Fantasy-Filmfest-Retrospektive: 2010

Anlässlich des aktuelle Fantasy Filmfest starte ich hier mal eine Retrospektive und veröffentliche meine Kurzkritiken aus vergangenen Jahrgängen. Da die meisten noch aus Zeiten stammen, bevor ich einen Blog angefangen habe, stammen sie hauptsächlich aus dem Forum von SF-Fan.de. Den Anfang macht der ausgezeichnete Jahrgang 2010. Hier auch der Link zum entsprechenden Forenthread. Gerade in diesem Jahr gab es dort auch eine lebhafte und sehr interessante Diskussion über die Filme.

Genauere Informationen zu den Filmen gibt es im FantasyFilmfest-Archiv.

Mir ist aufgefallen, dass die Kritiken der letzten Jahre deutlich unterhaltsamer und besser ausgefallen sind, als meine Besprechungen aus diesem Jahr. Liegt vermutlich daran, dass ich sie in den vergangenen Jahren gleich in der Nacht nach Sichtung der Filme oder direkt am nächsten Tag geschrieben habe, als die Eindrücke noch frisch waren. Dieses Jahr (2015) habe ich erst alle 16 Filme gesehen, bevor ich die Kritiken dann, zurück in der Heimat, runtergeschrieben habe.

Wer wissen will, wie sich ein langjähriger Besuch des Fantasy Filmfest auswirken kann, sollte die Kritik zu The Ape weiter unten lesen. 😉

Ich wohne dieses Jahr zum ersten Mal direkt in einer Festivalstadt (Berlin). Bisher musste ich immer eine Stunde mit dem Auto nach Köln oder Frankfurt fahren. Da hat vor allem die Rückfahrt nach der »Midnight Madness« keinen Spaß mehr gemacht. Leider habe ich es versäumt, mir rechtzeitig eine Dauerkarte zu kaufen. Mal sehen ob ich meinen eigenen Rekord von 21 Filmen brechen werde. Die meisten Filme sind inzwischen online, aber ich werde mir die Auswahl erst anschauen, wenn alle dabei sind. Auf den Streifen mit dem psychopathischen Autoreifen bin ich aber schon gespannt. 😀

Tag 1

Bevor es mit dem FFF losging, habe ich mich mit Inception auf das Festival eingestimmt. Ich bezweifle, dass ein Festivalbeitrag an dieses herausragende Kinoerlebnis heranreichen wird, aber egal, es wird sicher genug Spaß dabei sein.

The Pack oder was Hans Maulwurf in Frankreich treibt.

Auf meiner Liste mit 20 Filmen, die ich interessant finde, steht The Pack an letzter Stelle, und auch nur, weil es der Eröffnungsfilm ist, sonst wäre ich nie reingegangen. Trailer und Programmbeschreibung waren einfach zu lahm und entsprechen leider vollkommen dem Film. Es handelt sich dabei um einen lahmen und einfallslosen Backwoodslasher, den einzig seine bedrohliche Atmosphäre (die ein wenig an Calvaire erinnert) davor bewahrt, eine Gurke zu werden. Handwerklich ist er gut gemacht, dramaturgisch leider ein Rohrkrepierer.
Die Story: Eine junge wilde Dame landet erst in einer Hinterwäldlerspelunke, dann im Käfig und auf dem Speiseplan. Eigentlich wie bei Frontiers, nur ohne dessen Brutalität. Die Bösewichte sehen aus wie eine Freakversion der Blue Man Group.

5/10 ersten Dates (für einen Eröffnungsfilm definitiv zu wenig)

Eigentlich sollte der Regisseur anwesend sein, fehlte aber, weil er in Paris mit abgelaufenem Pass am Flughafen stand. Nun, das kann durchaus vorkommen, mein Ausweis läuft auch demnächst ab, und ich muss wir was einfallen lassen, um in dieser Zeit mit Ryanair zurück nach Berlin fliegen zu können.

Solomon Kane oder Wacken 1600

Der Film war ein unterhaltsames ästhetisches Kontrastprogramm zur Tudors-Doppelfolge auf Arte: Match, Dreck, hässliche Kerle, viel Action, viel Blut, eine 08/15 Story (Held rettet holde Jungfrau vor bösem Zauberer), und ein Kane der nicht so ganz der Figur von Howard entspricht. Das Setdesign ist sehr stimmungsvoll, die Kostüme gelungen (sofern ich das unter all dem Matsch erkennen konnte) und die Effekte sind gut. Ein Haudrauf-Action-Schinken, der nur sehr wenige Längen hat, bei dem man das Gehirn abschalten kann und dem es insgesamt gelingt zu unterhalten. Auch wenn er stellenweise ein wenig zu pathetisch inszeniert ist.

7/10 Kreuzen (bitte in einer Reihe aufstellen und jeder nur ein Kreuz)

Nach Inception ist es übrigens der zweite Film an diesem Tag, in dem Pete Postlethwaite stirbt. Was sich leider als prophetisch erweisen sollte, da dieser tolle Schauspieler kurz darauf wirklich gestorben ist.

 

Das Cinemaxx ist von den FFF Kinos, die ich kenne, (Frankfurt und Köln) das schlechteste, mit der geringsten Atmosphäre. Es hatten übrigens nicht nur Filme Premiere, sondern auch die renovierte Toilette; was kräftig in die Hose ging, da die Klinke der Herrentoilette bei geschlossener Tür abbrach und niemand rein oder raus kam. Ich hatte mich, aufgrund des Andrangs, zum Glück kurz zuvor entschieden, in den Keller aufs Klo zu gehen. Puh Glück gehabt.
In Köln wurde das Festival letztes Jahr ein wenig gestört, weil die Kinderdarsteller aus Die Vorstadtkrokodile zur Filmpremiere kamen. Morgen wird es gestört, weil Angelina Jolie kommt (Deutschlandpremiere von Salt).
Zur Kinosituation schreibe ich mehr, wenn ich in beiden Kinos war und den nervigen Straßenseitenwechsel hinter mir habe.

Edit: Ich bitte meine Ortographie aufgrund der späten Stunde zu entschludigen.

Tag 2
Angelina Jolie habe ich nicht gesehen, dafür bin ich bis auf die Haut durchnässt worden.

14 Blades oder Der grimmige Donnie mit seiner fliegenden Wunderkiste

Der grimmige Donnie ist Donnie Yen, der letztes Jahr mit Ip-Man für Aufsehen sorgte. Die fliegende Wunderkiste ist seine Waffe. Eine Schwertkiste mit 16 Klingen und schlecht computeranimierten Zahnrädern, die immer dann erscheinen, wenn Donnie das Teufelsding, das von einem grausamen Daniel Düsentrieb konstruiert wurde, in Bewegung setzt. Die Story mit ihren Intrigen kann ich hier nicht wieder geben, da ich ihr genauso wenig folgen konnte, wie einigen der Kämpfe. Und das lag nicht an den Untertitel, die schneller über den Bildschirm flogen, als die unzähligen Pfeile. Von rechts nach links lesen ging nicht, man musste die Textzeilen immer gleich als Ganzes erfassen, woran ich mich aber schnell gewöhnt habe.

Im Prinzip läuft die Story so ab: Verschwörer klauen kaiserliches Sigel, getäuschter Supergeneral will es zurückbeschaffen, muss sich dabei mit einer Menge Schurken prügeln und beweist die Gefährlichkeit von angenagten Hühnerbeinen.

Die Kämpfe sind ganz ordentlich animiert und die Bilder sind teilweise richtig schön, einzig die, teils übertriebenen, Computeranimationen stören ein wenig und der asiatische Kitschlevel liegt ziemlich hoch. Insgesamt ein ganz ordentlicher Wuxia-Film mit tollen Kämpfern. Wobei der Film hauptsächlich von Donnie Yen getragen wird. An Meisterwerke wie Hero reicht 14 Blades bei weitem nicht ran und kann auch nicht mit den koreanischen Highlights der letzten Jahre mithalten, aber er unterhält. (Unterhaltsam ist ein Kriterium, das ich beim diesjährigen FFF häufig vorwende. Es soll heißen, auf dem FFF machen diese Filme Spaß, aber auf DVD würde ich sie mir nicht holen)

6/10 ausgewürgten Hühnerknochen

Centurio oder Warum man nicht auf sein Frühstück pinkeln sollte

Ganz Britannien ist von den Römern besetzt. Ganz Britannien? Nein, ein kleines Völkchen namens Pikten, leistet heftigen Widerstand, in der Gegend, die nördlich des späteren Hadrianwalls liegt. Centurion ist ein ziemlich primitiver Film. Im Prinzip ist es Doomsday, nur mit Römern, Pikten und Pferden. Ein echter Männer-Film, in dem Männer noch schwitzen, bluten, kämpfen, Schädel spalten und eben sterben wie echte Männer.
Eine Legion, angeführt von einem General, der eine echte Kampfsau ist (Dominic West, McNulty aus The Wire), zieht aus, die Pikten zu vermöbeln. Natürlich kommt es anders als geplant, die Legion wird massakriert und nur sechs Soldaten überleben. Weit hinter den feindlichen Linien, unbarmherzig gejagt, müssen sie sich durch die Wildnis schlagen. Verfolgt werden sie unter anderem von einer Frau (Olga Kurayenko), die kämpft, als wäre sie als Kind in den Zaubertrank gefallen.

Der Film hat beeindruckende Bilder zu bieten, ebenso wie spektakulär inszenierte Kämpfe, die für meinen Geschmack aber schon zu brutal sind, was von Neil Marshall allerdings nicht anders zu erwarten war und zum Festival passt. Dagegen sieht Gladiator wie ein Kindergeburtstag aus.
Primitiv, aber wie könnte es anders sein – unterhaltsam.

7 von 10 durchbohrten Augen

Den Bericht zu Monsters schreibe ich morgen. Da bin ich jetzt zu müde für. Kann aber schon verraten, dass der Film das erste Highlight des Festivals ist und mehr als nur unterhält.

