Zurück von den Toten

Dass hier im Blog so lange Funkstille herrschte, liegt an zwei Sachen. Erstens habe ich mir vor zwei Wochen die Daumenkuppe weggeraspelt, was meine Lust aufs Tippen erst einmal ins Negative gehen ließ. Und dann zweitens streckte mich eine heftige Erkältung nieder, die mein Gehirn weich und tippunfreudig werden ließ, so dass ich fast zwei Wochen lang nichts Vernünftiges zu Papier gebracht habe.

Für alle, die als freiberufliche Übersetzer arbeiten wollen: Wenn ihr krank werdet, gibt es niemanden, der eure Arbeit übernimmt. Ist ja bei einer festen Arbeitsstelle teilweise anders (ich schreib da jetzt von meinen Erfahrungen), ein Teil der Arbeit wird von Kollegen übernommen, ein Teil bleibt liegen und muss dann später nachgeholt werden, und ein anderer Teil verschwindet im Nirwana, weil sich herausstellt, dass er total überflüssig ist, und die Welt nicht untergeht, weil er nicht erledigt wurde.

Arbeitet Ihr freiberuflich, bleibt die Arbeit einfach liegen, und muss von euch nachgeholt werden. Das wird besonders spaßig, wenn ein Abgabetermin kurz vor der Tür steht (was bei mir momentan zum Glück nicht der Fall ist).

Ganz unfleißig war ich aber nicht. Für den Fantasyguide habe die die Folge 8 der Hörspielreihe Die Elfen besprochen, sowie Folge 38 von Point Whitmark. Im Artikel über die Elfen liefer ich nochmal einen kleinen Überblick über die chronologische Einordnung der Hörspiele in der Welt der Buchvorlagen von Bernhard Hennen.

Die Kritik zu Point Whitmark ist mehr eine Kritik an der ganzen Reihe, die zwar weiterhin gute Folgen liefert, sich aber zu sehr in Schema F verfangen hat, und dadurch langweilig und vorhersehbar wird, wenn man die neuen Folgen regelmäßig hört.

Demnächst wird es von mir noch Buchkritiken zu Blood Song  von Anthony Ryan (erscheint vermutlich im Herbst bei Klett/Cotta in der Übersetzung von Hannes und Sarah Riffel) und Der Thron von Melengar von Michael J. Sullivan  (erscheint am 21. Februar bei Klett/Cotta auf Deutsch)geben. Beide schon gelesen und für gut befunden, auch wenn sie die Fantasy nicht gerade revolutionieren.

Ansonsten übersetze ich  (inzwischen wieder) fleißig Captain Future 06.

Gelesen: Three Parts Dead – Max Gladstone

Da ich keine Lust auf eine richtige Buchbesprechung habe, klaue ich mal dieses Schema bei Frank Böhmert, der es von Dirk van den Boom geklaut hat, der es wiederum von einem weisen Einsiedler in der mongolischen Steppe hat, der in diesem Format – das sich in Jahrtausenden bewährt hat, und von Generation zu Generation weitergegeben wurde – in Fanzines aus Yakhaut die mongolischen Übersetzungen von Hanni und Nanni Büchern bespricht.

9780765333117

Quelle: http://jacketupload.macmillanusa.com/jackets/high_res/jpgs/9780765333117.jpg
Worum geht’s?
Urban-Fantasy in einer komplett fantasierten Welt. Junge Magierin graduiert an ihrer fliegenden Magierschule in dem man sie über den Rand schmeißt. Sie überlebt, bekommt einen Job bei einer großen Firma, und muss aufklären, warum der Gott Kos the Everburning gestorben ist; dabei erhält sie Hilfe von einem Kettenrauchenden jungen Priester.

Wie ist das Buch geschrieben?
Sehr unterhaltsam, voll Fantasie, mit vielen guten Einfällen, spannend und mit Humor
Justizthriller und Krimi in magievollem Fantasysetting.

Was gefiel nicht so?
Da fällt mir spontan nichts nicht ein.

Was gefiel?
Endlich mal wieder Fantasy mit Magie in einem industriellen Setting, das China Miévilles Bas-Lag bzw. die Stadt New Crobuzon erinnert. Magier agieren hier wie Anwälte, es gibt Gefechte vor Gericht, die an das Spiel »Ace Attorny« erinnern. Die Macht der Götter bzw. deren Magie wird über Verträge geregelt. Man huldigt Gott Kos the Everburning in dem man Zigaretten raucht, als Dank dafür bewahrt er einen vor den gesundheitlichen Konsequenzen.

Gute Stelle?
Hatte nicht daran gedacht, mir eine zu markieren, ist auch schon drei Monate her. Aber alle Szenen, in der der junge Priester mit brennender Fluppe im Maul durchs Bild rennt (was übrigens nicht ganz unwichtig für die Handlung ist). Dabei bin ich strikter Nichtraucher.

