„Die ???: Das Geheimnis des Bauchredners“ von André Marx und „Signale aus dem Jenseits“

Eine Buch- und eine Hörspielbesprechung sowie ein Plädoyer dafür, die drei Detektive endlich erwachsen werden zu lassen.

Geheimnis des Bauchredners

Nach fast 200 Folgen ist es natürlich schwer, das Rad neu zu erfinden, was interessante Fälle und Ansätze für die Juniordetektive aus Rocky Beach angeht. Der eine Autor, dem dies gelegentlich mit Folgen wie Das Auge des Drachen oder Das versunkene Dorf gelingt, ist André Marx, der mich zuletzt mit Die Spur des Spielers aufgrund seines unverkennbaren und sicheren Stils überzeugen konnte. Die Folgen Der Geist des Goldgräbers und Das Kabinett des Zauberers zähle ich zu den eher schwachen Marx-Folgen, Insel des Vergessens zu den stärkeren und originelleren, Geheimnis des Bauchredners bewegt sich auch eher im guten Mittelfeld.

Es gibt ein Wiedersehen mit Patricia Osborn, der Tante von Allie Jamison aus Die singende Schlange („Purpur bietet Schutz, müsst ihr wissen“), Sunshine aus … und die feurige Flut und eine unheimliche Begegnung mit einer eigenwilligen Bauchrednerpuppe. Es spielt sich also fast alles um das neue Haus von Patricia ab, indem sie in einer New-Age-WG wohnt, bei Neumond Kräuter sammelt und Schutzrituale abhält – also alles eitel Sonnenschein, wäre da nicht die unheimliche Puppe.

Alles bekannt Themen bzw. Versatzstücke aus schon bekannten Folgen, die recht souverän aber auch ohne jegliche Überraschungen eingesetzt werden, sogar ein Zirkus spielt eine gewisse Rolle. Negativ anzumerken ist der inflationäre Einsatz von Peters Wunderdietrichset und, dass Bob mal wieder eins auf die Nuss bekommt, dies aber – vermutlich, weil er es schon gewohnt ist – inzwischen ohne Kopfschmerzen oder Haschimitenfürsten übersteht. Würde mich aber nicht wundern, wenn er mit 40 ähnliche Hirnschäden davonträgt wie Footballspieler oder Boxer.

Ich lese ja fast nur noch Marx-Folge unter den Neuerscheinungen (Sonnleitner wird ignoriert, bei allen anderen Autoren warte ich die Kritiken ab), und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht, allerdings hält sich die Begeisterung auch in Grenzen. Die Folge liest sich flott und unterhaltsam, bietet aber nicht mehr als durchschnittliche Kost an.

Vor einigen Jahren war ich noch Sammler, da habe ich mir alle neuen Folgen in Buch- und Hörspielform gekauft, bis die völlig an den Haaren herbeigezogenen Folgen von Marco Sonnleitner (Zwillinge der Finsternis!) überhandnahmen, der leider auch die Angewohnheit hat, die Kapitel an den spannendsten Stellen abzubrechen, um von den eigentlich aufregenden Ereignissen dann Justus auf langweilige Art im Rückblick berichten zu lassen. Mit der Zeit nahm aber auch die Qualität der anderen Folgen ab, was ich zum Teil auch dem Lektorat anlaste, das grobe Klöpse durchgehen lässt, nicht mehr auf Continuity und Stimmigkeit in Bezug auf ältere Folgen achtet und die Figuren völlig out-of-character handeln lässt.

Und auch bei den Hörspielfolgen verlor ich irgendwann die Lust, nachdem die Folgen immer länger (bis zu 80 Minuten) wurden, dabei aber lieblos im Dienst-nach-Vorschrift-Modus im anachronistischen Analogstudio mit Geräuschen und Raumklang wie vor 30 Jahren runtergenudelt werden.

P.S. wieso steht da eigentlich kein Artikel im Buchtitel? Meiner Meinung nach müsste es Das Geheimnis des Bauchredners“ heißen.

Signale aus dem Jenseits

Die aktuelle Folge Signale aus dem Jenseits habe ich mir dann doch gekauft, weil ich neugierig war, wie sich der neue Erzähler Axel Milberg macht. Gar nicht so schlecht, aber so richtig habe ich mich noch nicht an die hellere Stimme gewöhnt.

Der Fall selbst beginnt recht vielversprechend, als Bob entdeckt, dass die Wahrsagerin aus dem Fernsehen, von der Tante Mathilda so schwärmt, niemand anderes ist, als seine ehemalige kriminelle Therapeutin Clarissa Franklin (Stimmen aus dem Nichts, Rufmord). Daraus hätte sich ein spannender Fall entwickeln können, der sich in Ansätzen auch zeigt, doch leider verliert er sich dann in einer konfusen Auflösung und einem völlig verzettelten und langweiligen Finale und einigen wenig nachvollziehbaren Handlungswendungen (im Sinne der Spannung). Judy Winter ist als Clarissa Franklin natürlich wieder ein Genuss, aber das alleine reicht einfach nicht für einen guten Fall und ein spannendes und gelungenes Hörspiel.

Die Geschichte strapaziert auch die sitcommäßige Zeitspalte, in der die drei Detektive ähnlich gefangen sind, wie die Simpsons, in der immer mehr Zeit vergeht, ohne dass sie altern, aufs äußerste. Heißt es doch, Franklin sei mehrere Jahre in der Psychiatrie gewesen. Wenn ich mich recht entsinne, fuhr Bob zu der Zeit ihrer Entlarvung bereits Auto, was man in den USA frühestens mit 15 machen kann, geht aber jetzt, Jahre später immer noch zur Schule, die man in den USA mit 16 abschließt.

Lasst die drei Fragezeichen erwachsen werden!

Klar, 200 Fälle, ohne dass sie merklich altern – abgesehen von dem Zeitsprung ins Führerschein- und Freundinnenalter -, das ist halt eine Serienlogik, die man eigentlich nicht hinterfragen darf, aber hier passt sie einfach hinten und vorne nicht mehr. Deshalb schließe ich mich der Forderung an, die drei Fragezeichen endlich erwachsen werden zu lassen. Das würde das verfügbare Themenspektrum deutlich erweitern und den Autoren ganz andere Möglichkeiten bieten, den Figuren und dem Konzept wieder etwas Neue abgewinnen zu können.

