„Captain Future – Sternenstraße zum Ruhm“ von Edmond Hamilton erschienen

Gerade ist mit Sternenstraße zum Ruhm der sechste Band der Captain-Future-Neuauflage bei Golkonda in meiner Übersetzung erschienen. Bei Amazon gibt es bereits eine erste Besprechung von Torsten69:

Wie ich finde hat Edmund Hamilton hier eine sehr gute und spannende Geschichte geschrieben. Man merkt deutlich, dass er seinen Stil für die Geschichten rund um Captain Future endlich gefunden hat. Diese Geschichte beinhaltet zudem weniger Unglaubwürdiges und dafür mehr Faszinierendes – falls man das so ausdrücken kann. Fasziniert hat mich beispielsweise wieder einmal die phantasievolle Schilderung von außerirdischen Lebens, Landschaften und ähnliches – während zugleich viele Apparate dem des heutigen Zeitalters entsprechen, beispielsweise der »Televisor«.

Dass es so lange gedauert hat, bis der nächste Band erschienen ist, lag daran, dass sich der Golkonda Verlag einige Zeit im Limbus befand, bis er Anfang 2017 dann vom Europa Verlag gekauft wurde. Die neuen Besitzer und Programmgestalter waren wohl etwas überrascht von der starken Nachfrage der kleinen, aber loyalen Captain-Future-Fangemeinde. Im Mai soll Band 7 Der Marsmagier erscheinen. Ob und wie es danach weitergeht, weiß ich nicht.

Lesesplitter und Stand der Dinge Ende Februar 2017

Lesesplitter

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Am Wochenende habe ich Die Krone der Sterne von Kai Meyer beendet, ein Buch, dem ich als Captain-Future-Übersetzer schon deswegen nicht widerstehen konnte, weil es unter anderem Edmond Hamilton gewidmet ist, einem der Urväter der flotten Space Opera. Und genauso flott kommt das Buch auch daher, das die junge (aber erwachsene) Ineza auf der Flucht vor dem Hexenorden begleitet, der sie zur Braut der Gottkaiserin mache möchte (was kein ersterbenswertes Ziel ist). Im Prinzip besteht das Buch auch aus einer einzigen Flucht, was auf Dauer Gefahr läuft, etwas zu repetitiv zu werden, da die einzelnen Kapitel und Szenen im Prinzip immer Variationen des gleichen Themas sind: Gefangennahme, Schießerei, Flucht, Streiterei untereinander, Verrat, Gefangennahme … Dafür, dass es einem dabei aber nicht langweilig wird, sorgt der geschickt eingeflochtene Weltenbau, der mich an eine Mischung aus Dune (in der Lynchversion) und Riddick erinnert. Ein flottes, unterhaltsames Weltraumabenteuer mit starken Frauenfiguren, das sich nicht um Physik schert; gute Unterhaltung für zwischendurch. Und, liebe SF-Verlage, so gestaltet man ein Science-Fiction-Buch, das auch LeserInnen ansprechen soll, die nicht so genreaffin sind und sich nicht mit dem generischen Raumschiff im All zufriedengeben. Neben der wunderschönen Umschlaggestaltung gibt es auch noch zahlreiche Illustrationen von Jens Maria Weber, die das Buch wie ein Vorspann einleiten. Meine Mutter liest das Buch übrigens gerade auch mit großer Begeisterung, dabei liest sie Science Fiction sonst nur, wenn ich sie übersetzt habe.

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Kürzlich habe ich darüber berichtet, dass Philip Pullman eine neue Trilogie in der Welt von His Dark Materials plant, was mir Lust darauf gemacht hat, Der Goldene Kompass noch einmal zu lesen. Zuletzt hatte ich das Buch im Sommer 2001 gelesen, in jenen endlos trägen Wochen zwischen meinem Fachabitur und dem Beginn des Physikstudiums, auf das ich mich eigentlich hätte vorbereiten sollen – tja, so bin ich dann auch am Ende Übersetzer geworden, und nicht Physiker. 😉 Jedenfalls gefällt mir das Buch beim Reread noch genauso gut wie beim ersten Mal. Pullman hat da eine ganz wunderbar eigene Welt erschaffen, die knapp neben der unsrigen liegt, und versteht es, sie mit Anspruch unterhaltsam in eine spannende Geschichte einzubinden.

