Warum ich Bücher lese

Warum ich Bücher lese?

Die Frage lässt sich einfach und kompliziert beantworten. Die einfach Antwort besteht aus zwei Gründen:

1. Um vor der Welt zu flüchten (Eskapismus)

2. Um die Welt zu verstehen.

Es gibt Studien, denen zufolge Menschen, die Bücher lesen, empathiefähiger sein sollen, was bedeutet, dass es ihnen leichter fällt, sich in die Perspektive von anderen Menschen zu versetzen, ihre Beweggründe eher nachvollziehen zu können. Wenn man zum Beispiel einen Roman liest, begibt man sich in die Welt der Hauptfigur(en) und sieht diese Welt durch deren Augen. Eine Welt, die (ganz gleich ob Krimi, Fantasy oder Romance) auf der unseren basiert, denn in dieser lebt und schreibt die Autorin.

Literatur kann einem dabei helfen, sich mit Erfahrungen auseinanderzusetzen, die man im richtigen Leben vielleicht lieber nicht machen möchte: Tod, Trauer, Lebensgefahr, Abenteuer uvm. Kinder, die mit Gruselliteratur aufwachsen, sollen besser dazu in der Lage sein, im richtigen Leben, mit solchen Erfahrungen umzugehen. Zudem kann zum Beispiel Spannungs- oder Horrorliteratur eine kathartische Wirkung auf den Rezipienten haben.

Ich habe ja mal zwei Horrorromane von Edward Lee für die Extrem-Reihe des Festa Verlags übersetzt. Extrem bedeutet dort auch wirklich EXTREM. Und gerade diese extreme, brutale, eklige Literatur erfreut sich bei jungen Frauen größter Beliebtheit. Ich vermute, es hat damit etwas zu tun, dass diese Leserinnen ihre Grenzen austesten möchten. Und genau dafür ist Literatur auch da.

Bis zu meinem zwölften Lebensjahr habe ich ausschließlich Jugendbücher wie Die Drei Fragezeichen, TKKG, Die Pizzabande oder Burg Schreckenstein gelesen. Schon damals hat mich vor allem das Abenteuer gereizt, die Suche nach dem Verborgenen, das Aufdecken von Geheimnissen.

Die beiden TKKG-Bücher habe ich als recht rassistisch in Erinnerung.

Die beiden TKKG-Bücher habe ich als recht rassistisch in Erinnerung.

Bis meine Mutter mir eines Tages Stark – The Dark Half von Stephen King mitbrachte und meinte, das würde gerade viele lesen. Ich war zunächst skeptisch, doch als alter Horrorfilmfan (und das war ich mit zwölf Jahren schon) gab ich dem Buch eine Chance und war sofort begeistert, als die erste Leiche auftaucht, der man den Penis abgeschnitten und an die Wand genagelt hatte. Es mag sich blöd anhören, aber es sind genau solche (für Kinder eigentlich) verbotenen Sachen, die Kinder und Jugendliche neugierig machen und begeistern. Wer weiß, wo ich heute wäre, wenn mir meine Mutter damals nicht dieses Buch mitgebracht hätte (von dessen brutalem Inhalt sie sicher nichts geahnt hat).

Einiger meiner ersten Bücher vom King ("Stark" war nur ausgeliehen), der bis heute mein Lieblingsautor ist.

Einige meiner ersten Bücher vom King („Stark“ war nur ausgeliehen), der bis heute mein Lieblingsautor ist.

Fortan habe ich mehrere Jahre ausschließlich Stephen King gelesen, nein, was schreib ich, ich habe ihn förmlich verschlungen. Für die Erkenntnis, dass es noch andere Autoren gab, die mir gefallen könnten, reichte mein damaliger Erfahrungshorizont noch nicht aus. Es dauerte drei weitere Jahre und die Lektüre von Kings Fantasyroman Die Augen des Drachen, bis ich auf die Idee kam, dass mir eventuell auch Fantasyromane von anderen Autoren gefallen könnten.

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Da es damals Mitte der 90er noch kein Internet bei uns gab, mussten mich meine Eltern in die nächste Stadt fahren, wo ich stundenlang im, seinerzeit noch gut sortierten, Fantasyregal der örtlichen Buchhandlung stöberte, und bald ein paar neue Lieblingsautoren, wie Raymond Feist und Michael Moorcock gefunden hatte. Das führte zu einer Phase, in der ich einige Jahre ausschließlich Fantasyliteratur las. Hat man mich damals gefragt, warum?, lautete die Antwort, unsere Welt sei schon langweilig genug, da müsse ich nicht noch über sie lesen. Das war also reiner Eskapismus.

Einige meiner ersten Fantasybücher (inzwischen schon mehrfach gelesen).

Einige meiner ersten Fantasybücher (inzwischen schon mehrfach gelesen).

Damals ging ich noch auf die Realschule, war ein schlechter Schüler ohne Orientierung, der null Bock auf Schule und eine Lehre hatte, der nicht wusste, was er einmal werden wollte oder sollte. Was zu schlechten Noten und einem schlechten Schulabschluss führte. Danach verbrachte ich dann drei Jahre! 🙂 auf der zweijährigen Handelsschule (mit Abschluss als staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent im Bereich Datenverarbeitung), einfach, weil ich nicht wusste, was ich machen soll.

Die ersten Science-Fiction-Bücher, die ich gelesen habe.

Die ersten Science-Fiction-Bücher, die ich gelesen habe.

Gleichzeitig hat sich der Horrorfilmfan Markus in dieser Zeit auch zu einem kleinen Cineasten entwickelt, der sich gerne Filme von Woody Allen, Martin Scorsese oder Jim Jarmusch angesehen hat. Durch den Film Smoke mit Harvey Keitel und Willam Hurt kam ich auf die Idee, es mal mit den Romanen des Drehbuchautors Paul Auster zu versuchen. Dank des großartigen der Mond über Manhattan (hier kürzlich im Reread besprochen) schaffte ich als Teenager den Sprung zur allgemeinen Belletristik, was mir ganz neue Lesewelten öffnete.

Einige meiner ersten Bücher außerhalb der Phantastik (wobei "Dixie Chicken" von Gott erzählt wird ;) )

Einige meiner ersten Bücher außerhalb der Phantastik (wobei „Dixie Chicken“ von Gott erzählt wird 😉 )

Das war die Phase, in der es mir nicht mehr so stark um Eskapismus ging, sondern darum, eine tolle Geschichte zu lesen. Es folgten Bücher von Nick Hornby, Umberto Eco, Milan Kundera, Sten Nadolny uvm. Durch den Film Sieben, kam ich auf die Idee, Das verlorene Paradies von John Milton und Der Antichrist von Friedrich Nietzsche zu lesen. Durch Jim Jarmuschs Dead Man kam ich zu William Blake. Da muss ich so um die 18 gewesen sein, ging immer noch auf die Handelsschule und war als Schüler schlechter, als je zuvor, weil ich im Unterricht lieber heimlich Klassiker der Weltliteratur las (na ja, und weil wir damals gerne die Schule geschwänzt haben, um in der Kneipe nebenan Billard und Dart zu spielen).

Bücher, die ich oft während des Unterrichts gelesen habe.

Bücher, die ich oft während des Unterrichts gelesen habe.

Jedenfalls merkte ich in dieser Phase, dass Literatur weitaus mehr sein konnte, als ich bis dato dachte, und entdeckte ganz neue Interessen in mir. Die Literatur öffnete mir neue Welten und Möglichkeiten. Nach der Handelsschule absolvierte ich erst einmal meinen Zivildienst (in einem Krankenhaus). Während dieser Zeit, als ich eines Abends den Film Good Will Hunting sah, kam mir die Idee, dass ich, wo ich doch so gerne lese, was daraus machen könnte, zum Beispiel in dem ich studieren gehe.