Ich weiß, Justus, Bob und Peter sind ein Dauerbrenner und Kult, und viele Kassettenkinder wie ich erhalten dadurch eine neue Dosis Nostalgie, die aber mit jedem neuen Schuss weniger Wirkung entfaltet und immer mehr zu negativen Trips führt, die mich zum Beispiel dazu bringen, mich langsam von dem Stoff zu entwöhnen, auch wenn ich gelegentlich Rückfälle habe oder auf jenen reinen Stoff meines Dealers des Vertrauens (André Marx) zurückgreife. Und ja, das jugendliche Publikum ist wohl als Käuferschicht für die Geldmaschine der drei Fragezeichen nicht zu unterschätzen. Doch für mich würde das eine Möglichkeit bieten, meinen geliebten Kindheitshelden weiterhin treu zu bleiben.

Wie wäre es mit einem gewagten Zeitsprung von zehn bis fünfzehn Jahren oder mehr, der die drei Freunde als Erwachsene zeigt?

Die Phantastischen Hörspielwelten von Lausch

Wie ein kleines Label Großes inszeniert und ganze Welten im Kopf der Hörer entstehen lässt
Von Markus Mäurer, März 2009

Zuletzt gab es ja hier fast nur Buchbesprechungen, und die nächsten zwei (Telegraph Avenue und Paris, Geschichte einer Metropole seit 1800) sind in Arbeit. Deshalb zur Abwechslung mal einen Beitrag zu Hörspielen – wenn auch nur aus der Konserve. Der ist erstmals 2009 im Magazin Phase X erschienen. Seitdem hat sich die Hörspiellandschaft verändert, neue Labels sind hinzu gekommen, einige Fantasyhörspiele wie Die letzten Helden, Die Elfen, Dragonbound oder Das Schwarze Auge (wenn auch keines davon an Drizzt heranreicht), und Lausch hat seine Hörspielproduktion für Erwachsene eingestellt. Allerdings setzt Günter Merlau inzwischen Die Schwarze Sonne fort.

Phantastische Hörspiele von Lausch

Wir sind eine Nation von Kassettenkindern. In Millionen Kinderzimmern der 80er- und 90er-Jahre saß die Zukunft dieses Landes mit geschlossenen Augen und lauschte den Abenteuern von drei Juniordetektiven, von fünf Freunden, einer fliegenden Hexe mit einem Besen namens Kartoffelbrei und vielen anderen. In den Köpfen dieser Kinder spielte sich ein phantastisches Kinospektakel ab, an das selbst die tollsten computeranimierten Spezialeffekte nicht heranreichten: Kopfkino, die Stimmen der Sprecher waren vorgegeben, den Rest erledigte die unermessliche Phantasie eines Kindes.

Doch irgendwann sind wir Kassettenkinder groß geworden. Wir entwickelten neue Interessen, wir schauten Horrorfilme, lasen Thriller und blätterten im Spiegel. Doch die Lust auf Hörspiele blieb. Und auch wenn viele von uns immer noch mit einem Gefühl der wehmütigen Nostalgie den alten Hörspielen lauschen, sehnen wir uns nach etwas Neuem.

Nach Hörspielen, deren Thematik unserem Alter entspricht: Erwachsenen-Hörspiele. Und zwar nicht die leicht trashigen Pulphörspiele eines Larry Brent oder Macabros, sondern anspruchsvoller und professioneller inszenierte Werke.

Einige Produzenten haben diesen Bedarf entdeckt und begonnen, ebensolche Werke nach hohen produktionstechnischen Standards aufwendig zu produzieren. Neben dem durch Gabriel Burns bekannten Volker Sassenberg betrat Günter Merlau mit seiner Firma Lausch 2006 die Hörspielbühne.

Caine heißt das erste Hörspiel von Lausch. Es handelt sich dabei um eine Umsetzung der gleichnamigen Heftromanreihe des Basilisk-Verlags. Caine ist ein actionreicher Fantasythriller, der unsere Welt mit einer düsteren Fantasywelt voller Dunkelelfen verbindet, mit derbem Humor und splatteriger Brutalität.

Was zunächst nur einigen Hörspielliebhabern bekannt war, entwickelte sich schnell zum Geheimtipp. Bald darauf folgte der historische Mysterykrimi Die schwarze Sonne und die humorvoll gestaltete Gruselcomedy B.Ö.S.EAlles wird gut. Wobei von Letzterem nur eine Episode erschien. Danach erschien eine Adaption des Kurzgeschichtenbands Punktown von Jeffrey Thomas, der auf einer bizarren Alienwelt voller gruseliger Absonderlichkeiten spielt.

Nachdem sich Lausch mit diesen Serien bereits einen Namen gemacht hatte, der für qualitativ hochwertige und spannend inszenierte Hörspiele steht, erlangte man endgültig einen höheren Bekanntheitsgrad, als man im September 2006 unter dem Namen Drizzt – Die Saga vom Dunkelelfen die populären Fantasyromane von R. A. Salvatore umsetzte. Damit war Lausch ein großer Coup gelungen, waren doch Fantasyhörspiele bis zu diesem Zeitpunkte eher eine Randerscheinung. Aber dazu später mehr.

Hellboy – Der höllisch rote Zwischenfall – Wie ein visueller Augenschmaus zum Hörspielhelden mutiert

Die Saat der Zerstörung

Es beginnt mit unheilschwangerer Musik, dann, ein leises Atmen, das Klicken eines Feuerzeuges gefolgt vom Ziehen und Knistern einer entzündeten Zigarre. Hellboy – der 2,13 Meter große Zwischenfall, mit knallroter Haut und Hörnern auf der Stirn, stellt sich – politisch ganz unkorrekt – mit einer „Fluppe“ im Maul vor. Erzählt, dass er der beste paranormale Ermittler der Welt sei und Werwölfe und Vampire jage. Dann endet der kurze Monolog und eine dramatisch treibende Musik jagt den Hörer in die düstere und mysteriöse Hörspielwelt des Jungen aus der Hölle.
Die Geschichte von Hellboy beginnt im Zweiten Weltkrieg. Stilvoll führt eine knarzende Radioübertragung über den Stand der Schlacht den Hörer in das Europa der 1940er Jahre. Der Kontinent liegt in Trümmern, das Dritte Reich greift nach jedem Strohhalm und sei er noch so abwegig, um das Ruder noch einmal herumzureißen. Mit Hilfe des russischen Magiers Rasputin versucht ein Sonderkommando der Nazis, auf einer abgelegenen Insel mit einer Höllenmaschine ein Wunder zu erreichen. Zeitgleich versucht eine Einheit der Alliierten, unter Führung des Experten für paranormale Phänomene Prof. Broom, die Nazis aufzuhalten.

