Captain Future: Werkstattbericht Teil 1

Ihr müsst also umgehend handeln, um euer Leben zu retten. Die Wissenschaftler, die behauptet haben, es würde keine Gefahr bestehen, sind geflohen, um ihr eigenes Leben zur retten. Die Regierung, die behauptet, es bestehe keine Gefahr, tut nichts, um sie abzuwenden. Wenn ihr euch also nicht erhebt und die Regierung zwingt, mir die Macht zu übergeben, die es mir ermöglicht, uns in dieser schicksalshaften Stunde zu retten, dann seid ihr und eure Familien und eure Völker, und vielleicht sogar all unsere Welten dem Untergang geweiht!«

Das ist einer der wenigen Absätze in meiner Übersetzung, der (fast) ganz ohne den Rotstift des Lektors auskommt. Ich gehe gerade die fertig lektorierte Fassung durch und freue mich über jeden Satz, der vollständig in Schwarz verblieben ist.
Alles, was Rot geworden ist, ist Material, von dem ich lernen kann. In den nächsten Tagen werde ich hier einige Beispiele präsentieren.
Das Lektorat ist durch, jetzt muss das Buch noch ins Korrektorat und dann in den Satz.

Beispiele:

Einen Moment später sprach er hastig.zischte er: »Jetzt!«

Das ist wohl eindeutig. „zischte er“ ist kurz und knapp, nicht so umständlich formuliert, wie meine Version. (Da ist allerdings das „später“ zu viel durchgestrichen, merke ich gerade.)

Er rief mMit lauter Stimme rief er,: »Grag! Otho!«

Solche Änderungen der Satzstellung gab es häufig, da ich mich zu selten von der englischen Vorlage getrennt habe.

Und dort begannen sie ihre Arbeit anmachten sie sich daran, künstlichen Lebewesen zu erschaffen.

Hört sich irgendwie besser und dramatischer an. Es ist ja auch schon klar, dass sie erfolgreich waren. Mit den künstlichen Lebewesen sind natürlich der Androide Otho und Grag der Roboter gemeint.

Er hatteZusammen mit Otho, und dem Gehirn und dem kleinen Mondwelpen mit den strahlenden Augen, der spielerisch auf seinem Arm kaute, hatte er da gestanden und zugehört.

Da war ich hatte ich wieder die englische Satzstruktur übernommen, in der das Subjekt zuerst kommt. Im Deutschen versucht man in der Regel, diese Struktur aufzubrechen. Außerdem verwendet man im Deutschen nicht häufig „und“ in einer Aufzählung, sondern nur am Ende.

Der Mondwelpe war telephatisch begabt, …

Typischer SF-Satz. Das Englische „he was telepathic“ muss im Deutschen noch um das „begabt“ ergänzt werden.

Das war es jetzt erst mal mit Beispielen. Ich will nicht zu viel in einen Eintrag packen. Ich werde auch nur Beispiele nehmen, die nichts von der Handlung spoilern.

Und keine Angst, Lektor Hannes Riffel war sehr aufmerksam und tüchtig. Der fertige Fassung wird man nicht anmerken, dass meine Übersetzung stellenweise etwas holprig war.

 

 

 

Ein paar Neuigkeiten zu meinen aktuellen Übersetzungen

Captain Future02 – Erde in Gefahr wird auf der Verlagshomepage jetzt für März 2013 angekündigt. Beim aktuellen Stand des Lektorats halte ich das auch für einen realistischen Termin.
Das Schwein von Edward Lee ist jetzt als E-Book erschienen, und hat schon eine erste heftige Reaktion hervorgerufen. Royston Vasey schreibt im Horror-Forum:

Um es mal mit der expliziten Sprache des Buches zu beschreiben: Dieses Stück Schundliteratur ist ein krankes Stück Rotz für ebenso kranke Idioten.

Hier seine komplette Kritik: http://www.horror-forum.com/p109565-edward-lee-das-schwein.html#post109565

Auch zu Jacks magische Bohnen von Brian Keene gibt es erste Lesermeinungen.
Michael2410 schreibt auf Amazon.de:

Insgesamt macht das für mich vier Sterne (mathematisch korrekt wären 4,1 Sterne, super…) für eine solide Sammlung von kurzen Geschichten von Brian Keene, der für mich sowas wie der Prinz des Horrors ist, wenn man Stephen King als den King nimmt, was ich auf jeden Fall mache!

Hier seine komplette Kritik: http://www.amazon.de/review/R2NZFZI5BMJ67Y/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3864020387&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books

Benjamin schreibt:

5 Geschichten des Horrormeisters, die kein Gräuel vor Blutbädern, furiosen Auflösungen und dem schleichenden Schrecken kennen.

Hier seine komplette Kritik: http://legimus.blogspot.de/2013/01/rezension-jacks-magische-bohnen-brian.html

Ansonsten arbeite ich momentan weiter an der Übersetzung von »By the Blood of Heroes« von Joseph Nassise und werde demnächst mit der Übersetzung des nächsten Bandes von Captain Future anfangen. Das wird Band 04 sein. Band 03 wird wie Band 01 von Frauke Lengermann übersetzt

Learning by Doing und was die Zukunft bringen wird

Mein erster Eintrag seit langer Zeit. Das liegt ein wenig daran, dass ich momentan mit meinen Übersetzerfähigkeiten und meinem Berufsziel am Hadern bin.
In diesem Eintrag: https://translateordie.wordpress.com/2012/11/14/selbstkritik-und-wege-zur-verbesserung/ habe ich ja schon davon berichtet, dass ich meinen bisherigen Arbeitsablauf gründlich überarbeite und neu strukturieren muss, um sehr viel sorgfältiger zu arbeiten.
Eine vorläufige Rückmeldung zu meiner Übersetzung von Captain Future hat dies bestätigt.
Momentan bin ich noch nicht so weit, dass ich mich professioneller Übersetzer schimpfen kann und ich sehe mein Berufsziel inzwischen sehr viel kritischer.

Das heißt, ich werde, da mein Studium am 30. September enden wird, Vorkehrungen bzgl. Alternativen treffen, damit ich nicht am 1. Oktober ohne Einkommen dastehen werde.
Diese Alternativen bestehen aus zwei Möglichkeiten:

Entweder werde ich mir eine Teilzweitstelle suchen und nebenbei weiter an der Übersetzerkarriere werkeln (dies setzt aber meine Verbesserungsfähigkeiten voraus, auf die ich weiter unten eingehen werde) …

… oder ich werde mir eine Vollzeitstelle suchen und das Übersetzen erst mal auf Eis legen.

Eine Vollzeitstelle würde den Vorteil bringen, dass ich mir ein finanzielles Polster ansparen könnte, für den Fall, dass ich es später mit dem Übersetzen nochmal versuchen werde.  Denn so ganz ohne finanzielle Absicherung sollte man sich nicht ein Abenteuer als Freiberufler stürzen. Das könnte ganz schön in die Hose gehen.

Eine Teilzeitstelle brächte den Vorteil, dass man eine gewisse finanzielle Grundsicherung für Miete und Ähnliches hätte und trotzdem noch Zeit, sich dem Übersetzen zu widmen. Dies setzt aber voraus, dass man dabei langfristig auch realistische Chancen hat, ausreichend bezahlte Aufträge zu bekommen.

Momentan bin ich noch nicht gut genug für solche Aufträge. Ob ich es in Zukunft sein kann, mache ich für mich persönlich auch davon abhängig, ob ich bei meiner zweiten Captain-Future-Übersetzung in der Lage sein werde, mich deutlich zu verbessern.

Nächste Woche werde ich mich mit Lektor Hannes Riffel zusammensetzen, um gemeinsam die leider noch mit Fehlern gespickte erste Captain-Future-Übersetzung durchzugehen (ein Massaker in Rot). Eine Chance, für die ich ihm übrigens sehr dankbar bin.
Ich hoffe, ich werde daraus und aus meinem verbesserten Arbeitsablauf genug lernen, damit die nächste Übersetzung besser sein wird. Sollte dies nicht der Fall sein, bin ich wohl nicht lernfähig genug für diesen Beruf.

Mir ist natürlich klar, dass Übersetzen ein durchaus anspruchsvoller Beruf ist, den man nicht von jetzt auf gleich perfekt beherrscht. Auch hier muss man eine gewisse Ausbildung bzw. einen gewissen Lernprozess durchlaufen. Die Zusammenarbeit mit Hannes an Captain Future bietet mir die Möglichkeit, zu überprüfen, ob ich diesen Anforderungen gerecht werden kann.

Bei meinen bisherigen Übersetzungen war ich auf gute und tüchtige Lektoren angewiesen, die meine Texte noch in die richtige, veröffentlichungsfähige Form gebracht haben. Ich hoffe sehr, dass ich ihnen mit jeder weiteren Übersetzung, die ich abliefere, weniger Arbeit bereiten werde.

Ich werde hier im Blog (so weit es mir die Zeit erlaubt) ausführlich über die Zusammenarbeit mit Hannes Riffel berichten. Das heißt, ich werde exemplarisch zeigen, was ich bei der Übersetzung falsch gemacht habe und wie die Arbeit des Lektors an diesen Fehlern aussieht.

Ich denke auf diese Art, werde ich diese Fehler selbst besser verinnerlichen und dadurch in Zukunft vermeiden können, sie wieder zu begehen.

Übersetzen ist ein komplexer und anspruchsvoller Vorgang, den ich bisher vielleicht noch zu sehr auf die leichte Schulter genommen habe. Aber genug geschwafelt, besser werde ich nicht, in dem ich darüber rede, sondern indem ich es tue. Learning by Doing.

Jacks magische Bohnen – Belegexemplare sind da

Ein Jahr nach meiner ersten Übersetzung (https://translateordie.wordpress.com/2011/12/29/eingesperrt-erschienen-verlose-zwei-exemplare/), habe ich jetzt die Belegexemplare meiner zweiten bekommen. Wieder Brian Keene. Wieder Atlantis. Dieses Mal aber keine Verlosung.

Worum es in dem Buch geht, kann man hier nachlesen: https://translateordie.wordpress.com/2012/12/07/jacks-magische-bohnen-jetzt-als-e-book-erhaltlich/

Belegexemplar der Bohnen

Drei weitere Übersetzungen harren noch ihrer Veröffentlichung (ab März 2013 geht es los), und zwei befinden sich bei mir in Arbeit. Mal schauen, wie es ansonsten mit meiner Übersetzerkarriere weitergehen wird.

Der Wolkenatlas von David Mitchell

Ups, das beste Buch des Jahres habe ich doch glatt in meiner Jahresliste vergessen:
Der Wolkenatlas von David Mitchell
Das Buch ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Deshalb belasse ich es auch mit einem erfolglosen Versuch:
Es handelt sich um ein literarisches Meisterwerk, wie es einem nur alle paar Jahre über den Weg läuft.
Es gibt sechs verschiedene Hauptfiguren in sechs verschiedenen Zeitebenen …

1….  angefangen mit einem (in Pidgin-Englisch verfassten!) Pazifiktagebuch aus den 1850er Jahren.
2. Dann Briefe eines britischen Komponisten, der in Belgien (1931) bei einem alten Miesepeter in die Lehre geht.
3. 1975 recherchiert die Journalistin Luisa Rey eine Verschwörung bei einem Atomkonzern.
4. Der alternde Verleger Timothy Cavendish muss in der Gegenwart ein ganz anderes Martyrium durchstehen, als er in einem repressiven Altenheim landet und sofort Fluchtpläne schmiedet.
5. In der Zukunft geht es dann um das Schicksal eines Klons, die als Arbeitssklave für eine Fastfood-Kette arbeiten muss.
6. Und in der noch weiter entfernten Zukunft schließt sich der Kreis bzw. biegt sich der Bogen.

Dabei ist die Struktur der einzelnen Episoden nach dem Schema 1-2-3-4-5-6-5-4-3-2-1 aufgebaut und arbeitet mit fiesen Cliffhangern, die nach Episode 6 wieder aufgegriffen werden.
Mitchell ist dabei ein meisterhafter Erzähler, der jede Episode in einem anderen Stil verfasst hat und sie nur lose miteinander verknüpft. Jede Erzählung ist für sich eine kleine Schatztruhe, die für den Leser die unterschiedlichsten Überraschungen bereithält.
So etwas sage ich normalerweise nicht, aber Der Wolkenatlas ist ein Buch, das man gelesen haben sollte, denn es zeigt, dass man auch in Zeiten von literarischer Marktkonformität und einer Übermacht von Romanen nach Schema F, kreative, ungewöhnliche und meisterhafte Literatur abliefern kann, ohne dabei erfolglos zu bleiben.

Frohes Neues Jahr 2013 und ein Rückblick auf mein Lesejahr 2012

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs eine Frohes Neues Jahr. Möge es für alle ein schönes, erfolgreiches und spannendes Jahr werden. Bei mir wird mit dem Ende des Studiums im Sommer auf jeden Fall eine Veränderung anstehen, deren Richtung bisher noch unbekannt ist. Ich bin gespannt, was das Jahr bringen wird, und was ich daraus machen werde.

Auf vielen Blogs bekommt man jetzt Jahresrückblicke und Bestenlisten zu lesen. Darauf werde ich verzichten. Von mir gibt es nur einen Überblick über eine Auswahl an Büchern, die ich 2012 gelesen haben. Nicht alle Bücher, sondern nur die, die mir am besten in Erinnerung geblieben sind, dazu einen kurzen Kommentar:

Die Hölle ist die Abwesenheit GottesTed Chiang. Eine Sammlung von grandiosen mehr oder weniger SFigen Kurzgeschichten. Chiang schreibt ca. eine Geschichte pro Jahr und räumt damit zu recht regelmäßig sämtliche Phantastikpreise ab.

Die Fahrt des LeviathansOliver Henkel. Eine Alternativweltgeschichte zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs, deren einzige Abweichung in der preußischen Kolonie Karolina liegt, die mit ihren zum Teil schwarzen Armeeoffizieren und Lehrerinnen! Zwischen die Fronten gerät. Detailliert, atmosphärisch und spannend.

Ich – Tochter eines YakuzasShoko Tendo. Bewegende und hochspannende Autobiografie einer Japanerin, die unter schwierigen Umständen aufwächst und ständig an die falschen Typen gerät, dabei aber trotzdem ihren Weg findet.

Bretonische VerhältnisseJean-Luc Bannalec. Atmosphärisch dichter, aber gemächlicher Kriminalroman mit viel bretonischem Lokalkolorit. Überzeugt weniger durch eine clevere Geschichte, als mehr durch seinen sympathischen Kommissar und die relativ unverbrauchte Region.

Das blutige LandRichard Schwartz. Wie mich eine meiner Lieblingsfantasyreihen vermutlich als Leser verlieren wird: http://www.fantasyguide.de/12731.0.html

Choral des TodesJean-Christophe Grangé. Frankreichs bester Thrillerautor mit einem spannenden Werk über die Folterzeit in Chile unter Pinochet und die Verstrickungen der französischen Regierung.

Das verborgene ReichSteve Barry. Rasanter Action-Agenten-Thriller á la Matthew Reilly und James Rollins, aber erstaunlich gut recherchiert.

Frankie MachineDon Winslow. Ein alternder Mafiakiller, der es auf die ehrliche Tour versuchen will, wird von seiner todbringenden Vergangenheit eingeholt. Arschcooles Porträt einer faszinierenden Person.

Zeit des ZornsDon Winslow. Zwei Grasflüsterer werden in einen Drogenkrieg verwickelt. Für einen Winslow doch etwas enttäuschend.

Die Legende von Christopher SimsJack McDevitt. Zeigt, wie man einen spannenden SF-Roman über den Krieg schreiben kann, ohne dass viel gekämpft wird, und man stattdessen viel in historischen Dokumenten wühlt.

VortexRobert Charles Wilson. Gelungener Abschluss der grandiosen Spin-Trilogie, auch wenn er nicht an den ersten Teil heranreicht.

Blasmusikpop oder wie die Wissenschaft in die Berge kamVea Kaiser. Wunderbar skurriles Porträt eines österreichischen Dorfes voller Bergbarbaren und deren Zusammenstoß mit der Zivilisation (vor allem in Form des F.C. St. Paulis).

Das fünfte ZeichenJo Nesbo. Wie immer ein erstklassig erzählter Krimi über den abgewrackten Ermittler Harry Hole und seinen letzten Kampf gegen seinen Erzfeind.

DodgerTerry Pratchett. Ein historischer Roman, der sich trotzdem sehr nach Scheibenwelt anfühlt. Wie immer witzig und geistreich vom Meister verfasst.

Wenn das Schlachten vorbei istT. C. Boyle über die Ambivalenz im Tier- und Umweltschutz, erzählt am Beispiel der Lebensgeschichte einiger beteiligter.

RevengeLincoln Child u. Douglas Preston. Die Pendergast-Reihe verkommt langsam zu einer Karikatur ihrer selbst, bleibt dabei aber zu meinem erstaunen spannend.

Cyberabad  – Ian McDonald. Der beste SF-Roman der letzten Jahre. Komplex, exotisch, ideenreich clever konstruiert und dabei sehr rasant und spannend.

TitanRobert Harris. Spannende Geschichtsstunde über das Konsulat Ciceros und die Machtergreifung Cäsars.

Nachtrag: Etwas Horror war in Form von Edward Lee auch dabei. Bighead war nicht ganz mein Fall. Aber Haus der bösen Lust, in dem es um einen Fernsehbierkritiker geht, der mit einem düsteren Geheimnis aus dem amerikanischen Bürgerkrieg konfrontiert wird, hat mir gut gefallen. Vor allem weil es sehr ruhig erzählt ist und auf das für Lee typische Gemetzel verzichtet.