicht, aber meine hohen Erwartungen hat es auch nicht erfüllt. Dafür wird nicht genügend auf diese wirklich interessante Droge eingegangen, die zwar kein McGuffin ist, aber von der ich mir gewünscht hätte, dass der Autor etwas näher auf sie eingeht, bzw. sie zu einem zentraleren Bestandteil der Geschichte macht. Der letzte Teil des Buches mit dem Mädchen hat mir richtig gut gefallen. Auf den ganzen Gangsterkram hätte ich aber gut verzichten können. Da hat mir Harrison Squared von Gregory deutlich besser gefallen. Die Übersetzung von Frank Böhmer liest sich ganz ausgezeichnet mit prägnanten kurzen Sätzen, genau auf den Punkt geschrieben.

Babylon von Thomas Thiemeyer

Seit Medusa 2004 erschien, bin ich Thomas Thiemeyer in seinen Einzelromanen aber auch bei seiner Reihe um die Archäologin Hannah Peters treu geblieben, auch wenn mir der Band 3 Valhalla nicht so gut gefallen hat, da dort viel zu viel Wert auf die rasante aber auch oberflächliche Action gelegt und die wirklich interessante Hintergrundgeschichte völlig vernachlässigt wurde. Aber Babylon dürfte mein Abschiedsband gewesen sein. Auch dieses Buch beginnt als rasanter Actionroman, in den Thiemeyer mit dem Handlungsort Syrien und in Form eines IS-Schergen noch eine politische Komponente einbaut, doch leider bleibt diese auf dem Niveau eines amerikanischen B-Actionmovies. Und im letzten Drittel dreht die Geschichte dann vollends Richtung Erich von Dänniken ab. Und das Ende sorgt dafür, dass alles, was vorher passiert ist, im Prinzip für die Katz war, und dass es mir als Leser völlig egal ist, was mit den Figuren passiert. Die ersten beiden Drittel des Buchs habe ich immerhin noch flott weggelesen, ohne mich zu langweilen, doch als es dann Richtung Präastronautik und Esoterik ging, musste ich mich regelrecht durch das Buch quälen. Da hat jeder Satz wehgetan. Wobei ich es gar nicht prinzipiell ablehne, wenn ein Abenteuerthriller völlig ganz phantastisch wird (wie z. B. Korona), aber das hier ist einfach nur inkohärenter Murks.

Agents of Dreamland von Caitlan R. Kiernan

Eine Tor.com-Novelle, die im englischsprachigen Raum viel Lob erhalten hat. Von der Form her ist das Buch auch ganz wunderbar geschrieben und konstruiert, sprachlich auf höchstem Niveau, allein die Akte-X-artige Geschichte, mit Lovecrafteinflüssen konnte mich nicht so richtig packen. Ob es an der unkonventionellen Erzählstruktur lag? Ich weiß es nicht. Auch wenn es nicht schlecht zu lesen war.

Reread: „Die Fernen Königreiche“ von Allan Cole und Chris Bunch

Das Buch versprüht Abenteuergeist und Sense of Wonder, wie sie mir bei neueren Fantasywerken schon seit vielen Jahren nicht mehr untergekommen sind. Schuld daran sind die reichhaltige Phantasie der Autoren und ihre Fähigkeit, sie so in Worte zu fassen, dass vor dem geistigen Auge des Lesers ein prächtiges Panorama entsteht, das einen förmlich mit hinein in das große Abenteuer zieht. Die Geschichte steckt voller Magie und Zauberei, auch wenn es stellenweise schon zu viel des Guten ist, denn gelegentlich kommt die Zauberei zu bequem und einfach daher, auch wenn sich die Autoren immer wieder kreative Zauber einfallen lassen.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Kaufmannssohn Amalric Antero – der sich zunächst einer verführerischen und zwielichtigen Kurtisane verfällt, die ihn an den Rand des finanziellen und moralischen Ruins treibt – und seines Freundes, des ehrgeizigen Hauptmann Janos Greycloak, der davon träumt, die legendären Fernen Königreiche zu entdecken und ihnen die Geheimnisse der Zauberei zu entreißen. Ihre Expedition führt sie durch eine Fülle an exotischen und gefährlichen Orten, die von Kannibalen, Sklavenhändlern, untoten und bösen Zauberern bevölkert sind.

