Last Chance To Read – Ein kurzer Streifzug durch 6 Jahre Translate Or Die

Bevor man sein Comeback planen kann, muss man erst mal eine Abschiedstournee mit den alten Hits machen. Hier ein paar ausgewählte Blogbeiträge mit Hintergrundinfos, die es nur noch bis Donnerstag zum Lesen gibt:

Im November 2011 ging Translate Or Die an den Start, eigentlich als meine berufliche Präsentationsseite als Übersetzer. Damals studierte ich noch Amerikanistik an der Freien Universität in Berlin (hier mehr zum Studium) und betrieb meine Bestrebungen Übersetzer zu werden zunächst nebenbei.

Sexismus, Diskriminierung und Captain Future – Zu meinen ersten Übersetzungen gehörte Captain Future im Golkonda Verlag. Das war vermutlich der für mich beruflich wichtigste Kontakt, denn Hannes Riffel hatte damals schon einen exzellenten Ruf in der Branche und war anfangs für mich eine Art Mentor. Damals lebte ich noch in Berlin und bin zur Besprechung der Übersetzungen direkt bei ihm zu Hause vorbei. Und auch heute arbeite ich noch für ihn bei Tor Online. Den Golkonda Verlag hat er allerdings letztes Jahr verkauft, und die neuen Besitzer haben wohl ihre eigenen Übersetzer mitgebracht, weshalb meine letzte Captain Future-Übersetzung im März erschienen ist. Mit allen zukünftigen werde ich vermutlich nichts mehr zu tun haben.

2014 besuchte ich einen Übersetzungsworkshop bei Hannes Riffel und Karen Nölle im Europäischen Übersetzungskolleg in Straelen. Passenderweise habe ich nur einen Tag vorher erfahren, dass ich meine halbe Stelle als Sozialpädagoge in der Jugendhilfe verlieren würde. Was mir nur recht kam. Von Ende meines Studiums in Berlin im September 2013 bis September 2014 hatte ich zur Hälfte als Sozialpädagoge und zur Hälfte als Übersetzer gearbeitet. Der Stellenwegfall gab mir dann die nötige Motivation, ganz als freiberuflicher Übersetzer zu arbeiten. Und womit hätte ich besser in den Beruf starten können, als mit diesem tollen fünftägigen Übersetzungsseminar.

Das Europäische Übersetzerkollegium in Straelen

Danach ging es dann auch richtig los mit den Aufträgen: insgesamt habe ich inzwischen über 50 Fernsehdokumentationen für N24 übersetzt, zwölf Bücher und zahlreiche Kurzgeschichten. Aktuell herrscht allerdings etwas Flaute, was Aufträge angeht. Im letzten Jahr hatte ich mir die Zeit genommen, an meinem eigenen Buch zu arbeiten – das sich jetzt in einer gründlichen Überarbeitung befindet -, was vielleicht ein Fehler war, was das Übersetzen angeht. Denn aktuell gestaltet sich die Auftragsakquise etwas schwierig. Die großen Publikumsverlage haben die Zahl der Übersetzungen in ihren Phantastikprogrammen deutlich reduziert (ich habe nachgezählt), da ist es dann schwierig, an Aufträge zu kommen, wenn man sich nicht schon als Stammübersetzer etabliert hat. Ich werde jetzt versuchen, außerhalb der Phantastik einen Fuß in die Tür zu bekommen, was aber auch nicht einfach sein wird. Mal sehen, wie es die nächsten Monate läuft. Ansonsten müsste ich mich beruflich wohl mal wieder neu orientieren.

Literaturübersetzer werden – aber wie? Der einzige Gastbeitrag auf meinem Blog stammt von Frank Böhmert. Dabei handelt es sich um eben jenen Beitrag von ihm aus dem Jahr 2009, der mich überhaupt erst zum Übersetzen gebracht hat. Frank hat seinen Blog kürzlich auch aufgrund der Datenschutzverordnung dichtgemacht, da er eh nur noch wenig darauf veröffentlicht hat. Mit Frank bin ich immer noch befreundet und habe ihn erst vor zwei Wochen in Berlin beim Fantasyguide-Grillen gesehen.

