Serienempfehlung: Years and Years

Die meisten Near-Future-Serien scheitern daran, eine emotionale Bindung zum Zuschauer zu schlagen (siehe zuletzt The Feed). Sie konzentrieren sich zu sehr auf einen bestimmten technischen oder dystopischen Aspekt, der zu viel Raum einnimmt und das Setting kalt und distanziert wirken lässt. Was fehlt, sind emotionale Bezugspunkt für die Zuschauer. Years and Years gelingt das Kunststück mit Bravour. Auch, wenn man sich in den ersten Minuten noch in seichten Gefilden á la Eastenders wähnt, ist man schnell Teil dieser herzlichen Familien, in der die vier Geschwister, die von ihrer Oma großgezogen wurden, mit ihrem Anhang per moderner Technik in Telefonkonferenzen in engem Kontakt bleiben und sich jährlich zu Feierlichkeiten im Großelternhaus treffen.

Der große Knall, der die im Jahr 2019 beginnende Handlung auf eine ganz andere Ebene hebt, kommt gegen Ende der ersten Folge. Doch da hat mich die Serie so gepackt, dass ich sie innerhalb kürzester zeit durchgebingt habe.

Über fünfzehn Jahre begleiten wir die britische Familie Lyons dabei, wie sie sich mit den teils drastischen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, sozialen Verwerfungen und dem technischen Fortschritt herumschlagen müssen, bis sie schließlich unter dramatischen Umständen ums nackte Überleben kämpfen. Dabei kommt es immer wieder zu Black-Mirror-Momenten im besten Sinne, aber immer ganz beiläufig und natürlich in die Handlung eingeflochten. Für den obligatorischen bitterbösen britischen Humor sorgt Emma Thompson als populistische Politikerin á la Trump.

Homosexualität, Diversität, Transhumanismus, soziale Segregation, Ausbeutung, Flucht, Populismus, gewaltsame Revolutionen in demokratischen EU-Staaten, Verfolgung, Atomschläge, Pandemien – sieht man diese Liste, die man noch gut weiterführen kann, könnte man meinen, die Serie, mit ihren nur sechs Folgen, sei thematisch völlig überfrachtet. Ist sie aber nicht. Alles sind Puzzleteile, die ein stimmiges Gesamtbild führen, das einen beeindruckenden und vor allem beängstigend realistisch Blick auf die nächsten fünfzehn Jahre wirft.

Russell T. Davis (Schöpfer des Doctor Who-Revivals) nimmt ganz aktuelle Entwicklungen vom Brexit, antidemokratischen Strömungen und sozialen Verwerfungen und extrapoliert sie ganz behutsam konsequent aus Perspektive einer einzigen Familie und deren Umfeld. Er bleibt stets in der Mikroperspektive, das Weltgeschehen erfahren wir nur aus den Nachrichten und sozialen Medien.

Doch das Herzstück der Serie ist die Familie mit ihrer Dynamik und die Entwicklung der einzelnen Familienmitglieder zueinander über fünfzehn Jahre. Durch deren Augen erleben wir die Zukunft, die für sie einige schöne aber auch viele dramatische bis tragische Entwicklungen bereithält.

Das alles ist so fulminant und mitreißend inszeniert, wie es nur wenigen Serien in den letzten Jahren gelungen ist. Auf der Liste der 50 besten Serien 2019 des Guardian ist Years and Years auf Platz 4 direkt hinter Succession, Fleabag und Chernobyl gelandet, und das zurecht (wobei ich Chernobyl auf Platz 1 gesetzt hätte).

Aber Vorsicht, aufgrund der aktuellen Pandemie und deren gesellschaftlichen Folgen, ist die Serie momentan sicher nicht für alle geeignet, da sie ja doch ein wenig Angst vor der Zukunft macht. Und Angela Merkel sollte sie besser auch nicht sehen. 😉

Years and Years lief vor einem Jahr bei der BBC, bei uns ist sie seit Anfang des Jahres auf dem Streamingdienst Starzplay verfügbar. Abonniert man den Channel bei Amazon bis zum 31. März, zahlt man die ersten drei Monate jeweils nur 1 Euro pro Monat (jederzeit kündbar). Und Starzplay hat noch eine Menge andere großartige Serien wie Vida, Sweetbitter, Counterpart, Mr. Mercedes oder Black Sails im Angebot.

Serien und Filme Februar 2020

Wie immer gilt, es werden nur Serien aufgeführt, die ich auch im Februar beendet habe. Von Altered Carbon habe ich die letzte Folge z. B. erst am 1. März gesehen, womit die Serie erst im nächsten Monat gelistet wird.

Serien

Bad Banks S02 7/10
Pastewka S10 8/10
Succession S01 7/10
This is Us S03 9/10
Ares 9/10

Das Maß aller Dinge in Sachen Serien und Erzählkunst ist für mich aktuell auch in der dritten Staffel noch This Is Us. Ausgerechnet eine Networkserie (NBC), die aber kunstvolles und emotionales Erzählen mit einer bodenständige (Familien-) Geschichte verbindet. Mit den Pearsons verbringe ich einfach gerne Zeit, und jetzt erfährt man auch mehr über die eingeheirateten Mitglieder und deren Familien sowie Jacks Zeit in Vietnam und seinen Bruder Nicky.

Pastewka ist nach einer schwachen neunten Staffel der gelungene Abschluss der über weite Strecken großartigen und witzigen Serie. Hat genau den richtigen Ton getroffen.