Stand der Dinge – Reise-Mäurer

Vor zwei Wochen bin ich in Berlin gewesen, in den Verlagsräumlichkeiten von Fischer Tor (sehr schick), um mich dort in das Typo 3 von tor-online.de einarbeiten zu lassen. Über den Grund habe ich ja in meinem letzten Blogeintrag berichtet. Das war nur ein kurzer Blitzbesuch, der mir gerade mal Zeit ließ, mich mit einem guten alten Studienfreund zu treffen, einen SF-Stammtisch in kleinem Kreise abzuhalten und einen Blitzbesuch im Otherland zu machen. Dienstag ging mein Flug nach Berlin, am Donnerstag dann der Rückflug, womit ich echt Glück hatte, da das Bodenpersonal von Tegel am Mittwoch dazwischen gestreikt hat.

Die nächste Reise geht dann am Freitag den 24. März zur Leipziger Buchmesse. Eigentlich wollte ich ja diese Jahr nicht, aber irgendwie habe ich den Messebesuch in den letzten Jahren doch lieb gewonnen, und es ist eine tolle Gelegenheit, viele Bekannte und Freunde zu treffen, die ich sonst kaum sehe (auch wenn ein Tag eigentlich zu knapp dafür ist).

In der dritten Maiwoche werde ich für eine Woche nach Paris reisen (falls mich Präsidentin Le Pen dann noch reinlässt), einfach, um mir die Stadt mal anzusehen, in der ich noch nie war. Das wird meine erste Urlaubsreise seit über zehn Jahren sein.

Wo ich dieses Jahr nicht hinfahren werde, ist der Marburg Con, den ich in den letzten drei Jahren besucht habe. Passt zeitlich einfach nicht, außerdem ist mein Stammreisebegleiter abgesprungen. Und so ganz alleine mag ich auch nicht fahren.

Ebenfalls ausfallen lasse ich dieses Jahr das Pan-Branchentreffen in Berlin. Zwar fand ich das Treffen im letzten Jahr großartig, aber da ich dieses Jahr Urlaub machen möchte, muss ich ein paar Prioritäten setzen (und das bisherige Programm finde ich auch nicht so interessant für mich ). Auch nicht besuchen werde ich die großen Cons des Jahres, wie den Eurocon in Dortmund, den Worldcon in Helsinki und den Dirkcon (anlässlich des 50 Geburtstages des Tentakelmeisters) in Dirktropolis. Dafür ist der Bucon aber wieder fest gesetzt, den ich seit über 10 Jahren immer besuche.

Eventuell werde ich im Sommer auch noch eine oder zwei Wochen in Berlin verbringen, um mir etwas mehr Zeit für meine ehemalige Heimat zu nehmen. Das wird aber vermutlich nicht in die Zeit des Fantasy Filmfests fallen, das in diesem Jahr leider erste Ende September stattfindet. Für mich gehört das FFF einfach in den Hochsommer. Und mit der Streckung auf zwölf Tage und den Wegfall der Parallelvorstellung kann ich mich auch nicht so recht anfreunden.

Captain Future 06 | Sternenstraße zum Ruhm + Stand der Dinge

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Auf der berüchtigten »Selbstmordstation« testen die besten Piloten − die sogenannten Weltraumasse − die neuesten Raumschiffmodelle. Doch seit einiger Zeit verschwinden die brandneuen Raumfahrzeuge während der Testflüge auf mysteriöse Weise.

Um der geheimnisvollen Diebesbande auf die Spur zu kommen, müssen Captain Future und seine Futuremen eines der größten Rätsel in der Geschichte der Raumfahrt lösen und an der gefährlichen und atemberaubenden Systemrallye teilnehmen: einem mörderischen Rennen durch das gesamte Sonnensystem und über alle neun Planeten.