Im ersten Teil folgt der Roman – nach dem etwas langatmigen Einstieg, der aber auch das Setting für die spätere Komplexität der Geschichte legt – einer klassischen Abenteuerreise, auf der die Gefährten viele Gefahren mit Witz und Entschlossenheit zu meistern haben, doch im zweiten Teil kommt es zu einem Bruch, der der Geschichte deutlich mehr an Tiefe verleiht. Da geht es um die Rechte von Frauen und Sklaven, soziale Gerechtigkeit ganz allgemein und eine unverhoffte Revolution gegen die traditionelle Autokratie der Geisterseher. Letztere sind im Prinzip die Zauberherrscher von Amalrics Heimatstadt Orissa.

Später geht es dann erneut auf Abenteuerreise, wobei die Geschichte dort dann ein wenig stärker in klassische Fantasybahnen gelenkt wird, die in den ersten beiden Dritteln des Buches geschickt umschifft wurden. Doch diese Wende erhält die Gesamtgeschichte auch deutlich mehr an Komplexität und wird zu einem stimmigen Ganzen abgerundet.

Die Fernen Königreiche gehört definitiv in die Reihe jener Fantasybücher aus den 80er und 90er Jahren, die es verdient hätten, wieder neu aufgelegt zu werden. Für mich ist es gut gealtert, und obwohl ich inzwischen unzählige Fantasybücher gelesen habe, und um 20 Jahre erfahrener bin, hat mich das Buch auch bei der Zweitlektüre wieder gepackt und staunend und mitfiebernd auf eine Abenteuerreise geschickt.

Gelesen habe ich es, wie bei der Erstlektüre über Ostern, und damals vor über 20 Jahren bin ich tief in diese Abenteuergeschichte, die ganz ohne Elfen, Orks und Zwerge auskommt, eingetaucht und habe sie gierig fast an einem Stück verschlungen. Damals trug ich auch noch nicht so viel Gepäck mit mir herum, die Zahl der zuvor gelesenen Fantasybücher befand sich noch im zweistelligen Bereich, weshalb diese Welt besonders exotisch und aufregend auf mich wirkte. Doch auch heute, mit an die 1.000 gelesenen Fantasybüchern, hat die Geschichte nichts von ihrer Kraft verloren und konnte mich erneut schwer begeistern. Dieses Mal las ich sie mit anderen Augen, hatte einen Blick für Tiefen, die mir damals entgangen sind, und habe ein anderes Buch gelesen, dass mir aber kein bisschen weniger gut gefallen hat.

Meine Ausgabe ist von 1994 (2005 gab es nochmal Doppelbände bei Blanvalet), in der guten Übersetzung von Jörg Ingwersen, erschienen bei Goldmann (die damals noch ein aufregendes Fantasyprogramm hatten), mit einem opulenten Cover, das einen förmlich auf diese Abenteuerreise lockt. Das Original erschien 1993, verfasst vom Autorenduo Allan Cole und Chris Bunch (Die Sten-Chroniken), die noch zwei weitere Bücher in dieser Welt geschrieben haben. In Band 2, Das Reich der Kriegerinnen geht es um Amalrics Schwester, die auch in Die Fernen Königkreiche eine kleine Rolle spielt. Und in Das Reich der Finsternis bricht Almaric Antero fünfzig Jahre nach den Ereignissen von Band 1 wieder zu einem Abenteuer auf. Der vierte Band der Reihe, Die Rückkehr der Kriegerin, in dem wieder Almarics Schwester Rali die Hauptrolle spielt, wurde von Allan Cole alleine verfasst, da sich die beiden Autoren/Schwager zerstritten hatten. Leider merkt man das diesem Band an, der die Qualität der drei Vorgänger nicht halten kann. Chris Bunch verstarb 2005.

Aktuell wird wieder einiges an Fantasy aus den vergangenen Jahrzehnten neu aufgelegt (Shannara, Amber, Midkemia, Gemell usw.), und meiner bescheidenen Meinung nach (auch wenn ich mich wiederhole), ist es an der Zeit, auch diese abgeschlossenen Einzelbände der vierteiligen Reihe in einer ansprechenden Neuauflage herauszubringen. Denn, wie ich oben schon erwähnte, solche Abenteuerfantasy abseits der üblichen Genreklischees, ohne Grim-and-Gritty-Einschlag, ohne allzu komplizierte politische Ränke und Intrigen, aber dafür mit ganz viel Sense of Wonder und einer gewissen Leichtigkeit, findet man heute nur noch selten.