Hochdramatisch und in schnellen Schnitten wird der furiose Auftakt, die „Geburt“ Hellboys, inszeniert. Die gewaltige Klangkulisse sorgt für die apokalyptische Stimmung, die zu diesem Zeitpunkt des Zweiten Weltkriegs geherrscht haben muss.

Jahrzehnte später muss Hellboy, der von Broom adoptiert wurde und nun für die B.U.A.P (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen) ermittelt, das zunächst rätselhafte Verschwinden seines Mentors aufklären, der zu einer mysteriösen Expedition ins ewige Eis aufbrach. Schnell stellt sich heraus, dass ein großes Unheil hinter allem steckt. Und Hellboy muss sich den Schatten der Vergangenheit und seiner Herkunft stellen.

Nazis mit Allmachtsphantasien, die mit Hilfe irrer Magier ein Tor zur Hölle schaffen wollen. Uralte und böse Götter, die die Vernichtung der Welt im Sinn haben. Dazu ein ultracooler, der Hölle entsprungener, roter Riese mit flotten Sprüchen und einer großen Wumme. Das hört sich alles ziemlich trashig an, als würde es in einen Heftroman passen. Aber die Comicvorlage von Mike Mignola bietet mehr. Es geht um Außenseiter und „Freaks“, die am Rande der Gesellschaft für Anerkennung und Liebe kämpfen.

Ein Comic lebt von seinen Zeichnungen, von seinen visuellen Effekten, von der Kreativität seines Zeichners. Wie soll es da möglich sein, ein Comic als Hörspiel umzusetzen. Ganz einfach: Man nimmt markante Sprecher, dramatische Musik, eine atmosphärische Klangkulisse, eine rasante Dramaturgie und spektakuläre Action und vermischt dies alles zu einem Hörspiel, das das Kopfkino seines Hörers nicht nur anregt sondern auch perfekt ergänzt. Sicher ist es hilfreich, wenn man zumindest einige Zeichnungen von Hellboy gesehen hat oder den Film kennt, aber der Comic erweist sich als denkbar gut geeignete Vorlage für ein Hörspiel.

Allen voran sorgen die grandiosen Sprecher für eine dichte Atmosphäre. Tilo Schmitz, der auch in den Filmen Hellboy seine Stimme leiht, ist einfach die perfekte Besetzung für den grimmigen Teufel mit den frechen Sprüchen. Seine tiefe Stimme verleiht dem roten Riesen seine nötige Masse. Daneben glänzt auch Michael Prelle, der dem Magier Rasputin den nötigen Wahnsinn in der Stimme verleiht. Bereits bei seinen ersten Worten ist dem Hörer klar, dass man es mit einem abgrundtief bösen und durchtriebenen Mann zu tun hat. Joachim Tennstedt, der Sprecher von John Malkovich, gibt dem Fischmenschen Abe Sapien die nötige Schlüpfrigkeit und Kühle. Besonders hervorzuheben ist noch die mechanisch klingende Stimme des Nazidoktors Krönen.

Inhaltliche Hintergründe liefern immer wieder auf Tonband aufgenommene Akteneinträge der B.U.A.P.
Doch es gibt auch Kritikpunkte. Die erste Folge Saat der Zerstörung zieht sich über zwei CDs und ca. zwei Stunden. Immer wenn Rasputin zu einem seiner ellenlangen Monologe ansetzt, flucht Hellboy, er solle endlich die Klappe halten und verleiht damit dem Wunsch des Hörers Ausdruck. Solche Monologe unterbrechen immer wieder die rasante Action und stören den Fluss der Geschichte, die man deutlich hätte straffen können.

Nichtsdestotrotz ist Hellboy – Saat der Zerstörung eine tolles und atmosphärisch dichtes Hörspiel geworden, das es schafft, einen Comic im Kopf des Hörers zu erschaffen.

Der Teufel erwacht

Im zweiten Fall (Folgen 3 u. 4) geht es für das B.U.A.P Team nach Rumänien – in das Schloss eines mutmaßlichen Vampirs. Auch hier werden wieder klassische Gruselthemen zu einem interessanten und gar nicht abgedroschenen Mix verquirlt. Mit der Nazibraut Ilsa Hauptstein sowie dem metallisch klingenden Dr. Krönen und seinem Kollegen Leopold tauchen auch wieder alte Bekannte auf, die vermuten lassen, dass mehr hinter der Geschichte steckt als zunächst vermutet.

Doch es dauert ein wenig, bis es richtig losgeht. Bevor Hellboy in Aktion treten darf, wird eine halbe Stunde lang die Hintergrundgeschichte erzählt, bzw. die Ereignisse die das B.U.A.P Team nach Rumänien führten. Ein Unternehmer fliegt ins ewige Eis, eine alte Nazibande wird aufgetaut und deren weibliches Mitglied sucht ihre große und längst vermoderte Liebe, um sie wieder zum Leben zu erwecken.

In Rumänien geht es dann richtig zur Sache. Hellboy springt Fallschirm ohne Schirm, donnert in ein altes Schloss, scheucht und mischt alte Ungeheuer auf und trifft auf eine alte und eiserne Jungfer. In Rumänien dominiert eindeutig die Action, die allerdings wie in Die Saat der Zerstörung häufig durch Monologe und Rückblenden unterbrochen wird. In einer taucht sogar Heinrich Himmler persönlich auf. Und wie auch im ersten Teil, ist die Inszenierung hochprofessionell, die Atmosphäre düster stimmungsvoll und die Sprecher markant und originell.