Succession ist wirklich toll geschrieben, aber zu geradlinig inszeniert. Doch was als Klischeegeschichte über eine versnobte Milliardärsfamilie beginnt, die sich um den großen familieneigenen Medienkonzern zofft, bekommt mit jeder Folge mehr Tiefgang.

Bad Banks ist ein ordentliche Fortsetzung der ersten Staffel, kommt aber in Sachen Spannung und Intensität nicht ganz an diese heran. Dafür wiederholt sich zu viel und ist manches auch zu konstruiert.

Ares dürfte eigentlich, objektiver gesehen, nur 7/10 Punkten erhalten, aber da ich alle acht (halbstündigen) Folgen am Stück durchgesehen habe (was sonst nur selten bei mir passiert), wäre das eine zu schwache Wertung. Die Serie hat bei mir genau die richtigen Knöpfe gedrückt und meine Vorlieben in Sachen Verschwörungen und Geheimgesellschaften getroffen, bekommt aber am Ende noch einen schönen Twist in Richtung niederländischer Kolonialismus-Kritik im Stile von Jordan Peele.

Filme

The Dead Don’t Die 6/10
Tiger Girl 6/10
Vox Lux 5/10
Ad Astra 7/10
If Beale Street Could Talk 8/10
Generation Wealth 7/10
Days of Beeing Wild 7/10
Hotel Mumbai 8/10
Die Erfindung der Wahrheit 8/10
Sweethearts 6/10
The Sun Is Also A Star 9/10
Ready Or Not 6/10
The Public 7/10
The Guard 7/10
Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers 5/10

Meine Filmauswahl ist in diesem Monat deutlich durchwachsener ausgefallen, da waren einige Enttäuschungen wie Jim Jarmuschs Zombikomödie The Dead Dont’t Die, oder Vox Lux mit Natalie Portman, der sehr merkwürdig inszeniert ist. Absolutes Highlight war für mich:

The Sun Is Also A Star, ein mitreißendes Drama über zwei Jugendliche, die sich in New York kennen und lieben lernen, denen aber nur ein Tag zusammen verbleibt. Toll gefilmt. So schön sieht man New York selten. Durchaus kitschig, aber manchmal sollte man sich die Zeit zum Träumen einfach nehmen.

Hotel Mumbai ist sehr mitreißend und schockierend inszeniert, bringt einem die Schrecken eines solchen Terroranschlags unmittelbar näher, ohne sich an der Gewalt zu weiden.

Die Erfindung der Wahrheit überzeugt vor allem durch Jessica Chastain und den Twist am Ende, der alles zuvorgesehene deutlich aufwertet.

Und If Beale Street Could Talk ist eine berührende und elegante Geschichte über Liebe, Rassismus und Ungerechtigkeit nach einem Roman von James Baldwin.

Filme, Serien und Bücher im Januar 2020

Gelistet wird nur, was ich im Monat auch beendet habe.

Filme

The Man from U.N.C.L.E. 7/10
Close 6/10
Der geheime Roman des Monsieur Pick 8/10
Tigermilch 8/10
Good Time 6/10
Videodrome 7/10
The Pelican Brief 8/10
Taxi Driver 9/10
Event Horizon 8/10
1917 9/10
Chungking Express 9/10
Widows 7/10
Happy Deathday 2U 6/10
Miss Americana 6/10
Uncut Gems 9/10

Das Kinohighlight des Monats war natürlich 1917 mit seinen atemberaubenden Bildern aus den Schützengräben des 1. Weltkriegs, gefilmt, fast wie in einer Einstellung – beeindruckend.

Ansonsten ist das Kleinod der Januars Uncut Gems auf Netflix mit Adam Sandler als Diamantenhändler, der sich durch seine Wettsucht immer tiefer in die Scheiße reitet. Neben dem großartigen Sandler und den eleganten und atmosphärisch dichten Bildern auch eine faszinierende Analogie auf die Finanzmärkte.

Tigermilch ist ein bewegendes deutsches Coming-of-Age-Drama um zwei junge Freundinnen.

Daneben gab es noch einige Rewatches, zum Beispiel von Wong Kar-Wais Chungking Express mit hypnotisch schönen Bildern von Kameramann Christopher Doyle. Videodrome gefällt mir aufgrund des schmuddeligen 80er-Jahre-VHS-Flairs. Und Thriller wie The Pelican Brief (Die Akte) wurden nur in den 90ern gedreht.

Miss Americana ist eine Doku über Taylor Swift, die durchaus eine interessante Frau und Musikerin ist. Sehr intelligent und mit einer guten politischen Einstellung. Der Film wirkt aber eher wie ein langer PR-Clip, in dem fast nur Swift selbst zu Wort kommt.

Serien

Dracula 5/10
Hip Hop Evolution S04 7/10
Ray Donovan S02 7/10
Virgin River 6/10
Sex Education S02 8/10

Dracula hat mir in der ersten Folge ganz gut gefallen, stimmig und mit dichter Atmosphäre vor imposanter Kulisse und mit einem ausgezeichneten Dracula inszeniert. Auch wenn es am Ende bei den Nonnen doch etwas zu viel des Guten ist, und die Autoren, wie schon im Finale von Sherlock, kein Maß für ihre Selbstverliebtheit finden. In Folge zwei auf dem Schiff wird es aber langweilig, da ein Locked-In-Murder-Mystery-Fall nur funktioniert – anders als z. B. Columbo –, wenn man den Täter nicht schon kennt. Hier reiht sich ein dröger Mord an den nächsten. Der Twist am Ende ist aber toll. Nur leider machen sie nichts daraus, sondern verlieren sich in Folge drei in Albernheiten und einer konfusen Story ohne roten Faden und Spannung. Durch diese Episode musste ich mich quälen und Claes Bang, den ich in Folge 1 noch so toll fand, ging mir nur noch auf die Nerven.

Das Highlight ist natürlich Sex Education, das in der zweiten Staffel das hohe Niveau halten kann, trotz gelegentliche Albernheiten nie seine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik aus den Augen verliert.

Bücher

Sally Rooney – Conversations with Friends 8/10
Dennis Wheatley – They Found Atlantis 7/10
Richard Paul Russo – Ship of Fools 7/10
Ferdinand von Schirach – Strafe 6/10
Ben Nevis – Die drei Fragezeichen: Der dunkle Wächter 5/10
Christopher Huang – Tod eines Gentleman 7/10

Das beste Buch auf dieser Liste ist Sally Rooneys Conversations With Friends, über eine interessante Vierecksbeziehung zwischen vier jungen IrInnen. Scharfsinnig beobachtet und gut beschrieben.

Ship of Fools ist besser geschrieben als erwartet, gar nicht der plumpe B-Movie-Horror, sondern viel reflektierender in Sachen Theologie und menschlicher Natur, wenn auch etwas unbefriedigend im finalen Akt. Keine Ahnung, warum das nie auf Deutsch erschienen ist. Vielleicht haben sich die Vorgängerbücher von Russo in der Übersetzung nicht so gut verkauft?

Serienempfehlungen: „Chernobyl“, „Our Planet“ und „Street Food Asia“

Chernobyl

Schaut man sich an, was Drehbuchautor Graig Mazin bisher für Filme geschrieben hat, könnte man nicht auf die Idee kommen, dass seine erste Serie ein Meisterwerk wird, das Seriengeschichte schreibt. Scary Movie 3 und 4, Hangover 2 und 3 deuten jedenfalls nicht daraufhin. Und doch ist es ihm mit Chernobyl gelungen. Von der ersten bis zur letzten Minute hat er zusammen mit Regisseur Johan Renck und seinem Team ein bedrückendes, apokalyptisches Endzeitszenario geschaffen, das schon längst stattgefunden hat. Die Schauspieler sind herausragend, allen voran Jared Harris, Stellan Skarsgård und Emily Watson. Die Ausstattung, die Sets vor Ort in Tschernobyl und der Stadt Prypjat stimmen bis ins kleinste Detail. Das Drehbuch besitzt kein Gramm fett, jede Szene und jeder Dialogzeile erfüllen einen Zweck, die Struktur sorgt für Spannung, die Handlung ist herzergreifend und geht an die Nieren. Eine nüchterne, sachliche und doch bewegende Schilderung der wahren Ereignisse im Jahr 1986. Für mich das Serienereignis des Jahres über einen Drachen, der ganz real ist und ganze Städte auslöschen kann, wenn wir unsere Kontrolle über ihn überschätzen. Hat fünf Teile und ist auf Sky zu sehen.

Our Planet

Sechsteilige britische Netflix-Dokumentation über Zustand und Zerfall unserer Erde. Was wir Menschen mit diesem Planeten anstellen, ist praktisch die Katastrophe von Tschernobyl in Zeitlupe über den gesamten Globus verteilt. Die Serie zeigt, welch drastischen Folgen unser Tun und der daraus folgende Kollaps der Biosphäre für die Tierwelt haben. Und wer glaubt, das beschränke sich nur auf ein paar Eisbären, denen die Schollen unter den Füßen wegschmelzen, der täuscht sich gewaltig und sollte sich dringend die Episode mit den Walrössern anschauen. Die Bilder sind wunderschön und doch tieftraurig. Ich empfehle die englische Fassung, in der David Attenborough als Erzähler fungiert, der für lange Zeit bei der BBC für diese wundervollen Naturdokus verantwortlich war, die uns aber auch eine heile Welt vorgegaukelt haben. Hier spricht er endlich unverblümt aus, welche Spuren das Anthropozän an Flora und Fauna hinterlassen hat.

Street Food Asia

Street Food Asia ist eine großartige Dokuserie auf Netflix, über mehrere Generationen von Street Vendors: Menschen, die alte Familienrezepte in ein erfolgreiches Geschäftsmodell und leckeres Essen verwandelt haben. Viele faszinierende Lebensgeschichten aus Ländern wie Japan, Thailand, Indonesien, Singapur, Vietnam oder Taiwan. Mein Favorit ist die Episode aus Thailand mit der Straßenköchin, die während der Arbeit aussieht wie aus einem Film von Hayao Miyazaki, seit Jahrzehnten ihr Ding durchzieht und ihre Rezepte so perfektioniert hat, dass sie sogar einen Michelin-Stern erhalten hat. Zeigt auch, wie wichtig in solchen Städten das Essen auf der Straße ist, wo viele keine Zeit zum Kochen haben, keine Küche oder nur wenig Geld. Ein faszinierender Mikrokosmos, der immer weiter verdrängt wird, ob durch Gentrifizierung oder Regierungen, die lieber leere, saubere und trostlose Straßen haben, wie in Thailand z. B.

Die fünf besten Serien, die ich zuletzt gesehen habe

1. Sorry For Your Loss

Habe ich ja hier im Blog schon ausführliche besprochen.

2. Haunting of Hill House.

Was Herr der Ringe für die Fantasy, ist Shirley Jacksons Roman Spuk in Hill House für den Haunted-House- bzw. Spukhaushorror: der Grundstein, der ein ganzes Subgenre definierte, die Messlatte, die fast niemand überwinden konnte (auch wenn es natürlich zuvor schon Spukhausgeschichten von Autoren wie M. R. James usw. gab, wie auch Fantasy vor Tolkien). Die Verfilmung Bis das Blut gefriert von 1964 wurde ebenfalls ein Klassiker des Gruselfilms. Die Neuverfilmung von 1999 ein alberner Reinfall.

Der Trailer der neuen Netflix-Serie schreckte mich ab, das schien gar nichts mit dem Buch zu tun zu haben, wirkte auch nicht gruselig. Folge 1 bestätigte den Eindruck noch, doch ab Folge 2 war ich von der Serie gefesselt. Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass es sich wirklich um eine Romanverfilmung handelt, und auch eine reinrassige Horrorserie darf man nicht erwarten, sondern ein komplexes, packendes Familiendrama auf zwei Zeitebenen mit ein paar Spukelementen.

Besonders beeindruckt hat mich Folge 6. Toll, wie sicher und selbstbewusst Mike Flanagan in jeder Folge leicht den Stil wechselt, ohne den Grundtenor der Serie zu verlassen. Wie dynamisch, aber nie hektisch im Wackelkamerastil, sich die Kamera in leichten Kreisbewegungen um die Familienmitglieder dreht, wie bei einer Familienaufstellung, während rundherum das Treiben weitergeht wie bei Robert Altmann, ist schon der Hammer. Für mich die bisher die beste Horrorserie, die ich je gesehen habe. Gerade in den Folgen 5 und 6 kommen ein paar Sachen, die man so im Horrorbereich noch nicht gesehen hat (auch wenn sie neben dem Familiendrama nur eine kleine Rolle einnehmen). Mir gefällt, wie sich die Serie Zeit nimmt, die einzelnen Figuren vorzustellen, wie in jeder Folge eines der anderen Geschwister im Fokus steht, wie die beiden Zeitebenen miteinander verknüpft werden, und wie sich die Episoden narrativ ergänzen (bzgl. der jeweilige Version der Geschichte). Auch wenn es gegen Ende, vor allem in den Folgen 8 und 9 leichte Längen gibt. Das Ende regte viele auf, mir hat es gefallen.

3. The Sinner – Season 2

War anfangs skeptisch, ob man an die tolle erste Staffel nach dem Roman von Petra Hammesfahr ohne Jessica Biel und mit neuer Story ohne Vorlage würde anknüpfen können. Doch die Geschichte, um einen Jungen, der seine vermeintlichen Eltern während einer Reise zu den Niagarafällen vergiftet, ganz in der Nähe des Heimatortes von Detective Ambrose (Bill Pullman) – der dies für eine Reise in seine Vergangenheit nutzt -, weiß zu überzeugen. Ein kleiner Ort voller Geheimnisse, die mit der nahe gelegenen Kommune zu tun haben, hinter der man eine Sekte vermutet. Habe ich an zwei Tagen durchgesehen.

4. The Bodyguard

Britische Serie über einen Kriegsveteranen, der jetzt bei der Polizei als Personenschützer die Innenministerin beschützt, mit ihr eine Affäre anfängt und neben seinen privaten Problemen in einen Verschwörungsplot um Terrorismus und politische Intrigen verwickelt wird. Enthält zwar einige Ungereimtheiten, und braucht, trotz des packenden Auftakts mit der Selbstmordattentäterin, ein wenig, um in die Gänge zu kommen, entwickelt dann aber einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

5. The Dragon Prince

Computeranimierte Fantasyserie, die zwar klassischen Fantasythemen behandelt, dies aber wunderbar leichtfüßig mit diversen Figuren und inkludierten Minderheiten, ohne dass es irgendwie aufdringlich oder belehrend wirkt, sondern einfach völlig natürlich. Dazu ein feiner Humor und ausgezeichnete Dialoge. So geht Fantasy im Jahr 2018.

„Sorry For Your Loss“ – Serientipp

Manche Serien kommen praktisch aus dem Nichts und hauen mich aus dem Stand so richtig aus den Socken. Dazu gehört auch Sorry For Your Loss, in der die Geschichte der jungen Leigh Shaw erzählt wird, die vor kurzem ihren Mann verloren hat und jetzt wieder bei ihrer Mutter lebt und in deren Fitnessstudio zusammen ihrer alkoholabhängigen Schwester arbeitet. Und genau darum geht es in der Serie: das Alltagsleben mit Trauer, Abhängigkeit, Depressionen und anderen Hindernissen, die einem das Leben in den Weg stellt. Sorry For Your Loss erzählt auf sehr einfühlsame Weise, voller Tragik, aber doch sehr leichtfüßig, was solche Problematiken und Schicksalschläge für das Leben bedeuten.

Die Serie geht sehr realistisch und offen mit dem Thema Trauer um, mit den teils widersprüchlichen Gefühlen, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen entstehen. Glaubt man den Kommentaren auf Facebook zu den einzelnen Folgen, finden sich viele Menschen, die Ähnliches durchgemacht haben, in der Serie wieder. Der Fokus liegt auf Leigh, doch in Episode 2 wird z. B. rührend gezeigt, dass auch die erweiterte Verwandtschaft einen Freund verloren hat, sie ihre Trauer aber nur versteckt zeigt, um Leigh gegenüber gefestigt und unterstützend aufzutreten.

Elizabeth Olsen spielt Leigh sehr eindrucksvoll mit ihren unterschiedliche Formen und Phasen der Trauer, wie sie mit dem Verlust umgeht und was sie nach außen vorspielt, während sie eigentlich die ganze Zeit wütend ist. Ihre anfängliche Unfähigkeit, die gemeinsame Wohnung wieder zu betreten; wie sie dann versucht, den PIN-Code für sein Handy herauszufinden; und was die darauf gespeicherten Sprachnachrichten bei ihr auslösen.

Ein zweites großes Thema der Serie ist die Depression und der Umgang damit. Triggerwarnig: sie nimmt kein gutes Ende. Beeindruckend und realistisch ist die Schilderung der Unfähigkeit eines an Depression erkrankten Menschen, anderen begreiflich zu machen, wie es sich eine Depression anfühlt bzw. die Unmöglichkeit es zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn man es selbst nie erlebt hat.

Von der Erzählstruktur erinnert Sorry For Your Loss an This Is Us, wenn auch in einem kleineren Rahmen und mit zwei Zeitebenen, die klarer strukturiert sind und näher beieinander liegen, setzt aber auf ähnliche Offenbarungsmomente, in denen die Rädchen bzw. Plotlinien zusammenlaufen und sich ein logisches Ganzes ergibt.

Ein weiteres Highlight ist die durchgehend ausgezeichnete Darstellerriege. Allen voran natürlich Elizabeth Olsen, die Leigh mit einer herzzerreißenden Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke spielt und eine Figur voller faszinierender Facetten erschafft, nicht frei von Fehlern, und deshalb so viel nahbahrer. Kelly-Marie (Loan) Tran spielt ihre Schwester, die in der ersten Folge noch wie ein Funny Sidekick wirkt, schnell aber auch Tiefe erhält, die sie oft unter einem verschmitzten Lächeln und einem trockenen Humor versteckt, die in den entscheidenden Momenten aber durchschimmert. Leigh verstorbener Ehemann Matt wird in den Rückblenden Mamoudou Athie gespielt, sehr ruhig und zurückgenommen, mit Humor und innerer Zerrissenheit aufgrund seiner Erkrankung. Sein Bruder Danny, wird von Jovan Adepo gespielt, kommt zunächst noch tough und unnahbar daher, als jemand, der die Frau seines Bruders nicht leiden kann, ein Eindruck, der wie so viele erste Eindrücke in dieser Serie, täuscht.

Hinzu kommen viele kleine Details, die zeigen, wie viele Gedanken sich die Serienmacher gemacht haben. Während der Flitterwochen liest Leigh z. B. Lauren Goffs Fates und Furies, ein Roman, in dem es um eine ähnliche Thematik geht und das als böses Omen dient. Viele Andeutungen werden geschickt gesetzt und erst mit der Zeit realisiert man, was da wirklich vor sich geht, dann setzt die Erkenntnis aber um so wuchtiger ein.

Ursprünglich wurde die Serie von Kit Steinkellner für den PayTV-Kanal Showtime entwickelt, landete dann aber bei Facebook Watch, die dieses Jahr ins Seriengeschäft eingestiegen sind. Leider ging Sorry For Your Loss dort, trotz hervorragender Kritiken, ziemlich unter. Es war vermutlich keine gute Idee, jede Woche eine Doppelfolge zu veröffentlichen. Ich habe die Serie jetzt innerhalb von zwei Tagen durchgesehen, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Hätte ich immer eine Woche auf neue Folgen warten müssen, wäre das Seherlebnis vermutlich nicht so intensiv und mitreißend gewesen.

Sorry For Your Loss ist genau die Art von Serie, wie ich sie am meisten liebe. Mit echten Menschen und Problemen aus dem wahren Leben, ohne irgendwelchen übernatürlichen Firlefanz, ohne Psychopathen, Serienkiller, Gangster usw. Eine Familiengeschichte wie Parenthood, This Is Us, SMILF oder Six Feet Under, und eine Liebes- und Beziehungsgeschichte wie in Love – und zwar verdammt gut geschrieben.

Eine deutsche Fassung scheint es nicht zu geben, auch keine Untertitel.

English Summary: An extremely well written show about grief and depression, and how to cope with it, but still funny and empowering.

Was für mich starke Frauen in Film, Serie und Literatur ausmacht

Im Zuge des Weltfrauentages kam in meiner Twittertimeline die Frage auf, was starke Frauenfiguren in Literatur, Film und Serie ausmachen, aber auch einiger Unmut über die Formulierung »starke Frauenfiguren«, denn man würde ja auch nicht von »starken Männerfiguren« schreiben.

An Letzterem ist sicher was dran, wer würde in einer Rezension von Stirb Langsam John Mclane als starke Männerfigur bezeichnen. Das ist eher der archaische Standard, den man nicht betonen muss, weil er als Selbstverständlichkeit gilt. Besonders betont werden eher komplex und ambivalent angelegte Männer, wie z. B. Tony Soprano, Don Draper oder Walter White (auf die ich später noch einmal zurückkommen werde).

Das aktuelle Paradebeispiel im öffentlichen Diskurs für eine starke Frau und Feminismus auf der Leinwand ist wohl Wonder Woman, die im gleichnamigen Film so wunderbar von Gal Gadot verkörpert wird. Aber ist sie das wirklich?

Diana ist eine Amazone, ein Übermensch, eine Halbgöttin, die Kugeln mit ihren Armschienen abwehrt, ein magisches Lasso schwingt und es am Ende des Films sogar mit Kriegsgott Ares aufnimmt. Nicht unbedingt repräsentativ für die Frauen in unserer Gesellschaft.

Eine starke Frau ist sie vielmehr im Kontext des Superheldenkosmos neben Superman, Batman oder Captain America, geschaffen in den 1940ern vom Psychologen und Feministen William Marsden und seiner Frau Elizabeth, eben als Gegenentwurf zum Übermenschen Superman. Eine Frau, die sich in einer Jahrtausende alten Männerprofession, dem Heldentum, durchsetzt.

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„She’s Gotta Have It“, die Netflixserie von Spike Lee

Eine Frau, drei Männer. Nola Darling, schwarze Künstlerin aus Brooklyn. Ein Freak? Abnormal? Nein, nur mit Spaß am Leben. Eine selbstbewusste Frau, die macht, worauf sie Lust hat. Elegant, intelligent, talentiert, graziös, stolz. Von einer mitreißenden Fröhlichkeit; einer Lebhaftigkeit, die ansteckend wirkt.

Ständig am Kämpfen, in Brooklyn, im Herzen der afroamerikanischen Kultur, gegen Gentrifizierung, Frauenfeindlichkeit und Rassismus. Gegen das System und manchmal sich selbst. Umgeben von Lebenskünstlern, deren Gesellschaft den Alltag zum Abenteuer macht.

Mit vier Autorinnen (Radha Blank, Lynn Nottage, Eisa Davis und Joie Lee) an Bord hat Spike Lee eine moderne und vielschichtige Version seines gleichnamigen Films von 1986 – der so kontrovers endete – als Serie für Netflix geschaffen. Experimentell, ohne starren Konventionen zu folgen, teils so spielerisch frei, wie es zuletzt nur Aziz Ansaris Master of None gelungen ist. Eine Liebeserklärung an Brooklyn und die afroamerikanische Kultur, mit ganz fantastischer Musik, Songs, die Lee komplett laufen lässt und am Ende das Plattencover dazu einblendet. So wie er seine Darstellerinnen auch regelmäßig die vierte Wand durchbrechen lässt, ohne dass es aufgesetzt oder effekthascherisch wirkt. Viel mehr eine Ebene der Selbstreflexion, die dem Ganzen mehr Tiefe verleiht.

An den Film erinnere ich mir nur noch vage, wollte den Seriengenuss nicht dadurch beeinflussen lassen, mir ihn vorher erneut anzusehen. Deshalb kann ich nicht sagen, wie sehr sich die beiden Versionen voneinander unterscheiden. Die Serie scheint mir trotz aller politischen Töne (der Kritik am Klown with da nuclear codes), der Verzweiflung über den Ausgang der Präsidentschaftswahl mit dem Liar in Chief als Sieger, optimistischere Töne anzuschlagen.

She’s gotta Have It feiert Unterschiede und Differenzen, Vielfältigkeit, gleichgeschlechtliche Beziehungen, freie Liebe, ein freies Leben, mit viel Humor, teils stark satirisch, manchmal slapstickhaft, aber immer auch mit einem ernsten Unterton, nie ins Lächerliche abgleitend. Sehr schön auch das Intro zu melancholischer Klaviermusik, das jedes Mal andere Fotos von Menschen aus Brooklyn zeigt. Das sorgt direkt für die richtige Atmosphäre

Die drei Männer (Mars, Greer und Overstreet) wirken zunächst wie Karikaturen, unterschiedliche Aspekte bestimmter Eigenschaften, erhalten im Verlauf aber mehr Persönlichkeit.

Die Schauspielerinnen sind fantastisch, allen voran DeWanda Wise als Nola Darling, mit ihrer bezaubernden und facettenreichen Stimme und dem subtilen Mienenspiel, das am Ende von Folge 9 seinen Höhepunkt erlang, als man Nola über mehrere Minuten nur ins Gesicht sieht, während sie sich auf einem Stuhl im Kreis dreht, während Faithful von Meshell Ndegeocello läuft und Nola … ach, ich will hier nicht zu viel verraten.

Für mich eine der besten Serien des Jahres, weitaus weniger mit erhobenem Zeigefinger und verbissen als (das trotzdem gute) Dear White People. Wer sich für afroamerikanische Kultur interessiert, kommt an She’s Gotta Have It nicht vorbei. Spike Lee in Höchstform, aber mit viel weiblicher Unterstützung.

Song zur Serie:

P.S. und endlich mal eine Netflix-Serie, die nicht so prüde daherkommt. 😉

Mein Oktober in Büchern, Serien und dem ganzen Rest

Der ganze Rest

Verglichen mit den Sommermonaten bin ich im Oktober für meine Verhältnisse erstaunlich viel unterwegs gewesen.

Den Anfang machte das Konzert von Nick Cave and the Bad Seeds in Frankfurt. Fan bin ich seit den 90ern, zwar kannte ich vorher schon The Birthday Party und das Video zu Nick the Stripper sowie einige frühere Stücke von Nick Cave, doch so richtig aufmerksam wurde ich auf den Australier erst durch sein Video zu As I sat sadly by her side. Seitdem habe ich mir jedes neue Album gekauft, und bis auf Dig Lazarus Dig gefallen sie mir auch alle.

Das Konzert war großartig, Cave sichtlich gut aufgelegt, suchte ständig den Kontakt zum Publikum, dass er in der Zugabe zu Stagger Lee sogar auf die Bühne holte (bestimmt 50 Leute). Der Sound war für meinen Geschmack einen Tick zu laut, vor allem das Schlagzeug, Cave aber richtig gut bei Stimme. Ich bin froh, dass ich mich nach 20 Jahren endlich aufraffen konnte, zu einem seiner Konzerte zu fahren. Nur schade, dass er nichts von meine beiden Lieblingsalben No more shall we part und Abattoir Blues gespielt hat. Mein Highlight war The Mercy Seat.

Den folgenden Freitag ging es von Montabaur aus per ICE flott zur Frankfurter Buchmesse, die ich erstmals seit 15 Jahren wieder besuchte. Am Fachbesuchertag war es doch deutlich angenehmer, was das Gedränge anging. Termine hatte ich nur ein paar mit einem Lektor und einigen ÜbersetzerkollegInnen. Zufällig kam ich an Volker Kutschers Buchvorstellung von Moabit vorbei, die ich mir dann als ehemaliger Bewohner des gleichnamigen Berliner Kiezes und Fan der Gereon-Rath-Romane spontan ansah. Bis dato war ich skeptisch, ob ich wirklich 18 Euro für nur 84 Seiten ausgeben möchte, doch das von Kat Menschik aufwendig gestaltete Heftlein im Stil alter Magazine wirkt wirklich schick.

Einen Tag später ging es mit der Fantasyguide.de-Gang bestehend aus Ralf Steinberg und Michael Schmidt (Holger M. Pohl stieß vor Ort dazu) zum BuchmesseConvent nach Dreieich-Sprendlingen, der bei mir seit 2006 jedes Jahr zum Pflichtprogramm gehört. 2006 bin ich – damals noch Student in Siegen – dort erstmals mit meinem Freund Mathias, noch niemanden aus der Phantastikszene kennend und deshalb viele Lesungen besuchend, hingefahren. Und nach vielen Jahren Abwesenheit war auch Mathias dieses Jahr wieder dabei, was mich ganz besonders gefreut hat. Insgesamt war es für mich auch der bisher beste Bucon, einfach, weil ich so viele Freunde und Bekannte wie noch nie getroffen habe, und mit fast allen auch anregende Gespräche führen konnte. Und genau deswegen fahre ich dort auch immer hin, um all jene zu treffen, mit denen ich sonst fast nur Kontakt über das Internet habe.

Den Freitag darauf stellten Claus-Dieter Schnug und Horst Bartels im Keramikmuseum Westerwald das Buch Hilgert – Nachrichten aus einem Westerwalddorf vor, das eine Art Nachfolgeband für die Dorfchronik von vor vier Jahren darstellt. Die Lesung war ziemlich voll, bestimmt 150 Leute, und auch sehr unterhaltsam und abwechslungsreich gestaltet, es wurden kuriose bis amüsante Zeitungsmeldungen vorgelesen, aber auch von eindrucksvolle Lebens- und Familiengeschichten berichtet.

Bücher

Adam Neville – The Ritual

In der ersten Hälfte ein packender Survivalthriller mit übernatürlichem Touch, der in der zweiten Hälfte leider in einer albernen, klischeehaften und total langweiligen Handlung um eine obskure Black-Metalband völlig in sich zusammenbricht. Diese gewagte 180-Grad-Wende hat für mich überhaupt nicht funktioniert.

William Blatty – The Exorcist

Die Buchvorlage zum berühmten Film von William Friedkin, der das Genre des Horrorfilms mit revolutionierte. William Blatty schrieb selbst das Drehbuch zum Film. Was ich besonders interessant finde, da es, obwohl sich der Film fast 1:1 an das Buch hält, einen entscheidenden Unterschied gibt: Im Film ist durch die Spezialeffekte ziemlich schnell klar, dass es sich um ein wirkliches übernatürliches Phänomen handelt, während das Buch da bis zum Schluss ambivalent bleibt und Raum für Zweifel lässt, die Zweifel die auch Pater Karras beschäftigen, zum einen an dem Dämon, aber auch an seinem eigenen Glauben.

Don Winslow – Corruption

Im Prinzip die (großartige) TV-Serie The Shield als Roman in New York statt Los Angeles von Don Winslow geschrieben. Beginnt auf den ersten 200 Seiten sehr langsam und detailverliebt, bekommt in der zweiten Hälfte aber eine gute Dynamik, wenn Winslow in Rückblenden schildert, wie die Hauptfigur immer wieder in kleinen Schritten die Grenzen der Legalität in einem kaputten System überschritt. Kein Pageturner, eher ein Slowburner, dem das gewisse Etwas, das ich leider nicht genau benennen kann, fehlt. Der Originaltitel „The Force“ stellt den Übersetzer übrigens vor erhebliche Probleme. Mit „Force“ ist hier eine schlagkräftige Eliteeinheit innerhalb der Polizei gemeint. Die kann man nicht als „die Macht“ übersetzen, was den Spruch der Einheit „may the Force be with you“ (natürlich ein Star Wars-Zitat) unübersetzbar macht. Da Übersetzer Chris Hirte „The Force“ im Deutschen beibehalten hat, heißt der Spruch jetzt „möge die Force mit dir sein“).

John Langan – The Fisherman

Habe ich ja schon besprochen.

Im Halloweenmonat Oktober lese ich traditionell gerne Horrorliteratur. Neben den oben aufgezählten Büchern stehen nebenher noch Kurzgeschichten von Robert W. Chambers, Thomas Ligotti und Robert Aickmann auf dem Programm.

Serien

Halt and Catch Fire

Diese großartige Serie über einige Computerspezialisten und ihre Beziehungen zueinander ging gerade mit der vierten Staffel und einem emotionalen Finale zu Ende. Über ein Jahrzehnt begleitet die Serie die Leben von Cameron, Donna, Joe, Gordon und John Bossworth, dem netten Onkel von nebenan. Die erste Staffel war gut, erzählte aber noch recht distanziert davon, wie die Gruppe im stockkonservativen Texas versuchte, einen tragbaren Computer zu entwerfen, im Wettrennen mit IBM. Ab der zweiten Staffel rückten Donna und Cameron mehr in den Fokus und die Serie wurde herausragend.

Babylon Berlin

Ich erwähnte weiter oben ja schon, dass ich die Romanvorlagen von Volker Kutscher sehr mag, die Serie kann ich nach vier Folgen aber noch nicht so richtig einschätzen. Ausstattung und Kulissen sind großartig, aber meine Lieblingsfigur Charly Ritter kommt mir in der Serie doch sehr fremd vor. Liv Lisa Fries spielt sie schon großartig, aber dass man sie in so ärmliche Verhältnisse verfrachtete hat, dass sie sogar als Prostituierte arbeiten muss, gefällt mir nicht so wirklich. Das hätte die Charly aus dem Buch nie gemacht. Normalerweise begrüße ich Abweichungen von der Buchvorlage, aber wenn es so gravierende Persönlichkeitsveränderungen sind, regt sich in mir Unbehagen.

Star Trek Discovery

1. Die Klingonen sehen scheiße aus und sprechen auch scheiße. 2. Ist mir das alles viel zu schlampig und plump geschrieben. 3. Erkenne ich da nur sehr wenig Star Trek. Für eine SF-Serie ist das ja ganz okay und sieht auch super aus, aber bei Star Trek erwarte ich mehr und was anderes. Mal abwarten, wie sich die Serie entwickelt, ist mir bisher noch zu sehr Abrams-Reboot und zu faul und nachlässig geschrieben (unbewachte, wichtige Außenposten; ungesicherte Transportshuttleflüge von hochrangigen Offizieren; Technik, die immer genau im richtigen Drehbuchmoment auf wundersame Weise funktioniert usw.) Habe ich schon erwähnt, dass ich Klingonen langweilig finde? Eine Prequelserie interessiert mich eigentlich auch nicht. Hätte viel lieber eine Fortsetzung nach Voyager gesehen. Hier muss man den Kanon so sehr zurechtbiegen und strapazieren, dass es gar nicht in ein einziges Universum passt, ohne in sich zusammenzufallen. Ich kann auch nicht erkennen, dass Stark Trek hier mit im neuen Serienjahrtausend angekommen sein soll, nur weil alles düsterer ist und hochrangige Offiziere schnell sterben. Dafür ist es einfach nicht gut genug geschrieben und noch Welten von der A-Liga der Serienlandschaft entfernt. Auch fehlt mir der Sense of Wonder der alten Serien.

The Expanse – 2. Staffel

Mit der ersten Staffel bin ich nicht so richtig warm geworden, doch die zweite hat mich gepackt. Die Drehbücher scheinen deutlich besser und stimmiger geworden zu sein, die Geschichte fügt sie gut zusammen und es entsteht tatsächlich Spannung. Auch die Figuren erscheinen mir inzwischen dreidimensionaler.

The Deuce

Atmosphärisch dichte Milieustudie der Prostituierten- und Pornoszene im New York der 1970er Jahre. Auf dem gewohnten David-Simon-Niveau.

Chesapeake Shores

Gnadenlos kitschige Familienserie, die mir trotzdem, oder gerade deswegen, richtig gut gefällt, auch wenn Staffel 2 deutlich schwächer ist. In der Postkartenidylle einer amerikanischen Ostküstenkleinstadt versuchen die fünf erwachsenen Kinder der O’Brian-Familie, ihr Leben in Ordnung zu bringen.

Hörspiel

Gruselkabinett 1: Carmilla, der Vampir nach Joseph Sheridan Le Fanu

Sehr stimmungsvoll inszenierte klassische Gruselgeschichte mit einem bissigen Vampir, allerdings auch sehr vorhersehbar. Was sicher daran liegt, dass diese Geschichte der Vampirklassiker schlechthin ist, der noch vor Bram Stokers Dracula entstand. Nach damaligen Maßstäben also alles andere als vorhersehbar. Mit erstklassigen SprecherInnen und guter Musik.

Für den Rest des Jahres gehe ich jetzt ein wenig in den Winterschlaf. Sollte mich die Muse küssen und die Texte rauswollen, wird es natürlich Blogeinträge geben, ansonsten dann spätestens den Jahresrückblick zwischen den Feiertagen. Was es nicht geben wird, sind Artikel zu den Frühjahr/Sommerprogrammen der Phantastikverlage. Fischer Tor und Piper haben ihre schon raus. Dafür lese ich momentan einfach zu wenig Phantastik. Aus den letzten Programmen habe ich, bis auf ein paar Fischer-Tor-Titel, kein einziges Werk gelesen.

Ausblick auf die Zukunft

Fest gebucht ist bereits das dritte PAN-Branchentreffen in Köln vom 19. bis zum 21. April 2018.