Im Laufe der Jahre habe ich auf diesem Blog auch einige meiner akademischen Arbeiten wie meine Diplomarbeit sowie einige Essays und Hausarbeiten veröffentlicht. Auf Englisch z. B. einen Essay zu Richard Wrights Native Son, der oft aus den USA aufgerufen wird, vermutlich von Schülern, die selbst einen Aufsatz über das Buch schreiben sollen. Auf Deutsch gibt es eine Hausarbeit mit dem Titel The Dispossessed – Ein feministischer Blick auf die Utopie von Ursula K. Le Guin und eine über die HBO-Serie Deadwood – Die Entwicklung des amerikanischen Western und die Möglichkeiten, die das moderne Serienformat diesem Genre eröffnet.

Im letzten Jahr bin ich seit vielen Jahren erstmals wieder in den Urlaub gefahren und habe auf meinem Blog über zwei Spaziergänge durch Paris berichtet – was teils auch eine Recherchereise für mein Buch war, das in der französischen Hauptstadt spielt.

Mit Haus mit dünnen Wänden habe ich kürzlich versucht, mal etwas experimenteller und literarischer auf meinem Blog zu schreiben. Eigentlich wollte ich in Zukunft mehr in diese Richtung machen, aber das wird ja jetzt erst mal nix.

Mit dem Blog werden auch meine drei Kurzgeschichten verschwinden:

  • In Stadt der Zähne geht es um einen jungen Deutschen, der auf der Suche nach dem amerikanischen Traum in die USA auswandert, dort schnell von der Realität eingeholt wird und in einer Abwärtsspirale im tiefer in der Gosse landet, während er einer destruktiven Beziehung mit seiner amerikanischen Frau feststeckt. Warning: Explicit Lyrics!
  • „Im Foltercamp der geschändeten Frauen“ ist eine Ode an die VHS-Kassettenzeit der 90er-Jahre. Drei Jugendliche begeben sich auf eine Quest, um obskure Filme aufzutreiben, damit an einer legendären und einmaligen Filmführung teilnehmen können, und erleben dabei einige skurrile Abenteuer. Ist ganz harmlos.
  • Und Das grausame Spiel des Herbstes ist eine kleine Hommage an Ray Brabury und Halloween.

Gelegentlich habe ich auch Filmbesprechungen verfasst. Die erste stammt noch aus meiner Berliner Zeit, als ich mit Lapismont regelmäßig in die Kulturbrauerei ging, um Filme zu sehen, die bei mir hier im Westerwald nicht laufen. Den Anfang machte The Broken Circle Breakdown.

Für viel Aufsehen und hohe Zugriffszahlen sorgten vor zwei Jahren meine Blogbeiträge zur Frage: Phantastikvorschauen Herbst/Winter 2016: Wo sind die Frauen? Da hatte ich mal nachgezählt, wie gering der Anteil an Autorinnen in den Phantastikprogrammen der Publikumsverlage ist. Demnächst sollte eigentlich ein Nachfolgeartikel kommen, durchgezählt habe ich die aktuellen Programme schon und den Artikel halb verfasst, aber der passt jetzt nicht mehr vor der Blogschließung rein. Nur so viel: Die Situation hat sich nicht verbessert, der Frauenanteil ist sogar eher noch zurückgegangen.

Der Blog sah übrigens nicht immer so aus wie jetzt. Das Design habe ich über die Jahre zweimal verändert. Hier kann man nachsehen, wie Translate Or Die früher aussah.

2013 hatte ich meinen Blog auch mal für ein Arbeitskraftangebot genutzt.

Politische Beiträge wie Abweichung von der Norm – warum uns der aktuelle Überwachungsskandal alle angeht! blieben in der Minderheit.

Unter dem Titel Phantastische Netzstreifzüge habe ich in 46,5 Ausgaben darüber berichtet, was mir im Netz so an interessanter Phantastik begegnet ist. In leicht abgewandelter und reduzierter Form führe ich diese Reihe jetzt auf Tor Online fort.

Vor ziemlich genau vier Jahren machte ich mir Gedanken zur Fußball WM in Brasilien. Tja, von dem erhofften wirtschaftlichen Aufschwung durch die WM und Olympia ist ja, wie zu erwarten, nicht viel geblieben. Die gebauten Stadien und Sportstätten verfallen und Brasilien steckt in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise, die die Demokratie im Land massiv gefährdet. Zumindest um Letzteres braucht man sich in Russland ja keine Sorgen mehr machen, während der Show-WM für den Despoten. Mein WM-Fieber befindet sich irgendwo im negativen Bereich. Diese korrupte Farce geht mir am Allerwertesten vorbei.