Monsters oder Tentakelliebe

Vorweg: Monsters ist ein Roadmovie, bei dem die Aliengeschichte eher im Hintergrund steht.
Vor 6 Jahren ist eine Raumsonde mit Alienproben in New Mexico abgestürzt. Die Proben haben sich zu riesigen Ten2takelaliens entwickelt, die wie aus »Liebling, wir haben ein Riesen-Elefanten-Kraken-Baby wirken. Sie haben sich rasch ausgebreitet, und so wurde ein riesiger Streifen zwischen Mexiko und den USA zur infizierten Quarantänezone erklärt, und aus dem Grenzzaun wurde eine riesige Mauer.

Durch eben jene Zone müssen die beiden Hauptdarsteller reisen. Er ist ein Fotograf, der die Tochter seines Chefs sicher nach Hause eskortieren soll. Genau daraus entwickelt sich ein Roadmovie mit leisen Tönen, in dem die beiden Hauptdarsteller und ihre, sich entwickelnde, Beziehung im Vordergrund stehen. Dabei reisen sie durch ein zerstörtes Gebiet, das vor allem durch die Bomben des Militärs verwüstet wurde, und weniger durch die Aliens.

Monsters ist ein sehr schöner Film, der fast immer die richtigen Töne trifft. die Spezialeffekte sind so geschickt eingesetzt, dass man das niedrige Budget gar nicht bemerkt. Mit Actionkrachern wie District 9 oder Cloverfield hat der Film nicht viel gemein. Von Stimmung und Tempo erinnert er dann eher an Moon. Wobei der Film auch ganz ohne Aliens funktionieren würde. Der Film spielt sicher auch auf die Situation der illegalen Immigranten und den Grenzzaun an, rückt aber auch dies nie in den Vordergrund. Die Grundstimmung ist melancholisch, die Aliens sind nicht wirklich feindselig. Sie erinnern eher an Wale, die durch den Himmel streifen.

Im Kino war auch der Regisseur Gary Edwards, der im Anschluss einige Fragen zum Film beantwortet hat. Er kam sehr sympathisch und witzig rüber. Das Drehteam bestand aus den beiden Hauptdarstellern, dem Regisseur/Kameramann, dem Produzenten und einem Übersetzer. Zusammen sind sie in einem Van die Reise der Hauptfiguren abgefahren und haben vor Ort mit Laien gedreht, die sich dazu überreden ließen. Es gab keine Sets, die dekoriert wurden, man nahm alles so, wie es war auf. Sämtliche Spezialeffekte wurden im Nachhinein mit dem Computer ergänzt. Die Postproduktion fand übrigens in Berlin statt, wo die eindrucksvollen Soundeffekte entstanden.
Auf die Frage, was der Film gekostet habe, antwortete Edwards: »Ich weiß es nicht. Hat man mir nicht gesagt.«

Ich hätte nicht gedacht, dass aus einem Roadtrip mit zwei Schauspielern, einem Tonmann und einem Regisseur mit Kamera so ein eindrucksvoller Film entstehen kann. Die Bilder die Edwards gedreht hat, sind einfach wunderschön.
Hier gibt es die Q&A Session mit dem Regisseur als Videopodcast: http://www.f-lm.de/2010/08/19/infected-zone/
Und ein Fazit von Jörg Buttgereit und Jochen Werner: http://www.f-lm.de/2010/08/19/illegal-aliens/

Aktueller Nachtrag (2015): Für Regisseur Gareth Edwards war dieser Film der Sprung nach Hollywood. Inzwischen hat er einen ganz ansehnlichen Godzilla gedreht und wird einen der kommenden Star-Wars-Filme machen.

Little Big Soldier oder Ein Film gegen die Wehrpflicht

Heute gab es nur einen Film für mich. Dafür hat mich Ralf alias Lapismont begleitet. Vor Beginn des Films hat mich Ralf darüber informiert, dass er noch nie einen Jackie-Chan-Film gesehen hat. Uff. Das hat mich erst mal sprachlos zurückgelassen. Für mich war Jackie Chan genauso ein Held meiner Kindheit wie Bud Spencer, Terence Hill und Otto der Außerfriesische. Ralf meinte, die Trailer hätten ihn nie angesprochen. Na, das kann ja was werden, dachte ich.
Ich glaube Ralf hat von allen im Kino am lautesten gelacht. Bildungslücke behoben, Mission Accomplished.

Der Film spielt, kurz bevor Kaiser Quin die sieben Reiche zu dem Kaiserreich China vereint (siehe Hero: Alle Reiche unter einem Himmel). Jackie Chan versucht alles, um Kämpfe zu vermeiden, was gar nicht so einfach ist, wenn man Soldat ist. Doch der einfallsreiche kleine Soldat hat die Kampfvermeidung zur Kunst entwickelt. Nach einer Schlacht, in der um die 3000 Soldaten sterben, ist er der einzige Überlebende. Mit Ausnahme des gegnerischen Generals, den Jackie prompt als Geisel nimmt, in der Hoffnung, dass er als Belohnung aus der Armee entlassen wird. Mit dem widerspenstigen General im Schlepptau (im wahrsten Sinne des Wortes) stolpert er von einem Kampf in den nächsten.

Der Film bietet eine Menge Slapstickkomik, wie man sie aus Chans besten Zeiten kennt, wobei er aber dieses Mal nicht wirklich kämpft, sondern versucht es zu vermeiden, was aber zu ähnlich kuriosen und artistischen Einlagen führt. Der Film hat einige urkomische Szenen, ein gut aufgelegten Jackie Chan, ist niemals zu albern und hat auch einen ernsten Unterton. Nachdem Chan im letzten Jahr in einer ernsten Rolle im tragisch düsteren Drama Shinjuku Incident überzeugen konnte, überzeugt er dieses Jahr in einer fast gewohnten Rolle.

8 von 10 Fingern in der Wunde

Freitag lege ich eine FFF-Pause ein, bevor es am Samstag mit 4 Filmen weitergeht.

Der Samstag oder Vier Filme am Stück, inklusive Kinowechsel. Wie schafft man da eine Pinkelpause?

Stranded oder Langeweile im Sandkasten

Der Film ist so langweilig, dass ich nicht viele Worte darüber verlieren möchte.
Algerien in den 60er Jahren: Eine Gruppe französischer Soldaten soll einen Koffer in der Wüste finden, geraten an Rebellen, suchen Zuflucht in einem Dorf und bekommen es mit Djinns zu tun.
Diese Djinns sind die so ziemlich lahmsten Filmmonster, die mir je untergekommen sind. Sie machen nichts anderes, als auf allen Vieren rumzukrabbeln. Dabei manipulieren sie die Psyche ihrer Opfer.
Ich hatte einen Gruselschocker erwartet. Aber der Film versucht sich als psychologischer Horrorfilm, der an keiner Stelle funktioniert. Laaaaaangweilig.

4/10 Punkten (der Film war langweilig und nichtssagend, dass mir hier nichts Passendes einfällt)

The Wild Hunt oder Von der Gruppendynamik des Rollenspiels

Eine Gruppe Liveactionrollenspieler trifft sich in den Wäldern, um dort ein Wochenende mit Spiel, Spaß und Spannung zu verbringen. Während sein großer Bruder Björn sich dem Ganzen mit an Fanatismus grenzender Leidenschaft widmet, kann Erik mit dem Kram nichts anfangen. Fährt aber in die Wälder, um seine Freundin zurückzuholen, die sich bei LARPen dem Eskapismus hingibt. Was als spaßiges Rollenspielspektakel beginnt, gerät bald außer Kontrolle.
Ich bin ein wenig überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass der Film ein so hartes Sozialdrama ist. In der ersten Hälfte wird die Rollenspielgemeinschaft liebe- und humorvoll dargestellt. Dafür wurde ein aufwendiger Mittelalterset in den Bergen Kanadas geschaffen. In der zweiten Hälfte zeigt der Film, wie sich aus einem wilden Rollenspielabend eine aggressive Gruppendynamik entwickelt, die in einer Tragödie endet.
Der Rollenspielteil ist wirklich toll inszeniert. Aber Zuschauer, die davon keine Ahnung haben, können mit Film vermutlich nicht viel anfangen.
Mir hat er richtig gut gefallen. Der Film kommt mit einer emotionalen Wucht daher, die mich nach dem Trailer und der Programmbeschreibung wirklich überrascht hat.

8 von 10 entführten Prinzessinnen.

Tucker & Dale vs. Evil oder Communication Breakdown

Der Hit des Festivals. Der Film hat den Saal zum Toben gebracht. Der große Kinosaal im Sonycenter war in der Wiederholung komplett ausverkauft.
Tucker und Dale sind zwei freundliche aber schüchterne Hillbillys, die sich eine Ferienhütte am See gekauft haben, um dort in Ruhe entspannen zu können. Wenn da nur nicht die durchgeknallten Collegekids wären, die wie aus dem Nichts kommen, um sich auf Tucker und Dales Grundstück umzubringen.
Diese Collegekids haben offensichtlich zu viele Backwoodslasher gesehen und halten Tucker und Dale für Psychokiller. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und einiger Kommunikationsprobleme bringen sich die Kids versehentlich und auf äußerst blutige Weise selbst um. Wobei es so aussieht, als wären Tucker und Dale dafür verantwortlich.

Der Film hätte ziemlich albern werden können. Ist er aber nicht. Denn er hat ein gutes Drehbuch, eine solide Regie und zwei hervorragende Hauptdarsteller, die als Hillybillys eine Offenbarung sind. Aus Tucker und Dale sollte man unbedingt eine Serie machen. Die Situationskomik zwischen den Beiden ist zum urkomisch. Tyler Labine (Reaper) und Alan Tudyk (Firefly) liefern eine Mordsleistung, die den Film über alle andern Genrekomödien der letzten Jahre hebt. Für solche Filme wurde das Fantasyfilmfest erschaffen.