Klammheimlich hat Golkonda die nächsten beiden Bände der Captain-Future-Reihe angekündigt. Im Sommer soll Die sieben Weltraumsteine in der Übersetzung von Frauke Lengermann erscheinen. Im Winter dann Sternenstraße zum Ruhm in meiner Übersetzung (wie immer sind diese Termine mit Vorsicht zu genießen und können sich noch ändern).

Das ist dann auch vorerst die letzte Übersetzung von mir, die ich ankündigen kann. In (voraussichtlich) der nächsten Ausgabe der Phantastisch wird noch meine Übersetzung einer Kurzgeschichte von Lavie Tidhar erscheinen und bei Phase X Verstreut entlang des Himmelsflusses von Aliette de Bodard. Ansonsten stehen bei mir momentan ausschließlich TV-Dokus auf dem Programm. Aber ich hoffe, dass sich da etwas tun wird, und ich demnächst wieder einen Roman übersetzen darf. Nur TV-Dokus übersetzen ist auf Dauer doch etwas eintönig (auch wenn ich sie nicht missen möchte, eine Mischung aus beidem gefällt mir am besten). Das literarische Übersetzen fehlt mir bereits nach wenigen Wochen.

Nachtrag vom 10.12.2016: Sternenstraße zum Ruhm ist immer noch nicht erschienen. Ich habe keine Ahnung, wann und ob das Buch erscheinen wird. Abgegeben, habe ich die Übersetzung schon vor zwei Jahren.

Belegexemplare eingetroffen: Captain Future – Der Triumph

Pünktlich zu den Feiertagen sind die Belegexemplare zu meiner zweiten Captain-Future-Übersetzung eingetroffen. Ist ein schönes Gefühl, nach über einem Jahr endlich wieder die eigene Arbeit in Händen halten zu können. Erschienen ist der Roman Ende November. Daran sieht man auch, wie lange teilweise die Abläufe im Verlagswesen sind. Abgegeben habe ich meine Übersetzung Spätsommer 2013. Dass es so lange gedauert hat, liegt aber nicht daran, dass der Golkonda Verlag so faul ist, sondern, dass er so fleißig ist, und im letzten Jahr eine ganze Fülle an großartigen Titeln rausgebracht hat. Und anders als bei manch großem Verlag, der feste Programmplätze und aufreibend kurze Deadlines hat, muss der Titel nicht zu einem bestimmten Erscheinungstermin durchgekloppt werden. Man nimmt sich die nötige Zeit, um ein möglichst hochwertiges Endprodukt präsentieren zu können. Meine dritte Future-Übersetzung (Sternenstraße zum Ruhm) habe ich übrigens vor wenigen Tagen abgegeben.

In Der Triumph greift Edmond Hamilton ein interessantes Thema auf: Die Angst vorm Altern. Das sogenannte Lebenswasser sucht das System heim und verleiht jenen, die es trinken neue Jugend. Neue, aber nicht ewige, denn um sich die Jugend zu erhalten, muss man immer wieder von dem nicht gerade billigen Lebenswasser trinken, ansonsten holt einen das Alter blitzschnell ein, und ehe man sich versieht, liegt man als vertrocknete Mumie auf dem Boden. Captain Future versucht, dem Syndikat des sogenannten Lebensherrn auf die Spur zu kommen und muss sich dafür in bisher unbekanntes Gebiet vorwagen, unter anderem in die geheimnisvollen Nebellande, aus denen noch nie jemand zurückgekehrt ist.

 

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Auch in der Zukunft sind die Bewohner des Sonnensystems nicht vor den Unbilden des Alterns gefeit. In diese Marktlücke stößt der »Lebensherr« mit seinem unheilvollen Lebenswassersyndikat, das die Reichen mit der Verlockung auf ewige Jugend schröpft. Doch diese Jugend ist nur von kurzer Dauer und nimmt ein grausiges Ende. Ein Fall für Captain Future und seine Futuremen .

