Buchempfehlung: Dan Simmons – Sommer der Nacht

Im Jahr 2006 habe ich eines meiner absoluten Lieblingsbücher für den Fantasyguide besprochen. Ein Buch, das ich immer wieder lesen kann; dem es stets gelingt, mich wieder in diese abenteuerlich nostalgische Stimmung der Kindheit zurückzuversetzen.

Sommer der Nacht von Dan Simmons

Nichts ist so endlos, wie ein Sommer der gerade begonnen hat. Vor allem, wenn man erst zwölf Jahre alt ist, so wie Dale und seine Freunde von der Fahrradpatrouille. Außer vielleicht die letzte Schulstunde vor den Sommerferien, die sich in einer quälenden Langsamkeit wie Kaugummi hinzieht. Für Tabby Cook wird sie niemals enden. Der etwas einfältige Junge geht während dieser letzten Stunde auf die Toilette, was eigentlich kein Problem sein sollte. Doch in dem alten und riesigen „Old Central“ Schulgebäude von Elm Haven befindet sich die Toilette im unheimlichen Keller des Gebäudes. Ein verzweigtes Labyrinth unter dem sich angeblich noch ein viel tieferer Keller befinden soll. Tabby will diesen Keller erkunden und ward nie wieder gesehen. Für die Schulleitung ist klar, dass der aus einer verwahrlosten Familie stammende Junge abgehauen ist. Doch seiner Mutter und seiner Schwester Cordie ist klar, dass der Schulleiter Dr. Roon ihnen etwas verheimlicht. Auch die Jungs von der Fahrradpatrouille Mike O’Hara, Kevin Grumbacher, Jim Harlen, Duane McBride und die Brüder Dale und Lawrence Stewart ahnen, das in dem alten Gebäude, das bald abgerissen werden soll, etwas Mysteriöses vorgeht. Sie beschließen das Personal der Schule zu beschatten, und werden dabei in eine Reihe unheimlicher Vorgänge verstrickt, die am Ende sogar ihr Leben bedrohen.

Zunächst ist es ein Sommer voller Abenteuer und Freiheit den Dan Simmons hier heraufbeschwört. Endlose Wochen in denen die Freunde all das tun könne, wovon Zwölfjährige eben träumen. Mit den Fahrrädern patrouillieren, Baseball spielen, schwimmen, große Schlachten führen und Open Air Kino. Eine – zumindest größtenteils – behütete Kindheit in der amerikanischen Kleinstadtidylle der 60er Jahre. Sicher manche Eltern sind getrennt oder gestorben, sind Alkoholiker oder arbeitslos, das hindert die Kinder aber nicht daran eine glückliche Zeit zu haben. Doch etwas Böses ist im Gange und schleicht sich langsam und subtil in das Kleinstadtleben hinein. Und nur die Kinder sind in der Lage es wahrzunehmen.

Es ist wohl nur die Unschuld der Kindheit, die es schafft, dass die Jungen das Böse praktisch, von ihren Eltern unbemerkt, neben ihrem normalen Alltag bekämpfen. Ein böses Geheimnis, dass die Freunde zusammenschweißt.

„Sommer der Nacht“ wurde schon oft mit Stephen Kings „Es“ verglichen, und nicht zu unrecht. Erinnert Simmons Buch doch an die Kindheitspassagen von „Es“. Nur, dass bei Simmons das ganze Buch aus diesen Passagen besteht. Wie King schafft er es, die Kindheit authentisch und lebhaft zu schildern. Er ist in der Lage sich in die Gedankenwelt der Zwölfjährigen hineinzuversetzen und sie auf spannende und witzige Weise wiederzugeben. Er verleiht jeder einzelnen Figur einen eigenen Charakter mit Tiefe, und schreibt dies alles in einem sehr ansprechenden Stil.

Eine Zeitreise zurück in die 60er Jahre. Eine Welt voller Abenteuer, Spaß und dunklen Geheimnissen. Ein Buch über Freundschaft und das Erwachsenwerden. 797 spannende Seiten ohne Längen. Ein Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Blogs und Internetseiten zum Thema Übersetzen

Hier ein paar lesenswerte Blogs und Internetseiten zum Thema Übersetzen.

Auf einem Blog zur Frankfurter Buchmesse gibt es einen interessanten Artikel, in dem es um Übersetzer in den USA geht, wie klein der Marktanteil an Übersetzungen dort ist und welche unterschiedlichen Ansichten von Übersetzern und Lektoren zu Konflikten führen können: Übersetzen in den USA

In diesem Artikel wird auch die Übersetzerin Susan Berenofsky erwähnt, die wohl aus dem Deutschen und Französischen ins amerikanische Englisch übersetzt und auch einen eigenen Blog zum Thema hat: http://translationista.blogspot.de/

Der meist geklickte Link auf meinem Blog führt übrigens zum Kollegen Frank Böhmert. Der geht im Herbst in die Offensive. Auf dem Buchmessecon, einer Phantastikconvention, die parallel zur Buchmesse stattfindet, stellt er sich Fragen zum Übersetzen: Böhmert auf dem Bucon
Auf der Buchmesse selbst wird er sogar in voller Aktion zu beobachten sein: Live-Übersetzing
Und hier gibt es ein aktuelles Interview mit ihm zum Thema Übersetzen: http://www.lazyliterature.de/interview-mit-frank-bohmert-2013/

Die meisten Blogs zum Thema Übersetzen stammen übrigens von Diplomübersetzern bzw. Übersetzern, die in der Wirtschaft tätig sind und z. B. Broschüren, Handbücher, Fachtexte, Zeugnisse, Dokumente oder Ähnliches übersetzen. Für sie gehört die Webpräsenz zur Kundenakquise und zum Image. Nach allem, was ich gehört habe, finden sie über ihre Seiten tatsächlich Aufträge. Bei Literaturübersetzern funktioniert so etwas leider nicht, da geht alles nur über Kontakte.
Eine dieser interessanten Seiten betreibt Mario Novak, der dort nicht nur über das Übersetzern bloggt, aber auch.

Parque Oziel – Eintrag 12: Sport, Religion, Tiere und ein Fazit

Ein letzter Ausflug nach Brasilien; der letzte Teil meiner Diplomarbeit. Die anderen gibt es hier

Parque Oziel im Ganzen

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Hier hat der Fotograf versucht, möglichst viel von Parque Oziel auf ein Foto zu bekommen, und es ist ihm gut gelungen. Zwischen den Häusern, von denen viele eine Antenne auf dem Dach haben, und den grünen Bäumen, die vereinzelt zwischen den Häusern emporwachsen, kann man den Linienbus sehen, der etwa alle 90 Minuten durch die staubigen Straßen Oziels fährt. Am linken Bildrand genau in der Mitte, kann man erkennen, wie sich die Kirche über die anderen Dächer erhebt. Der Himmel ist eine Mischung aus Weiß und Blau. Die Wolken hängen beeindruckend tief über der Szene.

Das Bild spiegelt sämtliche in Oziel vorherrschenden Farben wieder. Das Grün der Bäume und Sträucher, das Braun der Straßen, das Rot der Ziegelbauten und das Grau der Wellblechdächer. Ich kann mir vorstellen, dass die Kinder durchaus stolz auf ihre Siedlung sind, wenn sie aus dieser Perspektive auf sie nieder schauen.