10/10 in Häcksler springende Collegboys (wobei es 2 Punkte Festivalbonus gibt. Das ist ein Partyfilm)

Black Death oder Bringt eure Toten raus
Mehr dazu morgen.

Wenn ich mir so die ganzen Reviews, unter anderem bei http://f3a.net/ , anschaue, sind mir wohl leider einige Highlights entgangen. Four Lions soll eine sehr witzige, heftige und bitterböse Selbstmordattentäter-Komödie sein. Auch Kaboom und The Loved Ones kamen fast durchweg gut an. Ebenso wie Two Eyes Staaring, der ein subtiler Gruselstreifen mit guten Plottwists sein soll. Schade, im Nachhinein hätte ich diese Filme gern gesehen. Ich hoffe, sie kommen bald auf DVD raus.

Black Death oder Bringt eure Toten raus

England, ich glaube es war 1348. Die Pest wütet und die Menschen sterben in Massen. Nur ein Dorf, das Abseits in den Marschen liegt bleibt bisher verschont. Da der Bischof Hexerei oder gar Nekromantie vermutet, schickt er einen Trupp harter Burschen, angeführt von Sean Bean, um der Sache auf den Grund zu gehen. Geführt werden sie von einen junge und verliebten Mönch. Mehr will ich gar nicht über den Inhalt verraten. Es kommt teils anders, als man denkt.

Von der Ausstattung und den Kämpfen erinnert der Film ein wenig an Centurion. Die Kämpfe sind ebenso brutal, aber viel seltener. Sean Bean, der aussieht wie Boromir, ist im Auftrag des Herrn unterwegs und lässt es richtig krachen. Im Gegenteil zu Centurion hat der Film eine gute Story und geht auch moralische und theologische Fragen an. Hätte ich von Regisseur Christopher Smith (Creep, Severance) gar nicht erwartet. Smith war auch anwesend und hat ein wenig von den Dreharbeiten in Ostdeutschland erzählt.

Mir hat der Film gut gefallen, auch wenn es keine wirklichen dramaturgischen Höhepunkte gibt. Die Handlung hat aber ein paar Überraschungen parat, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ein schön gemachter Mittelalterfilm, der weitaus realistischer daherkommt als der fantastische, computergenerierte Solomon Kane.

7 von 10 heiligen Handgranaten von Antiochia (wobei der Film ziemlich humorlos und grimmig ist)

Chatroom oder Breakfast Club im Internet und in böse

Es geht um fünf Teenager aus Chelsea (warum muss ich da nur an Elvis Costello denken), die sich in einem privaten Chatroom im Internet treffen und über ihre Probleme diskutieren. Der Film basiert auf einem Theaterstück, und das merkt man ihm auch an. Gute Dialoge, ausgearbeitete Figuren und kammerartige Darstellung. Das Chatten im Internet wird so visuell dargestellt, wie vermutlich auch in dem Theaterstück. Der Chatroom ist ein tastsächlicher Raum, der in einem schäbigen Hotelflur liegt, dessen Türen zu den unterschiedlichsten Bereichen des Internets führen. Die Figuren zeigen sich dort so, wie sie sich im Netz eben ausgeben. Das kann teil erheblich von der Realität abweichen, aber der wahre Charakter blitzt immer wieder durch. Ein Pädophiler erscheint als Schulmädchen, verliert aber zwischendurch die Form und wird zum alten Sack.

Für den bösen dramatischen Handlungsverlauf gebe ich nur ein paar Stichworte: Antidepressiva, Familiendrama, Neid, Manipulation und Selbstmordclubs.
Der Film ist bei vielen Zuschauern nicht gut angekommen, aber ich finde ihn Klasse. Gerade, dass die Darstellung des Internets, ganz ohne irgendwelchen Cyberkram, etwas altbacken wirkt, macht sie für mich glaubhafter. Darüber ob die Handlungen der Figuren immer glaubhaft sind, kann man streiten, aber im Gesamten funktioniert es gut. Handwerklich und visuell ist der Film super gefilmt. Für einen großen Lacher sorgte ein »Gastauftritt« von Angela Merkel

8 von 10 Aspekten einer verwundeten Persönlichkeit

Ich hinke etwas hinterher. Habe schon The Ape (Gurke) und Tetsuo (Enttäuschung) gesehen. Mehr dazu morgen.

The Ape oder A Day In The Life of Larry Langweilig

Die Filmbeschreibungen im Programmheft erinnern mich an Comical-Alis Ausrufe im Fernsehen, man werde die amerikanischen Teufel vernichten, während im Hintergrund schon amerikanische Panzer rumfuhren. Ich traue den Beschreibungen so sehr, wie dem gerissensten Gebrauchtwagenhändler. Aber ein Satz aus der Beschreibung von The Ape trifft es genau auf den Punkt: »-das Grauen enthüllt sich für ihn in nur qualvoller Langsamkeit.« Genauso geht es auch dem Zuschauer. Nur, dass gar nichts enthüllt wird. 80 Minuten qualvolle Langeweile ohne Handlung. Damit ich zumindest ein wenig Spaß mit dem Film habe, versuche ich mich mal an einer Rezension im Stile der Programmbeschreibungen.

Wie auf einer nuklearen LSD-Rakete reitend, mit dem Aussehen eines durch Genexperimente zum Hulk mutierten Helge Schneiders, dabei das Schlumpflied pfeifend und die Welt mit höhnischem Lachen verachtend. Ein Villa-kunterbuntes Schweden, in dem der Wahnsinn Stepp tanzt, Astrid Lindgren als Zombie die Straßen den Wachturm verteilt und der Ikea Markt von neben an, ein Todesparcours ohne Überlebenschance ist und dessen Endgegner Kleiner Onkel und Herr Nilson heißen. Spezialeffekte, die grobe Körner auf die Gehirne der Zuschauer schießen, bis diese sich einnässen und den Nachbarn nach ner Mark fragen. Mindfucks, die jedes Präservativ zum Schmelzen bringen und die virale Frucht der Erkenntnis in jeden Verstand einbrennen, der auch nur in die Nähe des Kinos kommt.

All das gibt es in diesem Film nicht zu sehen. Stattdessen folgt einer mit einer Handkamera dem Protagonisten Krister, der mit dem Fahrrad in die Werkstatt fährt, sein Auto abholt, Fahrunterricht gibt, durch die Gegend latscht, im Baumarkt einkauft, Tennis spielt, duscht, seine Mutter besucht, durch die Gegend latscht, Carrera-Autos fahren lässt, noch mehr durch die Gegend latscht, ins Krankenhaus geht und Schluss.
Wer den letzten Satz gelesen hat gelesen, kann sich den Film sparen. Ach ja, Krister ist auch noch ein Kotzbrocken.

Mir ist in meiner gesamten ca. 25jährigen Kinogängerkarriere noch nie der Gedanke gekommen, das Kino frühzeitig zu verlassen. Insofern war The Ape eine Premiere. Ich blieb aber, weil ich doch wissen wollte, wie das Ganze aufgelöst wird. Also ertrug ich die quälende Langeweile, nur um zu erfahren, dass gar nichts aufgelöst wird.
Ups, jetzt hat der schlechteste Film den längsten Text bekommen.

1 von 10 durchgelatschten Gegenden

Tetsuo: The Bullet Man oder BAM BAM BAM. BAM BAM BAM. BAM BAM BAM BAM

Ist für mich die Enttäuschung des Festivals. Die beiden Vorgänger, von vor ca. 20 Jahren, waren damals echte Knaller. Extrem, radikal, experimentell, visuell beeindrucken und verstörend. Filmerlebnisse, wie man sie bis dato noch nicht gesehen hatte. Leider weiß The Bullet Man den beiden Vorgängern nichts Neues hinzuzufügen. BAM BAM BAM Dabei beginnt er noch recht vielversprechend, aber leider ist der Höhepunkt schon nach 10 Minuten erreicht. Ab da kopiert sich Tsukamoto nur noch selbst. Der Versuch eine Story einzubauen scheitert total. Tetsuo sieht aus wie eine zerknautschte Mülltonne und der Film wirkt technisch wie auf dem Stand der 80er Jahre. Einzig die Musik (Industrial-BAMBAMBAM) hat mir gefallen. Im Abspann gibt es übrigens einen, eigens für diesen Film komponierten, Song von Nine Inch Nails alias Trent Reznor.

3/10 Blindgängern BAM BAM BAM

Der Festivaltag hat sich nicht gelohnt. The Ape war eine spontane Entscheidung, weil ich zwischen einem Unitermin und Tetsuo noch Zeit hatte. Ich hätte mich auf mein erstes Gefühl verlassen sollen. Aber, je ne regrette rien. Gurken gehören beim Filmfest auch dazu. Sie sollten sich nur nicht häufen.
Morgen gibt es die Besprechungen zu Outrage (gut) und Amer (brilliant und ätzend zu gleich).

Outrage oder Intrigenstadl im Yakzuland

Der Film war so gut wie ausverkauft. Hätte ich nicht erwartet.
Takeshi Kitanos Filme zeichnen sich meist durch eine warmherzige Geschichte, poetische Bilder, stimmungsvolle Musik, schrägem und subtilem Humor und oft auch extreme Gewaltausbrüche aus. In Outrage beschränkt er sich auf Gewalt und Humor. Wobei der Film nicht nur aus Gewalt besteht. Es geht um den Intrigenstadl bei der Yakuza. Verschiedene Gruppierungen (Clans/Familien) versuchen sich gegenseitig auszuspielen und umzubringen. Erstaunlichweise schafft es der Film dabei auch noch, witzig zu sein. Der Film zeigt wie mächtig und präsent die Yakuza in der japanischen Gesellschaft sind. Ein guter und unterhaltsamer Film.