Der Sportplatz von Oziel

Die Reihe Lesezeichenarchäologie ist über die Jahre etwas eingeschlafen und wurde von mir erst kürzlich wiederbelebt. Einen weiteren Beitrag habe ich schon angefangen zu verfassen. Da würde es dann um eine erste Reise nach Berlin und meinen ersten Besuch in der Ufo-Buchhandlung (heute Otherland) gehen.

Wie lange dürfen Fantasyserien und Reihen sein? Oder Was dürfen Bücher kosten? Beiträge zu solchen Fragen bezüglich Büchern und Genres erfreuten sich immer großer Beliebtheit und sorgten auch für Kommentare.

Besonders gefreut hat es mich immer, wenn ich über eingetroffene Belegexemplare meiner Übersetzungen berichten konnte, also die Früchte meine Arbeit. Von allen bisherigen Übersetzungen hat mir Dunkle Materie von Carolyn Ives Gilman am meisten Spaß gemacht. Ich halte das Buch auch für einen der aufregendsten SF-Romane der letzten Jahre. Leider ist er in Deutschland ziemlich untergegangen, obwohl er – ganz unabhängig von meiner Übersetzung – viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Meine zahlreichen Buchbesprechungen findet man hier, leider nur in chronologischer Reihenfolge, da ich es versäumt habe, sie von Anfang an zu indexieren.

So long, and thanks for all the fish!

Am 24. Mai schließt Translate or Die seine Pforten – vermutlich nur vorübergehend. Den Grund habe ich ja schon an dieser Stelle erklärt. Ich würde nicht sagen, dass ich mich der DSGVO-Hysterie angeschlossen habe, momenta habe ich einfach nur keine Lust, mich aktiv damit zu beschäftigen. Vielleicht sieht es nach meinem New-York-Urlaub im Juni anders aus. Bis dahin werde ich aber zu Genüge mit anderen Dingen sein, die bei mir aktuell eine höhere Priorität besitzen.

Translate Or Die entstand ursprünglich als meine Internetpräsenz als Übersetzer, hat sich mit der Zeit aber zu einem eher privaten Blog entwickelt, auf dem ich Bücher und Serien bespreche und Artikel zu allen möglichen Themen schreibe, auf die ich gerade Lust habe. Am Anfang meiner Karriere hat der Blog durchaus dazu beigetragen, dass ich Aufträge erhalten habe, in letzter Zeit ist diese Außenwirkung aber deutlich zurückgegangen. Insofern werde ich es beruflich wohl verschmerzen können, eine Weile ohne den Blog auszukommen.

Richtig schade finde ich es nur für euch LeserInnen, die ihr hier regelmäßig vorbeigeschaut habt, weil ihr euch für meine Beiträge interessiert habt (danke dafür!). Unter den 100 Follower befinden sich eindeutig nicht nur Leute und Bots, die mir aus Werbezwecken folgen. Dauerhaft wird er Blog auf keinen Fall aus dem Netz verschwinden, das wäre mit den über 500 Beiträgen, von denen auch viele alte noch durch Google Zugriffe erhalten, viel zu schade.

Ich bin gespannt, wie es mir die nächsten Monate ohne den Blog ergehen wird, der die letzten fünf Jahre fester Bestandteil meines Lebens gewesen ist. In der Zeit will ich auch meine Internetpräsenz generell stark zurückfahren (auf Facebook, Twitter und in diversen Foren), um ich voll und ganz auf ein bestimmtes Projekt zu konzentrieren. Das Internet ist schon ein enormer Zeitfresser und verlockt zum Prokrastinieren. So ganz werde ich aber nicht darauf verzichten können, da ich ja zweimal die Woche die SFF-News auf Tor Online verfasse, für die ich im Netz unterwegs sein muss. Und gelegentlich wird es auch Buchbesprechungen von mir auf Fantasyguide.de geben. Demnächst z. B. zu Autonom von Annalee Newitz.

Also, so long, and thanks for all the fish!

