Serienempfehlungen abseits der üblichen Verdächtigen 2

Teil 1 gibt es hier.

You Me Her

Tolle Beziehungskomödie, über eine Dreiecksbeziehung eines Ehepaars mit einer Studentin, die sich ihr Studium als Escortgirl finanziert. Durch die fehlenden Beschränkungen des Networkfernsehens hätte ich fast geschrieben, dann aber gesehen, dass die Serie vom Sender Audience Television ist, trotzdem geht die Serie ganz unverkrampft mit Sexualität und alternativen Beziehungsmodellen um. Gegen Ende droht der Albernheitsfaktor durch die spionierende Nachbarin, die unsere Protagonisten für die Wiedergeburt der Klopeks zu halten scheint, etwas überhandzunehmen, aber zum Glück bekommt die Serie genau im richtigen Moment wieder die Kurve zur durchaus ernsten Thematik, die aber unterhaltsam präsentiert wird. Das Highlight der Serie sind die beiden bezaubernden und strahlenden Hauptdarstellerinnen Priscilla Faia und Rachel Blanchard. Der Balanceakt zwischen ernsthaftem Beziehungsdrama und Romcom gelingt ganz hervorrragend. Mir hat die Serie richtig Spaß gemacht.

Fleabag

Britische Comedyserie von Phoebe Waller-Bridge, die aber deutlich zynischer und abgründiger daherkommt als You Me Her. Eher so was wie ein britisches, weibliche Louie in böse. Irgendwie fällt es mir schwer, den Inhalt angemessen wiederzugeben. Einfach selber ansehen.

Les Grandes Grandes Vacances (Die langen großen Ferien)

Ist eine tolle französische Zeichentrickserie über eine Kindheit in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs, mit einem Hauch Ghibli, den Freuden der Kindheit, aber auch der bedrohlichen Atmosphäre, die der Krieg mit sich bringt. Bisher habe ich nur die erste Folge gesehen (wohl zwei Episoden zu einer zusammengefasst), bin aber hellauf begeistert.

Hooten and the Lady

Britische Abenteuerserie im Stil von Relic Hunter oder The Librarians, gefällt mir aber deutlich besser als die beiden genannten Serien. Die Pilotfolge ist etwas wirr geraten, danach fängt sich die Serie aber, allerdings darf man nicht zu sehr über Logik und ähnliche Spaßbremsen nachdenken.

Serienempfehlung: Penny Dreadful

Als eine Serie mit dem Titel Penny Dreadful angekündigt wurde, dachte ich da an eine Anthologiesendung mit abgeschlossenen Einzelfolgen auf durchschnittlichem Niveau, obwohl die Penny Dreadfuls aus dem 19. Jahrhundert in der Regel Seriengeschichten waren, die über einen längeren Zeitraum veröffentlicht wurden. Ich habe mich dann auch, anders als sonst, nicht weiter über die Serie informiert, sondern einfach reingeschaut, als mir dies Ende September dank Netflix möglich war.

Ich hätte nicht falscher liegen können. Dass man hier mehr als Durchschnittsware präsentiert bekommt, hätte schon durch den ausstrahlenden Sender Showtime klar sein sollen, aber auf welch hohem und gleichzeitig unterhaltsamen Niveau die Serie daher kommt, hat mich gleich in der ersten Folge von den Socken gehauen. Hier stimmt einfach alles: Drehbücher, SchauspielerInnen, Ausstattung, Literaturverwurstungen usw.

Penny Dreadful spielt im viktorianischen London, ungefähr zur selben Zeit, wie die im letzten Jahr angelaufene Serie Dracula (die in Deutschland am Montag auf VOX startet), und ähnelt dieser auch thematisch. Immerhin geht es um Vampire und Namen wie Mina Harker und Van Helsing tauchen auf. Wo aber Dracula, trotz interessanter Ansätze am eigenen oberflächlichen Pomp mit schwülstigen Dialogen, sinnlosem Kostümgedöns und peinlichem Pathos zugrunde geht (die Serie wurde nach der ersten Staffel eingestellt), zeigt Penny Dreadful, wo der Hammer über dem Pflock ins Herz des Vampirs hängt.

Von der Ausstattung her befindet man sich auf einem ähnlich hohen Niveau, wie Ripper Street; als Zuschauer fühlt man sich förmlich in die schmutzigen und vom Dampf aus den Fabriken vernebelten Straßen Londons hineingezogen, wo die an Schwindsucht erkrankten Dirnen einem hustend das Blut auf die polierten Schuhe spucken und eine Bande von lärmenden Straßenjungen einem den Geldbeutel aus der feinen Hose stibitzt, wo die Angst vor dem Ripper die Menschen eilige an dunklen Gassen vorbeihuschen lässt, hinein in die vermeintliche Sicherheit der flackernden Gaslichter.

Die Drehbücher und Dialoge sind noch mal eine Stufe über Ripper Street und die Darsteller sogar zwei Klassen besser. Allen voran Eva Green, die molosovsky kürzlich als weiblichen Klaus Kinskis bezeichnet hat (rein im schauspielerischen Sinne natürlich). Aber auch Timothy Dalton als ehrgeiziger und gnadenloser Adliger, der für seine Ziele auch über die Leichen von Freunden geht. Herauszuheben ist auch Rory Kinnear, der seiner Figur als widererweckter Kreatur eine poetische Traurigkeit verleiht, die ihreslgeichen sucht.