7 von 10 Zahnvorsorgeuntersuchungen

Amer oder knirsch, knarz, stöhn

Mich hat der Film zwiespältig zurückgelassen. Stilistisch ist er brilliant inszeniert. Vor allem die erste Episode. Aber danach ging mir das ewige Knarzen, Knirschen, Atmen, Keuchen, Türrenknallen usw. tierisch auf die Nerven. Wie gesagt, die stilistische Inszenierung mit Ton und Bild ist brilliant, trägt den Film aber für mich nicht über die gesamte Länge. Das ist mehr eine Spielerei als ein Film. Denn wirklich was zu erzählen hatte er nicht.

Amer wirkt für mich wie eine stilistische Fingerübung, die aber nichts zu erzählen hat und nicht über Spielfilmlänge funktioniert. Mein letzter Giallo ist über 10 Jahre her, deswegen weiß ich gar nicht mehr, ob es ein Markenzeichen dieser Filme ist, keine Handlung zu haben.

Sicher, der Film ist ein Erlebnis für die Sinne, aber die waren bei aber bald genervt.
Ist für mich nicht bewertbar.

22 Bulletts oder The Jean Reno Kick Ass Movie

Der Film ist ein harter französischer Rache Thriller, der nichts wirklich Neues zu bieten hat, aber trotzdem Spaß macht. Charly ist ein alternder Mafiapate, der alten Schule (keine Drogen, Frauen und Kinder bleiben unversehrt), der sich zurückgezogen hat, um
sich ganz seiner Familie widmen zu können. Da wird er von 22 Kugeln getroffen, überlebt und beginnt einen Rachefeldzug, bei dem ihm auch alte Freunde in den Weg kommen. Die Stärke des Films ist neben der Action, die glaubhafte Zeichnung der Figuren, die zwar ein paar Klischees bedient aber trotzdem funktioniert. Jean Reno spielt so gut wie immer und auch Kad Merad (der Postbote aus Wilkommen bei den Schtiss) liefert eine gute Vorstellung als cholerischer und hypochondrischer Gangsterboss ab.
Ein schöner altmodischer Actionthriller, der auf hohem Niveau inszeniert wurde. (Warum kriegen die Deutschen so was nicht hin?)

8 von 10 Kugeln im Ziel

Rubber
Why should you like this movie?
No reason.
9 von 10 verliebten Autoreifen

Four Lions

Den habe ich jetzt nachträglich auf DVD gesehen. Ich nehme mal an, dass er in einem vollbesetzten Kino noch witziger wirkt. Ich musste zwar einige Male über die strunzdoofen Attentäter lachen, aber es fehlte die FFF-Atmosphäre.
Deswegen bekommt er von mir nur 7 von Angriffen auf die britische Nahrungskette.

Fantasy Filmfest 2015 – Kurzkritiken (2/2)

Hier die restlichen 8 Kurzkritiken. In den nächsten Tagen folgt noch ein abschließender Bericht mit Fazit zum Filmfest.

Sweet Home

Spanischer Beitrag zum Thema Gentrifizierung. Die junge Maklerin? Alicia inspiziert ein altes, heruntergekommenes Haus, in dem nur noch ein alter, nicht ganz so heruntergekommener störrischer Mann die Stellung hält. Warum Alicia auf die Idee kommt, ihrem englischen Freund zu dessen Geburtstag in dieser Bruchbude ein romantisches Schäferstündchen zu inszenieren, kann man wohl nur verstehen, wenn man in der Immobilienbranche tätig ist und dadurch einen speziellen sexuellen Fetisch für Wohnobjekte entwickelt hat. Jedenfalls stecken die beiden bald in der Falle, als böse, verkommene Gentrifizierer in das wie eine Festung verriegelte Haus eindringen (sie haben einen Schlüssel) und Jagd auf die beiden machen.

Sweet Home ist ein durchaus ansehnlicher und spannender Home-Invasion-Thriller, der aber zu keinem Zeitpunkt die Klasse und Kreativität von z. B. You’re Next erreicht. Der Reiz liegt darin, wie es der toughen Heldin gelingt, auf diesem begrenzten Raum dem übermächtigen Bösewicht zu entkommen. Da fiebert man durchaus mit.

Body

Die Story dieses nur 75-minütigen Films hätte man auch in eine 40-minütige Folge von Law and Order packen können. Drei junge Frauen lassen es in der Villa eines reichen Onkels krachen, bis unerwartet ein Mann auftaucht und alles furchtbar schiefgeht. Plötzlich stehen die drei jungen Damen vor den Scherben ihres zukünftigen Lebens und müssen einige schwerwiegende moralische Entscheidungen treffen. Ohne zu viel zu verraten, sie treffen natürlich immer die schlechteste Entscheidung.

Gelangweilt habe ich mich jetzt nicht wirklich während des Films, aber insgesamt ist er doch zu unspannend und undramatisch geraten. Da wäre mehr dringewesen.

Deathgasm

Ein jener typischen Fantasy-Filmfest-Crowdpleaser, die in jedem Jahrgang ein bis zweimal vorkommen (der zweite dieses Jahr ist wohl Turbo Kid). Damit sind vor allem Splatterkomödien gemeint, die in der besonderen Festivalatmosphäre doppelt so viel Spaß machen, als wenn man sie allein zu Hause vor dem Fernseher schaut. An Tucker and Dale vs. Evil reicht er nicht ganz heran, ich würde Deathgasm eher knapp über My Name is Bruce ansiedeln. Wenn man Metal-Fan ist, macht es sich er noch mehr Spaß.

In dem neuseeländischen Film geht es um einen Jugendlichen Metalhead, der unfreiwillig in der Spießerfamilie seines Onkels landet, an der neuen Schule einiges Mobbing aushalten muss, und sich rächt, in dem er eine satanische Hymne spielt, die all die Spießer und Mobber in von Dämonen besessene Zombies verwandelt. Und hier kann jetzt der durchaus einfallsreiche Splatterspaß losgehen. Wobei er das Splattergenre auch nicht neu erfindet. Die große Stärke des Films ist der Underdog-Humor bezogen auf die Subkulturen der Metaller und Rollenspieler.

Hätte ich den Film zu Hause vor dem Fernseher gesehen, hätte er mich vermutlich gelangweilt, aber auf dem Fantasy Filmfest war er ein großer Spaß mit nur leichten Abstrichen.

Ava’s Possessions

Was passiert eigentlich, wenn der Exorzismus gelungen und die Besessene wieder frei von Dämonen ist? In der Regel der Abspann, in diesem Fall geht der Film aber erst los. Ava war über Monate von einem Dämon besessen, hat so allerlei angestellt, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Als sie wieder zu sich kommt, lautet ihre erste Frage an die Familie, ob jemand sie bei ihrem Arbeitgeber krankgemeldet habe. Das betretene Schweigen spricht Bände. Und so versucht Ava die Scherben ihrer Existenz wieder zusammenzusetzen, begibt sich auf die Suche nach den verlorenen Erinnerungen und muss an einer Selbsthilfegruppe für ehemalige Besessene als Teil einer Gerichtsauflage teilnehmen, um nicht im Gefängnis zu landen. Denn ihr Dämon ließ sie nicht nur Dinge, sondern auch Menschen beschädigen. Ja, in Avas Welt ist es offiziell anerkannt, dass Menschen von Dämonen besessen werden können. Was dem Film eine wunderbare Prämisse liefert.

Aufgrund dessen, was ich im Vorfeld so von dem Film mitbekomme habe, war er für mich die potenzielle Festivalgurke, um so überraschter war ich dann, wie gut er mir gefallen hat.

The Invitation

David fährt mit seiner Freundin zu einer Einladung bei seiner Ex-Frau Eden und ihrem neuen Freund, die nach zwei Jahren Abwesenheit alle alten Freunde zu sich eingeladen haben, in genau jenem Haus, in dem Davids und Edens Sohn gestorben ist. Zu einem also oberflächlich betrachtet lockeren Dinnerabend wird jede Menge Ballast mitgebracht. David ist von Anfang an misstrauisch, während sich alle anderen verhalten, als wäre alles wie immer.

Mehr will ich gar nicht verraten. The Invitation ist ein kleines aber feines Drama über Tod, Trauer und wie unterschiedlich man damit umgehen kann. Die Konflikte zwischen den Figuren sind gut ausgearbeitet. Die unangenehmen Vorfälle, die andeuten, dass etwas nicht stimmt, sind geschickt eingeflochten, wobei relativ früh (ab der Videopräsentation) klar ist, wie der Hase läuft. Der Film ist also recht vorhersehbar, mich hat aber die konsequente misstrauische Griesgrämigkeit Davids bei der Stange gehalten. Die große Überraschung, die ich im Vorfeld erwartet hatte, bietet der Film nicht, aber sehenswert ist er durchaus.

The Pack

Tierhorror mit einer wildgewordenen Hundemeute die im australischen Outback eine Familie auf ihrer Farm terrorisiert. Im Prinzip ein Home-Invasion-Film nur mit Tieren statt Menschen als Täter. Wobei die Hunde sich viel zu sehr wie Menschen verhalten. Wenn sich die Protagonisten in Nischen, in Schränken und einfach um die Ecke verstecken, laufen die Hunde ahnungslos an ihnen vorbei, ohne sie zu riechen oder etwas zu hören, obwohl sie doch deutlich bessere Sinne haben sollten, als eben Menschen. Handwerklich ist der Film solide und zumindest halbwegs spannend erzählt, die Hauptfiguren sind gut ausgearbeitet und die Hunde wirken zumindest in der Nahaufnahme relativ bösartig. Der Schrecken geht allerdings ein wenig verloren, wenn sie angreifen, dann sieht man meist nur ein wenig schwarzes Fell durch die Wackelkamera herumzucken. Der Film hat nichts, was man nicht schon anderswo besser gesehen hat und bleibt für einen Tierschocker auf dem Fantasy Filmfest zu harmlos. Trotzdem ist es ein ganz solider Film, den man sich ansehen kann, wenn man (wie ich) sonst nichts Besseres vorhat.

