Anstand und Zuverlässigkeit im Bewerbungsprozess

Manche Blogleser mögen es schon mitbekommen habe, mein Studium ist bald zu Ende und ich befinde mich gerade in der Bewerbungsphase. Das heißt, ich durchforste das Internet nach Stellenanzeigen und bewerbe mich, wenn ich meine, dass ich zur Stelle passe und umgekehrt. Mir ist zwar schon vorher klar gewesen, dass dies ein langwieriger und frustrierender Prozess werden kann, aber ärgern tut es mich trotzdem.

Ich bin noch lange nicht so weit, frustriert zu sein, von 70 bis 100 vergeblichen Bewerbungen, bin ich noch weit entfernt. Bisher sind es 8. Von diesen 8 Bewerbungen hab ich bisher nur 3 Reaktionen bekommen. Ich weiß ja, dass es inzwischen (vielleicht auch schon immer) üblich sein soll, dass Unternehmen gar nicht auf Bewerbungen reagieren, aber gerade von Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitsbereich hatte ich da Besseres erwartet. Von 5 Einrichtungen gab es weder eine Eingangsbestätigung noch eine Absage. Die Bewerbungen habe ich teils per E-Mail und teils schriftlich eingereicht. Von der Vorstellung meine Bewerbungsmappen zurückzubekommen, hatte ich mich schon von Anfang an verabschiedet. Aber das man (einen Monat nach Ende der Bewerbungsfrist) so gar nichts hört, empfinde ich doch als sehr unhöflich. Kann ja sein, dass ich für die Stellen nicht infrage komme, nicht qualifiziert bin oder irgendetwas schrecklich falsch mit meiner Bewerbung gemacht habe, aber man könnte doch zumindest so höflich sein, eine Absage zu schicken, und wenn es nur per E-Mail ist.

Von einer Einrichtung gab es eine Absage mit dem Hinweis, man würde mich in den aktiven Bewerberpool einfügen – das war auch eine Initiativbewerbung. Von den Bewerbungen auf konkrete Stellenanzeigen gab es exakt eine Eingangsbestätigung, mit dem Hinweis, man würde die Bewerbung an die zuständige Abeilung weiterleiten und es könne etwas länger dauern, bis man sich melde. Ist auch schon über einen Monat her, aber Okay, da weiß ich wenigsten Bescheid.

Die einzige schnelle und positive Reaktion gab es dann tatsächlich aus der Wirtschaft. Ein Internet-Start-up – da hatte ich bereits 2 Tage nach Eingang der Bewerbung ein Vorstellungsgespräch. Dass es dann im beidseitigen Einvernehmen nicht geklappt hat, ist eine andere Sache.

Reaktionen auf die restlichen fünf Bewerbungen (vier davon auf konkrete Stellenanzeigen): gleich null. Von Arbeitnehmern wird in der Regel Zuverlässigkeit, Flexibilität und Gründlichkeit erwartet. Das sind Anforderungen, die ich auch an Arbeitgeber stelle. Aber hey, keine Reaktion ist auch eine Reaktion. Das sagt auch etwas über die Wertschätzung und den Umgang der Einrichtung bzw. des Unternehmens gegenüber seinen (potentiellen) Mitarbeitern aus. Da ist es vielleicht gut, wenn man dort nicht landet.

Aber ich befinde mich ja immer noch am Anfang meiner Bewerbungsphase. Momentan warte ich noch auf die Bewertung meiner Bachelorarbeit, werde noch bis Ende September offiziell Student sein und vermutlich Mitte Oktober meinen Studienabschluss in der Tasche haben. Bis Ende Oktober habe ich auch noch gut mit einer Übersetzung zu tun und sollte es bis November nicht mit einer festen Stelle klappen, kann ich vielleicht auch noch einen Übersetzungsauftrag an Land ziehen, der mich bis Ende des Jahres beschäftigt hält. Ich bin also arbeitssuchend, aber durchaus nicht arbeitslos.

Trotzdem musste ich mal meinen kleinen Ärger über diese Nicht-Reaktionen loswerden. Vielleicht bin ich da in der Vergangenheit auch zu sehr verwöhnt worden. Schon während ich in meinem ersten Studium an der Diplomarbeit schrieb, hatte ich meine Stelle für die Zeit danach in der Tasche. Vier Bewerbungen, drei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und das dritte habe ich abgesagt, weil ich nach dem zweiten schon eine Zusage hatte.
Während des Studium hatte ich mich mal an der Uni und bei der DPA beworben, die Stellen habe ich zwar nicht bekommen, aber zumindest die Chance, mich in einem Bewerbungsgespräch vorzustellen. Selbst als ich mich vor drei Jahren (als blutiger Anfänger viel zu früh) mal als Übersetzer bei 6 Verlagen beworben habe, gab es von 5 eine Standardabsage, und von einem später sogar doch noch eine Zusage.

Diese Nicht-Reaktionen sind also eine neue Erfahrung für mich. Vielleicht bin ich da ja zu ungeduldig, und die Auswahlphase dauert tatsächlich so lange? An der Uni war ich mal in der Berufungskommission für eine Professur, da gab es unzählige Sitzungen mit Auswahlprozessen, das hat sich über Monate hingezogen, aber an Unis ticken die Uhren auch etwas anders.

Ich werde mich jedenfalls weiter fleißig bewerben. Noch gehe ich die ganze Sache ganz entspannt an.

Ein Gedanke zu “Anstand und Zuverlässigkeit im Bewerbungsprozess

  1. Die Erfahrung musste ich nach meinem Studium ebenfalls machen. Ich bekam sogar einmal eine Bewerbungsmappe ungelogen nach 12 Monaten zurück. Ich hatte längst vergessen dass und wann ich mich dort beworben hatte, da ich aber eine Liste führte (das ist wirklich sehr empfehlenswert!) konnte ich das dort nachschlagen. Ob es dort wirklich so lange gedauert hat oder man die Bewerbung irgendwo wiedergefunden hat? Ich weiß es nicht. Fakt ist jedoch, dass man auf 7 von 10 Bewerbungen keine Antwort bekommt und damit meine ich: nie. Und eine Bestätigung des Eingangs gibt es bei 0,75 von 10. Sogar bei E-Mails. Aus dem Bekannten- und Freundeskreis erfuhr ich dann, dass das offenbar Standart ist. Als Student wird man da ja sehr verwöhnt, was allerdings nicht verwunderlich ist, da man da auch niemanden etwas kostet (letztendlich ist alles eine Geldfrage). Mir wurde sogar von Bewerberprofis empfohlen, dass ich, sollte ich nichts finden, mich wieder an einer Uni einschreiben soll, dann klappe es auf jeden Fall. Praktikas übrigens gingen eigentlich immer *hüstel*
    Ich habe meine Bewerbungen nie gezählt, aber es waren am Ende weit mehr als 200, da bin ich sicher. Tut nicht unbedingt was fürs Ego, aber man muss einfach durch.
    Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen, dass Du bald etwas Geeignetes findest!

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