Extrem-Übersetzing

Auf Welt.de berichtet eine der Übersetzerinnen des neuen Buchs von J. K. Rowling, unter welch absurden Umständen, das Werk ins Deutsche übersetzt wurde:http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article109520558/Die-Leute-vor-der-Tuer-durften-wir-nicht-fragen.html#dsq-reply

Der deutsche Verlag hatte ihnen eine Wohnung in London gemietet. Zum Übersetzen mussten sie in einen abgeschlossenen Raum, wo sie angekettet, also der Laptop war angekettet, innerhalb von vier Wochen!!! das gesamte Buch übersetzen mussten.

Wenn ich das so lese, wundert es mich, das die beiden nicht nach getaner Arbeit erschossen wurden, oder sich in einer seltsamen Stadt wiederfanden, in der es statt Namen Nummern gab und wo eine bedrohliche weiße Blase dafür sorgt, dass sich niemand aus dem Staub macht.

Da müsste man mir aber schon verdammt viel zahlen, damit ich einen solchen Zirkus mitmache.

Dass hier im Blog momentan relative Funkstille herrscht, liegt daran, dass ich bis Montag eine Hausarbeit fertig schreiben muss. Ab dann melde ich mich wieder regelmäßiger zu Wort.

Die dunkle Seite der Macht: E-Books

Ja Cäsar, auch ich bin zur dunklen Seite der Macht übergelaufen. Über Jahre habe ich mich dem Trend zum E-Book verweigert. Bücher waren für mich etwas, dass ich fühlen und riechen musste. Der wohlige Geruch vergilbter Seiten setzt bei mir Erinnerungen an besondere Leseerlebnisse frei, ebenso wie das raue Gefühl eines faltigen Buchrückens einer zerlesenen Ausgabe.

Mein Blick schweift nicht einfach über meine Bücherregale, sondern über mein bisheriges Leben. Jedes Buch ist mit einer bestimmten Zeit verknüpft, mit dem Ort, an dem ich es gekauft habe, der Lebenssituation in der ich es gelesen habe, vielleicht sogar mit besonderen Ereignissen, die damals in der Welt geschehen sind.

Die grellgelb leuchtende mahnende Erinnerung von „Fool on the Hill“ von Matt Ruff, das mich in meinem ersten Studium vermutlich ein Semester gekostet hat, weil ich es in einer Nacht bis zum Morgengrauen durchlesen musste und so die Anmeldung zu einem Seminar verpasst habe.

Da ist der pechschwarze Buchrücken von „House of Leaves“, der mich jeden Morgen wie ein bösartig klaffender Abgrund erwartet und mir auch nach Jahren noch eine wohlige Gänsehaut verursacht.

„Die Stadt Gottes“, die mich bei meiner wunderbaren Reise durch Brasilien begleitet hat und die exotischen Eindrücke, die auf mich einprasselten, in einen literarischen Kontext setzte.

Die berühmte grüne Kassette, die ganz Mittelerde mit seinen Hobbits, Orks, dunklen Herrschern und Zauberern beherbergt und mich während meiner bettlägerigen Zeit mit einem Kreuzbandriss im Knie durch ferne Welten mit schrecklichen Gefahren (und Elben) laufen ließ.

Ich weiß noch genau, wie ich vom Parkhaus zurück zur Buchhandlung gelaufen bin, weil mich der aberwitzige Klappentext von „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ nicht losgelassen hat, und ich mit einem wundervollen Wochenende voll hysterischem Gelächter belohnt wurde.

Jedes dieser Bücher ist mehr als nur sein Inhalt. Sie sind eine Erinnerung, die über das Geschriebene hinausgeht und die in meinem Kopf etwas Einzigartiges entstehen lassen. Diese Bündel aus gebundenem, bedruckten Papier haben etwas Vertrautes, sie vermitteln Geborgenheit und Sicherheit.

Aber manchmal wird es Zeit, dass man sich auf ein neues Abenteuer einlässt. Dass man unerschrocken in die Zukunft blickt, sich nicht vor ihr fürchtet, sondern sie sich zu Nutzen macht, lernt das Neue zu genießen.