Was ich dann auch tat, zweimal sogar (in Siegen und Berlin). Über die Jahre hat sich mein Lesegeschmack durchaus verändert, aber nicht im Sinne von verschoben, sondern vielmehr erweitert. Hatte ich früher Jahre, in denen ich keine Fantasy gelesen habe, dafür nur Science Fiction und Thriller, oder Phasen, in denen viel Sachbücher – wie z. B. Kip Tip Thornes Gekrümmter Raum und verborgene Zeit, Bertrand Russels Die Philosophie ds Abendlandes oder Alexander von Humboldts Kosmos – dran waren, bin ich heute eine Mischung aus all meinen Lesephasen und Geschmäcken. Selten lese ich zwei Bücher aus einem Genre hintereinander, ich liebe die Abwechslung, liebe es, Neues zu entdecken.

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Im persönlichen Kontakt bin ich schon immer ein eher introvertierter, zurückhaltender Mensch gewesen, und ein Stubenhocker. Große Abenteuer habe ich nur in Form von Büchern erlebt, träume dabei aber auch immer, selbst die Welt zu bereisen. Doch vom Traum bis zur Umsetzung ist es (zumindest bei mir) ein langer Weg, auf dem mir immer wieder andere Ausreden (und manchmal auch gute Gründe) einfallen. Nur einmal viel mir keine Ausrede mehr ein, da bin ich dann während meines ersten Studiums für neun Wochen nach Brasilien und habe dort ein Fotoprojekt mit Jugendlichen in einer Favela durchgezogen (wenn ich erstmal unterwegs bin, habe ich dabei einen Riesenspaß und alle Bedenken über Risiken und Unannehmlichkeiten sind verflogen, aber sobald ich zurück bin, schleichen sich diese mit der Zeit wieder ein und halten mich davon ab, wieder zu verreisen).

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Seitdem war mein größtes Abenteuer, zwecks Zweitstudium nach Berlin gezogen zu sein; das geplante Auslandsjahr an einer amerikanischen Uni musste ich aufgrund mangelnder finanzieller Mittel sausen lassen. Also habe ich mir Amerika weiter erlesen. So wie ich es auch mit anderen Ländern mache, die mich interessieren (z. B. gerade Frankreich, Japan, Südafrika uvm.). Einerseits erschließen Bücher aus anderen Ländern und Kulturen einem die Welt (man kann ja auch nicht alles bereisen), andererseits sind sie doch die bequeme Lösung. Lesen könnte man ja auch unterwegs. Auf meiner bisher einzigen Urlaubsreise als Erwachsener (zehn Tage Rucksackurlaub in Schottland), habe ich es in einer Jugendherberge am Loch Lomont geschafft, das dort deponierte Kon-Tiki von Thor Heyerdahl zu lesen. In Brasilien habe ich Paulo Lins’ Die Stadt Gottes, Thomas Pynchons Die Enden der Parabel und noch einige andere Bücher geschafft. Lange Flüge oder Bahn- und Busfahrten eignen sich hervorragend zum Lesen (solange einem dabei nicht schlecht wird).

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Stichwort Schullektüre

Ich würde mal sagen, ich kann  froh sein, dass ich heute trotz! der Schullektüre meine Leidenschaft für Bücher nicht verloren habe. Vielen aus meinem damaligen Freundeskreis ging es anders, die hat der Deutschunterricht und die Art, wie dort Bücher besprochen wurden, so fürs Leben geprägt, dass sie zwanzig Jahre lang kein Buch mehr angefasst haben. Während ich mich für die Schule durch Hans Falladas Kleiner Mann – was nun oder Dürrematts Max Frischs Bidermann und die Brandstifter gequält habe, las ich nebenher mit großem Vergnügen Henry Millers Im Wendekreis des Krebses und Thomas Manns Der Zauberberg.

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Bücher können einem die Welt und andere Kulturen erschließen oder zumindest näher bringen, sie bieten Wissen und nehmen die Angst vor dem Fremden (wenn sie nicht gerade aus dem Kopp Verlag stammen 😉 ).

Ich sehe auch keinen Unterschied zwischen dem, was als E-Literatur und Trivialliteratur bezeichnet wird. Aus allem kann man etwas lernen, etwas für sich beziehen, jedes Buch sagt etwas über die Kultur aus, in der es entstanden ist. Der japanische Kulturwissenschaftler, der sich mit dem Phänomen der Heftromanserien wie Perry Rhodan oder John Sinclair beschäftigt (die zugegeben, nicht ganz mein Fall sind), kann dabei eine Menge über das Nachkriegsdeutschland lernen.

Ich habe auch die ersten drei Silberbände gelesen, die waren aber nur eine Leihgabe.

Ich habe auch die ersten drei Silberbände gelesen, die waren aber nur eine Leihgabe.

Stichwort Literaturverfilmungen

Roland Emmerich meinte kürzlich in einem Interview, Bücher sollten nicht verfilmt werden, die Leute sollen lieber die Bücher lesen. Sehe ich anders. Nicht jedes tolle Buch braucht eine Verfilmung, oft reichen sie nicht an Original heran, oder machen einem die Fantasie kaputt, die man während des Lesens im Kopf entwickelt hat. Aber Verfilmungen richten auch die Aufmerksamkeit auf die Bücher, die verfilmt wurden. Durch Apocalypse Now kam ich bereits als Jugendlicher zu Herz der Finsternis von Joseph Conrad, und auch viele andere tolle Bücher habe ich erst durch die Verfilmungen entdeckt.

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Stichwort Fremdsprache

In meinen Jugendjahren habe ich auch schon damit, angefangen Bücher auf Englisch zu lesen. Das erste war Catcher in the Rye von J. D. Salinger. Das war relativ kurz, und ich hatte es schon auf Deutsch gelesen, wodurch ich glaubte, besser mit dem englischen Text zurechtzukommen. Schon damals ist mir aufgefallen, wie sehr sich Original und Übersetzung unterscheiden können, denn ich merkte schnell, dass die englische Fassung deutlich vulgärer war, als die Übersetzung von Heinrich Böll. In den weiteren Jahren konnte ich durch meine Englischkenntnisse auch Bücher lesen, die nicht auf Deutsch erhältlich waren. Ich bin auch davon überzeugt, dass sich meine Englischkenntnisse durch diese Lektüre erheblich verbessert haben und dazu beigetragen hat, dass ich jetzt als Übersetzer arbeite.

Einige der ersten Bücher, die ich in der jeweiligen Fremdsprache gelesenhabe. Der "Asterix" habe ich gerade erst gekauft, da ich momentan einen Französischkurs an der Volkshochschule besuche. Meine Portugiesischkenntnisse sind inzwischen leider wieder stark eingerostet.

Einige der ersten Bücher, die ich in der jeweiligen Fremdsprache gelesen habe. Den „Asterix“ habe ich gerade erst gekauft, da ich momentan einen Französischkurs an der Volkshochschule besuche. Meine Portugiesischkenntnisse sind inzwischen leider wieder stark eingerostet.

