Meine Lektüre: Oktober bis Dezember 2014 (2/2)

Aus den angekündigten Beiträgen zwischen den Jahren ist dann doch nicht geworden. Dafür habe ich das Faulenzen viel zu sehr genossen. Nachdem vier Wochen, in denen ich fast jeden Tag (auch an den Wochenden) übersetzt haben, viel es mir zunächst schwer, nichts zu tun. Aber dann fand ich Gefallen am gepflegten Faulenzen mit tollen Büchern und Netflix. Aus den angekündigten fünf Titeln, sind inzwischen acht geworden. Die letzten Bücher, die ich 2014 gelesen habe. Bei Armageddon Rock von George R. R. Martin bin ich jetzt auf Seite 244, werde das Buch aber in diesem Jahr nicht mehr schaffen. Angefangen habe ich im Dezember auch Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka und The Riddlemaster of Hed von Patricia A. McKillip, bin auch schon zu Hälfte durch, aber dann kamen die Weihnachtsgeschenke dazwischen.

Zum Barker, Rymann und Korb wird es noch ausführliche Rezis geben. Aufgrund meiner momentanen Faulheit sind die Kurzkritiken hier etwas oberflächlich und knapp ausgefallen, und werden den Büchern sicher nicht ganz gerecht.

Clive Barker – Imajica

Das Buch habe ich mal im Alter von 16 Jahren gelesen und konnte mich nur noch an einige grobe Handlungsabläufe erinnern. Sehr fantasievoll, sehr ungewöhnlich (besonders zu Beginn der 90er Jahre), aber mit 1.100 Seiten etwas lang. Ich vermute mal, dass Barker damals einen Status hatte, der es im erlaubte, sich über jegliches (kürzende) Lektorat hinwegzusetzen.

Andrzej Sapkowski – Der letzte Wunsch

Die ersten Kurzgeschichten um den Hexer Geralt von Riva (der inzwischen vor allem durch die Computerspielreihe The Witcher) bekannt ist. Die mit einem feinen Humor durchzogenen Geschichten enthalten zahlreiche Anspielungen auf klassische Märchen und liefern originelle Fantasy abseits der üblichen generischen Dutzendware. Teilweise verknüpft Sapkowksi die Geschichten durch kleine Zwischenkapitel, eine durchgehende Handlung gibt es aber noch nicht. Mit der Zauberin Yennefer gibt es höchstens ein durchgehendes Motiv.

Geoff Rymann Pol Pots wunderschöne Tochter

Außergewöhnliche (meist phantastische) Kurzgeschichten, die sich größtenteils um das Thema Kambodscha drehen. Teils sehr abstrakt, teils aber auch in einem modernen Setting angelegt. Es konnten mich nicht alle Geschichten gleich überzeugen, die Mehrheit aber durchaus. Mehr dazu in meiner längeren Rezi.

Keigo HigashinoVerdächtige Geliebte

Großartiger japanischer Krimi, der sich um das Duell zwischen zwei genialen Köpfen dreht. Aufgepasst! Bis zum Schluss habe ich mich gefragt, was den so verdammt clever an diesem doch recht gewöhnlichen Kriminalfall sein soll. Das erfährt man dann bei der Auflösung auf den letzten Seiten. Insgesamt kommt der Roman angenehm ruhig daher, erinnert am ehesten noch an Columbo. Vom Titel sollte man sich nicht täuschen lassen, denn es kommt überhaupt keine Geliebte in der Geschichte vor. Da wollte man wohl Assoziationen zu Murakamis Gefährliche Geliebte wecken.

Markus K. Korb – Der Struwelpeter-Code

Abwechslungsreiche Sammlung von kurzen Horrorkurzgeschichten (Shocking Shorts) aus der Feder des aktuell amtierenden Meisters der Kurzgruselgeschichte. Wird noch eine ausführliche Rezi dazu geben.

Stephen King – Revival

King erzählt die Lebensgeschichte eines Süchtigen, dessen Begegnung mit einem jungen Pfarrer sein Leben für immer verändern wird. Eindrucksvolles Porträt eines suchtkranken Barmusikers, dessen Lebensweg sich immer wieder mit der elektrifizierenden Persönlichkeit des erwähnten Pfarrers kreuzt. Das Buch würde auch ohne die phantastischen Elemente (die eine Hommage an Lovecraft und Co. sind) ganz hervorragend funktionieren, die zum wirklich starken Teil über die Biografie der Hauptfigur etwas abfallen. Kings Stärke ist die Erschaffung glaubwürdiger und mitreißender Figuren und deren Familienleben.