Quelle: Golkonda Verlag

Captain Future auf Spiegelonline

In der Rubrik EinesTages stellt Reporterin Stephanie Maeck die Animeserie Captain Future vor, die ein wichtiger Teil ihrer Kindheit gewesen ist. Im Artikel selbst geht es ausschließlich um ihre Erinnerung an die Serie, aber wenn man sich durch die Bildergalerie klickt, erhält man noch Hintergrundinformation zur Entstehung der Romanvorlage und sieht auch das ein oder anderer Buchcover aus dem Golkonda Verlag.

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Captain Future: neue Hörspiele und alte Bücher

Am 21.11 2014 geht es mit den Captain Future Hörspielen (bzw. inszenierten Lesungen) von Highscore Music weiter (deren Internetseite ist leider nicht ganz so aktuell wie der Facebookauftritt).

Anders als bisher, werden keine Kurzgeschichten mehr vertont, sondern der erste (von Frauke Lengermann übersetzte) Roman Der Sternenkaiser. In Hörspielform werden es 5 Folgen sein, bis es dann (hoffentlich) mit meiner ersten Übersetzung weitergeht.

Für diejenigen, die die Hörspiele noch nicht kennen, sei gesagt, dass sie auf den Übersetzungen der Neuauflage im Golkonda Verlag basieren und die Originalsprecher der Zeichentrickserie (wie z. B. Wolfgang Völz) verwendet. Aus rechtlichen Gründen konnte man leider keine reinen Hörspiele daraus machen, sondern musste noch einen Erzähler einbauen, der es als inszenierte Lesung wirken lässt. Trotzdem gibt es für jede Rolle einzelne Sprecher, Musik und Geräusche, ganz wie bei einem Hörspiel.

Man muss die vorherigen Folgen nicht gehört haben, da diese zeitlich nach den Romanen angesiedelt sind. Der Sternenkaiser ist praktisch der Auftakt, so zusagen die Geburt des Zauberers der Wissenschaften, seine erste epische Schlacht gegen jene Schurken, die mittels Wissenschaft versuchen die Bewohner des Sonnensystems zu unterjochen.

„Captain Future – Der Sternenkaiser“
Folge 1: 21.11.2014
Folge 2: 05.12.2014
Als Download, Stream und auf CD.

 

Als ich am Wochenende auf dem Bucon in Dreieich war (Bericht folgt noch), machte mich Frank Böhmert darauf aufmerksam, dass das Bananenkistenantiquariat die alten Bastei-Ausgaben von Captain Future verkaufen würde. Die habe ich mir natürlich direkt unter den Nagel gerissen, da ich schon lange mal die alten Übersetzungen mit meinen vergleichen wollte. Die eingeschweißten Bücher stammen übrigens ursprünglich aus dem Besitz des kürzlich neu gewählten SFCD-Präsidenten Thomas Recktenwald, wie ein Namensstempel im Buchinnern offenbart.

Zu den alten Titelbildern enthalte ich mich mal, aber das eine weist doch eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Todesstern aus Star Wars auf. 🙂

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Captain Future 04 – Der Triumph: lektorierte Fassung erhalten

Nach dem ich Band 4 von Captain Future vor ungefähr elf Monaten beim Verlag abgegeben habe, kam die lektorierte Fassung gestern per Mail an mich zurück. Bei einem Kleinverlag wie Golkonda, der neben dem eigentlichen Brotjob praktisch in der Freizeit betrieben wird, dauert es schon mal etwas länger, bis die einzelnen Arbeitsschritte bis zum gedruckten Buch erledigt sind. Ich ich brauche für solche Übersetzungen, die kaum bezahlt werden, auch etwas länger, als wenn ich es hauptberuflich machen würde.

Nun, jetzt ist es fast so weit. Ich gehe die Änderungen des Lektorats noch einmal durch, schicke das Manuskript zurück und dann geht es noch ins Korrektorat, dann zum Satz und schließlich in die Druckerei.

