Meine Lektüre November 2017

Candice Fox – Hades

Auf cool getrimmter australischer Thriller mit interessanten Hauptfiguren, den ich aber nicht ganz spannend und tiefgehend empfunden habe wie mancher Feuilletonrezensent. Aber interessant, mal einen Thriller aus Australien zu lesen, der auch dort spielt. Übersetzt von Anke Caroline Burger.

Verena Maria Kallmann – Von Elise

Seit dem Harry Potter-Band mit Dolores Umbridge war ich während der Lektüre nicht mehr so durchgehend auf 180 wie bei diesem Roman, der auf bewegende, teils aber auch kitschige Weise aus dem Leben zweier Frauen erzählt, denen Musik fast alles bedeutet. Geschickt verbindet die Autorin eine Gegenwartshandlung um die Violonistin Valerie, die in Paris unter einer tyrannischen Konzertmeisterin zu leiden hat, mit den Tagebucheinträgen ihrer Vorfahrin Elise, die ihren Mann im Ersten Weltkrieg verloren hat. In schlichtem aber elegantem Stil verfasst, manchmal ein wenig zu viel des Guten, was schicksalshafte Fügungen und Zufälle angeht, aber was soll’s ich stehe darauf, wenn es etwas kitschig und rührselig wird.

Albert Sánchez Piñol – Pandora im Kongo

Ähnliche furiose Räuberpistole wie Felix J. Palmas (auch ein Spanier) Die Landkarte der Zeit, dabei eine tolle (aber auch kritische) Hommage an die Schundliteratur des frühen 20. Jahrhunderts. Toll geschrieben, toll übersetzt (von Charlotte Frei). Erzählt einerseits eine tolldreiste Abenteuergeschichte im Kongo, andererseits die Leiden eines jungen Groschenheftautoren, der irgendwann im Ersten Weltkrieg landet und epische Schlachten mit einer panzerlosen Schildkröte führt.

Stephanie Buttland – Ich treffe dich zwischen den Zeilen

Dachte erst, das wird so ein oberflächlicher Hippsterroman, doch dann entwickelt sich die Geschichte um die junge Loveday, die beim kauzigen Archie im Antiquariat arbeitet, zu einer bewegenden Familiengeschichte ohne den üblichen Kitsch. Solide geschrieben und gut übersetzt von Maria Hochsieder-Belschner

Jesmyn Ward – Sing, Unburied, Sing

Packendes Unterschichtenporträt in den Südstaaten der USA, das gerade den National Book Award gewonnen hat. Vor allem sprachlich ein Fest, mit tollem Slang der Ich-ErzählerInnen. Verbindet den Rassismus des amerikanischen Justizsystems nach dem Zweiten Weltkrieg mit den aktuellen Lebensverhältnissen der Nachfahren. Geister spielen auch eine Rolle, aber keine gruselige, mehr eine metaphorische.

Barbara – Es war einmal ein schwarzes Klavier … unvollendete Memoiren

Wer sich für das französische Chanson interessiert (wie ich z. B.), kommt an dieser fragmentarische, aber teils trotzdem sehr detailreichen Autobiografie einer faszinierenden Frau nicht vorbei. Liest sich in der Übersetzung von Annette Casasus sehr elegant.

Jean-Paul Didierlaurent – Die Sehnsucht des Vorlesers

Liest sich sehr, als hätte der Autor versucht, die fabelhafte Welt einer männlichen Amelie zu erschaffen (es gibt sogar einen Goldfisch, der suizidal aus seinem Behälter springt; und durch ein gefundenes Objekt – USB-Stick statt Fotoalbum – angeregt, begibt sich der Protagonist auf die Suche nach einer potenziellen Liebe). Das liest sich stellenweise ganz nett, weil er ein paar gute Ideen hat, für mich passt es in der Summe aber nicht wirklich zusammen. Die Herzlichkeit, die Schrulligkeite, das wirkt alles sehr aufgesetzt. Die 222 Seiten der deutschsprachigen Ausgabe sind dank doppeltem Zeilenabstand und vielen Seitenumbrüchen eher eine gestreckte Novelle, der aber die kompakte Stimmigkeit fehlt. Übersetzt von Sonja Finck.