Thomas Thiemeyer – Valhalla

Eine bisher unbekannte prähistorische Zivilisation, Hyperborea, Archäologie, größenwahnsinnige Naziwissenschaftler, ein tödliches Virus, eine Superwaffe – alles Zutaten ganz nach meinem Geschmack. Insgesamt ist das Buch auch recht spannend geraten und braucht sich nicht hinter den Werken von James Rollins, Steve Berry oder Matthew Reilly zu verstecken. Meine Erwartungen wurden allerdings ein wenig enttäuscht, denn durch die Hauptfigur Hannah Peters (Medusa, Nebra) dachte ich, die Archäologie würde im Vordergrund stehen. Leider bleibt das interessante Setting mit im Eis von Spitzbergen versunkenen Stadt einer unbekannten prähistorischen Zivilisation nur Kulisse für einen 08/15 Actionthriller mit bösen Russen und der Suche nach einer Superwaffe. Dabei beginnt das Buch so vielversprechend und kann direkt zu Beginn mit einer überraschenden Wendung aufweisen, wenn die archäologische Ausgrabung im Eis so ganz anders verläuft, als Hannah Peters es erwartet hat. Von da an rückt der archäologische Aspekt aber leider zu sehr in den Hintergrund und es folgt vorhersehbare Action, wie ich sie schon zigmal gelesen habe. Autor Thoma Thiemeyer nimmt teilweise auch eine sehr merkwürdige Gewichtung vor. So werden die wirklich interessanten Teile über Hyperborea usw. in wenigen Sätzen abgehandelt, aber eine Fahrt mit Schlittenhunden wird über mehrere Seiten bis ins kleinste Detail beschrieben. Mir scheint, er konnte einfach seine Begeisterung für Schlittenhunde nicht im Zaum halten. Wenn im zweiten Teil des Buches die drei neuen Teammitglieder vorgestellt werden, erhält jeder von ihnen ein eigenes längeres Kapitel, in dem er oder sie eingeführt werden. Alle drei Kapitel folgen direkte aufeinander und durchbrechen den Spannungsaufbau der Geschichte. Hannahs Freund – jetzt Archäologe, früher anscheinend Supersoldat – ist einfach zu perfekt. Jeder Schuss ein Treffer, alle gelingt ihm und er trägt sogar Cyankalikapseln bei sich! Die Figuren sind mir zu klischeehaft geraten. Und es gibt fünf unterschiedliche Figuren, die alle während des Romans mindestens einmal an James Bond denken müssen. Ein, zwei hätte ich ja noch verkraftete, aber so viele – da übertreibt es der Autor ein wenig mit den Filmanspielungen und überträgt seine eigenen Assoziationen zu sehr auf seine Figuren. Waren die ersten beiden Romane um Hannah Peters noch relativ bodenständig, macht sie in Valhalla eindeutig eine Entwicklung Richtung Lara Croft durch. Der Film Tomb Raider wird zu Beginn auch ausführlich erwähnt. Die Archäologie tritt in den Hintergrund und dient fortan nur noch als Kulisse für übertriebene aber insgesamt doch zu gewöhnliche und vorhersehbare Action.

Das liest sich jetzt wie ein harter Veriss, aber ich hatte immer noch Spaß mit dem Roman (vor allem im ersten Teil). Valhalla ist ein solider Actionroman, der vor allem an den in mir geweckten Erwartungen scheitert. Ich habe den Eindruck, dass dem Autor hier die Zeit gefehlt hat, den archäologischen Hintergrund besser auszuarbeiten. Vielleicht stand er unter Termindruck und wählte deshalb die schneller zu schreibende Actionvariante? Das ist aber nur Spekulation. Die meisten Leser scheint es nicht zu stören – im Internet finden sich fast nur positive Rezensionen.