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Für mich persönlich ist dies das schönste Foto. Dem Fotografen ist es perfekt gelungen, den Sportplatz genau im Zentrum des Bildes festzuhalten; eingebettet in das Grün der unmittelbaren Umgebung. In der weiteren Umgebung sieht man, wie sich Häuser als kleine weiß-rote Punkte aus dem kräftigen Grün abheben. Auf dem Sportplatz kann man die Abwässer sehen, die leider aufs Fußballfeld laufen und sich hinter dem rechten Tor in einem sumpfigen Morast sammeln.
Der Sportplatz fügt sich nahtlos in die restliche Umgebung ein, und zeigt, wie untrennbar Parque Oziel und der Fußball miteinander verbunden sind. Ein Leben ohne Fußball ist für diese Kinder nicht vorstellbar. Fußball ist in Brasilien eine Art Religion.

5.6 Sport

Nachdem ich gezeigt habe, wie eng der Fußball mit dem Ganzen verbunden ist, komme ich nun zum Sport im Speziellen. Hier sticht der Fußball natürlich hervor. Brasilien ist in der ganzen Welt als große Fußballnation bekannt, und es gibt sicher kaum einen Fußballfan auf der Welt, der Pelé nicht kennt. Im Fußball liegen auch alle Hoffnungen der Jungen. Zehn Jungen gaben in ihrem Steckbrief als Zukunftswunsch an, Fußballspieler werden zu wollen. Sie träumen davon der nächste Pelé, Ronaldo oder Ronaldinho zu werden. Das tun viele Kinder in Deutschland auch, aber für die Kinder aus der Favela ist Fußball die einzige zumindest halbwegs realistische Chance aus der Armut zu kommen – auch wenn sie verschwindend gering ist.

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Hier sieht man die Kinder beim Fußballtraining mit Joao. Das Tor ist kleiner als normalerweise, der Platz uneben und entspricht nicht den Standardmaßen. In Deutschland würde man ihn als Bolzplatz bezeichnen. Doch für die Kinder bedeutet dieser Platz – der 1998 vom Canario und einigen Helfern in Eigenarbeit gebaut wurde – viel. Fußball ist etwas, für das man kein Geld braucht. Man muss nur zwei Füße und einen Ball haben. Es tragen auch nicht alle Kinder Fußballschuhe – was auf diesem Bild schwer zu erkennen ist. Viele spielen mit normalen Turnschuhen.

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Gemäß der traditionellen Rollenverteilung in Oziel spielen die Jungen Fußball und die Mädchen Volleyball. Auch wenn auf diesem Bild hauptsächlich Jungen zu sehen sind. Es ist der Sportplatz, auf dem die Schule ihren Sportunterricht macht. Da müssen dann auch die Jungen mal Volleyball spielen.

Die Mädchen hegen allerdings nicht die gleichen Träume vom Volleyball wie die Jungen vom Fußball. Nicht ein Mädchen hat geschrieben, dass sie Volleyballspielerin werden möchte.
Ich bin überrascht, auf dem Platz kleine Flutlichtmasten zu sehen, die es ermöglichen auch im Dunkeln zu spielen. Was sicher eine gute Sache ist, da es im Süden Brasiliens – also auch in Campinas – im Sommer bereits um 19.00 Uhr dunkel wird. Am rechten Bildrand ist auch noch ein Basketballkorb zu erkennen. Hinter dem Platz sieht man einige der wenigen zweistöckigen Häuser von Parque Oziel. Bis auf zwei Personen tragen alle weiße T-Shirts, und einige tragen lange Jeanshosen. Das lässt mich ein wenig daran zweifeln, dass es sich um eine reguläre Sportstunde handelt.

5.7 Religiöse Motive

Neben der Kirche wurden auch noch andere religiöse Motive fotografiert, die sich im Wohnhaus der Kinder befinden.

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Hier wurde eine Heiligenfigur fotografiert, wie man sie hauptsächlich aus der katholischen Kirche kennt. Dabei handelt es sich um die Jungfrau Maria. Die kleinere Figur links daneben kann ich nicht zuordnen. Es könnte von der Hautfarbe her vielleicht einer der Heiligen Drei Könige sein. Rechts neben den Figuren kann man ein kleines Poster sehen das, zwei junge Menschen zeigt, die in die Kamera lachen. Dieses Poster taucht auf den Fotos der Kinder öfters auf. Ich vermute, dass es sich dabei um ein Werbeplakat der religiösen Gemeinde der Bewohner Oziels handelt. Laut Prof. Fichtner handelt es sich dabei um eine Pfingstkirche, die den Menschen ihre Sünden vorhält und dafür, quasi als Ablass, Geld verlangt. Da ich aber nichts Genaues darüber weiß, werde ich hier auch nicht näher darauf eingehen und es auch nicht bewerten.

Religiöse Motive, Kreuze, Heiligenbilder, Bibelverse und eben diese Werbeplakate sind auf den Fotos immer wieder zu sehen. Sie zeigen, welch große Rolle Religion im Leben dieser Menschen spielt.

5.8 Tiere

Wenn man durch Oziel geht, sieht man vor allem Kinder und Tiere. Unzählige Hunde, die durch die Straßen toben.

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Hunde dominieren das Straßenbild von Oziel, doch wie man hier sehen kann, gibt es auch Katzen. Wobei ich mich nicht daran erinnern kann, selbst Katzen in Oziel gesehen zu haben.
Auf diesem Bild ist interessanterweise die Katze angeleint und nicht der Hund. Auf einem anderen Foto, auf dem nur diese Katze zu sehen ist, kann man die Leine noch deutlicher erkennen. Die beiden Tiere scheinen jedenfalls miteinander auszukommen. Ich kenne mich mit Hunderassen nicht sehr aus, würde diesen aber den Dackeln zuordnen. Ein Dackel wie man sie in Deutschland oft in Begleitung eines Försters sieht. Die Katze hat eine ungewöhnliche Mischung aus weißem und braunem Fell, mit einem schwarzen Schwanz.
14 Kinder haben in ihrem Steckbrief den Hund als ihr Lieblingstier angeben.

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Ich war sehr überrascht, als man uns in Parque Oziel auf eine kleine versteckte Farm führte, auf der es Schweine, Kühe, Pferde und einen Papagei gab. Hier präsentiert sich der Vater stolz mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd. Er schaut grimmig von oben auf den Fotografen herab und erinnert dabei ein wenig an die stolzen Gouchos (brasilianische Cowboys), die man teilweise noch im Norden Brasiliens findet. Auf dieser Seitenaufnahme kann man nicht gut sehen, wie mager dieses Pferd ist. Auch die Kühe und die Schweine in Oziel waren sehr mager.

6. Abschließende Betrachtungen

Es ist eine Reise, auf die uns die Kinder mitgenommen haben. Eine Reise durch ihr Leben, ihren Alltag. Ich habe diese Reise sehr genossen und hoffe, dass es ihnen werter Leser ebenso erging. Ich hoffe, dass durch die Informationen die diese Diplomarbeit geliefert hat und vor allem durch meine Bildanalyse und Interpretation, es mir gelungen ist, die Reise so authentisch und ehrlich wie möglich zu gestalten. Ich hoffe sie haben den Gestank der Abwässer riechen könne, den Staub zwischen ihren Zehen gefüllt, die Hunde bellen gehört und die Kinder lachen. Ich hoffe sie konnten die grünen Bäume, Sträucher und Wiesen Oziels sehen ebenso wie die gezimmerten Bretterbuden und die gemauerten Häuser, und zwar durch die Augen von Kindern.

Bei 915 Aufnahmen ist es nahezu unmöglich – im Rahmen einer solchen Diplomarbeit – allen Bildern gerecht zu werden. Aber ich denke ich habe eine repräsentative Auswahl getroffen, die als Wegweiser durch das Leben der Favela dienen konnte. Eine Auswahl, die die wichtigsten Aspekte im Leben dieser Kinder zeigen.