Warum sollte meine Erinnerung an als E-Book gelesenes Buch schlechter sein, als die papierene Erinnerung? Das Buch im Regal ist ja nur ein Reizgeber, so wie der Titel eines Romans oder Name des Autors. Ob das Leseerlebnis das Gleiche sein wird? Ob die Erinnerung genauso schön sein wird? Ich weiß nicht? Aber ich bin entschlossen, es herauszufinden.

Im nächsten Blogeintrag gehe ich dann auf die weniger sentimentalen und eher praktischen Aspekte von E-Books ein.

Veranstaltungstipp: Seminar für angehende Literaturübersetzer

Hier ein Veranstaltungstipp für Leute, die mit dem Gedanken spielen Literaturübersetzer zu werden, oder sich schon konkret in der Planung und Umsetzung befinden: http://www.literaturuebersetzer.de/pages/seminare-archiv/berufskunde12.htm

Einmal im Jahr (dieses Jahr am 17.09) findet im Literarisches Colloquium Berlin (LCB) ein eintägiges Einsteigerseminar für angehende Literaturübersetzer statt. Durchgeführt von Jochen Schwarzer (hat z.B. Patrick Rothfuss ins Deutsche übersetzt) und Claudia Steinitz (die aus dem Französischen übersetzt und Einblicke in den Übersetzerbetrieb jenseits der Englischübersetzungen bietet). Die Teilnahme kostet 10 Euro und bietet dafür auch eine warme Mahlzeit und Getränke.

Ups, ich sehe gerade, dass gestern schon Anmeldeschluss war, aber ich bin sicher, dass Interessierte bei Anfrage noch teilnehmen können.

Ich habe letztes Jahr an dieser Veranstaltung teilgenommen und kann sie wirklich weiterempfehlen. Ich habe dort meine Idee zu diesem Blog bekommen (der ging noch am selben Abend online), als es darum ging, ob ein Übersetzer eine eigene Homepage braucht. Die meisten haben übrigens keine. Ich dachte, mit einem Blog könne ich mich gut von meinen „Konkurrenten“ abgrenzen, vor allem mit einem themenbezogenen.

Das Seminar ist aber nicht nur wegen der beiden Referenten interessant, die einen guten Einblick in die formalen Anforderungen des Berufes geben und aus ihren eigenen Erfahrungen berichten, sondern auch wegen der ganzen anderen Berufseinsteiger, die man dort kennenlernt und mit denen man sich austauschen kann.

Kaiserzombies – künftige Übersetzungen

Hier eine Meldung vom Atlantis Verlag, die mich auch betrifft:

Atlantis hat sich die Rechte an Joseph Nassises Roman “By the Blood of Heroes” gesichert, der im Sommer in den USA erschien. Der Autor von “Die Chroniken der Templer” und “Die Hunter-Chroniken” schildert in seinem neuesten Werk, einem Alternativwelt-Roman, den Kampf gegen die untote Armee des deutschen Kaisers im Jahre 1917. Mehr Informationen über die US-Ausgabe sind hier zu finden. Den Roman ins Deutsche übersetzen wird Markus Mäurer, das Titelbild wird Mark Freier zeichnen.

Quelle: http://atlantisverlag.wordpress.com/2012/09/04/2013-by-the-blood-of-heroes/
Einen Erscheinungstermin gibt es noch nicht. Es wird aber noch mindestens ein Jahr dauern, da ich die 350 englischen Seiten im Laufe des nächsten Jahres übersetzen werde. Mal schauen, wie schnell ich damit fertig sein werde.

Dazu kommt noch eine weitere Übersetzung für den Festa Verlag, zur Abwechslung mal nicht Edward Lee, sondern ein anderer Autor, der auch schon bei Festa erschienen ist.
Aber erst muss ich  Lee/White fertig übersetzen.