Was macht für mich einen guten Science-Fiction-Roman aus?

Ein befreundeter Science-Fiction-Autor fragte in kleinem Kreis, was für uns einen guten SF-Roman ausmache. Was es an Zutaten bräuchte, dass uns ein SF-Roman besonders ansprechen würde. Welche Erwartungen wir hätten. Meine Antwort ist etwas länger geworden, und so habe ich einen Blogeintrag daraus gemacht.

Ich glaube nicht, dass ich die Frage zur Zufriedenheit des Fragestellers beantworten kann. Mir kommt es in erster Linie nicht auf die inhaltlichen Elemente an, sondern vor allem darauf, wie die Geschichte erzählt wird. Und das kann ich am Besten nur anhand von Beispielen erklären. Indem ich darauf eingehe, was mir an meinen Lieblings-SF-Büchern so gefällt.

Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger

Zeitreisen sind eigentlich ein ausgelutschtes Thema, aber Niffenegger schafft es trotzdem, daraus eine originelle und bewegende Geschichte zu machen. Der Protagonist leidet an einem Gendefekt, der ihn vorübergehend und unangekündigt in der Zeit zurückreisen lässt, wo er immer wieder derselben Frau (zunächst ist sie noch ein Mädchen) begegnet, aber eben in unterschiedlichen Jahren und nicht in chronologischer Reihenfolge. Später heiraten sie und es kommt zu dramatischen Entwicklungen. Das alles wird unheimlich bewegend und anrührend geschildert. Und genau das, macht es für mich zu einem besonderen Buch, die Grundidee mit den Zeitsprüngen ist originell und ansprechend, die hat mich das Buch kaufen lassen, aber erobert hat es mit über Emotionen, die für mich auch maßgeblich über den Stil transportiert werden.

Ein gutes Beispiel dafür ist Blumen für Algernorn von Daniel Keyes (Spoiler in diesem Absatz). Da geht es um einen Ich-Erzähler (Charly) von verminderter Intelligenz, was sich durch die vielen Rechtschreibfehler und die einfache Sprache zeigt. Der nimmt dann an einem Experiment teil, durch das seine Intelligenz immer weiter ansteigt, gleichzeitig werden seine Rechtschreibfehler weniger, die Sätze werden länger und komplexer, ebenso seine Gedanken. Der emotionale Dreh kommt, als sich bei der Maus (Algernorn), an der das Experiment zuerst getestet wurde, Anzeichen bemerkbar machen, dass die Intelligenz wieder zurückgeht. Wodurch Charly, inzwischen hochintelligent, weiß, dass er wieder »dümmer« wird, die Tragik dieses Prozesses kündigt sich durch seinen Schreibstil an.

Ein weiteres meiner Lieblingsbücher ist Bedenke Phlebas von Iain Banks, eine rasante und actionreiche Space Opera, deren Besonderheit im von Banks erschaffenen Kultur-Universum liegt, wo künstliche Intelligenzen im Prinzip alles übernommen haben und das Leben der Menschen und anderer Wesen sanft steuert (siehe diesen Artikel über den revolutionären Optimismus im Kultur-Universum). Dazu kommen einfach sympathische und coole Figuren sowie ein gewisser Sense of Wonder, der mir bei Weltraum SF wichtig ist. Ideen, die ich so woanders noch nicht gelesen habe. Was nicht heißt, dass sie neu sein müssen, da ich ja nicht alle existierenden SF-Geschichten gelesen habe. Aber sie sollten zumindest so selten sein, dass sie mir eben noch nicht in dieser Form begegnet sind.

In Robert Charles Wilsons Spin (hier meine Besprechung) beobachten drei Kinder ein faszinierendes und weltbewegendes Ereignis: eines Nachts verschwinden die Sterne. Das ist die Ausgangslage des Romans, doch erzählt wird die Geschichte über die massiven gesellschaftlichen Auswirkungen und Hintergründe dieses Ereignisses anhand der Biografie dieser drei Kinder. Wilson präsentiert die faszinierende Idee nicht mit dem Holzhammer, sonder bettet sie in eine bewegende Familiengeschichte ein. Und genau das macht den Roman für mich so besonders.