Ich wollte herausfinden, ob sich die Kinder der Probleme ihrer Lebenslage bewusst sind. Wie tief dieses Bewusstsein geht, kann ich nicht sagen, dass es aber vorhanden ist, haben die Bilder gezeigt.

Und mögen diese Bilder noch so traurig erscheinen, ich sehe in ihnen vor allem Hoffnung. Hoffnung für die Kinder, die gezeigt haben, dass sie intelligent und aufgeweckt sind, und dass Potenzial für eine bessere Zukunft besitzen. Die Augen, durch die wir sehen, wenn wir diese Bilder anschauen, sind die Zukunft von Parque Oziel.

 

Nachtrag:

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Buchempfehlung: Brian Greene – „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“

Um das kosmische Sommerloch zu stopfen, hier zur Abwechslung eine  Sachbuchrezension, die 2004 ursprünglich bei Roter Dorn erschienen ist.

Der Stoff aus dem der Kosmos ist von Brian Greene (Quelle: randomhouse.de)

 
Die Frage nach der Beschaffenheit der Welt beschäftigt die Menschheit bereits seit über 3000 Jahren. Schon der griechische Philosoph Empedokles glaubte fünf Jahrhunderte vor Christus, dass die Welt aus vier verschiedenen Elementen besteht, nämlich Feuer, Erde, Wasser und Luft. Und Aristoteles war der Überzeugung, dass das Universum aus einem Stoff besteht, der sich gänzlich von allem Irdischem unterscheidet. Er bezeichnete diesen Stoff als Äther. Heute zeigt die Physik, dass einigen dieser Überlegungen gar nicht so verkehrt waren. So besteht unser Universum aus winzigen Teilchen – Atomen – die wiederum aus noch kleineren Teilchen bestehen – Elektronen, Photonen, Neutronen – die ihrerseits wieder aus kleineren Teilchen bestehen, den sogenannten Quarks. Und die Forschung ist wohl noch nicht am Ende dieser Kette angekommen.

 
In seinem Buch »Der Stoff, aus dem der Kosmos ist«, beschreibt der Physiker Brian Greene den Weg der modernen Physik von Newton über Einstein und viele andere seiner Zeitgenossen, bis hin zu den aktuellen Ergebnissen der Forschung, von Leuten wie Hawking oder Greene selbst. Es ist eine Beschreibung der Suche nach der Beschaffenheit der Wirklichkeit.

Im ersten Teil des Buches, »Schauplatz der Wirklichkeit«, wird uns zunächst das Weltbild von Sir Isaac Newton vorgestellt, der Zeit und Raum als absolut definierte. Von hier geht es weiter bis zu Albert Einstein, der mit seiner speziellen Relativitätstheorie zeigte, dass Raum und Zeit nicht absolut sind, sondern von einem bewegten Beobachter unterschiedlich wahrgenommen werden, also relativ zueinander sind. Doch die spezielle Relativitätstheorie besagt nicht, wie allgemein angenommen, dass alles relativ ist. Denn die von Einstein eingeführte Raumzeit wird von ihm als absolut definiert. Auch wenn die spezielle Relativitätstheorie noch nicht so kompliziert ist wie die allgemeine, ist sie für einen Nicht-Naturwissenschaftler (wie ich einer bin) nicht so einfach zu verstehen. Hier gelingt Brian Greene das Kunststück, diese Theorie einfach und verständlich in anschaulichen Beispielen zu erklären. Mit Humor und Hilfe der Simpsons, hat er es geschafft, dass ich zum ersten Mal glaube die Relativitätstheorie wirklich verstanden zu haben. Und das, obwohl ich vorher auch schon Bücher von Physikern wie Stephen Hawking und Kip Thorne gelesen habe.

In der allgemeinen Relativitätstheorie geht es dann um Gravitationstheorie und die Krümmung von Raum und Zeit. Das vierte Kapitel behandelt die zweite große physikalische Entdeckung des 20. Jahrhunderts, die Quantenmechanik. Mit der wir uns in das Reich der Atome und subatomaren Teilchen begeben. Und wo wir die berühmte Unschärferelation von Werner Heisenberg kennenlernen.

Im zweiten Teil »Zeit und Ehrfahrung« wird die Zeit einer näheren Betrachtung unterzogen. Was ist ein Zeitpfeil? Fließt die Zeit wirklich nur in eine Richtung? Und wie sieht die Zeit aus der Quantenperspektive aus? Hier berichtet uns der Autor von Zeit, die in Scheiben geschnitten wird, von Zeitumkehrsymmetrie und von Entropie.

Der dritte Teil »Raumzeit und Kosmologie« macht den Schritt von der winzigen Quantenwelt hin zur riesigen Welt des Kosmos, in der die winzigen Quanten doch eine entscheidende Rolle spielen. Uns wird von der Symmetrie des Universums berichtet ebenso wie von der Beschaffenheit des Raums. Es wird von Higgs-Ozeanen und dem Ursprung der Masse berichtet. Es wird die Frage gestellt, ob der Urknall wirklich knallte und was da überhaupt knallte.

Im vierten Teil »Ursprung und Vereinheitlichung« erfahren wir mehr über die Theorien, die versuchen, die Relativitätstheorie in Einklang mit der Quantenmechanik zu bringen. Die populärste dieser Theorien, ist die String- bzw. M-Theorie. Hier wird vermutet das die bisher kleinsten Teilchen aus noch kleineren Elementen, den sogenannten Strings bestehen. Strings sind eindimensionale, schwingende Energiefäden, die bisher aber noch nicht experimentell nachgewiesen wurden.

Der fünfte und letzte Teil »Wirklichkeit und Fantasie« wirft einen Blick auf aktuelle und geplante Forschungsunternehmen und welchen Einfluß ihre Ergebnisse auf das physikalische Weltbild haben könnte. In Kapitel 15 geht es um eine realistische Betrachtung der Möglichkeit der Zeitreise. Ist es möglich in die Vergangenheit zu reisen oder in die Zukunft? Was sagen die Gesetze der Physik dazu?
Außerdem erfahren wir, daß Teleportation (Beam me up) nicht unmöglich ist. Denn es ist Forschern bereits gelungen ein einzelnes Photon zu teleportieren. Doch warum das doch etwas anders funktioniert als wir uns vorstellen, und wie schwierig es ist einen Gegenstand – der ja aus Millionen von Photonen besteht – zu teleportieren, erklärt uns der Autor in recht eindrucksvoller Weise.

Brian Keene, der hier während einer Lesung vom Alptraum aller Physiker belästigt wird:

»Der Stoff, aus dem der Kosmos ist« ist ein »populärwissenschaftliches« Buch dem es gelingt den Leser zu unterhalten, während es im komplizierte wissenschaftliche Theorien vermittelt. Dazu trägt der humorvolle und doch anspruchsvolle Schreibstil von Brian Greene maßgeblich bei. Mit seinen ca. 600 Seiten ist das Buch ein ganz schöner Brocken, der es jedoch versteht den Leser begeistert bei der Stange zu halten. Hier spielt auch die Begeisterung des Autors – die förmlich auf den Leser überspringt – eine große Rolle. Doch Vorsicht, der Autor nimmt dem Leser nicht die ganze Arbeit ab. Man muß schon konzentriert Lesen um den Faden nicht zu verlieren. Denn alles was man in den ersten Kapiteln liest, bildet die Grundlage für die Theorien der späteren Kapitel. Sehr hilfreich bei Lektüre ist auch der umfangreiche Anhang, indem sich neben den zahlreichen Anmerkungen und einem Register, auch ein Glossar befindet, der kurze Erklärungen zu den wichtigsten Fachbegriffen enthält. Es gibt auch einige Literaturvorschläge für Laien, die sich ein bißchen intensiver mit der Thematik beschäftigen wollen.

