Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Knaur

Leider hat Knaur die Cover noch nicht zum Download auf der Verlagshomepage, deswegen muss diese Programmvorschau ohne bunte Bilder auskommen. Hier kann man sich das Programm als PDF (mit den Cover) runterladen.

Science Fiction

An Science-Fiction findet man nicht viel im Programm, Jason M. Hughes Fortsetzung von Darwin City, mit dem Titel Exodus Towers (wieder von Simone Heller übersetzt). Thematisch klingt es für mich eigentlich interessant, aber beide Bücher haben über 600 Seiten, und da es ja die Dire Earth-Trilogie ist, wird wohl auch noch ein dritter dazu kommen. Warum können sich die Autoren nicht kürzer fassen? Mal sehen.

Der zweite SF-Titel im Programm ist die Jugenddystopie Arena von Holly Jennings. Die Geschichte über eine Gladiatorenliga in der virtuellen Realität spricht mich jetzt nicht so wirklich an.

Fantasy

Der interessanteste Titel im Programm dürfte Das Lied der Krähen (Six of Crows) von Leigh Bardugo sein, das in den USA wohl ein ziemlicher Hit war. Scheint mir Rollenspielgruppen-Heist-Fantasy zu sein. Soll eine Duologie (mit Crooked Kingdom) in der gleichen Welt wie die Grisha-Trilogie sein, aber offenbar eigenständig. Merke ich mir mal vor.

Schattenprinz von David Gemmell habe ich schon in der alten Bastei-Ausgabe im Regal stehen, aber schön, dass die Drenai-Saga weiter neu aufgelegt wird. Ein echter Klassiker, der unter der ganzen anderen Fantasy der 80er Jahre aus der Reihe tanzt (zusammen mit Glen Cooks Black Company). Als Nächstes müsste dann Waylander folgen.

Schattendiebe von Hanna Kuhlmann hat den Indie-Autoren-Preis 2016 gewonnen. Der Klappentext über Diebe, Könige und Götter (falls es da einen Unterschied gibt) spricht mich jetzt nicht so an.

Sehr schön, Fran Wildes Updraft hat einen deutschen Verlag gefunden und wird unter dem Titel Stadt aus Sand und Knochen erscheinen. Der Roman hat im Original für einiges an Aufsehen erregt und auch mich neugierig gemacht.

Und dann wäre da noch Markus Heitz‘ Wedora-Fortsetzung Schatten und Tod. Mit Heitz habe ich es ein paar Mal versucht, aber seine Schreibe ist einfach nicht meins.

Auch fortgesetzt wird Ju Honischs Seelenspalter mit Blutfelsen, und Fechter und Feiglinge ist bereits der dritte Band Der Gilde der Duellanten von Julia Knight.

Und auch Michael J. Sullivans Zeit der Legenden wird mit dem zweiten Band Zeitenfeuer (übersetzt von Marcel Aubron-Bülles) weitergepflegt. Ich bin ja seinerzeit nicht in seine erste Riyria-Saga reingekommen, da mir Band 1 (Der Thron von Melengar) irgendwie zu albern und seicht erschien. Zeitenfeuer hat ein tolles Cover (das ich hier gerne gezeigt hätte), genau solche exotischen Panoramen sind es, die mich auf ein Fantasybuch neugierig machen, mich in fremde Welten locken und Abenteuer verheißen.