Inhaltlich ist die Serie eine Mischung aus Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman und verschiedenen historischen Gruselstoffen aus der viktorianischen Zeit. Ich möchte hier jetzt nicht zu viel Spoilern, da ich selbst ja nicht über die Serie im Vorfeld wusste, und von jedem neuen Namen und Auftreten positiv überrascht wurde.

Im Prinzip geht es um einen Vater, der seine an ein übernatürliches Wesen verlorene Tochter zurückbekommen möchte. Dafür umgibt er sich mit einer illustren Schar teilweiser nicht weniger übermenschlicher Wesen und geht rücksichtlos auf die Jagd. Das ist aber nur die Grundstory, der rote Faden, der durch die Serie führt. Daneben gibt es noch viele andere Handlungsstränge, die zunächst nur lose oder gar nicht miteinander verbunden sind. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte, der viel Raum eingeräumt wird, und die oft in einzelnen Folgen ausführlich erzählt werden. Dadurch gibt es keine klassische lineare Erzählstruktur, die durch kurze Flashbacks ergänzt wird, sondern immer wieder Einzelfolgen, die auf ihre ganz eigene Weise erzählt werden und dadurch für viel stilistische Abwechslung sorgen (anders als das monotone Dracula).

Eva Green ist eine Wucht. In der ersten Folge wirkt sie noch sehr stoisch und zeigt kaum eine Regung auf ihrem Gesicht, aber schon in der zweiten Folge, lässt sie während einer Séance so richtig die Sau raus, und zeigt, was für eine wandlungsfähige Schauspielerin sie ist. Eine Leistung, die im weiteren Verlauf der Serie sogar noch gesteigert wird. Auch Josh Hartnett liefert als geheimnisvoller amerikanischer Revolverheld eine gute Vorstellung.

Penny Dreadful ist gruselig, unheimlich, brutal, traurig, poetisch und vieles mehr. Hier werden nicht einfach klassische Schauergeschichten mit den Mitteln des modernen Fernsehens erzählt. Da steckt viel mehr drin.  Es werden unterschiedliche historische und literarische Themen kunstvoll zu einer eleganten und schaurigen Mischung verwoben.

Die Serie verdient es viel genauer analysiert zu werden (was ich vor Start der zweiten Staffel tun werde), aber in diesem Beitrag hier möchte ich ganz spoilerfrei auf sie hinweisen.

Bei Showtime gibt es eine interaktive Karte, auf der man die Schauplätze der Serie besuchen kann. Aber vorsicht, hier werden die Namen der Figuren gespoilert.

Und hier noch ein spoilerfreier Trailer, der einen guten Eindruck von der Serie vermittelt:

 

Aktuelle TV-Serien: Abbrüche und was ich weiterhin gucke

Agents of the S.H.I.E.L.D ist scheiße

Claudia Kern in der aktuellen Ausgabe der Geek.
Das ist doch mal ein Wort!

Ich habe mich jetzt entschlossen, einige der Serienneustarts 2013 – die nicht wirklich schlecht sind, aber so lauwarm vor sich hinplätschern, ohne Spannung zu erzeugen – abzubrechen (S.H.I.E.L.D. musste schon letztes Jahr dran glauben). Darunter:

The Blacklist„- null Spannung, nur eine gute Figur mit dem von James Spader gespielten Reddington, keine Ahnung, worauf das hinauslaufen soll.

Dracula – Steampunkdracula, ganz nett von der Idee her, bleibt aber insgesamt zu blass, auch hier kaum Spannung

Almost Human – 08/15-Procedural mit nettem Zukunftsdesign; erinnert aber mehr an die Zukunft aus den 80er Jahren. Auch hier null Spannung, da man den im Piloten angedeutet folgenübergreifenden Handlungsbogen einfach Links liegen lässt.

American Horror Story (dritte Staffel) – die erste Staffel beginnt mit grandioser Ästhetik und Kameraführung, die Story bleibt zerfahren, spannungsarm, willkürlich und ohne roten Faden.

Bei Sleepy Hollow bin ich noch unentschieden. Ist überraschend gut, tolle Haupfigur, schräger Humor, aber auch hier fehlt ein wenig die Spannung. Fiebere kaum den neuen Folgen entgegen.

Die virenverseuchte SF-Serie Helix muss sich noch deutlich steigern. Bisher wirkt es eher gurkig, da sind Effekte dabei, die sehen aus wie die Stop-Motion-Sachen aus „Evil Dead“. Und ich meine das Original von 1981!

Freuen tue ich mich hingegen auf die demnächst anlaufenden zweiten Staffeln der Mid-Season-Serien Vikings, Bates Motel und Hannibal. Bin auch sehr auf True Detective gespannt.

Aktuell sehe ich (Staffelnummer in der Klammer): Ripper Street (1), The Fear, Hell on Wheels (3), Mob City (nur 6 Folgen), The Walking Dead (4, da stehe ich wie immer kurz vor dem Abbruch), Blue Bloods (2), Ray Donovan (1)

Nachtrag: Habe meine aktuelle Lieblingsserie ganz vergessen. Die grandiose dritte Staffel von Person of Interest.

