Aktuelles: Phantastische Netstreifzüge 21

»Ballern, zocken, blechen« – Nachtrag zur Sendung ZDF Info login – auf MyGamestories gibt es einen lesenswerten Beitrag der Professorin Linda Breitlauch über eine ZDF-Sendung, die Vorurteile aus den 90er Jahren pflegt, nach denen Computerspiele böse sind und den Untergang des Abendlandes bedeuten. Manche haben es noch immer nicht kapiert, Computerspiele sind ein Kulturgut von nicht unbeträchtlichem Wert. Es gibt natürlich miese und schwachsinnige Spiele, aber es gibt noch viel mehr Spiele, die den Spieler fordern und fördern, die in einen wichtigen pädagogischen Beitrag liefern können und die Relevanz besitzen.

Blickpunkt Spielejobs: Aus dem Leben eines Lektors – Auf games.ch berichtet ein Spielelektor aus seinem Arbeitsalltag. Sehr interessant. Die Arbeit unterscheidet sich auch deutlich von der eines Buchlektors.

Annihilation: The Questions a Translator Asks – Jeff VanderMeer beantwortet Fragen seiner italienischen Übersetzerin zu seinem Roman Annihilation, den ich kürzlich mit großem Vergnügen gelesen habe. Faszinierend, welche Fülle an Fragen die Übersetzerin zum Verständnis des Textes hat. So detailliert und mühevoll geht sicher nicht jeder Übersetzer an die Arbeit.

US students request ‚trigger warnings‘ on literature – Der Guardian berichtet über amerikanische Studierende, die Warnhinweise auf Literatur haben wollen, wenn es dort etwas ernsthafter zur Sache geht. Ich bin durchaus dafür, dass man Bücher mit drastischer Gewaltdarstellung und Handlung die nur für Erwachsene geeignet ist, deutlich kennzeichnet, aber wenn man Literaturwissenschaften studiert, muss man doch damit rechnen, dass man nicht nur Geschichten vom Ponyhof liest und man sollte doch auch ein gewisses Wissen über die zu lesenden Bücher besitzen bzw. sie vor der Lektüre aneignen.

Axelzucken 1×07: Keine Macht den Klicks! – Axel Schmitt, Redakteur von Serienjunkies.de regt sich über die umsonst-Mentalität im Internet und über unqualifizierte Kommentare zu Serienkritiken auf, die jegliche ernsthafte Diskussion zerstören würden.
Da hat er teilweise durchaus recht. Es gibt auf Serienjunkies durchaus einige Sachen, die mir nicht gefallen. Z. B. die ewigen Klickorgien durch bis zu 20 Seiten, um einen eigentlich kurzen Artikel zu lesen. Die ganze unnötigen Prominnews aus dem Privatleben von Seriendarstellern, die gar nichts mit den Serien zu tun haben. Am meisten stört mich aber, dass es auf der Seite keine spoilerfreien Kritiken gibt. Auf Serienjunkies schreibt man fast ausschließlich Folgenkritiken, die den kompletten Inhalt der Folge wiedergeben. Für Leute, die sich über eine Serie informieren wollen, um herauszufinden, ob es sich lohnt, sich die Serie anzusehen, ist Serienjunkies ungeeignet. Die Seite lohnt nur, wenn man die Folge gesehen hat, und sich vielleicht mit anderen Zuschauern austauschen möchte. Und gerade hier in der Diskussion wird es oft unschön. Am schlimmste sind wirklich Kommentare wie: »Warum könnt ihr nicht einfach die Serie genießen und müsst alles tot analysieren?«, sind unnötig wie ein Kropf. Da hat Axel recht, wenn er schreibt, dass sie Folgendes bedeuten würden: »Ich denke, andere sollten nicht so viel über etwas nachdenken und ihre Gedanken mitteilen. Das ist mein Gedanke, den ich mit euch teilen möchte.«

Die Unfähigkeit die Meinungen zu ertragen, die von der eigenen abweichen, ist leider weit verbreitet. Viele fühlen sich direkt persönlich angegriffen, wenn andere etwas schlecht finden, das ihnen gefällt. Und wenn diese dann auch noch genau analysierte Argumente aufführen, warum sie es schlecht finden, das ist dann ganz böse. Solche Leute sollten Folgendiskussionen doch lieber meiden, als sie mit ihrer Verachtung für Leute, die auch beim Seriengucken gerne nachdenken, vollzutrollen.

Für mich sollen Kritiken und Rezensionen übrigens möglichst subjektiv sein, ohne aber zu vergessen, nebenbei auch noch einen objektiven, differenzierten Blick auf das Werk zu werfen. Zum Beispiel, in dem man schreibt, wem oder unter welchen Voraussetzungen das Werk gefallen könnte, auch wenn es einem persönlich nicht gefallen hat.

Mir sind die Kritiken auf Serienjunkies übrigens auch oft zu viel Nacherzählung.

Für Angebote wie Serienjunkies.de halte ich Micropayment für eine gute Lösung. Da zahlt man dann ein paar Cent für einen Artikel oder Rezensionen, die einen interessiert, ohne direkt ein Abo abzuschließen.

Der problematische Herr Lovecraft, oder: Das ›Nigger‹-Gedicht – molosovsky verweist darauf, dass gerade in einigen Blogs der Rassismus von H. P. Lovecraft diskutiert wird und verlinkt auch auf lesenswerte Artikel von Raskolnik und Anubis. Ein Aspekt des Horrormeisters, der von vielen Fans gerne ausgeblendet wird. Dabei ist H. P. Lovecraft der vermutlich einflussreichste Horrorautor aller Zeiten. Sein Vorbild durchdringt unzählige Werke mit direkten und indirekten Bezügen. Lovecraft ist als Themengeber in Horrorkleinverlagen immer noch der Renner. Da tut eine kritische Betrachtung des Menschen Howard Phillip Lovecraft und auch seiner Geschichten und Briefe not. Ich kenne mich da ehrlich gesagt nicht gut genug aus, um mich zu Lovecraft zu äußern. Ich habe die meisten seiner Geschichten zwar gelesen, aber das ist schon zu lange her. Ich weiß nur, dass sie mir gut gefallen haben, auch wenn ich sie heute vermutlich sehr viel kritischer Lesen würde. Was ich demnächst auch mal in Angriff nehmen werde.

 

Buchempfehlung: Ein Westerwalddorf im Wandel der Zeit von Claus-Dieter Schnug u. Horst Bartels

Ich habe diese Chronik bereits im Dezember 2013 gelesen und die Kritik über die Feiertage geschrieben, sie dann aber auf der Festplatte vergessen. Deshalb kommt die Buchbesprechung mit ein paar Monaten Verspätung. Eigentlich ist es auch nur eine halbe Besprechung. Ich weiß, dass ich damals noch mehr schreiben wollte, aber was, habe ich vergessen.

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Einige von euch mögen schon mitbekommen haben, dass ich nach vier Jahren in Berlin, wieder in den Westerwald zurückgezogen bin. Und zwar in mein ursprüngliches Heimatdorf Hilgert. Es gehört zur Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, liegt im sogenannten Kannenbäckerland, ist ungefähr 15 Minuten Autofahrt von Koblenz entfernt und liegt auf halber Strecke zwischen Köln und Frankfurt.

Passend zu meiner Rückkehr ist Anfang Dezember eine Dorfchronik erschienen. Und was für eine! 500 aufwendig gestaltete und hervorragend recherchierte Seiten, die den Preis von 40 Euro mehr als Wert sind.

Das Buch ist im Querformat gehalten, was die Lektüre etwas schwierig bzw. heikel macht. Am Besten liest man das Buch auf einem Tisch, da es zu schwer ist, um frei mit den Händen gehalten zu werden und dabei das Risiko zu hoch ist, dass Seiten einreißen können.

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Es handelt sich um ein Projekt, das schon seit einigen Jahren läuft und ursprünglich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde entstehen sollte. Aber man konnte sich anscheinend nicht über den Inhalt einig werden. Mir ist das Gerücht zu Ohren gekommen, dass die Gemeinde nicht wolle, dass die Nazizeit darin vorkommt. Also hat sich Autor Claus-Dieter Schnug entschieden, dass Projekt alleine durchzuziehen, und die Nazizeit mit reinzubringen.

Sollte es tatsächlich so abgelaufen sein, kann ich dem Autor nur meinen größten Respekt aussprechen. Wenn man eine vollständige Chronik des Ortes haben möchte, darf eine so prägende und einschneidende Zeit, wie die des Dritten Reiches nicht fehlen. Alles andere wäre übelste Geschichtsklitterung und Verdrängung. So etwas darf nicht totgeschwiegen werden. Vor allem auch, da Hilgert eine wichtige Vorreiterrolle bei der Ausbreitung der NSDAP im Unterwesterwald gespielt hat. Zur eigenen Geschichte gehören auch die unschönen Zeiten und Ereignisse, und denen sollte man mit Aufklärung und Aufarbeitung begegnen. Wenn ich sehe, dass bei der letzten Bundestagswahl immer noch einige im Dorf für die NPD gestimmt haben, ist so etwas immer noch aktuell und notwendig.

Kommen wir aber endlich zum Inhalt:

Die Chronik umfasst die gesamte dokumentierte und überlieferte Geschichte von Hilgert, von der ersten Erwähnung des Ortes in einem Sühnebrief von 1349 (siehe Bild oben) über die beiden Weltkriege bis zum Bau des neuen Sportplatzes im Jahr 2013.

Insgesamt geht die Chronik durchaus chronologisch vor, aber nicht streng chronologisch, da die Kapitel themenorientiert eingeteilt sind, und es innerhalb der Kapitel durchaus auch zu Zeitsprüngen bzw. der Behandlung größerer Zeitabschnitte kommen kann, wenn es thematisch passt.

Kapitelüberschriften heißen z.B.: Die Entstehung des Ortes, Die erste Besiedlung, Der Wechsel zur Grafschaft Wied, Lebensverhältnisse zur Kaiserzeit, Die Turnhalle, Machtergreifung in Hilgert, Der Luftkurort, Der Bombenkrieg, Die Ortserweiterung, Die Pfeifenbäckerhalle, Das Ortsgeschehen bis zur Gegenwart

Man merkt dem Buch an, dass der Autor sehr sorgfältig und aufwändig recherchiert hat. Seine Schilderungen werden durch zahlreiche historische Dokumente aus den unterschiedlichsten Quellen unterstütz (die teilweise auch abgedruckt sind). Da gibt es einen Teilungsvertrag von 1376, Amtsbeschreibungen von 1814, kaufmännische Übersichten, Artikel aus einem Kreisblatt von 1900, Auszüge aus der Schulchronik, Briefwechsel usw. Hinzu komm die aufwändige und sehr gelungene grafische Gestaltung durch Horst Bartels.

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Je näher die Neuzeit heranrückt, desto ausführlicher sind natürlich die Dokumente (mit Ausnahme der Nazizeit, da wurde bei Kriegsende das meiste absichtlich vernichtet), aber es ist erstaunlich, wie viel auch schon in den vergangenen Jahrhunderten dokumentiert wurde.

Der Tonfall des Autors ist dabei immer nüchtern und sachlich, teilweise geht er mir für meinen persönlichen Geschmack zu sehr ins Detail, wenn es um die Auflistung von Geldbeträgen, Zahlungen, Gebietsverteilungen und rechtlichen Fragen geht, aber das gehört wohl auch in eine Chronik. Der Stil ist immer klar und verständlich, und zu keinem Zeitpunkt langweilig.

Es wird nur das geschildert, was auch belegt ist; fehlen Belege, wird dies vom Autor auch erwähnt.

Neben den äußeren Veränderungen, die vor allem aus Zugehörigkeiten zu Grafschaften bzw. Verwaltungsgebieten und Kriegen bestehen, gibt es auch einzelne Kapitel für die wichtigsten Ereignisse im Dorf. Wie den Bau des Badehauses, ein Landschulheim, das vor dem Krieg von einer Kirchenjugend genutzt wurde, die Nutzung des Ortes als Luftkurort, der Bau des Sportplatzes, der Turnhalle, der neuen Dorschule, des Kindergartens usw.

Besonders interessant fand ich z. B., wie man in den letzten drei Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts erfolgreich versucht hat, die Schule und den Kindergarten zu erhalten, in dem man neue Baugebiete für potentielle neue Familien ausgewiesen hat. Dadurch ist der Ort deutlich gewachsen und die demografische Entwicklung macht sich hier nicht bemerkbar. Dazu liegt Hilgert verkehrstechnisch auch sehr günstig für Pendler nach Koblenz, Frankfurt und Köln.

Ein weiteres wichtiges Thema ist das Handwerk der Pfeifenbäckerei. Hilgert liegt in einem Tonabbaugebiet und hat bereits im 19. Jahrhundert Tonpfeifen hergestellt, die in die ganze Welt exportiert wurden. Heute gibt es nur noch eine Pfeifenbäckerei.

Der Autor geht immer wieder auch auf die ökonomischen und Lebensverhältnisse der Dorfbewohner ein, die zeigen, wie sich die Berufsbilder im Laufe der Jahre verändert haben.

Eine Chronik liest man nicht unbedingt am Stück durch, aber ich habe sie innerhalb von zwei Wochen wie einen spannenden Roman verschlungen. Interessant ist sie natürlich nur für Leute, die sich auch für Hilgert interessieren. Die finden darin einen reichhaltigen Schatz über die Geschichte des kleinen Westerwalddorfes. Ich bin jedenfalls fasziniert davon, wie sich Hilgert im Laufe der Zeit entwickelt und verändert hat.

Zum Schluss noch ein Gruß an den mysteriösen Buchspender M.N. Live long and Prosper 😉

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 20

Zwei kurze Happen für zwischendurch:

Vor 25 Jahren – Literaturgeschichten – Cynx berichtet darüber, wie vor 25 Jahren die Suche nach den ersten Bänden der Drachenlanze von Margareth Weis und Tracy Hickman zu einer folgenschweren Entdeckung führte, aufgrund derer er dem deutschen Buchhandel für immer verloren ging. In der Zeit vor dem Internet war es gar nicht so einfach, sich Informationen über die Originalausgaben deutscher Übersetzungen zu beschaffen. Doch wenn man ins Impressum sah, konnte man 1 und 1 zusammenzählen und zu dem Schluss kommen, dass einem ein Buch in zwei Bänden verkauft wurde. Eine damals übliche Praxis in der Fantasyliteratur (heute ist es nicht mehr ganz so extrem). Und wie Cynx auch richtig anmerkt, war die Drachenlanze auch gar nicht so dick. Mir ging es damals ähnlich. Ich musste Mitte der 90er Jahre eine abenteuerliche Quest durch mehrere Buchhandlungen voller feindlich gesinnter oder zumindest verwirrter Buchhüter absolvieren, um alle sechs Bände der Midkemiasaga zusammenzubekommen. Die Drachenlanze habe ich mir dann 98 oder so übers Internet bestellt. Mich hat der deutsche Buchhandel durch die Splittungen zwar nicht ganz verloren, aber gesplittete Bücher kaufe ich mir prinzipiell nur im vollständigen Original.

Auf Fortsetzung wartend… – Passend dazu widmet sich die Autorin Alessandra Reß abgebrochenen Fantasyreihen bzw. Serien. Da gibt es zum einen, jene Reihen, die schon im Original nicht fortgeführt werden, wie z. B. Die Chroniken von Myrillia von James Clemens. Aber viel häufiger kommt es vor, dass Reihen, die im (meist englischsprachigen) Original gut laufen oder zumindest fortgesetzt werden, auf Deutsch mittendrin eingestellt werden. Auch hier stellt Alessandra einige Reihen vor, unter anderem die Drachenlanze, die ich allerdings schon vor dem deutschen Verlag abgebrochen habe; ist auch eine der wenigen Fantasyreihen, die für mich persönliche schlecht gealtert ist, und im Reread nicht wirklich Spaß macht. Ein weiteres aktuelles Beispiel für eine eingestellte Reihe ist Ken Scholes Die Legende von Isaak, die nach drei übersetzten Bänden von Blanvalet eingestellt worden ist. Schade auch, dass Steph Swainstons sehr ungewöhnliche und kreative Fantasy auf Deutsch nicht gut gelaufen ist.

Es werden wohl vor allem schlechte Verkaufszahlen sein, die zur Einstellung von solchen Reihen führen, aber die Frage ist auch, ab wann sind die Zahlen für den Verlag schlecht? Und schadet er sich dadurch nicht langfristig, weil es immer mehr Leser gibt, die nur noch Reihen anfangen, die bereits komplett erschienen sind? Viele Leserinnen steigen auch wie Cynx auf die Originalausgaben zurück, die meist auch günstiger und dank des Internets und E-Books schnell und unkompliziert zu bestellen sind.

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 19

Money Can Move a Fantasy World Just as Readily as a God– Max „übersetzt ihn endlich ins Deutsche“ Gladstone hat auf Tor.com einen kurzen Text darüber geschrieben, dass Geld ebenso eine religiöse Antriebskraft sein kann, wie (böse?) Götter. Ich mag Autoren, die ökonomische Themen mit in ihre Fantasywelt bringen. Dolch und Münze von Daniel Hanover ist da ein gutes Beispiel.

The shameful joys of the franchise novel … and why the force is with them – Damien Walter im Guardian darüber, was für einen Spaß Franchise-Romane mache können.
Meine Leseerfahrung in dem Bereich sind da sehr beschränkt, da ich durchaus Vorurteile gegenüber dieser Literaturform hege. Die im Artikel erwähnte Admiral-Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn im Star Wars Universum habe ich aber als Jugendlicher sehr gerne gelesen und aktuell begeistert mich deren Hörspielumsetzung. Ansonsten habe ich nur ein paar Star-Trek Romane gelesen, die ganz in Ordnung waren, und Bücher zu Rollenspielen wie Dungeons and Dragons, Shadowrun oder Das schwarze Auge. Ich bin überzeugt, dass es ganz hervorragende Franchise-Romane gibt, aber sicher auch viel runtergekurbelte Dutzendware. Demnächst will ich es mal mit Warhammer versuchen.

Drachenväter – Bei einem der letzten Streifzüge habe ich auf eine Spiegelonlineartikel über das Buch Drachenväter zweier Spiegelautoren! verlinkt. Es handelte sich um ein krautfundiertes Projekt, das einen interessanten ersten Eindruck machte. Chris von poyneux.de hat jetzt eine ausführliche und ausgezeichnete Kritk dazu verfasst und geht auf viele Mängel und Schlampereien ein.

2013 Nebula Awards Winners – Es gibt unzählige Literaturpreise, auch in der Phantastik. Zuletzt wurde der renommierte Nebula Award verliehen. Bester Roman ging an den Abräumer der Saison: Ancillary Justice von Ann Leckie (ich habe es schon seit einer Weile durch, hat mir gut gefallen, eine Kurzkritik folgt noch).

90 Zentimeter haarige Anarchie – In der Rubrik Einestages auf Spiegelonline gibt es einen gekürzten Auszug aus dem Buch Colt Seavers, Alf und Ich – 20 Autoren über die wahren Helden unserer Jugend. In diesem Text von Simone Buchholz geht es um den Held meiner Kindheit: Alf. Der sympathisch chaotische Außerirdische, der eines Nachts den Tanners mit seinem Raumschiff in die Garage donnerte. Buchholz arbeitet ganz hervorragend heraus, was diese Serie damals für uns Kinder so reizvoll machte, und geht auch auf ihre Entwicklung ein, weg vom anarchischen Spaß hin zu familientauglichen, seichten Plots – vor allem in der vierten Staffel. Ich habe alle vier Staffeln auf DVD und schaue sie mir ungefähr alle zwei Jahre an. Eine der wenigen amerikanischen Serien, die ich gerne in der deutschen Synchronisation sehe, nicht nur wegen Tommy Piper als Alf, sondern auch wegen des kürzlich verstorbenen Niels Clausnitzer, der sich immer so wunderbar als deutsche Stimme von Willi Tanner über den kleinen Mob vom Mond aufregen konnte. Das Buch werde ich mir übrigens zulegen

Translate or Die? Literaturübersetzer werden?

Inzwischen habe ich sieben Bücher übersetzt (Nummer acht ist in Arbeit). Fünf sind bisher erschienen, zwei werden es noch in diesem Jahr (keine Ahnung wann). Dazu eine Kurzgeschichte und erst letzte Woche die Rohübersetzung einer TV-Dokumentation (dazu werde ich mich hier im Blog noch äußern). Die erste Übersetzung (Eingesperrt von Brian Keene) ist 2011 erschienen. Es waren Novellen von 100 Seiten dabei, aber auch Romane mit 250 und sogar 600 Seiten.

Immer wieder kommen Leute mit der Suchanfrage »Übersetzer werden« auf diesen Blog, den ich am 7. 11. 2011 mit diesem Blogeintrag gestartet habe: Wie ich Literaturübersetzer werde oder grandios scheitere

Mit diesem Blog wollte ich die obige Frage praktisch mit Livedokumentation beantworten; am eigenen Beispiel zeigen, wie man Literaturübersetzer wird. Zweieinhalb Jahre und acht Bücher später muss ich aber eingestehen, dass mir die Beantwortung dieser Frage nicht gelungen ist.

Ja, ich übersetze Literatur, und ja, ich könnte auch noch weiter Bücher übersetzen. Aber unter »Literaturübersetzer werden« verstehe ich, dass man das nicht nur tut, sondern auch davon leben kann. Und genau das, kann ich nicht.

Während der letzten vier Jahre, in denen ich studiert habe, war das kein Problem, aber jetzt muss ich ein regelmäßiges Einkommen haben. Am Montag trete eine feste (Teilzeit) Stelle als Sozialpädagoge an. Was nicht schlimm ist. Im Gegenteil, ich mache diese Arbeit gerne. Und dass es sich um eine halbe Stelle handelt, lässt mir auch noch Zeit für Übersetzungsaufträge.

Aber ich muss auch der Realität ins Auge sehen, alleine vom Übersetzen könnte ich in absehbarer Zeit nicht leben. Es ist mir nicht gelungen, gut bezahlte (im Sinnen von »davon Leben können«) Aufträge von Verlagen zu bekommen.

Ich habe extra den Einstieg über Kleinverlage gewählt, um Erfahrung zu sammeln, um mir eine Bibliografie aufzubauen und um Kontakte zu knüpfen. Die acht Übersetzungen für Kleinverlage (zwei davon waren einigermaßen anständig bezahlt) haben mir viel Spaß gemacht, ich habe dabei viel gelernt, viele interessante Menschen kennengelernt und glaube auch, dass ich inzwischen ein deutlich besserer Übersetzer bin, als ich es noch vor zwei bis drei Jahren (und auch vor einem Jahr) war.

Es werden immer wieder verschiedene Tipps gegeben, wie man Übersetzungsaufträge bekommen kann. Kontakte zu anderen Übersetzern knüpfen, zu Übersetzerstammtischen gehen, eben erstmal für Kleinverlage für wenig Geld arbeiten, an Übersetzungsseminaren teilnehmen und (was aber nur selten klappen soll) sich bei Verlagen bewerben.

Ich habe mich im letzten halben Jahr bei neun Genreverlagen beworben. Abgesagt hat einer, der Rest hat sich gar nicht gemeldet. Gut, Fantasy und SF ist momentan rückläufig. Es erscheinen immer weniger Übersetzungen, die Zahl ist seit 2010 um 40 Prozent zurückgegangen. Vielleicht hätte ich es in einem anderen Genre (Krimi oder Erotikschmonzette) versuchen sollen, aber ich habe halt bisher nur Genreerfahrung, und es soll auch schwer sein, aus der Schublade rauszukommen. Vielleicht waren auch meine Bewerbungen schlecht? Ich weiß nicht?
Und zugegeben, meine schriftliche Bewerbung bei Festa vor zwei Jahren, hat tatsächlich funktioniert, die Zusammenarbeit auf Dauer allerdings nicht.

Ich habe mich bei mehreren Übersetzungsseminaren beworben, stets ohne Erfolg, und wenn man noch eine feste Stelle hat (habe im letzten halben Jahr Teilzeit (unter 50% im Kindergarten gearbeitet), um seine Kosten zu decken, wäre es auch schwierig, Zeit für ein einwöchiges Seminar zu finden.

Ich habe für drei Kleinverlage acht Romane übersetzt, ohne dass mir dass irgendwie weitergeholfen hätte, außer bei meiner persönlichen bzw. fachlichen Entwicklung.

Ich kenne inzwischen unzählige ÜbersetzerInnen, Lektorinnen und sonstiges Verlagsvolk, aber ich bin wohl ein schlechter Netzwerker, dem es nicht gelingt, diese Kontakte zur Auftragsgewinnung zu nutzen. Wobei der Auftrag für die TV-Doku tatsächlich über einen solchen Kontakt zustande kam. Aber eben keine Literaturübersetzung. (Das mit der Doku hat mir übrigens viel Spaß gemacht, und es werden hoffentlich noch weitere folgen.)

Wenn ich diese Sommer meine dritte Captain-Future-Übersetzung abgeben haben werde, werde ich erstmals seit 2011 ohne Übersetzungsauftrag für ein Buch sein. Ich habe mir auch vorgenommen, erst wieder einen schlecht bezahlten (so muss man sie leider nennen) Übersetzungsauftrag für ein Buch anzunehmen, wenn ich vorher eine professionell bezahlten (mit einem Normseitenhonorar über 10 Euro) bekommen habe.

Viele professionelle Übersetzer machen solche kleine Aufträge – für Freunde, aus Spaß, weil ihnen das Buch am Herzen liegt oder aus sonstigen Gründen. Aber sie machen es neben ihren Übersetzungen mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Alles andere wäre auf Dauer Selbstausbeutung. Manche Leute übersetzen auch aus Spaß neben ihrem Vollzeitbrotberuf, weil es ihnen Spaß. Aber das ist nicht mein Anspruch. In meiner Freizeit möchte ich an meinen eigenen Werken schreiben (die bisher nur für die Schublade sind).

Insofern lieber Blogbesucher, der du wissen möchtest, wie man Literaturübersetzer werden kann – ich kann dir die Frage nicht beantworten. Die hier aufgezählten Versuche gelten als die üblichen Wege und vielleicht magst du mehr Erfolg damit haben als ich, aber die Frage: Wie werde ich Literaturübersetzer?, kann ich in diesem Blog nicht beantworten.

Meine Mission, dies in diesem Blog zu dokumentieren ist gescheitert. Das finde ich schade, aber verbittert bin ich darüber nicht (ein wenig frustriert aber durchaus). Ich habe auch noch nicht aufgegeben, sehe meine Chance aber aufgrund der aktuellen Situation auf dem Büchermarkt als sehr schlecht. Ich weiß von vielen Übersetzern, die bisher gut im Geschäft waren, dass sie inzwischen Schwierigkeiten haben, Aufträge zu bekommen. Nicht wenige orientieren sich um, machen andere Übersetzungen, bauen sich ein zweites Standbein auf usw. Vielleicht ändert sich die Situation auch wieder? Vielleicht habe ich einfach die richtige Chance übersehen, als sie sich mir bot? Wer weiß?

Translate or Die wird es weiter geben. Ich werde hier weiter gut gelaunt über meine nicht-literarischen Übersetzungen berichten, über die Phantastikszene, über lesenswerte Bücher und Serien, sowie Essays und Artikel schreiben.

Wie schon geschrieben, meine feste Stelle ist eine Teilzeitstelle, und ich werde weiterhin als Übersetzer arbeiten und nehme gerne (anständig bezahlte) Aufträge entgegen.

Und wer könnte diesem sympathischen Übersetzer schon widerstehen?

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Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 18

Meine dieswöchige Blogfäulnis … äh Faulheit liegt vor allem an der Erkältung, die ich noch als Abschiedsgeschenke aus dem Kindergarten mitgenommen habe (nächste Woche fange ich eine neue Teilzeitstelle an). Zum Anfang gibt es erstmal zwei unphantastische Links, die eher zu den Themen Sprache und Übersetzen passen, danach zweimal Science Fiction.

13 words Germans think are English – dw.de hat 13 vermeintlich englische Wörter aufgelistet, von deren Gebrauch man im englischsprachigen Ausland absehen sollte, da sie dort niemand kennt. Ich muss gestehen, dass ich erst durch das Schild in Luke’s Café in der Serie Gilmore Girls gelernt habe, dass man in den USA »cell phone« zur mobilen Audiokommunikationseinheit sagt.

10 Fabulous German Words With No English Equivalent – Tyler Vendetti hat eine Liste mit zehn deutschen Wörtern erstellt, die sie ganz wunderbar findet, die Übersetzerinnen ins Englische aber vermutlich ins Schwitzen bringen werden, weil es sie im Englischen nicht gibt. Handschuhschneeballwerfer kannte ich nicht.

 In 1975, Newsweek Warned that Science Fiction Was Taking Over – Madeleine Monson-Rosen wirft einen Rückblick auf das Jahr 1975, als Newsweek davor warnte, dass Science Fiction »was taking over«. Den Begriff kann man nicht so gut übersetzen. Vielleicht, dass Science Fiction überhandnimmt, bzw. zu einflussreich wird? 74/75 war übrigens ein super Jahrgang. Dhalgren, The Dispossesed, Slaughterhouse Five, Cat’s Cradle, alles Meisterwerke der SF. Die New Wave (um John Brunner und Co.) griff relevante Themen der Gesellschaft kritisch auf. Man befürchtete, dass die SF in der Mitte der Gesellschaft, im Mainstream ankommen würde. Eine Diskussion, die auch heute noch aktuell ist. Noch nie liefen so viele Science-Fiction Filme im Kino und machten so viel Umsatz. Währenddessen sieht sich die SF-Literatur wieder in der Krise (was zumindest in Deutschland auch nicht ganz falsch ist). Bei SF-Fan.de wird gerade anlässlich der Veröffentlichung der SF-Verlagsvorschau von Bastei/Lübbe darüber diskutiert, was aus deren SF-Sparte geworden ist, und warum sich SF in Deutschland in Buchform nicht verkauft. Die Zahl der SF-Übersetzungen seit 2010 ist tatsächlich um 40 Prozent zurückgegangen (das habe ich genau nachgezählt und ausrechnet, kann man auch in der nächsten Ausgabe der Phantastisch genauer nachlesen). Wer die relevanten SF-Bücher lesen will, die im Ausland für Aufruhr sogar und spannende Debatten anstoßen, der muss auf Englisch lesen (oder bei Verlagen suchen, die eigentlich nichts mit dem Genre am Hut haben, da erscheinen inzwischen gelegentlich interessante Werke, von Autoren wie Daniel Suarez, Jeff VanderMeer, Felix J. Palma, Daniel H. Wilson usw.). In der Fantasy sieht es übrigens nicht besser aus. Für mich als Phantastikübersetzer sind das schlechte Zukunftsaussichten. Aber ich habe meine Bestrebungen in die Richtung auch schon größtenteils ad Acta gelegt und für Alternativen gesorgt (feste Teilzeitstelle plus Übersetzungen in einem ganz anderen Bereich). Es bringt aktuell einfach nichts, auf ein lahmendes Pferd zu setzen. Wobei ich das sehr schade finde, da phantastische Literatur meine Leidenschaft ist und ich sie sehr gerne übersetze.

Auf Fantasybuch.de gibt es eine sehr schöne Besprechung von Detlef Vallenton zu Captain Future – Der Sternenkaiser (übersetzt von Frauke Lengermann). Detlef arbeitet sehr schön heraus, was den Reiz an Captain Future ausmacht, und mit welcher Einstellung man noch Spaß an den alten Schinken haben und  den »sense of wonder« verspüren kann.

 

Ärger über PC-Games: Artikel, die keine sind!

Jetzt muss ich hier mal meinen Ärger gegen die Zeitschrift PC-Games loswerden. Die haben mich gerade voll verarscht.
Ich lese die PC-Games schon seit Zeiten, in denen Spieledemos als Diskette dabei lagen. Jetzt habe ich einen vermeintlichen Artikel über das Spiel Murdered: Soul Suspect gelesen. Zwei Seiten lang. Während des Lesen dachte ich schon, dass hört sich interessant an. Am Ende wunderte ich mich, dass die Einschätzung des Redakteurs fehlte, und habe erst dann bemerkt, dass ganz oben in der Ecke, ziemlich kleingedruckt das Wort »Anzeige« steht. Klar, hätte ich auch vorher bemerken können. Wer lesen kann ist klar im Vorteil …

Ich habe erst vor kurzem im Spiegel gelesen, dass immer mehr Zeitungen (sogar die New York Times) auf diese Art von Anzeigen setzen, hätte aber nicht erwartete, dass meine liebste Spielezeitschrift so etwas macht, und dass ich auch noch voll darauf reinfalle. Als Reaktion werde ich mir das Spiel definitiv nicht holen – und mir auch nicht die nächste Ausgabe der PC-Games kaufen.