Jeffery Deaver Das Todeszimmer

Der inzwischen zehnte Roman aus der Lincoln-Rhyme-Reihe, und noch machen sich keine Verschleißerscheinungen bemerkbar. Sicher, Deaves Markenzeichen der überraschenden Wendungen ist inzwischen vorhersehbar geworden, da es meist nach dem gleichen Schema abläuft. 80% der Geschichte über versorgt er den Leser mit peinlichst genaueren Details zum Fall, an entscheidenden Stellen lässt er aber Informationen weg, die dann zu den überraschenden Wendungen führen. Mann weiß meist, dass es eine Wendung gibt, und man weiß auch, an welcher Stelle sie kommt, aber in welche Richtung sie geht, damit kann Deaver immer noch überraschen. Wenn es auch in diesem Roman nicht so viele Knallerüberraschungen gibt, wie in früheren Werken, kann der Roman über eine Ermittlung gegen einen amerikanischen Geheimdienst, der unliebsame Kritiker ermorden lässt, trotzdem überzeugen und die Reihe unterhält immer noch auf hohem Niveau – anders als manch andere erfolgreichen Krimi/Thrillerreihen, die zu Karikaturen ihrer selbst verkommen sind.

Belegexemplare eingetroffen: Captain Future – Der Triumph

Pünktlich zu den Feiertagen sind die Belegexemplare zu meiner zweiten Captain-Future-Übersetzung eingetroffen. Ist ein schönes Gefühl, nach über einem Jahr endlich wieder die eigene Arbeit in Händen halten zu können. Erschienen ist der Roman Ende November. Daran sieht man auch, wie lange teilweise die Abläufe im Verlagswesen sind. Abgegeben habe ich meine Übersetzung Spätsommer 2013. Dass es so lange gedauert hat, liegt aber nicht daran, dass der Golkonda Verlag so faul ist, sondern, dass er so fleißig ist, und im letzten Jahr eine ganze Fülle an großartigen Titeln rausgebracht hat. Und anders als bei manch großem Verlag, der feste Programmplätze und aufreibend kurze Deadlines hat, muss der Titel nicht zu einem bestimmten Erscheinungstermin durchgekloppt werden. Man nimmt sich die nötige Zeit, um ein möglichst hochwertiges Endprodukt präsentieren zu können. Meine dritte Future-Übersetzung (Sternenstraße zum Ruhm) habe ich übrigens vor wenigen Tagen abgegeben.

In Der Triumph greift Edmond Hamilton ein interessantes Thema auf: Die Angst vorm Altern. Das sogenannte Lebenswasser sucht das System heim und verleiht jenen, die es trinken neue Jugend. Neue, aber nicht ewige, denn um sich die Jugend zu erhalten, muss man immer wieder von dem nicht gerade billigen Lebenswasser trinken, ansonsten holt einen das Alter blitzschnell ein, und ehe man sich versieht, liegt man als vertrocknete Mumie auf dem Boden. Captain Future versucht, dem Syndikat des sogenannten Lebensherrn auf die Spur zu kommen und muss sich dafür in bisher unbekanntes Gebiet vorwagen, unter anderem in die geheimnisvollen Nebellande, aus denen noch nie jemand zurückgekehrt ist.

 

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Auch in der Zukunft sind die Bewohner des Sonnensystems nicht vor den Unbilden des Alterns gefeit. In diese Marktlücke stößt der »Lebensherr« mit seinem unheilvollen Lebenswassersyndikat, das die Reichen mit der Verlockung auf ewige Jugend schröpft. Doch diese Jugend ist nur von kurzer Dauer und nimmt ein grausiges Ende. Ein Fall für Captain Future und seine Futuremen .

Quelle: Golkonda Verlag

Frohe und Phantastische Weihnachten

Ich wünsche allen fröhliche und phantastische Weihnachten, und möchte mich an dieser Stelle bei allen Leserinnnen und  Lesern meines Blogs für ihre Aufmerksamkeit bedanken. In den nächsten Tagen wird es hier einige phantastische und besinnnnnliche Einträge geben. Bis dahin dürft Ihr den von mir mit bloßen Händen in freier Wildbahn erlegten Weihnachtsbaum bewundern:

 

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30 Filme, die ich in den letzten Monaten gesehen habe

Interstellar – für mich das Kinoereignis des Jahres. Für genau solche Science Fiction wurde das Kino erfundenl, und für genau solche Filme lohnt es sich noch, ins Kino zu gehen. Ohne nutzloses 3-D-Gedöns, bildgewaltig, emotional mitreißend und mit einer gehörigen Portion Sense of Wonder.