Kurzkritiken Mai 2018

Kurz vor Blognarök gibt es noch ein paar Kurzkritiken zu Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Melissa Febos – Whip Smart

Whip Smart ist keine Erotikliteratur, kein Shades of Grey aus authentischer Feder. Febos blickt reflektierend und analysierend auf vier Jahre ihres Lebens zurück, in denen sie neben ihrem Studium als Domina in New York gearbeitet hat, geht aber auch auf ihre Kindheit, ihre Beziehungen, ihre Persönlichkeit und ihr Drogensucht ein. Die Sessions mit ihren Kunden beschreibt sie eindrucksvoll, wortgewaltig und sehr ernüchternd, nicht erotisch, sondern analytisch und psychologisierend. Eine faszinierende Autobiografie über eine komplizierte, komplexe Frau.

Sven Regener – Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt

Karl Schmidt, das alte Schlachtwahlross der Berliner Elektrolyteszene, das am Ende von Herr Lehmann leicht überschnappte, ist zurück, um auf Magical Mystery Tour zu gehen, zusammen mit alten Bandkollegen, die inzwischen ein erfolgreiches Technolabel führen, mit dem sie gegen den Stumpfsinn von Gummistiefeltechno ankämpfen wollen. Dass dies nicht ohne Komplikationen abläuft und Karl Schmidts Abstinenz – immerhin lebt er im betreuten Wohnen und arbeitet als Hilfshausmeister – auf die Probe stellt, versteht sich wohl von selbst. Mit gewohnt lakonischem Humor und ausgezeichneten Dialogen bleibt Regener seinem Lehmann-Kosmos treu und liefert einen unterhaltsamen Roadtrip, der durchaus Tiefgang (und Meerschweinchen) besitzt.

Paul Tremblay – A Head Full of Ghosts

Moderne Variante von Der Exorzist, die hier Familiendrama mit Mediensatire verbindet, nicht ganz so spannend und gruselig, wie ich erwartet hatte, dafür mit viel Tiefgang und Einblicken in die Psyche einer zerrütteten Familie.

Douglas Preston und Lincoln Child – Attic (übersetzt von Thomas A. Merk)

Quasi-Fortsetzung des superspannenden Museumshorror Relic, der im Naturkundemuseum von New York spielt (das ich nächsten Monat endlich besuchen werde). Attic spielt zwar teilweise auch im Museum of Natural History, aber der eigentliche Star des Romans ist die Tunnelwelt unter der Stadt, die noch über mehrere Ebenen unter der U-Bahn liegt. Nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, aber immer noch faszinierend, mit interessanten Einblicken in das New York der 90er-Jahre. Ist auch noch nicht so übertrieben abgedreht wie die späteren Pendergast-Romane.

William Hjortsberg – Falling Angel

Hard-Boiled-Krimi mit okkultem Einschlag über einen hartgesottenen Privatschnüffler, der in den 50er-Jahren in New York durch einen zwielichtigen Auftraggeber in einige unheimliche Vorgänge verwickelt wird. Toller Stil, absolut schnörkellos aber elegant auf den Punkt geschrieben mit vielen Slang-Ausdrücken und Formulierungen aus dieser Zeit. Habe so z. B. gelernt, was ein „shamus“ ist. Wurde übrigens mit Mickey Rourke und Robert De Niro als Angel Heart verfilmt (allerdings in New Orleans).

Quo vadis Translate or Die?

Eigentlich habe ich momentan mehrere Blogeinträge in der Pipeline, die ich schon längst hätte veröffentlichen wollen. Doch die Ende Mai in Kraft tretende neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union verdirbt mir aktuell die Lust darauf. Stattdessen spiele ich mit dem Gedanken, den Blog erst einmal ganz abzuschalten.

Es ist ja leider nicht damit getan, sein Impressum anzupassen und eine neue Seite mit einer Datenschutzerklärung einzurichten, die von jeder Seite des Blogs erreichbar sein muss.

Wie sieht es mit dem Like-Button aus? Muss ich die Kommentarfunktion abschalten? Können mir Leute überhaupt noch folgen? Gravatar abschalten? Welche Plug-ins verarbeiten Daten? Wie schalte ich sie ab? Wie finde ich heraus, wo IP-Adressen gespeichert werden? Was ist mit Fotos von öffentlichen Orgen, auf denen Menschen zu sehen sind?

