Geschafft – 150 Seiten Übersetzt

Ufffz. Geschafft. 150 Seiten in drei Wochen übersetzt. Ich merke, wie mir das Übersetzen immer flüssiger und leichter von der Hand geht.

Trotzdem muss ich den Text jetzt nochmal gründlich überarbeiten, einige Begriffe recherchieren und Korrektur lesen. 70er Jahre, Mafiosi, Slang, vulgäre Sprache gepaart mit anspruchsvollem Erzählstil, teilweise komplexen Satzstrukturen, großem Wortschatz und Fachbegriffen aus der Filmbranche.

100 Seiten in 4 Wochen sollten in Zukunft aber reichen. Die letzten drei Wochen waren doch etwas arg stressig. Vor allem, da ich es ja noch nicht hauptberuflich mache und nebenbei auch noch einiges für die Uni zu tun habe.

Ab dem 1. Mai werde ich mich dann wieder öfters hier im Blog zu Wort melden. Jetzt muss ich erst noch eine Hausarbeit fertig schreiben

Zwischenstandsmeldung – Ich übersetze, also bin ich noch

Hier mal eine kleine Zwischenstandsmeldung. Dass ich die letzten Wochen kaum zum Bloggen gekommen bin, liegt vor allem daran, dass ich rund um die Uhr am Übersetzen bin. Am 1. Mai habe ich Abgabetermin und muss zusehen, dass ich fertig werde. Denn nebenher habe ich auch noch andere Verpflichtungen. Z.B. die Hausarbeit, die auch am 1. Mai fällig wird.

Momentan sieht mein Tagesablauf so aus, dass ich zwischen 11.00 und 12.30 Uhr (ich bin halt eine Nachteule) aufstehe und nach den morgendlichen Notwendigkeiten um spätestens 13.00 Uhr mit dem Übersetzen anfange. Das läuft dann ungefähr bis 22.00 Uhr (danach lese ich oft noch Texte für die Uni), wobei ich zwischendurch auch noch kleine Pausen mache, in denen ich einkaufen gehe und koche oder sonstige häusliche Pflichten erledige. Die reine Arbeitszeit würde ich auf ca. 6-7 Stunden schätzen.

Wie viele Seiten ich in dieser Zeit übersetzt bekomme, hängt davon ab, wie viele Begriffe und Formulierungen es noch zu recherchieren gibt .Im aktuellen Text sind es sehr viel, da der Autor viele Slangausdrücke, Fremdwörter und altmodische Begriffe verwendet und teilweise auch eine komplizierte Satzstruktur und Ausdrucksform. Es dürften so 7-10 Seiten sein. (Dauert die Recherche länger, markiere ich mir das Wort und mache erst mal im Text weiter, damit ich nicht aus dem Fluss komme).

Das gilt für die 4 Tage (Donnerstag bis Sonntag), die ich momentan (habe auch Wochenendseminare im Juli) nicht an die Uni muss. An den Uni-Tagen schaffe ich nicht ganz so viel. Wie man sieht, kann eine 7 Tage Woche durchaus die Regel sein, wenn ein Abgabetermin näher rückt. Auf dauer sollte man das aber nicht machen. Denn ohne Erholungszeiten würde irgendwann die Qualität der Arbeit darunter leiden. Zur Selbstdisziplin gehört nicht nur, dass man konsequent sein Arbeitspensum durchzieht, sondern auch, dass man sich Erholungszeiten gönnt. Ein Tag in der Woche sollte es schon sein. Sonst brennt man vermutlich schnell aus.

Dass die Zeit gerade etwas knapp wird, liegt vor allem daran, dass ich den Schwierigkeitsgrad des Textes (wohl aus Mangel an Erfahrung) zunächst falsch eingeschätzt hatte. Im Vergleich zu meinen bisherigen Übersetzungen ist er weitaus kniffeliger und aufwendiger zu übersetzen.

Demnächst werde ich an dieser Stelle darüber berichten, wie meine Arbeit im Detail aussieht. Welche Hilfsmittel ich benutze und warum der Text nach dem ersten Übersetzungsdurchgang noch nicht fertig ist.

Die Frohe Botschaft von Captain Future

Die Frohe Botschaft wird ja eigentlich erst am Wochenende verkündet, aber meine persönliche verkünde ich bereits heute. In meinem letzten Blogeintrag schrieb ich ja, dass ich ein Probekapitel bei einem kleine aber feinen Berliner Verlag einreichen würde. Das habe ich gestern getan und heute kam schon die lektorierte Rückmeldung.
Hannes Riffel war sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Es seien zwar noch einige Anfängerfehler drin und ich sollte mich mehr von der englischen Syntax lösen, insgesamt habe es ihm aber gefallen.
Das ist natürlich eine Rückmeldung, über die ich mich sehr gefreut habe. Vor allem auch, weil ich mir bisher immer noch nicht sicher war, ob es bei mir auch wirklich zum Übersetzer reicht.