Yakuza Apocalypse

Die meisten (der zahlreichen) Zuschauer haben den Film vermutlich als absurdes Trashfeuerwerk wahrgenommen, ich habe allerdings eine bitterböse Groteske gesehen, in der die Yakuza und deren Verflechtung in der Gesellschaft lächerlich gemacht wird; also ein durch und durch sozialkritischer Film mit Elementen des absurden Theaters und japanischer Folklore. Die Yakuza sind Vampire (im Film gibt es tatsächlich Yakuza-Vampire), die der Gesellschaft das Blut aussaugen. Doch wenn, wie im Film, plötzlich jeder (also auch das Schulmädchen und die Krankenschwester) zu Yakuza-Vampiren werden können und damit auch zu Yakuza, verlieren die Yakuza ihren Sinn.

Stellenweise ist der Film von Takashi Miike etwas zu lang geraten, man merkt ihm auch das geringe Budget an, aber dafür ist das Froschmonster (im Stoffkostüm mit Pappmascheekopf) – der Welt bester Superterrorist – schon eine coole Sau.

Momentum

Südafrikanischer Bankraub/Agenten-Film, in dem die hübsche Bankräuberin nach getaner Arbeit von bösen aber charismatischen Killern gejagt wird. B-Movie-Action, die aber ausgezeichnet gefilmt ist, viel Selbstironie mitbringt und mit den typischen Klischees so übertrieben spielt (wie der blonde, grimmige deutsche Killer), dass es richtig Spaß macht. Kam beim Publikum in der Nachtvorstellung gut an und erhielt sogar stellenweise Szenenapplaus, was ich in diesem Jahr nur bei wenigen Filmen erlebt habe.

Fantasy Filmfest 2015 – Kurzkritiken (1/2)

An meinen 4 Tagen auf dem Filmfest habe ich 16 Filme gesehen. Darunter keine Gurke, nur hier und da etwas Mittelmaß. Hier die ersten 8 von 16 Kurzkritiken (ein abschließender Bericht folgt auch noch):

The Connection (Le French)

Erzählt die französische Seite der French Connection im Marseille der 70er Jahre, ist aber weitaus eleganter und ruhiger inszeniert, als der Film mit Gene Hackmann. Sehr aufwendig und stilsicher, mit Jean Dujardin und Gilles Lellouche als Ermittlungsrichter und Drogenbaron perfekt besetzt. Ist auch eine Hommage an den Poliziotteschi, manche Kamerafahrten erinnern auch an Goodfellas. Soll auf wahren Begebenheiten basieren.War für mich ein wunderbarer Auftakt zum Fantasy Fimfest 2015. Auf die Franzosen ist Verlass, vor allem wenn es um Thriller geht.

Maggie

Sehr langsames und ruhiges Vater/Tochter-Drama, in dem es um eine mit einem Zombievirus infizierte Tochter geht, deren Vater ihr die letzten Tage vor der endgültigen Verwandlung so schön wie möglich gestalten möchte. Hier gibt es keinen Splatter und keine Action, sondern ruhige Einstellungen, familiäre Konflikte und großes Drama, mit hervorragenden Darstellern. Wobei Schwarzenegger jetzt – anders als man vielerorts hört und liest – nicht zum Charakterdarsteller mutiert ist. Der Regisseur versteht es einfach, ihn in einzelnen Einstellungen gut in Szene zu setzen. Pro Einstellung gibt es von ihm auch nur eine Gefühlsebene, aber keine Veränderung und auch keine längeren Dialoge. Den stoischen, wortkargen Farmer spielt Schwarzenegger aber trotzdem ganz gut. Ein Film, den viele als langweilig empfinden könnten, ich fand ihn ganz gut, wobei er dem Genre auch nichts Neues hinzufügt.

Tale of Tales

Opulente und bildgewaltige Verfilmung dreier Märchenepisoden (als Vorlage diente eine obskure italienische Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert), die lose miteinander verknüpft sind. Es geht und Könige und Königinnen, die aufgrund ihrer Entscheidungen in recht absurde Situationen geraten. Es gibt Seemonster, Riesenflöhe, Oger, entführte Prinzessinnen, einen geilen König, der allem nachstellt, was zwei Brüste hat und, und, und … Mit Darstellern wie Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilley ist der Film hervorragend besetzt. Von der Machart her erinnert er ein wenig an The Fall, allerdings fehlt ihm dessen Dynamik. Durchaus sehenswert, aber der letzte Funke wollte bei mir nicht so recht überspringen.

Night Fare

Und noch ein sehenswerter französischer Thriller. Zwei junge Freunde (mit einem düsteren Geheimnis) ziehen durch Paris, fahren mit einem Taxi, bescheißen den unheimlichen Fahrer und werden fortan von ihm verfolgt. Der stellt sich schnell als Psychopath raus, dessen Weg mit Leichen gepflastert ist. Knallharter und spannend inszenierter geradliniger Thriller … aber halt – aufgepasst! Es gibt einen netten Twist (den manch einer als hanebüchen empfinden wird), der die Geschichte plötzlich in eine ganz andere Richtung lenkt. Ich habe den Film in der Nachtvorstellung gesehen. Auf dem Heimweg vom Sonycenter zu meinem Hotel (10 Minuten zu Fuß) bin ich doch sehr froh gewesen, dass in Berlin keine schwarzen Taxis unterwegs waren.

Kung Fu Killer

Laut Ankündigung sollte er in der Originalfassung in kantonesisch (spielt größtenteils in Hongkong) und Mandarin (teils auch in Macau) laufen, gezeigt wurde aber dann eine englisch synchronisierte Fassung mit englischen Untertiteln! Die Synchro war richtig schlecht, es gab gefühlt einen Sprecher für alle Rollen, der auch nur einen grimmigen Tonfall draufhatte. Der Humorfaktor des Films lag vor allem in den inhaltlichen Unterschieden zwischen Synchro und Untertitel. Der Held sagt: »It’s possible«, im Untertitel steht: »it’s impossible«. Das sorgte für einige Lacher.
Das alles hat dem Film nicht geschadet, da es zu den hölzernen bis total übertriebenen Darstellern passt (Letzteres gilt vor allem für den debil grinsenden Bösewicht). Die ernsten Momente wirkten unfreiwillig komisch und eher peinlich, wie aus einem schlechten C-Movie.
Aber auch das hat dem Film nicht geschadet, denn in einen Film namens Kung Fu Killer (bzw. Kung Fu Jungle) mit Donnie Yen geht man nicht, weil man geschliffene Dialoge und elegante Arthouse-Inszenierung sehen will. Da geht man wegen der Klopperei rein. Und die ist erstklassig inszeniert. Es geht um einen Kämpfer, der alle anderen guten Kämpfer besiegen und töten will (»Martial Arts is about killing«), um dann selbst der beste Kämpfer zu sein (warum auch immer). Und so kloppt er sich von einem zum anderen und am Ende (aber auch zwischendurch schon ein wenig) eben gegen Donnie Yen.
Wie schon erwähnt, als Film grottig, als Klopperei (die eine Hommage an das Actionkino aus Hongkong sein soll – es gibt ganz viele Cameos von alten und nicht ganz so alten Actionstars) aber gut gemacht.

Shrew’s Nest (Musaranas)

Mein persönliches Highlight des Festivals (dabei wollte ich den Film erst gar nicht sehen).

Was vor einige Jahre noch Frankreich für das Horrorgenre war, ist inzwischen Spanien: eine Instanz, wenn es um kleine, fiese aber auch hochklassig inszenierte Filme geht. Shrew’s Nest bildet da keine Ausnahme.

In den 50er Jahren lebt Montse – die jahrelang unter ihrem tyrannischen und tief religiösen Vater leiden musste – mit ihrer 18-jährigen Schwester in einer Wohnung, aus der sich Montse seit Jahren nicht mehr rausgetraut hat. Das Verhältnis der beiden ist angespannt, die jüngere Schwester möchte das Leben genießen und trifft sich mit einem Jungen, was Montse, die sich hier als Sittenwächterin und Zuchtmeisterin aufspielt, weil sie Angst hat, ihre Schwester zu verlieren, gar nicht gefällt. Der Konflikt der Schwestern kann auch schon mal in blutigen Handgreiflichkeiten enden, aber irgendwann vertragen sie sich wieder und leben weiter in dieser ungesunden Symbiose. Bis eines Tages der attraktive Nachbar von oben, die Treppe runterstürzt und vor Montses Wohnung landet. Die einsame Frau pflegt ihn dann in bester Misery-Manier, bis die Sache schließlich völlig aus dem Ruder läuft.

Trotz des blutigen Finales ist das Kammerspiel Shrew’s Nest vor allem großes Schauspielkino. Luis Tosar spielt den tyrannischen Vater mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Das große Highlight des Films ist aber Macarena Gomez als Montse. Sie schafft ausgezeichnet, die Balance zwischen der Zerbrechlichkeit dieser von Leid und Angst geprägten Frau und dem schleichenden, gewalttätigen Wahnsinn, der mit der Sehnsucht nach einem besseren Leben einhergeht, zu halten.

Rabid Dogs

Französisch/kanadisches (spielt wohl in Quebec) Remake des italienischen Klassikers von Mario Bava. Vier Bankräuber gelingt eine spektakuläre Flucht, in deren Folge sie eine junge Frau und einen Vater mit seiner kranken und schlafenden Tochter als Geisel nehmen. Natürlich überlebt der ursprüngliche Plan den ersten Feindkontakt nicht, und so geht dann einiges in die Hose.

Die anfängliche hektische Flucht ist wirklich spektakulär inszeniert, da hat man als Zuschauer das Gefühl, direkt dabei zu sein. Im Laufe der Geiselnahme verliert der stylisch und atmosphärisch dichte Film ein wenig an Fahrt, was vom überraschenden Finale aber wieder ausgebügelt wird.

