Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 8

Keine Angst, ich werde hier auch noch andere Artikel veröffentlichen als nur die Netzstreifzüge. Momentan habe ich eine größere Artikelserie über die amerikanische Kleinstadt in TV-Serien in Planung bzw. Arbeit.

The Meteoric Rise and Fall of Gnome Press – Auf Kirkusreviews.com beschreibt Andrew Liptak, wie sich die Science Fiction nach Ende des 2. Weltkriegs von den Magazinen weg zur Buchindustrie bewegt hat (was für Leser und Autoren gar nicht schlecht war, da Geschichten in Magazinen nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden, während Bücher längerfristig erhältlich bleiben). Diesen kulturellen Wandel beschreibt er anhand des Aufstiegs und Falls des Verlags Gnome Press, die (heute) berühmte Autoren wie Robert Heinlein, Isaac Asimov, Clifford Simak (okay, der ist nicht ganz so bekannt), L. Spraugue de Camp, Frederick Pohl, Robert Silverberg, L. Ron Hubbard und andere einem breiteren Publikum bekannt gemacht hat.

33 SF/F Books Coming Out In April 2014 That You Need To Read – auf Buzzfeed.com stellt (ebenfalls) Andrew Liptak 33 Bücher vor, die im April erscheinen, und die man lesen solle. Das Schöne ist, er stellt nicht nur die Cover rein, sondern merkt auch zu jedem Buch an, warum es interessant sein könnte. Mich interessiert am meisten The Forever Watch von David Ramirez.

David Anthony Durham – wird auf der Bibliotheka Phanastika vorgestellt. Seine Acacia-Trilogie gehört zur aufregendsten Fantasy der letzten Jahre. Zuvor hat Durham sich schon einen Namen als Autor von historischen Romanen gemacht. Anmerkung: Der in der Bibliographie erwähnte dritte Band: 2011: Acacia – The Sacred Band/Acacia – Reiche Ernte ist in der deutschen Fassung erst für 2016 angekündigt.

Buch-Crowdfunding: Nie war es leichter, Verleger zu sein – Ich stehe Crowdfundingprojekten grundsätzlich skeptisch gegenüber, und habe noch nie etwas gespendet, da ich es nicht in Ordnung finde, dass die Investoren nicht an etwaigen Gewinnen beteiligt werden. Dass es die durchaus geben kann, zeigt die aktuelle Geschichte um den milliardenschweren Verkauf von Oculus Rift, deren Prototyp per Kickstarter finanziert wurde. Dieser Artikel auf Spiegelonline stellt ein interessantes und aufwendiges Buchprojekt über die Geschichte des Rollenspiels vor, das ohne Crowdfunding kaum möglich gewesen wäre. Ich bin nie ein großer Rollenspieler gewesen, was aber mehr an einem Mangel an Gelegenheiten lag, als an Unlust, hege aber große Sympathien dafür und mag die davon beeinflusste Literatur und die Computerspiele sehr.

The Wars of the Roses, the Battle of Towton und Allusions in A Song of Ice und FireAdam Whitehead hat einen ausführlichen Artikel über die Schlacht von Towton geschrieben, und welchen Einfluss sie und der historische Kontext in dem sie stattfand (Rosenkrieg), auf Game of Thrones haben.

Die Elfen 9: Tod in der Nachtzinne – Markus Mäurer hat für den Fantasyguide die neunte Folge der Elfenhörspiele rezensiert. Mit jeder neuen Folge wird es schwieriger, sich noch etwas Neues zum Besprechen einfallen zu lassen, was nicht mit dem Inhalt selbst zu tun hat. Und auch hier kann man nicht zu viel schreiben, weil man sonst zu viel verrät. Deshalb ist sie so kurz ausgefallen.