Und auch Ken Lius Das Schwert von Dara erhält eine Fortsetzung, genauer gesagt sogar zwei, da man The Wall of Storms in zwei Bände aufteilt (Die Götter von Dara und Die Stürme von Dara. Ich kann ja verstehen, warum Verlage aus einem Buch zwei machen (die Rechte und auch die Übersetzung müssen finanziert werden) – und besser, als wenn es gar nicht erscheinen würde; Band 1 scheint nicht wirklich viel Interesse erregt zu haben (nur zwei Amazonrezensionen). Aber Fantasy als Hardcover hat es auch schwer, da geht es wohl vielen wie mir, für die das traditionell einfach ein Taschenbuch- und inzwischen Paperbackgenre ist. Und 40 Euro für Band 2 sind da nicht so wirklich reizvoll. Den großartigen ersten Band habe ich direkt nach Erscheinen im Original gelesen (im Hardcover für 27 Euro!, da war ich superneugierig drauf), lange bevor eine deutsche Veröffentlichung feststand. In der Sprache werde ich dann wohl auch Band 2 lesen. 40 Euro für ein Buch geht einfach über mein Budget bzw. dem, was ich mir unter einem vernünftigen Buchpreis vorstelle (deswegen habe ich auch nicht viel von Klett Cott bzw. der Hobbit Presse im Regal stehen, auch den nächsten Tad Williams, der gesplittet wird, werde ich dann lieber im Original lesen). Das sind zumindest die Gründe, die ich dahinter vermute, warum es zu dem Buch so wenig Rückmeldungen gibt, aber vielleicht liegt es auch an dem ungewöhnlichen Szenario und der komplexen und distanzierten Erzählweise, die für mich persönlich Pluspunkte sind. Aber ich habe auch Bekannte, die daran gescheitert sind.

Da blutende Land von Klaus N. Frick, da bin ich einfach neugierig, was der Perry-Rhodan-Chefredakteur so drauf hat, die Synopsis liest sich auch herrlich altmodisch.

Fantasymäßig ist Knaur richtig gut aufgestellt, mit einer ausgewogenen Mischung aus Fortsetzungen (also dem Aufbau von Autoren) und Titeln von neuen AutorInnen. Die sowieso nie stark vertretene Science-Fiction scheint man weiter zurückzufahren. Die Fortsetzung von The Ark – Die letzte Reise der Menschheit wird wohl nicht auf Deutsch erscheinen (und falls doch, dann nicht von mir übersetzt, denn ich weiß von nichts), unter den am Ende der Programmvorschau aufgeführten Top-Titeln ist The Ark nicht dabei.

Na, wie auch immer, in Bezug auf Fantasy kann man das Programm von Knaur weiterhin im Auge behalten, da die Linie mit einer Mischung aus originellen und eher mainstreamigen Fantasytiteln weiter beibehalten wird, und es auch wieder einige Überraschungen im Programm gibt. Ein paar Titel habe ich mir vorgemerkt, aber das habe ich auch mit Titeln aus dem letzten Herbstprogramm gemacht, die ich immer noch nicht gelesen habe (es erscheinen eindeutig zu viele interessante Bücher 😉 )

Je mehr Programmvorschauen der großen Genreverlage ich mir durchschaue, desto mehr scheint sich der Trend zu Science Fiction (den ich vor einem Jahr meinte, erkannt zu haben) wieder zu verflüchtigen. Warum das der Fall ein könnte, habe ich hier schon mal ausgeführt (allerdings vor den aktuellen Programmvorschauen).

Heyne bleibt gewohnt stark in der Science-Fiction, bei Blanvalet ist sie ganz verschwunden, Piper bringt zumindest weiterhin seine inzwischen etablierten Autoren. Knaur scheint jetzt fast ganz auf Fantasy zu setzen, Fischer Tor bleibt seiner bisherigen Linie treu und hat mit Scalzi und Chambers auch wieder lupenreine SF im Programm (die Vorschau ist noch nicht online, aber auf Amazon kann man sich die Titel ansehen). Und Cross Cult, die klassische Fantasy ( bisher gemieden haben, wie der Teufel das Weihwasser, setzen ab Herbst verstärkt auf Fantasy und haben neben Dirk van den Boom und den Franchise-Titeln kaum noch SF im Programm (auch hier gibt es noch keine Vorschau, aber die Titel stehen schon auf der Verlagsseite). Wobei mancher Fantasytitel mehr SF enthält, als man auf den ersten Blick glauben mag. Und Claudia Kerns „Divided States of America“ soll auch SF sein.

Und man darf nicht vergessen, dass aktuell viel SF in allgemeinen Reihen außerhalb der Genreprogramme erscheint. Blake Crouchs Dark Matter (Goldmann) erhält zum Beispiel aktuell viel Aufmerksamkeit von den Medien (gerade heute eine Besprechung in der Rhein-Zeitung gelesen).

Öffentliche Kritik an Übersetzungen, was bedeutet das für Übersetzer?

