Meine diesjährigen Artikel auf Tor Online und eine kurze Vorstellung der Seite

Den Blog habe ich in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt, was aber nicht heißt, dass ich nichts geschrieben hätte. Das ist nur alles bei Tor Online erschienen (mehr zu Tor Online gibt weiter unten). Falls jemand Interesse hat:

Zuletzt gab es dort von mir eine dreiteilige Artikelreihe über Animes. Im ersten Teil geht es um die Geschichte des Animes, vom Papiertheater Kamishibai über die Propagandafilme des 2. Weltkriegs bis zu den Serien meiner Kindheit wie Biene Maja und Wiki und die starken Männer und Meilensteine des Films wie Akira und Ghost in the Shell.

Teil 2 ist eine Übersicht über die unterschiedlichen Genres des Animes aus westlicher Perspektive. Science Fiction mit seinen Untergenres wie Cyberpunk oder Space Opera; Fantasy, historische Animes und „durchgeknallter Scheiß“.

Teil 3 stellt einige der herausragendsten Animemacher wie Hayao Miyazaki, Mamoru Hosoda oder Makoto Shinkai vor und widmet sich in einem zweiten Abschnitt kontroversen Themen wie die Darstellung von Sex, Gewalt und Frauen in Animes.

Gelegentlich schreibe ich auch Auftragsartikel mit Themenvorgabe, so zum Beispiel über die kommende Netflixserie Cursed von Frank Miller und Thomas Wheeler, die gleichzeitig auch einen Roman über die Coming-of-Age-Geschichte Nimues – der Lady of the Lake aus der Artus-Saga) rausbringen, der auf Deutsch bei Fischer Tor erscheint.

In Schluss mit der Schwarzseherei! Warum Zukunft wieder ein positiv besetzter Begriff werden muss plädiere ich für mehr optimistische und hoffnungsvolle Geschichten in der Science Fiction, da mir Dystopien und Nostalgieflucht in letzter Zeit zu sehr überhandnehmen.

Im Mai erschien ein Artikel über Science Fiction in der Musik, in dem ich Songs, Alben und Musikvideos vorstelle, in denen die SF eine tragende Rolle spielt. Das geht von Hawkwind, David Bowie und Queen, bis in die 90er mit Monster Magnet und Björk bis zu aktuellen Werken von Janelle Monáe oder Alice in Chains.

Weitere Auftragsartikel sind Brave New World Serie: Was wir bisher über die Neuverfilmung von Huxleys Dystopie wissen und Tales from the Loop: Was wir bisher über die Amazon-Serie wissen.

Der Artikel von mir, der wohl am meistens Aufmerksamkeit erhalten hat, ist Wiki und die „starken“ Männer: Von der Löschung der Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen über den Kampf einiger engagierter Frauen gegen die Engstirnigkeit der Wikipedianer.

Das aufwendigste Projekt, das ich bisher für Tor Online durchgeführt habe, war Wanted: Die 100 besten Science-Fiction-Bücher aller Zeiten. Dazu wurden am 31. Oktober 2018 alle SF-Fans dazu aufgerufen, ihre jeweils fünf besten SF-Romane zu nennen. Daraus ergab sich eine Liste mit 450 Titeln, die von 219 Teilnehmern eingereicht wurden (Mehrfachnennungen nicht mitgerechnet). Daraus wiederum haben fünf Jurymitglieder eine Liste von 100 finalen Titeln gewählt. Darunter natürlich die üblichen Klassiker wie Hyperion, Neuromancer und Der Wüstenplanet, aber auch neuere Titel wie Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten oder Kinder der Zeit.

Zu allen 100 Titeln habe ich jeweils einen kurzen Text verfasst, der kurz den Inhalt anreißt und einschätzt, warum das Buch auf der Liste gelandet ist.

Was ist Tor Online

Tor Online ist ein Onlinemagazin für phantastische Themen. Zweimal die Woche gibt es die SFF News von mir (die leider nicht mehr als News in der Überschrift gekennzeichnet sind), dazu Artikel zu aktuellen phantastischen Themen, zu Filmen, Büchern uvm. Da hinter dem Magazin der Verlag Fischer Tor steckt (der zu S. Fischer gehört) gibt es dort in der Regel keine Rezensionen, da man nicht die Produkte der Mitbewerber besprechen möchte und sich lieber auf themenorientierte Artikel konzentriert.