Das sind wohl noch die weniger aufwendigen Sachen. Wobei ich erst mal gucken muss, wie das bei WordPress funktioniert, wenn man die Seite nicht selbst hostet. Translate or Die hat inzwischen 540 Beiträge, in die ich auch unzählige Youtube-Videos eingebettet habe, vor allem Trailer und Musikvideos. Klickt jemand ein Video an, werden wohl Daten über ihn von meiner Seite zu Youtube übermittelt. Um das zu vermeiden, kann man ein Plug-in verwenden, durch das nur der Link und das Vorschaubild von Youtube angezeigt werden. Aber was mache ich mit den schon vorhandenen Videos? Ich habe keine Lust, jedes einzeln von Hand zu ändern.

Ich habe den Blog ursprünglich bei WordPress eingerichtet, weil die Bedienung dort einfach und unkompliziert ist. Blogeinträge sind schnell erstellt, man kann Videos und Bilder ohne großen Aufwand einbinden. Das Design des Blogs, das ich aus einer kostenlosen Auswahl gewählt habe, ist voreingestellt. Wenn ich daran denke, was das für ein Aufwand war, sich in das CMS (Typo) von Tor Online einzuarbeiten, wie viel mehr Arbeit es macht, dort einen Artikel zu erstellen und Bilder und Videos hinzuzufügen, und wie unflexibel Software und Design sind. Da bin ich wirklich froh über WordPress.

Und deshalb wurmt es mich jetzt auch umso mehr, wie viel umbezahlte Zeit ich in die Umsetzung der DSGVO stecken muss, die ich viel lieber zum Überarbeiten meines Romanmanuskripts nutzen würde.

Andererseits wäre es aber auch schade um den Blog. Immerhin betreibe ich den jetzt seit 6 Jahren, habe 540 Beiträge (oft ziemlich aufwendige) 102 Follower, täglich zwischen 30 bis 40 Besuchern, jährlich um die 10.000. Und auch ein kleines Netzwerk aus Internetfreunden, von denen ich weiß, dass sie meine Beiträge gerne lesen. Da wäre es doch schade, die ganze Arbeit ins Datennirvana zu schicken.

Nur hätte ich keine Lust, mich ab Juni mit gierigen Abmahnanwälten rumzuschlagen, nur weil irgendwo ein Komma falsch sitzt. Unschlüssig bin ich vor allem durch die Rechtsunsicherheit, weil einfach nicht klar, ist, was genau noch geht, und was nicht. Und es gibt auch eine Nachweispflicht über die Maßnahmen zum Datenschutz, die man vorgenommen hat. Ich weiß gar nicht, ob und wie eine solche Dokumentation bei WordPress funktioniert.

Dadurch, dass ich ja Freiberufler bin und dieser Blog auch einen (wenn auch inzwischen nur noch kleinen) Bezug zu meinem Beruf hat, sehe ich auch noch ein weiteres Problem, was oben genannte Pflichten angeht. Bei Abmahnungen und Strafen geht es ja bei gewerblichen Seiten auch um einen gewissen Anteil am Jahresumsatz.

Translate or Die habe ich ursprünglich mal als Seite angefangen, auf der ich mich als Übersetzer präsentiere, die also durchaus einen beruflichen Hintergrund hat. Inzwischen ist sie aber zum reinen Hobbyprojekt mutiert. Zum Übersetzen schreibe ich kaum noch was. Das ist hier alles Freizeit, die ich in die Beiträge investiere. Und es widerstrebt mir zutiefst, mich jetzt aufgrund der DGSVO zeitlich so intensiv mit etwas zu beschäftigen, das mir keinen Spaß macht, worauf ich keine Lust habe und was mir im Prinzip auch keinen Nutzen bringt (außer keine Abmahnungen zu erhalten).

Ob ich Translate or Die vorübergehend (auf unbestimmte Zeit) abschalte, werde ich innerhalb der nächsten zwei Wochen entscheiden, nachdem ich mich noch etwas genauer in die Materie eingelesen habe und hoffentlich halbwegs abschätzen kann, welcher Aufwand da notwendig ist.

Wo man mich trifft: Köln, Berlin, New York

Mein Winterschlaf neigt sich dem Ende zu, bald werde ich meine Höhle verlassen und mich auf die Suche nach Zivilisation und Kultur begeben.