Hannes Riffel arbeitet schon seit vielen Jahren als Übersetzer und Lektor, hat z.B. den aktuellen William Gibson übersetzt, war schon für Klett-Cotta tätig, ist Mit-Inhaber der besten Buchhandlung der Welt http://www.otherland-berlin.de/contenido/cms/front_content.php und betreibt seit 2010 den Golkonda Verlag (http://golkonda-verlag.de/)

Golkonda bringt vor allem außergewöhnliche und außergewöhnlich gute Romane und Kurzgeschichtenbände heraus, die oft keinen großen Verlag finden, weil sie zu sehr abseits des Mainstreams wandeln. Ich habe bisher z.B. mit großem Vergnügen den sehr atmosphärischen Südstaatenkrimi »Kahlschlag« von John R. Lansdale gelesen, ebenso wie die Berliner Rotzlöffelgeschichte »Bloß Weg Hier« von Frank Böhmert (hier meine Rezi dazu: http://www.fantasyguide.de/11933.0.html) und den ausgezeichneten Sammelband »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« vom Meister der SF-Kurzgeschichten Ted Chiang.
Daneben hat Golkonda auch eine Werksausgabe der Brüder Strugatzkis rausgebracht und die Reihe um Captain Future neu aufgelegt.

Captain Future dürfte den meisten durch die japanische Zeichentrickserie aus den 70er Jahren (in Deutschland lief sie Anfang der 80er) bekannt sein. Ich bin mit ihr aufgewachsen und sie hat mein Bild der SF maßgeblich geprägt. Was viele aber nicht wissen, ist, dass die Reihe schon sehr viel älter ist.
In den 1940er Jahren veröffentlichte der amerikanische SF-Autor Edmond Hamilton die Romanreihe (damals erschienen die Geschichten in Magazinen) um den intergalaktischen Helden und Feind alles Bösen. Hamilton gilt damit neben E. E. Smith mit seiner Lensman-Reihe, als einer der Väter der Space-Opera.
In Deutschland erschien die Reihe in den 80er Jahren bei Bastei-Lübbe. Allerdings nicht vollständig. Die auf Deutsch unveröffentlichten Geschichten wurden in den letzten beiden Jahren von Golkonda unter den Titeln Die Rückkehr von Captain Future und Der Tod von Captain Future in der Übersetzung von Frauke Lengermann und Dirk van den Boom herausgebracht:  http://golkonda-verlag.de/cms/front_content.php?idart=204

Und weil die Reihe auf reges Interesse stieß, legt Golkonda nun die komplette Reihe in Neuübersetzung mit zwei geplanten Bänden pro Jahr auf. Demnächst soll Band 1 Der Sternenkaiser in der Übertragung von Frauke Lengermann erscheinen und Band 2 Erde in Gefahr wird von meiner Wenigkeit ins Deutsche übertragen.

So sieht der Anfang momentan nach einem ersten Lektorat aus:

Der große Linienkreuzer Pallas dröhntebefand sich auf seinemr planmäßigen FlugFahrt von der Venus zur Erde durch den Weltraum. Sein Motoren pulsierten vernehmlich. In den hell erleuchteten Sälen des großen Schiffes wimmelte es von Männern und Frauen, die tranken, lachten, redeten oder zu der eindringlichenunvergesslichen Musik des heimischen venusianischen Orchesters tanzten.

Und hier das englische Original:
The big liner Pallas throbbed through space on its regular run from Venus to Earth. In the brightly lighted saloons of the big ship, throngs of men and women drank, laughed, talked or danced to the haunting music of the native Venusian orchestra.

Der erste Satz hat mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet. Denn »throbbed« heißt »dröhnen« oder »pulsieren«. Aber spätestens seit »Alien« wissen wir ja, dass einen im Weltraum niemand schreien hört. Im Vakuum gibt es keine Geräusche und pulsieren hört sich auch doof an. Deshalb war ich mit meiner Fassung auch nicht zufrieden. Ob Hamilton das damals schon wusste, oder ob es ihn überhaupt interessiert hat, weiß ich nicht.  Hannes hat noch etwas hinzugefügt, damit es sich im Deutschen auch als ein guter Einstieg liest. So etwas ist aber eher die Ausnahme als die Regel. Hamilton war nicht unbedingt der größte Stilist und viele seiner englischen Sätze muss man im Deutschen einfach anders formulieren, damit es sich auch ordentlich anhört. Das „heimisch“ im zweiten Satz ist einach überflüssig und hört sich auf Deutsch auch nicht gut an. Sprachlich ist die deutsche Fassung etwas „aufgepeppt“ worden.

Dies als kurzen Einblick in Captain Future.

In der nächsten Zeit werde ich gut mit Übersetzen zu tun haben. Bis Mai noch die Übersetzung einer Horrornovelle, dann Captain Future, und bei Atlantis ist auch schon der nächste Auftrag in Aussicht. Momentan schaue ich mir gerade einen 350 Seiten langen Roman an, an dem Guido Latz Interesse zeigt. Wenn der Deal mit dem Autor zustande kommen sollte, werde ich dann meiner erste lange Übersetzung vor mir haben. Aber dazu erst mehr, wenn der Deal im Kasten ist.