Auch auf dem Medium Hörspiel ist es ein Genuss Hellboy dabei zu begleiten, wie er bösen Nazis und anderem Gezücht eins auf die Glocke gibt. Dabei sind die Hörspiele deutlich an ein erwachsenes Publikum adressiert und nicht für Kinder geeignet.

Fast ein Gigant

Diese fünfte Folge knüpft direkt an die Handlung aus Der Teufel erwacht an. Liz Sherman erweckte unwillentlich einen Homunkulus mit ihrem Feuer zum Leben, verlor dabei aber ihren eigenen Lebenswillen, und siecht nun langsam dahin. Hellboy und seine Kollegin Kate Corrigan begeben sich in den rumänischen Bergen auf die Suche nach dem künstlich erschaffenen Wesen. Selbiges triff zur gleichen Zeit auf seinen Bruder, der Übles mit ihm und der Menschheit vorhat.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist Fast ein Gigant eine Einzelfolge. Das heißt, die Folge ist auf 60 Minuten begrenzt. Diese verkürzte Laufzeit merkt man der Episode positiv an. Es geht schnell zur Sache, ohne jegliche Längen oder Langeweile. Zwar gibt es wieder die üblichen Trashmonologe, aber das Gelaber hält sich angenehm in Grenzen.

Ghost

Die sechste Folge führt uns nach Arcadia, einer Stadt, in der das Verbrechen zum Alltag gehört, Mord und Totschlag sind allgegenwärtig. Das Blut der Opfer sammelt sich unter der Stadt und schafft eine Aura des Hasses und des Verderbens. Aus dieser Aura ist Ghost hervorgegangen. Eine Frau, die nach ihrem Tod als geisterhafter Racheengel ihr Unwesen treibt, ihrem Hass in Form von zwei 45er-Magnums freien Lauf lässt und einen Kriminellen nach dem anderen tötet. Die B.U.A.P. ist auf sie aufmerksam geworden, und schickt Hellboy mit der Aufgabe sie zu rekrutieren. Natürlich läuft alles schief, Hellboy kriegt ständig eins auf die Mütze und die Welt steht mal wieder vor dem Untergang.

Ghost ist die erste wirklich eigenständige Folge von Hellboy, die ganz unabhängig vom bisherigen Rasputin-Verschwörungskram funktioniert. Die Folge beginnt mit einer blutigen aber komödiantisch inszenierten Szene aus dem Jahre 1939, in der ein Paradebeispiel eines Gangsterbosses einen in Ungnade Gefallenen stillgerecht mit einer Axt zerlegt. Wer wäre für diese Rolle besser geeignet als Helmut Krauss, der sich hier praktisch selbst parodiert – ist er doch die deutsche Synchronstimme von Marlon Brando als Don Corleone in Der Pate. Aber auch alle anderen Sprecher wissen zu überzeugen und tragen maßgeblich zu der leicht veränderten Atmosphäre dieser Folge bei, die humoristischer angelegt ist als ihre Vorgänger. Die Grundgeschichte ist dabei eher banal und greift auf die üblichen Trashmotive zurück. Der obligatorische Monolog des größenwahnsinnigen und mutmaßlichen Weltzerstörers darf natürlich nicht fehlen. Trotzdem begrenzt sich das Gelaber auf ein akzeptables Maß und lässt der rasanten Action den Vortritt, ohne dabei auf die coolen Sprüche des Roten zu verzichten. Ghost macht alles richtig und bietet stimmungsvolle und kurzweilige Unterhaltung mit einer tollen Atmosphäre und passender Jazzmusik.

Drizzt – Die Saga vom Dunkelelfen – Das aufwendig inszenierte Hörspielabenteuer aus den Vergessenen Reichen.

Von einem düsteren Paukenschlag begleitet beginnt der kurze beklemmende Monolog, in dem Drizzt seine Heimat das Unterreich vorstellt. Ähnlich wie der Beginn des Films Conan geht es dann in eine bombastisch pumpende Musik über, die anders als bei Basil Poulidouris schnell in ein hysterisches Klavierspiel wechselt, das den Wahnsinn des Unterreiches hervorragend darstellt. Dabei wird die Musik von dezenten elektronischen Klängen begleitet, die zeigen, dass die Produzenten leicht abseits der üblichen Hörspielwege wandeln.

Die Hörspiele um den eigenwilligen Dunkelelfen basieren auf R. A. Salvatores Romanen aus den Vergessenen Welten. Anders als Salvatore seinerzeit veröffentlicht Lausch die Geschichten in chronologischer Reinfolge. Die Romanreihe begann mit The Chrystal Shard (Der gesprungene Kristall) dem ersten Teil der Icewind Dale Trilogy, in der sich Drizzt Do’Urden bereits an der Oberfläche befindet. Die Saga vom Dunkelelfen (The Dark Elf Trilogy) erschien erst danach als Prequel. Für die Hörspiele erweist sich dies als großer Vorteil, ist Die Saga vom Dunkelelfen doch deutlich besser und komplexer geschrieben als Salvatores Erstlinge, die noch stark an zu Papier gebrachte Rollenspielabenteuer erinnern, die von einer Action Szene zur nächsten springen und den Figuren wenig Tiefe verleihen.

Bereits in der ersten Folge Der dritte Sohn stoßen wir auf die komplexe und grausame Gesellschaftsstruktur der Dunkelelfen – einem grausamen Volk voller Bösewichter, die der Spinnengöttin Loth huldigen und ihr gelegentlich ihre eigenen Kinder opfern.

Wir Hörer begleiten Drizzt von seiner Geburt an durch diese bösartige Gesellschaft, die ihm zutiefst zuwider ist. Wir begleiten seine Flucht in die Finsternis und seinen Aufstieg ins Licht. Eine Reise, die zeigt wie vielfältig und gefährlich das Leben in den Unterreichen ist. Drizzt wird zum grausamen Jäger und zum treuen Freund.
Die Unterwelt bietet eine dankbare Kulisse für das Medium Hörspiel und das Team von Lausch versteht es, diese zu nutzen. Wenn der Hall des tropfenden Wassers durch die Kopfhörer erklingt, können wir uns die Weite der Höhlen vorstellen; wenn das kalte Klopfen der Pickel der Höhlengnome ertönt, können wir sehen wie sie den harten Stein bearbeiten. Wenn die Figuren sich in tiefster Finsternis befinden, hören wir die leisen unheilvollen Geräusche der unaussprechlichen Schrecken, die sie in den Wahnsinn treiben können.