Es bleibt anzumerken, dass Die Elfen aktuell die einzige verlässlich erscheinende Fantasyhörspielserie ist. Drizzt, die beste von allen, wurde bereits 2010 eingestellt; angeblich, weil die Macher keinen Bock mehr hatten. Von Abseits der Wege, die zweitbeste und originellste, ist seit 2009 keine Folge mehr erschienen; wohl wegen Rechtsstreitigkeiten und jüngst auch dem Tod des Erzählers Heinz Ostermann. Dragonbound hat seine erste Staffel nach 10 Folgen 2012 beendet, Gerüchten zufolge soll es aber eine zweite Staffel geben. Auf die peinliche Posse um Die letzten Helden, von der 2010 die letzte Folge erschienen ist, und seitdem nur vollmundige Ankündigungen, fange ich lieber erst gar nicht an.
Wer also Fantasy (und nicht Sherlock Holmes, Grusel oder die ???) im Hörspielformat genießen möchte, kommt an Die Elfen gar nicht vorbei. Dabei gibt es so einiges, was mir an den Hörspielen nicht so gefällt. Seufz. Da denke ich wirklich wehmütig an Drizzt und Abseits der Wege zurück, deren Qualität bisher nicht wieder erreicht wurde.

Nachtrag: Habe bei den Hörspielen noch Die Chroniken der Drachenlanze vergessen, deren Veröffentlichungsrythmus aber ein ähnliches Drama ist, wie bei Die letzten Helden. Erscheint beides bei Holysoft. Ich halte die Drachenlanze leider auch leider nur für sehr mittelmäßig bis schwach inszeniert. Da helfen auch die vielen bekannten Synchronsprecher nichts.

Empfehlenswerte Hörspiele: Point Whitmark (Teil1)

Vorweg: Tut mir leid, fals hier im Text plötzlich Werbung auftaucht. Die hat WordPress automatisch reingebaut. Ich werde demnächst ein paar Dollar in das kostenpflichtige Angebot investieren, damit das nicht mehr vorkommt.

Da meine kostbare Zeit momentan nicht nur von meiner aktuellen Übersetzung, sondern auch von einer Teilzeitstelle beansprucht wird, die ich gestern angefangen habe, fehlt mir ein wenig die Zeit für ausführliche Beiträge. Damit sich hier aber was tut, betreibe ich ein wenig Artikel-Nekromantie und veröffentliche an dieser Stelle einen Text, der 2008 auf Fantasyguide.de erschienen ist. Da er etwas lang ist, hier zunächst Teil 1, in Teil 2 wird es dann Kurzinfos zu den ersten 22 Folgen geben.
Ich habe nicht nur eine Vorliebe für Bücher, Serien und Filme, sonder auch für Hörspiele. Bin ein klassisches Kassettenkind der 80er Jahre.
2008 habe ich Volker Sassenberg (Point Whitmark, Gabriel Burns, Abseits der Wege) per Telefon interviewt. Dazu gab es dann noch einen einführenden Artikel zu meiner liebsten Hörspielreihe:

Spezial zur Hörspielreihe Point Whitmark

Redakteur: Markus Mäurer

B0000YWFYUDie Reise beginnt in den Tiefen der nördlichen Minen. Ein schreckliches Heulen durchreißt die Stille. Von gezüchteten Killermaschinen gejagt, hetzen wir durch die undurchdringliche Dunkelheit, umgeben von tonnenschwerem Gestein. Nach einer schier endlosen Hatz brechen wir durch den Eingang des Berges und fliehen hinaus in die Endlosigkeit der Wälder New Englands. Die Sicht bleibt eingeschränkt, denn ein dichter, undurchdringlicher Nebel hat sich über den Wald gelegt.

Ein schauerlicher Schrei, der direkt aus dem Nebel kommt, treibt uns weiter an, denn nun befinden wir uns im Reich von Murach-Tabor – der riesigen Nebelspinne. Dann endlich sind wir schnell genug und erheben uns in die Lüfte, wie einst der Wampumvogel mit seinen mächtigen Schwingen. Wir wenden uns Richtung Küste. Unser Blick schweift über die Unberührtheit der Natur, die langsam nachlässt. Vereinzelte Anzeichen menschlicher Zivilisation tauchen auf, eine Hütte hier, eine Straße da.

Dann eine große stählerne Kuppel – ein Observatorium, an dessen kalten Mauern eine Gestalt, einem kalten Phantom gleich, entlang kriecht. Doch schon sind wir weiter, und die ersten Lichter einer Siedlung tauchen in der Ferne auf. Unter uns ein Kürbisfeld, in dessen Mitte die Dunkelmühle steht, deren Windräder sich in der sturmdurchtosten Nacht drehen. Waren das Federn? Aber wir sind schon dran vorbei. Erste Häuser tauchen auf, ein indianisches Langhaus, ein Turm wie von einer Ritterburg.

