Serienempfehlung: Years and Years

Die meisten Near-Future-Serien scheitern daran, eine emotionale Bindung zum Zuschauer zu schlagen (siehe zuletzt The Feed). Sie konzentrieren sich zu sehr auf einen bestimmten technischen oder dystopischen Aspekt, der zu viel Raum einnimmt und das Setting kalt und distanziert wirken lässt. Was fehlt, sind emotionale Bezugspunkt für die Zuschauer. Years and Years gelingt das Kunststück mit Bravour. Auch, wenn man sich in den ersten Minuten noch in seichten Gefilden á la Eastenders wähnt, ist man schnell Teil dieser herzlichen Familien, in der die vier Geschwister, die von ihrer Oma großgezogen wurden, mit ihrem Anhang per moderner Technik in Telefonkonferenzen in engem Kontakt bleiben und sich jährlich zu Feierlichkeiten im Großelternhaus treffen.

Der große Knall, der die im Jahr 2019 beginnende Handlung auf eine ganz andere Ebene hebt, kommt gegen Ende der ersten Folge. Doch da hat mich die Serie so gepackt, dass ich sie innerhalb kürzester zeit durchgebingt habe.

Über fünfzehn Jahre begleiten wir die britische Familie Lyons dabei, wie sie sich mit den teils drastischen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, sozialen Verwerfungen und dem technischen Fortschritt herumschlagen müssen, bis sie schließlich unter dramatischen Umständen ums nackte Überleben kämpfen. Dabei kommt es immer wieder zu Black-Mirror-Momenten im besten Sinne, aber immer ganz beiläufig und natürlich in die Handlung eingeflochten. Für den obligatorischen bitterbösen britischen Humor sorgt Emma Thompson als populistische Politikerin á la Trump.

Homosexualität, Diversität, Transhumanismus, soziale Segregation, Ausbeutung, Flucht, Populismus, gewaltsame Revolutionen in demokratischen EU-Staaten, Verfolgung, Atomschläge, Pandemien – sieht man diese Liste, die man noch gut weiterführen kann, könnte man meinen, die Serie, mit ihren nur sechs Folgen, sei thematisch völlig überfrachtet. Ist sie aber nicht. Alles sind Puzzleteile, die ein stimmiges Gesamtbild führen, das einen beeindruckenden und vor allem beängstigend realistisch Blick auf die nächsten fünfzehn Jahre wirft.

Russell T. Davis (Schöpfer des Doctor Who-Revivals) nimmt ganz aktuelle Entwicklungen vom Brexit, antidemokratischen Strömungen und sozialen Verwerfungen und extrapoliert sie ganz behutsam konsequent aus Perspektive einer einzigen Familie und deren Umfeld. Er bleibt stets in der Mikroperspektive, das Weltgeschehen erfahren wir nur aus den Nachrichten und sozialen Medien.

Doch das Herzstück der Serie ist die Familie mit ihrer Dynamik und die Entwicklung der einzelnen Familienmitglieder zueinander über fünfzehn Jahre. Durch deren Augen erleben wir die Zukunft, die für sie einige schöne aber auch viele dramatische bis tragische Entwicklungen bereithält.

Das alles ist so fulminant und mitreißend inszeniert, wie es nur wenigen Serien in den letzten Jahren gelungen ist. Auf der Liste der 50 besten Serien 2019 des Guardian ist Years and Years auf Platz 4 direkt hinter Succession, Fleabag und Chernobyl gelandet, und das zurecht (wobei ich Chernobyl auf Platz 1 gesetzt hätte).

Aber Vorsicht, aufgrund der aktuellen Pandemie und deren gesellschaftlichen Folgen, ist die Serie momentan sicher nicht für alle geeignet, da sie ja doch ein wenig Angst vor der Zukunft macht. Und Angela Merkel sollte sie besser auch nicht sehen. 😉

Years and Years lief vor einem Jahr bei der BBC, bei uns ist sie seit Anfang des Jahres auf dem Streamingdienst Starzplay verfügbar. Abonniert man den Channel bei Amazon bis zum 31. März, zahlt man die ersten drei Monate jeweils nur 1 Euro pro Monat (jederzeit kündbar). Und Starzplay hat noch eine Menge andere großartige Serien wie Vida, Sweetbitter, Counterpart, Mr. Mercedes oder Black Sails im Angebot.

Serien und Filme Februar 2020

Wie immer gilt, es werden nur Serien aufgeführt, die ich auch im Februar beendet habe. Von Altered Carbon habe ich die letzte Folge z. B. erst am 1. März gesehen, womit die Serie erst im nächsten Monat gelistet wird.

Serien

Bad Banks S02 7/10
Pastewka S10 8/10
Succession S01 7/10
This is Us S03 9/10
Ares 9/10

Das Maß aller Dinge in Sachen Serien und Erzählkunst ist für mich aktuell auch in der dritten Staffel noch This Is Us. Ausgerechnet eine Networkserie (NBC), die aber kunstvolles und emotionales Erzählen mit einer bodenständige (Familien-) Geschichte verbindet. Mit den Pearsons verbringe ich einfach gerne Zeit, und jetzt erfährt man auch mehr über die eingeheirateten Mitglieder und deren Familien sowie Jacks Zeit in Vietnam und seinen Bruder Nicky.

Pastewka ist nach einer schwachen neunten Staffel der gelungene Abschluss der über weite Strecken großartigen und witzigen Serie. Hat genau den richtigen Ton getroffen.

Succession ist wirklich toll geschrieben, aber zu geradlinig inszeniert. Doch was als Klischeegeschichte über eine versnobte Milliardärsfamilie beginnt, die sich um den großen familieneigenen Medienkonzern zofft, bekommt mit jeder Folge mehr Tiefgang.

Bad Banks ist ein ordentliche Fortsetzung der ersten Staffel, kommt aber in Sachen Spannung und Intensität nicht ganz an diese heran. Dafür wiederholt sich zu viel und ist manches auch zu konstruiert.

Ares dürfte eigentlich, objektiver gesehen, nur 7/10 Punkten erhalten, aber da ich alle acht (halbstündigen) Folgen am Stück durchgesehen habe (was sonst nur selten bei mir passiert), wäre das eine zu schwache Wertung. Die Serie hat bei mir genau die richtigen Knöpfe gedrückt und meine Vorlieben in Sachen Verschwörungen und Geheimgesellschaften getroffen, bekommt aber am Ende noch einen schönen Twist in Richtung niederländischer Kolonialismus-Kritik im Stile von Jordan Peele.

Filme

The Dead Don’t Die 6/10
Tiger Girl 6/10
Vox Lux 5/10
Ad Astra 7/10
If Beale Street Could Talk 8/10
Generation Wealth 7/10
Days of Beeing Wild 7/10
Hotel Mumbai 8/10
Die Erfindung der Wahrheit 8/10
Sweethearts 6/10
The Sun Is Also A Star 9/10
Ready Or Not 6/10
The Public 7/10
The Guard 7/10
Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers 5/10

Meine Filmauswahl ist in diesem Monat deutlich durchwachsener ausgefallen, da waren einige Enttäuschungen wie Jim Jarmuschs Zombikomödie The Dead Dont’t Die, oder Vox Lux mit Natalie Portman, der sehr merkwürdig inszeniert ist. Absolutes Highlight war für mich:

The Sun Is Also A Star, ein mitreißendes Drama über zwei Jugendliche, die sich in New York kennen und lieben lernen, denen aber nur ein Tag zusammen verbleibt. Toll gefilmt. So schön sieht man New York selten. Durchaus kitschig, aber manchmal sollte man sich die Zeit zum Träumen einfach nehmen.

Hotel Mumbai ist sehr mitreißend und schockierend inszeniert, bringt einem die Schrecken eines solchen Terroranschlags unmittelbar näher, ohne sich an der Gewalt zu weiden.

Die Erfindung der Wahrheit überzeugt vor allem durch Jessica Chastain und den Twist am Ende, der alles zuvorgesehene deutlich aufwertet.

Und If Beale Street Could Talk ist eine berührende und elegante Geschichte über Liebe, Rassismus und Ungerechtigkeit nach einem Roman von James Baldwin.

Serienempfehlungen: „Chernobyl“, „Our Planet“ und „Street Food Asia“

Chernobyl

Schaut man sich an, was Drehbuchautor Graig Mazin bisher für Filme geschrieben hat, könnte man nicht auf die Idee kommen, dass seine erste Serie ein Meisterwerk wird, das Seriengeschichte schreibt. Scary Movie 3 und 4, Hangover 2 und 3 deuten jedenfalls nicht daraufhin. Und doch ist es ihm mit Chernobyl gelungen. Von der ersten bis zur letzten Minute hat er zusammen mit Regisseur Johan Renck und seinem Team ein bedrückendes, apokalyptisches Endzeitszenario geschaffen, das schon längst stattgefunden hat. Die Schauspieler sind herausragend, allen voran Jared Harris, Stellan Skarsgård und Emily Watson. Die Ausstattung, die Sets vor Ort in Tschernobyl und der Stadt Prypjat stimmen bis ins kleinste Detail. Das Drehbuch besitzt kein Gramm fett, jede Szene und jeder Dialogzeile erfüllen einen Zweck, die Struktur sorgt für Spannung, die Handlung ist herzergreifend und geht an die Nieren. Eine nüchterne, sachliche und doch bewegende Schilderung der wahren Ereignisse im Jahr 1986. Für mich das Serienereignis des Jahres über einen Drachen, der ganz real ist und ganze Städte auslöschen kann, wenn wir unsere Kontrolle über ihn überschätzen. Hat fünf Teile und ist auf Sky zu sehen.

Our Planet

Sechsteilige britische Netflix-Dokumentation über Zustand und Zerfall unserer Erde. Was wir Menschen mit diesem Planeten anstellen, ist praktisch die Katastrophe von Tschernobyl in Zeitlupe über den gesamten Globus verteilt. Die Serie zeigt, welch drastischen Folgen unser Tun und der daraus folgende Kollaps der Biosphäre für die Tierwelt haben. Und wer glaubt, das beschränke sich nur auf ein paar Eisbären, denen die Schollen unter den Füßen wegschmelzen, der täuscht sich gewaltig und sollte sich dringend die Episode mit den Walrössern anschauen. Die Bilder sind wunderschön und doch tieftraurig. Ich empfehle die englische Fassung, in der David Attenborough als Erzähler fungiert, der für lange Zeit bei der BBC für diese wundervollen Naturdokus verantwortlich war, die uns aber auch eine heile Welt vorgegaukelt haben. Hier spricht er endlich unverblümt aus, welche Spuren das Anthropozän an Flora und Fauna hinterlassen hat.

Street Food Asia

Street Food Asia ist eine großartige Dokuserie auf Netflix, über mehrere Generationen von Street Vendors: Menschen, die alte Familienrezepte in ein erfolgreiches Geschäftsmodell und leckeres Essen verwandelt haben. Viele faszinierende Lebensgeschichten aus Ländern wie Japan, Thailand, Indonesien, Singapur, Vietnam oder Taiwan. Mein Favorit ist die Episode aus Thailand mit der Straßenköchin, die während der Arbeit aussieht wie aus einem Film von Hayao Miyazaki, seit Jahrzehnten ihr Ding durchzieht und ihre Rezepte so perfektioniert hat, dass sie sogar einen Michelin-Stern erhalten hat. Zeigt auch, wie wichtig in solchen Städten das Essen auf der Straße ist, wo viele keine Zeit zum Kochen haben, keine Küche oder nur wenig Geld. Ein faszinierender Mikrokosmos, der immer weiter verdrängt wird, ob durch Gentrifizierung oder Regierungen, die lieber leere, saubere und trostlose Straßen haben, wie in Thailand z. B.

„Sorry For Your Loss“ – Serientipp

Manche Serien kommen praktisch aus dem Nichts und hauen mich aus dem Stand so richtig aus den Socken. Dazu gehört auch Sorry For Your Loss, in der die Geschichte der jungen Leigh Shaw erzählt wird, die vor kurzem ihren Mann verloren hat und jetzt wieder bei ihrer Mutter lebt und in deren Fitnessstudio zusammen ihrer alkoholabhängigen Schwester arbeitet. Und genau darum geht es in der Serie: das Alltagsleben mit Trauer, Abhängigkeit, Depressionen und anderen Hindernissen, die einem das Leben in den Weg stellt. Sorry For Your Loss erzählt auf sehr einfühlsame Weise, voller Tragik, aber doch sehr leichtfüßig, was solche Problematiken und Schicksalschläge für das Leben bedeuten.

Die Serie geht sehr realistisch und offen mit dem Thema Trauer um, mit den teils widersprüchlichen Gefühlen, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen entstehen. Glaubt man den Kommentaren auf Facebook zu den einzelnen Folgen, finden sich viele Menschen, die Ähnliches durchgemacht haben, in der Serie wieder. Der Fokus liegt auf Leigh, doch in Episode 2 wird z. B. rührend gezeigt, dass auch die erweiterte Verwandtschaft einen Freund verloren hat, sie ihre Trauer aber nur versteckt zeigt, um Leigh gegenüber gefestigt und unterstützend aufzutreten.

Elizabeth Olsen spielt Leigh sehr eindrucksvoll mit ihren unterschiedliche Formen und Phasen der Trauer, wie sie mit dem Verlust umgeht und was sie nach außen vorspielt, während sie eigentlich die ganze Zeit wütend ist. Ihre anfängliche Unfähigkeit, die gemeinsame Wohnung wieder zu betreten; wie sie dann versucht, den PIN-Code für sein Handy herauszufinden; und was die darauf gespeicherten Sprachnachrichten bei ihr auslösen.

Ein zweites großes Thema der Serie ist die Depression und der Umgang damit. Triggerwarnig: sie nimmt kein gutes Ende. Beeindruckend und realistisch ist die Schilderung der Unfähigkeit eines an Depression erkrankten Menschen, anderen begreiflich zu machen, wie es sich eine Depression anfühlt bzw. die Unmöglichkeit es zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn man es selbst nie erlebt hat.

Von der Erzählstruktur erinnert Sorry For Your Loss an This Is Us, wenn auch in einem kleineren Rahmen und mit zwei Zeitebenen, die klarer strukturiert sind und näher beieinander liegen, setzt aber auf ähnliche Offenbarungsmomente, in denen die Rädchen bzw. Plotlinien zusammenlaufen und sich ein logisches Ganzes ergibt.

Ein weiteres Highlight ist die durchgehend ausgezeichnete Darstellerriege. Allen voran natürlich Elizabeth Olsen, die Leigh mit einer herzzerreißenden Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke spielt und eine Figur voller faszinierender Facetten erschafft, nicht frei von Fehlern, und deshalb so viel nahbahrer. Kelly-Marie (Loan) Tran spielt ihre Schwester, die in der ersten Folge noch wie ein Funny Sidekick wirkt, schnell aber auch Tiefe erhält, die sie oft unter einem verschmitzten Lächeln und einem trockenen Humor versteckt, die in den entscheidenden Momenten aber durchschimmert. Leigh verstorbener Ehemann Matt wird in den Rückblenden Mamoudou Athie gespielt, sehr ruhig und zurückgenommen, mit Humor und innerer Zerrissenheit aufgrund seiner Erkrankung. Sein Bruder Danny, wird von Jovan Adepo gespielt, kommt zunächst noch tough und unnahbar daher, als jemand, der die Frau seines Bruders nicht leiden kann, ein Eindruck, der wie so viele erste Eindrücke in dieser Serie, täuscht.

Hinzu kommen viele kleine Details, die zeigen, wie viele Gedanken sich die Serienmacher gemacht haben. Während der Flitterwochen liest Leigh z. B. Lauren Goffs Fates und Furies, ein Roman, in dem es um eine ähnliche Thematik geht und das als böses Omen dient. Viele Andeutungen werden geschickt gesetzt und erst mit der Zeit realisiert man, was da wirklich vor sich geht, dann setzt die Erkenntnis aber um so wuchtiger ein.

Ursprünglich wurde die Serie von Kit Steinkellner für den PayTV-Kanal Showtime entwickelt, landete dann aber bei Facebook Watch, die dieses Jahr ins Seriengeschäft eingestiegen sind. Leider ging Sorry For Your Loss dort, trotz hervorragender Kritiken, ziemlich unter. Es war vermutlich keine gute Idee, jede Woche eine Doppelfolge zu veröffentlichen. Ich habe die Serie jetzt innerhalb von zwei Tagen durchgesehen, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Hätte ich immer eine Woche auf neue Folgen warten müssen, wäre das Seherlebnis vermutlich nicht so intensiv und mitreißend gewesen.

Sorry For Your Loss ist genau die Art von Serie, wie ich sie am meisten liebe. Mit echten Menschen und Problemen aus dem wahren Leben, ohne irgendwelchen übernatürlichen Firlefanz, ohne Psychopathen, Serienkiller, Gangster usw. Eine Familiengeschichte wie Parenthood, This Is Us, SMILF oder Six Feet Under, und eine Liebes- und Beziehungsgeschichte wie in Love – und zwar verdammt gut geschrieben.

Eine deutsche Fassung scheint es nicht zu geben, auch keine Untertitel.

English Summary: An extremely well written show about grief and depression, and how to cope with it, but still funny and empowering.

Mein Oktober in Büchern, Serien und dem ganzen Rest

Der ganze Rest

Verglichen mit den Sommermonaten bin ich im Oktober für meine Verhältnisse erstaunlich viel unterwegs gewesen.

Den Anfang machte das Konzert von Nick Cave and the Bad Seeds in Frankfurt. Fan bin ich seit den 90ern, zwar kannte ich vorher schon The Birthday Party und das Video zu Nick the Stripper sowie einige frühere Stücke von Nick Cave, doch so richtig aufmerksam wurde ich auf den Australier erst durch sein Video zu As I sat sadly by her side. Seitdem habe ich mir jedes neue Album gekauft, und bis auf Dig Lazarus Dig gefallen sie mir auch alle.

Das Konzert war großartig, Cave sichtlich gut aufgelegt, suchte ständig den Kontakt zum Publikum, dass er in der Zugabe zu Stagger Lee sogar auf die Bühne holte (bestimmt 50 Leute). Der Sound war für meinen Geschmack einen Tick zu laut, vor allem das Schlagzeug, Cave aber richtig gut bei Stimme. Ich bin froh, dass ich mich nach 20 Jahren endlich aufraffen konnte, zu einem seiner Konzerte zu fahren. Nur schade, dass er nichts von meine beiden Lieblingsalben No more shall we part und Abattoir Blues gespielt hat. Mein Highlight war The Mercy Seat.

Den folgenden Freitag ging es von Montabaur aus per ICE flott zur Frankfurter Buchmesse, die ich erstmals seit 15 Jahren wieder besuchte. Am Fachbesuchertag war es doch deutlich angenehmer, was das Gedränge anging. Termine hatte ich nur ein paar mit einem Lektor und einigen ÜbersetzerkollegInnen. Zufällig kam ich an Volker Kutschers Buchvorstellung von Moabit vorbei, die ich mir dann als ehemaliger Bewohner des gleichnamigen Berliner Kiezes und Fan der Gereon-Rath-Romane spontan ansah. Bis dato war ich skeptisch, ob ich wirklich 18 Euro für nur 84 Seiten ausgeben möchte, doch das von Kat Menschik aufwendig gestaltete Heftlein im Stil alter Magazine wirkt wirklich schick.

Einen Tag später ging es mit der Fantasyguide.de-Gang bestehend aus Ralf Steinberg und Michael Schmidt (Holger M. Pohl stieß vor Ort dazu) zum BuchmesseConvent nach Dreieich-Sprendlingen, der bei mir seit 2006 jedes Jahr zum Pflichtprogramm gehört. 2006 bin ich – damals noch Student in Siegen – dort erstmals mit meinem Freund Mathias, noch niemanden aus der Phantastikszene kennend und deshalb viele Lesungen besuchend, hingefahren. Und nach vielen Jahren Abwesenheit war auch Mathias dieses Jahr wieder dabei, was mich ganz besonders gefreut hat. Insgesamt war es für mich auch der bisher beste Bucon, einfach, weil ich so viele Freunde und Bekannte wie noch nie getroffen habe, und mit fast allen auch anregende Gespräche führen konnte. Und genau deswegen fahre ich dort auch immer hin, um all jene zu treffen, mit denen ich sonst fast nur Kontakt über das Internet habe.

Den Freitag darauf stellten Claus-Dieter Schnug und Horst Bartels im Keramikmuseum Westerwald das Buch Hilgert – Nachrichten aus einem Westerwalddorf vor, das eine Art Nachfolgeband für die Dorfchronik von vor vier Jahren darstellt. Die Lesung war ziemlich voll, bestimmt 150 Leute, und auch sehr unterhaltsam und abwechslungsreich gestaltet, es wurden kuriose bis amüsante Zeitungsmeldungen vorgelesen, aber auch von eindrucksvolle Lebens- und Familiengeschichten berichtet.

Bücher

Adam Neville – The Ritual

In der ersten Hälfte ein packender Survivalthriller mit übernatürlichem Touch, der in der zweiten Hälfte leider in einer albernen, klischeehaften und total langweiligen Handlung um eine obskure Black-Metalband völlig in sich zusammenbricht. Diese gewagte 180-Grad-Wende hat für mich überhaupt nicht funktioniert.

William Blatty – The Exorcist

Die Buchvorlage zum berühmten Film von William Friedkin, der das Genre des Horrorfilms mit revolutionierte. William Blatty schrieb selbst das Drehbuch zum Film. Was ich besonders interessant finde, da es, obwohl sich der Film fast 1:1 an das Buch hält, einen entscheidenden Unterschied gibt: Im Film ist durch die Spezialeffekte ziemlich schnell klar, dass es sich um ein wirkliches übernatürliches Phänomen handelt, während das Buch da bis zum Schluss ambivalent bleibt und Raum für Zweifel lässt, die Zweifel die auch Pater Karras beschäftigen, zum einen an dem Dämon, aber auch an seinem eigenen Glauben.

Don Winslow – Corruption

Im Prinzip die (großartige) TV-Serie The Shield als Roman in New York statt Los Angeles von Don Winslow geschrieben. Beginnt auf den ersten 200 Seiten sehr langsam und detailverliebt, bekommt in der zweiten Hälfte aber eine gute Dynamik, wenn Winslow in Rückblenden schildert, wie die Hauptfigur immer wieder in kleinen Schritten die Grenzen der Legalität in einem kaputten System überschritt. Kein Pageturner, eher ein Slowburner, dem das gewisse Etwas, das ich leider nicht genau benennen kann, fehlt. Der Originaltitel „The Force“ stellt den Übersetzer übrigens vor erhebliche Probleme. Mit „Force“ ist hier eine schlagkräftige Eliteeinheit innerhalb der Polizei gemeint. Die kann man nicht als „die Macht“ übersetzen, was den Spruch der Einheit „may the Force be with you“ (natürlich ein Star Wars-Zitat) unübersetzbar macht. Da Übersetzer Chris Hirte „The Force“ im Deutschen beibehalten hat, heißt der Spruch jetzt „möge die Force mit dir sein“).

John Langan – The Fisherman

Habe ich ja schon besprochen.

Im Halloweenmonat Oktober lese ich traditionell gerne Horrorliteratur. Neben den oben aufgezählten Büchern stehen nebenher noch Kurzgeschichten von Robert W. Chambers, Thomas Ligotti und Robert Aickmann auf dem Programm.

Serien

Halt and Catch Fire

Diese großartige Serie über einige Computerspezialisten und ihre Beziehungen zueinander ging gerade mit der vierten Staffel und einem emotionalen Finale zu Ende. Über ein Jahrzehnt begleitet die Serie die Leben von Cameron, Donna, Joe, Gordon und John Bossworth, dem netten Onkel von nebenan. Die erste Staffel war gut, erzählte aber noch recht distanziert davon, wie die Gruppe im stockkonservativen Texas versuchte, einen tragbaren Computer zu entwerfen, im Wettrennen mit IBM. Ab der zweiten Staffel rückten Donna und Cameron mehr in den Fokus und die Serie wurde herausragend.

Babylon Berlin

Ich erwähnte weiter oben ja schon, dass ich die Romanvorlagen von Volker Kutscher sehr mag, die Serie kann ich nach vier Folgen aber noch nicht so richtig einschätzen. Ausstattung und Kulissen sind großartig, aber meine Lieblingsfigur Charly Ritter kommt mir in der Serie doch sehr fremd vor. Liv Lisa Fries spielt sie schon großartig, aber dass man sie in so ärmliche Verhältnisse verfrachtete hat, dass sie sogar als Prostituierte arbeiten muss, gefällt mir nicht so wirklich. Das hätte die Charly aus dem Buch nie gemacht. Normalerweise begrüße ich Abweichungen von der Buchvorlage, aber wenn es so gravierende Persönlichkeitsveränderungen sind, regt sich in mir Unbehagen.

Star Trek Discovery

1. Die Klingonen sehen scheiße aus und sprechen auch scheiße. 2. Ist mir das alles viel zu schlampig und plump geschrieben. 3. Erkenne ich da nur sehr wenig Star Trek. Für eine SF-Serie ist das ja ganz okay und sieht auch super aus, aber bei Star Trek erwarte ich mehr und was anderes. Mal abwarten, wie sich die Serie entwickelt, ist mir bisher noch zu sehr Abrams-Reboot und zu faul und nachlässig geschrieben (unbewachte, wichtige Außenposten; ungesicherte Transportshuttleflüge von hochrangigen Offizieren; Technik, die immer genau im richtigen Drehbuchmoment auf wundersame Weise funktioniert usw.) Habe ich schon erwähnt, dass ich Klingonen langweilig finde? Eine Prequelserie interessiert mich eigentlich auch nicht. Hätte viel lieber eine Fortsetzung nach Voyager gesehen. Hier muss man den Kanon so sehr zurechtbiegen und strapazieren, dass es gar nicht in ein einziges Universum passt, ohne in sich zusammenzufallen. Ich kann auch nicht erkennen, dass Stark Trek hier mit im neuen Serienjahrtausend angekommen sein soll, nur weil alles düsterer ist und hochrangige Offiziere schnell sterben. Dafür ist es einfach nicht gut genug geschrieben und noch Welten von der A-Liga der Serienlandschaft entfernt. Auch fehlt mir der Sense of Wonder der alten Serien.

The Expanse – 2. Staffel

Mit der ersten Staffel bin ich nicht so richtig warm geworden, doch die zweite hat mich gepackt. Die Drehbücher scheinen deutlich besser und stimmiger geworden zu sein, die Geschichte fügt sie gut zusammen und es entsteht tatsächlich Spannung. Auch die Figuren erscheinen mir inzwischen dreidimensionaler.

The Deuce

Atmosphärisch dichte Milieustudie der Prostituierten- und Pornoszene im New York der 1970er Jahre. Auf dem gewohnten David-Simon-Niveau.

Chesapeake Shores

Gnadenlos kitschige Familienserie, die mir trotzdem, oder gerade deswegen, richtig gut gefällt, auch wenn Staffel 2 deutlich schwächer ist. In der Postkartenidylle einer amerikanischen Ostküstenkleinstadt versuchen die fünf erwachsenen Kinder der O’Brian-Familie, ihr Leben in Ordnung zu bringen.

Hörspiel

Gruselkabinett 1: Carmilla, der Vampir nach Joseph Sheridan Le Fanu

Sehr stimmungsvoll inszenierte klassische Gruselgeschichte mit einem bissigen Vampir, allerdings auch sehr vorhersehbar. Was sicher daran liegt, dass diese Geschichte der Vampirklassiker schlechthin ist, der noch vor Bram Stokers Dracula entstand. Nach damaligen Maßstäben also alles andere als vorhersehbar. Mit erstklassigen SprecherInnen und guter Musik.

Für den Rest des Jahres gehe ich jetzt ein wenig in den Winterschlaf. Sollte mich die Muse küssen und die Texte rauswollen, wird es natürlich Blogeinträge geben, ansonsten dann spätestens den Jahresrückblick zwischen den Feiertagen. Was es nicht geben wird, sind Artikel zu den Frühjahr/Sommerprogrammen der Phantastikverlage. Fischer Tor und Piper haben ihre schon raus. Dafür lese ich momentan einfach zu wenig Phantastik. Aus den letzten Programmen habe ich, bis auf ein paar Fischer-Tor-Titel, kein einziges Werk gelesen.

Ausblick auf die Zukunft

Fest gebucht ist bereits das dritte PAN-Branchentreffen in Köln vom 19. bis zum 21. April 2018.

Serienempfehlungen abseits der üblichen Verdächtigen 2

Teil 1 gibt es hier.

You Me Her

Tolle Beziehungskomödie, über eine Dreiecksbeziehung eines Ehepaars mit einer Studentin, die sich ihr Studium als Escortgirl finanziert. Durch die fehlenden Beschränkungen des Networkfernsehens hätte ich fast geschrieben, dann aber gesehen, dass die Serie vom Sender Audience Television ist, trotzdem geht die Serie ganz unverkrampft mit Sexualität und alternativen Beziehungsmodellen um. Gegen Ende droht der Albernheitsfaktor durch die spionierende Nachbarin, die unsere Protagonisten für die Wiedergeburt der Klopeks zu halten scheint, etwas überhandzunehmen, aber zum Glück bekommt die Serie genau im richtigen Moment wieder die Kurve zur durchaus ernsten Thematik, die aber unterhaltsam präsentiert wird. Das Highlight der Serie sind die beiden bezaubernden und strahlenden Hauptdarstellerinnen Priscilla Faia und Rachel Blanchard. Der Balanceakt zwischen ernsthaftem Beziehungsdrama und Romcom gelingt ganz hervorrragend. Mir hat die Serie richtig Spaß gemacht.

Fleabag

Britische Comedyserie von Phoebe Waller-Bridge, die aber deutlich zynischer und abgründiger daherkommt als You Me Her. Eher so was wie ein britisches, weibliche Louie in böse. Irgendwie fällt es mir schwer, den Inhalt angemessen wiederzugeben. Einfach selber ansehen.

Les Grandes Grandes Vacances (Die langen großen Ferien)

Ist eine tolle französische Zeichentrickserie über eine Kindheit in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs, mit einem Hauch Ghibli, den Freuden der Kindheit, aber auch der bedrohlichen Atmosphäre, die der Krieg mit sich bringt. Bisher habe ich nur die erste Folge gesehen (wohl zwei Episoden zu einer zusammengefasst), bin aber hellauf begeistert.

Hooten and the Lady

Britische Abenteuerserie im Stil von Relic Hunter oder The Librarians, gefällt mir aber deutlich besser als die beiden genannten Serien. Die Pilotfolge ist etwas wirr geraten, danach fängt sich die Serie aber, allerdings darf man nicht zu sehr über Logik und ähnliche Spaßbremsen nachdenken.

Serienempfehlung: Penny Dreadful

Als eine Serie mit dem Titel Penny Dreadful angekündigt wurde, dachte ich da an eine Anthologiesendung mit abgeschlossenen Einzelfolgen auf durchschnittlichem Niveau, obwohl die Penny Dreadfuls aus dem 19. Jahrhundert in der Regel Seriengeschichten waren, die über einen längeren Zeitraum veröffentlicht wurden. Ich habe mich dann auch, anders als sonst, nicht weiter über die Serie informiert, sondern einfach reingeschaut, als mir dies Ende September dank Netflix möglich war.

Ich hätte nicht falscher liegen können. Dass man hier mehr als Durchschnittsware präsentiert bekommt, hätte schon durch den ausstrahlenden Sender Showtime klar sein sollen, aber auf welch hohem und gleichzeitig unterhaltsamen Niveau die Serie daher kommt, hat mich gleich in der ersten Folge von den Socken gehauen. Hier stimmt einfach alles: Drehbücher, SchauspielerInnen, Ausstattung, Literaturverwurstungen usw.

Penny Dreadful spielt im viktorianischen London, ungefähr zur selben Zeit, wie die im letzten Jahr angelaufene Serie Dracula (die in Deutschland am Montag auf VOX startet), und ähnelt dieser auch thematisch. Immerhin geht es um Vampire und Namen wie Mina Harker und Van Helsing tauchen auf. Wo aber Dracula, trotz interessanter Ansätze am eigenen oberflächlichen Pomp mit schwülstigen Dialogen, sinnlosem Kostümgedöns und peinlichem Pathos zugrunde geht (die Serie wurde nach der ersten Staffel eingestellt), zeigt Penny Dreadful, wo der Hammer über dem Pflock ins Herz des Vampirs hängt.

Von der Ausstattung her befindet man sich auf einem ähnlich hohen Niveau, wie Ripper Street; als Zuschauer fühlt man sich förmlich in die schmutzigen und vom Dampf aus den Fabriken vernebelten Straßen Londons hineingezogen, wo die an Schwindsucht erkrankten Dirnen einem hustend das Blut auf die polierten Schuhe spucken und eine Bande von lärmenden Straßenjungen einem den Geldbeutel aus der feinen Hose stibitzt, wo die Angst vor dem Ripper die Menschen eilige an dunklen Gassen vorbeihuschen lässt, hinein in die vermeintliche Sicherheit der flackernden Gaslichter.

Die Drehbücher und Dialoge sind noch mal eine Stufe über Ripper Street und die Darsteller sogar zwei Klassen besser. Allen voran Eva Green, die molosovsky kürzlich als weiblichen Klaus Kinskis bezeichnet hat (rein im schauspielerischen Sinne natürlich). Aber auch Timothy Dalton als ehrgeiziger und gnadenloser Adliger, der für seine Ziele auch über die Leichen von Freunden geht. Herauszuheben ist auch Rory Kinnear, der seiner Figur als widererweckter Kreatur eine poetische Traurigkeit verleiht, die ihreslgeichen sucht.

Inhaltlich ist die Serie eine Mischung aus Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman und verschiedenen historischen Gruselstoffen aus der viktorianischen Zeit. Ich möchte hier jetzt nicht zu viel Spoilern, da ich selbst ja nicht über die Serie im Vorfeld wusste, und von jedem neuen Namen und Auftreten positiv überrascht wurde.

Im Prinzip geht es um einen Vater, der seine an ein übernatürliches Wesen verlorene Tochter zurückbekommen möchte. Dafür umgibt er sich mit einer illustren Schar teilweiser nicht weniger übermenschlicher Wesen und geht rücksichtlos auf die Jagd. Das ist aber nur die Grundstory, der rote Faden, der durch die Serie führt. Daneben gibt es noch viele andere Handlungsstränge, die zunächst nur lose oder gar nicht miteinander verbunden sind. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte, der viel Raum eingeräumt wird, und die oft in einzelnen Folgen ausführlich erzählt werden. Dadurch gibt es keine klassische lineare Erzählstruktur, die durch kurze Flashbacks ergänzt wird, sondern immer wieder Einzelfolgen, die auf ihre ganz eigene Weise erzählt werden und dadurch für viel stilistische Abwechslung sorgen (anders als das monotone Dracula).

Eva Green ist eine Wucht. In der ersten Folge wirkt sie noch sehr stoisch und zeigt kaum eine Regung auf ihrem Gesicht, aber schon in der zweiten Folge, lässt sie während einer Séance so richtig die Sau raus, und zeigt, was für eine wandlungsfähige Schauspielerin sie ist. Eine Leistung, die im weiteren Verlauf der Serie sogar noch gesteigert wird. Auch Josh Hartnett liefert als geheimnisvoller amerikanischer Revolverheld eine gute Vorstellung.

Penny Dreadful ist gruselig, unheimlich, brutal, traurig, poetisch und vieles mehr. Hier werden nicht einfach klassische Schauergeschichten mit den Mitteln des modernen Fernsehens erzählt. Da steckt viel mehr drin.  Es werden unterschiedliche historische und literarische Themen kunstvoll zu einer eleganten und schaurigen Mischung verwoben.

Die Serie verdient es viel genauer analysiert zu werden (was ich vor Start der zweiten Staffel tun werde), aber in diesem Beitrag hier möchte ich ganz spoilerfrei auf sie hinweisen.

Bei Showtime gibt es eine interaktive Karte, auf der man die Schauplätze der Serie besuchen kann. Aber vorsicht, hier werden die Namen der Figuren gespoilert.

Und hier noch ein spoilerfreier Trailer, der einen guten Eindruck von der Serie vermittelt:

 

Aktuelle TV-Serien: Abbrüche und was ich weiterhin gucke

Agents of the S.H.I.E.L.D ist scheiße

Claudia Kern in der aktuellen Ausgabe der Geek.
Das ist doch mal ein Wort!

Ich habe mich jetzt entschlossen, einige der Serienneustarts 2013 – die nicht wirklich schlecht sind, aber so lauwarm vor sich hinplätschern, ohne Spannung zu erzeugen – abzubrechen (S.H.I.E.L.D. musste schon letztes Jahr dran glauben). Darunter:

The Blacklist„- null Spannung, nur eine gute Figur mit dem von James Spader gespielten Reddington, keine Ahnung, worauf das hinauslaufen soll.

Dracula – Steampunkdracula, ganz nett von der Idee her, bleibt aber insgesamt zu blass, auch hier kaum Spannung

Almost Human – 08/15-Procedural mit nettem Zukunftsdesign; erinnert aber mehr an die Zukunft aus den 80er Jahren. Auch hier null Spannung, da man den im Piloten angedeutet folgenübergreifenden Handlungsbogen einfach Links liegen lässt.

American Horror Story (dritte Staffel) – die erste Staffel beginnt mit grandioser Ästhetik und Kameraführung, die Story bleibt zerfahren, spannungsarm, willkürlich und ohne roten Faden.

Bei Sleepy Hollow bin ich noch unentschieden. Ist überraschend gut, tolle Haupfigur, schräger Humor, aber auch hier fehlt ein wenig die Spannung. Fiebere kaum den neuen Folgen entgegen.

Die virenverseuchte SF-Serie Helix muss sich noch deutlich steigern. Bisher wirkt es eher gurkig, da sind Effekte dabei, die sehen aus wie die Stop-Motion-Sachen aus „Evil Dead“. Und ich meine das Original von 1981!

Freuen tue ich mich hingegen auf die demnächst anlaufenden zweiten Staffeln der Mid-Season-Serien Vikings, Bates Motel und Hannibal. Bin auch sehr auf True Detective gespannt.

Aktuell sehe ich (Staffelnummer in der Klammer): Ripper Street (1), The Fear, Hell on Wheels (3), Mob City (nur 6 Folgen), The Walking Dead (4, da stehe ich wie immer kurz vor dem Abbruch), Blue Bloods (2), Ray Donovan (1)

Nachtrag: Habe meine aktuelle Lieblingsserie ganz vergessen. Die grandiose dritte Staffel von Person of Interest.

Serienneustarts Herbst 2013 – Teil 1: die Sitcoms

In den USA hat die neue TV-Saison begonnen und viele neue Serien sind an den Start gegangen. Ich habe es auf mich genommen, mir einige der Pilotfolgen anzusehen und werde ich zu jeder von ihnen ein paar Sätze schreiben.

Ich fange mit den Sitcoms an. Vielleicht liegt es ja an mir, aber bis auf „Raising Hope“ und „Community“ habe ich in den letzten vier Jahren keine neue Sitcom gesehen, die mich ähnlich begeistern konnte, wie einst „Eine schrecklich nette Familie“, „Two and Half Men“, (zumindest zu Beginn), „The Big Bang Theory“, „How I Met Your Mother“ oder „King of Queens“. Ich habe den Eindruck, dass die große Sitcomzeit endgültig (oder zumindest vorerst) vorbei ist.

Mom – Pilotfolge: eine neue Sitcom von Chucke Lorre. Der Pilot kann einen uninspirierten Cameo von Alan Harper aufweisen, ist ansonsten aber einfach nur nervig. Hier geht es um eine alleinerziehende Alkoholikerin, die als Kellnerin arbeitet und nahe am Wasser gebaut ist. Lahme Gags und flache Figuren. Hat mich nicht einmal zum Lachen gebracht. Werde ich nicht wieder einschalten.

 

Trophy Wife – Pilotfolge: diese Familiensitcom, in der es um die titelgebende Trophäenfrau geht, die sich mit den Ex-Frauen ihres Mannes, die auch die Mütter seiner Kinder sind, rumschlagen muss, ist einfach nicht mein Fall. Schlecht gemacht ist sie aber nicht. Trotzdem habe ich nach zehn Minuten wieder abgeschaltet.

 

The Michael J. Fox Show – Pilotfolge: toll, dass Fox wieder im TV zu sehen ist. Hier wird seine Parkinson-Erkrankung offensiv thematisiert und muss für viele Gags herhalten. Die sind zumindest teilweise ganz witzig, reichen aber nicht an seinen Auftritt in „Curb your Enthusiasm“ heran. Der Pilot war durchwachsen, die Krankheit wurde zu offensichtlich bzw. zu häufig thematisiert. Ich hoffe, das ändert sich noch. Michael J. Fox offensiver und humorvoller Umgang mit der Krankheit ist bewundernswert, trägt aber auf Dauer keine ganze Serie. Mal schauen, wie es weitergeht.


The Crazy Ones – Pilotfolge: Robin Williams in einer Serie von David E. Kelley! Warum ist vorher noch niemand auf diese Idee gekommen. Williams ist einfach perfekt für die extrovertiert-genial-verrückten Figuren von Kelley. Hier geht es um einen alternden Werbeprofi, dessen Ruhm am Verblassen ist, und der mit Hilfe seiner Tochter (Sarah Michelle Geller) versucht, die Firma zu retten.
Die zweitbeste neue Sitcom, die ich bisher gesehen habe, aber schade, dass es nur ein Zwanzigminüter ist, in diesem kurzen Format können sich die intelligenten und cleveren Drehbücher aus der Kelley-Schmiede nicht so richtig entfalten. Die Sendung lohnt sich aber allein schon wegen Robin Williams.

 

Brooklyn-Nine-Nine – Pilotfolge: Zur Abwechslung mal eine Copcomedy, ein Format, dass ich seit „Sledge Hammer“ nicht mehr gesehen habe. Und gar nicht so unwitzig, wenn auch teilweise etwas zu albern. Auch zündet nicht jeder Gag, aber die Serie hat definitiv Potential.

 

Back in the Game – Pilotfolge: Die beste der neuen Sitcoms, mit schwarzem, politisch unkorrektem Humor, James Caan als altem Stinkstiefel, einer alleinerziehenden Mutter, die einst eine hervorragende Baseballspielerin am College war, und jetzt das Team ihres völlig untalentierten Sohnes trainiert. Die Serie hat Charme, und wirkt nicht so gekünstelt, konstruiert und gewollt wie die meisten anderen Sitcoms.

Alle neuen Sitcoms habe ich nicht gesehen, das sind einfach zu viele und darauf habe ich auch gar keine Lust. Dads von Seth McFarlan soll auch ziemlich unlustig sein, Welcome to the Family wurde von NBC schon wieder eingestellt. The Goldbergs will ich mir noch ansehen.

Im zweiten Teil wird es um die neuen Dramaserien der Networks gehen, darunter Sleepy Hollow, Marvel’s Agents of the S.H.I.E.L.D, Blacklist und Hostages.