Und hier noch ein Link zum Vertiefen: In einem Beitrag zu dessen 70. Geburtstag geht Gero auf der Bibliotheka Phantastika etwas näher auf das Werk von Allan Cole ein.

Gero schreibt unter anderem:

The Far Kingdoms ist vor allem in Anbetracht seines Erscheinungsjahrs ein ungewöhnliches Buch, dessen Vorbilder viel mehr beim klassischen Abenteuerroman oder Filmen wie The 7th Voyage of Sinbad zu finden sein dürften, als bei der klassischen High Fantasy à la Tolkien. Von daher wirkt der Roman ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, auch wenn er als Fantasy-Abenteuerroman hervorragend funktioniert. Und da Cole/Bunch klug genug sind, die Veränderungen zu zeigen, die ihre Reisen und Erlebnisse bei Amalric Antero und Janos Greycloak bewirken, ist The Far Kingdoms sogar noch ein bisschen mehr als einfach nur ein Abenteuerroman.

Weitere Rereads:

Der Drachenbeintrohn von Tad Williams

Helle Barden von Terry Pratchett

Mond über Manhattan von Paul Auster

„Die Entdeckung des Himmels“ von Harry Mulisch

Das Buch ist nicht nur wegen der 868 Seiten ein gewaltiger Brocken. Mulisch verknüpft hier ein ganzes Füllhorn an Themen und Ideen, wie die Entstehung des Universums per Big Bang, Astronomie, Architektur, Religion und Bibel, der Zweiter Weltkrieg, Holocaust, Musik, Politik und vieles mehr zu einer wagemutigen und komplexen Mischung, die bisweilen gar phantastisch anmutet und dem Leser einiges abverlangt, ihn aber auch reichlich belohnt.

Von den anfangs unsympathisch daherpolternden Protagonisten – dem lauten und sehr von sich eingenommenen Onno und dem Don Juan Max – sollte man sich nicht abschrecken lassen, im Verlauf der epischen Geschichte zeigen sie noch ganz andere Seiten von sich. Diese beiden Männer, die den Zweiten Weltkrieg noch als Kinder erlebten, als junge Erwachsene schnell zu akademischen Würden kommen, als Pseudorevolutionäre auf Kuba landen, einige stürmische Liebschaften und Lieben erleben und deren späteres Dasein sich um ein ganz besonderes Kind drehen wird, sind mit ihrer einzigartigen Freundschaft der Dreh- und Angelpunkt dieser Erzählung, deren Erzähler von wahrlich göttlichem Antrieb beseelt ein schier unglaubliches Garn zusammenspinnt.

Damit wären wir auch bei der Metaebene des Buchs, die man entweder als phantastisches Element lesen kann, oder eben als Reflexion eines mehr als selbstbewussten Autors über seine Rolle als Gott, der nach belieben in die Leben seiner Figuren eingreifen kann. Und dadurch blüht gerade den Frauen im Buch oft ein grausames Schicksal, was auch fast mein einziger Kritikpunkt wäre. Wobei es den Männern auch nicht viel besser ergeht.

Für mich war es vor allem interessant, die Nachkriegsgeschichte mal aus holländischer Perspektive zu lesen. Neben Tonke Dragts Der Brief für den König und Der wilde Wald ist dies, glaube ich, mein erstes Buch aus dem Niederländischen. Für manche Leserinnen kann es stellenweise schon recht anstrengend sein, da es auch ein kleines Angeberbuch ist, in dem Harry Mulisch sein breitgefächertes Wissen zu den unterschiedlichsten Themen detailliert nutzt, aber es ist auch ein unheimlich anregendes Buch, das wie eine Wundertüte daherkommt, bei der man nicht weiß, was man als Nächstes erhält. Absurd komische Episoden, wie der Besuch auf Kuba, wechseln sich mit bedrückenden Passagen, wie Max‘ Besuch in Auschwitz, ab, gefolgt von tragischen Ereignissen, dann wieder luftig leichtem Alltag bis hin zu den göttlichen Einschüben.

Die Übersetzung von Martina den Hertog-Vogt liest sich ausgezeichnet.