Brian Greene ist nicht nur ein kompetenter Physiker und ein Experte für die Superstringtheorie, er ist auch ein guter Schriftsteller. Mit einfachen Sätzen und so wenig Fachbegriffen wie nötig, schafft er es, sich positiv von den üblichen, nur für Eingeweihte zu verstehenden Texten, abzuheben. Dazu hat in der deutschen Ausgabe sicher auch die sehr gute Übersetzung von Heiner Kober beigetragen.
Am Ende kann ich nur sagen, dass es Brian Greene gelungen ist, ein gutes Buch zu schreiben.

Parque Oziel – Eintrag 11: Gebäude, Straßen und Natur

Trotz der Sommerpause gibt es heute neue Bilder aus Brasilien. Hier die vorigen Beiträge aus meiner Diplomarbeit von 2007: https://translateordie.wordpress.com/category/parque-oziel/

P.A.F
„Mutter ich bin im P.A.F.“, das ist der Lieblingssatz von Claudiney (siehe Steckbriefe). Wenn die Kinder nicht in der Schule sind, sind sie im Jugendzentrum P.A.F. Es gehen natürlich nicht alle die in die Schule gehen auch ins Jugendzentrum, aber doch eine hohe Anzahl. Haben sie morgens Schule, sind sie nachmittags dort und umgekehrt.

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Hier wurde das Jugendzentrum von der Straßenseite aus fotografiert. Denn Schriftzug „P.A.F P.Q Oziel – Projeto Aprendendo do Futuro“ („Projekt Lernen für die Zukunft“) kann man gut lesen. Bis auf die eine Stelle, an der die Klimaanlage eingesetzt wurde. Sie klafft aus der Wand heraus, als sei sie mit einer Kanone hineingeschossen worden. Dahinter befindet sich der Computerraum. Die Klimaanlage ist notwendig, damit die Computer nicht überhitzen.

Die Steine vor dem Gebäude scheinen zu der Baustelle auf dem Nachbargrundstück zu gehören.
Das P.A.F. wurde bereits 1998 zusammen mit seiner Fußballschule gegründet (vgl. Thewes/Unverzagt, 2005). Die Absicht war, die Kinder von der Straße zu holen, damit sie dort nicht auf dumme (kriminelle) Gedanken kommen. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich, oft den ganzen Tag. Sie bieten den Kinder Fußballtraining, Volleyball, Ping Pong und einen Computerkurs.

Abb 21Abb. 21
Man kann die Ausstattung des P.A.F. nicht mit der eines deutschen Jugendzentrums vergleichen. Wie wir hier sehen können, ist die Ping-Pongplatte eine umfunktionierte Tafel. Das Netz hängt schief, die Schläger haben keinen Griff und keinen Belag. Wenn man ins P.A.F. reinkommt, sieht man so gut wie immer mindestens zwei Kinder miteinander Tischtennis spielen. Wie hier zu sehen, auch unterschiedlichen Alters.

Das P.A.F. ist ein ambitioniertes Projekt, das versucht den Kindern Oziels eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Es lebt dabei von dem freiwilligen, ehrenamtlichen Engagement einiger Erwachsenen, die sich Sorgen um die Zukunft der Kinder machen.

Kirche
Die Kirche wurde insgesamt  sechsmal fotografiert, und ist damit eines der am häufigsten fotografierten Gebäude.

Abb 22Abb. 22
Wenn man die Kirche von der Straße aus betrachtet – wie auch der Fotograf auf Abb. 22 – muss man zwangsläufig nach oben schauen. Dominiert wird das Bild dabei von dem Mittelteil des Gebäudes, auf dessen Spitze das Kreuz steht. Direkt darüber liegen – drohend – dunkle Wolken. Beim betrachten dieses Bildes, kann ich den Zorn Gottes förmlich spüren. Dem Fotografen ist es gut gelungen diesen leicht drohenden Charakter der Kirche einzufangen. Für ein Kind muss dieser Blick nach oben noch einschüchternder wirken. Rechts von der Kirche sehen wir noch einen Teil des Gesundheitszentrums und links das P.A.F.

Die Kirche “Nossa Senhora De Guadalupe” wurde schon 1997 gebaut; es war die erste Kirche in Oziel. Bei der Landbesetzung ist es eine beliebte Taktik zuerst eine Kirche zu bauen, da die Behörden nur ungern eine Kirche einreißen. Brasilien ist ein sehr religiöses Land und Kirchen werden von den meisten Brasilianern respektiert.

Religion spielt im Leben der Bewohner von Parque Oziel eine große Rolle. Sie sind Evangelistas – eine religiöse Strömung, die sehr strenge Regeln hat. Sie trinken zum Beispiel keinen Alkohol.

5.5 Parque Oziel

Was natürlich auch häufig fotografiert wurde, ist Parque Oziel an sich. Dabei unterscheide ich drei Kategorien. Straßenszenen, Natur und Oziel im Ganzen.

Straßenszenen

In Brasilien spielt sich das Leben auf der Straße ab. Das ist natürlich eine pauschalisierende Aussage, aber diesen Eindruck habe ich bereits an meinem ersten Tag in Sao Paulo gewonnen. Ein Eindruck, der sich auch in Oziel bestätigen sollte.

Bei den Schotter- und Matchpisten fällt es schwer von Straßen zu sprechen, aber das sind sie.

Abb 23Abb. 23
Hier ein Beispiel für eine relativ gute Straße in Oziel. Eine Straße, die man mit dem Auto entlangfahren kann. Und in Oziel gibt es genug Menschen, die ein Auto besitzen.
Der Fotograf stand am linken Straßenrand. Die Straße füllt fast die gesamte rechte Bildhälfte aus und wird nach links gehend immer schmaler, bis sie in der oberen linken Ecke endet. Es ist nicht nur die Straße zu sehen sondern auch die Häuser an ihrer rechten Seite. Ein grünes – für Oziel relativ schönes – Gebäude. Man sieht auch die Strommasten und Leitungen, die die Häuser mit legalem Strom versorgen. Das war nicht immer so. Anfangs gab es nur an den Zufahrtsstraßen zu Oziel Stromleitungen, die von den Bewohnern illegal und unter Lebensgefahr angezapft wurden.

Abb 24Abb. 24
Auch wenn dieses Bild unscharf ist, zeigt es deutlich, wie die Straßenverhältnisse nach starkem Regen sind. Wir waren im Sommer dort, also zur Regenzeit. Es regnete alle drei bis vier Tage, und die Straßen sahen nach jedem Regen anders aus. Das bedeutet für die Bewohner erhebliche Probleme, müssen sie doch versuchen, das Wasser aus ihren Häusern zu halten.

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Hier sehen wir deutlich, was der Regen anrichten kann. Ein Mann versucht verzweifelt das, auf sein Haus zuströmende Wasser umzuleiten. Die Wassermassen reißen Match, Abwässer und Müll mit sich. Es wurden auch schon ganze Häuser weggespült.

Es ist ein trauriges Bild, das eine der Schattenseiten der Favela zeigt. Aus der Wahl dieses Motivs schließe ich, dass sich die Kinder der Problematiken der Favela durchaus bewusst sind, und sich mit ihnen auseinandersetzen. Obwohl die Straßen von Müll gesäumt sind, sehen wir links einen Müllbehälter, in dem der Müll für die Müllabfuhr gesammelt wird.

Natur
Die Landbesetzung Parque Oziel wurde auf einer grünen Fläche erbaut. Trotz des rasanten Wachstums an Wohnhäusern ist immer noch ein Teil dieser grünen Fläche erhalten.