Hier kann man mal sehen, wie so eine lektorierte Seite aussieht:

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Ich muss allerdings gestehen, dass ich erstmal eine ausgewählt habe, auf der der Rotstift nicht so häufig zum Einsatz kam. 😉

Ich muss immer noch darauf achten, nicht so häufig die Subjekt-Prädikat-Objekt-Syntax des Originals zu übernehmen, und manchmal etwas länger über die Bedeutung eines Begriffs nachzudenken. »beady eyes« habe ich zum Beispiel als »perlenartige Augen« übersetzt, statt als »mit wachsamen Augen«. Da es um einen Außerirdischen ging, dachte ich, sein exotisches Aussehen sollte noch mehr hervorgehoben werden, obwohl der Kontext durchaus die »wachsamen Augen« hergibt.

Ich habe also immer noch viel zu lernen und zu verbessern. Ich hoffe, dass mir diese Lektoratsfassung helfen wird, meine aktuelle Captain-Future-Übersetzung (Band 6) noch besser zu machen. Da befinde ich mich jetzt im letzten Drittel der ersten Fassung. Es wird wohl auch meine letzte Romanübersetzung in nächster Zeit sein. Am Wochenende wird es einen Eintrag zum aktuellen Stand der Dinge bei mir geben.

Leipziger Buchmesse 2014

In diesem Jahr bin ich zum ersten Mal (leider nur für einen Tag) auf die Leipziger Buchmesse gefahren (in Frankfurt war ich einmal vor 10 Jahren, da war es mir aber zu voll und uninteressant).

Los ging es bereits am Mittwoch den 12. März, mit dem Flieger nach Berlin. Dort stöberte ich zum ersten Mal seit fünf Monaten wieder stundenlang im Otherland (der besten Buchhandlung der Welt. Da ich nur mit einem Rucksack unterwegs war, blieb es aus Platzgründen zunächst bei einem Buchtitel („Gateway“) von Frederick Pohl.

Danach weiter nach Köpenick, wo im Ratskeller der SF-Treff oder das SF-Dinner (wie es jetzt heißt) stattfand. Dieses Treffen Berliner SF-Fans ist mir in den letzten vier Jahren in der Hauptstadt eine liebgewonnene Tradition geworden, die mir jetzt im Westerwald sehr fehlt. Hier gibt es einen Bericht von Frank Böhmert über das Treffen.

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Quelle: Das Foto machte eine nette Dame vom Nebentisch mit dem Smartphone von Rene, ich habe es mir in dieser bearbeiteten Fassung im Blog von Frank stibitzt.

Von links nach rechts: Rene „Agro“ Nowotny, Anonymus (der die Furcht der Weisen vor seinem Namen im Internet pflegt), Frank Böhmert, Ralf „Lapismont“ Steinberg vom Fantasyguide und ich. Später kam noch yiyippeeyippeeyay dazu, der sein Bild aber auch nicht gerne im Internet sieht.

Übernachtet habe ich dann in der Casa Böhmert, nicht wie angekündigt unter Palmen, dafür aber unter Paradiesvögeln.

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Franks Sohn Ben – der übrigens auch regelmäßiger Besucher des SF-Dinners und SF-Leser ist – war so nett, mir sein Zimmer zur Verfügung zu stellen.

Am Donnerstag ging es dann um 7.00 Uhr los zum Südkreuz, von wo der Interconnex direkt zum Messegelände in Leipzig gefahren ist. Es war eine gemütliche, ruhige Zugfahrt, auf der ich die ersten beiden Kurzgeschichten von Ted Chiang in „Das wahre Wesen der Dinge“ lesen konnte. Am Südkreuz habe ich übrigens auch schon meine Captain-Future-Mitübersetzerin Frauke Lengermann getroffen.

Nach Ankunft in Leipzig um ca. 9.40 Uhr ging es bei strahlendem Sonnenschein gemütlichen Schrittes Richtung Messegelände; ich musste einfach nur den Menschenmassen folgen. Auffällig waren die vielen Schulklassen, die hier unterwegs waren.

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Hier der Vorplatz zum Messegelände. Hinten sieht man die an ein riesiges Gewächshaus erinnernde Messehalle, die aus zwei durch einen Tunnel verbundenen Bereichen besteht, von denen es seitlich in insgesamt fünf Messehallen abgeht. Das wirkte auf den ersten Blick schon sehr einladend und freundlich. Beim Einlass gab es weder eine Schlange noch Gedränge.