Nach den Vorschusslorbeeren hatte ich zwar etwas mehr erwartet, aber auch so gehört Rabid Dogs zu den besten von den 16 Filmen, die ich auf dem Festival gesehen habe. Man sollte von Anfang an auf die Kleinigkeiten achten. 😉

Demonic

Ist Haunted-House-Konfektionsware von der Stange aus der Gruselfabrik von James Wan, der seine Filme immer für ein völlig neues Publikum zu produzieren scheint. Nämlich Leute, die nie zuvor einen Haunted-House-Film gesehen haben, denn er nimmt die immer gleichen Zutaten und setzt mit leichten Variationen wieder zusammen. Dabei ist hier kein schlechter Film rausgekommen – eine Gurke ist Demonic nicht -, sondern einfach unspektakuläres und vorhersehbares Mittelmaß. Ich habe es zwar nicht bereut, den Film gesehen zu haben, aber in Erinnerung wird er mir auch nicht bleiben.

Fantasy Filmfest 2015

Nachdem ich letztes Jahr aus beruflichen Gründen aussetzen musste, werde ich in diesem Jahr wieder das Fantasy Filmfest besuchen. Inzwischen hat man es ja leider auf 12 Tage verlängert, was mir zu lange ist. Deshalb werde ich es nur an 5 Tagen besuchen, und zwar ab Freitag in Berlin.

Leider gibt es auch keine Parallelvorstellungen mehr, sondern nur noch einen Film pro Slot, was die Auswahl leider sehr einschränkt, und blöd ist, wenn ein Film läuft, der mich so gar nicht interessiert. Aber ich habe Flug und Hotel für die 5 Tage schon Anfang des Jahres gebucht, und wusste, dass es ein Glücksspiel wird, welche Filme an diesen Tagen laufen. Da muss ich nehmen, was mir serviert wird.

Genau genommen werde ich auch nur an 4 Tagen das Festival besuchen, da ich Freitag erst um 16.00 Uhr am Flughafen ankomme, dann noch im Hotel einchecken muss und schließlich zu einem Verlagstreffen gehen werde. Je nachdem wann das Treffe zu Ende ist, schaff ich es um 23.00 Uhr vielleicht noch in The World of Kanako, den ich eigentlich sehr gerne sehen würde.

Ansonsten geht das Festival für mich am Samstag um 13.15 Uhr mit dem französischen Thriller The Connection los, der in den 70er Jahren spielt. Thriller aus Frankreich sind eigentlich immer eine Bank, das hat man da einfach drauf. Um 18.00 Uhr geht es dann mangels Alternativen in den Zombiefilm Maggie mit Arnold Schwarzenegger, der mich eigentlich überhaupt nicht interessiert, aber ich habe ja keine Wahl. Danach folgt mit Tale of Tales die Verfilmung eines obskuren italienischen Märchenbands aus dem 17. Jahrhundert. Der Trailer lässt mich etwas ratlos zurück, aber ich bin gespannt. Um 23.00 Uhr folgt mit Night Fare noch ein weiterer französischer Thriller, über eine Nacht, in der für einen Taxikunden alles schief geht. Trailer wirkt ganz nett, ist für mich kein must-see, aber wenn ich schon ein Hotelzimmer in Kinonähe habe, dann nutze ich die Nachtvorstellung auch aus.

Am Sonntag gibt es zwei Filme, die mich wirklich interessieren, die Rachekloperrei Kung Fu Killer mit Donnie Yen und der (Überraschung) französische Thriller Rabid Dogs, der ein stilsicheres und knallhartes Remake des gleichnamigen italienischen Films von Mario Bava sein soll. Wird vom Festival als Centerpiece präsentiert. Eventuell sehe ich mir noch den spanischen Film Shrew’s Nest an, auch wenn mich die Story um religiösen Fanatismus unter Schwestern nicht so interessiert. Die beiden Filme um 20.30 und 22.30 Uhr interessieren mich leider so gar nicht. Weder der gruselige Knetanimationsfilm Possessed aus Spanien, noch der in ersten Kritiken als absolut konventionell und ideenlos bezeichnete Haunted-House-Film Demonic. Da werde ich spontan entscheiden, ob ich noch Lust habe. Aber ich werde wohl kaum was Besseres vorhaben..

Am Montag weiß ich noch nicht genau, welchen der ersten drei Filme ich für eine Essenspause sausen lasse. Der Trailer von Sweet Home (14.45 Uhr), der nach Home Invasion aussieht, hat mich nicht gerade vom Hocker gerissen. Dasselbe gilt für Body um 16.30 Uhr, der scheint auch nur in einem dunklen Haus zu spielen. Um 18.15 Uhr läuft das japanische Creature-Feature Parasyte: Part 1. Der sieht ziemlich albern und jugendfrei aus. Außerdem ist es eben nur Teil 1 und damit wohl nur die erste Hälfte der Geschichte, warum man Teil 2 nicht zeigt, der auch schon fertig sein soll, ist mir ein Rätsel. Gesetzt ist die Splatterkomödie Deathgasm um 20.30 Uhr, die gerade auf spiegelonline gelobt wird. Um 22.30 läuft noch Ava’s Possessions. Mit dämonischen Bessessenheitsfilmen kann man mich eigentlich ähnlich gut jagen, wie mit Zombiefilmen. Wobei die Prämisse hier noch halbwegs originell klingt: Es geht um darum, was mit einer Besessenen nach der Erbsensuppenkotzerei-Episode passiert, wenn sich der Dämon aus dem Staub gemacht hat..

Die erste Vorstellung am Dienstag werde ich mir sparen, da es sich um die Wiederholung von Nigth Fare handelt, den ich dann schon am Samstag gesehen haben werde. Schade, dass da ausgerechnet ein Titel wiederholt wird, der schon an den wenigen Tagen läuft, die ich auf dem FFF bin. Um 16.30 läuft The Invitation, über den ich nicht viel weiß, außer, dass es um einen unheimlichen Besucher gehen soll. Hier vertraue ich einfach mal auf das gute Gespür bei der Rollenauswahl von Michiel Huisman. The Pack um 18.30 weiß ich noch nicht, stehe eigentlich nicht auf diese Art von Tierhorror, der Trailer sieht auch recht gewöhnlich aus. Takashis Miikes Yakuza Apocalypse um 20.30 ist Pflichtprogramm, auf den freue ich mich schon, seit ich die Kritik auf Filmstarts.de gelesen habe. Um 23.00 Uhr läuft mit Momentum noch ein Bankraubthriller, bei dem ich mich spontan entscheiden werde.

Und das war es auch schon. Am Mittwoch geht mein Flug zurück. Sehr Schade, denn an diesem Tag hätte ich gerne noch Turbo Kid und Excess Flesh gesehen.

Filme, die ich ansonsten noch gerne gesehen hätte: Hyana, Bound to Vengance, Kill Your Friends (Eröffnungsfilm nach dem Roman von John Niven), Reality und Some Kind of Hate.

Wie auch schon im vorletzten Jahr ist kein Film dabei, bei dem ich im Vorfeld dachte, dass ich ihn unbedingt sehen muss, so wie es mir z. b. bei Ex-Drummer oder Survive Style 5+ ging. Das Angebot an Horrorfilme wirkt auf den ersten Blick breit gefächert, aber auch eher mainstreamig. Einen richtig kontroversen Titel (wie z. B. In the Name of the Father) kann ich bisher nicht entdecken. Mit Science-Fiction sieht es eher mau aus. Infiny scheint in die Richtung Alien und Event Horizon zu gehen, soll aber nach ersten Kritiken eher schlecht sein. Wobei ich mich frage, ob sich wirklich die Art der Filme auf dem Filmfest geändert hat, oder ob es an mir und meinen Ansprüchen liegt?

Aber im Laufe des Festivals wird sich sicher die ein oder anderen Perle herauskristalliesieren. Drüben bei f3a.net schwärmt man von dem Programm, wobei ich mich Frage, woher diese Euphorie kommt.

Wer eine ausführliche Berichterstattung über die laufenden Filme haben möchte, sollte drüben beim Wortvogel vorbeischauen, der ist ab heute in Nürnberg am Start und hat schon damit gedroht, die Filme zeitnah zu besprechen. Auch auf Spiegel.de freut man sich auf das Filmfest.

Auf Filmstarts.De gibt es ein Interview mit Festivalleiter Reiner Stefan, bei dem durchklingt, dass die Zukunft des Festivals in den Sternen steht. Es scheint einen deutlichen Zuschauerrückgang zu geben, weshalb man nur noch eine Vorstellung pro Slot anbietet, um den Saal voll zu bekommen; außerdem ist man in Köln und Hamburg in Luxuskinos umgezogen. Der Trend geht eher weg vom Multiplex. In Berlin hat man sich jetzt ganz aus dem Cinemaxx verabschiedet, was ich begrüße, das war mir immer ein bisschen zu schmuddelig. Ins Cinestar im Sonycenter gehe ich sehr gerne. Ich hege auch so meine Zweifel, ob es das Festival noch lange geben wird, hoffe es aber sehr.

Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten Tage in Berlin. Für meine Ankunft am Freitag sind 39 Grad gemeldet. Es wird ein heißes Filmfest.

 

Fantasy Filmfest 2014 – die Termine

Die Termine für das Fantasy Filmfest 2014 stehen fest (nicht zu verwechseln mit den Fantasy Filmfest Nights, die im März stattfinden, aber dazu wird es noch einen extra Blogeintrag geben):

BERLIN     27. Aug – 07. Sept
FRANKFURT     28. Aug – 08. Sept
STUTTGART     03. – 14. Sept
NÜRNBERG     03. – 14. Sept
MÜNCHEN     08. – 19. Sept
HAMBURG     08. – 19. Sept
KÖLN     10. – 21. Sept

Ich habe den Eindruck, dass es immer später stattfindet. Schade, ich mochte es immer gerne im Hochsommer. Aber dieses Jahr kommt das Fantasy Filmfest für mich sehr wahrscheinlich gar nicht infrage. Seit Oktober wohne ich ja nicht mehr in der Festivalstadt Berlin, wo ich gemütlich von meiner Wohnung aus mit der U-Bahn zum Kino fahren konnte, sondern eine Stunde Autofahrt zwischen Köln und Frankfurt (wo ich früher immer aufs FFF bin). Die Verschiebung nach hinten ist auch blöd für jene, die schon ihren Urlaub für 2014 einreichen mussten.