Lesen ist für mich auch Entspannung. Wenn ich nach einem harten Arbeitstag aus der Suchtklinik nach Hause gekommen bin, habe ich abgeschaltet und neue Energie getankt, indem ich ganz in Dan Simmons Terror oder Mark Z. Danielwskis House of Leaves abgetaucht bin. Das hat bei mir die Batterien für den nächsten Arbeitstag aufgeladen. Und jetzt, wo Bücher meine Arbeit sind (genauer gesagt das Übersetzen von Büchern), kann ich auch nach zehn Stunden Textarbeit nicht darauf verzichten, abends noch ein wenig zu lesen. Das ist für mich wie Nahrung. Bücher liefern mir Rüstzeug und Inspiration für die Arbeit, wobei der Anteil an einfacher Unterhaltungsliteratur mit mittemäßigem bis schlechtem Stil stark zurückgegangen ist (ich denke da, z. B. an Bücher von Dan Brown, James Rollins, Matthew Reilly oder Steve Berry), da ich Angst habe, das könnte meinen eigenen Stil negativ beeinflussen (ganz weg lasse ich sie aber nicht). Inspiration suche ich mir lieber bei herausragender Literatur.

Bei einer exotischen Abenteuergeschichte sehe ich über schlechten oder generischen Stil gerne mal hinweg, was aber auch seine Grenzen hat. Die hier abgebildeten Autoren wissen, wie man eine spannende Geschichte inszeniert.

Bei einer exotischen Abenteuergeschichte sehe ich über schlechten oder generischen Stil gerne mal hinweg, was aber auch seine Grenzen hat. Die hier abgebildeten Autoren wissen, wie man eine spannende Geschichte inszeniert.

Lesen ist für mich mehr als nur ein Hobby. Das ist eine Leidenschaft, die mich von meiner Kindheit an geprägt hat, und die bis heute mein Leben bestimmt. Immerhin verdiene ich inzwischen meinen Lebensunterhalt damit, Bücher zu lesen (und dann zu übersetzen).

Beim Lesen bin ich aber auch immer wieder auf der Suche nach diesem Gefühl von damals, als ich noch nicht viele Bücher gelesen habe und die Lektüre für mich ein unglaubliches Erlebnis war. Diesen Sense of Wonder, der sich heute, nach vielen Tausend Büchern, nur noch schwer einstellen will. Diese Erfahrung, ganz in einem Buch zu versinken, es in einem Stück zu verschlingen, den ganzen Tag oder das ganze Wochenende nur darin zu lesen, und ganz in dem Abenteuer aufzugehen.

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Dabei bin ich übrigens in keiner Weise bibliophil veranlagt. Mir kommt es vor allem auf den Inhalt an, nicht so sehr auf die Verpackung. Gegen ein schön gestaltetes Buch habe ich natürlich nichts einzuwenden, und das ein oder andere hat sich auch in meine Regale verirrt, aber ich lese auch gerne E-Books (nicht nur aus Platzgründen).

Tja, also all das, was ich hier geschrieben habe, wäre ein Erklärungsansatz für die Frage: Warum ich gerne Bücher lese? Der andere wäre: Einfach, weil es mir Spaß macht. 🙂

Und wie sieht es bei euch aus? Warum lest ihr gerne Bücher?

Stand der Dinge: August 2016

Short English summary at the end.

Nach einer kurzen produktiven Phase herrscht hier im Blog gerade wieder ein Sommerloch, was vor allem daran liegt, dass ich aktuell Sonderschichten fahre, um eine Romanübersetzung abzuschließen, da die nächste bereits mit den Hufen schart. Beruflich läuft es also ausgezeichnet, momentan allerdings ein wenig auf Kosten der Freizeit, und damit auch auf Kosten des Blogs.

Dazu kommt, dass ich aktuell eine Phase habe, in der ich mich kaum für’s Genre (Fantasy u. Science Fiction) interessiere (habe ich meist einmal im Jahr, kann ein bis zwei Monate dauern). Seit ich Ende Juli auf einem ganz großartigen Konzert der wunderbaren ZAZ war, wurde bei mir durch ihr fantastische Musik ein intensives Interesse an Frankreich geweckt. Ich bin schon immer ein Fan des französischen Kinos gewesen, und habe auch das eine oder andere Buch aus unserem Nachbarland gelesen (vor allem die Thriller von Jean-Christophe Grangé), möchte mich aber jetzt genauer mit der (vor allem zeitgenössischen) französischen Literatur beschäftigen. Dazu haben ich schon Paris, die Nacht von Jérémie Guez und Elementarteilchen von Michel Houellebecqu gelesen, und stecke gerade mitten in dem ganz großartigen Roman Der Club der unverbesserlichen Optimisten von Jean-Michel Guenassia.

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Zu den drei Büchern wird es einen ganz kurzen Blogeintrag geben. Mehr aber nicht, da ich meiner Linie treu bleiben werde, in diesem Jahr nur Romane von Frauen ausführlich zu besprechen. Die stehen dann als Nächstes auf der Leseliste. Und zwar: Das Lächeln meiner Mutter von Delphine de Vigan, Der Liebhaber von Marguerite Duras und Baise-moi von Virginie Despentes.

Falls noch jemand weitere zeitgenössische französische Autorinnen empfehlen kann, immer her damit! Außerdem bin ich auf der Suche nach einem guten Sachbuch über Paris. So in der Art wie Peter Akroyds London – Die Biographie. Scheint es aber nicht zu geben.

Die angekündigte Beitragsreihe Was macht ein gutes Fantasycover aus? werde ich vermutlich nicht fortsetzten. Da es dazu kaum Feedback gab und die Zugriffszahlen sich in Grenzen halten, scheint es auch nicht viel Interesse daran zu geben. Der Beitrag ist sowieso nur aus einer Laune heraus entstanden, und mein Elan für das Thema ist inzwischen wieder versiegt.

Was ich aber weiter im Auge behalten werde, sind die hier schon vorgestellten Herbst/Winter-Programme der phantastischen Verlage (vor allem die Bücher von Autorinnen). Da erscheinen jetzt die ersten Titel, und mit Irrlichtfeuer von Julia Lange ein Buch, dass ich mir vormerken werde. Sobald die Frankreichobsession ein wenig abschwächt, wird das Buch dann drankommen.

Ansonsten habe ich den Sommer mit tollen Wanderungen an Rhein, Lahn, Mosel und im Westerwald verbracht und einigen Fahrradtouren. Das Fantasy Filmfest werde ich in diesem Jahr aus Zeitgründen leider nicht besuchen. Urlaub wird es bei mir erst im nächsten Jahr wieder geben (dann aber richtig). Die einzigen beiden Sachen, die ich 2016 noch besuchen werden, sind das Galaktische Forum im Rahmen der Frankfurter Buchmesse und natürlich der traditionelle Bucon (den ich mir in keinem Jahr entgehen lasse).

Due to a translation that has to be finished, and another one that is waiting to get started, I am neglecting this blog currently. Since I have been to a wonderful concert by the fantastic ZAZ, I am intensely interested in France and especially French literature. There will be some reviews of French books in the near future.

Listen to the music of ZAZ! It makes the world a better place!

Bücher mehrmals lesen?

Mir begegnen (im Netz wie auch im ganz richtigen wirklichen Leben) immer wieder Menschen, die sagen, dass sie ein Buch nur einmal lesen. Und zwar konsequent. Meist mit der Begründung, dass es noch so viele Bücher zu lesen gäbe, und man keine Zeit damit verschwenden wolle, eines zweimal zu lesen.

Naja, selbst wenn man sich daran hält, ist das doch eine Sisyphusarbeit, da man es nie schaffen wird, alle interessanten Bücher zu lesen und auf ewig seiner Leseliste nachhecheln wird. Ich habe es inzwischen selbst in den Genres, in denen ich möglichst belesen sein möchte, aufgegeben, alle interessanten und tollen Bücher lesen zu wollen.