Serienneustarts Herbst 2013 – Teil 1: die Sitcoms

In den USA hat die neue TV-Saison begonnen und viele neue Serien sind an den Start gegangen. Ich habe es auf mich genommen, mir einige der Pilotfolgen anzusehen und werde ich zu jeder von ihnen ein paar Sätze schreiben.

Ich fange mit den Sitcoms an. Vielleicht liegt es ja an mir, aber bis auf „Raising Hope“ und „Community“ habe ich in den letzten vier Jahren keine neue Sitcom gesehen, die mich ähnlich begeistern konnte, wie einst „Eine schrecklich nette Familie“, „Two and Half Men“, (zumindest zu Beginn), „The Big Bang Theory“, „How I Met Your Mother“ oder „King of Queens“. Ich habe den Eindruck, dass die große Sitcomzeit endgültig (oder zumindest vorerst) vorbei ist.

Mom – Pilotfolge: eine neue Sitcom von Chucke Lorre. Der Pilot kann einen uninspirierten Cameo von Alan Harper aufweisen, ist ansonsten aber einfach nur nervig. Hier geht es um eine alleinerziehende Alkoholikerin, die als Kellnerin arbeitet und nahe am Wasser gebaut ist. Lahme Gags und flache Figuren. Hat mich nicht einmal zum Lachen gebracht. Werde ich nicht wieder einschalten.

 

Trophy Wife – Pilotfolge: diese Familiensitcom, in der es um die titelgebende Trophäenfrau geht, die sich mit den Ex-Frauen ihres Mannes, die auch die Mütter seiner Kinder sind, rumschlagen muss, ist einfach nicht mein Fall. Schlecht gemacht ist sie aber nicht. Trotzdem habe ich nach zehn Minuten wieder abgeschaltet.

 

The Michael J. Fox Show – Pilotfolge: toll, dass Fox wieder im TV zu sehen ist. Hier wird seine Parkinson-Erkrankung offensiv thematisiert und muss für viele Gags herhalten. Die sind zumindest teilweise ganz witzig, reichen aber nicht an seinen Auftritt in „Curb your Enthusiasm“ heran. Der Pilot war durchwachsen, die Krankheit wurde zu offensichtlich bzw. zu häufig thematisiert. Ich hoffe, das ändert sich noch. Michael J. Fox offensiver und humorvoller Umgang mit der Krankheit ist bewundernswert, trägt aber auf Dauer keine ganze Serie. Mal schauen, wie es weitergeht.


The Crazy Ones – Pilotfolge: Robin Williams in einer Serie von David E. Kelley! Warum ist vorher noch niemand auf diese Idee gekommen. Williams ist einfach perfekt für die extrovertiert-genial-verrückten Figuren von Kelley. Hier geht es um einen alternden Werbeprofi, dessen Ruhm am Verblassen ist, und der mit Hilfe seiner Tochter (Sarah Michelle Geller) versucht, die Firma zu retten.
Die zweitbeste neue Sitcom, die ich bisher gesehen habe, aber schade, dass es nur ein Zwanzigminüter ist, in diesem kurzen Format können sich die intelligenten und cleveren Drehbücher aus der Kelley-Schmiede nicht so richtig entfalten. Die Sendung lohnt sich aber allein schon wegen Robin Williams.

 

Brooklyn-Nine-Nine – Pilotfolge: Zur Abwechslung mal eine Copcomedy, ein Format, dass ich seit „Sledge Hammer“ nicht mehr gesehen habe. Und gar nicht so unwitzig, wenn auch teilweise etwas zu albern. Auch zündet nicht jeder Gag, aber die Serie hat definitiv Potential.

 

Back in the Game – Pilotfolge: Die beste der neuen Sitcoms, mit schwarzem, politisch unkorrektem Humor, James Caan als altem Stinkstiefel, einer alleinerziehenden Mutter, die einst eine hervorragende Baseballspielerin am College war, und jetzt das Team ihres völlig untalentierten Sohnes trainiert. Die Serie hat Charme, und wirkt nicht so gekünstelt, konstruiert und gewollt wie die meisten anderen Sitcoms.

Alle neuen Sitcoms habe ich nicht gesehen, das sind einfach zu viele und darauf habe ich auch gar keine Lust. Dads von Seth McFarlan soll auch ziemlich unlustig sein, Welcome to the Family wurde von NBC schon wieder eingestellt. The Goldbergs will ich mir noch ansehen.

Im zweiten Teil wird es um die neuen Dramaserien der Networks gehen, darunter Sleepy Hollow, Marvel’s Agents of the S.H.I.E.L.D, Blacklist und Hostages.

Die Entwicklung der amerikanischen Sitcom

Da TV-Serien ja ein Schwerpunkt meines Blogs sind, hier ein längerer Eintrag zur Entwicklung der amerikanischen Sitcom. Der ist ursprünglich, in leicht abgewandelter Form, ein Kapitel in meiner Bachelorarbeit Die Darstellung von Armut und Unterschicht in amerikanischen TV-Serien, analysiert am Beispiel der Serien „Raising Hope“ und „Shameless“ gewesen.

