Bericht vom Bucon auf Fantasyguide.de

Fantasyguide.de-Mastermind Ralf Steinberg, der mich zusammen mit dem Ernstfall Michael Schmidt zum diesjährigen Bucon begleitet hat, hat einen ausführlichen und reichhaltig bebilderten Bericht über die phantastische Veranstaltung verfasst. Ich kann mich dem nur anschließen. Die Vergrößerung des Hauptsaals ist eine großartige Idee, da es jedes Jahr mehr Besucher werden, von denen sich auch immer mehr kostümieren.

Der Bucon ist eine vielfältige Veranstaltung mit tollem Publikum geworden. Ich fühle mich da immer wieder wohl und freue mich über die zahlreichen faszinierenden Gesprächen mit interessanten Gesprächspartnern, die ich sonst teilweise das ganze Jahr nicht zu sehen bekomme. Auch wenn die Zeit nicht ausreicht, sich mit allen ausreichend zu unterhalten.

Hier durchblättert molosovsky gerade das von mir erworbene Vellum von Hal Duncan in der Übersetzung von Hannes Riffel.

(Foto von Ralf Steinberg)

(Foto von Ralf Steinberg)

Ansonsten habe ich beim Atlantis Verlag voll zugeschlagen, der neben den üblichen SF-Serien von Dirk van den Boom und Stefan Burban auch immer wieder interessante Experimente im Programm hat.

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„Der Herr des Turmes“ von Anthony Ryan

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Auf Fantasyguide.de ist jetzt meine Besprechung zu Der Herr des Turmes dem zweiten Band der Reihe „Rabenschatten“ von Anthony Ryan online.

Was diesen Roman (ebenso wie Teil 1) aus der Masse der Fantasyerscheinungen heraushebt, ist der packende Schreibstil des Autors, der jede auch noch so langweilig erscheinende Szene spannend und mitreißend schildert. Was Anthony Ryan erzählt, ist nicht besonders, aber wie er es erzählt. Auch wenn es hier durch den Wechsel der Erzählperspektive einen Bruch gibt, was von vielen Lesern auch kritisiert wurde. Durch die Ich-Erzählung Vaelins in Band 1 ist man als Leser direkt an ihm dran, erfährt die Geschichte durch seine Augen und bekommt so einiges über sein Innenleben mit. Man hat also eine persönliche Beziehung zu ihm als zentralen Bezugspunkt aufgebaut.

 

Dieser Bezugspunkt fehlt in Band 2. Trotzdem halte ich Ryans Entscheidung für richtig.

Hier meine Besprechung zur englischen Fassung von Teil 1 Blood Song

Belegexemplare eingetrudelt: Die Maschine Erwacht von Adam Christopher

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Heute sind die Belegexemplare zu meiner Übersetzung von Adam Christophers Die Maschine erwacht eingetroffen. Dazu hier noch mal der Klappentext:

Als der alternde Flottenadmiral ermordet wird, vermutet Special Agent Von Kodiak, es wäre das Werk seines Nachfolgers gewesen. Doch als auch dieser ermordet wird, gerät alles aus den Fugen und Kodiak findet heraus, dass der Hauptverdächtige jemand aus seinen eigenen Reihen ist – ein PSI-Marine und ausgezeichneter Held – ein Held, der vor Monaten im Kampf gefallen war … Doch noch etwas anderes geht im Jovian-System vor sich. Sie sind hinterlistig und intelligent. Sie sind Maschinen und sie sind hungrig. Die Spinnen sind nicht mehr weit …

Warum es sich lohnt, das Buch zu lesen? Ich finde, dass Christopher da ein sehr interessantes Zukunftsszenario entworfen hat: Die Menschheit im Konflikt (manche nennen es auch Krieg) mit einer intelligenten Maschinenrasse, die aus spinnenartigen Wesen besteht, die teilweise so groß sind, dass sie ganze Kontinente verschlingen können (zwecks Rohstoffabbau). Was sie in diesem Fall auch mit Südamerika gemacht haben. Die Erde ist also deutlich gezeichnet, von diesem Konflikt (der auf unzähligen Planeten auf äußerst blutige Weise ausgetragen wird). Geführt wird die Menschheit dabei von einer militärischen Organisation, die deutlich autoritärer ausgelegt ist, als die Sternenflotte.