Ruhet in Frieden – Detektivgeschichte der alten Schule, mit einem Lian Neeson, der ausmahmsweise mal nicht als unbesiegbarer Superkämpfer mit CIA-Vergangenheit austeilt, sondern auf die altmodische Art ermittelt. Solider Krimifilm.

The Equalizer – Denzel Washington als unbesiegbarer Superkämpfer mit CIA-Vergangenheit, der in bester Heimwerkkönigmanier gegen die bösen Schurken austeilt, um die gefallen Hure (the whore with the golden heart) zu retten.

Stimme des Herzens – Wunderbarer Ghibli-Film über ein junges, aufgewecktes Mädchen, dass die erste Liebe erlebt und die erste Liebe zum Geschichtenerzählen. In diesem, eigentlich von Phantastik freiem, Film, erfährt man allerdings, was es mit dem Baron aus Königreich der Katzen auf sich hat.

Tränen der Erinnerung – Noch einmal Ghibli. Ein japanischer Anime, in dem ungarische Bauernmusik gespielt wird, hat bei mir direkt ein Stein im Brett. Ein ebenfalls wunderbarer Film über eine junge Frau aus der Stadt, die Urlaub auf dem Land macht und in Kindheitserinnerungen schwelgt. Viel passiert in dem Film nicht, aber dass muss es auch nicht. Poetisch ruhiger Film über das Wesen der einfachen Dinge.

Under the Skin – Eigentlich stehe ich ja auf so arthousige »Kunstkacke« mit wenigen Dialogen und kunstvoll surrealistischen Aufnahmen, aber den Film musste ich nach einer Stunde abbrechen, weil er mir tierisch auf die Nerven ging und stinklangweilig war. Und es kommt nur alle paar Jahre vor, dass ich einen Film abbreche (vor allem, wenn ich für ihn bezahlt habe). Ich weiß aber auch, dass er vielen Filmliebhabern gefallen hat, weil er so gegen die Konventionen inszeniert ist.

47 Ronin – Ich stehe total auf japanische Samuraifilme (auch jene mit phantastischen Elementen) und ich mag Keanu Reeves sehr, aber dieser Film ist wie ein Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann, obwohl man weiß, dass es nur schlimmer wird. Simpel gestrickte Rachestory mit Samurais und Dämonen, der aber ein roter Faden, eine ordentliche Erzählstimme und auch sonst Vieles fehlt.

The Woman – Vermeintlich zivilisierter Familienvater will im neuen Familienprojekt einer im Wald eingefangene Kannibalin! Manieren beibringen, in dem er sie unter anderem vergewaltigt und vom soziopathischen Sohn Foltern lässt. Dass dies ein blutiges Ende nehmen wird, ist absehbar, aber ansonsten verzichtet der Film weitestgehend auf Dramaturgie. Ist nicht schlecht, aber hat mich auch nicht vom Hocker gerissen. Die Stärke des Films ist die Charakterisierung der Tochter, die das alles fassungslos und hilflos miterleben muss. Nach einer Vorlage von Jack Ketchum und quasi die Fortsetzung von „Offspring“.

Infection – Fast meditativer Infektionshorrorfilm aus Japan, der an einem Abend in einem heruntergekommenen (unheimlichen) Krankenhaus spielt, auf dem sich eine eklige Seuche ausbreitet. Ruhig inszeniert, wenig Budget, aber gute Darsteller und interessante Erzählstruktur, bedrückender Atmosphäre und mit unerwartetem Ende.

Her – Ein Mann verliebt sich in ein Computerprogramm, genauer gesagt, in ein Operation System, das per Knopf im Ohr ständig mit ihm in Verbindung steht. Wer kann es ihm verdenken, da es immerhin mit der Stimme von Scarlett Johannson spricht. Ruhig inszeniertes Beziehungsdrama von Spike Jonze, über unser mögliches zukünftiges Sozialleben. Kann ich nur empfehlen. Starke Nebendarstellerinnen.