Wir haben die Kirche erreicht. Auf dem angrenzenden Friedhof hebt Vater Callahan gerade sein eigenes Grab aus, während sich die Hadeskutsche mit quietschenden Reifen nähert. Weiter geht unser Flug, vorbei am Museum, durch dessen Fenster wir eine einsame Mumie sehen. Vorbei am Polizeirevier, aus dem wir die markant brüllende Stimme von Sheriff Baxter hören, während ein kahl geschorener Deputy gerade das Gebäude verlässt.

Wir erreichen die Küste, überqueren eine Bucht aus der 22 qualvolle Schreie zu uns emporsteigen, und werden vom Bann der Totenmelodie weiter in die offene See gelockt. Doch bevor wir die Insel der letzten Rache erreichen, schwenken wir auf der Route des Schattenadmirals ein, zurück zur Küste. Geleitet von einem Leuchtturmfeuer erreichen wir sicher das Land. Wir umkreisen mehrmals den rot-weiß gestrichenen Leuchtturm und folgen dann einer Katze, die durch eine vom Oxmann eingeschlagenen Tür ins Innere huscht. Dort sitzen Jay, Tom und Derek, an einem Schreibtisch – vor ihnen das Buch des Grauenjägers – und bereiten gerade die neue Sendung des Radiosenders vor, der so heißt wie die Stadt.

B000IFSEGO

Willkommen in Point Whitmark.

Hörspiele sind eine besondere Form der Unterhaltung. Legt die CD ein, setzt die Kopfhörer auf, drückt auf Play, schließt die Augen und taucht in eine andere Welt ein. Haben die Macher ihre Arbeit gut gemacht, entstehen dabei Bilder dieser Welt vor den geschlossenen Augen. Man wird von der Atmosphäre mitgerissen und hat das Gefühl direkt dabei zu sein. So geht es mir zumindest, wenn ich wieder eine neue Folge von Point Whitmark einlege. Aber alles der Reihe nach.

Anfang 2001 wurde der deutsche Hörspielmarkt von einer Serie um drei Juniordetektive aus Rocky Beach dominiert, deren Erkennungszeichen drei Fragezeichen sind. Von den drei Satzzeichen waren bis dato an die 90 Folgen erschienen, wobei sich die Qualität der Geschichten und der Hörspielproduktion auf einem eher durchschnittlichen Niveau eingependelt hatte.

Da kam der Musik- und Hörspielproduzent Volker Sassenberg auf die Idee, dass man das auch besser machen könne. Um überhaupt Chancen auf dem Markt zu haben, lehnte man sich an das große Vorbild an, aber mit dem Anspruch auf Eigenständigkeit und höhere Produktionsqualität. Point Whitmark war geboren.

Was zunächst als billiger ???-Abklatsch belächelt wurde, entwickelte sich schnell zum Geheimtipp.

Bei der Produktion legte man viel Wert aufs Detail und machte vieles richtig, was bei Europa falsch bzw. lieblos gemacht wurde. Das fängt schon bei der Titelmusik an. Wo bei den Drei Fragezeichen ein liebloses Synthiegedudel die Folgen einleitet, beginnt Point Whitmark mit einer wunderschönen und atmosphärisch dichten Titelmusik, die alles auf den Punkt bringt, was die Qualität der Serie ausmacht. Aber auch die restliche Musik kommt nicht etwas aus der Konserve, sondern wurde, teilweise sogar, von einem Orchester eingespielt.

Doch kommen wir zum wichtigsten – den Sprechern. Auch hier kann PW auf der ganzen Linie überzeugen, neben der Stammbelegschaft, sind auch die kleinsten Nebenrollen von Topsprechern besetzt.

B000ZYEZU2

Sprecher und Historie

Jay LawrenceSven Plate ist vielen noch als Sprecher von Wesley Crusher aus Star Trek – The Next Generation bekannt.

Tom ColeKim Haspers konnte zu Letzt als Stimme von Robert Ford in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ überzeugen.