Köln: PAN-Branchentreffen am 19. und 20. April

PAN ist das Phantastikautorennetzwerk e. V., also ein Verein, der aus Phantastikautorinnen besteht und sich für das Genre und die Mitglieder einsetzt. Auf dem Branchentreffen trifft sich, wie der Name schon sagt, die Phantastikbranche. Das heißt, Autorinnen, Verlagsmitarbeiterinnen, Lektorinnen, Bloggerinnen und Leute, die anderweitig beruflich und/oder leidenschaftlich mit Phantastik zu tun haben.

Das erste Treffen vor zwei Jahren war großartig, fand ebenfalls im Odyseeum in Köln statt und ging über zwei Tage. Es gab zahlreiche interessante Podiumsdiskussionen und Vorträge, aber auch Gelegenheiten zum Netzwerken. Im letzten Jahr fand es in Berlin statt, da hatte ich ausgesetzt, freue mich aber schon, dieses Jahr wieder dabei sein zu können, viele Freunde und Bekannte zu treffen und neue Leute kennenzulernen. Weiterlesen

Blogbeiträge nur teilweise anzeigen?

Ich spiele gerade mit dem Gedanken, die Blogeinträge, die bisher immer in voller Länge auf der Startseite angezeigt wurden, nur noch teilweise dort anzuzeigen, mit der Option, sie mit Klick auf »weiterlesen« komplett aufzuklappen.

Auf diese Weise könnte man sich einen schnelleren Überblick über meine letzten Blogeinträge verschaffen. Besonders bei längeren Artikeln muss man endlos scrollen, um bis zum nächsten zu gelangen. So gibt es einen bis drei Absätze als Anreißer, und wer mehr lesen möchte, muss einfach auf »weiterlesen« klicken.

Was meint ihr? Macht das den Blog übersichtlicher? Oder lieber doch alles auf die Startseite? Schaut es euch mal auf der Startseite an, habe das für die letzten Beiträge schon mal so eingstellt.

„Rocking the Forest“ von Cornelius Zimmermann

Slayer in the Jungle

Iggy ist ein Wolfmorf, der sich mit seiner Band verkracht und plötzlich, nur wenige Tage vor dem legendären Rocking the Forest Contest, ohne Kapelle dasteht. Also macht er sich auf – wie einst Al Bundy und seine No’Mam-Kollegen zu Iron Ed Hayes -, um sich Rat bei einem großen Weisen des Forst Dooms zu holen. Forest Doom ist die vorherrschende Musikrichtung im musikalischen Mützelwald, und ihr Hohepriester ist Blubb die Pfütze, der inzwischen am anderen Ende des Waldes in einer Gated Community unter Spießerkäfern wohnt. Für Iggy beginnt eine Odyssee durch die gefährlichsten Regionen des Mützelwaldes, in denen er den absonderlichsten und kuriosesten Wesen begegnet, die (zimmer)man sich vorstellen kann. Unterwegs muss er sich seinem größten Trauma stellen, verliebt sich hoffnungslos und begibt sich auf einen mörderischen Trip zwischen halluzinogenen Pilsporen. Und ab und zu rockt er einfach das (Baum)Haus.

Mit Funny Fantasy ist das so eine Sache, entweder heißt man Terry Pratchett, oder man hat als Autor in diesem Untergenre nicht viel zu lachen. Denn in kaum einem Untergenre muss man sich so sehr an dessen prominentesten Vertreter messen lassen. Dabei war Pratchett nicht mal der erste, der dieses Gebiet beackerte. Robert Aspirin und Piers Anthony begannen ungefähr zur gleichen Zeit, die Lachmuskeln ihrer Leser zu reizen, erreichten aber nie so ganz das Niveau Pratchetts (das er selbst auch erst später erreichte), an das meiner Meinung auch nur Walter Moers wirklich heranreicht, und ein paar vereinzelte Autoren mit einzelnen Werken (wie William Goldmann z. B. mit Die Brautprinzessin).

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Erscheinen zu viele Bücher? (Teil 2 von 2)

Hier geht es zum ersten Teil, der die Frage, ob zu viele Bücher erscheinen, aus Perspektive von Autorinnen und Verlagen behandelt. Im unten stehenden Beitrag versuche ich die Sicht des Buchandels, von Leserinnen, Blogerinnen/Rezensentinnen und Übersetzerinnen einzunehmen und blicke am Schluss noch mit einem Fazit auf die Gesamtlage und formuliere meine Theorie dazu.