 
Da es sich um einen akademischen Text für eine deutsche Universität handelt, ist er sprachlich etwas trocken und langweilig geworden. Aber die wollen das so (seufz).
Hauptsächlich orientiere ich mich in diesem Kapitel an dem Buch „Honey, I’m Home: Selling the American Dream“ von Gerard Jones.

Die Entwicklung der amerikanischen Sitcom

Das Format der Sitcom ist älter als das Fernsehen selbst. In den 1920er und 30er Jahren erfreute sich das in den USA weitverbreitete Radio großer Beliebtheit. Eines der gängigen Formate war die „Situational Comedy“ (Sitcom). Vorbilder dafür waren Comicstrips. Die Sitcoms bestanden vor allem aus familientauglichen Sendungen und sogenannten Vaudevilleshows. Meist waren diese ethnischen Komödien, in denen Einwandererfamilien oder einzelne Figuren aus Irland, Italien oder anderen europäischen Ländern durch die kulturellen Unterschiede in komische Situationen gerieten.

Diese Sitcoms wurden wie viele andere Radiosendungen, die auf den Networks wie NBC, CBS oder ABC liefen, von Unternehmen (wie z. B. Kraft Food) gesponsert (vgl. Jones, 24). Diese Unternehmen übten erheblichen Einfluss auf die Inhalte der Sendungen aus. Der Großteil der Radiohörer (und damit auch der Werbezielgruppe) gehörte zur konservativen Mittelschicht, dementsprechend bestanden die Sponsoren auf unkritische, konservative Themen.

Der Start des Fernsehens verlief, anders als der des Radios, etwas holprig. Es dauerte lange, bis der Fernseher Einzug in die Mehrheit der US-Haushalte hielt. Auch für die Fernsehsender verlief der Start eher schleppend. Aufgrund der hohen Kosten für die Technik konnten es sich nur die größten Radiosender (also Networks wie NBC, ABC und CBS) leisten, ins TV-Geschäft einzusteigen. Hinzu kamen technische Hürden: Aufgrund fehlender Aufnahmekapazitäten wurden Sendungen live aufgeführt und waren in der Produktion sehr teuer, auch die Übertragung über den großen nordamerikanischen Kontinent stellte sich als schwierig heraus. Es gab nur wenige Zuschauer, was es für Werbekunden wenig attraktiv machte. Es war der Sport, genauer gesagt Baseball, der dem Fernsehen endgültig zum Erfolg bei den Zuschauern verhalf (vgl. Jones, 39).

Sitcoms gab es in den ersten Fernsehjahren noch nicht. Ende der 1940er Jahre konnten aber Sitcoms wie „Ozzie and Harriet“ und „My Friend Irma“ erste Erfolge feiern. Ethnische Sitcoms wie „The Goldbergs“ und „Mama“ folgten einem Muster, dass sich bis zu „Famous Teddy Z.“ von 1989 hielt (vgl. Jones 45). The older generation struggles under its traditional culture as the younger one apes American values (Jones, 45). Die ethnischen Sitcoms kamen im Zuge des Red Scares in Schwierigkeiten, Assimilation und die Verleugnung der eigenen Herkunft verbreitete sich immer mehr im Land und machte es solchen Sendungen schwierig, sich zu halten.

In den1950er Jahre präsentierten Sitcoms eine homogene, assimilierte Gesellschaft, die ausschließlich amerikanische Werte vertrat. Man wandte sich von größeren sozialen Gruppen ab  und konzentrierte sich auf die Familie (vgl. Jones 61). Es entstanden Shows mit Namen wie „My favorite Husband“, „The Honeymooners“, „Father knows best“ und „I love Lucy“.

… middle- and working-class family sitcoms to promote the commodities necessary for middle-class assimilation, but also to position working-class characters as stern object lessons in the battle to promote a „classless“ American post–World War II idyll. (Williams, 8)

Hinter den Sitoms dieser Zeit steckte also nicht nur die Absicht, die Zuschauer zu unterhalten, sondern eine politische und eine wirtschaftliche Agenda, die dabei helfen sollte die Zivilgesellschaft im Sinne von amerikanischen Werten und dem Corporate America umzustrukturieren und umzuerziehen.

Der Erfolg dieser Serien lag aber nicht an dieser ideologischen Agenda, die den meisten Zuschauern vermutlich gar nicht bewusst war. I love Lucy“ came along at the moment when Americans were finally putting the depression and the war behind them and trying  to shift back into “normalcy,” which for women meant domesticity (Jones, 70).
Die Darstellung dieser „Normalität“ zeichnete sich allerdings nicht durch wirklichen Realismus aus, sondern durch Kombination aus idealisierter Realität und komödiantischer Überzogenheit, wenn z. B. Lucy, für ihren vermeintlich vom Heimweh befallenen Partner ein kubanisches Dorf in der Wohnung samt Esel und Hühnern nachbaut.