Ich lese nur noch, worauf ich gerade Lust habe. Und gelegentlich habe ich Lust, ein Buch zu lesen, dass ich schon einmal gelesen habe. Wie aktuell z. B. Frank Herberts Der Wüstenplanet in der Neuübersetzung von Jakob Schmidt. Das habe ich in der alten Übersetzung von Ronald M.Hahn vor ungefähr 20 Jahren gelesen, seitdem nicht mehr.

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Jeder von uns liest Bücher mit unterschiedlichem Gepäck. Damit meine ich Wissen, Erfahrungen, bereits Gelesenes usw., alles Faktoren, die unser Leseerlebnis beeinflussen. Bei meiner Erstlektüre von Der Wüstenplanet, war ich 16 Jahre alt, hatte bis dato vielleicht 100 Bücher gelesen, keines davon Science Fiction. Ich bin also relativ unbedarft und mit viel Raum für den berühmten Sense of Wonder an die Lektüre herangegangen, was meine Meinung und mein Leseerlebnis natürlich massiv beeinflusst hat.

Jetzt, 20 Jahre später habe ich tausende von Büchern gelesen – hunderte SF-Werke darunter -, ich kenne so viele Ideen, Geschichten, Handlungsschemata usw. Die Chance, den Sense of Wonder in einem neuen Buch zu erleben, ist deutlich gesunken. Ich bin nicht mehr so leicht zu beeindrucken, dafür muss sich die Autorin schon ordentlich was einfallen lassen. Trotzdem habe ich nach wie vor viel Spaß mit neuen Büchern, und von den 69 Werken, die ich letztes Jahr gelesen habe, haben mir fast alle gut gefallen.

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Aber wie ist das mit Büchern, die man schon einmal gelesen hat? Meine absoluten Lieblingsbücher (z. B. Sommer der Nacht von Dan Simmons, Es von Stephen King oder Elric von Melniboné von Michael Moorcock) habe ich schon mehr als zweimal gelesen. Deren Inhalt kenne ich jetzt nicht ganz auswendig, aber doch gut genug, um nicht mehr überrascht zu werden. Da spielt bei der erneuten Lektüre auf jeden Fall ein Nostalgiebonus eine Rolle. Meine Erinnerungen an die Zeit, als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, was für ein wundervolles Abenteuer es damals war, mit welcher Begeisterung ich es verschlungen habe. Die erneute Lektüre ist dabei also auch ein Versuch, das damalige Lesegefühl zu wiederholen, was bei den wirklich besonderen und mir besonders kostbaren Büchern auch immer wieder gelingt.

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Bei Büchern, deren Lektüre 15 Jahre und mehr zurückliegt, sieht die Sache etwas anders aus. Wenn ich mit dem zweiten Lesen beginne, bin ich immer wieder überrascht, wie viel von dem Buch ich vergessen und wie viel ich falsch in Erinnerung habe. In diesem Fall besitze ich also nur noch eine vage Erinnerung an ein positives Leseerlebnis und nur noch grobe Kenntnisse über die Grundhandlung. Die Zweitlektüre gleicht einem Wiederentdecken, aber eben mit dem weiter oben erwähnten neuen Gepäck. Inzwischen bin ich viel gebildeter (oder bilde mir das zumindest ein) und verstehe viele Anspielungen, Verweise und Metaphern, die mir einst entgangen sind; sehe neue Ebenen und lese dadurch ein ganz anderes Buch, wie der jugendliche Markus. Die Worte mögen die gleichen sein, wie damals, aber das Buch hat sich in meinen Augen verändert. Dadurch entsteht ein eindeutiger Mehrwert durch die erneute Lektüre.

Der Reread kann aber auch in die Hose gehen. Bei manchen Büchern merke ich jetzt, wie schlecht sie eigentlich geschrieben (oder übersetzt?) sind. Als Teenager besaß ich kein großes Gespür für guten Stil, plausible Handlung, eine originelle Erzählstimme usw., da hat mir auch das literarische Äquivalent eines Chuck-Norris-Films gefallen. Teilweise wird die Erinnerung an die damalige Lektüre durch den Nostalgiebonus verklärt, und während der Zweitlektüre frage ich mich, wieso mir das damals so gut gefallen hat. So ging es mir zum Beispiel mit dem ersten Band der Drachenlanze von Margarete Weis und Tracy Hickman, der mir inzwischen doch zu plump geschrieben ist, auch wenn ich verstehen kann, warum ich die Figuren der Heldengruppe (Fizban, Raistlin und Co.) damals mochte.

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Meistens macht mir der Reread aber großen Spaß. Zwei Fälle habe ich vor nicht all zu langer Zeit dokumentiert und die Bücher genau unter den oben erwähnten Aspekten besprochen. Helle Barden, mein erster Scheibenweltroman von Terry Pratchett und Der Drachenbeinthron von Tad Williams (als Vorbereitung auf die angekündigten Fortsetzungen). Auch mit Stephen Kings Shining hatte ich viel Spaß, ähnlich wie bei Der Wüstenplanet bin ich erstaunt, wie viel der Erinnerung von den Bildern der Filme überlagert wurde. Da ich als Jugendlicher vor allem Fantasy und Stephen King gelesen habe, sind es auch vor allem phantastische Werke, die ich erneut lese.

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Demnächst ist aber mein erstes unphantastisches Buch an der Reihe: Mond über Manhattan von Paul Auster. Bis zu diesem Buch dachte ich, dass Bücher, die in unserer Welt spielen nur langweilig sein können. Damals habe ich vermutlich vor allem aus eskapistischen Gründen gelesen, aber das ist ein anderes Thema. Ich bin schon sehr gespannt, wie mir der Auster dieses Mal gefallen wird. Kürzlich habe ich mir nach 20 Jahren wieder den Film Smoke (mit Harvey Keitel und William Hurt) angesehen, dessen Drehbuch von Paul Auster stammt, und der mich auf diesen Autor aufmerksam gemacht hat.

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr Bücher mehrmals?

31. Januar 2006: Der erste Tag

Hier geht es zum vorigen Teil „Der Flug nach Brasilien“

Sao Paulo ist laut. Obwohl ich schon seit über 24 Stunden auf den Beinen war, bzw. für 13 Stunden auf den Arschbacken, konnte ich in meiner ersten südamerikanischen Nacht nicht gut einschlafen. Sao Paulo ist eine laute Metropole, die auch nachts nicht ruht. Durch die abendliche Wärme hatten wir die Fenster geöffnet und waren so empfangsbereit für die nächtliche Geräuschkulisse der Millionenstadt. Dazu gehörten neben den Motoren aufheulen lassenden Autos auch mitteilungsbedürftige Brasilianer, deren nächtliche Botschaften ich mangels Sprachkenntnissen nicht entschlüsseln konnte. In dieser Nacht erfuhr ich auch durch Phillips Nachbarn, dass Brasilianer fernsehverrückt sind, und die Glotze zu jeder Tages- und Nachtzeit mit hoher Lautstärke läuft. Auf das kaum zu ertragende Fernsehprogramm werde ich später noch eingehen. Irgendwann war ich dann doch eingeschlafen und verbrachte meine erste Nacht auf einem fremden Kontinent völlig traumlos.

