Ein Plädoyer für die übersetzte phantastische Kurzgeschichte

Ich bin jetzt selbst nicht der größte Kurzgeschichtenleser vor der Herrin, aber trotzdem weiß ich anspruchsvolle, originelle und mitreißende Kurzgeschichten sehr zu schätzen. Für deutschsprachige phantastische Kurzgeschichten gibt es vielfältige Veröffentlichungsmöglichkeiten in Magazinen wie Nova, Zwielicht, der CT z. B. oder in den unzähligen Anthologien, die jährlich in deutschen Kleinverlagen wie pmachinery oder Begedia erscheinen.

Für Kurzgeschichten aus anderen Sprachen sieht es da eher schlecht aus. Im Januar habe ich eine von Lavie Tidhar übersetzt, die im Magazin Phantastisch in der Aprilausgabe erscheinen wird. Das Problem: die Phantastisch konzentriert sich vor allem auf Sachartikel und Interviews, so dass für eine Kurzgeschichte wenig Platz bleibt, sie sollten in der Originalfassung nicht länger als maximal 1.400 Wörter sein. Und wie ich in den letzten Tagen feststellen musste, ist es gar nicht so einfach, so kurze Kurzgeschichten zu finden.

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Im Dezember habe ich eine großartige Kurzgeschichte von Aliette der Bodard übersetzt, die in der nächsten Ausgabe des Magazins Phase X erscheinen wird. Vor einigen Jahren schon einmal für das gleiche Magazin die tolle Kg Im Angesicht Gottes fliegen von Nina Allan. Diese beiden Kurzgeschichten sind literarisch das Beste, was ich bisher übersetzen durfte. Ich fand es großartig, dass ich die Möglichkeit bekam, diese beiden Geschichten zu übersetzen, aber es ist eigentlich auch eine Schande, da sie kaum jemand lesen wird. Wer kennt schon Phase X (no offense), und vor allem wer liest es. Ich vermute mal frei aus der Luft heraus gegriffen, dass von den letzten beiden Ausgaben, nicht mehr als je 50 Exemplare verkauft wurden (Guido möge mich eines Besseren belehren 🙂 ). Phase X erscheint zu unregelmäßig und ist thematisch zu breit gefächert. Auch hier dominieren die Sachartikel.

Was fehlt ist ein deutsches Magazin oder ein Jahrbuch, das regelmäßig ausschließlich phantastische Kurzgeschichten in deutscher Übersetzung veröffentlicht. So etwas gab es mal mit dem Heyne Science Fiction Jahresband. Der meines Wissens im Jahr 2000 das letzte Mal erschienen ist.

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Warum? Weil kein Mensch Kurzgeschichten liest! Bis auf Kurzgeschichtenautoren (wenn überhaupt). So zumindest die landläufige Meinung. Und Kurzgeschichtenanthologien haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten offenbar nicht so gut verkauft.

Ein kurzer Einschub:

Kurzgeschichtenband = Kurzgeschichtensammlung eines einzigen Autors.
Kurzgeschichtenanthologie = Kurzgeschichtensammlung mit mehreren Autoren.

Kurzgeschichtenbände funktionieren von Zeit zu Zeit noch, die beiden von Ted Chiang laufen sehr gut. Und der Verlag bringt auch weiterhin fleißig neue raus, wie z. B. von Geof Rymann und Kij Johnson. Bei Heyne erscheinen zumindest einige Klassiker wie z. B. von Phillip K. Dick, Robert Scheckley oder Cordwainer Smith.

Aber muss man immer warten, bis eine Autorin genügend Geschichten für einen ganzen Band zusammen hat und Klassiker-Status genießt? Kann man die nicht zeitnah bringen?

Im englischsprachigen Raum gibt es zahlreiche Kurzgeschichtenmagazine, wie z. B. Interzone, Clarkesworld, Strange Horizons, F&SF, Analog uvm. Wobei einige nur online erscheinen und teilweise auch Sachtexte enthalten, aber alle veröffentlichen im Jahr eine nicht unbeträchtliche Zahl an teils hervorragenden phantastischen Kurzgeschichten bekannter und weniger bekannter Autorinnen und Autoren.