Aber gutes Buch heißt ja nicht gleichzeitig auch Lieblingsbuch. Es gibt auch Bücher, die ich für gut halte, obwohl sie mir persönlich aus unterschiedlichen Gründen nicht gefallen haben, oder die ich eben nur als gut bezeichne, ohne dass dabei meine Augen vor Begeisterung leuchten.

Ben Bovas Mars behandelt zum Beispiel auf faszinierende, realistische und nachvollziehbare Art den Versuch einer Marsbesiedelung. Das hat mich thematisch angesprochen, weil ich eben von der Raumfahrt und der dahintersteckenden Wissenschaft fasziniert bin. Stilistisch ist routiniert erzählt, hat mich aber jetzt keine Luftsprünge machen lassen. Dafür verleiht Bova aber seinen Figuren durch Flashbacks einiges an Persönlichkeit, die sie für mich interessant und lebendig machen.

Themen und Zutaten können ein Grund sein, warum ich mir ein Buch genauer ansehe, ein Grund, es mir zu kaufen. Aber um mich so richtig für sich gewinnen zu können, muss mir das Buch Figuren mit Tiefe bieten, muss originell und/oder mitreißend erzählt werden, muss Emotionen transportieren. Deshalb gefallen mir zum Beispiel Heftromane nicht, die oft (zumindest in den Beispielen, die ich gelesen habe) ganz auf die Handlung fixiert sind, in einem normierten Stil und Satzbau, ohne den Figuren Raum für Tiefe zu geben.

Ein aktuelles Beispiel ist Becky Chambers Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (hier meine Besprechung). Das konnte mich total begeistern, obwohl es keine originelle Grundhandlung hat. Da fliegt ein Tunnelbauschiff von A nach B und erlebt unterwegs ein paar mehr oder weniger aufregende Abenteuer. Was das Buch für mich und auch für viele LeserInnen (hat sich bei Fischer Tor dank Mundpropaganda zu einem Longseller entwickelt) besonders macht, sind die liebenswürdigen Figuren und ihr durchaus konfliktreiches Miteinander. Chambers hat auf diesem Tunnelbauschiff einen grundsympathischen Mikrokosmos geschaffen, in dem ich einfach gerne Zeit verbringe. Das war zur Abwechslung mal Wohlfühl-SF.

Anspruchsvolle und intellektuell herausfordernde Science Fiction, wie sie zum Beispiel Neal Stephenson oder Dietmar Dath schreiben, in die sie viele mathematische, philosophische und physikalische Konzepte und Ideen packen, finde ich auch überaus faszinierend und lese sie gerne, aber bei meinen Lieblingsbüchern landen sie eher selten.

Das war jetzt sicher nicht das, was der Fragesteller hören wollte, aber anders kann ich die Frage, was für mich ein gutes SF-Buch ausmacht, nicht erklären. Für mich als Leser ist die Science-Fiction nur ein Genre von vielen. Ich lese auch gerne Fantasy, Thriller, historische Romane, Klassiker, allgemeine Belletristik und Sachbücher. Und was für mich das Wichtigste ist, ist der Stil des Autors, seine Erzählstimme, die Art, zu erzählen. Wenn mich das nicht anspricht, breche ich schnell ab. Ist das aber vorhanden, lese ich auch Bücher, die mich rein vom Thema her nicht interessiert hätten.

Ein großer Pluspunkt kann es auch sein, wenn ein Buch nicht meinen Erwartungen entspricht. Wenn es mich überrascht. Ist doch langweilig, wenn man immer nur das bekommt, was man erwartet. Ich will überrascht und aus den Socken gehauen werden.

Im Idealfall ist es ein abgeschlossener SF-Roman. Vor einiger Zeit habe ich mit erstaunen festgestellt, dass keine angefangene SF-Reihe oder Serie in meinem Bücherregal über Band 3 hinausgeht, weshalb ich sie inzwischen auch kaum noch anfange, wenn schon feststeht, dass es Fortsetzungen geben wird. Ich brauche Abwechslung. Deshalb lese ich auch selten zwei Bücher aus einem Genre hintereinander.