Gegen 11.00 Uhr mittags waren Thomas und ich dann erwacht. Phillip hatte uns eine Nachricht hinterlassen, dass er schon zur Arbeit sei und wir ihn dort anrufen sollten. Zunächst versuchte ich mit meinem Handy zu Hause anzurufen, um eine geglückte Ankunft zu vermelden, was aber nicht funktionierte. Eine SMS kam dann aber doch bei meiner Mutter an, die mich dann auf mein Handy zurückgerufen hat. Die Verbindung war überraschend gut, und wie sich im Nachhinein herausstellte, auch nicht zu teuer. Nach der ersten Berichterstattung ans mütterliche Hauptquartier und einem Anruf bei Phillip, zog es uns hinaus in unser erstes brasilianisches Tageslicht.

Hier ein Blick aus Phillips Wohnungsfenster:

Pillips Fenster

Die Sonne war warm, aber nicht so heiß, wie ich erwartet hatte (mit der Zeit haben wir gemerkt, dass es in Sao Paulo immer etwas kühler ist, als in der Umgebung, z. B. in Campinas, das nur eine Stunde entfernt liegt). Auf dem Weg zu Phillips Arbeitsplatz sind wir noch in einen der unzähligen kleinen Kioske hinein, um uns etwas zu trinken zu kaufen. Dort machten wir eine Erfahrung, die wir noch viele Male in Brasilien machen sollten. Ein 50-Reais-Schein ist einfach zu groß zum Bezahlen. Aus Angst vor Überfällen haben die kleinen Geschäfte einfach nicht so viel Wechselgeld. Leider spucken die Geldautomaten aber oft 50-Reais-Scheine aus, so dass man jede Gelegenheit zum Wechseln nutzen sollte.

Da ich aber vom Flughafen noch genug Kleingeld dabei hatte, ging es kurz darauf mit Wasser ausgerüstet weiter durch den Großstadtdschungel. Der erste auffällige Unterschied zum deutschen Großstadtleben ist, dass sich in Sao Paulo das Leben auf der Straße abspielt. Überall sitzen die Leute an der Straße vor ihren Häusern oder in Cafés und unterhalten sich. Überall gibt es kleine Geschäfte, Bäckereien (Paderias), Cafés, Werkstätten usw. Es ist ein ständiger Strom von Passanten, der auf den Gehwegen flaniert und die stark frequentierten Straßen überquert. Die Straßenüberquerung ist eine wirklich heikle Angelegenheit im anarchischen Straßenverkehr, in dem jeder nach seiner Laune fährt und die Spuren wechselt. Zum Glück gibt es viele Ampeln, obwohl sich die meisten Fußgänger nicht daran halten. Auch wenn wir in unseren neun Wochen in Brasilien keinen Zusammenprall zwischen Mensch und Automobil beobachten konnten, drängt sich bei den vielen an Krücken laufenden Menschen der Verdacht auf, dass dies gar nicht so selten passiert. Und die Menschen, die dort an Krücken laufen, haben nicht diesen typisch deutschen in-vier-Wochen-bin-diesen-Scheiß-Gips-los-Gang drauf, sondern einen, der vermuten lässt, dass sie nie wieder richtig laufen werden. Da bin ich, bei aller Kritik, unserem Gesundheitswesen doch dankbar.

Urlaub 023

Aber genug der Abschweifung und zurück zu Thomas‘ und Markus‘ erstem Abenteuer in der Großstadt. Konnten wir in der Nacht noch feststellen, dass Sao Paulo laut ist, haben wir nun auch noch gemerkt, dass Sao Paulo stinkt. Von allen Seiten drängen sich einem die verschiedensten merkwürdigen Gerüche auf. Aus jedem Haus, an dem wir vorbeigelaufen sind, strömte ein anderer Geruch.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland sind die Obdachlosen. Sie sammeln sich nicht einfach an einigen bestimmten Punkten in der Stadt, sondern liegen überall rum, auch mitten auf dem Bürgersteig. Das sind meist Cracksüchtige, die so weggetreten sind, dass sie um sich herum gar nichts mehr mitbekommen.

Während wir all diese Eindrücke in uns aufgenommen haben, und uns an Phillips Wegbeschreibung hielten, standen wir plötzlich vor seinem Arbeitsplatz, dem Institut Gtech.

Hier stehe ich mit Badah und Lea vor dem Eingang:

Vor dem Institut

Das Institut arbeitet mit Kindern und Jugendlichen. Mit Hilfe von Kunst – vor allem Graffiti – versuchen sie die Kinder auf der Straße zu erreichen.

Graffiti

Diese Arbeit fand während unserer Anwesenheit in Sao Paulo allerdings nicht statt, da das Institut renoviert wurde. Wir konnten aber einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenlernen. Es gab unter ihnen auch welche, die Deutsch gesprochen haben. Insgesamt waren alle sehr freundlich, aber auch sehr im Stress, weswegen wir ihnen nicht länger auf die Nerven gehen wollten. Wir haben uns entschieden, Sao Paulo auf eigene Faust zu erkunden. Doch vorher ging er noch zum Mittagessen ins KiloGrama. Einem Restaurant, das wir in den nächsten Tagen noch gut kennenlernen sollten.

KiloGrama

Hier stehen Markus, Lea und Badah hungrig vor dem KiloGrama. (In diesem Leben wird aus mir sicher kein Fotomodel mehr werden.)

Das Prinzip des Restaurants ist ganz einfach. Es gibt ein reichhaltiges warmes Büffet, das sich der Kunde auf den Teller türmen kann. Nun geht er zur Kasse, wo der Teller gewogen wird und der Kunde fürs Gewicht zahlt. Auch wenn ich nicht wusste, was ich mir da alles auf den Teller geholt habe, hat es mir größtenteils gut geschmeckt. Dass ich mir mein Essen auch selber aussuchen konnte, ohne etwas von einer Karte, die in einer mir unbekannten Sprache geschrieben ist, bestellen zu müssen, zerstreute meine im Vorfeld der Reise aufgekommenen kulinarischen Bedenken.

Mit vollem Magen ging es dann für uns drei Deutsche auf Expedition in den Großstadtdschungel. Wir wollten zu Avenida de Paulista gehen, dem finanziellen Zentrum Sao Paulos. Die Wegbeschreibung war sehr einfach. Von Badahs Wohnung sollten wir einfach links um die Ecke, dann noch mal links und dann immer gerade aus. Dank der übersichtlichen Karte war es für uns auch nicht schwierig, denn Weg zu finden. Bis zur „Paulista“ waren es ungefähr zwanzig Minuten Fußweg durch eines der wohlhabendsten Viertel der Stadt. Es waren eine Menge Leute unterwegs, die sich kaum um die zahlreichen roten Fußgängerampeln kümmerten. Was mich angesichts des chaotischen Straßenverkehrs doch etwas beunruhigte. Ich blieb dann auch lieber bei Rot stehen während Thomas und Lea sich eher den lokalen Gepflogenheiten anpassten. Es dauerte auch nicht lange, bis wir denn ersten Unfall mitbekommen haben. Ein Motorradkurier wurde von einem Auto umgefahren. Das Auto fuhr dann einfach weiter. Zum Glück kümmerten sich aber Passanten um den Verletzten.

Auf halber Strecke zur Paulista machten wir Pause in einem Park.

such a perfect dayIm Park

Bei hochsommerlichen Temperaturen genossen wir diese kleine Insel der Ruhe im hektischen Großstadtgewimmel. Zum ersten Mal konnte ich in Ruhe realisieren, dass wir jetzt auf einem völlig anderen Kontinent waren.