Der Erfolg dieser Sitcoms hängt auch mit der steigenden Verbreitung von TV-Geräten zusammen, standen sie 1952 nur in 24 Prozent der Haushalte, waren es 1956 schon 72 Prozent (vgl. Jones, 73)

Sitcoms liefen oft nach dem gleichen Schema ab. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die die klassischen amerikanischen Werte und Familienstrukturen repräsentiert. Die Mutter bleibt als Hausfrau zu Hause, kümmert sich um die Kinder und sorgt dafür, dass das Essen auf dem Tisch steht, wenn der Familienvater von seinem harten Arbeitstag zurückkommt. Dabei leben diese Familien in einer Art Blase, in der jeder Tag abläuft, als hätte es den vorigen nicht gegeben. Mit jeder neuen Folge wird ein Resetknopf gedrückt, der verhindert, dass es folgenübergreifende Handlungen gibt. Eine Folge besteht meist daraus, dass kleinere Probleme gelöst werden müssen, was im Verlauf für allerlei komische Situationen sorgt, am Ende aber mit Hilfe amerikanischer Werte gelöst werden kann.

Diese Familien leben meist in den „Suburbs“, den Vorstädten Amerikas und sind Teil der antikommunistischen Ideologie der 1950er Jahre. William Levitt, the master builder of the earliest mass market suburbias, put it most succinctly: „No man who owns his own house and lot can be a Communist. He has to much to do. (Jones, 89).

Die Sitcom wurde zum ideologischen Vehikel des Corporate America, sie präsentierten den Zuschauern, wie sie mit ihrem Familienleben zum Wohle Amerikas beitragen konnten, zum Kampf gegen den Kommunismus und zum Konsum, der neuen Religion des Corporate America. Die Familien in den Sitcoms leben den konsumorientierten Lebensstil vor, für den die Werbeunterbrechungen die passenden Produkte liefern. Die idealisierte Sitcomfamilie wurde zur „City upon a Hill“ für eine neu entstandene Fernsehnation.

Aber auch damals gab es schon Ausnahmen, Sendungen, die nicht hundertprozentig in das Schema passten und durchaus subversive Untertöne enthielten, wie z. B. „Make Room for Daddy“, eine Sendung, in der es um die Familie Nelson geht, die versucht, dem Ideal der amerikanischen Familie zu entsprechen, dieses Ziel aber stets verfehlt. Die Sendung machte sich über die Künstlichkeit und Bigotterie dieses Ideals lustig.

Bis zu Beginn der 1960er Jahre hatte sich bei den Sitcoms ein Schema verfestigt, das die nächsten 10 Jahre, mit nur kleinen Variationen, anhalten sollte (vgl. Jones, 134). Die drei großen Networks („The Big Three“: NBC, ABC und CBS) beherrschten das Feld. Die Sitcom war zu einem ähnlichen Massenprodukt geworden, wie die vielen Gebrauchsgegenstände, die in den Werbepausen angepriesen wurden.

Die großen Sitcoms der 60er Jahre waren „The Andy Griffith Show“ und „The Dick van Dyke Show“. „The Andy Griffith Show“ spielt in einer Kleinstadt in North Carolina. … one could never be quite sure whether the townsfolk were being mocked or sympathized with (Jones, 140). Eine Ambivalenz, die man auch bei „Raising Hope“ und „Shameless“ wiederfindet.

Aber in diesem Jahrzehnt gab es auch einen Bruch mit dem Idealbild der Normativität. In „The Beverly Hillibillies“ zieht eine Hinterwäldlerfamilie nach einer Erbschaft in die feine Gesellschaft von Beverly Hills ein und stellt die Homogenität der amerikanischen Gesellschaft infrage, laut Jones soll dies aber das einzig relevante soziale Thema gewesen sein, dass man mit dieser Sendung in Verbindung bringen könne, ansonsten würde sie sich weit abseits jeglicher Realität bewegen (vgl. Jones, 166).

In „The Munsters“ und „The Addams Family“ rücken gesellschaftliche Außenseiter in den Fokus. Das kann durchaus den Einflüssen von Gegenkulturen wie den Beatniks und später der Hippiebewegung zugeschrieben werden. Die jüngere Generation lehnt sich gegen die Homogenität der älteren auf. Hier zeigt sich, dass Sitcoms durchaus den Zeitgeist widerspiegeln, wenn auch auf abstrakte und codierte Weise. Wobei es das primäre Ziel von „The Munsters“ ist, zu zeigen, wie sich die Außenseiter anpassen können, um von der normalen Gesellschaft akzeptiert zu werden. Man erkennt zwar gewisse heterogene Anteile in der Gesellschaft an und auch eine gewisse Gegenkultur, aber am Ende ist es Ziel, diese wieder zu assimilieren. Damit hat sich die Serie selbst das subversive Potenzial entzogen und reiht sich zu den Sitcoms ein, die amerikanische Werte vertreten.

In den 1970er Jahren befassten sich Sitcoms wie „The Mary Taylor Moore Show“ auf differenziertere Weise mit dem Thema Emanzipation, als es noch Shows wie „I Love Lucy“ getan haben. Hier geht es um eine junge Frau, die versucht sich beruflich in einer Männerdomäne durchzuschlagen. Mary Taylor Moore wurde Vorbild für viele amerikanische Frauen (und auch für die Sitcom „Roseanne“), was nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass die Sendung viele ihre Lacher durch sexistische Witze bezieht, die zwar durchaus kritisch behandelt werden, am Ende aber auch vom Sexismus der Zuschauer leben.