Die Sprecher sind bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt. Tobias Meister, der deutsche Kiefer Sutherland, ist perfekt als Drizzt Do’Durden geeignet; der Kampferprobte „Jack Bauer“ der Unterwelt. Bei den Drow sind die Frauen das starke Geschlecht, und dementsprechend verleihen Sprecherinnen wie Elga Schütz und Miriam Hensel den Stimmen die nötige Autorität, in der auch immer ein Schuss Wahnsinn mitschwingt.

Die Musik ist zwar modern, aber zu keiner Zeit unpassend für dieses eigentlich klassische Fantasysetting.
Eine der größten Stärken Salvatores sind seine spektakulären Beschreibungen der Kämpfe. Solche Kämpfe sind als Hörspiel natürlich schwer zu inszenieren, aber Lausch hat einen guten Weg gefunden, indem sie den Kämpfenden selber zum Erzähler machen und dies mit einer Fülle von Kampfgeräuschen ergänzen.

Die ersten sechs Folgen erzählen die Dark Elf Trilogy, in der sich Drizzt von seinem grausamen Volk emanzipiert, in die Dunkelheit flüchtet, dem Wahnsinn nahe kommt, Freundschaft findet und verteidigt, und schließlich den Weg ans Licht findet.

Folge 7 Der gesprungene Kristall ist der Startschuss für die Icewind Dale Trilogy, in der Drizzt bereits an der Oberfläche lebt, zusammen mit seinem Freund dem steinharten Zwerg Bruenor, dessen mutiger Menschentochter Catti-Brie sowie dem diebischen und knurrbäuchigen Halbling Regis. Die Freunde müssen sich mit einer Invasion der Barbaren rumschlagen, einem pubertierenden und fast allmächtigen Zauberer und dessen magischem Kristall, einem ebenso mächtigen Dämon und allerhand anderen Abenteuern, die in einer, auf einem Rollenspiel basierenden Welt, nun mal auf Helden warten. Trotzdem schaffen es Salvatore im Buch und Lausch im Hörspiel, mit wichtigen Themen wie Freundschaft und Toleranz, der Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen.

Ab Folge 7 gibt es auch einen Bruch bei der Inszenierung. Der Hörer ist nicht mehr von dem bedrückenden Gewicht tonnenschweren Steins umgeben, unter dem sich die Unterreiche befinden. Er findet sich in der kalten Weite des Eiswindtales wieder, dessen Schnee die grellen Strahlen der Sonne reflektiert und dessen eisiger Wind unbarmherzig durch die Haut schneidet. Die Kämpfe sind keine beengten Kammerspiele mehr, sondern riesige Schlachten, die die Erde zum Beben bringen und sie in rotem Blut tränkt.

Eine der Hauptfiguren ist der Titel gebende gesprungene Kristall, der sich eines pubertierenden Möchtegernzauberers bedient. Der stets gehänselte und gemobbte junge Mann sieht sich plötzlich nahezu allmächtiger Kräfte gegenüber, die er nach Gutdünken einsetzen kann. Die von Oliver Elias gesprochene Stimme Akar Kessels wirkt durch ihren lächerlich quiekenden Ton zunächst äußerst nervig. Doch im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass sie perfekt zu einem halbstarken, von Allmachtsphantasien getriebenen Proll passt. Als sei sie aus einer Onlinerollenspielunterhaltung entsprungen.

Auch die Dämonisierung der Stimme des Dämons Errtu – der von Günther Merlau persönlich gesprochen wird – wirkt etwas klischeehaft, funktioniert in diesem klassischen Fantasysetting aber ausgezeichnet. Wenn der Hörer die von Fauchen und Brüllen geprägte Stimme hört, weiß er sofort, dass es sich um einen Dämon handelt.

Erwähnenswert sind auch noch die gewaltigen Kampfgesänge der Barbarenkrieger, wenn sie in die Schlacht ziehend ihren Gott Tempus anrufen. Es wird tatsächlich der Eindruck vermittelt, einer ganzen Armee zu lauschen.
Die Klanggestaltung der Hörspiele ist bis ins kleinste Detail durchdacht und ausgewogen. Sie erzeugt eine raue aber, den Lesern der Romane, wohlvertraute Atmosphäre, die dem Hörer das Gefühl gibt, als unsichtbarer Lauscher direkt neben den Helden zu stehen.

„Monster 1983“ von Ivar Leon Menger (eine Hörspielempfehlung)

(Ivar Leon Mengers) Monster 1983 ist von der Machart her so eine Art Nostalgiegeschichte wie Stranger Things, war allerdings vorher dar. Die Achtzigerjahre, amerikanische Kleinstadt, eine mysteriöse Mordserie, ein neuer Sheriff mit nebulöser Vergangenheit. Wer mit den Filmen von Steven Spielberg (aus dem Hause Amblin) und den Büchern von Stephen King aufgewachsen ist, wird ahnen können, in welche Richtung es geht. Neben dem Sheriff als Hauptfigur gibt es auch noch seinen Teenagersohn mit seinen beiden Freunden, die stellenweise aber etwas kurz kommen (deren Sprecher aber tolle Arbeit abliefern).

Die an der Küste spielende Geschichte umschifft dabei kein einziges Klischee (was sicher als Hommage gedacht ist, meist funktioniert, gelegentlich aber den Bogen überspannt) und teilweise grenzt die Leistung der Sprecher schon an Overacting, was ein wenig nervt.

Mir hat vor allem die erste Hälfte mit der ruhigen Inszenierung und Einführung in den Kleinstadtkosmos gefallen, nur leider geht es in der zweiten Hälfte genauso ruhig weiter. Dazu trägt auch die trantütige Musik bei, die stellenweise schon einschläfernd wirkt. Eine richtige Spannungskurve oder so etwas wie Dramaturgie gibt es nur in Ansätzen.