Auf der Paulista ging es noch hektischer zu. Unzählige Menschen unterschiedlichster Hautfarbe in jedem Alter wuselten geschäftig durch die Einkaufs- und Bankenstraße. Von der südamerikanischen Gelassenheit konnte ich hier noch nicht viel erkennen.
Da es hier unzählige Banken gab, entschied ich, mal mein Glück an einem der Bankautomaten zu versuchen. Mit gezückter Bankkarte ging es zur Itau-Bank. Brasilianische Banken und Geldautomaten unterscheiden sich auch nicht groß von den europäischen. Aber es kommt auf die kleinen Unterschiede an. In diesem Fall war der kleine Unterschied ein Hohlraum zwischen Kartenschlitz und Gehäuse, der meine Karte in den schwarzen Tiefen des Bankautomaten verschwinden lies. Konnte mich die südamerikanische Hitze bisher noch nicht zum Schwitzen bringen, schaffte es nun dieser Bankautomat. Die Bank war nämlich schon geschlossen. Hier stand ich nun ohne Portugiesischkenntnisse und ohne Bankkarte. Ich klopfte dann an die Scheibe, da im Inneren noch einige Angestellte unterwegs waren. Die reagierten nicht auf mein Klopfen, und ich begann mir nun zum ersten Mal, wirklich Sorgen zu machen. Doch in diesem Moment leichter Verzweiflung rettete mich die typisch brasilianische Hilfsbereitschaft. Eine Kundin hatte mein Dilemma mitbekommen und rief eine Angestellte zu sich, um ihr mein Problem zu erklären. Nach Vorlage meines Ausweises wurde der Automat geöffnet und mir meine Karte zurückgegeben. Von Bankautomaten hatte ich jetzt erst einmal die Schnauze voll.

Sichtlich erleichtert, aber auch mit ein wenig peinlich berührt ging ich nun mit Lea und Thomas zurück. Nachdem ich mich von diesem Schock erholt hatte, ging ich auch in eine andere Bank um etwas Geld abzuheben. Es funktionierte einwandfrei, denn die meisten Bankautomaten können auch Englisch. Die Itau-Bank sollte ich aber für den Rest meines Aufenthaltes nicht mehr betreten.

Am Abend sollten wir dann noch mehr von der brasilianischen Gastfreundschaft genießen können. Eunice, die Kollegin von Badah hatte uns eingeladen, den Abend mit ihr zu verbringen. Mit ihrem Kleinwagen holte sie uns vor Badahs Wohnung ab. Zu dritt quetschten wir uns auf die Rückbank. Da ich Eunice Fahrstil schon vom Vorabend kannte, hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl. Badah, der inzwischen immer besser Englisch sprach, erklärte uns vom Beifahrersitz aus, dass wir bei einer Freundin von Eunice eingeladen waren.

Los ging es – mit dem schon gewohnt hektischen Fahrstil stürzte sich Eunice in den Großstadtverkehr, die Türen waren dabei wie immer – aus Angst vor Überfällen – verschlossen. Es war ungefähr 18.00 Uhr und schon dunkel, was für uns schon ein wenig gewöhnungsbedürftig war, da die Sonne in Deutschland im Sommer erst sehr spät untergeht.
Sao Paulo bei Nacht ist jedenfalls ein Erlebnis. Die zahllosen Lichter der unzähligen Hochhäuser erleuchteten den schwarzen Hintergrund, ähnlich wie Sterne den Himmel. Wir sausten über die mehrspurigen Straßen, in ständiger Angst vor einem Zusammenprall. Ich war mir nämlich noch nicht sicher, ob Eunice wusste, was sie da tat oder ob es einfach der typische Fahrstil für Sao Paulo war.

Im richtigen Viertel angekommen hatte Eunice Schwierigkeiten, das richtige Haus zu finden, da hier einfach alles gleich aussah. Nach einigen gewagten Wendemanövern und einem beinahe Zusammenstoß mit einem Roller, sind wir endlich am Ziel angekommen. Wie jedes brasilianische Haus lag auch dieses hinter einer hohen Mauer und einem Zaun. Eine kleine Frau mittleren Alters begrüßte uns auf die typische brasilianische Art, also eine Umarmung zusammen mit dem Aneinanderdrücken der beiden Wange. Eine Begrüßung, an die ich mich wohl nie gewöhnen werde, da ich Körperkontakt eher scheue. Nach kurzem Smalltalk bat sie uns an den Küchentisch, wo ein extra für uns gebackener Kuchen wartete. Dazu kamen noch die typisch brasilianischen Käsebällchen und Kaffe. Unsere Gastgeberin sprach zwar weder Deutsch noch Englisch, dafür aber ein bisschen Französisch. Was uns aber nicht weiterhalf, da wir kein Französisch sprachen. Ich hatte es nach der achten Klasse und einer Sechs auf dem Zeugnis abgewählt. Die Verständigung lief aber dank der Hilfe von Badah ganz gut. Ich habe an diesem Abend mehr Portugiesisch gelernt als in drei Monaten Sprachkurs.

Unsere Gastgeberin ist Psychologin, die eine Weile in Paris studiert hat. Nun lebt sie alleine in Sao Paulo und erzählte von den Beziehungsschwierigkeiten ihres erwachsenen Sohnes. Als wir aufbrachen waren wir noch ganz perplex von der Gastfreundschaft dieser Frau, die uns gar nicht kannte. Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland Ähnliches erlebt hätten.

Nach dem gemütlichen Beisammensein hieß es nun wieder zurück in Chaos, sprich in Eunice Auto. Nun gab es eine kleine Rundfahrt, vorbei an einigen Sehenswürdigkeiten, an die ich mich aber leider nicht mehr erinnern kann. Ich war einfach zu sehr auf die anderen Autos fixiert.

Nachdem wir einige Zeit im Kreis gefahren sind, machten wir noch einen Stopp in einem der zahlreichen Parks Sao Paulos. Es war ungefähr 21.00 Uhr. Der Abend war warm und bis auf ein paar Skater war in dem Park nicht viel los. Wirklich sehenswert war das ungewöhnliche Museum. Das Dach, beziehungsweise die Wand, zog sich wie ein Zelt in einer langen Schräge vom Boden bis zur Spitze. Vor dem Gebäude saß ein einsamer Wächter auf einem Stuhl und passte die ganze Nacht darauf auf, dass keine Skater das Dach als Rampe missbrauchen.
Wir streiften eine Weile gemütlich plaudernd durch den Park, bevor es zurückging. Unterwegs machten wir noch Halt in einer Bar und versuchten mit Hilfe von Caipirinha unsere Sprachkenntnisse zu trainieren. Es entstand ein babylonischer Sprachwirrwarr, der darin endete, das Badah Eunice auf Englisch ansprach, und sich wunderte, dass sie kein Wort verstand.

Nachdem sich Eunice von uns verabschiedet hatte und Lea ins Bett gegangen war, gingen Badah, Thomas und ich zu unserer Unterkunft bei Phillip. Dort gab es noch eine kleine Party. Phillip hatte seine Freunde eingeladen. Über 20 Leute drängten sich in der kleinen Wohnung, unterhielten sich erregt auf Portugiesisch, tranken Alkohol und kifften. Halt eine ganz normale Party. Nur dass wir kein Wort verstanden. Ab und zu erbarmte sich jemand mit Englischkenntnissen und fing eine Unterhaltung mit uns an. Insgesamt war es für uns eher frustrierend, gab uns aber auch Motivation, weiter die Sprache zu lernen.
Die Party ging weiter, es wurde immer später und Thomas und ich immer müder. An Schlaf war aber nicht zu denken, fand die Party doch auch auf unserem Bett statt. Gegen 3.00 Uhr war endlich Schluss, Phillip räumte auf und wir schliefen ein.