In den 70ern versuchte man etwas mehr Schärfe und Sozialkritik in das Sitcomformat zu bringen, in dem man z. B. die britische Sitcom „Til Death do us apart“ adaptierte. Die Sendung hieß „All in the Family“ und lief 10 Jahre sehr erfolgreich. Auch wenn sie etwas softer ausfiel als das britische Vorbild, war sie doch ein Meilenstein im amerikanischen Fernsehen, da es die erste Sendung war, die sich mit ernsthaften Themen wie, Rassismus, Homosexualität, Vergewaltigung, Abtreibung usw. auseinandersetzte.

„All in the Family“ geht mit einer ähnlichen Ambivalenz an diese Themen heran, wie „Shameless“. Familienvater Archie Bunker ist ein politisch völlig unkorrekter Rassist, der trotzdem auf eine sentimentale Weise präsentiert wird, die es dem Zuschauer schwierig macht, ihn nicht als Helden der Sendung zu sehen. Dadurch werden diese kontroversen Themen nicht direkt konkretisiert, zentraler Inhalt sind nicht die gesellschaftlichen Missstände, für die sie sorgen, sondern die persönlichen Konflikte der Protagonisten, und wie sie damit umgehen. Die Serie bricht thematisch zwar Tabus, folgt aber noch zu sehr dem Muster der frühen Ethnic Comedys, in denen Stereotypen vor allem zu Belustigung verwendet werden.

All in the Family“ could be viewed on different levels. Liberals, intellectuals, the upper middle class, the „New Youth“ could see their beliefs vindicated, if they wished. At the same time old white conservatives found a new hero and felt that the world had acknowledged them (Jones, 211).

Zu den erfolgreichsten Sitcoms der 80er Jahre gehören „The Cosby Show“ und „Alf“, beides Sendungen, in denen es um den Wert einer intakten Familie geht. Erst „Married with Children“ brach 1987 mit diesem Ideal der Familie. Hier sind die Hölle die anderen Familienmitglieder, bildlich sogar in einer Episode dargestellt, in der Al Bundy tatsächlich in die Hölle kommt, nur um festzustellen, dass es sich dabei um sein Haus und seine Familie handelt. Die Serie beschäftigt sich durchaus mit dem Thema Armut, ist dabei aber so überzogen und zynisch, und seine Protagonisten verhalten sich so dumm, dass dabei jegliche soziale Relevanz verpufft.

Anders ging es die Serie „Roseanne“ an. „Roseanne“ is more attached to its happy resolutions, but it does show the optimism of the genre beginning to crack (Jones, 266).

Es gab immer wieder einzelne Sitcoms, die kontroverse Themen aufgegriffen haben, diese aber letztendlich nicht auf ernsthafte bzw. differenzierte Weise behandeln konnten, da sie zu sehr im gängigen Schema des Sitcom-Formats gefangen waren. Die wohl erfolgreichste Sitcom in der Arbeiterklasse seit „Roseanne“ ist „King of Queens“, die von 1998 bis 2007 lief. Zwar sind die Protagonisten einfache Arbeiter (die Hauptfigur Doug Heffernan arbeitet für einen Paketdienst) und die finanziellen Probleme der Heffernans werden gelegentlich thematisiert, insgesamt, folgt die Serie aber dem klassischen Sitcomschema, ohne dabei kontroverse Themen zu behandeln.

Mitte der 90er Jahre verschob sich der Fokus bei Sitcoms ein wenig von Familien hin zum Freundeskreis, vor allem durch den Erfolg der Serie „Friends“, gefolgt von Sitcoms wie „Sex and the City“, „Big Bang Theory“ und „How I Meet Your Mother“ (letztere Serie setzt übrigens auf eine innovative Narration, die man bei Sitcoms vorher so nicht gesehen hat).  Zwar gab es solche Freunde-Sitcoms zuvor schon, wie z. B. die sehr erfolgreiche Serie „Cheers“, aber nicht in dieser Anzahl. Hier zeigte sich eine deutliche Verschiebung von Werten und Lebensgefühl in den 90er Jahren, weg von klassischen Familienwerten hin zu einer hedonistischen, individualisierten Lebensweise abseits alter Modelle.

Eine der wenigen Ausnahmen ist „Malcolm in the Middle“ (2000-2006), die das Leben von Malcolm und seiner dysfunktionalen Familie zeigt, die sich stets am Rande zum Abstieg in die Unterschicht befindet.

Aktuell befindet sich die Sitcom ein wenig in der Krise. „Big Bang Theory“ fährt zwar immer noch Rekordquoten ein, hat sich thematisch aber stark abgenutzt, ebenso wie „How I Met Your Mother“. Durch den Erfolg der Kabel-TV-Dramaserien ist das Interesse an Sitcoms (vor allem nach dem klassischen Schema) stark zurückgegangen. Viele werden nach ein bis zwei Staffeln wieder eingestellt, Ausnahmen sind teilweise Sitcoms, die thematisch ungewöhnliches Terrain betreten, wie „Parks and Recreation“ über eine Forstbehörde, oder „Community“ über ältere Studenten auf dem zweiten Bildungsweg an einem staatlichen College.