Und, um mal ein wenig Eigenlob zu bringen, anders als Die Zukunft vom Heyne Verlag, ist Tor Online für alle Genres offen und ignoriert die Fantasy nicht. Es gibt auch keine penetrante Eigenwerbung. Wenn eine Liste mit den fünf besten irgendwas-Romanen erscheint, kann man sich sicher sein, dass nicht alle fünf Romane von Fischer Tor stammen, sondern auch von anderen Verlagen.

Alessandra Reß stellt regelmäßig Genres und Untergenres der Phantastik vor, wie z. B. die Science Fantasy, den Cyberpunk oder ganz aktuelle die Romantasy.

Fantasyblogger wiederum stellt regelmäßig Fünf Fantasybücher mit … vor, darunter immer wieder interessante Themen wie Wikinger, Söldner oder historische Figuren.

Judith Vogt widmet sich gelegentlich heiklen Themen, wie schlechte oder gute Sexszenen in Phantastikromanen. Ansonsten stellt sie herausragende Autorinnen wie N. K. Jemisin oder Ann Leckie vor und hat vor allem feministische Themen und Diversity auf dem Schirm.

Diana Menschig besucht regelmäßig Orte, die ein Nerd besucht haben muss. Wie die Buchandlung Drachenwinkel, das Leipziger Völkerschlachtdenkmal oder die Phantastische Bibliothek Wetzlar.

Um mal ein paar regelmäßig für Tor Online schreibende AutorInnen vorzustellen. Neben den Artikeln erscheinen auch regelmäßig Kurzgeschichten.

Sinkende Leselust durch eingefahrene Leseroutine und eine Pause von der Phantastik

Von den neun Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen:

Laird Barron – Occultation
William Wells – Sun Detective
Sven Regener – Wiener Strasse
Linus Geschke – Tannenstein
Sibylle Berg – GRM Brainfuck
Adam Horowitz und Mike Diamond – Beastie Boys Book

oder angefangen habe zu lesen:

Ada Palmer – Too Like The Lightning
Marlon James – Black Leopard, Red Wolf
Max Gladstone – Empress Of Forever

hat mich nur das Beastie Boys Book so richtig begeistern können – und zwar so, dass ich die 600 Seiten innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Was mich zu der Erkenntnis brachte, dass ich mit einer Lektüreauswahl in einer Routine gelandet bin, die zu steigender Leseunlust führ. Zwar habe ich noch jeden Tag gelesen, aber deutlich weniger Seiten bei steigendem Serienkonsum.

Es sind alles keine schlechten Bücher. GRM Brainfuck z. B. hat mich über die ersten 400 Seiten ob seines herausragenden Stils und seines scharfsinnigen analytischen Blicks auf unsere Gesellschaft stark begeistert. Doch über die letzten 200 ermüdete mich das gleichbleibende Schwarz-in-schwarz-Zeichnen, und der zutiefst dystopische Charakter der Erzählung. Warum ich der Dystopien müde bin, habe ich kürzlich auf Tor Online in dem Artikel Schluss mit der Schwarzseherei! Warum Zukunft wieder ein positiv besetzter Begriff werden muss aufgeschrieben.

Auf Empress Of Forever hatte ich mich schon ein halbes Jahr lang gefreut, da ich Gladstones Craft-Sequence großartig und super originell finde. Doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Ich bin jetzt bei 80%, aber die rasante Space-Fantasy mit toll ausgearbeiteten Figuren ist mir irgendwie zu abstrakt geraten, was Weltenbau und teilweise auch den Ablauf mancher Szenen angeht.

Black Leopard Red Wolf von Booker-Prize-Gewinner Marlon James ist stilistisch wunderbar geraten, ein originelles Fantasyszenario mit starken afrikanischen Einflüssen abseits der üblichen eurozentrischen Mittelalterfantasyklischees. Und doch konnte es mich bisher nicht so recht packen, und ich hänge bei 10% (ca. Seite 100) fest.