Das ganze Namedropping mit Sachen aus den 80ern (Magnum, Der weiße Hai, Rambo usw.) war mir teilweise schon zu viel des Guten, nett finde ich allerdings, dass der Sprecher von Tom Selleck den zwielichtigen Bürgermeister spricht, der einen neuen Sheriff einstellt – so wie Tom Sellecks Figur Jesse Stone in den gleichnamigen Filmen von einem zwielichtigen Bürgermeister als Polizeichef eingestellt wird.

Die meisten Handlungsstränge und Rätsel werden übrigens nicht aufgelöst, aber es gibt ja eine zweite Staffel, in der es weitergeht.

Atmosphärisch hat mir das Hörspiel gut gefallen, ich habe es insgesamt auch gerne gehört (auch wenn sich das oben schon wie ein Verriss liest, Staffel zwei werde ich mir auch kaufen), aber die fehlende Dramaturgie, die teilweise ermüdend träge inszenierten Dialoge (z. B. das Süßholzraspeln zwischen dem Sheriff und seinem Deputy als beide eigentlich schon mehr als beunruhigt sein sollten), das stellenweise Overacting, die klischeehaften Bösewichte und ein paar Unglaubwürdigkeiten in der Story (das Finale mit dem dämlichsten Regierungsagenten überhaupt) haben mich doch gestört.

Trotzdem kann ich das Hörspiel allen empfehlen, die sich für die Achtzigerjahre, Grusel und dichte Kleinstadtatmosphäre interessieren.

P.S. das Hörspiel wurde von Audible produziert, ist aber auch einzeln im Download erhältlich (alle Folge in einem Kauf), die erste Staffel gibt es auch auf CD, ich meine gelesen zu haben, dass die bei Staffel zwei nicht mehr der Fall sein soll.

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 8

Keine Angst, ich werde hier auch noch andere Artikel veröffentlichen als nur die Netzstreifzüge. Momentan habe ich eine größere Artikelserie über die amerikanische Kleinstadt in TV-Serien in Planung bzw. Arbeit.

The Meteoric Rise and Fall of Gnome Press – Auf Kirkusreviews.com beschreibt Andrew Liptak, wie sich die Science Fiction nach Ende des 2. Weltkriegs von den Magazinen weg zur Buchindustrie bewegt hat (was für Leser und Autoren gar nicht schlecht war, da Geschichten in Magazinen nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden, während Bücher längerfristig erhältlich bleiben). Diesen kulturellen Wandel beschreibt er anhand des Aufstiegs und Falls des Verlags Gnome Press, die (heute) berühmte Autoren wie Robert Heinlein, Isaac Asimov, Clifford Simak (okay, der ist nicht ganz so bekannt), L. Spraugue de Camp, Frederick Pohl, Robert Silverberg, L. Ron Hubbard und andere einem breiteren Publikum bekannt gemacht hat.

33 SF/F Books Coming Out In April 2014 That You Need To Read – auf Buzzfeed.com stellt (ebenfalls) Andrew Liptak 33 Bücher vor, die im April erscheinen, und die man lesen solle. Das Schöne ist, er stellt nicht nur die Cover rein, sondern merkt auch zu jedem Buch an, warum es interessant sein könnte. Mich interessiert am meisten The Forever Watch von David Ramirez.

David Anthony Durham – wird auf der Bibliotheka Phanastika vorgestellt. Seine Acacia-Trilogie gehört zur aufregendsten Fantasy der letzten Jahre. Zuvor hat Durham sich schon einen Namen als Autor von historischen Romanen gemacht. Anmerkung: Der in der Bibliographie erwähnte dritte Band: 2011: Acacia – The Sacred Band/Acacia – Reiche Ernte ist in der deutschen Fassung erst für 2016 angekündigt.

Buch-Crowdfunding: Nie war es leichter, Verleger zu sein – Ich stehe Crowdfundingprojekten grundsätzlich skeptisch gegenüber, und habe noch nie etwas gespendet, da ich es nicht in Ordnung finde, dass die Investoren nicht an etwaigen Gewinnen beteiligt werden. Dass es die durchaus geben kann, zeigt die aktuelle Geschichte um den milliardenschweren Verkauf von Oculus Rift, deren Prototyp per Kickstarter finanziert wurde. Dieser Artikel auf Spiegelonline stellt ein interessantes und aufwendiges Buchprojekt über die Geschichte des Rollenspiels vor, das ohne Crowdfunding kaum möglich gewesen wäre. Ich bin nie ein großer Rollenspieler gewesen, was aber mehr an einem Mangel an Gelegenheiten lag, als an Unlust, hege aber große Sympathien dafür und mag die davon beeinflusste Literatur und die Computerspiele sehr.

The Wars of the Roses, the Battle of Towton und Allusions in A Song of Ice und FireAdam Whitehead hat einen ausführlichen Artikel über die Schlacht von Towton geschrieben, und welchen Einfluss sie und der historische Kontext in dem sie stattfand (Rosenkrieg), auf Game of Thrones haben.

Die Elfen 9: Tod in der Nachtzinne – Markus Mäurer hat für den Fantasyguide die neunte Folge der Elfenhörspiele rezensiert. Mit jeder neuen Folge wird es schwieriger, sich noch etwas Neues zum Besprechen einfallen zu lassen, was nicht mit dem Inhalt selbst zu tun hat. Und auch hier kann man nicht zu viel schreiben, weil man sonst zu viel verrät. Deshalb ist sie so kurz ausgefallen.

Es bleibt anzumerken, dass Die Elfen aktuell die einzige verlässlich erscheinende Fantasyhörspielserie ist. Drizzt, die beste von allen, wurde bereits 2010 eingestellt; angeblich, weil die Macher keinen Bock mehr hatten. Von Abseits der Wege, die zweitbeste und originellste, ist seit 2009 keine Folge mehr erschienen; wohl wegen Rechtsstreitigkeiten und jüngst auch dem Tod des Erzählers Heinz Ostermann. Dragonbound hat seine erste Staffel nach 10 Folgen 2012 beendet, Gerüchten zufolge soll es aber eine zweite Staffel geben. Auf die peinliche Posse um Die letzten Helden, von der 2010 die letzte Folge erschienen ist, und seitdem nur vollmundige Ankündigungen, fange ich lieber erst gar nicht an.
Wer also Fantasy (und nicht Sherlock Holmes, Grusel oder die ???) im Hörspielformat genießen möchte, kommt an Die Elfen gar nicht vorbei. Dabei gibt es so einiges, was mir an den Hörspielen nicht so gefällt. Seufz. Da denke ich wirklich wehmütig an Drizzt und Abseits der Wege zurück, deren Qualität bisher nicht wieder erreicht wurde.