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Hier ist es dem Fotografen gelungen, beides einzufangen. Die Häuser und die Grünflächen, die einer Symbiose ähnelnd ineinander übergehen. Die Farbe Grün dominiert das Bild, die braunen Häuser sind nur als kleine Punkte am Horizont zu erkennen. Obwohl Oziel ca. 30.000 Einwohner hat, wirkt es durch diese Mischung eher wie ein Dorf. Das graue sterile Beton- und Asphaltflair, das den Rest von Campinas dominiert, hat hier noch nicht Einzug gehalten.
Dieses Bild vermittelt Idylle. Ein gemütlicher Nachmittag im Grünen, während man die träge vorbeiziehenden weißen Wolken beobachtet.

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Hier ein weiteres Bild, das eine idyllische Atmosphäre vermittelt. Ein schmaler sich gemütlich windender Bach, dessen Verlauf sich am oberen Bildrand in grünem Buschwerk verliert. Dabei handelt es sich um eine eher seltene Naturaufnahme. Reine Natur findet man unter den 915 Aufnahmen selten. Meist sind Gebäude mit drauf oder es wurde der Himmel fotografiert.

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Dass die Idylle trügen kann, zeigt dieses Bild. Die Kinder scheinen sich der Müllproblematik in Oziel bewusst zu sein. Diese Stelle scheint ein Ort zu sein, an dem Müll abgeladen wird. So sauber und ordentlich die Häuser auch von innen aussehen, so vermüllt sind leider die Straßen und Teile der Landschaft.
Hier ist es dem Fotografen darauf angekommen sowohl die Natur als auch deren Verschmutzung einzufangen. Das runde Gebilde in der Mitte scheint ein Rohr zu sein. Vielleicht eines, das Abwässer leitet. Wobei es keine Kanalisation in Oziel gibt. Die Abwässer laufen direkt auf die Straße.

Buchempfehlung: Kathrine Scholes – „Die Regenkönigin“

Wie im Eintrag Sommerpause angekündigt, hier meine erste alte Buchrezension. Das Buch hatte ich damals nur besprochen, weil es sonst niemand übernehmen wollte. Eine Entscheidung, die sich richtig gelohnt hat. Vor zehn Jahren war das. Das Buch ist immer noch erhältlich. Nach Afrika habe ich es leider immer noch nicht geschafft. Ursprünglich ist die Rezension hier erschienen: http://roterdorn.de/inhalt.php?xz=rezi&id=3846

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Als Kate noch ein Kind war, wurden ihre Eltern – zwei Missionare – brutal in Tansania ermordet. Daraufhin verlässt sie Afrika und wächst in einem Waisenhaus in Australien auf. In ihrem neuen Leben als erwachsene Frau und Krankenschwester hat sie ihre afrikanische Vergangenheit verdrängt, in der Hoffnung damit auch ihren Schmerz zu verdrängen.

Doch als eine neue und ein wenig merkwürdige Nachbarin einzieht, holt sie ihre Vergangenheit wieder ein. Denn diese Nachbarin ist ein Teil ihrer Vergangenheit und erzählt Kate ihre Geschichte. Eine Geschichte davon, wie sie – ihr Name ist Annah – als junge Krankenschwester und Missionarin, nach Afrika geht, und das Land kennen und lieben lernt.

»Die Regenkönigin« ist die sehr emotionale und ergreifende Geschichte von Annah Mason. Angeregt durch die Briefe ihrer Tante, die auch Krankenschwester in Afrika war, entscheidet sich Annah, denselben Weg einzuschlagen. Voller Ideale und Träume tritt sie ihre Stelle als Missionarin in Tanganjika, dem heutigen Tansania, an. Doch schon bei ihrer Ankunft muss sie feststellen, dass die Realität anders aussieht, als sie es sich vorgestellt hat. Unerwartet wird sie zu einer Missionsstation versetzt, die mitten in der Wildnis liegt. Hier gelingt es der Autorin hervorragend, den Leser in die wunderschöne Landschaft Afrikas einzuführen. Man sitzt förmlich neben Ann im Zug und staunt über die unendliche Weite und Schönheit des Landes.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wird geschildert, in welchen Konflikt die junge Missionarin gerät, die als gläubige Christin, einerseits die strengen Regeln der Mission befolgen, andererseits aber auch den Erfordernissen der afrikanischen Realität nachgeben möchte, die der gesunde Menschenverstand eigentlich gebietet. Der Roman läßt sich durchaus auch als Kritik am Missonars(un)wesen der letzten Jahrhunderte lesen. Die Missionare, die den Menschen in »unterentwickelten« Ländern zwar Gutes bringen, wie medizinische Versorgung, dies aber eindeutig auch als Köder benutzten, um die Menschen zum Christentum zu locken. Dabei wird keine Rücksicht auf die einheimische Kultur genommen und die Menschen sollen alle Traditionen und Gebräuche aufgeben, mit denen sie aufgewachsen sind und die ihre Kultur einzigartig machen. Annah und auch ihr Freund Mtemi, zeigen eindrucksvoll, dass es auch anders geht, dass es möglich ist, die Lebensweisen zweier Kulturen zu verbinden, ohne dass man eine davon aufgibt.

Die Geschichte fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite an dieses fremde Land und lässt es ihn erfahren, als wenn er wirklich dort wäre. Das gelingt Kathrine Scholes vor allem durch die sympathischen Figuren. Vor allem durch die sympathischen einheimischen Figuren, wie dem Medizinmann Zani, dem Missionsangestellten Stanley und dem Stammeshäuptling Mtemi, der in Oxford Jura studiert hat. In dieser Geschichte sind die Einheimischen nicht die eindimensionalen Figuren, die sie in so vielen Abenteuerbüchern sind, in denen sie nur als exotische Dekoration dienen. Sie sind genauso Menschen mit Gefühlen, Träumen, Sehnsüchten und Ängsten, wie es die weißen »zivilisierten« Protagonisten auch sind.

Die Autorin führt uns tief hinein, in die Welt der afrikanischen Stämme, wie den Waganga oder den Massai, die vor dem vermeintlichen Dilemma stehen sich zwischen der alten, »primitiven« Lebensweise und der neuen, »zivilisierten« Lebensweise des weißen Mannes zu entscheiden. Sicher haben diese Völker noch einiges zu lernen, vor allem im Bereich der Hygiene, aber es gibt auch viel altes Wissen, das es Wert ist, bewahrt zu werden. Insofern können wir aus den Industriestaaten genauso viel von ihnen lernen, wie sie von uns.

Annah Mason ist eine beeindruckende und starke Frau, der es gelungen ist, zwei Welten zu verbinden, und dadurch ihrem Herz zu folgen. Ihre Geschichte zeigt aber auch, dass es oft ein schmerzvoller Weg ist, auf dem man nicht immer nur Glück findet. Der Roman zeigt auch ungeschminkt, den Schrecken der bis heute in Afrika herrscht. So leidet man als Leser mit der Protagonistin genauso wie man sich mit ihr freut.

Ich habe bisher nur wenige Bücher gelesen die so emotional ergreifend waren wie »Die Regenkönigin«. Während der gesamten Lektüre hatte ich das Gefühl direkt in Afrika zu sein. Ich habe die Hitze des Tages gespürt, den trockenen Staub auf meiner Zunge gefühlt, mich ständig nach Skorpionen und Schlangen umgesehen und die wunderschöne Landschaft genossen. Ich war richtig traurig, als ich das Buch beendet habe und zurück ins verregnete Deutschland kehren musste. Trotz aller Schreckenmeldungen, die man aus Afrika hört, habe ich durch das Buch nun richtig Lust bekommen nach Afrika zu reisen und würde mich am liebsten sofort in einen Flieger setzen. Ich kann das Buch wirklich jedem nur empfehlen. Wer schon mal in Afrika war, wird vieles wiedererkennen und sich über vieles Wundern, war er wohl verpaßt hat. Wer noch nicht da war, wird spätestens nach dem Lesen dieses Buches dorthin wollen.

