„Die Neunte Stadt“ – die Gewinner der Verlosung

So, die eine Woche ist um, die Teilnahmefrist an der Verlosung zu Ende. Vier Teilnehmer gibt es, die sich die Mühe gemacht haben, einen recht trockenen und nicht ganz einfachen Textabschnitt aus dem Buch Die Neunte Stadt von J. Patrick Black zu übersetzen. Vielen Dank für eure Teilnahme! Ich bin ja selbst eher faul, was die Teilnahme an Gewinnspielen angeht. Wenn ich mehr machen muss, als etwas anklicken und ein Formular ausfüllen, lass ich es meistens sein.

Eigentlich wollte ich nur zwei Exemplare verlosen, aber da die Teilnehmeranzahl überschaubar geblieben ist, erhalten alle vier (Bosper, Angela, boreeas und Herr Schäfer) ein Exemplar. Schickt mir doch bitte eure Anschrift an markusmaeurer(hierdateteinfügen)gmx.de.

Den Originaltextabschnitt kann man im Ursprungspost nachlesen, die Übersetzungen der Teilnehmer unten in den Kommentaren. Hier noch die Übersetzung, die im gedruckten Buch steht (von mir übersetzt, von Birgit Herden lektoriert):

Die Bände mit überpräziser legalistischer Sprache, die die Bibliotheken der Akademie füllen, sind ein Versuch, Thelemitie auf etwas Standardisiertes und Beliebiges zu reduzieren, etwas, das gelehrt und kontrolliert werden kann. Aber man kann das Chaos und die Subjektivität nicht vollständig aus etwas herausfiltern, das grundsätzlich chaotisch und subjektiv ist. Standardisierte Artifizien versuchen, alle möglichen Zugänge abzudecken, während man in Wirklichkeit nur das Richtige sagen muss. Ähnlich, wie eine einzelne Zeile Poesie mehr Bedeutung enthalten kann als tausend Seiten mit Instruktionen. Damit ein Artifizium wirklich funktioniert, muss der Artifex verstehen, was er macht und warum er es macht.

Wie schon erwähnt, es gibt nicht die eine Richtige Übersetzung, sondern unterschiedliche Annäherungen an das Original. Mit »Volumes« sind in diesem Fall die Bände gemeint, die in einer Bibliothek stehen (»Volume 1« = »Band 1). »Artifices« hatte ich zunächst noch als »Geschicke« übersetzt, aber das klang zu holprig und zu sehr nach Fantasy und passte nicht zum akademischen Ausrichtung des Buchs. Zunächst hatte ich dann »Artifice« unter Vorbehalt beibehalten, die Lektorin hat dann »Artifizium« vorgeschlagen. Insofern ist keine der Übersetzungen der Teilnehmer falsch, da eine solche Grundsatzentscheidung aus dem Kontext des gesamten Romans getroffen werden muss.

Der »Artifex« steht dort nicht im Original, aber er ist derjeniege, der ein »Artifizium« baut bzw. erschafft. Damit hat man dann eine Wiederholung von »man« und ein Nutzung des im Deutschen eher hässlichen »du« vermieden, das auch nicht passt, wenn man vorher »man« benutz hat. Aus eine längeren englischen Satz kann man ruhig mal zwei machen, wenn es der Lesbarkeit im Deutschen dient. Und einen so eleganten Übergang wie mit Nebensatz, den »the way« einleitet, gibt die deutsche Grammatik leider nicht her. Wobei »so wie und »vergleichbar« natürlich auch passen.

Es ist übrigens nichts Verwerfliches daran, sich beim Übersetzen Hilfe zu holen. Das mache ich auch. Beim Berliner Übersetzungsstammtisch, den ich vier Jahre lang besucht habe, kommen auch immer wieder erfahrene Übersetzer, die schon Pulitzer- und Booker-Preisträger übersetzt haben, und holen sich Rat bei kniffligen Stellen. Ich stelle Übersetzungsprobleme gelegentlich auf Facebook zur Diskussion.

Viel Spaß mit dem Buch!

Übersetzungs-Gewinnspiel – drüben bei Frank Böhmert

Frank Böhmert – der maßgeblich mit dafür verantwortlich ist, dass ich heute als Übersetzer tätig bin – führt auf seinem Blog ein Übersetzungs-Gewinnspiel durch. Verlost werden die Belegexemplare seiner aktuell erschienenen Übersetzung »Ich sehe was, was niemand …« (das letzte Wort kann ich nicht sehen). Das erste Exemplar habe ich ganz frech abgestaubt. Aber es geht so lange mit neuen Textstellen weiter, bis alle Exemplare vergeben sind.

Was müsst ihr machen?

Einfach nur die aktuelle Textstelle ins deutsche Übersetzen und als Erstes in den Kommentaren posten.

An meiner Fassung des ersten Beispiels merkt man übrigens, warum ich am nächsten Tag noch mal gründlich über den am Vortag übersetzten Text drübergehe. Nachdem ich die Fasung abgeschickt habe, kam mir in den Sinn, dass man doch das eine oder andere »sagte« hätte rausnehmen können. Im Englischen wird »he said« und so weiter im Überfluss verwendet. Das kann man im Deutschen an vielen Stellen weglassen, wenn man sich sicher ist, dass der Leser immer noch weiß, wer da gerade spricht. Wie man an Franks Version sieht, verleiht das dem Text mehr Dynamik.