Manche Bücher haben aber auch einfach das Pech, dass ich sie zum falschen Zeitpunkt anfange und einfach nicht in der Stimmung bin, um mich auf sie einzulassen. Andersherum kann es auch passieren, dass mir ein Buch besser gefällt, weil ich gerade durch einen Film, einen Artikel oder sonst was auf ein bestimmtes Thema Lust bekommen habe. Passiert mir gelegentlich mit Archäologiethrillern oder Sachen Richtung Dan Brown oder anderen Abenteuergeschichten.

Manchmal möchte ich auch was lesen, was mich an die Leseerlebnisse der Kindheit erinnert, da spielt dann bei der Wertung auch ein gewisser Nostalgiefaktor eine Rolle, wenn es dem Buch gelingt, mich emotional in eine passende Stimmung zu bekommen. Was aber eher selten passiert. Wenn, lese ich lieber noch mal die Bücher von damals, die dann aber außer Konkurrenz laufen, weil ich bestimmte Erinnerungen mit ihrer Lektüre verknüpfe.

Ich würde mich aber auch nicht zum typischen SF-Leser zählen, der vor allem in diesem Genre liest. Wie viel SF ich lese, schwankt von Jahr zu Jahr, aber selten macht sie mehr als 20% der Bücher eines Jahres aus. In diesem Jahr waren bisher 7 von 60 Büchern Science Fiction.

Insofern kann ich keine klaren Zutatenwünsche für einen guten SF-Roman liefern, der meinen Ansprüchen genügt. Das ist jedes Mal eine neue, individuelle Entscheidung, die von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt.

Musik, die mich in diesem Jahr inspiriert und bewegt hat

Über meine Lieblingsmusik habe ich hier ja schon mal gebloggt, ebenso über Musik, die ich gerne beim Übersetzen höre. Ob es am Alter liegt, oder am Musikmarkt? Jedenfalls kommt nur wenig neue Musik dazu. Doch in diesem Jahr habe ich so einige Musikerinnen für mich entdeckt.

Im letzten Jahr war es vor allem die Musik von ZAZ, die mich inspirierte und beflügelte. Zweimal habe ich sie live gesehen, Open Air in Köln und im Winter dann in Frankfurt:

In diesem Sommer lief bei mir vor allem die Musik der Schwedin Karin Dreijer Andersson mir ihren diversen Musikprojekten rauf und runter. Den Anfang machte das von ihr gesungene What Else Is There von Röyskoop, das mich mit seiner düster-melancholischen Atmosphäre gebannt hat (Dreijer Andersson sieht man übrigens erst später im Video in dem elisabethanischen Kostüm).

Das kenne ich zwar schon seit Erscheinen, ebenso wie Fever Ray, aber gefunkt hat es erst in diesem Jahr. Fever Ray ist das Soloprojekt von Andersson, das nach der Veröffentlichung des selbstbetitelten Debütalbum ziemlich erfolgreich wurde, die Songs liefen in diversen Filmen und das atmosphärisch dichte If I Had A Heart wurde die Titelmusik der ausgezeichneten Serie Vikings. Einer meiner Favoriten ist das ebenso stimmungsvolle Keep The Streets Empty For Me.

Es dauerte etwas, bis ich mich an Anderssons leicht knatschige Stimme gewöhnte, aber sie passt auch gut zu den originellen Songs, deren Sounddesign sie auch selbst übernimmt, und ist eine angenehme Abwechslung zu dem inzwischen üblichen Autotune-Gejaule. Das Projekt ist eine Art Gesamtkunstwerk, in dem die Künstlerin ausschließlich in aufwendigen Kostümen auftritt. Aktuell ist hier zweites Album Plunge erschienen (da bin ich noch skeptisch, wie es mir gefallen wird).

Eine Musikerin, die ihre Songs ebenfalls selbst textet und komponiert, ist die Französin Émilie Simon, die ich erst in diesem Jahr beim zappen auf TV5 Monde entdeckte. Dabei hätte ich ihre Musik aus dem Film Die Reise der Pinguine kennen können, für den sie den Soundtrack komponiert hat. Ihr Sound ist unverkennbar, eine Mischung aus Trip-Hop, Pop und Chanson, die Stimme ganz zart. Simone bietet wunderbare Klangwelten abseits von Mainstreampop. Mit Végétal hat sie ein komplettes Album über Blumen aufgenommen.