Nightbreed Director’s Cut – Alternative Schnittfassung des Klassikers von Clive Barker. So sehr wie angekündigt unterscheidet sich der DC jetzt nicht vom Original, ist aber trotzdem sehr sehenswert. Phantasievolle Parabel über vermeintliche Normen und die Angst vor dem Fremden und Andersartigen (Pegida ick hör‘ dir trapsen).

Flight – Erstklassiges Trinkerdrama um einen Piloten, der unter Koks und Alkohol eine eigentlich unmögliche Heldentat vollbringt, damit viele Leben rettet und als Belohnung dafür in den Knast soll. Denzel Washington in Hochform.

Wolf of Wallstreet – Dreistündiger Partyfilm von Martin Scoresese, in dem es neben den zahlreichen Exzessen auch ein wenig um unmoralisches Verhalten an der Wall Street geht. Der heimliche Star des Films ist Jonah Hill, mit einer wahrlich göttlichen Darbietung.

The Maschine – Low Budget SF-Thriller über künstliche Intelligenz, der Schick aussieht, einen guten futuristischen 80er Jahre Soundtrack hat, zwar thematisch nicht viel Neues bietet, aber trotzdem gefällt.

New World – Koreanisches Gangsterdrama um Intrigen und einen Undercoverbeamten in der Zwickmühle. Nicht schlecht, kommt mir aber emotional etwas zu unterkühlt daher. Es fehlt die Bindung zu den Figuren und kann nicht an Infernal Affairs heranreichen.

Jack Reacher – Gut gefilmte Umsetzung der Buchreihe von Lee Child, mit einem gut aufgelegten Tom Cruise (auch wenn der nicht im entferntesten an den Reacher aus den Büchern erinner) und einem fingerfertigen Wolfgang Herzog. Nette Action für zwischendurch.

American Muscle – Dreckiger kleiner Rachethriller über den Badest Motherfucker of the Cell Block, der sich nach 10 Jahren im Knast an seinen Komplizen rächt. Mit kaum Budget in bester Grindhouse-Tradition gefilmt. Den Bechdeltest würde der Film nicht bestehen. Die Frauen, die der „Held“ trifft, lassen sich entweder bereitwillig von ihm vögeln, oder nicht so ganz bereitwillig erschießen. Der eigentlich strunzdumme Film macht dank des Hauptdarstellers und seiner konsequenten Härte trotzdem Spaß.

Young Detective Dee: Rise of the Dragon – kann leider nicht an den ersten Film der Reihe heranreichen. Dafür ist die Story zu zerfahren und konfus. Auch die Kämpfe sind nicht so gut und spannend inszeniert. Trotzdem immer noch ein sehenswerter asiatischer Fantasy-Wuxia-Film.

Galaxie des Schreckens – Netter Alien-Ripp-Off, der vor allem durch das stimmungsvolle Set-Design James Camerons überzeugt. Und die Story ist originell genug, um keine bloßer Abklatsch zu sein. Dazu gibt es Sid Haig und Robert Englund in einem Film und einen klassischen Pornobalken-Held der 80er Jahre.

Dredd – Konsequent harte und brutale Umsetzung des Comics, in der Judge Dredd (Karl Urban) nicht einmal seinen Helm absetzt. Unterhaltsamer und erstklassig gefilmter Actionkracher.

World War Z – Bis zum letzten Drittel eindrucksvoll gefilmter Zombie-Katastrophenfilm, der aber in jenem letzten Drittel jegliche Spannung verliert und plötzlich reichlich unspektakulär daher kommt.

Arachnophobia – Bester Spinnenhorror, der je gedreht wurde, und mich heute noch mehr gruselt, als fast alle anderen Horrorfilme, dabei nimmt sich der Film selbst nicht zu ernst und kommt dank John Goodman stellenweise sehr humorvoll daher.

Witching and Bitching – Netter Hexenhorrorslapstickspaß, der mit einem eindrucksvollen Banküberfall beginnt, sich zunehmende zu einem Gruselstreifen wandelt und im bewusst völlig übertriebenen Finale alle Hemmungen fallen lässt. Spaßig abgedrehter Horror aus Spanien, der sich schon allein wegen Carolina Bang lohnt.