Während Band 1 noch auf einer abgelegenen Weltraumstation spielt, geht es jetzt mit neuen Hauptfiguren auf die Erde, wo sich ein spannender Thrillerplot um eine Verschwörung innerhalb der Führungsriege und dem militärisch-industriellen Komplex entfaltet, die zu einer spannenden Hetzjagd und schließlich zu einem spektakulären Showdown im All führt.

Die Maschine erwacht ist ein flott zu lesender und unterhaltsamer SF-Thriller in militärischem Umfeld, mit einer ganz interessanten (wenn auch nicht übermäßig detailliert ausgebauten) Zukunftsvision. Kann man auch unabhängig von Band 1 lesen.

Die Übersetzung von Band 3 werde ich vermutlich Anfang nächsten Jahres beginnen (der Autor muss erst selbst noch mit dem Buch fertig werden).

Mich freut es jedenfalls, wenn mein Regal mit den Belegexemplaren weiter anwächst. Da fehlt jetzt noch Captain Future – Sternenstraße zum Ruhm. Aber ich habe keine Ahnung, wann das erscheinen wird. Sicher nicht vor Mitte 2016.

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An dieser Stelle möchte ich mal auf das lesenswerte Romanprogramm von Cross Cult hinweisen. Da gibt es nicht nur Franchise-Romane zu Star Trek, Dr. Who, James Bond, Castle usw., sondern inzwischen auch eine eigenständige SF-Schiene mit (nicht nur SF-) Romanen von Stephen L. Kent, Claudia Kern, Stephen Baxter und eben Adam Christopher. Dazu ist gerade ein dicker Kurzgeschichtenband von Tad Williams (Das Beste von Tad Williams) erschienen, der bei mir schon im Regal direkt neben den Osten-Ard-Romanen steht.

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Veranstaltungstipp Phantastik: Bucon 2015

Für Freunde phantastischer Literatur ist die Frankfurter Buchmesse (anders als die Leipziger Buchmesse mit ihrer Fantasyleseinsel) eher uninteressant. Doch nicht weit von ihr entfernt findet am Buchmessesamstag in Dreieich Sprendlingen sozusagen die phantastische Parallelweltveranstaltung zur Buchmesse statt. Der Buchmessecon (kurz Bucon).

Hier trifft sich das Phantastikfandom aus ganz Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum. Dazu gibt es zahlreiche Lesungen von eher unbekannten Autorinnen und Autoren bis hin zu Größen wie Wolfgang Hohlbein, Markus Heiz, Bernhard Hennen, Oliver Plaschka oder Tommy Krappweis. Dazwischen verirrt sich hier und da auch mal ein Vortrag, wobei mir persönlich da das Angebot etwas zu dünn ist (da sind andere Cons wie der Elstercon oder der Dortcon etwas besser aufgestellt). Was ich besonders vermisse, sind die Podiumsdiskussionen, die es früher einmal gab.

Ich besuche den Bucon seit etwa 10 Jahren, und die meiste Zeit gab es drei parallele Programmschienen und um die 300 Besucher. In den letzten zwei, drei Jahren war schon ein deutlicher Anstieg der Besucherzahlen auf 500+ zu bemerken, im letzten Jahr hat man darauf reagiert, und die Programmschiene erweitert. In diesem Jahr sind die parallelen Programmpunkte auf unübersichtliche 7 Programmschienen mit insgesamt 56 Veranstaltungen angewachsen (und für molo war immer noch kein Platz da!), was für viele Besucher sicher die Qual der Wahl bedeutet.

Das ist bei mir allerdings nicht der Fall, da ich Lesungen (die ich meist langweilig finde, ich lese furchtbar gerne Bücher, aber lasse mir nur ungern vorlesen) nur äußerst selten besuche. Mir geht es darum, mich mit Freunden und Internetbekannten zu treffen und zu unterhalten, die ich sonst nur selten oder gar nicht sehe.