Ich habe gerade Nathan Hills Geister in der deutschen Übersetzung gelesen, die auf Zeit.de von Marie Schmidt als »Katastrophe« bezeichnet wird. Ich muss sagen, ich fand die Übersetzung auch ziemlich holprig. Statt »Fahnen schwingend« stand dort an drei Stellen »Fahnen Schwinglend« (es gibt jemandem mit dem Namen Schwingle im Buch, so dass ich einen falschen Gebrauch der Ersetzenfunktion vermute), da steht »das UCLA« für die University of California, und auch viele Redewendungen und Idiome wurden teilweise zu wörtlich übersetzt. Als Übersetzer, der selbst schon Erfahrung mit enormem Zeitdruck bei solchen Brocken gemacht hat, erkenne ich, dass es wohl schnell gehen musste, damit es zeitnah zum Original erscheint.

Meine Frage an die ÜbersetzerInnen (und LektorInnen): Begrüßt ihr solche Kritiken in den Rezensionen (auch auf die Gefahr hin, dass es einen selbst mal erwischen könnte)? Vom Verband der Übersetzer (und Kolleginnen und Kollegen) kommen oft Klagen, wenn der Übersetzer nicht erwähnt wird, wenn nicht erwähnt wird, dass der tolle Stil auch der Übersetzung geschuldet ist. Dann muss aber auch umgekehrt erwähnt werden, wenn sich die Übersetzung nicht gut liest. Auch, wenn die Rezensentin natürlich nicht erkennen kann, woran es gelegen hat (Zeitdruck, zu viele Übersetzer, schlechtes Lektorat usw.).

Ist meine Hoffnung naiv, dass die Verlage durch solche öffentlichen Kritiken an Übersetzungen vielleicht ein wenig umdenken, und solch anspruchsvolle Bücher (der Autor hat zehn Jahre daran geschrieben), innerhalb kürzester Zeit übersetzen lassen? Die Hoffnung, dass man als Übersetzer die Zeit für einen Text bekommt, die er eigentlich benötigt (was durchaus häufig der Fall ist, aber eben nicht immer und vermutlich immer weniger)?

In den meisten Kritiken wird auf die Übersetzung übrigens gar nicht eingegangen, auch in den Amazon-Besprechungen taucht kaum welche auf? Zeigt das, dass die Verlage (bzw. manche, aber natürlich nicht alle) mit ihrer Strategie Erfolg haben, auch mangelhafte oder schwächere Übersetzungen zu veröffentlichen, ohne, dass sich das auf die Verkaufszahlen auswirkt (weil die meisten Leser es gar nicht merken, und weil den professionellen Rezensenten Zeit und/oder Lust haben, sie mit dem Original zu vergleichen, sofern sie der Ausgangssprache mächtig sind)? Vermutlich leider schon.

Meiner Meinung nach könnte diese oft fehlende Übersetzungskritik dazu führen, dass sich die Bedingungen für uns Übersetzer (und Lektoren) eher noch verschlechtern (auch wenn es finanziell vielleicht lohnender ist, wenn man mit einer Übersetzung schnell durch ist).

 

P.S. mir ist klar, dass es heikel ist so ein Thema als Übersetzer öffentlich zu diskutieren, aber es brennt mir unter den Nägeln. In meinem bisher relativ kurzen Berufsleben habe ich schon alles gehabt: super wenig Zeit für viel Text, angemessen Zeit und so viel Zeit, wie ich möchte. Zu viel Zeit muss auch nicht immer gut sein, wenn die Arbeit am Text dann z. B. zu weit auseinander liegt und man noch Sachen dazwischen schiebt.

A note to the writers I have the honor to translate

In an interview about his last readings Stephen King once wrote that he did not like to read translations, because I always have the feeling that the author is being filtered through another mind. To a certain point he is right. But I will explain that later (although I think that every book is filtered through it’s readers mind). In the same article he also confessed that he liked the translation of Stieg Larsson’s The Girl with the Dragon Tattoo (wooden prose and all). The three novels by Larsson deliver an interesting an unfathomable view into the Swedish society, an view that only this intelligent and well informed journalist could give you, but very unlikely a foreign writer who did not grew up an lived in this country.

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I love to travel, I love to discover and experience other countries and cultures, and I love to learn foreign languages. But I cannot learn all of them, and I cannot travel the whole world. So I have to bring the world home. And the best way to do that, is by reading books. Stepping through the uncanny mist of London in Dan Simmons Drood, riding on broom next to the devil over the rooftops of Moscow in Mikhail Bulgakov’s The Master and Magarita, suffering One Hundred Years of Solitude with Gabriel Garcia Marquez or solving a perfect murder with Keigo Higashino in Tokio. I would not be able to experience and enjoy all those masterworks of literature without the help of their translations. Of course, reading them, is not the same experience like reading the original, but with a good (or even brilliant) translator it might come close. And this still would be a better experience than not to read those wonderful books at all.

As a translator I know that I cannot reproduce the original text one hundred percent. I cannot clone the reading experience, the reader of the original has, into my language. But I can try to come as close to it as possible. For that I do not just translate the words one by one as the dictionary tells me. I have to consider the context, the plot-given context, but also the cultural background of the writer and the supposed reader of the original. When the New Zealand writer Adam Christopher, living in England, writes about „drinking the Kool-Aid“, most German readers wouldn’t know, that this refers to a mass suicide initiated 1978 by Jim Jones in Jonestown, USA. We do not have the drink Kool-Aid in Germany, and this horrible incident is not part of our collective memory. So I have to find a solution that comes close to the original but also is understandable for the German reader.

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Same goes for puns, figure of speech or other expressions that cannot be translated par for par. I have to transfer myself into the head of the writer and imagine, how he would have written it, if German was his first language. I have to distance myself as far from the original as necessary, but stick to it as close as possible. This is a thin red line we as translators have to balance on. It is not always possible to keep it, but I have the best intentions to manage it.

Grammar and sentence structure is another point we have to change to a certain degree, cause English sentence structures do not always work in German. Sometimes we have to break up a sentence and add it together in a new way, to make it work in German. All that without altering the author’s style. We also do not have the (past and present) progressive with -ing at the end of a verb in German. Another thing we have to change while translating. 🙂

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A lot of Germans do speak English, and not few of them read books in English. I read a lot of books in English. It is just such a beautiful language, and a lot of good books never get translated (still no Max Gladstone on the German book market!). Some German readers say, they do not read translations of English books, because too much would get lost in translation. But do I as single reader really understand more of the book while reading, than the translator, who works several months on a book, with a lot of research, help by competent colleagues, and the possibility, to ask the writer?

Who would know what Stephen King refers to, when he mentions a poem about plums in Under the Dome. Who would know that a poem by William Carlos Williams is ment, that he wrote to his wife, when he stole some of the plums in the icebox (and to which she wrote a great and poetic reply)? I translate for the readers, who do not have the chance, to read the original version, or just prefer to read in German.

Dear writer, usually I do not want to bother you by asking questions, while you are already writing the next book, or the book after the next one. Or your unfortunately have already passed away (farewell Edmond Hamilton), but if you are still with us, and I really do not understand something, I will not hesitate to ask you, before I get something wrong in the translation (as long as you are okay with it).

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For me, it is an honor to translate your work, and I will treat it with care and respect to give the German reader the most authentic translated version of your book or short story possible.

And don’t worry, my German writing is much better than my English. 🙂

P.S. although I don’t use emoticons in my translations. 😉

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Dienstag 28. Februar Campinas/Brasilien

Heute ist Feiertag, deshalb sind auch immer noch viele Familienmitglieder im Haus. Bis 15.00 Uhr habe ich nicht viel mehr gemacht, als zu lesen. Dann haben wir damit angefangen, die Plakate zu malen (siehe letzter Eintrag). Eine Arbeit, auf die ich wirklich überhaupt keine Lust hatte, denn 30 Plakate sind viel Arbeit. Glücklicherweise haben uns einige Familienmitglieder geholfen. Insgesamt waren wir neun Leute, wofür sehr dankbar bin. Denn so war die Arbeit ziemlich schnell gemacht.
Danach ging es zum Eisessen in einem dieser tollen Selbstbedienungseisläden, wo wir alle kräftig zugeschlagen haben.

Zugegeben, ein recht langweiliger Eintrag, den ich der Vollständigkeit halber trotzdem poste. Ab Dienstag wird es wieder interssanter.

Mein Lesejahr 2015

11 Bücher, die in deutscher Sprache verfassst worden sind, von insgesamt 69 Büchern, die ich 2015 geschaft habe. 16 mehr als im letzten Jahr, davon viele mit über 500 Seiten, dazu einige angefangene, aber noch nicht beendete Titel.

16 Frauen
16 SF
10 Fantasy
9 Horror
16 Krimi/Thriller
13 Belletristik
24 in Englisch gelesen
22 Ebooks

Krauss

Nur sechzehn Bücher von Frauen, wenig Quantität, dafür aber Qualität. Meine beiden Lieblingsbücher 2015 sind von Autorinnen: Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss und Die Unvollendete von Kate Atkinson. An diese literarische Qualität, die Stimmung und Dramatik, diese kunstvollen Erzählweisen, da kam keiner der Männer ran. Das sind die beiden Bücher, die mich am meisten bewegt haben. Insgesamt war es ein hervorragendes Lesejahr, das mit Armageddon Rock und Ready Player One schon großartig gestartet ist.

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Neben den 69 beendeten Büchern habe ich aber auch einige weitere angefangen. Manche davon pausieren nur, einige wenige habe ich abgebrochen, weil sie mir nicht gefallen habe. Die Titel, die pausieren, will ich auf jeden Fall noch beenden. Dazu gehören Arkland von Holger M. Pohl, The Hound of the Baskervilles von Arthur Conan Doyle, The Traitor Baru Cormorant von Seth Dickinson, The Martian von Andy Weir, Something Coming Through von Paul McAuly und Im Stein von Clemens Meyer, sowie einige angefangene Kurzgeschichtensammlungen, in denen ich immer wieder mal eine Kurzgeschichte lese. Dazu gehören Doktor Ain von James Tiptree Jr., Amerikkkan Gotik von Markus K. Korb, Nimmerya von Samual R. Delany und Ich muss schreien und habe keinen Mund von Harlan Ellison, The King in Yellow von Rober W. Chamber und The Best of Henry Kuttner. Viele davon habe ich schon zur Hälfte durch, wodurch noch mal ordentlich Seiten zu den unten aufgelisteten Büchern kommen.

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Sachbücher sind 2015 etwas kurz gekommen. Aber Orakelknochen von Peter Hessler gehört zu den absoluten Highlights. Ich liebe solche persönlichen Erfahrungsberichte über Aufenthalte im Ausland, besonders wenn sie so kenntnisreich mit Kultur und Geschichte der Länder verknüpft werden, wie es Hessler macht.

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Neben literarisch anspruchsvolleren Titeln wie Houellebecqs Unterwerfung lese ich zwischendurch auch gerne mal anspruchslose, einfach gestrickte Thriller wie Der Analyst oder The Breach, dem Buchäquivalent zum Action-Popcornkino, wenn sie stilistisch nicht zu grausam und inhaltlich nicht zu schwachsinnig geraten sind.

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Immer wieder gerne mache ich auch Rereads von Büchern, die ich als Jugendlicher gerne gelesen habe. Das sind dann meist Fantasytitel wie Pratchetts Helle Barden oder Das Buch Corum von Michael Moorcock.

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Ich habe gerne Abwechslung und springe nicht nur gerne zwischen den Genres hin und her, sondern lese auch gerne Bücher von Autorinnen und Autoren, die nicht auf Englisch oder Deutsch verfasst wurde, wie zum Beispiel den chinesischen SF-Roman The Three-Body Problem oder den japanischen Krimi Heilige Mörderin von Keigo Higashino.

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Die herausragendsten Thriller sind Sturm über New Orleans und Das Kartell von Don Winslow, beide Autoren schaffen es, hochbrisante politische Themen in teils epischer Weise in spannende Thrillerhandlung zu verpacken und liefern damit apokalyptische Szenarien, die erschreckend realistisch sind.

Für mich war es ein ausgezeichnetes Lesejahr, das trotz der 69 Titel kaum Gurken oder auch nur halbwegs schlechte Bücher bereithielt. Bei der Auswahl meiner Bücher scheine ich inzwischen eine hohe Trefferquote entwickelt zu haben. Die einzigen Romane, die mir nicht so gefallen haben, sind Die Falle von Melanie Rabe (das aber trotzdem toll geschrieben ist), Todesdeal von Veit Etzold und Eigentlich sind wir nicht so von Luisa Binder, alles Bücher, die ich mir spontan aus dem Bücherregal meiner Mutter gegriffen habe. Ansonsten haben mir alle Bücher gut bis sehr gut oder gar fantastisch gefallen.

Lesevorsätze für 2016: Mehr Sachbücher (lese gerade Safrankis Nietzsche, Peter Ackroyds London will ich endlich mal angehen), mehr Klassiker (Moby Dick steht ganz oben auf der Liste), mehr Bücher aus Afrika (lese gerade das amerikanisch-afrikanische Diese Dinge geschehen nicht einfach so von Taiye Selasi), noch mehr Bücher über Außenseiter und Co., mehr Familiengeschichten.

Und hier die Liste mit den Büchern. Wenn ihr auf den Titel klickt, kommt ihr zu meiner Besprechung.

Januar/Februar

1. George R. R. Martin – Armageddon Rock
2. Ernest Cline – Ready Player One
3. Patricia A. McKillip – The Riddle Master of Hed
4. George G. Pelecanos – Das große Umlegen
5. Cixin Liu – The Three-Body Problem
6. Kathrine Scholes – Die Traummalerin
7. Andrej Sapkowski – Das Schwert der Vorsehung
8. Patrick Lee – The Breach
9. Andre Marx – Die drei Fragezeichen und das Kabinett des Zauberers
10. Thomas Ziegler – Stimmen der Nacht
11. Terry Pratchett – Helle Barden
12. Kate Atkinson – Die Unvollendete
13. Robin Sloan – Mr. Penumbras sonderbare Buchandlung

März

14. Drew Chapman – Der Analyst
15. Carl Hiaasen – Affentheater
16. Michel Houellebecq – Unterwerfung
17. Nina Allan – The Race
18. Nnedi Okarafor – Lagoon
19. Clemens Meyer – Als wir Träumten
20. Andrej Rubanov – Chlorofilija
21. Kartin Harlaß (Hrsg.) – Handbuch Literarisches Übersetzen

April

22. Ellen Datlow (Hrsg.) – Best Horror of the Year Volume Seven
23. Michael Moorcock – Das Buch Corum
24. Dave Eggers – Der Circle
25. Ken Liu – The Grace of Kings
26. Volker Kutscher – Märzgefallene

Mai

27. Melanie Raabe – Die Falle
28. Peter Newman – The Vagrant
29. James L. Burke – Sturm über New Orleans
30. Laird Barron – The Imago Sequence

Juni

31. Clive Barker – The Great and Secret Show
32. Courtney Schafer – Der Blutmagier
33. Stephen King – Finders Keepers
34. Brian Stavely – Der verlorene Thron
35. Daryl Gregory – Harrison Squared
36. Tim O’Rourke – Ich sehe was, was niemand sieht

Juli

37. Joe R. Lansdale – Blutiges Echo
38. Preston/Child – Attack
39. André Marx – Die drei Fragezeichen und das versunkene Schiff
40. Don Winslow – Das Kartell
41. Ramz Naam – Nexus
42. Jonathan Strahan (Hrsg.) – Best SF and F of the Year

August

43. Nicole Krauss – Die Geschichte der Liebe
44. Peter Hessler – Orakelknochen

September

45. Aliette der Bodard – House of Shattered Wings
46. Terry Brooks – The Elvestones of Shannara
47. Brian K. Vaughan, Fiona Staples – Saga 1 (Comic)
48. Jo Walton – Die Stunde der Rotkelchen
49. Nancy Jane Moore – The Weave
50. Luisa Binder – Eigentlich sind wir nicht so
51. Keigo Higashino – Heilige Mörderin

Oktober

52. Walter Moers – Kleines Arschloch
53. Brett J. Tally – That Which Should Not Be
54. Anthony Ryan – Der Herr des Turms (Rabenschatten 2)
55. Riffel/Mamzcak – Das SF Jahrbuch 2015
56. Brian Keene – Ghoul
57. James Herbert – The Secret of Crickley Hall
58. Ray Bradbury – Halloween