Nymphomaniac 1 u. 2 – Deprimierendes aber auch eindrucksvoll inszeniertes Psychogramm einer sexuell gestörten Persönlichkeit. Gleichzeitig aber auch (vor allem durch Christian Slater) auch ein einfühlsames Familiendrama.

Frances Ha – Wunderbar lebensfreudiges Independent-Drama mit einer bezaubernden Greta Gerwig. Eine jener Filmperlen, die es immer seltener ins Kino schaffen.

The Lincoln Lawyer – Spannender Anwaltsthriller um einen windigen Rechtsverdreher, der böse aufs Glatteis geführt wird und all seine Raffinesse einsetzen muss, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Basiert, anders als ich zunächst dachte, nicht auf einem Buch von John Grisham, sondern auf einer Vorlage von Michael Connelly (dessen Harry-Bosch-Reihe mir sehr gut gefällt).

Tamara Drew – solide Beziehungskomödie von Stephen Frears, die sich um einen Rückzugsort von Schriftstellern und eine hübsche Frau dreht, die wiederum allen den Kopf verdreht. Nicht ganz so witzig wie erwartet und etwas merkwürdigem Ende, aber dafür mit einer bezaubernden Gemma Atterton und Tamsin Graig (Black Books).

Little Deaths – Episodenfilm der versucht die Themen Sex und Horror zu verbinden, dabei aber kläglich versagt.

Book of Blood – Umsetzung zweier Kurzgeschichten von Clive Barker, die einen ganz netten Spukhausfilm abgibt, aber im Vergleich zu den Filmen, die der Meister selbst inszeniert hat nur verlieren kann. Könnte etwas mehr Tempo und Schrecken gebrauchen.

Meine Lektüre: Oktober bis Dezember 2014 (1/2)

Kurzkritiken zu fünf der zehn Bücher, die ich in den letzten drei Monaten gelesen habe. Die anderen fünf folgen noch.

Jean-Luc Bannalec – Bretonisches Gold

Die ersten beiden Fälle von Kommisar Dupin habe ich sehr gerne gelesen, bei diesem hier war aber irgendwie die Luft raus. Bretonische Atmosphäre allein reicht auf Dauer nicht. Mir ist auch zum ersten Mal der schwache Stil des Autors aufgefallen, der alle Personen in der exakt gleichen Satzstruktur reden lässt. Die Lektüre ist jetzt schon zu lagen her und ich habe das Buch nicht mehr zu Hand, deswegen kann ich jetzt kein Beispiel bringen, aber auch ansonsten hätte das Buch in sprachlicher Hinsicht nochmal ein ordentliches Lektorat gebraucht. Der Kriminalfall an sich ist auch nicht gerade spektakulär. Für mich eine Enttäuschung, obwohl ich die Thematik mit der Salzgewinnung eigentlich ganz interessant finde. Der Roman beginnt mit einer spannenden Szene, verliert sich dann aber leider in nervigen Belanglosigkeiten um Revierstreitigkeiten und Eitelkeiten.

Corry Doctorow – Pirate Cinema

Nicht unbedingt spannender aber durchaus interessanter Roman über einen jugendlichen Ausreißer, dessen Hobby Filme aus bereits vorhandenen Filmschnipseln zusammenzuschneiden seiner Familie zum Verhängnis wird, woraufhin er nach London ausreißt und mit anderen jugendlichen Obdachlosen ein Haus besetzt, einen Untergrund Filmclub startet und als Aktivist gegen übertrieben harte Internetgesetzte vorgeht. Doctorow versteht es wirklich, ein authentisches Gefühl für Jugendkultur zu vermitteln. Ich habe den Roman mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn er emotional nicht so mitreißend ist, wie Little Brother und For the Win.
Stephen Baxter – Die letzte Arche

Nach interstellar hatte ich richtig los auf Pionier-SF im Weltraum. Und diese Fortsetzung von Die Flut passt mit ihrem Generationenraumschiff, das eine überflutete Erde verlässt und einen neuen Planeten besiedeln sol,l genau ins Schema. Ähnlich wie den Pionieren an der amerikanischen Frontier ergeht es auch den jungen Astronauten, die über Jahrzehnte in beengten Verhältnissen eingesperrt sind und ein wenig luxuriöses Leben führen. Hart und entbehrungsreich trifft es eher. Die Mission ist kein Zuckerschlecken, kein großes Abenteuer, macht aber trotzdem Spaß und ist enorm spannend. Ich habe dieses über 700 Seiten lange Buch innerhalb von vier Tagen verschlungen.