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Hier der Eingangsbereich von innen.

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In der ersten Etage ging es seitlich durch Glastunnel in die jeweilgen Messehallen 1-5. Da gab es vor dem Einlass um 10.00 Uhr doch etwas Gedränge.

Ich bin ganz ohne Plan auf die Messe, ohne zu wissen, wer wo und wann liest, wer überhaupt da ist und was es sonst noch an Veranstaltungen stattfindet. Deshalb war mein erster Anlaufpunkt der Stand des Golkonda Verlags, für den ich Captain Future übersetze.

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Hier hängt Verlagsmitbesitzer Karl-Heinz Schlögel noch auf den letzten Drücker die von Lansdale-Übersetzerin Heide Franck (rechts im Bild) mitgebrachten Banner von Captain Future und Hellboy auf, während sich sein Partner Hannes Riffel nicht gerade von seiner besten Seite präsentiert. 😉 Der Stand befand sich auf der Leseinsel Fantasy in Halle 2, wo der sehr kleine Bereich mit wenigen Phantastikständen neben den ganzen Schulbuchverlagen etwas verloren und thematisch deplatziert wirkte. Dafür sorgte auch die große Freifläche in der Hallenecke direkt daneben – als hätte man die „Schmuddelfantasy“ irgendwo in die hinterste Ecke abschieben wollen.

Weitere zahlreiche Bilder (auch mit mir) vom Golkonda-Stand gibt es beim Golkonda-Insider. Wie dieses hier zum Beispiel:

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Quelle: Golkonda Insider, Fotograf: Karl-Heinz Schlögel

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Das ist die Leseinsel, auf der Fantasyautoren aus ihren Werken vorgelesen haben. Wie z. B. Oliver Plaschka (siehe unten). Den kenne ich durch Facebook und Twitter, und hatte sein Buch „Die Magier von Montpernasse“ am Tag vor der Buchmesse noch in der Hand. Auf der Messe wollte ich mich nur mal kurz hinsetzen, und plötzlich betrat der Meister die Bühne und las aus „Das Licht hinter den Wolken“. Ein schöner Zufall. Am nächsten Tag habe ich mir dann noch die „Magier“ im Otherland gekauft. Die Akustik der Leseinsel war erstaunlich gut, vor allem dafür, dass rundherum ständig Leute und vor allem Jugendliche lautstark unterwegs waren.

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Auch zufällig kam ich bei Denis Scheck vorbei, der gerade ein Best-of-Druckfrisch zum Besten gab und auf der Bühne vom Guten, Schönen und Wahren in den Romanen „N/W“ von Zadie Smith und „Der Distelfink“ von Donna Tartt schwärmte. Beides Autorinnen, deren bisherige Werke ich mit großer Begeisterung gelesen habe.

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Ansonsten habe ich es größtenteils versäumt, Fotos zu machen. Am Nachmittag habe ich mich mit den Forumosen und ÜbersetzerInnen Gerd Rottenecker und Simone Heller getroffen, die an ihrem Anreisetag nach Leipzig direkt nach einer langen Autofahrt extra schon auf die Messe kamen, um sich mit mir zu treffen. Das wurde dann auch ein tolles und interessantes Gespräch mit leckerem Kuchen und Schokodonuts. Die Verleihung des Phantastikpreises Seraph habe ich dadurch allerdings verpasst.

Kurz unterhalten habe ich mich auch noch mit Jürgen Schütz vom Septime Verlag, den ich vor allem als Joe Chip im SF-Netzwerk kenne, und der in den letzten Jahren mit seiner  Werksausgabe von James Tiptree Jr. für Furore sorgte. Meinem Gastgeber Frank Böhmert konnte ich dann noch sein Belegexemplar von „Doktor Ain“ nach Berlin mitbringen.