Rocky oder zwei Geheimnisse werden gelüftet

Geheimnis Nr. 1: Mein Arbeitsplatz in meiner Westerwälder Sommerresidenz. Wie man sieht, arbeite ich hier nicht an einem Schreibtisch, sondern mit einem fahrbaren Fernsehtisch. Dieses Gefährt ist absolut perfekt für meine Computernutzung, da ich so den Laptop zu beliebigen Sitzplätzen einfach verschieben kann. Die Tastatur liegt beim Tippen sowieso auf meinen Beinen. Das kleine Sofa ist das Equivalent zu meinem Berliner Sessel und viel bequemer als ein Bürostuhl, auch wenn dieser Anblick Ergotherapeuten vermutlich das kalte Grausen bereiten wird. Zum Ausgleich treibe ich auch viel Sport (Fußball, Joggen, Radfahren).

Normalerweise legen mir die Originaltexte als PDF Dateien vor, die ich dann ausdrucke und als einzelnes Blatt auf die Tastatur des Laptops lege. Bei meiner aktuellen Übersetzung habe ich aber nur das Originalbuch. Das ist etwas Umständlicher, aber dank des Leseständers funktioniert es auch. Der X-Box Controller liegt genau an dieser Stelle, um die Seiten an Ort und Stelle zu halten. Übersetzen ist auch immer ein wenig Improvisation. Es sind auch nur 100 Seiten und die nächsten beiden Übersetzungen werde ich wieder als PDF Datei haben.

Damit kommen wir auch zu Geheimnis Nr. 2: Wie man auf dem Bild sieht, handelt es sich bei meiner aktuellen Übersetzung um die Novelle „The Teratologist“ von Edward Lee und Wrath James White. Hier geht es um einen Mann, der durch möglichst große Schandtaten das Erscheinen Gottes provozieren möchte. Mehr verrate ich noch nicht.

Bei meiner letzten Übersetzung für Festa handelte es sich auch um eine Novelle von Edward Lee. Lee ist als König des Splatterpunk bzw. des extremen Horrors bekannt. Wenn man also glaubt, schon alles Eklige und Brutale gelesen zu haben, dann sollte man Mal Edward Lee eine Chance geben. Man wird staunen. J

Anders als viele andere „Ekelautoren“ ist Lee aber ein wirklich guter Schriftsteller, der die Gewalt nicht nur um ihrer selbst willen inszeniert, sondern alles in eine gute Geschichte mit ordentlich herausgearbeiteten Figuren einbettet.

So auch bei „The Pig“, das vermutlich als „Das Schwein“ in einer Sonderedition erscheinen wird. Hier geht es um den jungen Studenten Leonard und wie seine Ambitionen als anspruchsvoller Filmemacher Karriere zu machen in Schulden bei der Mafia endet, die ihn dazu zwingt, Tierpornos und Snufffilme zu drehen. Man kann es also schon ahnen, „Das Schwein“ ist nichts für zarte Gemüter. Die Geschichte gilt selbst unter den Werken von Edward Lee als extrem, und wer Geschichten von Edward Lee kennt, weiß, dass das schon etwas heißen muss.

Als Einstieg zu den Büchern von Lee empfehle ich die kürzlich bei Festa erschienenen Romane „Haus der bösen Lust“ und „Bighead“, danach kann man es sich ja noch überlegen, ob man sich an „Das Schwein“ herantrauen möchte. Um einen filmischen Vergleich heranzuholen, würde ich die Novelle als eine Mischung aus „Black Emanuelle in America“ (mit der berühmt berüchtigten Szene) und „A Serbian Film“ beschreiben. Aber stilistisch sehr gut geschrieben. Die Biografie des armen Leonard geht wirklich unter die Haut.

Wann das Buch genau erscheint, weiß ich nicht. Werde es aber hier verkünden.

P.S. die Rocky-Fahne habe ich übrigens kürzlich wieder auf dem Speicher entdeckt. Die habe ich schon seit der Grundschule (damals habe ich die ersten beiden Rocky-Filme bei Nachbarn gesehen). Witzigerweise habe ich im letzten Semester ein Referat über den Amerikanischen Traum gehalten, bei dem auch der Film „Rocky“ und die Karriere von Sylvester Stallone eine wichtige Rolle spielten.  Auf dem zweiten Foto sieht man im Hintergrund ein Foto des Big Lebowski beim Bowlen mit Walter und Donnie. Tja so ändern sich die Vorbilder mit der Zeit. J