Nachtrag: Habe bei den Hörspielen noch Die Chroniken der Drachenlanze vergessen, deren Veröffentlichungsrythmus aber ein ähnliches Drama ist, wie bei Die letzten Helden. Erscheint beides bei Holysoft. Ich halte die Drachenlanze leider auch leider nur für sehr mittelmäßig bis schwach inszeniert. Da helfen auch die vielen bekannten Synchronsprecher nichts.

Empfehlenswerte Hörspiele: Point Whitmark (Teil1)

Vorweg: Tut mir leid, fals hier im Text plötzlich Werbung auftaucht. Die hat WordPress automatisch reingebaut. Ich werde demnächst ein paar Dollar in das kostenpflichtige Angebot investieren, damit das nicht mehr vorkommt.

Da meine kostbare Zeit momentan nicht nur von meiner aktuellen Übersetzung, sondern auch von einer Teilzeitstelle beansprucht wird, die ich gestern angefangen habe, fehlt mir ein wenig die Zeit für ausführliche Beiträge. Damit sich hier aber was tut, betreibe ich ein wenig Artikel-Nekromantie und veröffentliche an dieser Stelle einen Text, der 2008 auf Fantasyguide.de erschienen ist. Da er etwas lang ist, hier zunächst Teil 1, in Teil 2 wird es dann Kurzinfos zu den ersten 22 Folgen geben.
Ich habe nicht nur eine Vorliebe für Bücher, Serien und Filme, sonder auch für Hörspiele. Bin ein klassisches Kassettenkind der 80er Jahre.
2008 habe ich Volker Sassenberg (Point Whitmark, Gabriel Burns, Abseits der Wege) per Telefon interviewt. Dazu gab es dann noch einen einführenden Artikel zu meiner liebsten Hörspielreihe:

Spezial zur Hörspielreihe Point Whitmark

Redakteur: Markus Mäurer

B0000YWFYUDie Reise beginnt in den Tiefen der nördlichen Minen. Ein schreckliches Heulen durchreißt die Stille. Von gezüchteten Killermaschinen gejagt, hetzen wir durch die undurchdringliche Dunkelheit, umgeben von tonnenschwerem Gestein. Nach einer schier endlosen Hatz brechen wir durch den Eingang des Berges und fliehen hinaus in die Endlosigkeit der Wälder New Englands. Die Sicht bleibt eingeschränkt, denn ein dichter, undurchdringlicher Nebel hat sich über den Wald gelegt.

Ein schauerlicher Schrei, der direkt aus dem Nebel kommt, treibt uns weiter an, denn nun befinden wir uns im Reich von Murach-Tabor – der riesigen Nebelspinne. Dann endlich sind wir schnell genug und erheben uns in die Lüfte, wie einst der Wampumvogel mit seinen mächtigen Schwingen. Wir wenden uns Richtung Küste. Unser Blick schweift über die Unberührtheit der Natur, die langsam nachlässt. Vereinzelte Anzeichen menschlicher Zivilisation tauchen auf, eine Hütte hier, eine Straße da.

Dann eine große stählerne Kuppel – ein Observatorium, an dessen kalten Mauern eine Gestalt, einem kalten Phantom gleich, entlang kriecht. Doch schon sind wir weiter, und die ersten Lichter einer Siedlung tauchen in der Ferne auf. Unter uns ein Kürbisfeld, in dessen Mitte die Dunkelmühle steht, deren Windräder sich in der sturmdurchtosten Nacht drehen. Waren das Federn? Aber wir sind schon dran vorbei. Erste Häuser tauchen auf, ein indianisches Langhaus, ein Turm wie von einer Ritterburg.

Wir haben die Kirche erreicht. Auf dem angrenzenden Friedhof hebt Vater Callahan gerade sein eigenes Grab aus, während sich die Hadeskutsche mit quietschenden Reifen nähert. Weiter geht unser Flug, vorbei am Museum, durch dessen Fenster wir eine einsame Mumie sehen. Vorbei am Polizeirevier, aus dem wir die markant brüllende Stimme von Sheriff Baxter hören, während ein kahl geschorener Deputy gerade das Gebäude verlässt.

Wir erreichen die Küste, überqueren eine Bucht aus der 22 qualvolle Schreie zu uns emporsteigen, und werden vom Bann der Totenmelodie weiter in die offene See gelockt. Doch bevor wir die Insel der letzten Rache erreichen, schwenken wir auf der Route des Schattenadmirals ein, zurück zur Küste. Geleitet von einem Leuchtturmfeuer erreichen wir sicher das Land. Wir umkreisen mehrmals den rot-weiß gestrichenen Leuchtturm und folgen dann einer Katze, die durch eine vom Oxmann eingeschlagenen Tür ins Innere huscht. Dort sitzen Jay, Tom und Derek, an einem Schreibtisch – vor ihnen das Buch des Grauenjägers – und bereiten gerade die neue Sendung des Radiosenders vor, der so heißt wie die Stadt.

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Willkommen in Point Whitmark.

Hörspiele sind eine besondere Form der Unterhaltung. Legt die CD ein, setzt die Kopfhörer auf, drückt auf Play, schließt die Augen und taucht in eine andere Welt ein. Haben die Macher ihre Arbeit gut gemacht, entstehen dabei Bilder dieser Welt vor den geschlossenen Augen. Man wird von der Atmosphäre mitgerissen und hat das Gefühl direkt dabei zu sein. So geht es mir zumindest, wenn ich wieder eine neue Folge von Point Whitmark einlege. Aber alles der Reihe nach.