John Grisham – Die Erbin

Weder Krimi noch Thriller und auch nicht wirklich ein Drama. Es geht einfach um eine Erbschaftsangelegenheit, die vor Gericht verhandelt wird. Was die ganze Sache brisant macht, ist die Tatsache, dass die Erbin die schwarze, gutaussehende Haushälterin des alten, totkranken und stinkreichen weißen Unternehmers ist, der sich umgebracht hat und kurz davor per handschriftlichem Testament ein altes ausführliches Testament für ungültig erklärt und seine Kinder enterbt hat. Ach ja, die Geschichte spielt im Jahr 1988 in den Südstaaten der USA und der anwaltliche Nachlassverwalter ist die Hauptfigur aus Grisham Welterfolg Die Jury. Doch trotz der fehlenden Spannung und der reduzierten Dramatik hat mir das Buch, das hier und da doch überraschende Wendungen aufweisen kann, gut gefallen.

Nala Martin – Safeword

Über eine Domina, die sich nach verlorener Wette einem Kunden unterwirft und dadurch ihr ganzes Leben und Weltbild durcheinanderbringt. Mir wird es auf ewig ein Rätsel bleiben, warum sich Frauen von Männern freiwillig so mies behandeln lassen (damit meine ich jetzt nicht SM). Darüber habe ich mich während der Lektüre sehr geärgert. Aber vermutlich ist doch ein sehr realistisches (in diesem Falle) Suchtverhalten. Da die Autorin selbst als Domina arbeitet und der Roman autobiografische Züge enthält, wirkt er sehr authentisch. Die SM-Szenen wirken aufgrund ihrer teilweise sehr plumpen und brutalen Art meist wenig erotisch, was am Thema SM interessierte Leserinnen eher abschrecken könnte. Vom Stil her ist mir das Buch etwas zu deskriptiv geraten. Es werden fast nur die Begegnungen mit dem Mann beschrieben. Darauf, wie sich diese obsessive Beziehung auf das Verhältnis zu ihrer Tochter und ihrem Mann auswirkt, wird überhaupt nicht eingegangen. Dadurch wirkt die ganze Geschichte etwas unrund, bietet aber trotzdem einen interessanten Blick in eine etwas andere Beziehungswelt.

TV-Tipp: Invasion im Morgengrauen – Die Landung in der Normandie

Am Samstag den 20.12 läuft auf N24 die zweiteilige TV-Doku Invasion im Morgengrauen – Die Landung in der Normandie, für die ich die Rohübersetzung gemacht habe. Die Doku ist ganz interessant, da sie ausschließlich aus Originalaufnahmen aus dieser Zeit besteht, und einen ganz guten Eindruck davon vermittelt, was für ein heikles Mammutunternehmen die ganze Aktion war.

Hier die Inhaltsbeschreibung von N24:

6. Juni 1944: Über dem Ärmelkanal bricht ein grauer Tag an. Vor der Küste Nordfrankreichs hat sich eine Armada von fast 7000 Kriegsschiffen und Landungsbooten versammelt. Sie warten auf das Kommando, in der Dämmerung mit der gewaltigsten Landeoperation aller Zeiten zu beginnen. Eine N24-Dokumentation über die Invasion in der Normandie aus Sicht der Alliierten und der Deutschen: Von der Planung bis zum erfolgreichen Ende. Teil 1: Die Planung.

 

Buchempfehlung: „Der Palast des Poseidon“ von Thomas Thiemeyer

Reihe: Die Chroniken der Weltensucher 2

Rezension von Knut Knudson 1

 

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Rezension:

Von Humboldt, dieser Tausendsassa. Auch in seinem neuesten Abenteuer wird er seinem ehrenvollen Namen gerecht. In den unergründlichen und geheimnisvollen Tiefen des Meeres beweist er einmal mehr, dass er in der Welt der Forscher und Entdecker ein einmaliges Ausnahmetalent ist. Auch wenn solch ungnädige Spötter wie, dieser Neidhammel Wilibert Tucholsky 2, versuchen Humboldts Leistungen in den Dreck zu ziehen. Aber mir war bereits nach Humboldts erstem Abenteuer in der Stadt der Regenfresser klar, dass wir es hier mit einem wahren Pionier zu tun haben.