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So sah die Eingangshalle gegen 19.00 Uhr aus. Um 18.00 Uhr schloss die Messe und die Besucher wurden gebeten, sich unauffällig zu den Ausgängen zu begeben. Ich habe mich einfach unter die Aussteller und Fachbesucher vom Golkonda Verlag geschmuggelt. Mit den Golkondianerinnen Heide Franck, Frauke Lengermann, Brigit Herden und Petra Knese ging es unter einem farbenprächtigen Abendhimmel zum Bahngleis 2, wo eigentlich um 19.28 Uhr der Interconnex nach Berlin abfahren sollte. Nur kam der nicht. Bei der verrauschten Durchsage bezüglich einer Verspätung ließ sich nicht genau heraushören, ob sich der Zug um vierzehn oder vierzig Minuten verspäten würde. Es wurden dann sechzig, was aufgrund der sinkenden Temperaturen und unserer leichten Frühlingskleidung nur bedingt angenehm war. Auch mein Heimflug nach Köln Bonn am nächsten Tag sollte sich um eine Stunde verspäten.

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Mein erster Besuch auf der Leipziger Buchmesse hat sich auf jeden Fall gelohnt; zwar nicht in beruflicher Hinsicht, aber doch in persönlicher. Es war ein interessanter Tag, mit vielen spannenden Gesprächen, ich habe Leute wiedergetroffen, die ich sonst nur selten zu Gesicht bekomme und den einen oder anderen interessanten Programmpunkt erlebt. Im nächsten Jahr werde ich aber womöglich zwei Tage einplanen. Zu den Programmpunkten zum Thema Hörspiel habe ich es ebenso wenig geschafft, wie in die Mangahalle. Ich hoffe, dass die Fantasyinsel nicht noch kleiner und in Zukunft wieder thematisch besser platziert werden wird.

Nachtrag: Ich war übrigens nicht der einzige westerwälder Phantast auf der Buchmesse. Auch Autorin Alessandra Reß hat es nach Leipzig verschlagen, wie man in ihrem lesenswerten Bericht nachlesen kann. Auch sie hat übrigens die Reise zur Messe für einen Abstecher nach Berlin genutzt.

Ralf Steinberg (siehe erstes Foto) war mit der Familie am besucherstarken Samstag auf der Messe. Seinen Bericht kann man hier lesen.

Erscheinungstermin verschiebt sich: „Captain Future 4“ und „Das Blut der Helden“

Bei beiden meiner aktuellen Übersetzungen verschiebt sich der Erscheinungstermin von Winter 2013 auf Winter/Frühjahr 2014.

Dass sich Erscheinungstermine verschieben kommt immer wieder vor, sowohl bei großen als auch bei kleinen Verlagen. Das kann verschiedene Gründe haben. Z. B. dass die Übersetzung nicht pünktlich fertig wird, oder das Lektorat, manchmal hat es auch programmtechnische Gründe, oder es hängt in der Druckerei.

Bei kleinen Verlagen ist es ja meist so, dass man die Arbeit (Übesetzung, Lektorat, Covergestaltung usw.) nur nebenbei macht, da die Bezahlung nicht für den Lebensunterhalt reicht. Also geht der Brotberuf vor, und da muss die andere Arbeit hintenanstehen und ihren Terminkalender danach richten. Bei Golkonda erscheinen zur Zeit ganz viele Bücher, so dass sich die Arbeit wohl überschneidet und die ursprünglich genannten Termine etwas optimistisch gewählt waren (siehe hier:  Golkonda Blog)

Hängt die Übersetzerin bei großen Verlagen hinterher, wird oft noch eine zweite oder dritte dazugeholt, damit der Termin eingehalten werden kann. Das sorgt aber auch für Chaos in der Übersetzung, weil jede Übersetzerin einen Teil des Buches übernimmt, und diese Teile dann sprachlich und begrifflich aufeinander abgestimmt werden müssen. Dadurch erhöht sich das Fehlerpotenzial massiv. Auch der Stil kann darunter leiden (ein Extrembeispiel ist Dan Browns »Das verlorene Symbol«: 7 Übersetzer die eine Woche Zeit für den kompletten Roman hatten).

