Last Chance To Read – Ein kurzer Streifzug durch 6 Jahre Translate Or Die

Bevor man sein Comeback planen kann, muss man erst mal eine Abschiedstournee mit den alten Hits machen. Hier ein paar ausgewählte Blogbeiträge mit Hintergrundinfos, die es nur noch bis Donnerstag zum Lesen gibt:

Im November 2011 ging Translate Or Die an den Start, eigentlich als meine berufliche Präsentationsseite als Übersetzer. Damals studierte ich noch Amerikanistik an der Freien Universität in Berlin (hier mehr zum Studium) und betrieb meine Bestrebungen Übersetzer zu werden zunächst nebenbei.

Sexismus, Diskriminierung und Captain Future – Zu meinen ersten Übersetzungen gehörte Captain Future im Golkonda Verlag. Das war vermutlich der für mich beruflich wichtigste Kontakt, denn Hannes Riffel hatte damals schon einen exzellenten Ruf in der Branche und war anfangs für mich eine Art Mentor. Damals lebte ich noch in Berlin und bin zur Besprechung der Übersetzungen direkt bei ihm zu Hause vorbei. Und auch heute arbeite ich noch für ihn bei Tor Online. Den Golkonda Verlag hat er allerdings letztes Jahr verkauft, und die neuen Besitzer haben wohl ihre eigenen Übersetzer mitgebracht, weshalb meine letzte Captain Future-Übersetzung im März erschienen ist. Mit allen zukünftigen werde ich vermutlich nichts mehr zu tun haben.

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So long, and thanks for all the fish!

Am 24. Mai schließt Translate or Die seine Pforten – vermutlich nur vorübergehend. Den Grund habe ich ja schon an dieser Stelle erklärt. Ich würde nicht sagen, dass ich mich der DSGVO-Hysterie angeschlossen habe, momenta habe ich einfach nur keine Lust, mich aktiv damit zu beschäftigen. Vielleicht sieht es nach meinem New-York-Urlaub im Juni anders aus. Bis dahin werde ich aber zu Genüge mit anderen Dingen sein, die bei mir aktuell eine höhere Priorität besitzen.

Translate Or Die entstand ursprünglich als meine Internetpräsenz als Übersetzer, hat sich mit der Zeit aber zu einem eher privaten Blog entwickelt, auf dem ich Bücher und Serien bespreche und Artikel zu allen möglichen Themen schreibe, auf die ich gerade Lust habe. Am Anfang meiner Karriere hat der Blog durchaus dazu beigetragen, dass ich Aufträge erhalten habe, in letzter Zeit ist diese Außenwirkung aber deutlich zurückgegangen. Insofern werde ich es beruflich wohl verschmerzen können, eine Weile ohne den Blog auszukommen.

Richtig schade finde ich es nur für euch LeserInnen, die ihr hier regelmäßig vorbeigeschaut habt, weil ihr euch für meine Beiträge interessiert habt (danke dafür!). Unter den 100 Follower befinden sich eindeutig nicht nur Leute und Bots, die mir aus Werbezwecken folgen. Dauerhaft wird er Blog auf keinen Fall aus dem Netz verschwinden, das wäre mit den über 500 Beiträgen, von denen auch viele alte noch durch Google Zugriffe erhalten, viel zu schade.

Ich bin gespannt, wie es mir die nächsten Monate ohne den Blog ergehen wird, der die letzten fünf Jahre fester Bestandteil meines Lebens gewesen ist. In der Zeit will ich auch meine Internetpräsenz generell stark zurückfahren (auf Facebook, Twitter und in diversen Foren), um ich voll und ganz auf ein bestimmtes Projekt zu konzentrieren. Das Internet ist schon ein enormer Zeitfresser und verlockt zum Prokrastinieren. So ganz werde ich aber nicht darauf verzichten können, da ich ja zweimal die Woche die SFF-News auf Tor Online verfasse, für die ich im Netz unterwegs sein muss. Und gelegentlich wird es auch Buchbesprechungen von mir auf Fantasyguide.de geben. Demnächst z. B. zu Autonom von Annalee Newitz.

Also, so long, and thanks for all the fish!

Kurzkritiken Mai 2018

Kurz vor Blognarök gibt es noch ein paar Kurzkritiken zu Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Melissa Febos – Whip Smart

Whip Smart ist keine Erotikliteratur, kein Shades of Grey aus authentischer Feder. Febos blickt reflektierend und analysierend auf vier Jahre ihres Lebens zurück, in denen sie neben ihrem Studium als Domina in New York gearbeitet hat, geht aber auch auf ihre Kindheit, ihre Beziehungen, ihre Persönlichkeit und ihr Drogensucht ein. Die Sessions mit ihren Kunden beschreibt sie eindrucksvoll, wortgewaltig und sehr ernüchternd, nicht erotisch, sondern analytisch und psychologisierend. Eine faszinierende Autobiografie über eine komplizierte, komplexe Frau.

Sven Regener – Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt

Karl Schmidt, das alte Schlachtwahlross der Berliner Elektrolyteszene, das am Ende von Herr Lehmann leicht überschnappte, ist zurück, um auf Magical Mystery Tour zu gehen, zusammen mit alten Bandkollegen, die inzwischen ein erfolgreiches Technolabel führen, mit dem sie gegen den Stumpfsinn von Gummistiefeltechno ankämpfen wollen. Dass dies nicht ohne Komplikationen abläuft und Karl Schmidts Abstinenz – immerhin lebt er im betreuten Wohnen und arbeitet als Hilfshausmeister – auf die Probe stellt, versteht sich wohl von selbst. Mit gewohnt lakonischem Humor und ausgezeichneten Dialogen bleibt Regener seinem Lehmann-Kosmos treu und liefert einen unterhaltsamen Roadtrip, der durchaus Tiefgang (und Meerschweinchen) besitzt.

Paul Tremblay – A Head Full of Ghosts

Moderne Variante von Der Exorzist, die hier Familiendrama mit Mediensatire verbindet, nicht ganz so spannend und gruselig, wie ich erwartet hatte, dafür mit viel Tiefgang und Einblicken in die Psyche einer zerrütteten Familie.

Douglas Preston und Lincoln Child – Attic (übersetzt von Thomas A. Merk)

Quasi-Fortsetzung des superspannenden Museumshorror Relic, der im Naturkundemuseum von New York spielt (das ich nächsten Monat endlich besuchen werde). Attic spielt zwar teilweise auch im Museum of Natural History, aber der eigentliche Star des Romans ist die Tunnelwelt unter der Stadt, die noch über mehrere Ebenen unter der U-Bahn liegt. Nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, aber immer noch faszinierend, mit interessanten Einblicken in das New York der 90er-Jahre. Ist auch noch nicht so übertrieben abgedreht wie die späteren Pendergast-Romane.

William Hjortsberg – Falling Angel

Hard-Boiled-Krimi mit okkultem Einschlag über einen hartgesottenen Privatschnüffler, der in den 50er-Jahren in New York durch einen zwielichtigen Auftraggeber in einige unheimliche Vorgänge verwickelt wird. Toller Stil, absolut schnörkellos aber elegant auf den Punkt geschrieben mit vielen Slang-Ausdrücken und Formulierungen aus dieser Zeit. Habe so z. B. gelernt, was ein „shamus“ ist. Wurde übrigens mit Mickey Rourke und Robert De Niro als Angel Heart verfilmt (allerdings in New Orleans).