Für dieses Jahr hatte ich geplant eine Woche nach Berlin zu fahren, mir ein Zimmer in Festivalnähe zu nehmen (um auch die Nachtvorstellungen sehen zu können) und wie immer einen einwöchigen Filmmarathon zu genießen. Leider gibt es ein paar Änderungen im Festivalablauf, die diesen Plan für mich unattraktiv machen.

Die Festivallänge wurde von 7 auf 12 Tage verlängert. Das ist mir zu viel. Eine Woche ist in Ordnung, mehr aber nicht.

Durch die Verlängerung wird es auch nur noch einen Film pro Slot geben, nicht mehr zwei. Das heißt, man hat keine Wahl mehr zwischen zwei Filmen. Da mich von den ca. 70 Filmen des Festivals nur ungefähr die Hälfte interessiert, gäbe es da für mich ziemlich viel Leerlauf zwischen den Filmen. Bisher habe ich immer pro Tag einen Filmslot als Pause eingeplant, um Essen zu gehen (mal schnell was zwischendurch reinschieben, ist nichts für mich). Manchmal kam noch einer dazu, weil mich beide Filme partout nicht interessiert haben. Da musste ich immer irgendwie die Zeit totschlagen. Bei schönem Wetter habe ich mich auf eine Bank gesetzt und gelesen, bei schlechtem ist es aber Mist.

Jeden Tag fünf Filme, und dass 12 Tage lang, wäre mir dann doch etwas zu viel. Bei 12 Tagen besteht auch die Gefahr, dass die für mich interessanten Filme z. B. an den Tagen 1 u. 2 und 9 u. 12 laufen, und dazwischen wenig Interessantes. Oder nur zwei interessante Filme pro Tag, einer um 13.00 Uhr und einer um 22.00 Uhr. Damit würden auch Tagesfahrten nach Köln wegfallen. Aber das entscheide ich, wenn das Programm steht.

Die Dauerkarten sind 40 Euro teuerer geworden und kosten jetzt 250 Euro. Die sind nur noch für Leute interessant, die alle Filme sehen wollen. Für die sind die Änderungen natürlich wunderbar, da in einer Festivalstadt alle Filme an den 12 Tagen sehen können. Für viele ist es aber uninteressant geworden, weil das Verhältnis zwischen dem Preis und der Anzahl der interessanten Filme nicht mehr passt (wobei die Filme für dieses Jahr noch gar nicht feststehen, man kann aber mit den Jahren aus Erfahrung gut abschätzen, wie viel es sein werden).

Es wird keine freie Platzwahl mehr geben (was aber, glaube ich, nicht für alle Festivalstädte gelten soll). Auch die Dauerkartenbesitzer werden zwei feste Reihen haben. Das hat Vor- und Nachteile. Mir war die freie Platzwahl immer lieber.

Vorteile: Platzreservierer, die nach Ende der vorigen Vorstellung teilweise ganze Reihen mit ihren „Badetüchern“ reservieren, habe keine Chance mehr. Nach jeder Vorstellung müssen alle raus, auch wenn man den nächsten Film wieder im gleichen Saal sieht. Dadurch landet man zwangsläufig ganz hinten in der Schlange und muss bei vollen Filmen weit vorne sitzen (was mich aber nie gestört hat, da man in den Multiplexen meist von überall noch eine ganz gute Sicht hat).

Nachteile: Dauerkartenbesitzer sind an die beiden festen Reihen gebunden. Ob jemand lieber in den ersten Reihen sitzt oder in der Mitte Links ist dabei egal. Viele haben da wie Sheldon Cooper ihren perfekten Platz, den sie immer besetzen möchten. Dauerkartler können nicht mehr mit normalen Ticketkäufern zusammensitzen, obwohl es da durchaus Schnittmengen im Freundeskreis gibt. Bei normalen Kinobesuchen finde ich feste Platzkarten gut, beim Filmfest überhaupt nicht. Da will ich in den Saal kommen, mir einen Überblick verschaffen und dann den Platz wählen. Bei Filmen mit Untertiteln sitze ich gerne etwas weiter weg, damit ich die Zeilen immer als ganzes erfassen kann, und nicht von Rechts nach Links lesen muss (bei asiatischen Filmen fehlt dafür oft die Zeit). Bei englischsprachigen Filmen sitze ich gerne weiter vorne, von wo ich zur Leinwand aufblicken kann, um ganz darin zu versinken. Ich mag es nicht, auf die Leinwand herab zu sehen.

In der Fangemeinde gehen die Meinungen bezüglich der Änderungen auseinander, wie man and er Diskussion hier z. B. sehen kann.
Wortvogel Torsten Dewi (der jedes Jahr zum FFF nach Berlin reist) stören die Änderungen z. B. gar nicht.

Ich bin mal gespannt, wie es für die Festivalmacher laufen wird. Ob sich die Änderungen bemerkbar machen. Frage mich auch, was sie sich davon versprechen? Im letzten Jahr habe ich erstmals in Berlin ein FFF ohne eine einzige ausverkaufte Vorstellung erlebt. Das könnte sich jetzt ändern, da sich die Festivalbesucher nicht mehr auf zwei Kinosäle verteilen. Könnte dadurch aber auch stellenweise sehr eng werden.

Persönlich finde ich die Entwicklung schade, da sie für mich einfach ungünstig ist. Ich gehe übrigens seit über 10 Jahren schon auf das FFF.

Fantasy Filmfest 2013 – Mein Fazit + Kurzkritiken

15 Filme habe ich in diesem Jahr auf dem Fantasy Filmfest gesehen. Darunter war erstaunlicherweise nur eine Gurke (Lords of Salem). Allerdings war auch kein richtiger Kracher dabei, der mich in pure Begeisterung versetzt hat. Die Filme bewegten sich mehr in einem Bereich von ganz in Ordnung über gut bis sehr gut. Einige bekamen natürlich den obligatorischen Festivalbonus, sprich sie wirkten in der Atmosphäre des FFF unter Gleichgesinnten besser, als wenn man sie zu Hause sehen würde (wie Fesh Meat z. B.).

Einige Filme habe ich leider nicht sehen können. Da ich mit meiner Diplomarbeit und einer Übersetzung nicht rechtzeitig zum FFF fertig geworden bin, musste ich 2 ½ Tage sausen lassen. Besonders leid, tut es mir um den durchgeknallten indischen Film Makkhi, in dem jemand als Fliege wiedergeboren wird und sich an seinem Mörder auf sehr kreative Weise rächt. Auch den koreanischen Thriller New World hätte ich gerne gesehen.

Insgesamt war es ein wirklich tolles Festival im sommerlichen Berlin. Eine so hohe Ausbeute an ungurkigen Filmen hatte ich bisher noch nicht. Da ist auch das Fehlen eines besonderen Highlights zu verschmerzen. Hätte ich eine Dauerkarte und mehr Filme gesehen, dann wäre die Gurkendichte vermutlich höher ausgefallen.

Ich hatte allerdings den Eindruck, dass die Filme insgesamt etwas schwächer besucht waren, als in den Vorjahren. Ich hatte nicht einen einzigen Film der ausverkauft war. Nicht einmal In the Name of the Son und Byzantiumam Freitag- bzw. Samstagabend oder der Eröffnungsfilm. Das hatte ich bisher noch nie. Sonst mussten die Leute sogar auf der Treppe sitzen. Vielleicht waren die Besucherzahlen ja gleichmäßiger auf die beiden Parallelvorstellungen verteilt, aber auch in Hamburg war dieser Besucherschwund zu beobachten.

Manche werfen dem Festival vor, dass es dadurch, dass es immer mehr Arthousefilme und solche die für ein Mainstreampublikum tauglich sind, ins Programm nimmt, an Profil verliert und damit auch an altem Stammpublikum. Eine Kritik, der ich, zumindest teilweise und trotz meiner guten Filmausbeute in diesem Jahr, zustimmen kann. Echte Kracher wie Martyrs, Ex-Drummer, High-Tension, Enter the Void  oder Tucker & Dale vs. Evil“ werden seltener. Harte Horrorschocker sucht man vergebens, ebenso wie Durchgeknalltes aus Südkorea oder Japan. Asien war insgesamt schwach vertreten.

Provokante Filme sind in diesem Jahr nur In the Name of the Son“ und Big Bad Wolves aufgrund ihrer Thematik. Radikale Filme, die auch in ihrer Machart radikal sind, gibt es nicht.

Das Filmfest konnte mich in diesem Jahr zwar gut unterhalten, aber es hat mich weder in Ekstase oder Begeisterung versetzt noch hat es mich vor den Kopf gestoßen, wie seinerzeit z. B. mit Martyrs. Ich sehe mir sehr gerne Arthousefilme und anspruchsvolle Dramen an, aber dafür kann ich auf die Berlinale oder in reguläre Kinovorstellungen gehen. Auf dem Fantasy Filmfest will ich extreme Filme sehen, die provozieren, schockieren und verwirren. Die mal so richtig auf die Kacke hauen, politisch völlig unkorrekt oder durchgeknallt sind.

Ich weiß natürlich nicht, was hinter den Kulissen des Filmfests abläuft, warum sie welche Filme zeigen, warum bestimmte Filme nicht laufen. Das kann alles sehr vielschichtige Gründe haben. Mein Fazit hier ist aus meiner Perspektive als langjähriger Festivalbesucher geschrieben, ohne irgendwelches Insiderwissen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es das Fantasy Filmfest noch gibt, und gehe weiterhin gerne dahin, bin aber auch ein wenig über die Auswahl der Filme bzw. die Richtung, die das Fest einschlägt besorgt. Ich würde mich freuen, wenn es wieder mehr extreme und provokante Filme wie in den vergangenen Jahren geben würde.