30. Januar 2006: Brasilien, wir kommen!

Hier geht es zum ersten Teil „Vorbereitungen“

Montagmorgen in aller Frühe ging es also los.

Flughafen Frankfurt

Doch das Land der Zukunft musste sich erst noch ein wenig gedulden, denn zunächst flogen wir nach Portugal, um dort drei weitere Stunden auf unseren Flug nach Brasilien zu warten. Von Frankfurt sind wir mit einer kleinen Maschine der TAP (Portugal) nach Lissabon geflogen. Und wenn ich »klein« schreibe, meine ich auch wirklich klein. Für einen Menschen von meiner Größe (1,87m) drängten sich Vergleiche mit einer Sardinenbüchse förmlich auf. Von Beinfreiheit kann gar keine Rede sein. Total übermüdet (ich hatte die Nacht durchgemacht), saß ich also in der Sardinnenbüchse, und konnte drei Stunden lang nur hoffen, dass der Flieger nach Sao Paulo doch etwas größer sein würde. In Lissabon angekommen, bekamen wir schon mal einen Vorgeschmack auf angenehmere Temperaturen. Es waren 13 Grad.

Flughafen Lissabon 1Flughafen Lissabon 2

Nach drei Stunden Beinfreiheit ging es dann weiter in einem Langstreckenflieger der brasilianischen Airline Varig.

Flughafen Lissabon 3

Entgegen meinen Befürchtungen gab es in der Varig Maschine doch etwas mehr Beinfreiheit und für mich sogar einen Fensterplatz. Als Bonus gab es dazu noch einen brasilianischen Jungen in der Reihe hinter mir, der sich einen Spaß daraus machte, seine Knie gegen unsere Rückenlehnen zu hauen. Und zwar denn ganzen Flug lang. Im Sinne der deutsch-brasilianischen Freundschaft und Mangels guter Sprachkenntnisse hielten wir uns mit Kritik dezent zurück. Was gibt es noch zum Flug zu sagen? Das Essen war erträglich, der Film akzeptabel und der Service annehmbar. Schlafen konnte ich, im Gegenteil zu Thomas und Lea, nicht, dafür gab es aus dem Fenster eine Menge Wasser zu sehen. Ich habe die Zeit genutzt, um meine kaum vorhandenen Portugiesischkenntnisse zu verbessern, in der Hoffnung, ein kommunikatives Desaster bei der Ankunft zu vermeiden.

Zehn Stunden Flug sind ganz schön lange, doch irgendwann waren auch die vorbei und unser Flieger setzte vor der faszinierenden nächtlichen Kulisse Sao Paulos zur Landung an. Der erwartete Hitzeschock bei Verlassen der Maschine blieb aus. Es regnete und war angenehm warm. Die Einreise- und Zollformalitäten waren schnell erledigt, und in der Ankunftshalle warteten schon Andre, Eunice und Badah auf uns. Das kommunikative Desaster blieb aus. Andre spricht gutes Englisch. Badah auch, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er übrigens auch nicht. Eunice spricht nur Portugiesisch, weshalb die Unterhaltung mit ihr sehr kurz und einseitig blieb.

Mit Andres Pickup und Eunices Kleinwagen ging es dann hinein in den nächtlichen Stadtverkehr. Die Stadt bietet ein faszinierendes Panorama, das ich aufgrund der brasilianischen Fahrkünste allerdings nur eingeschränkt genießen konnte. Nach kurzem Hin und Her waren dann auch die Unterkunftspläne geklärt. Um Phillips in Spanien lebende Freundin nicht eifersüchtig zu machen – die Brasilianerinnen sind da wohl sehr temperamentvoll – schlief Lea bei Badah und Thomas und ich bei Phillipe. Bevor wir unseren wohlverdienten Schlaf auf Phillipes ausziehbarer Couch finden sollten, haben wir noch unsere erste brasilianische Pizza bestellt. Und wer jetzt meint, Pizza ist gleich Pizza, der hat noch nie in Brasilien Pizza gegessen. Die von mir erst einmal vorsichtshalber bestellte Pizza Margherita erwies sich als mit fremdartigen Gewürzen und Gemüse belegte Geschmacksbombe, die meine noch nicht angepassten Geschmacksnerven überforderte. Später sollte ich erfahren, dass die Pizza die bei uns Margherita heißt, in Brasilien unter dem Namen Muzzarella zu finden ist. Nach den ersten geschmacklichen Abenteuern und einer noch abenteuerlicheren Dusche – in Brasilien wird das Wasser in den Duschen nämlich mit Stromkabeln geheizt, die direkt in den Duschkopf verlaufen – ging es dann endlich ins Bett.

Markus Mäurer

Morgen geht es mit dem Bericht über den ersten Tag in Brasilien weiter.

27. Januar 2006: Ein Rückblick auf das Land der Zukunft

27. Januar 2006:

Wenn ich, während ich diese Zeilen schreibe, aus dem Fenster blicke, sehe ich vor allem Weiß. Weiße, von Schnee bedeckte Dächer, weiße Straßen und weiße Wiesen. Weißer Schnee, der einen Eindruck von Unschuld hinterlässt und der asphaltierten Landschaft einen Hauch von Unberührtheit verleiht. Die zentimeterlangen Eiszapfen, die vor meinem Fenster hängen, zeugen von den frostigen Temperaturen, die momentan hier Deutschland herrschen. Und während ich all dies betrachte, bildet sich ein Schmunzeln auf meinem Gesicht, in der Gewissheit, dass diese winterliche Pracht für mich in drei Tagen vorüber ist. Denn am Montag in aller Frühe startet der Flieger, der mich zusammen mit Thomas und Lea nach Brasilien bringt – mitten hinein in einen Sommer, der uns sicher jeden Gedanken an Eiszapfen absurd erscheinen lassen wird.

Die letzten Reisevorbereitungen sind getroffen, und wir leben in Gedanken schon halb in einer anderen Welt. Letzten Sonntag haben wir kurzfristig entschieden, uns doch gegen Gelbfieber impfen zu lassen. Was noch einmal zu montäglichem Stress führte, da man sich normalerweise mindestens zehn Tage vor Reiseantritt impfen lassen sollte.

Wie sind wir eigentlich dazu gekommen, ein Praktikum in Brasilien zu machen? Ich kann die Frage an dieser Stelle nur für mich beantworten. Bereits in meinem ersten Semester an der Universität Siegen bin ich in einem Seminar bei Herrn Fichtner gelandet, der dort reichlich Werbung für Praktikumsmöglichkeiten in Brasilien machte. So stand bereits in meinem ersten Semester für mich fest, dass ich ein ebensolches Praktikum machen möchte. Es dauerte dann weitere fünf Semester, bis der Plan langsam handfest wurde. Freundlicherweise vermittelte mir Herr Fichtner Kontakt zu Thomas und Lea, mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Das ist auch enorm wichtig für ein solches Projekt. Das Projekt selbst nahm im Verlauf des Sommers 2005 Gestalt an, bis wir dann im Oktober die Flüge gebucht haben. Da ein solcher Flug nicht gerade billig ist, ist es sinnvoll beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) einen Fahrtkostenzuschuss zu beantragen. Dafür braucht man Folgendes:

  • Ein abgeschlossenes Grundstudium (wie das bei den Bachelors läuft, weiß ich nicht)
  • Eine Bescheinigung der Heimatuniversität darüber das man ein deutscher Student ist
  • Ein Sprachzeugnis (DAAD Vordruck)
  • Eine Bescheinigung des Fachbereiches über die Anerkennung des Praktikums
  • Eine Bestätigung der ausländischen Institution, bei der das Praktikum gemacht wird
  • Eine Kurzdarstellung des Praktikums
  • Ein Gutachten eines Dozenten über die eigene Person
  • Das Praktikum muss mindestens 60 Kalendertage dauern