Dass es selbst so herausragend geschriebenen Werken der Fantasy und Science Fiction nicht gelingt, mich zu begeistern, bringt mich zu dem Schluss, dass sich bei mir aktuell Ermüdungserscheinungen in Sachen Phantastik bemerkbar machen. Ich beschäftige mich beruflich so viel mit Phantastik, und das durchaus mit Begeisterung, dass ich privat jetzt mal etwas thematische Abwechslung brauche. Weshalb ich dem Genre für eine Weile in Sachen Literatur den Rücken kehren werde. Solche Phasen habe ich alle paar Jahre immer wieder mal. Die halten dann oft einige Monate an. Von den 22. Büchern, die ich dieses Jahr schon komplett gelesen habe, waren es nicht die 10 Phantastikbücher, die mich begeistern konnte, sondern Krimis (The Borrowed/Das Auge von Hongkong, wobei ich hier mit Sun Detective und Tannenstein zwei nicht so dolle erwischt habe)), historische Romane (Die goldene Stadt), zeitgenössische Belletristik (Das Leben des Vernon Subutex 2 und 3, hier konnte mich überraschenderweise Wiener Straße von einem meiner Lieblingsautoren überhaupt nicht begeistern) und Sachbücher (Wütendes Wetter).

Als Folge der Begeisterung für das Beastie Boys Book, werde ich mich jetzt erst mal verstärkt Sachbüchern widmen, vor allem mit (auto)biografischen Elementen. Ich liebe Bücher über Menschen, die Sachen machen, die ich mich nicht trauen würde. Aus der Band-Biografie habe ich drei Lesetipps mitgenommen:

Tania Aebi – Maiden Voyage
Luc Sante – Low Life: Lures and Snares of Old New York
Ada Calhoun – St. Marks Is Dead

Tania Aebi gehörte zum Freundeskreis der Beastie Boys in deren Jugendjahren. Als sie 18 war, stellte ihr Vater sie vor die Wahl, ihr entweder das College zu bezahlen, oder ein Segelboot. Wenn sie sich für das Segelboot entscheiden würde, müsste sie damit aber auch allein um die Welt segeln. Und ratet mal, was sie getan hat …

Die anderen beiden Bücher erzählen die Historie zweier Bezirke von New York, für die ich mich seit meinem Urlaub dort im letzten Jahr besonders interessiere, da mein Hotel auf der Lower Eastside lag, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe. Beide AutorInnen haben ausgezeichnete Gastkapitel zum Beastie Boys Book beigetragen.

Wenn ich in meinen Lesegewohnheiten zu eingefahren bin, hilft es, diese ein wenig zu ändern, mich selbst mit der Lektüreauswahl zu überraschen, mich spontan für Bücher zu entscheiden, die mich jetzt gerade besonders ansprechen, und diese dann auch direkt zu lesen. Statt Monate im Voraus bestimmte Titel zu planen, nur weil sie gerade im Genre angesagt sind und ich auf dem neuesten Stand bleiben möchte. Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, keine neuen Bücher mehr zu kaufen, was ich auch ein Quartal lang durchgehalten habe. Aber nur Bücher zu lesen, die schon lange bei mir im Regal stehen, nimmt mir das Überraschungsmoment und verhindert, spontanen Leselaunen zu folgen und auch mal Bücher zu Themen zu lesen, die mich eigentlich nicht interessieren (da habe ich mir mal Stephen Frys Mythos: The Greek Myths Retold für die nähere Zukunft notiert)

Ob es was hilft, mein Leseverhalten zu ändern, zu anderer Lektüre zu greifen, als in den letzten Monaten und Jahren, wieder mehr zu lesen und weniger TV/Streamingserien zu schauen … wir werden sehen. Ich hoffe aber, dadurch wieder mehr Begeisterung beim Lesen zu haben, und nicht einfach nur routiniert was runterzulesen, was ganz okay ist, aber aktuell nicht zu meiner Lesestimmung passt. Manche Bücher liest man einfach zur falschen Zeit.

Wie sieht es bei euch aus? Kennt ihr sowas?