Derek Ashby Gerrit Schmidt-Foss dürfte den Meisten als Stimme von Leonardo DiCaprio bekannt sein, wobei er mir als ewig als Dawson aus „Dawson’s Creek“ in Erinnerung bleiben wird.

Ein besonderes Highlight der Serie ist (der inzwischen leider verstorbene) Heinz Ostermann als stets gut gelaunter Vater Callahan, der die drei Freunde tatkräftig unterstütz und eine Vorliebe für exotisches Essen und Gebräuche hat.

Mit einigen Startschwierigkeiten, hat es die Serie trotzdem geschafft sich auf dem Hörspielmarkt zu behaupten. Sie gewann zahlreiche Awards und immer mehr Fans. So erschienen zwischen Februar 2001 und Oktober 2001 10 Folgen die durchgehend ein hohes Niveau halten konnten. Umso mehr überraschte es die Fans, als man plötzlich nichts mehr von der der Serie hörte. Es wurden keine neuen Folgen angekündigt, aber man erfuhr auch nicht warum. Als sei die Serie einfach wieder verschwunden. Erst nach einiger Zeit kam heraus, dass Edelkids den Vertrieb von Point Whitmark eingestellt hatte. Die genauen Gründe dafür, kann man im Interview mit Volker Sassenberg nachlesen.

Die Durststrecke dauerte 2 ½ Jahre. Dann kehrte Point Whitmark mit einem Paukenschlag bei dem Label Kiddinx zurück. Mit gleich zwei Highlights kehrte man zurück und setzte Produktionstechnisch und Atmosphärisch noch einen drauf. Die beiden Folgen „Die Nacht der ewigen Fliegen“ und „Im Bann der Totenmelodie“ weckten hohe Erwartungen und machten Lust auf mehr. Leider war es damit nach vier weiteren Folgen schon wieder vorbei. Doch diesmal dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr. Mit Universal, erschienen die neuen Folgen nun bei demselben Vertriebspartner, bei dem auch schon Gabriel Burns erscheint.

Den besonderen Reiz dieser Serie macht vor allem die dichte Atmosphäre aus, die mit Hilfe von Musik, Geräuschen, Sprechern und passender Geschichten erzeugt wird. Beim einmaligen Hören fällt einem vielleicht nicht auf wie aufwendig und mit wie viele Liebe zum Detail das Ganze produziert wird. Aber genau das spricht für die Qualität der Produktion. Die ganzen kleinen Details werden so geschickt zu einem stimmigen ganzen komponiert, dass dabei mehr als nur die Summe der einzelnen Teile herauskommt. Man merkt gar nicht, wie sich die Atmosphäre zusammensetzt, weil man von dieser so gebannt ist, dass man gar nicht dazu kommt auf die Kleinigkeiten zu achten.

Dazu kommen die schrägen und liebenswerten Figuren, die Point Whitmark bevölkern. Sie sind es, die dafür sorgen, dass sich der Hörer bei jeder neuen Folge wieder wie zu Hause fühlt. Die Kulisse Neu Englands eignet sich hervorragend für zahlreiche von Mythen und Legenden durchsetze Geschichten. Die geografische Lage, direkt am Meer, aber auch in der Nähe zu Bergen und großen Wäldern, sorgt für viel Abwechslung.

Abgerundet wird die ganze Produktion von den stimmungsvollen Titelbildern die – mal mehr, mal weniger – zum Inhalt der Folgen passen, und der Serie ihren eigenen Look verpassen.

Einziger Kritikpunkt bei dieser, sonst so hochprofessionellen Produktion, ist der Internetauftritt. Diese Seite beschränkt sich darauf, sämtliche Folgencover abzubilden, und diese mit amazon.de zu verlinken. Hintergrundinformationen zur Serie sucht man hier vergebens. Da besteht noch einiges Ausbaupotenzial. Wie wäre es denn mal mit einer Karte von Point Whitmark, oder einer Auflistung der Einwohner, samt deren Eigenheiten? Oder ein Abschnitt zur Geschichte von Point Whitmark?

Ansonsten ist Point Whitmark eine tolle Hörspielserie für Jugendliche und Erwachsene. Aufgrund der Härte einiger Folgen sollten Kinder unter 12 Jahren allerdings die Finger davon lassen.

In Teil 2 folgt dann eine kurze Vorstellung der ersten 22 Folgen.