Ebenfalls aus Frankreich kommt Fishbach, die ich diesen Sommer zufällig entdeckte. Die Single Une autre que mois ist ein bisschen 80er-Jahre-Retropop, gefällt mir aber trotzdem ausgezeichnet.

Ebenso das auf arabisch gesungene Un beau langage (Ajmal Logha).

Und noch mal Frankreich. Gaëtan Roussel kannte ich bisher nur als Sänger von Louise Attaque, die ich seit meiner Zeit im Studentenwohnheim gerne höre. Sein aktuelles Projekt heißt Lady Sir, zusammen mit der Sängerin Rachida Brakni. Le temps passe ist eine schön melancholische Ballade über das (oder die?) Vergehen der Zeit.

Blue Light von Kelela ist so ein Beispiel für ein Lied, das mir eigentlich gefallen würde bei dem ich den Autotune-Sound aber nervig finde.

Viele Musikerinnen, deren Alben eher seicht auf Mainstream produziert werden, hören sich live viel besser an. Wie z. B. Alicia Keys.

Wie sieht es bei euch aus? Welche Musik hat euch dieses Jahr besonders beeindruckt und bewegt?

Kurzkritiken zu Filmen (November 2017)

Lion

Rührstück über einen kleinen indischen Jungen, der im falschen Zug einschläft und seine Mutter erst 25 Jahre später wiedersieht. Vor allem der erste Teil über die Odyssee des Kleinen ist eindrucksvoll geworden, im zweiten Teil bei der Suche des erwachsenen Saroo – der von einer australischen Familie adoptiert wurde – nach seiner Heimat, drückt die Inszenierung ein wenig zu offensichtlich auf die emotionalen Knöpfe des Zuschauers – unter anderem durch den Einsatz des Klavierspiels von Hauschka. Trotzdem ein toller Film.

I, Daniel Blake

Großartiges Sozialdrama über die Perversität und Unmenschlichkeit unserer Sozialsysteme und Behörden. Könnte auch in Deutschland spielen. Mit einer grundsympathischen Hauptfigur; Ken Loach in Höchstform.

Paterson

Über einen dichtenden Busfahrer namens Paterson, der in der Stadt Paterson wohnt. Jener Stadt, die einst den berühmten amerikanischen Kinderarzt und Poeten William Carlos Willams beherbergte, der seiner Frau so ein wunderbares Gedicht schrieb, als er ihr die Pflaumen wegaß. Im Prinzip passiert nicht viel in dem Film, und genau das ist Jim Jarmuschs Stärke, die Banalität und Schönheit des Alltags hat er hier wunderbar lyrisch festgehalten.

Just la Fin du Monde (Einfach das Ende der Welt)

Ausgezeichnetes und hochkarätig besetztes Familiendrama von Xavier Dolan über die Unfähigkeit von Familien, sich die wirklich wichtigen Dinge zu sagen. Spielt an einem Nachmittag, und wirkt doch trotz seiner Kammerspielartigkeit (basiert auf einem Theaterstück) episch.

Manchester by the Sea

Bewegendes Familiendrama mit tollen Darstellern, dessen Tragik sich sehr subtil während der ruhigen Inszenierung entfaltet.

Nocturnal Animals

Geschickt inszeniertes Beziehungsdrama, dessen Fiesheit sich erst ganz zum Schluss erschließt. Allerdings auch sehr sperrig und wenig zugänglich.

The Witch

Sehr eigenwilliges Gruseldrama in puritanisch karger Kulisse der ersten europäischen Kolonisten in Nordamerika, das gängige Sehgewohnheiten unterläuft.

The Wicker Man

Ungewöhnlicher Horrorthriller vor märchenhafter Kulisse mit ganz toller Musik und einer schrägen aber wirksamen Dramaturgie. Habe die kürzere Kinofassung gesehen. Das Original natürlich, nicht das Remake mit Nicholas Cage.

Auch gesehen habe ich die routinierten und unterhaltsamen Actionthriller John Wick 2 und Jack Reacher 2.

Ins Kino komme ich leider kaum noch (zuletzt Dunkirk im August). Bei mir in der Nähe läuft leider nur der übliche Blockbuster-Mainstreamkram. Und auch alles nur in deutscher Synchro. Nix für mich.