„Die Frau mit den Fünf Elefanten“

Heute mal eine Filmempfehlung zum Thema Übersetzen:

„Die Frau mit den Fünf Elefanten“

Die Frau ist Svetlana Geier, geboren 1923 in Kiew, gestorben 2010. Als Jugendliche ist sie unter der deutschen Besatzung nach Deutschland gekommen, weil sie von einem Offizier als Dolmetscherin gefördert wurde, der ihr eine Stelle in Deutschland verschaffte, was ihr später ein Stipendium für ein Studium in Deutschland ermöglichte. Seit dem hat sie als Übersetzerin und Lektorin gearbeitet sowie an Universitäten unterrichtet.

Der Film von 2009 begleitet sie in ihrem Alltag, in ihrem Familienleben, bei ihrer Arbeit, aber auch bei einer Reise in ihre Vergangenheit, auf der sie mit ihrer Enkelin in die alte Heimat zurückkehrt.

Die fünf Elefanten sind die fünf großen Romane von Dostojewskis, die sie im hohen Alter noch neu übersetzt hat, und damit die bisherige, als eher schlecht geltende Übersetzung ersetzt. Der Film zeigt sie auch beim Übersetzen und man erfährt viel Interessantes und Hilfreiches über das Handwerk.

Ein beeindruckender Film über eine beeindruckende Frau. Kann ich nur jedem empfehlen, der sich fürs Übersetzen interessiert.

Durch den Film wurde mir erst klar, warum ich vor ein paar Jahren eine Gesamtausgabe von Dostojewskis Werk für unter 20 Euro erwerben konnte. Es handelte sich um die alte, überholte Übersetzung.

Und noch eine kleine Empfehlung: In der aktuellen Ausgabe von Druckfrisch empfiehlt Denis Scheck die Shakespeare Neuübersetzungen von Frank Günther und begründet auch, warum er diese den alten und dem Original vorzieht:

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/339944_druckfrisch/8889576_denis-scheck-empfiehlt-die-neubelebung-shakespeares?buchstabe=D

Briane Keene

Ich muss mich wohl erst noch daran gewöhnen, hier regelmäßig zu updaten. Es gibt neues von der Übersetzerfront. Während in den nächsten Tagen meine erste Übersetzung »Eingesperrt«  von Brian Keene bei Atlantis erscheinen wird (http://www.mallux.de/Freebird-p217h41s28-Eingesperrt-Brian-Ke.html), mit einem tollen Titelbild von Mark Freier:

arbeite ich zurzeit an einer neuen Übersetzung von Keene. „Jack’s Magic Beans“ ist ein Band mit der gleichnamigen Titelnovelle puls 4 weiteren Kurzgeschichten. Unter anderem geht es um sprechenden Kopfsalat mit mörderischen Absichten.

“We are the lettuce. We know everything. It has always
been thus and always will be. The lettuce is wise. Now kill
that old bag.”

»Wir sind der Kopfsalat. Wir wissen alles. So ist es immer gewesen und so wird es immer sein. Der Kopfsalat ist weise. Jetzt töte die alte Schachtel.«

Die Geschichte wird ziemlich blutig werden. Ein echter Keene.

Erste Schritte

In meinem ersten Eintrag erwähnte ich ja bereits, dass Frank Böhmert in seinem Blog (http://frankboehmert.blogspot.com/2009/06/literaturubersetzer-werden-aber-wie.html) wertvolle Tipps zum Einstieg in den Beruf des Literaturübersetzers gibt. Die wichtigsten Punkte fasse ich hier noch mal kurz zusammen:

  • Als Erstes sollte man herausfinden, ob man für den Beruf wirklich geeignet ist. Dafür hat Frank einen kleinen Test vorgeschlagen: Man solle losziehen und Platz 12 der Bestsellerliste in der Originalsprache kaufen, um dann in sieben Tagen die ersten 20 Seiten zu übersetzen. Egal ob einem das Buch liegt oder nicht. Das habe ich getan – „Firefly Lane“ von Kristin Hannah. Passenderweise erschien einige Zeit später die deutsche Übersetzung, sodass ich meine Fassung mit der professionellen vergleichen konnte. Das Ergebnis hatte mir gezeigt, dass ich noch viel zu lernen habe. Ich hatte mich noch zu sehr krampfhaft an den Originaltext gehalten und zu oft 1:1 übersetzt, was sich im Ergebnis teilweise etwas ungelenk angehört hat. Auch jetzt muss ich mich immer wieder daran erinnern, mich öfters vom Originaltext zu lösen, damit sich die Endfassung im Deutschen stimmig anhört. Darauf werde ich in späteren Blogeinträgen zurückkommen. Noch ein kleiner Appell: Mehr Mut beim Übersetzen. Seit kreativ.
  • Die wichtigsten Informationen findet man auf http://www.literaturuebersetzer.de. Auch wo und wann Übersetzerstammtische stattfinden. Ich gehe selbst seit einem Jahr gelegentlich zum Berliner Übersetzerstammtisch für Englisch-Deutsch. Nein, man wird dort keine Aufträge bekommen, aber man erfährt unheimlich viel Insiderwissen über die Arbeit mit Verlagen. Man kann selbst Fragen stellen und erhält auch qualifizierte Antworten. Man muss nur aufpassen, dass man sich von der teils etwas negativen Stimmung bzgl. der aktuellen Berufssituation (insbesondere der Bezahlung und der Auftragslage) der alteingesessenen Übersetzer nicht demotivieren lässt.
  • Kontakte, Kontakte, Kontakte. Ich habe im letzten Jahr geschätzte 70 Übersetzer kennengelernt und kein Einziger (bis auf ein, zwei Ausnahmen) von denen hat seinen ersten Auftrag über eine klassische Bewerbung beim Verlag bekommen. O-Ton war immer: „ein(e) Freund/Bruder/Schwester/Bennte(r) usw. arbeitet bei einem Verlag, als Lektor oder sonstwas, oder ich habe da zufällig den und den kennengelernt“. Es war meist eine Mischung Zufall, Bekanntschaft und ein wenig Eigeninitiative. Denn Zufälle und Chancen fallen nicht immer vom Himmel herab, man muss vielmehr nach solchen Gelegenheiten suchen. Also auf Literaturveranstaltungen gehen, Seminare besuchen, Stammtische und Ähnliches. Man muss solche Chancen erkenne und dann den Mut haben sie auch zu ergreifen.

Ich habe meinen ersten semi-professionellen Auftrag auch bekommen, weil ich den Verleger bereits durch andere Aktivitäten im SF- und Fantasyfandom kannte. Na ja, nicht direkt den Auftrag, aber die Chance eine Probeübersetzung abzuliefern. Nach der Chance bei den großen und professionellen Verlagen suche ich aber auch immer noch. So etwas braucht meist Zeit und Geduld. Auf Franks Anregung hin, hatte ich angefangen Kleinverlage zu kontaktieren und hatte vor einem Jahr beim Atlantis Verlag (http://atlantisverlag.wordpress.com/) Erfolg. Das ist ein kleiner (aber in der Szene sehr renommierter) Verlag für Science-Fiction, Fantasy und Horror. Als ersten Auftrag habe ich die Novelle „The Cage“ von Brian Keene übersetzt, die Ende November auf Deutsch unter dem Titel „Eingesperrt“(http://www.mallux.de/Freebird-p217h41s28-Eingesperrt-Brian-Ke.html) erscheinen wird. Warum habe ich mich für einen Auftrag entschieden, für den ich nicht viel bezahlt bekommen?

* Vor allem um Erfahrung zu sammeln. Es ist immer gut, wenn man bei Bewerbungen bei Verlagen bereits etwas vorweisen kann. Brian Keene ist ein recht erfolgreicher amerikanischer Horrorautor, dessen längeren Romane bei Heyne erscheinen. Mir hat die Arbeit an der Übersetzung viel Spaß gemacht und ich habe dabei auch viel gelernt. Ich bin sehr gespannt auf die ersten Kritiken (auch wenn es bei einem solchen kleinen Projekt mit einer hundertseitigen Novelle nur wenig Rückmeldung geben wird). In den nächsten Blogeinträgen werde ich etwas genauer auf meine erste Übersetzungsarbeit eingehen und auch kleine Textproben vorstellen. Außerdem wird noch ein Bericht über das Berufskundeseminar für Literaturübersetzer folgen, welches ich gestern besucht habe. *Ergänzung: Ich kenne den Verlag gut und weiß, dass ein solcher Genreverlag, der mehr aus Idealismus und Liebe zur Literatur als aus Profitstreben betrieben wird, keine großen Honorare zahlen kann. Bei den großen und professionellen Verlagen (also denen, die auch gut Geld verdienen) sollte man aber auch als Anfänger darauf achten, dass man anständig bezahlt wird. Auch bekannte Übersetzer arbeiten mal nebenbei für wenig Geld für einen Kleinverlag, wenn ihnen das Projekt am Herzen liegt. So etwas kann man aber nur machen, wenn man es sich auch leisten kann.

Wie ich Literaturübersetzer werde oder grandios scheitere

In diesem Blog werde ich in Zukunft regelmäßig von meinem Versuch berichten, professioneller Literaturübersetzer zu werden.
Ich lese (seit ich lesen kann) leidenschaftlich gerne Bücher – vor allem Belletristik. Wie der Amerikaner Stephen King es aber geschafft hat, seine Werke auch auf Deutsch zu verfassen, war mir lange Zeit ein Rätsel. Bis ich die wundervolle Entdeckung machte, dass es da tatsächlich jemanden gibt, der sich die Mühe macht, den englischen Text ins Deutsche zu übertragen – und dafür auch noch bezahlt wird.
Und schon war ein neuer Berufswunsch geboren (genau genommen dauerte es dann noch ca. 15 Jahre bis zu dem frommen Wunsch). Was die können, kann ich doch auch. Na ja, wir werden sehen.
Als ich meinen Berufswunsch vor etwas mehr als einem Jahr gegenüber dem Übersetzer Frank Böhmert äußerte, machte der prompt einen Blogeintrag daraus: http://frankboehmert.blogspot.com/2009/06/literaturubersetzer-werden-aber-wie.html?showComment=1315922369167#c9110012674715272784

Ich nahm seine Herausforderung an und begab mich an die ersten Übersetzungsversuche. Die unvermeidlichen Folgen meines Treibens teilte ich der Welt in den Kommentaren in Franks Blog mit.
Seit dem ist viel Zeit vergangen, ich war bei Übersetzerstammtischen, habe eine erste Novelle für einen Verlag übersetzt, eine Kurzgeschichte für ein Phantastikmagazin und arbeite jetzt an einer Kurzgeschichtensammlung. Alles aber noch im semi-professionellen Bereich (also in dem Bereich, in dem man dafür noch keine ordentliche Bezahlung bekommt).
Über all dies werde ich hier noch ausführlich berichte, sowie meine weiteren Fortschritte bzw. Rückschläge dokumentieren.

P.S. Das ist mein erster Blog überhaupt. Ich werde mich also erst noch mit der Technik anfreunden müssen, bevor das hier etwas professioneller aussehen wird.