Den Abschluss der Veranstaltung bildet traditionell die Verleihung des Deutschen Phantastik Preises.

Falls mich jemand von der Seite anquatschen möchte, nur zu – so sehe ich aus:

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Naja, vielleicht doch eher so:

Ich-bucon

Meine Lektüre September 2015

45. Aliette der Bodard – House of Shattered Wings
46. Terry Brooks – The Elfstones of Shannara
47. Brian K. Vaughan, Fiona Staples – Saga 1 (Comic)
48. Jo Walton – Die Stunde der Rotkelchen
49. Nancy Jane Moore – The Weave
50. Luisa Binder – Eigentlich sind wir nicht so
51. Keigo Higashino – Heilige Mörderin

Aliette der Bodard – House of Shattered Wings

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Da ihre Kurzgeschichten mit zu dem Besten gehören, was ich in der letzten Zeit gelesen habe, gab es in diesem Jahr kaum einen Roman,  auf den ich mich untern den Neuerscheinungen 2015 mehr gefreut. Das Setting um gefallene Engel, die sich in Häusern organisiert (Adelshäusern gleich) im postapokalyptischen Paris nach dem 1. Weltkrieg einen Intrigenreigen liefern, wirkt zunächst recht interessant, stellt sich aber leider als ziemlich langweilig raus. Zumindest ging es mir beim Lesen so. Das Buch ist durchaus gut geschrieben (und sprachlich interessant), aber die Story (die fast komplett im House Silverspires spielt) hat sich für mich wie Kaugummi hingezogen. Die zahlreichen begeisterten Kritiken in den üblichen Genrepublikationen kann ich deshalb nicht so ganz nachvollziehen. Der Weltenbau weist durchaus interessante Ansätze auf, wie die Verbindung der christlichen Engelsmythologie mit spirituellen asiatischen Welten mit magischen Wesen, konnte mich aber gerade in Bezug auf die gefallenen Engel nicht überzeugen.

Terry Brooks – The Elfstones of Shannara

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Die klassische epische Fantasy begann mit einer Kopie. Das Schwert von Shannara habe ich als dreisten Tolkien-Abklatsch in Erinnerung, der aber ganz ordentlich geschrieben ist. Mit dem 50 Jahre später spielenden Folgeband um die Elfensteine von Shannara – den man ganz unabhängig und eigenständig lesen kann – löst sich Brooks von seinem großen Vorbild und erschafft eine toll geschriebene, fantasievolle, spannende und ergreifende Geschichte, mit der er den Grundstein für den Erfolg der epischen Fantasy der 80er Jahre legte. Läuft im Januar übrigens als Serie auf MTV an; der Trailer sieht gar nicht so schlecht aus.

Brian K. Vaughan, Fiona Staples – Saga 1 (Comic)

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Toller Science-Fantasy-Comic, mit erfrischend frechen Hauptfiguren, durchgeknallten Ideen und einer interessanten Story, bei der man aber noch nicht so recht weiß, worauf sie hinaus will. Ist allerdings nichts für prüde Gemüter. Was Zeichnungen angeht, bin ich wahrlich kein Experte, aber während ich die Figuren toll gezeichnet finde, hätten die Hintergründe ruhig etwas üppiger ausfallen können. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr.

Jo Walton – Die Stunde der Rotkelchen

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Atemberaubend gut geschriebener Alternativweltkrimi, der in einem England spielt, das vor 8 Jahren (also 1941) Frieden mit dem Deutschen Reich geschlossen hat. Nun wird einer dieser Friedensvertragabschließer während eines Partywochenendes der feinen Gesellschaft auf einem Landsitz ermordet, und keiner will es gewesen sein. Wachsender Antisemitismus, Homosexualität als Verbrechen, eine schleichende Entdemokratisierung der Gesellschaft, die Not der Juden auf dem Kontinent – Jo Walton packt ganz schön viele Themen in diesen klassischen Whodunit-Krimi im Stile Agatha Christies. Und das macht sie meisterhaft. Der zunächst gemächlich anlaufende Plot um die Ermittlungen entwickelt sich gegen Ende in ein hochdramatisches und spannendes Finale, das auf die gerade erschienene Fortsetzung Der Tag der Lerche neugierig macht. Besonders loben möchte ich an dieser Stelle die Übersetzung von Nora Lachmann, die sich so wunderbar elegant liest, wie ich es selten erlebe. Was für ein wunderbarer Stil!