Zu empfehlen?
Unbedingt, ist aber bisher nur auf Englisch erhältlich. Von einer geplanten Übersetzung weiß ich nichts. Ich würde es gerne übersetzen. 🙂

Wo aufgestöbert?
Bin durch diese Rezi aufmerksam geworden: http://www.bibliotheka-phantastika.de/rezensionen/three-parts-dead/
Ist als kindle- E-Book sehr günstig zu haben. In der Form habe ich es gelesen

Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?
Rauchen kann Welten retten. 😉

Das mysteriöse Buch – The Mysterious Book 5

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In this book you won’t just fined stuff between the lines but also between the sides. As you can see, it is fully packed with postcards, photographs, mapkins and a huge variety of documents that will give you clues on the author, and what he was really writing about in his novel.

The book-label on the second picture can give you a hint on the name of the famous authors, though usually those labels use the first three letters of the last name for the catalog system of the library. 1949 must be the year, the book has been cataloged.

In diesem Buch findet man nicht nur viel zwischen den Zeilen, sondern auch zwischen den Seiten. Wie Ihr sehen könnt, ist vollgepackt mit Poskarten, Fotografien, Servietten und einer großen Auswahl an Dokumenten, die euch Hinweise auf den Autor geben können, und auf das, worum es wirklich in dem Roman geht. 1949 ist wohl das Jahr, in dem das Buch katalogisiert worden ist.

Der Katalogaufkleber im zweiten Bild liefert euch einen Hinweis auf den Namen des berühmten Autors, da solche Aufkleber normalerweise die ersten drei Buchstaben den Nachnamen für das Katalogsystem der Bibliothek benutzen.

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Das mysteriöse Buch – The Mysterious Book 4

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I’ve found a napkin (or as I like to call it “a mapkin”) in the book, with a plan of some “north campus tunnels” drawn on it. Must be the university where our two mysterious scribblers Eric and Jen study. What the hell do they need such a detailed map for?

Ich habe eine Serviette im Buch gefunden, auf die eine Karte der “Tunnel des nördlichen Campus“ gezeichnet ist. Das muss die Universität sein, an der unsere beiden Kritzler Jen und Eric studieren. Wofür zum Teufel, brauchen die eine so genau Karte?

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There is also a copy of a telegram that has been sent to a German publisher by a mysterious VMS in 1924. Something about the cancelation of an “translation arrangement”

Da gibt es auch die Kopie eines Telegrams, das 1924 von einem geheimnisvollen VMS an einen deutschen Verlag geschickt worden ist. Irgendwas über die Aufkündigung eines „Übersetzungsarrangements“.

Das mysteriöse Buch – The Mysterious Book 3

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The mysterious book is a real treasure chest. I’ve found a postcard from Brazil in it. It seems to be written by Eric (one of the students who scribbled all over the book). He writes that he’s there to find rare bird called “O Pássaro Primo” – “Cousin Bird”. He also asks Jen (?) to destroy the card after reading. Strange thing, the birdwatchers must be a conspiratorial bunch.

Das mysteriöse Buch ist eine wahre Fundgrube. Ich habe darin eine Postkarte aus Brasilien gefunden. Anscheinend wurde sie von Eric (einem der Studierenden, die ins Buch gekritzelt haben) geschrieben. Er schreibt, dass er einen seltenen Vogel namens „O Pássaro Primo“ – „Cousin Bird“ sucht. Er bittet Jen (?) auch darum, die Karte nach dem Lesen zu zerstören. Komische Sache, die Vogelkundler müssen ein konspirativer Haufen sein.

Das mysteriöse Buch – The Mysterious Book 2

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Everybody who once has used the library of a university knows that people like to write notes into the books. In this case two young students (Jen and Eric, as far as I can tell) have scribbled excessively on almost every page of the book. They used the book to communicate with each other. They’ve never met in real life, but they have exchanged their research about the mysterious writer, who seems to one of the big riddles of literary studies. They have also exchanged a lot off gossip about the struggles of making themselves a name, and even more unrealistic, a living in the world of academia. Their conversation turned out to be quit entertaining and thrilling, and I am having a lot of fun by reading their timidly approaches to each other.

Jeder, der schon einmal eine Universitätsbibliothek benutzt hat, weiß, dass die Leute sich gerne Notizen in den Leihbüchern machen. In diesem Fall haben zwei junge Studierende (Jen und Eric, soweit ich das beurteilen kann) exzessiv fast jede einzelne Seite des Buchs bekritzelt. Sie haben das Buch benutzt, um miteinander zu kommunizieren: Sie haben sich richtigen Leben nie getroffen, haben das Buch aber benutzt, um ihre Nachforschungen über den mysteriösen Autor auszutauschen, der eines der großen Rätsel der Literaturwissenschaft zu sein scheint. Außerdem haben sie auch Tratsch über die Kämpfe sich selbst einen Namen in der akademischen Welt zu machen, und – was noch unrealistischer ist – davon Leben zu können.  Ihre Unterhaltung hat sich als ziemlich unterhaltsam und spannend rausgestellt, und ich haben eine Menge Spaß dabei, ihre zaghaften Annäherungsversuche zu lesen.