Bei der einen oder anderen Voraussetzung lässt sich sicher auch etwas tricksen. Nicht dass wir das getan hätten, aber möglich ist es bestimmt. Was das Sprachzeugnis angeht – da muss man einfach jemanden finden, der den Vordruck des DAAD ausfüllen kann. Ich kann von mir jedenfalls nicht behaupten, fließend Portugiesisch zu sprechen. Noch nicht. Man sollte sich von diesen Formalitäten keinesfalls abschrecken lassen, wer ein Praktikum im Ausland machen möchte, der wird dies mit genügend Motivation auch schaffen. Für uns sind die Kontakte, die Herr Fichtner nach Brasilien hat, eine sehr große Hilfe. Denn dank seiner Unterstützung haben wir bereits eine Unterkunft für die ersten zwei Wochen in Sao Paulo und auch für die restliche Zeit in Campinas (Nachtrag von 2016: Ha ha, von wegen, vor Ort mussten wir feststellen, dass dem ganz und gar nicht so war. Das führte noch zu einigen chaotischen Wochen, bis wir endlich eine ganz tolle Gastfamilie hatten). Und durch die Zusammenarbeit mit Herrn Fichtner konnten wir uns auch schon ein wenig auf die brasilianische Mentalität einstellen.

Nachdem sämtliche formalen Hürden von uns überwunden wurden, heißt es nun, die letzten frostigen Tage im heimischen Winter zu genießen. Am Montagmorgen fliegen dann drei hoch motivierte Siegener Studenten ins Land des Kaffees, Sambas und der Strandschönheiten. Brasilien, Land der Zukunft, wir kommen.

 

Hier einige Winterfotos, die sicher einen netten Kontrast zu den kommenden Fotos aus Brasilien bilden werden:
Hier könnt ihr mich bei meiner Lieblingsbeschäftigung für diesen Winter sehen:

Der Mann mit der Schneeschaufel

Siegen mit Schnee:

Blick aus meinem ZImmer im Studentenwohnheim

Aber was hat Jean Claude Van Damme mit der ganzen Sache zu tun?

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Diesen Bericht habe ich vor genau zehn Jahren auf der von mir eigens für unser Projekt eingerichteten Seite Parque-Oziel.de (die es schon lange nicht mehr gibt) online gestellt. Ursprünglich wollten wir während unseres Projektes in Brasilien regelmäßig auf dieser Seite Bilder und Berichte hochladen, was aber aus technischen Gründen nicht funktioniert hat. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums unseres Projektes werde ich hier in den nächsten zwei Monaten regelmäßig Berichte und Tagebucheinträge einstellen, die am Tag genau vor zehn Jahren verfasst wurden. Einige Blogleser mögen das Projekt schon aus der von mir hier veröffentlichten Diplomarbeit kennen, aber diese Berichte sind deutlich persönlicherer Natur.

Die Fortsetzung folgt am 30. Januar.

Rückblick auf 2015

Wie schon im letzten Jahr gibt es einen kurzen Rückblick auf mein Jahr (2015). Was das allgemeine Weltgeschehen angeht, da halte ich es mit Helmut Schmidt, das ist Tagespolitik, dazu äußere ich mich nicht.

Buch des Jahres: Die Geschichte der Liebe – Nicole Krause, Die Unvollendete – Kate Atkinson
Bestes SF-Buch: Ready Player One – Ernest Cline, The Three-Body Problem – Cixin Liu, Echopraxia – Petter Watts
Bestes Fantasybuch: The Grace of Kings – Ken Liu
Bestes Horrorbuch: That Which Should Not Be – Brett J. Tally
Bester Krimi/Thriller: Das Kartell – Don Winslow, Sturm über New Orleans – James L. Burke
Beste neue Kurzgeschichte des Jahres: Operation Gnadenakt – Frank Böhmert
Bester Kurzgeschichtenklassiker: Mimsy were the Borogoves – Henry Kuttner
Kinofilm des Jahres: Mad Max: Fury Road
Bester Film (nicht im Kino gesehen): La Grande Belleza (Die Große Schönheit)
SF-Film des Jahres: Ex Machina
Serienereignis des Jahres: Netflix
Beste alte Serie: Person of Interest, Fargo, Penny Dreadful, Parenthood
Beste neue Serie: Narcos, Mr. Robot, Better Caul Saul
Bestes Serienfinale: Mad Men, das Ende einer Ära.
Album des Jahres: Sol Invictus – Faith No More
Persönliche musikalische Neuentdeckung des Jahres: Die Antwoord
Computerspiel des Jahres: Life is Strange
Zeitschrift des Jahres: Phantastisch, Geek und Locus
Konzert des Jahres: War leider auf keinem Konzert (aufgrund eines Unwetters habe ich darauf verzichtet, nach Bonn zum Konzert von ZAZ zu fahren)
Fandomveranstaltung des Jahres: Bucon, MarburgCon
Veranstaltung des Jahres: Fantasy Filmfest in Berlin

Persönliches Ereignis des Jahres: Letztes Jahr hatte ich hier angegeben, Trauzeuge gewesen zu sein. Dieses Jahr ist irgendwie nichts Aufregendes passiert. Höchstens, dass ich im Dezember endlich mal eine Kurzgeschichte fertig geschrieben und auf meinen Blog veröffentlicht habe. Auch wenn kaum jemand sie gelesen hat.

Ach, da fällt mir doch etwas ein. Ich habe es erstmals geschafft, zum Forentreffen der Bibliotheka Phantastika zu fahren. Das fand in diesem Jahr an einem Septemberwochenende in Wetzlar statt und beinhaltete eine wirklich tolle Führung durch die Phantastische Bibliothek von Wetzlar.

Größte Veränderung des Jahres: Habe angefangen, viermal die Woche mit dem eigenen Körpergewicht zu trainieren.

Beruflicher Höhepunkt des Jahres: Letztes Jahr schrieb ich: Was 2015 bringen wird: Hoffentlich eine hauptberufliche Karriere als Übersetzer, die letzten drei Monate des Jahres 2014 liefen schon mal ganz gut.

Das Jahr 2015 lief dann tatsächlich ganz gut. Bin von Anfang bis Ende des Jahres gut mit Aufträgen versorgt gewesen. Wobei es in diesem Jahr nur ein Roman war (ansonsten Kurzgeschichten und jede Menge TV-Dokus, wobei die Kurzgeschichten für den „Akte X“-Band zusammengerechnet auch auf Romanlänge kommen). Ich hoffe, dass sich die Zahl 2016 erhöhen wird. Einen Auftrag habe ich schon (vorausgesetzt, der Autor liefert das Buch im Original auch pünktlich ab – und nein, es ist nicht George R. R. Martin. 🙂 ).

Erkenntnis des Jahres: Ich will mehr eigene Texte schreiben (Kurzgeschichten und Romane). Ich will mehr auf Englisch schreiben. Mein Interesse an der Phantastik hat im letzten Viertel des Jahres etwas nachgelassen, bzw. meine Interessen haben sie (vorübergehend?) etwas verschoben.

Was 2016 hoffentlich bringen wird: Mehr Romanübersetzungen, mehr englischsprachige Blogeinträge, mehr von mir geschriebenen Kurzgeschichten und hoffentlich auch endlich mal einen abgeschlossenen Roman.