Sommerpause

Nein, ich gehe nicht wirklich in die Sommerpause, aber in den nächsten Wochen werde ich mich mit dem Bloggen etwas zurückhalten. Ich muss mich momentan voll auf meine Bachelorarbeit konzentrieren und nebenbei noch zwei Bücher übersetzen. Da fehlt mir die Zeit für ausführliche Blogeinträge.

Ich werde weiterhin meine Sonntagsserie mit Auszügen aus meiner Diplomarbeit veröffentlichen und dazu vielleicht noch ein paar ältere Rezensionen, die zuvor schon auf anderen Seiten wie dem z. B. Fantasyguide erschienen sind. Ansonsten wird es höchsten ein paar kurze Einträge geben, aber keine großen Artikel.

Meine Bachelorarbeit werde ich spätestens am 19. August abgeben. Dann beginnt auch schon das Fantasy Filmfest, über das ich dann hier im Blog berichten werde. Aber bis dahin wird noch viel Wasser den  Iguaçu runterfließen.

Iguacu

Parque Oziel – Eintrag 10: Wohnungen und Gebäude

Sonntag – Brasilientag. Wie immer hier ein neuer Teil aus meiner Diplomarbeit von 2007. Hier gibt es die vorherigen Teile: https://translateordie.wordpress.com/category/parque-oziel/

5.3 Wohnung

Obwohl die Häuser in Oziel auf uns und auch auf die Brasilianer der Mittel- und Oberschicht ärmlich wirken, und wir uns nicht vorstellen, könnten in einer solchen Behausung zu leben, haben die Kinder keine Hemmungen stolz ihre winzigen Häuser und deren spärliche Möblierung zu zeigen. Sie haben nicht viel, präsentieren aber stolz das Wenige, das sie haben. Was fast alle haben, ist ein

Fernseher

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Brasilien ist eine Fernsehnation, die süchtig nach den täglich ausgestrahlten Telenovelas – Seifenopern, die vorwiegend das fiktive Leben der Reichen und Schönen zeigen – ist. Und auch in der Favela darf der Fernseher nicht fehlen. Die hier von dem Fotografen in leichter Schräglage fotografierte Kommode mit dem Fernseher, der Hi-Fi Anlage und dem DVD-Player ist ein typischer Anblick für die Wohnungen in Parque Oziel. Wo diese eigentlich teuren Geräte herkommen, wagte ich nicht zu fragen. Elf unterschiedliche Fernseher wurden von den Kindern fotografiert. Das unterscheidet brasilianische Slums vermutlich von anderen Armenvierteln in der Welt. Ich denke dieses eine Beispiel für Fernseher reicht. Erwähnen sollte ich vielleicht noch, dass man in Brasilien an jeder Straßenecke raubkopierte DVDs billig kaufen kann.

Einrichtung

Die Einrichtung der Wohnungen ist meist spärlich aber durchaus ausreichend. Kühlschrank, Herd, Schränke, Bett oder zumindest Matratzen sind in der Regel vorhanden. Meist sind es natürlich gebrauchte Möbel, die man hier in Deutschland höchstens auf dem Sperrmüll finden würde.

Abb 14Abb. 14

Kühlschränke scheinen für die Kinder wichtig zu sein, wurden sie doch mehrfach als Motiv gewählt. Hier steht der Kühlschrank eingebettet zwischen zwei Schränken, vollgestellt mit Blumen und religiösen Symbolen. Die Wohnungen sind eng, also muss der wenige vorhandene Platz effektiv genutzt werden. Auf dem Schrank steht ein Küchengerät, daneben hängt ein Regenschirm. Der Sommer in Brasilien ist auch Regenzeit. Es regnet alle paar Tage sehr stark, und Regenschirme sind zu dieser Zeit von großem Nutzen.
Die Wand im Hintergrund ist nur zum Teil verputzt. In Brasilien ist es üblich, bereits vor Fertigstellung in die Neubauten einzuziehen, sobald ein oder zwei Zimmer fertig sind. Der Rest wird weitergebaut, wenn Geld oder Material dafür zur Verfügung steht.

Abb 15Abb. 15

Hier ein Beispiel für eine unfertige Wohnung. Der Boden ist nur teilweise gefliest, die Farbe bröckelt ab und die Wände sehen feucht aus. Die kahlen Wohnungen sehen ungemütlich aus, und wenn im Winter die Temperaturen unter 10 Grad sinken, muss es in den unbeheizten Häusern ziemlich kalt werden.

Die Motivwahl auf Abb. 14 lässt darauf schließen, dass das Kind das fotografiert hat, sich der problematischen Wohnsituation bewusst ist. Da das Bett nicht in der Mitte des Bildes ist, wurden wohl auch die Wände und der Boden mit Absicht fotografiert. Das Bett steht nicht ganz gerade, und wurde scheinbar absichtlich nach links verschoben, damit der Boden dahinter sichtbar wird.

Abb. 16 Habe alle Bilder, auf denen Kinder zu sehen sind gelöscht.

Auf diesem Bild wird der krasse Gegensatz zwischen der Unterhaltungselektronik und dem spärlichen Rest der Wohnung besonders deutlich. Der Junge, der hier genau in der Mitte des Bildes steht und in die Kamera lächelt, scheint seinen ganzen Stolz zu präsentieren. Einen großen Fernseher mit DVD Player und einer Stereoanlage; das alles steht mit zahlreichen CDs in einer ordentlichen Kommode, die wiederum vor einer löchrigen und unprofessionell zusammen gezimmerten Bretterwand steht. Rechts sieht man eine kahle graue Wand in der gleichen Farbe wie der Boden. An den Bildrändern unten rechts und links erkennt man ein großes Sofa, auf dem sicher die ganze Familie vor dem Fernseher Platz nehmen kann.

Für Familien die im Schnitt drei Kinder haben, sind diese Häuser viel zu klein. Oft müssen alle Familienmitglieder in einem Raum schlafen. Auf Abb. 1 ist eine hochgestellte Matratze zu sehen, dies taucht auf mehreren Bildern auf. Die Bewohner müssen den wenigen Platz effektiv nutzen.

5.4 Gebäude

Die Kinder haben viele Gebäude fotografiert, wobei bestimmte Gebäude immer wieder auftauchen. Vor allem die Schule, das P.A.F. und die Kirche. Wohnhäuser wurden eher selten fotografiert, wenn dann, wie weiter oben gesehen, von innen.
Zum passenden Übergang von den Wohnungen zu den Gebäuden sehen wir nun eine der wenigen Außenaufnahmen der Wohnhäuser.

Wohnhaus

Abb 17Abb. 17

Fast in der Bildmitte steht ein aus unterschiedlichen Holzbrettern zusammen gezimmertes „Haus“. Hier in Deutschland würden wir dieses Haus höchstens – abwertend – als Bruchbude bezeichnen. Ein Teil der Vorderfront ist nur mit gelber Folie abgedeckt. Das Dach besteht aus Wellblech. Das Haus wirkt als könnte es bei dem nächsten kräftigen Sturm einfach fortgeweht werden. Links und rechts davon sehen wir zwei im Bau befindliche Ziegelbauten. Diese aus Stein gemauerten Häuser lösen die behelfsmäßigen Bretterbuden mehr und mehr ab.

Dem Fotografen kam es scheinbar nicht nur auf das Haus alleine an, sondern auch auf seine Umgebung. Die zwei bereits erwähnten Steinhäuser, der Weg und der unebene Platz vor dem Haus, die Stromleitung, der Himmel über der Favela und selbige im Hintergrund. Rechts unterhalb der Eingangstür und links von dem kleinen Baum sitzen – kaum zu erkennen – zwei Kinder.

Wenn man bedenkt, dass viele der Bewohner Oziels vorher gar kein Land und keine Unterkunft hatten, ist ein solches Haus schon ein Fortschritt. Es gibt fließendes Wasser und Strom. Das Land gehört den Bewohnern noch nicht. Lange haben sie es illegal besetzt. Inzwischen bietet die Stadt Campinas ihnen das Land zum Kauf an. Leider zu einem – für die Bewohner – unerschwinglichen Preis.

Schule

Wie schon gesagt, die Wohnhäuser wurden selten fotografiert. Das Gebäude das am häufigsten gewählt wurde, ist die Schule von Parque Oziel.

Abb 18Abb. 18

Die Schule wurde von der Straße aus fotografiert. Dabei hat der Fotograf Wert darauf gelegt, dass der Banner mit dem Namen der Schule genau in die Mitte kommt. Das Bild zeigt ein Kind, das einen selbstgebastelten Drachen steigen lässt – ein typisches Bild für die Favela. Man sieht auch den blauen Zaun, hinter dem die Schule liegt. Die Fenster wirken vergittert. Für uns ist eine solche Schule ein ganz normaler Anblick, doch für die Bewohner von Oziel ist dieses Gebäude etwas Besonderes. Es ist das größte Gebäude in der Favela und sticht aus ihr hervor. Es wurde 2004 fertig gestellt. Vorher wurden die Kinder in Blechcontainern unterrichtet, die sich im Sommer unerträglich aufgeheizt haben und eher an Backöfen erinnerten als an eine Stätte des Lernens.

Abb. 19 Habe alle Bilder, auf denen Kinder zu sehen sind gelöscht.

Und hier ein Bild, das dem Schriftzug „Escola Viva“ mehr entspricht. Eine typische Pausenszene wie man sie auf fast allen Schulhöfen der Welt findet. Im Gegenteil zu unseren deutschen Schulen tragen die Schüler hier Schuluniformen. Ein weißes Oberteil und eine blaue Hose. Es ist aber nicht so förmliche Kleidung, wie man sie z. B. aus englischen Schulen kennt. Wie man bei dem Jungen in Grün sieht, tragen sie ihre Uniform nicht immer. Vermutlich gibt es nur eine Uniform, und wenn diese gewaschen wird, bleibt den Kindern nichts anderes als Alltagskleidung übrig. Auf diesem Bild tragen alle Kinder Turnschuhe, und nicht die üblichen Flip Flops. Der Junge in der Bildmitte hält eine Tüte mit Süßigkeiten in der Hand. Vor der Schule gibt es übrigens einen Stand, an dem Süßes verkauft wird.
Die Kinder, die bemerken, dass sie fotografiert werden, schauen in die Kamera.  Die beiden Mädchen links auf der Treppe umarmen sich sogar.

Die Schule ist ein enormer Fortschritt für die Bewohner Oziels und wird von den Kindern – größtenteils – begeistert angenommen. Es gibt Stimmen, die sagen, dass viele Kinder nur wegen des Essens kommen. In der Schulkantine gibt es für viele von ihnen die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Ich kann diese Aussage nicht beurteilen. Vor allem bei den Mädchen habe ich aber Begeisterung für die Schule gespürt. Das spiegelt sich auch in den Steckbriefen wieder, in denen als Berufswunsch „Lehrer“ eingetragen wurde.

Obwohl die Schule von außen „groß“ wirkt, gibt es nicht genügend Klassenräume, so dass die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten Unterricht haben. Manche müssen morgens in die Schule, andere nachmittags oder abends. Die Ausstattung der Schule wirkte sehr antiquiert. Mir ist da ein Kopierer in Erinnerung geblieben, der von Hand gekurbelt wird und mit Alkohol funktioniert. Die Lehrer die wir kennengelernt haben, wirkten sehr engagiert. Das müssen sie wohl auch sein, um in der Favela zu arbeiten. Viele Lehrer würden den Schritt in eine solche Schule nicht wagen.
Wenn ich mir die Bilder von der Schule anschaue, sehe ich vor allem Hoffnung, und sei sie auch noch so gering. Hoffnung für eine bessere Zukunft dieser intelligenten und netten Kinder, die mit Sicherheit das Potenzial haben, es im Leben weit zu bringen. Ich hoffe nur, dass dieses Potenzial nicht ungenutzt bleibt.

Die Kinder sind aber nicht die einzigen, die in diese Schule gehen.

Ein Abend in der Schule

So langsam kam ich ins Schwitzen und wurde immer nervöser. Der Raum füllte sich. Mehr und mehr Leute holten noch Stühle aus den Nachbarklassen. Es war in illustre Gesellschaft die uns in dem völlig überfüllten Klassenzimmer erwartungsfroh anstarrte. Männer und Frauen im Alter von 17 bis 77. Sie tuschelten miteinander, blickten in unsere Richtung und kicherten. Verzweifelt schaute ich zu Thomas und Soleilla denen es auch nicht besser ging als mir. Eleida lächelte uns dabei fröhlich zu.

Eleida ist eine der Schwestern der Familie Campos. Der Gastfamilie von Soleilla und mir. Sie hat uns das ganze eingebrockt. Eleida unterrichtet abends an der Schule von Parque Oziel eine Alphabetisierungsklasse, dass heißt sie bringt den Bewohnern von Oziel lesen  und schreiben bei. Als die Klasse hörte, dass Eleida Besuch aus Deutschland bekommt, waren sie ganz neugierig darauf uns kennen zu lernen, um mehr über Deutschland zu erfahren. Also bereitete Eleida mit ihnen Fragen vor und lud uns zu nächsten Stunde ein. Nur waren es insgesamt vier Klassen, von denen uns nun jeweils zwei in einer Stunde „verhören“ sollten.
Zumindest fühlte ich mich wie bei einem Verhör. Zu dritt vor der Tafel stehend, von Blicken durchlöchert und keiner Ahnung, wie wir die Fragen auf Portugiesisch überhaupt verstehen sollten.

Als endlich los ging, war der Bann schnell gebrochen. Die Menge durchlöcherte uns mit Fragen über das Leben in Deutschland, Eleida half dabei uns die Fragen verständlich zu erklären wir bekamen es irgendwie auf die Reihe alles zu beantwortet und hatten dabei – wider Erwarten – auch noch Spaß. Als ich auf die Frage, ob wir den Freundinnen hätten, mit nein antwortete, erklärte sich die ganze Klasse bereit mir eine auf der Straße zu suchen. In diesem lockeren Ton gestaltete sich das ganze Interview. Einzig bei einer Frage wurde es etwas heikel. „Ob wir den religiös seien?“, wollten sie wissen. Thomas wich der Frage geschickt aus. Soleilla antwortete so lange bis keiner mehr verstand was sie eigentlich erzählte. Nur ich setzte mich ins Fettnäpfchen. „Ich bin Atheist“, antwortete ich ehrlich. Thomas meinte vor der Fragestunde, die streng religiösen und einfachen Menschen von Oziel könnten bei einer solchen Antwort beleidigt sein. Doch ich bestand darauf, ehrlich zu antworten. Als Reaktion auf meine Antwort sprang ein älterer Mann auf und rief, mich solle Gott auf der Stelle mit einem Blitz erschlagen.

Im Nachhinein muss ich Thomas Recht geben. Eine diplomatischere Antwort meinerseits wäre wohl angebrachter gewesen.

Insgesamt war es aber eine tolle Erfahrung. Die Neugierde dieser illustren Klasse hat mich sehr beeindruckt und fasziniert. Auch ihr Wille, noch im teilweise hohen Alter Lesen und Schreiben zu lernen.

Update: Crowdfunding Sportplatz (TUS Hilgert)

Vor einem Jahr habe ich hier über zwei Crowdfunding-Projekte berichtet: https://translateordie.wordpress.com/2012/08/12/was-macht-eigentlich-das-ubersetzungscrowdfundingprojekt-und-ein-sportplatz/

Es ging um eine Übersetzung und einen Sportplatz. Aus der Übersetzung ist leider nichts geworden, da sich nicht genügend Interessenten – also Spender – gefunden haben. Das Ergebnis Sportzplatzcrowdfunding bringt mich momentan jeden Morgen schon vor 7.00 Uhr um den Schlaf. Denn der Sportplatz wird jetzt tatsächlich erneuert. Dazu muss ich noch erwähnen, dass es sich um kein reines, klassisches Crowdfunding handelt, und es lief nicht über Plattformen wie Kickstarter.

Ein gewisser Teil der Finanzierung wird vermutlich (ich bin da nicht im Detail informiert) über Zuschüsse durch den Landessportbund, das Land oder sonst wo her kommen. Trotzdem ist beim symbolischen Verkauf der Sportplatzquadratmeter eine beachtliche Summe zusammengekommen. Es wurde jeweils ein Quadratmeter Sportplatz für 30 Euro verkauft. Insgesamt wurden 4685 m2 (von 243 Platzpaten) gekauft. Macht eine Summe von 140.550 Euro. Unter den Paten sind aber nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Firmen (Sponsoren) und die Gemeinde. Siehe hier: http://www.tushilgert.de/sportpl/start.htm

Wie genau die Finanzierung aussieht, weiß ich nicht, dafür war ich schon zu lange nicht mehr Training gewesen, jedenfalls befindet sich der neue Sportplatz jetzt im Bau. Ursprünglich sollte es ein Kunstrasenplatz werden, dann ein reiner Rasenplatz, jetzt hat man sich für einen Hybridrasen entschieden. Also eine Mischung aus Kunstrasen und richtigem Rasen (siehe Fotos weiter unten).

P1020813Der alte Sportplatz von unserem Haus aus

P1020809Hier wird der alte Belag abgetragen.

P1020823Danach wurde neue Erde aufgetragen. Wie man sieht ist die neue Fläche etwas höher als der alte Platz.

P1020841In der Mitte des Fußballfeldes wurde ein 20 Meter breiter Streifen aus Kunstrasen gelegt.

P1020842

Daneben, aber auch auf dem Kunstrasen, wird weiterhin Erde aufgetragen. Dort wird dann Rasen ausgesät, der nicht nur neben dem Kunstrasen wachsen soll, sondern auch dazwischen. Der Kunstrasen ist als zusätzliche Unterstützung für den sonstigen Rasen in den besonders belasteten Bereichen gedacht, und soll sich dort mit dem normalen Rasen vermischen.

Mir ist nur nicht ganz klar, ob damit die besonders belasteten Bereiche während eines Fußballspiels gemeint sind, oder die während eines Trainings. Die sind meiner Meinung nach nämlich sehr unterschiedlich. Spiele finden auch sehr viel seltener statt. Während der Saison nur alle zwei Wochen (pro Mannschaft), in den Pausen höchstens mal ein paar Freundschaftsspiele. Trainiert wird allerdings of zwei bis dreimal die Woche. Im Training werden oft die Außenbereiche stark belastet, z. B. wenn man ein Eckchen aufmacht oder Sprints oder andere Laufübungen ausführt. Ob so etwas dabei bedacht wurde? Ich bin gespannt. Auch, wie sich der Platz bei schlechten Witterungsbedingungen wie Schnee und Frost macht.

Es wird auf jeden Fall ein ungewohnter Anblick sein, wenn ich aus meinem Fenster schaue, und der gewohnte rot-braune Anblick, der mich seit meinem sechsten Lebensjahr begleitet einem saftigen Grün gewichen ist.

Dazu ist der gesamte Sportplatz noch umzäunt worden, damit niemand mehr mit dem Auto, Moped oder Fahrrad darauf herumfährt. Die dazugehörige Grillhütte bzw. das Gründstück auf dem sie steht (inklusive Sportplatz), wurde dem Verein von der Gemeinde per Erbbaupachtvertrag überlassen und wird in Zukunft hoffentlich nicht mehr an Feiernde vermietet. Die hat uns Anwohner in den letzten zwanzig Jahren (wie waren vor der Hütte da) teilweise ziemlich genervt.

Edit: die Sache mit der Grillhütte geändert. Da hatte ich zuvor geschrieben, dass sie vom Verein gekauft worden ist, was nicht stimmt.

Wo man mich triff: In Hilgert im Westerwald (bei Koblenz)

Bis zum 24. Juni trifft man mich nicht in der Bundeshauptstadt an, sondern in meiner Heimat. Hilgert ist ein 1500-Seelen-Dorf im Westerwald, nah an der Grenze zu Koblenz. Es gehört zur Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, die im sogenannten Kannenbäckerland liegt (Keramik ist hier das ganz große Ding). In 20 Minuten ist man mit dem Auto in Koblenz und dank der günstigen Autobahnanbindung in einer Stunde in Köln oder Frankfurt. Was für mich sehr vorteilhaft ist, da ich in einer Stunde am Flughafen Köln/Bonn, in zwei Stunden in Berlin und nochmal 10 Minuten später in meiner dortigen Wohnung (Wartezeiten nicht mitgerechnet).

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Ich wohne hier im Haus meiner Eltern, in dem ich auch aufgewachsen bin, und einen großen Teil meines Lebens verbracht habe. Mit Ausnahme der fünf Jahre im Studentenwohnheim in Siegen; das aber nur die Woche über, während des Semesters.

Wir wohnen direkt am Wald. Zum Joggen und Fahrradfahren bieten sich hier wunderbare Möglichkeiten, die ich gestern auch schon ausgiebig genutzt habe. Das macht hier einfach mehr Spaß als in Berlin, obwohl es dort im näheren Umland auch tolle Strecken in der Natur gibt. Die sind aber immer nur mit zeitlichem Aufwand zu erreichen. Deshalb genieße ich diesen Wechsel zwischen Großstadt- und Landleben.

Kulturell läuft im Westerwald nicht viel (zumindest was meine Interessen angeht), für Konzerte (und fürs Fantasy Filmfest) musste ich immer nach Frankfurt oder Köln fahren. Es gibt zwar kleine Kinos, aber fast nur der übliche Mainstream/Blockbuster-Kram, und natürlich nicht in der Originalfassung. Da genieße ich es sehr, in Berlin mit dem Cinestar im Sonycenter ein komplettes Multiplexkino zu haben, das nur Originalfassungen zeigt.

Die Buchhandlungen im Westerwald sind für mich aufgrund des winzigen Angebots völlig uninteressant. In Koblenz gibt es Thalia, die zumindest ein wenig Fantasy und Science Fiction haben; aber da ist das Angebot in den letzten Jahren immer erbärmlicher geworden. Eine Genrebuchhandlung wie das Otherland sucht man hier vergeblich, die würde sich aber auch nicht lohnen.

Ansonsten mag ich es bei meinen Besuchen im Westerwald noch, gelegentlich bei meiner alten Fußballmannschaft mitzutrainieren. In Berlin komme ich überhaupt nicht zum Fußball. Aktuell wird hier gerade der Sportplatz (der direkt neben dem Haus meiner Eltern liegt) neu gemacht. Dazu aber mehr im nächsten Eintrag (der noch heute kommt).