Nancy Jane Moore – The Weave

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Gut geschriebener Erstkontaktroman über eine wissenschaftlich/militärische Expedition, die auf einem fernen Planeten auf ein Volk stößt, das ausschließlich telephatisch in Bildern kommuniziert, was zu einigen Verständigungsproblemen führt. Ganz zu schweigen davon, dass das Militär den mit angeblich primitiven Wilden besiedelten Planeten in bester kolonialer Tradition ausbeuten möchte, was dazu führt, dass es in der insgesamt eher ruhigen Handlung noch so richtig kracht. Hat mir sehr gut gefallen. Ein wenig musste ich an etwas ältere SF wie Poul Andersons Planetenwanderer denken, aber auf dem neuesten Stand der Technik. Ich hoffe sehr, dass der Roman einen deutschen Verlag finden wird.

Luisa Binder – Eigentlich sind wir nicht so

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Ein kauziger Familienroman heißt es auf dem Titelbild. Dass es um eine Studentin geht, die nach dem Studium der nutzlosen Künste (Geisteswissenschaften) aus der Großstadt wieder zu ihren Eltern aufs Dorf zieht, kommt mir doch sehr bekannt vor. Dass sie auch als Erwachsene (was immer das heißen soll) noch gerne „Die drei Fragezeichen“-Hörspiele hört, gibt bei mir direkt Sympathiepunkte. Aber so nach Hundert Seiten ist dieser Bonus verbraucht, wenn sich das Buch dann als doch zu seichte Familienklammmotte entpuppt, die gut ins Vorabendprogramm der ARD passen würde (direkt vor Klinik unter Palmen oder so). Der Schreibstil ist mir auf Dauer doch etwas zu simpel und glanzlos ausgefallen und die Handlung sehr schnell sehr vorhersehbar und zu bemüht auf Situationskomik getrimmt. Ich bin mir aber sicher, dass das jetzt auch nicht schlecht geschriebene Buch durchaus sein Publikum findet, aber ich gehöre nicht dazu und greife lieber wieder zu Kathrin Scholes oder Anna McPartlin.

Keigo Higashino – Heilige Mörderin

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Wieder mal ein sehr cleverer Krimi des japanischen Autors, mit einer Auflösung, die man so sicher nicht erahnt hätte. Sehr erfrischend ist, dass es sich um einen reinen Ermittlungsroman handelt, in dem es nicht eine einzige Actionszene gibt, es spritzt kein Blut und bis auf den einen Giftmord, über den alle rätseln, wird auch nicht weiter gemeuchelt. Trotzdem ein sehr spannendes Buch.

Das mysteriöse Buch – The Mysterious Book jetzt auf Deutsch

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Vor über einem Jahr gab ich hier im Blog einige Hinweise auf ein mysteriöses Buch in einer so wunderschönen Aufmachung, wie sie mir noch nie zuvor begegnet ist. Am 8. Oktober wird das Buch jetzt auf Deutsch erscheinen. Für die Übersetzer und die Redaktion muss es eine Herkulesaufgabe gewesen sein, das Buch in originalgetreuer Aufmachung ins Deutsche zu übertragen. Ich hoffe, dass sich der Aufwand auszahlen wird. Mit 45 Euro ist es nicht gerade billig. Für die Originalausgabe habe ich seinerzeit 20 Euro bezahlt, was mir aber aufgrund der enorm aufwendigen und gekonnten Aufmachung viel zu billig erschien.

Denis Scheck wird das Buch heute Abend in seiner Sendung Druckfrisch empfehlen. Ich bin gespannt, was er dazu zu sagen hat.