November

59. Walter Moers – Das kleine Arschloch kehrt zurück
60. Niq Mhlongo – Dog Eat Dog
61. Ian McEwan – Honig
62. Joey Goeble – The Anomalies

Dezember

63. Kurt Vonnegut – Breakfast of Champions
64. Molly Crabapple – Drawing Blood
65. Veit Etzold – Todesdeal
66. Donal Amarint – The Emerald Light in the Air
67. Peter Watts – Echopraxia
68. Jeffery Deaver – Die Giftmaler
69. Karin Slaughter – Cop Town

Ich erzähl dir jetzt mal die Geschichte von meiner ersten Freundin (Kurzgeschichte)

Meine zweite Kurzgeschichte (neben Stadt der Zähne), die ich hier im Blog veröffentliche. Ich will versuchen, eine pro Monat zu bringen, weiß aber nicht, ob ich diesen Rhythmus auch halten kann. Es ist auf jeden Fall ein guter Ansporn, um Geschichten auch fertiggeschrieben zu bekommen, ohne dass man noch ewig daran herumdoktert.

Ich weiß, kein Mensch liest Kurzgeschichten, schon gar nicht im Internet, auf einem Blog von einem unbekannten Autor. Mir geht es vor allem darum, kontinuierlich zu schreiben, mich auszuprobieren – thematisch wie stilistisch, um irgendwann ein passendes Thema und einen Stil für einen Roman zu finden. Angefangen habe ich schon einige, aber über hundert Seiten bin ich (aus verschiedenen Gründen) noch nicht gekommen.

Anders als Stadt der Zähne ist diese hier jugendfrei, optimistisch, frei von Zynismus und Sex, dafür aber leicht kitschig. Es geht einfach um einen Mann, der den Sohn seiner Freundin aus der Schule abholen soll, damit er mit ihm einen Nachmittag verbringen kann, um ihn besser kennenzulernen. Was natürlich nicht so verläuft, wie geplant, da der Junge schon stinksauer ins Auto steigt, weil er einen Scheißtag hatte.

Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es eine funktionierende Geschichte ist, oder zu viel Moralpredigt und Gelaber. Deshalb bin ich für jegliches Feedback dankbar (gilt auch für Stadt der Zähne, zu der es schon ein paar Rückmeldungen gab). Ich gehöre übrigens zur seltenen Spezies von Menschen, die mit Kritik gut umgehen können, und nicht sauer werden, wenn man ihnen begründet, warum einem was nicht gefallen hat. Wer Lust hat oder einen Grund zum prokrastinieren braucht, kann ja mal reinlesen.

Hier geht es zur kompletten Geschichte als Blogseite. Und hier als PDF. An Mobi und Epub arbeite ich noch, da WordPress diese Dateitypen nicht zum hochladen erlaubt. Muss erst mal rausfinden, wie man das umgehen kann (dass es geht, weiß ich). Wie schon bei meiner letzten Kurzgeschichte weise ich darauf hin, dass sie weder ein Lektorat noch ein Korrektorat durchlaufen hat und auch nicht gesetzt wurde. Ach ja, sie hat 15 Normseiten bzw. 23.000 Zeichen.

Hier der Anfang:

Ich erzähl dir jetzt mal die Geschichte von meiner ersten Freundin

Von Markus Mäurer

Mit Kindern und Jugendlichen bin ich immer gut klargekommen. Aber das hier ist anders. Hier stehe ich jetzt, in der nicht endenden wollenden schwarzen SUV-Soccer-MILF-Schlange der örtlichen High Society und warte darauf, jeden Moment von der Security überwältigt zu werden, obwohl ich auf der Liste stehe und ein Formular dabei habe, dass ich berechtigt bin, Tappie aus der Schule abzuholen – zum ersten Mal.
Auf einer normalen Schule dürfte er es schon schwer haben, aber hier unter diesen ganzen reichen Schnöseln, musste es die Hölle sein. So stelle ich es mir zumindest mit meinem durch Beverly Hills 90210 und Freaks and Geeks gefüttertem gefährlichen Halbwissen vor. Wo ich zur Schule gegangen bin, gab es keine Jocks, Nerds, Bullys und ähnlich starre Klassifizierungen. Eigentlich schade, denn dafür, dass ich im Basketballteam meiner Schule gespielt habe, hat sich keine Sau interessiert.
Wildes Gehupe und eine schrille Stimme lassen mich bemerken, dass die Schlange inzwischen weitergerückt ist. »Beweg deinen Arsch, du Penner«, ist hier der höfliche Hinweis, doch bitte mit dem Auto weiter vorzufahren.
Ich finde es ja etwas merkwürdig, Fünfzehnjährige jeden Tag persönlich in die Schule zu bringen und abzuholen, aber in einem hysterischen und von Angst getriebenen Land, in dem Kinder, die allein unterwegs sind, von der Polizei aufgegriffen werden, die dann direkt mit dem Jugendamt bei den Eltern anrückt, hält man sich besser an die Regeln.
Ich halte nach Tappie Ausschau. Durch eine genetische Fehlbildung hebt er sich mit seinem dünnen Haar, dem leicht verformten Kopf und den wenigen Zähnen deutlich von seinen Mitschülern ab. Das ist die gleiche Störung, wie bei dem Schauspieler Michael Berryman, dem er aber nicht wirklich ähnelt. Ansonsten ist Tappie ein ganz normaler und cooler Teenager, sofern ich alter Sack das noch beurteilen kann.
Heute fällt er mir aber besonders auf, weil er zielstrebig mit gesenktem Kopf auf meinen Wagen zugeht, dabei nicht auf die anderen achtet und ein ziemlich griesgrämiges Gesicht zieht. Wortlos steigt er ein, blickt stur gerade aus, tut, als wäre ich ein Robotchauffeur oder so, dem zwischenmenschliche Interaktionen am Arsch vorbeigehen. Ich bleib gelassen, sage kurz »Hi« und fahre schweigend los, bevor mich die hupende Meute hinter mir lyncht.
In den Straßenverkehr einfädelnd, breche ich endlich das Schweigen. »Also Mann, was ist los?«
Er zögert kurz, überlegt wohl, ob er die Schweigenummer konsequent durchziehen soll, legt dann aber zu meiner Überraschung wütend los.
»Die Anderen in der Schule hassen mich alle. Für die bin ich der Freak. Der Mongo. Heute hab ich Joslyn gefragt, ob sie mit mir zum Schulball geht. Mum hat mich dazu gedrängt. Hat gesagt, ich muss mich trauen, muss Mut haben, dann kann ich alles schaffen. Mann, was für ein Scheiß. Alles schaffen, am Arsch. Erst schleppt sie mich in dieses durchgeknallte Land, und dann zwingt sie mich auf diese Schule mit den ganzen reichen, verwöhnten Pissern. Mann, ey, dafür hasse sie. Hätte ich doch nie auf Mum gehört. Jetzt bin ich endgültig der letzte Volldepp.«
»Was ist den passiert?«
»Was passiert ist? Was soll schon passiert sein. Die haben mich natürlich alle ausgelacht. Scheiße. Das war das letzte Mal, dass ich mich von Mum zu so was überreden lasse.«
Oh Mann, da habe ich ja genau den richtigen Tag erwischt. Ich weiß genau, wie er sich jetzt fühlt. Das war es dann mit dem coolen Nachmittag unter Kumpels.
Den Rest der Fahrt schweigen wir, er blickt deprimiert aus dem Fenster und ich zermartere mir das Gehirn, wie ich die Lage vielleicht noch retten kann. Bei ihm zuhause angekommen läuft das übliche Prozedere ab, dass man aus so vielen amerikanischen Teenagerfilmen kennt: Autotür zuknallen, Haustür aufstoßen, Rucksack in die Ecke schmeißen, die Treppe hochstampfen, Tür zuschlagen und kurz darauf bringt Slipknot die Zimmerdecke zum Beben.
Ich setze mich erst mal auf einen der Hocker am Tresen der Wohnküche, stütze mein Kinn auf die rechte Hand und seufze tief. Als Sozialschwurbler wüsste ich jetzt eigentlich, was zu tun ist. Aber das hier ist privat, das ist anders. Da kann ich nicht als Jesuslatschen-Laberer auftreten. Ist eh nicht mein Ding. Bin mehr der Typ Arschtrittpädagoge. Aber das funktioniert auch nicht immer.

Hier geht es zur kompletten Geschichte.