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Das ist aber noch nicht alles. Die besten dieser Geschichte erscheinen einmal im Jahr in verschiedenen Jahresanthologien wie z. B. The Year’s Best Science Fiction von Gardner Dozois, The Best Science Fiction and Fantasy of the Year von Jonathan Strahan und The Best Horror of the Year von Ellen Datlow (so ähnlich wie Michael Schmidt es mit deutschsprachigen Horrorgeschichten in Zwiellicht Classic versucht)..

Ob das wirklich die besten Kurzgeschichten des Jahres sind, ist sicher diskussionswürdig, aber zumindest erhält man in diesen Anthologien geballte phantastische Kurzgeschichtenqualität. Also das, was Wolfgang Jeschke auch bei Heyne bis 2000 rausgegeben hat.

Während der phantastische Buchmarkt immer noch zu einem großen Teil (wenn auch nicht mehr so wie früher) im Romanbereich von englischsprachigen AutorInnen dominiert wird, sind Freunde der gepflegten Kurzgeschichte auf deutschsprachige Autoren (die sicher nicht schlecht sind) oder auf die Originalfassung angewiesen.

Eine Schande. Denn während sich viele Autorinnen in der Langform noch teilweise (aus Gründen der Verkäuflichkeit) an Genrekonventionen, Lesegeschmäcke und Vorgaben der Verlage halten, lassen sie in der Kurzform ihrer Kreativität und Experimentierfreude freien Lauf. Und gerade diese phantastischen Perlen werden dem deutschen Buchmarkt (immerhin der größte nach dem englischsprachigen) vorenthalten.

Zeit, dass sich das ändert!

Das Problem:

Für große Verlage wie Heyne lohnen sich die Verkaufszahlen von Kurzgeschichtenanthologien nicht. Unter Wolfgang Jeschke war dies wohl noch möglich, weil er die Bände quer finanzieren konnte, was heute wohl nicht mehr so einfach möglich ist.

Und kleine Verlage können sich die Übersetzungen nicht leisten. Golkonda ist gut genug in der Branche vernetzt, um Leute zu finden, die die schmalen Kurzgeschichtenbände mit 100 bis 300 Seiten für wenig bis gar nichts übersetzen. Bei den anderen Kleinverlagen sieht es da schon schwieriger aus, die konzentrieren sich auch lieber auf die deutschen Autoren.

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Was kann man tun?

Meiner Meinung nach wäre so ein Projekt mit den besten internationalen oder zumindest englischsprachigen phantastischen Kurzgeschichten in einem Jahresband ideal für das 2016 neu startende Science Fiction, Fantasy und Horror-Programm von Fischer Tor. Das wird natürlich kein Buch werden, das hohe Verkaufszahlen einbringt, aber es würde einiges an Prestige bringen, und das ambitionierte Programm, an das man ja mit einigem Anspruch herangeht, abrunden und sich von den Einheitsbreiprogrammen der anderen Publikumsverlage abheben. Also Hannes, wie sieht es aus? 😉

Die Alternative wäre, einen Kleinverlag suchen, der das Risiko eingehen würde. Schwierig würde es werden, genügend ÜbersetzerInnen zu finden. Ansonsten könnte man es noch mit Crowdfounding versuchen, wobei ich die Erfolgsaussichten dabei sehr gering einschätze.

Andreas Eschbach hatte mal mit Eine Trillion Euro europäische Kurzgeschichten in einer ambitionierten Anthologie bei Bastei/Lübbe herausgebracht. Äußerte aber im Nachhinein, dass er so etwas nie wieder machen würde. Dass es ihm trotz aller Anstrengungen und Hindernisse gelungen ist, hängt sicher auch mit seinem bekannten Namen zusammen.

Hier bräuchte es jemanden, der sowohl in der Phantastikszene als auch in der Buchbranche gut vernetzt ist, um ein solches Projekt zu stemmen. Beides bin ich nicht. Und ich bin auch kein Macher. Ich bin höchstens ein Mitmacher, aber keiner, der so etwas auf eigenen Schultern trägt. Dazu bin ich zu wenig Netzwerker.

Für ein solches Projekt muss man brennen, man muss Mitstreiter werben können und mit seinem Enthusiasmus anstecken können. Gleichzeitig muss man die Zahlen im Auge behalten, einen Blick dafür haben, was realistisch ist und was Wunschdenken.

Aber trotz aller Bedenken bin ich der Meinung, dass es an der Zeit ist, es noch einmal mit einem solchen Projekt zu versuchen. 15 Jahre sind seit der Einstellung des Heyne Science Fiction Jahresband vergangen. Zwischenzeitlich hatte man mit Pandora versucht, anspruchsvolle internationale Kurzgeschichten und Sachartikel auf hohem Niveau in einem regelmäßig erscheinenden Band zu veröffentlichen. Leider wurde das Projekt nach vier Bänden eingestellt. Ich würde es aber auch mit einem rein aus Kurzgeschichten bestehenden Band versuchen, damit nicht jene abgeschreckt werden, die sich für Artikel nicht interessieren.

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Was müsste man dafür tun?

Man müsste natürlich den englischsprachigen Kurzgeschichtenmarkt (eine andere Sprache beherrsche ich nicht ausreichend) im Auge behalten. Wenn man nicht jedes Magazin mit jeder Ausgabe lesen möchte, ist das Locus-Magazin mit seinen monatlichen Kurzgeschichtenbesprechungen ein guter Anhaltspunkt. Und natürlich die schon oben erwähnten Jahresanthologien.

Man müsste genügend ÜbersetzerInnen bei der Hand haben, die bereit sind, für wenig bis gar kein Honorar zu übersetzen. Was bei einer Printerscheinung sicher noch einfacher ist, als bei einer reinen Online- oder E-Book-Publikation.

Man müsste einen guten Grafiker für das Titelbild kennen. Lektorinnen und Korrekturleser. Jemanden, der den Satz macht. Jemanden, der den Umschlag gestaltet.

Würde ich so etwas machen, ich hätte den Anspruch, dass es ungefähr den Standard von dem entspricht, was Golkonda veröffentlicht. Denn wenn man so etwas schon in Angriff nimmt, dann sollte man es auch richtig machen.

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Ich vermute, dass man an die Rechte für die Kurzgeschichten in den meisten Fällen recht günstig herankommt. Für jene Autoren, die schon Romane auf Deutsch veröffentlichen, ist es gute Werbung. Für jene, die noch nicht auf Deutsch veröffentlicht wurden, eine gute Möglichkeit, Aufmerksamkeit (für ihre Romane) zu erregen.

Und warum nicht mal einen Band mit den berühmtesten bzw. besten Kurzgeschichten aller Zeiten? Alle jene Geschichten, die im Staub vergangener Jahrzehnte versunken sind. Die man sich mühsam aus den einzelnen Kurzgeschichtenbänden der Autoren zusammensuchen muss.

Mit den neuen Phantastikprogrammen von Knaur und Fischer Tor soll im nächsten Jahr ein frischer Wind auf dem phantastischen Buchmarkt wehen. Ich habe einen gewissen Einblick in das erhalten, was man bei Fischer plant – Klassiker ebenso wie aufregende Neuerscheinungen. Das wäre doch auch eine gute Gelegenheit, einige kurze, kräftige Böen in Kurzgeschichtenform auf den Markt zu bringen, um die ganze Bandbreite des Genres abzudecken. Dabei geht es mir nicht darum, den deutschsprachigen Kurzgeschichten ihre Nische abzugraben, sondern das Genre zu bereichern. Eine Anthologie pro Jahr würde sicher niemandem weh tun.

Nachtrag: Von einem aufmerksamen Leser wurde ich darauf hingewiesen, dass Golkonda tatsächlich eine Art Best-of von SF-Geschichten plant:

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Herausgegeben von Robert Silverberg

Die erste Hälfte dieser legendären Anthologie umfasst die besten SF-Erzählungen aus den Jahren 1934 bis 1948. Dabei reicht das Spektrum von Highlights der 1930er Jahre (Stanley G. Weinbaum, John W. Campbell) bis zu den maßgeblichen Meisterwerken der 1940er Jahre (Robert A. Heinlein, Isaac Asimov). Jede einzelne dieser Geschichten ist ein Juwel, das bis heute nichts von seinem Glanz verloren hat.

Quelle: http://golkonda-verlag.de/cms/front_content.php?idart=608

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Übersetz mich! „The Three-Body Problem“ von Cixin Liu

Die angloamerikanische Science Fiction dominiert das Genre seit Jahrzehnten und stellt auch in meinem Bücherregal die größte Fraktion. Ein paar deutsche Autoren wie Andereas Eschbach, Michael Marrak, Wolfgang Jeschke und Herbert W. Franke sind natürlich auch dabei, aber dann wird es auch schon dünn. Klassiker wie die Stanislav Lem aus Polen und die Gebrüder Strugatzki aus Russland dürfen natürlich nicht fehlen. Vor einigen Jahren sorgte Sergej Lukianenko dafür, das vermehrt russische SF bei deutschen Verlagen erschien, darunter auch Dmitry Glukhovsky. Hier und da erscheint auch mal ein Franzose wie Pierre Bordage oder ein japanischer Autor wie To Ubukata, aber das war es auch schon. Dabei hat z. B. Andreas Eschbach mit seiner Anthologie Eine Trillion Euro, in der SF-Kurzgeschichten aus viele europäischen Ländern wie Finnland, Griechenland oder Spanien vertreten sind, gezeigt, dass die SF viele Sprachen kennt. Das Japan und Frankreich eine lang SF-Tradition haben, zeigen die seit Jahrzehnten erscheinenden Animes, Mangas und Comics, die es auch nach Deutschland schaffen. Im Literaturbereich ist das aber leider nicht der Fall.

Dabei findet Science Fiction auf allen Kontinenten statt. Kürzlich ging z. B. ein afrikanisches SF-Magazin an den Start. Mit André Carneiro starb im November einer der bekanntesten brasilianischen SF-Autoren im Alter von 92 Jahren. Und auch in Indien findet die Zukunft statt, wie dieser Artikel zeigt. Nnedi Okorafor wiederum lässt ihre SF in Nigeria spielen.

Aber China war bisher noch unentdecktes Land, auch wenn The Three-Body Problem anders als vom Verlag angekündigt, nicht der erste ins Englische übersetzte SF-Roman aus China ist, wie Gary K. Wolfe in der Locus-Ausgabe vom Dezember 2014 feststellte. In einem Artikel auf Tor. com schreibt Autor Cixin Liu, dass SF in China ein Genre wäre, dass nicht viel Respekt bekomme.

Science fiction is not a genre that has much respect in China. Critics have long been discouraged from paying attention to the category, dismissed as a branch of juvenile literature

SF würde vor allem von Schülern und Studenten gelesen. Und doch wurde The Three Body (der Übertitel für alle drei Romane der Trilogie) zu einem Erfolg, auch in anderen Gesellschaftsschichten. Vielleicht liegt das auch am deutliche Hard-SF-Charakter des Romans, der sich streckenweise wie eine komplexe wissenschaftliche Abhandlung liest (was für mich aber kein negatives Merkmal ist). Dabei hat die SF in China laut Liu eine lange Tradition.

Of course, these events are only the latest entries in the century-long history of science fiction in China.

Der längere Artikel von Cixin Liu lohnt sich wirklich, ist aber nur auf Englisch verfügbar. Ich werde mich jetzt nach der langen Vorrede lieber dem Roman selbst zuwenden.

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Die Geschichte beginnt während der Kulturrevolution, die junge Physikstudentin Ye Wenjie muss mit ansehen, wie ihr Vater von der revolutionären Garde (die zum Teil aus jungen Mädchen besteht) zu Tote geprügelt wird. Sie selbst landet in einer Arbeitseinheit bei Forstarbeiten und später beim Red-Coast-Projekt, das dem SETI-Projet nicht unähnlich ist. Aber die Geschichte wird nicht linear erzählt, Lui springt zwischen den Zeitebenen hin und her. Ihr Anker liegt ungefähr in der Gegenwart, in der der an Nanomaterial forschende Wang Miao die Hauptfigur ist, und einer unglaublichen Geschichte auf die Spur kommt. Warum begehen plötzlich so viele Spitzenwissenschaftler Selbstmord? Was hat es mit dem Ende der Wissenschaft auf sich? Wang wird von einem geheimen Sonderkommando aus Militärs und Polizei (dem auch CIA und Natomitarbeiter angehören?) auf die Sache angesetzt, und macht schon bald eine unglaubliche Entdeckung.

Wie schon erwähnt ist The Three-Body Problem Hard-SF in Reinkultur. Vor allem gegen Ende des Romans war es mir nicht mehr möglich, den komplexen wissenschaftlichen Erklärungen zu folgen, was den Roman aber nicht schlechter macht. Gleichzeitig muss Wang aber auch ein faszinierendes Krimipuzzle lösen, und während seiner Ermittlungen erhalten wir immer wieder Einblicke in die Vergangenheit des Red-Coast-Projekts. Diese Rückblicke sind die große Stärke des Romans, in ihnen wird der Wahnsinn der Kulturrevolution und ihre Folgen anhand des Schicksals der jungen Ye Wenjie eindrucksvoll geschildert. In der Gegenwart schwächelt der Roman ein wenig auf der Figurenebene. Wang Miao bleibt ziemlich blass. Zunächst lernt man noch seine Familie mit Frau und Kind kennen, und welche Auswirkungen sein verstörtes Verhalten aufgrund seiner Erkenntnisse auf seine Frau hat. Aber die verschwindet schon bald gänzlich vom Radar. Plötzlich reist er in der Weltgeschichte rum, ohne auch nur an seine Familie zu denken. Dabei verbleibt er größtenteils passiv, und mir als Leser sehr distanziert.

Das war aber das Einzige, was mich an dem Buch gestört hat. Für diese kleine Schwäche entschädigt das faszinierende wissenschaftliche und die Grenzen unser Vorstellung sprengende Szenario, das zwar teils sehr abstrakt wirkt, mit Hilfe eines Computerspiels, das Wang spielt, aber Schritt für Schritt erklärt wird, und die wirklich tollen Ideen Lius. Für jedes Geheimnis das aufgedeckt und jedes Rätsel, das gelöst wird, tauchen unzählige neue auf, und halten die Geschichte stets spannend.

Liu schildert die Ereignisse der Kulturrevolution erstaunlich kritisch, man merkt aber auch, dass er in der Gegenwart sehr vage bleibt, was die politische Lage angeht. In der westlichen Wissenschaftsgeschichte und Literatur kennt er sich deutlich besser aus, als wir vermutlich mit der chinesischen. Es lohnt, wenn man vor der Lektüre mal nach dem Dreikörperproblem googelt. Die englische Übersetzung von Ken Lui lies sich ausgezeichnet. Für mich war das Buch ein echter Pageturner, den ich kaum weglegen konnte. Am ehesten könnte man es noch mit den Hard-SF Werken von Jack McDevitt vergleichen (ich denke da vor allem an Erstkontakt) und vielleicht noch mit Robert Charles Wilson.

Ich hoffe sehr, dass dieses Buch den Weg in einen deutschen Verlag finden wird. Ich hoffe aber auch, dass man es aus dem Chinesischen übersetzten lässt und nicht die Übersetzung einer Übersetzung in Auftrag gibt, wie leider es bei vielen japanischen Romane gemacht wird. Hard-SF hat es in Deuschland momentan schwer, aber The Three-Body Problem ist ein sehr spannender und voller aufregender Ideen steckender Roman. Ein Verlag, der Stolz auf sein SF-Programm ist und den Anspruch hat, die aufregendsten Werke des Genres zu veröffentlichen, der sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen.

Jetzt habe ich gar nicht so viel über den Inhalt verraten, aber das möchte ich auch gar nicht. Ist viel spannender, wenn Ihr euch überraschen lasst. Nur soviel, Ye Wenjie schickt in ihrer Zeit beim Red-Coast-Projekt eine Botschaft ins All hinaus, und erhält auch eine Antwort: Don’t Answer! Don’t Answer!! Don’t Answer!!!

Nachtrag vom 16.03.2015: Inzwischen habe ich erfahren, dass mehrere deutsche Verlage an dem Buch interessiert sind. Die Chancen, dass es 2016 oder 2017 auf Deutsch erscheinen wird, stehen also ganz gut.

Nachtrag vom 28.08.2015: Das Buch wird auf Deutsch bei Heyne erscheinen.