Statt weiter auf das klassische Sitcommodell zu bauen, hat man einzelne Sitcomelemente in Dramaserien wie „Shameless“ übernommen.

 

Literatur

Jones, Gerard. „Honey, I’m Home: Selling the American Dream“. New York: St. Martins Press 1992.

Hannibal – Die Serie

Das aktuelle und alles beherrschende Thema im Bereich TV-Serien lautet Breaking Bad keine Zeitung, kein Wochenmagazin, keine Internetseite, die momentan nicht über Walt White und sein Alter Ego Heisenberg berichtet. Auch ich verfolge aktuelle die letzten Folgen der vermutlich wirklich besten Serie aller Zeiten auf iTunes. Ich bin von Anfang an dabei, seit die erste Staffel anlief, und ja, auch für mich ist die finale Staffel das Fernsehereignis des Jahres. Deshalb verzichte ich momentan darauf, hier darüber zu schreiben. Im aktuellen Spiegel gibt es einen hervorragenden Artikel, der beschreibt, was die Serie so außergewöhnlich und einzigartig macht.

Aber es gibt auch eine Zeit nach Breaking Bad, nächste Woche Sonntag endet dieses Meisterwerk der Erzählkunst. Zeit, sich neue Serien zu suchen. Erstaunlicherweise hat ein Networksender (ausgerechnet der Gurkengarant NBC) eine interessante Serie im Angebot: Hannibal

Hannibal3© 2012 NBC Universal Media, LLC

Ich habe bereits im April über die Serie berichtet. Inzwischen habe ich die komplette erste Staffel gesehen, die ab dem 10. Oktober auch auf Sat 1 (garantiert gekürzt) anlaufen wird. Bin mal gespannt, wie lange sie durchhalten. Alternativ kann man sie sich aber auch schon auf Maxdom anschauen.

Hannibal basiert auf den Romanen von Thomas Harris und erzählt die Vorgeschichte zum ersten Band „Roter Drache“. Im Fokus stehen der FBI Agent Will Graham und der Psychiater Hannibal Lecter.

Graham besitzt eine besondere Gabe, er kann sich an Tatorten in die Gedankenwelt von Mördern hineinversetzen und erlebt die Tat aus deren Perspektive, was von der Serie in beeindruckend schaurig-schönen Bildern präsentiert wird. Für Graham wird es aber immer schwieriger, aus diesen abgründigen Gedankenwelten zurückzukehren. Sein Chef Jack Crawford (Lawrence Fishburne) macht sich Sorgen, will aber auch nicht auf seinen besten Mann verzichten, deshalb zieht er den renommierten Psychiater Dr. Hannibal Lecter zu Rate. Der ist fasziniert von Graham und beginnt eine eingenartige Beziehung zu ihm, die aus einer Mischung von Freundschaft und perfid-perverser Manipulation besteht.

Diese Beziehung ist das Hauptthema der Serie. Zwar gibt es gelegentlich auch den Serienkiller der Woche, um Crawfords Beziehungprobleme, die FBI-Psychologin Dr. Alana Bloom und die Tochter eines Serienkillers, aber im Mittelpunkt steht die intensive Beziehung zwischen Graham und Lecter.

Hannibal2© 2012 NBC Universal Media, LLC

Wer hier actionreiche Spannung wie bei Criminal Minds erwartet, ist an der falschen Adresse. Hannibal ist weniger Thriller denn vielmehr Psychodrama. Obwohl die Grausamkeiten, die hier teilweise präsentiert werden, ihresgleichen suchen, steht  das Seelenleben der Figuren im Vordergrund. Und das ist düster. So wie die ganze Serie extrem düster ist. Diese Finsternis wird dabei in wunderschönen eleganten Bildern präsentiert, die mehr Kunstwerken gleichen und weniger den runtergekurbelten Network-Procedurals, die man sonst auf NBC findet. Hinzu kommt ein ausgefeiltes und atmosphärisch dichtes Sounddesign.

Der Humor der Serie ist sehr makaber, bösartig und subtil, er setzt bei den Zuschauern das (mit Sicherheit vorhandene) Wissen um Hannibal Lecter und seine kulinarischen Gewohnheiten voraus, die in der Serie mit der Eleganz eines Fünf-Sterne-Kochs inszeniert werden.

Apropos Hannibal, der hier von Mads Mikkelson gespielte Hannibal ist ganz anders, als die ikonische Interpretation von Anthony Hopkins. Wo bei Hopkins jederzeit die körperliche Aggressivität eines Raubtieres präsent ist, kommt Mikkelson sehr viel zurückhaltender daher. Seine Darstellung ist deutlich reduzierter und unscheinbarer. Was aber auch zur Serie passt, schließlich weiß bei Hopkins Hannibal jeder, mit wem er es zutun hat, während er in der Serie noch größtenteils im Verborgenen agiert. Mikkelsons Hannibal weiß durchaus zu gefallen, aber die Bedrohlichkeit von Hopkins fehlt ein wenig. Ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten, Mikkelson sei ein Paradeabsolvent der Steven Seagal Schauspielschule, aber seine Mimik ist teilweise etwas zu reduziert, um dem Intellekt Hannibals gerecht zu werden.