Anfang 2001 wurde der deutsche Hörspielmarkt von einer Serie um drei Juniordetektive aus Rocky Beach dominiert, deren Erkennungszeichen drei Fragezeichen sind. Von den drei Satzzeichen waren bis dato an die 90 Folgen erschienen, wobei sich die Qualität der Geschichten und der Hörspielproduktion auf einem eher durchschnittlichen Niveau eingependelt hatte.

Da kam der Musik- und Hörspielproduzent Volker Sassenberg auf die Idee, dass man das auch besser machen könne. Um überhaupt Chancen auf dem Markt zu haben, lehnte man sich an das große Vorbild an, aber mit dem Anspruch auf Eigenständigkeit und höhere Produktionsqualität. Point Whitmark war geboren.

Was zunächst als billiger ???-Abklatsch belächelt wurde, entwickelte sich schnell zum Geheimtipp.

Bei der Produktion legte man viel Wert aufs Detail und machte vieles richtig, was bei Europa falsch bzw. lieblos gemacht wurde. Das fängt schon bei der Titelmusik an. Wo bei den Drei Fragezeichen ein liebloses Synthiegedudel die Folgen einleitet, beginnt Point Whitmark mit einer wunderschönen und atmosphärisch dichten Titelmusik, die alles auf den Punkt bringt, was die Qualität der Serie ausmacht. Aber auch die restliche Musik kommt nicht etwas aus der Konserve, sondern wurde, teilweise sogar, von einem Orchester eingespielt.

Doch kommen wir zum wichtigsten – den Sprechern. Auch hier kann PW auf der ganzen Linie überzeugen, neben der Stammbelegschaft, sind auch die kleinsten Nebenrollen von Topsprechern besetzt.

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Sprecher und Historie

Jay LawrenceSven Plate ist vielen noch als Sprecher von Wesley Crusher aus Star Trek – The Next Generation bekannt.

Tom ColeKim Haspers konnte zu Letzt als Stimme von Robert Ford in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ überzeugen.

Derek Ashby Gerrit Schmidt-Foss dürfte den Meisten als Stimme von Leonardo DiCaprio bekannt sein, wobei er mir als ewig als Dawson aus „Dawson’s Creek“ in Erinnerung bleiben wird.

Ein besonderes Highlight der Serie ist (der inzwischen leider verstorbene) Heinz Ostermann als stets gut gelaunter Vater Callahan, der die drei Freunde tatkräftig unterstütz und eine Vorliebe für exotisches Essen und Gebräuche hat.

Mit einigen Startschwierigkeiten, hat es die Serie trotzdem geschafft sich auf dem Hörspielmarkt zu behaupten. Sie gewann zahlreiche Awards und immer mehr Fans. So erschienen zwischen Februar 2001 und Oktober 2001 10 Folgen die durchgehend ein hohes Niveau halten konnten. Umso mehr überraschte es die Fans, als man plötzlich nichts mehr von der der Serie hörte. Es wurden keine neuen Folgen angekündigt, aber man erfuhr auch nicht warum. Als sei die Serie einfach wieder verschwunden. Erst nach einiger Zeit kam heraus, dass Edelkids den Vertrieb von Point Whitmark eingestellt hatte. Die genauen Gründe dafür, kann man im Interview mit Volker Sassenberg nachlesen.

Die Durststrecke dauerte 2 ½ Jahre. Dann kehrte Point Whitmark mit einem Paukenschlag bei dem Label Kiddinx zurück. Mit gleich zwei Highlights kehrte man zurück und setzte Produktionstechnisch und Atmosphärisch noch einen drauf. Die beiden Folgen „Die Nacht der ewigen Fliegen“ und „Im Bann der Totenmelodie“ weckten hohe Erwartungen und machten Lust auf mehr. Leider war es damit nach vier weiteren Folgen schon wieder vorbei. Doch diesmal dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr. Mit Universal, erschienen die neuen Folgen nun bei demselben Vertriebspartner, bei dem auch schon Gabriel Burns erscheint.

Den besonderen Reiz dieser Serie macht vor allem die dichte Atmosphäre aus, die mit Hilfe von Musik, Geräuschen, Sprechern und passender Geschichten erzeugt wird. Beim einmaligen Hören fällt einem vielleicht nicht auf wie aufwendig und mit wie viele Liebe zum Detail das Ganze produziert wird. Aber genau das spricht für die Qualität der Produktion. Die ganzen kleinen Details werden so geschickt zu einem stimmigen ganzen komponiert, dass dabei mehr als nur die Summe der einzelnen Teile herauskommt. Man merkt gar nicht, wie sich die Atmosphäre zusammensetzt, weil man von dieser so gebannt ist, dass man gar nicht dazu kommt auf die Kleinigkeiten zu achten.

Dazu kommen die schrägen und liebenswerten Figuren, die Point Whitmark bevölkern. Sie sind es, die dafür sorgen, dass sich der Hörer bei jeder neuen Folge wieder wie zu Hause fühlt. Die Kulisse Neu Englands eignet sich hervorragend für zahlreiche von Mythen und Legenden durchsetze Geschichten. Die geografische Lage, direkt am Meer, aber auch in der Nähe zu Bergen und großen Wäldern, sorgt für viel Abwechslung.

Abgerundet wird die ganze Produktion von den stimmungsvollen Titelbildern die – mal mehr, mal weniger – zum Inhalt der Folgen passen, und der Serie ihren eigenen Look verpassen.

Einziger Kritikpunkt bei dieser, sonst so hochprofessionellen Produktion, ist der Internetauftritt. Diese Seite beschränkt sich darauf, sämtliche Folgencover abzubilden, und diese mit amazon.de zu verlinken. Hintergrundinformationen zur Serie sucht man hier vergebens. Da besteht noch einiges Ausbaupotenzial. Wie wäre es denn mal mit einer Karte von Point Whitmark, oder einer Auflistung der Einwohner, samt deren Eigenheiten? Oder ein Abschnitt zur Geschichte von Point Whitmark?

Ansonsten ist Point Whitmark eine tolle Hörspielserie für Jugendliche und Erwachsene. Aufgrund der Härte einiger Folgen sollten Kinder unter 12 Jahren allerdings die Finger davon lassen.

In Teil 2 folgt dann eine kurze Vorstellung der ersten 22 Folgen.