Buchhandel

In den Buchhandel habe ich die wenigsten Einblicke, auch wenn ich mit ein paar Buchhändlern befreundet bin. Ich vermute, dass aus Sicht des Buchhandels zu viele Bücher erscheinen. Ganz einfach, weil es für sie immer schwieriger wird, einen Überblick über den Markt und die Neuerscheinungen zu behalten. Denn von den Buchhändlerinnen wird erwartet, dass sie mit den angebotenen Titeln vertraut sind, dass sie wissen, was alles neu erscheint. Eine Sisyphusarbeit.

Hinzu kommt noch, dass den Buchhandlungen immer wieder von Leserinnen vorgeworfen wird, den gesuchten Titel nicht vorrätig zu haben. In Diskussionen über den Buchhandel und seine Zukunft lese ich immer wieder, dass Leserinnen nicht mehr in die Buchhandlung gehen, weil sie dort das, was sie suchen, sowieso nicht finden. Geht mir übrigens auch oft so, aber ich finde auch gerne das, was ich nicht suche.

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Erscheinen zu viele Bücher? (Teil 1 von 2)

Auf Facebook und Twitter schrieb Karla Paul kürzlich:

Heute die ersten Mails zu den Herbstvorschauen erhalten und weine jetzt inmitten der teils noch ungelesenen Frühjahrsstapel leise vor mich hin. 100.000 Neuerscheinungen jährlich (ungefähr, Selfpublishing unklar), 3 Monate Zeit zum Abverkauf, noch vor ET Abschreibungstitel (und die Autor_Innen wissen nichts davon), auch das gehört zum Buchmarkt. Puh. Ich freue mich für jeden, der heute eine Chance auf Veröffentlichung erhält, aber hunderttausend Titel jedes Jahr, das ist einfach viel zu viel. Diese Massen will doch eigentlich keiner, und dass dann ein Großteil sogar vernichtet werden muss, totaler Wahnsinn!

Leider kann ich nicht auf den Beitrag und die wirklich hochinteressante Diskussion darunter, an der sich viele Profis aus dem Buchbereich beteiligen, verlinken. Vieles, was ich hier aufführe, wird dort auch erwähnt. Da müsst ihr auf Facebook einfach bei Karla Paul vorbeischauen.

Ausgehend davon werde ich versuchen in diesem Beitrag der Frage: Erscheinen zu viele Bücher? aus verschiedenen Perspektiven nachzugehen. Aus Sicht der Leserin, der Autorin, der Übersetzerin, des Verlages und des Buchhandels. Da der Text ziemlich lang geworden ist, teile ich ihn in zwei Blogeinträge auf. Los geht es mit der Perspektive der Autorinnen und der Verlage. Ich benutze inzwischen übrigens nur noch die weibliche Form als die allgemeine Form für beide Geschlechter, wenn keine konkrete Person gemeint ist.

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„Captain Future – Sternenstraße zum Ruhm“ von Edmond Hamilton erschienen

Gerade ist mit Sternenstraße zum Ruhm der sechste Band der Captain-Future-Neuauflage bei Golkonda in meiner Übersetzung erschienen. Bei Amazon gibt es bereits eine erste Besprechung von Torsten69:

Wie ich finde hat Edmund Hamilton hier eine sehr gute und spannende Geschichte geschrieben. Man merkt deutlich, dass er seinen Stil für die Geschichten rund um Captain Future endlich gefunden hat. Diese Geschichte beinhaltet zudem weniger Unglaubwürdiges und dafür mehr Faszinierendes – falls man das so ausdrücken kann. Fasziniert hat mich beispielsweise wieder einmal die phantasievolle Schilderung von außerirdischen Lebens, Landschaften und ähnliches – während zugleich viele Apparate dem des heutigen Zeitalters entsprechen, beispielsweise der »Televisor«.

Dass es so lange gedauert hat, bis der nächste Band erschienen ist, lag daran, dass sich der Golkonda Verlag einige Zeit im Limbus befand, bis er Anfang 2017 dann vom Europa Verlag gekauft wurde. Die neuen Besitzer und Programmgestalter waren wohl etwas überrascht von der starken Nachfrage der kleinen, aber loyalen Captain-Future-Fangemeinde. Im Mai soll Band 7 Der Marsmagier erscheinen. Ob und wie es danach weitergeht, weiß ich nicht.