Serienkillerserien sind momentan groß in Mode, in meinem oben verlinkten Artikel gehe ich näher auf dieses Phänomen ein. In Hannibal wird der Serienkiller, also Hannibal Lecter, anders als in Dexter oder auch in den Filmen, nicht zum Helden stilisiert. Er handelt von Anfang an amoralisch, grausam und stets zu seinem eigenen Nutzen und Vergnügen. Er tötet und manipuliert aus reiner Neugierde. Auch wenn er eine faszinierende Persönlichkeit ist, besteht kein Zweifel daran, dass er der Bösewicht der Serie ist. Die Perfidität, mit der er Will Graham im Verlauf der Serie manipuliert, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Der einzige Ausgleich zu dieser Kaltblütigkeit entsteht, wenn er seinerseits zu Therapiesitzungen mit der von Gillian Anderson gespielten Therapeutin Dr. Du Maurier geht. Sie ahnt, was unter seiner Oberfläche lauert, was hinter seinem Bestreben nach Freundschaft wirklich steckt.

Hannibal ist ein schaurig schönes Gemälde aus Mord, Verderben, Abgründigkeit und Kontrollverlust. Eine der Serienüberraschungen des Jahres, elegant gefilmt, psychologisch tiefgründig, dabei stets abgründig und bedrohlich.

Nordamerikastudien (2): Die Abschlussarbeit (Bachelor)

Heute habe ich mich zur Abschlussarbeit meines Studiengangs angemeldet. Ich habe jetzt offiziell alle anderen Teile (also Module bzw. Seminare) des Studiums abgeschlossen. Mit der Anmeldung wurde mir heute offiziell das Thema ausgegeben, für dessen Bearbeitung ich zwölf Wochen Zeit habe. Anders als bei meiner Diplomarbeit soll die Bachelorarbeit nur um die 25 Seiten bzw. 7500 Wörter umfassen. Das liegt daran, dass man im Bachelorstudium (anders als oft in einem Diplomstudiengang) in allen absolvierten Seminaren (und sonstigen Veranstaltungen) einen Leistungsnachweis in Form einer Hausarbeit, mehrere Essays, einer Klausur und/oder einer Präsentation erbringen muss. Alle Leistungen fließen mit in die Abschlussnote. Also nix mit »Vier gewinnt« bis zum Vordiplom.

Das Thema meiner Arbeit lautet »Die Darstellung von Armut und Unterschicht in aktuellen amerikanischen TV-Serien, analysiert am Beispiel der Serien »Raising Hope« und Shameless«. Ich habe bewusst eine Serie von einem großen Network (»Raising Hope« bei Fox) und eine von einem Pay-TV Sender (»Shameless« bei Showtime) ausgewählt, da es bei diesen beiden unterschiedlichen Vertriebswegen deutliche Unterschiede bezüglich der Möglichkeiten und Freiheiten in Bezug auf die Darstellung von »expliziten« Inhalten (Sex, anstößige Sprache, Gewalt usw.) gibt. Hinzu kommt der Quantensprung in der Qualität des Erzählfernsehens, denn es seit den Sopranos auf Sendern wie HBO und Showtime gegeben hat.

Ein zweites großes Thema wird die Entwicklung von Sitcoms seit den 50er und 60er Jahren sein. Damals wurde vor allem das Idealbild der Familie in der amerikanischen Mittelschicht vermittelt, dass aktuelle z. B. eindrucksvoll von Serien wie »Mad Men« dekonstruiert wird. Dazu die eher konservativen Erzählstrukturen des Sitcom-Formats, in dem in jeder Folge alles wieder auf Anfang gestellt wird, als hätte es die vorherige Folge nicht gegeben.

Dazu kommt noch die Darstellung von Armut und Unterschicht in amerikanischen Medien, hauptsächlich natürlich im Fernsehen. Zum einen im historischen Kontext, aber auch vor dem Hintergrund der Finanz- und Hypothekenkrise, die zu einem Wegbrechen der amerikanischen Mittelschicht geführt hat, aber auch zu einem in der Gesellschaft neu entwickelten Bewusstsein gegenüber Armut (z. B. dem Infragestellen des amerikanischen Traums). Die Serie »Roseanne« wird in diesem Kapitel eine wichtige Rolle spielen.

Im Hauptteil geht es dann um die Serien »Raising Hope« und »Shameless« und die Frage, ob solche aktuellen Serien wie einen Bruch mit der bisherigen Darstellung von Armut und Familien in amerikanischen Fernsehserien darstellen, indem sie differenzierter und kritischer mit der Thematik umgehen, als es bisher der Fall war?

Das sind übrigens beides urkomische und warmherzige, wenn auch zynische Serien mit liebenswürdigen Figuren. Ich kann sie nur empfehlen. „Shameless“ läuft auf Fox Serie und ist auf DVD auch auf Deutsch erhältlich. „Raising Hope“ gibt es auf DVD in Deutsch.

Hier zwei Trailer: