Erschienen: „Die Maschine erwacht“ von Adam Christopher

Heute erscheint der von mir übersetzte Roman Die Maschine erwacht von Adam Christopher im neuen SF-Programm von Cross Cult. Dabei handelt es sich um den zweiten Teil der Spider-Wars-Trilogie. Wobei das keine Trilogie im Sinne einer fortlaufenden, zusammenhängenden Handlung ist. Man kann beide bisher erschienenen Bücher auch völlig unabhängig voneinander lesen.

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Band 1 Dunkelheit in Flammen ist SF-Horror in Richtung Alien und Event Horizon, der auf einer abgelegenen Weltraumstation spielt, auf der es unheimliche Vorkommnisse gibt. Die Maschine erwacht ist wiederum ein SF-Thriller um einen Ermittler im militärischen Umfeld, der das Attentat auf seinen obersten Befehlshaber aufklären muss.

Hier der offizielle Klappentext:

Als der alternde Flottenadmiral ermordet wird, vermutet Special Agent Von Kodiak, es wäre das Werk seines Nachfolgers gewesen. Doch als auch dieser ermordet wird, gerät alles aus den Fugen und Kodiak findet heraus, dass der Hauptverdächtige jemand aus seinen eigenen Reihen ist – ein PSI-Marine und ausgezeichneter Held – ein Held, der vor Monaten im Kampf gefallen war … Doch noch etwas anderes geht im Jovian-System vor sich. Sie sind hinterlistig und intelligent. Sie sind Maschinen und sie sind hungrig. Die Spinnen sind nicht mehr weit …

Beide Romane spielen im gleichen Universum, in dem die Menschheit einen Krieg gegen eine Maschinenrasse – die sogenannten Spinnen – führt, haben aber unterschiedliche Protagonisten. In Band 1 kommen die Spinnen aber nur am Rande vor. Band 2 – in dem die Ereignisse aus dem Vorgänger nur mal kurz erwähnt werden – spielt zu einem großen Teil auf der Erde und ist eine Mischung aus Ermittlungskrimi und rasantem Thriller, der im letzten Drittel gewaltige Dimensionen annimmt. Ein sehr spannendes Buch mit flotter Handlung und einigen sehr interessanten Ideen.

Aufgrund der oben genannten neuen Ausrichtung kann man Die Maschine erwacht auch lesen, wenn man Dunkelheit in Flammen nicht gelesen hat oder es einem nicht gefallen hat.

Meine Lektüre Juli/August 2015

Juli
37. Joe R. Lansdale – Blutiges Echo
38. Preston/Child – Attack
39. André Marx – Die drei Fragezeichen und das versunkene Schiff
40. Don Winslow – Das Kartell
41. Ramez Naam – Nexus
42. Jonathan Strahan (Hrsg.) – Best SF and F of the Year

August
43. Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe
44. Peter Hessler – Orakelknochen

Juli

Joe R. Lansdale – Blutiges Echo

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Dem schluffigen Studenten in dieser Geschichte ergeht es ebenso wie der jungen Frau in meiner Juni-Lektüre Ich sehe was, was niemand sieht: Er hat Visionen, geht aber nicht zum Arzt – das heißt, seine Eltern waren durchaus mit ihm beim Arzt, der im aber nicht glaubt. Also hat er sich mit seinem Leiden arrangiert und meidet Orte, an denen Böses geschehen ist, da er, wenn er sich an solchen befindet, ausgelöst durch Geräusche, Gerüche oder sonst was, die Verbrechen sieht, die dort stattgefunden haben. Dabei folgt er der allgemein gebräuchlichen Vermeidungsstrategie, in dem er sich in den Suff stürzt. Auf einer seiner Sauftouren lernt er einen alternden ehemaligen Kampfsportlehrer kennen, der ebenso dem Suff zugetan ist, die ganze Lage aber etwas entspannter und reflektierter sieht. Man tut sich zusammen und versucht ein altes Verbrechen aufzuklären, wobei man sich nicht nur mit bösen Kerlen anlegt, sondern auch mit der Polizei.

Wieder einmal ein lesenswerter Südstaatenroman von Lansdale, um einen jungen Mann, der einige Hindernisse überwinden muss, um im Leben auf die richtige Bahn zu geraten. Spannend, stimmungsvoll und unterhaltsam. Vielleicht nicht sein bester Roman (da zähle ich eher Kahlschlag und Ein feiner dunkler Riss zu), aber ein guter, in ausgezeichneter Übersetzung von Heide Franck.

Douglas Preston und Lincoln Child – Attack

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Der neue Pendergast. Der erste, nach der Trilogie um seine Frau Helen, die im letzten Band leider etwas arg absurde Züge angenommen hat. Eine Entwicklung, die für die Pendergast-Reihe leider symptomatisch ist. Um so erfrischender ist das relativ bodenständig geraten Attack, in dem es Pendergasts Schützling Corrie in eine zugeschneite Bergstadt in Colorado verschlägt, wo sie mit ihren Ermittlungen – die eigentlich nur als Studiumsprojekt gedacht waren – in ein Wespennest stößt. Die Verwicklungen gehen bis zu einem USA-Besuch von Oscar Wilde und einem Treffen mit Arthur Conan Doyle zurück, was zu einer netten Hommage an Sherlock Holmes führt. Für mich der beste Pendergast seit vielen Bänden.

Auf dem Cover der deutschen Fassung prangt aus mir unerklärlichen Gründen eine Wespe. Das Buch spielt in den verschneiten Bergen Colorados bei Minus 10 Grad. Im gesamten Buch kommt nicht eine einzige Wespe vor!

André Marx – Die drei Fragezeichen und das versunkene Schiff

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Der erste Drei-Fragzeichen-Roman von André Marx, der aber dann für viele Jahre in der Schublade verschwand. Liest sich ganz nett, aber leider führt der Titel etwas in die Irre und weckt falsche Erwartungen.

Don Winslow – Das Kartell

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Überragende Fortsetzung seines Meisterwerks Tage der Toten und die Fortführung des Duells zwischen dem Drogenfahnder Max Keller und dem mexikanischen Drogenbaron Adan Barrera (der stellvertretend für den echten El Chapo steht). Noch düsterer, noch brutaler, noch näher an der grausamen Wirklichkeit dran, als der Vorgänger – eine deprimierende Dystopie über einen gescheiterten Staat, die schon längst Realität geworden ist.

Ramez Naam – Nexus

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Recht spannender SF-Roman über eine Droge, die das Gehirn zum Computer werden lässt. Beginnt relativ langsam mit einigen tollen Ideen, artet im letzten Drittel aber zu sehr in ein sinnloses und brutales Actionspektakel aus, bei dem die ursprüngliche Idee zu sehr in den Hintergrund rückt. Trotzdem sehr lesenwert.

Jonathan Strahan (Hrsg.) – Best SF and F of the Year

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Dazu gibt es im SF-Netzwerk einen Lesezirkel, in dem ich mich zu den einzelnen Geschichten geäußert habe. Insgesamt eine gute Sammlung, in der mir aber die wirklich visionären Geschichten fehlen. Handwerklich sind alle ausgezeichnet, inhaltlich und sprachlich gibt es einige Highlights, aber nichts, was mich so richtig aus den Socken gehauen hat.

August

Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe

Krauss

Schafft es unter den 46 Büchern, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe locker in die Top 2 (das andere Buch ist Die Unvollendete von Kate Atkins). Krauss hat eine wunderbar kauzige und komplexe Geschichte um den höchst sympathischen Kauz Leon Gursky geschrieben, den ich bereits auf der ersten Seite mit Begeisterung und viel Gelächter ins Herz geschlossen habe. Die Geschichte ist ziemlich verschachtelt und spielt zeitlich auf verschiedenen Ebenen, bei denen fast bis zum Schluss nicht klar ist, wie sie miteinander zusammenhängen. Aber am Ende fügt sich alles stimmig zusammen. Ein sprachlich und erzählerisch herausragendes Meisterwerk in exzellenter Übersetzung von Grete Osterwald.
Peter Hessler – Orakelknochen

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Dazu gibt es hier im Blog eine Besprechung.