Dass in letzter Zeit, zahlreiche Schiffe im Mittelmeer, vor den Küsten Griechenlands, verschwunden oder gar gesunken sind, ist unbestritten. Über die Ursache wird allerdings heftigst spekuliert. Von einem riesigen Seeungeheuer, das sogar Leuchttürme nachahmen könne, wird geredet. Wer wäre da besser geeignet, dieses Mysterium aufzuklären als Carl Friedrich von Humboldt mit seinem Team. Dazu gehören, der wieselflinke und gerissene ehemalige Straßenjunge Oscar, die bezaubernde und sprachbegabte Nichte Charlotte, die mysteriöse haitianische Zauberin Eliza und der bisher unterschätzte Kiwi Wilma. Doch schon, bevor sie überhaupt im Mittelmeer ankommen, müssen sie sich bereits mit einem gefährlichen Attentäter herumschlagen, der unter allen Umständen versucht sie aufzuhalten. Er folgt ihnen nach Athen, liefert sich mit ihnen eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch Paris und ist am Ende hartnäckiger als die Freunde vermuten. Nach diesen kurzen Stationen in Athen und Paris, wo sie den berühmten Nicola Tesla kennen lernen, geht es auf die hohe See. Mit einem Tauchboot wollen sie das Rätsel des Seeungeheuers lösen.

Was für eine phantastisches Abenteuer die Freunde um den exzentrischen Forscher da erleben. Ein großes Lob gilt es auch, dem Chronisten Thomas Thiemeyer auszusprechen. Er hat es wieder geschafft, diese spannenden Erlebnisse in einer klaren, einfachen und flüssigen Sprache festzuhalten, ohne dass, die wissenschaftlichen Erklärungen den jungen Leser langweilen würden. Im Gegenteil, er schafft es, Neugierde zu wecken sowie Forscherdrang und Abenteuerlust zu entfachen.

Zu Beginn liefert er wieder einen Einblick in unser wunderschönes Berlin und einige seiner zwielichtigeren Gestalten. Aber schon kurz darauf geht es los. Das Abenteuer ist dieses Mal noch rasanter geworden. Statt einer ruhigen Vorbereitung auf die Expedition gibt es atemberaubende Verfolgungsjagden, unter anderem mit einem dieser stinkenden neuen Automobile (nicht, dass Pferde viel besser riechen würden).

Die Geschichte ist insgesamt auch etwas härter und düsterer geraten. Da mag es den einen oder anderen Leser durchaus gruseln. Aber insgesamt ist sie wieder ein Plädoyer für den Forscherdrang und zeigt uns auf, welche Wunder es vor der eigenen Haustür noch zu entdecken gibt. Dabei liefert Thiemeyer aber auch einen kritischen Blick auf die Risiken des (technischen) Fortschritts. Seine technischen Visionen gehen noch über die eines Jules Verne hinaus. Was er uns hier präsentiert, könnte man sich sonst nur in der entferntesten Zukunft vorstellen. Abenteuer, Mystik, Zukunft und der Grund des Meeres, das sind Stichworte die jedes Entdeckerherz höher schlagen lassen und diese Geschichte bietet von allem reichlich. Weiter so.

Die Chroniken der Weltensucher bieten altmodische Abenteuergeschichten mit moderneren Elementen. Abenteuer für Neugierige, Forscher und Entdecker, warten hier ebenso auf den Leser, wie sympathische junge Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Ja, ich selbst habe mich zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Kiwi identifiziert. Knut jetzt hunger. Schluss.
1 Ist der erklärte Intimfeind und Widersacher von Wilibert Tucholsky. Wir vermuten aber, dass es sich bei ihm ebenfalls um den Nebelwerfer Markus Mäurer handelt (Anmerkung der Redaktion).

2 Siehe Rezension Die Stadt der Regenfresser

 

Noch einmal Resteverwertung. Da sich die Arbeiten an meinen beiden letzten Übersetzungen des Jahres dem Ende zuneigen, wird es hier demnächst wieder ausführlichere neue Beiträge geben.