Verlage mit starren Terminen drücken die Veröffentlichung auch oft durch, wenn die Zeit eigentlich nicht reicht. Das führt dann zu Werken, die man bei Computerspielen als »verbuggte Version« bezeichnen würde. Und anders als bei den Spielen kann man bei gedruckten Büchern keinen Patch hinterherschieben.

Übersetzungen für die die notwendige Zeit fehlt, sind oft (nicht immer) fehlerhaft, lesen sich holprig, haben einen schlechten Stil, enthalten oft noch den englischen Satzbau – weil einfach die Zeit für den Feinschliff fehlte.

Die Verlage Golkonda und Atlantis legen sehr viel Wert auf sorgfältige, fehlerfreie Bücher, die in der bestmöglichen Übersetzung erscheinen. Da ist es besser, man verschiebt den Erscheinungstermin ein wenig nach hinten, statt eine suboptimale Version des Buches rauszubringen.

In diesen beiden Fällen liegt es an Folgendem:

Captain Future 4 – Der Triumph

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Die Übersetzung habe ich Ende August abgegeben, allerdings wurde die Übersetzung zu Band 3 »Die Herausforderung« ungefähr zur selben Zeit von meiner Kollegin abgegeben. Also hatte Band 3 erst mal Vorrang, was das Lektorat angeht. Das ist inzwischen fertig, der Anhang ist auch von Hannes Riffel übersetzt, den habe ich Anfang November nochmal durchgesehen, damit die Begriffe und Bezeichnungen auch einheitlich sind. Ich vermute, dass sich das Buch jetzt im Satz befindet und in den nächsten Wochen in den Druck geht. Insofern ist es ja nicht schlimm, dass Band 4 noch etwas braucht.
Meiner Einschätzung nach (ist jetzt nicht offiziell vom Verlag bestätigt), wird es sicher noch bis März/April dauern, bis Band 4 druckreif ist. Damit liegt er aber dann noch gut in der Zeit, denn Band 2 wird dann genau ein Jahr zuvor erschienen sein.

Das Blut der Helden

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Hier liegt es ganz alleine an mir. Ursprünglich hatte ich mit dem Verlag den 31. Oktober als Abgabetermin vereinbart. Aber durch die Endphase meines Studiums, einen Umzug von Berlin in den Westerwald und den Beginn einer Teilzeitstelle, war mir das terminlich einfach nicht möglich.
Dazu kommt, dass ich die Menge des Textes unterschätz habe. Ich dachte es würden 400 – 450 deutsche Normseiten werden, jetzt sind es aber knapp über 600.

Aktuell bin ich bei 500 Seiten. Fehlen also noch 100. Zusammen mit dem Korrekturgang (den ich zur Hälfte aber auch schon durch habe) wird es noch ungefähr 2-3 Wochen dauern. Dann muss das Buch auch noch ins Lektorat und der Lektor hat auch noch andere Bücher zu bearbeiten, außerdem steht dann Weihnachten vor der Tür.

Ich hätte die Übersetzung sicher auch einen Monat schneller geschafft, aber dann hätte sie nicht meine eigenen Qualitätsansprüchen erfüllt. So gibt es eine sorgfältig recherchierte und bearbeitete Fassung, die dem Lektorat hoffentlich weniger Arbeit macht und sich für den Leser flüssig und authentisch liest.
Im aktuellen Spiegel sagt der Linguist und Übersetzer Bernd-Jürgen Fischer, der in den letzten 10 Jahren Marcel Proust »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« neu übersetzt hat: »Sie können das ja nicht den ganzen Tag machen, dann kommt nur noch Unsinn dabei raus.«

Also, »Das Blut der Helden« von Joseph Nassise und »Captain Future 04 – Der Triumph« von Edmond Hamilton erscheinen erst im Winter/Frühjahr 2014, dafür aber in sorgfältig übersetzten und lektorierten Fassungen.

P.S.  Durch das Verfassen dieses Blogeintrags verschiebt sich die Veröffentlichung von »Das Blut der Helden« um weitere 30 Minuten. 🙂

Nachtrag: Hier die offizielle Meldung vom Atlantis Verlag.