Phantastische Netzstreifzüge 45

Wie wird eigentlich ein Roman übersetzt? – Übersetzerin Kerstin Fricke (die auch phantastische Literatur und Computerspiele übersetzt) berichtet auf ihrem Blog Die Wortspielerin darüber, wie bei ihr die Übersetzung eines Romans abläuft. Bei mir sieht das ganz ähnlich aus, nur dass mir die Lektorinnen noch nicht die Bude mit Anfragen einrennen. Die zu übersetzenden Romane lese ich auch nicht immer vor Beginn der Übersetzung. Bei Sachen, die sprachlich etwas nervig oder anstrengend sein können (wie z. B. Captain Future), trägt die Neugier darauf, wie es weitergehen soll, einen deutlich Motivationsschub bei, um konsequent weiterzuarbeiten. Die lektorierte Fassung und/oder die Korrekturfahnen bekomme ich auch nicht von allen Verlagen vor Publikation zu Gesicht. Was in Ordnung ist, wenn ich es vorher weiß und mich darauf einstellen kann. Bevor ich einen Auftrag annehme, schaue ich mir das zu übersetzende Buch aber auf jeden Fall an, damit ich auch weiß, worauf ich mich da einlasse. Anders ist es auch schwierig, abzuschätzen, wie lange man für die Übersetzung (je nach Schwierigkeitsgrad) brauchen wird und ob das Honorar auch für den Aufwand angemessen ist.

A History of Epic Fantasy – Adam Whitehead gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Phantastikbloggern im englischen Sprachraum. In den letzten Jahren ist es auf seinem Blog (aus beruflichen Gründen) etwas stiller geworden. Aber in den letzten Wochen hat er dort eine tolle Artikelserie gestartet, in der er die Geschichte der epischen Fantasy erzählt. Aktuell ist er bei Teil 10 und in den 80er Jahren angekommen. Obwohl ich seit 20 Jahren Fantasy lese und über ein relativ gutes Genrewissen verfüge, habe ich dort noch einiges Interessantes lernen können. Wer des Englischen halbwegs mächtig ist und sich für Fantasyliteratur interessiert, sollte sich die Artikel auf jeden Fall einmal ansehen. Auf Deutsch ist mir ein ähnliches Projekt bzw. eine ähnliche Übersicht über das Genre nicht gekannt.

Rereading Shannara – Aidan Moher hat auf tor.com einen Reread von The Elfstones of Shannara (Die Elfensteine von Shannara) gestartet. Normalerweise sind mir diese Rereads zu detailliert, da jedes Kapitel ausführlich besprochen wird, aber weil ich das Buch selbst gerade erst gelesen habe (dazu wird es noch einen eigenen Blogeintrag geben), finde ich Mohers Analyse sehr interessant. Es ist wirklich erstaunlich, wie aufmerksam er den Text liest und wie ausführlich er auch einzelne Sätze analysiert. Ich habe das Buch wohl etwas zu schnell gelesen, so dass mir einige wirklich tolle Feinheiten entgangen sind.

The Elfstones of Shannara ist der zweite Teil der Shannara-Reihe von Terry Brooks, kann aber eigenständig gelesen werden, da er 50 Jahre nach Band 1 spielt. Allerdings gibt es zahlreiche Anspielungen auf den Vorgänger, dessen Geschichte aber ausführlich erwähnt wird, so dass man inhaltlich mitbekommt, was damals passiert ist. The Sword of Shannara erschien 1977 bei Del Rey und war ein großer Erfolg, der eine neue Ära im Fantasygenre einleitete. Obwohl (oder vielleicht auch weil) es sich um eine ziemliche dreiste Tolkien-Kopie handelte, die aber sehr unterhaltsam geschrieben ist. Ich habe Band 1 vor ca. 15 Jahren gelesen und genauso in Erinnerung behalten. Die deutsche Fassung des im Original mit knapp über 400 Seiten nicht gerade dicken Buchs hat man tatsächlich in 3! dünne Bände gesplittet, und es dabei noch geschafft, sie mit einer leserunfreundlichen kleinen Schrift zu bedrucken. Bei den Elfensteinen lief es ähnlich ab. Der erste Splittband steht bei mir auch schon seit 15 Jahren im Regal, aber ob ich ihn mal gelesen habe, weiß ich nicht. Als ich jetzt die englische Fassung gelesen habe, kam mir nichts bekannt vor.

Auch Mistkaeferl hatte sich vor einigen Jahren auf der Bibliotheka Phantastika an einen Reread gewagt und war positiv überrascht, wie gut sich die Geschichte gehalten hat.

Terry Brooks hat mit diesen beiden Büchern der epischen Fantasy eine neue Richtung gegeben, der dann erfolgreiche Autoren wie Dave Eddings, Raymond Feist und viele andere folgten.

Im Januar 2016 läuft auf MTV die Serienverfilmung von The Elfstones of Shannara an, und die bisherigen Trailer sehen gar nicht so schlecht aus.