Hier meine Kurzkritiken, die ich ursprünglich während des Festivals im Forum von SF-Fan.de veröffentlicht habe. Wenn ihr auf den Filmtitel klickt, kommt ihr zur offiziellen Filmbeschreibung mit Trailer.

Fresh Meat – oder was passiert, wenn man Akademikern ihren wohlverdienten beruflichen Aufstieg verwehrt

Vier Gangster auf der Flucht verstecken sich im Vorstadtheim einer vierköpfigen kannibalistisch veranlagten Familie, nehmen diese als Geiseln und bleiben zum Essen.
Eine unterhaltsame schwarze Komödie, mit Splatterelementen, Slapstick und schlechtem Geschmack. Teilweise etwas zu überzogen, aber insgesamt sehr spaßig. Auch Familiendrama im Stil von „was ich schon immer nicht über meine Eltern wissen wollte“. Wie in meinem letztjährigen ersten Festivalfilm steht auch hier Fingerfood auf der Speisekarte. Die Neuseeländer wissen einfach, wie man gute Splatterkomödien dreht. Ein Film, wie fürs Fantasyfilmfest gemacht.

The Philosophers – oder warum die Apokalypse besonders Dichtern Kopfschmerzen bereitet

Eine Schulstunde in einer englischen Schule in Jakarta. Auf dem Stundenplan steht Philosphie. Ein Gedankenspiel. Was tun, wenn die Apokalypse vor der Tür steht und man einen Bunker mit nur 10 Plätzen für 20 Schüler hat. Jeder von ihnen bekommt einen Beruf zugewiesen, dann sollen sie nach Nützlichkeit darüber abstimmen, wer rein darf.

Das Gedankenspiel wird dabei in schönen, edel gefilmten Bildern vor dem Panorama einer atomaren Apokalypse gezeigt. Dass der Film dabei nicht langweilig wird, liegt an seinem Humor. Wenn Ihr von Beruf Dichter seid und der Weltuntergang vor der Tür steht … na ja, viel Erfolg.
Gegen Ende wird der Film etwas zu belehrend, außerdem fehlt eine richtige Dramaturgie, teilweise plätschert er so vor sich hin und philosophisch in die Tiefe geht er auch nicht wirklich. Trotzdem fand ich ihn ganz in Ordnung. Kann man sich ansehen, viele in der Berliner Vorstellung sollen ihn aber auch schlecht gefunden haben.

Odd Thomas – oder ich sehe was, was du nicht siehst

Stephen Sommers verfilmt Dean Koontz. Ob das was werden kann? Ja, und zwar richtig unterhaltsam. Odd Thomas ist ein seltsamer junger Mann, der in der kleinen Wüstenstadt Pico Mundo wohnt, eine bezaubernde Freundin namens Stormy hat und dessen Vater der Polizeichef ihn immer wieder aus Schwierigkeiten holt. In die gerät er immer wieder, weil er tote Menschen sehen (aber nicht hören) kann. Die führen ihn immer wieder zu ihren Mördern, die Odd dann schlagkräftig zur Strecke bringt, was seinen Vater immer wieder in Erklärungsnöte bringt. Was Odd auch sehen kann, sind Dämonen, die sich am Leid von Menschen ernähren. Als diese Viecher Pico Mundo plötzlich überrennen, weiß Odd, dass eine Katastrophe bevorsteht.

Die Stärke des Films sind seine beiden Hauptfiguren Odd und Stormy, die so liebevoll und skurril beschrieben werden, dass sie einem einfach sympathisch sein müssen. Odds Vorgehen wird konsequent, actionreich und sehr witzig inszeniert und die CGI-Effekte sind gut gelungen. Teilweise wirkt der Film schon etwas mainstreamig und vorhersehbar, aber das gelungene Ende, macht das wieder wett. Eine klare Empfehlung.

The Congress

In dem Film von Ari Folman (Waltz with Bashir) geht es um die Schauspielerin Robin Wright (die sich selbst spielt) und ihr letztes großes Engagement. Der alternde Star aus „Forest Gump“ und „The Princess Bride“, soll von ihrem Filmstudio Miramount komplett per Computer eingescannt werden, und diese virtuelle Robin Wright soll in Zukunft alle Rollen für sie übernehmen. Der erste und stärkste Teil des Films beschreibt die Zeit von diesem Angebot bis zum Einscannen. Dabei geht es vor allem um verblassenden Ruhm, falsche Entscheidungen, Wrights Kinder und die Beziehung zu ihrem Agenten (Harvey Keitel).
Das war für mich der beste Teil des Films, Robin Wright spielt großartig, Harvey Keitel hält einen tollen Monolog und ihr Familienleben wird sehr warmherzig und originell dargestellt. Außerdem ist es ein sehr witziger Seitenhieb auf die großen Hollywoodstudios und das Filmgeschäft.
Dann gibt es einen Bruch und die Zeichentricksequenzen fangen an. Das wirkt zunächst sehr beeindruckend und herrlich durchgeknallt, wie ein LSD-Trip, den Ralph Bakkshi entworfen hat. Für meinen Geschmack zieht er sich aber zu lange hin. Zwischendurch fand ich den Film total langweilig und am Ende auch nicht ganz stimmig. Keine Gurke, durchaus ein guter Film, für mich aber stellenweise zu langweilig und verwirrend, mit zu großen Brüchen in der Handlung.

In der Wiederholung wurde der Film, anders als am Eröffnungsabend, mit dem neuen Atmos-Sound von Dolby gezeigt, der mit seinen bis zu 160 Tonkanälen (in diesem Film waren es 48 oder so) tatsächlich ein sehr beeindruckendes Hörerlebnis erzeugt. In Berlin gibt es bisher nur drei Kinosäle, die dieses Soundsystem eingebaut haben.

Inwiefern der Film etwas mit der Vorlage von Stanislaw Lem zu tun hat, kann ich nicht sagen, da ich diese nicht kenne.

Europa Report

Eine bemannte Weltraummission zum Jupitermond Europa, rund um die Uhr gefilmt mit Big-Brother-Kameras. Doch nach einem Zwischenfall bricht der Kontakt zur Erde ab. Erst nach Ende der Mission bekommen die Zuschauer auf der Erde (also wir) das Filmmaterial zu sehen.

Found Footage wird vor allem gemacht, um kostengünstig zu produzieren, oft kommt dabei unlogischer Murks heraus. Bei „Europa Report“ geht das Konzept aber auf. Das Filmmaterial wirkt authentisch und man hat das Gefühl hautnah bei der Mission dabei zu sein. Dabei ist die Geschichte frei von dem ganzen Hollywoodmist mit Beziehungskisten und Bösewicht. Die Astronauten verhalten sich erstaunlich kompetent und erfrischend sachlich. Trotzdem gibt es einige spannende Szenen.

Europa Report ist beste und faszinierende Hard-SF, die auch aus der Feder von Ben Bova stammen könnte. Nach den ganzen Action-SF-Filmen des Jahres eine willkommene Abwechslung. Endlich mal wieder realistische SF.

I Declare War

Krieg der Knöpfe mit schwerem Geschütz. Eine Gruppe von Kindern spielt mit aus Holz zusammengebastelten Waffen, die in ihrer Fantasie zu echten Waffen werden, Krieg im Wald. Zwei Gruppen, zwei Basen, Capture the Flag und ganz viel zwischenmenschliches Beziehungsgeflecht unter den Kindern, von denen jedes seine eigenen Gründe hat, an der Schlacht teilzunehmen.
Der Film ist richtig gut, die Kinderdarsteller sind großartig und die Handlung wirklich spannend inszeniert. Jedes Kind hat seinen eigenen vielschichtigen Charakter, was von den Darstellern super rübergebracht wird. Ein Film für all diejenigen, die sich einen Teil ihrer Kindheit bewahrt haben und noch wissen, wie es ist, mit Spielzeuggewehren durch den Wald zu robben.

Haunter

Hier will ich nicht zu viel verraten. Edel gefilmter sehr spannend und gruselig inszenierter Haunted-House Film, mit viel Liebe zum Detail, bei dem nicht alles so ist, wie es scheint. Es konzentriert sich alles auf die von Abegail Breslan gespielte 16-jährige Haupfigur, die The Smith, The Curé und David Bowie hört (der Film spielt in den 80ern) und deren Bruder Packman spielt. Und Breslan überzeugt auf der ganzen Linie. Eine klare Empfehlung, auch wenn mir etwas gefehlt hat, dass ich nicht näher definieren kann.

In the Name of the Son

Das ist er also, der Film, wegen dem ich aufs Fantasy Filmfest gehe – der bitterböse, provokante Kracher, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Empfehlung vom Katholischen Filmdienst bekommen wird.
Eine bitterböse und tiefschwarze Komödie über Kindesmissbrauch und den Verlust des Glaubens einer tiefreligiösen Frau an die Institution der Kirche, die ihre Rache an den pädophilen Priestern – von denen einer ihren Sohn in den Selbstmord getrieben hat – selbst in die Hand nimmt.
Für mich bisher der beste Film des Festivals, bei dem einem das Lachen mehr als einmal im Halse stecken bleibt.

Nachtrag zu In the Name of the Son: hier war übrigens der Regisseur anwesend und hat sichtlich nervös aber durchaus sympathisch fleißig Fragen beantwortet.

Ich hänge mit meinen Kurzkritiken etwas hinterher, da ich in den letzten beiden Tagen noch meine Bachelorarbeit (die ich morgen abgeben werde) druckfertig machen musste.
Deshalb verweise ich beim Film Byzantium nur auf die Rezension vom Wortvogel (http://wortvogel.de/2013/08/fantasy-filmfest-2013-5-byzantium/), der ich mich hundertprozentig anschließe, und merke noch an, das Saoirse Ronan mal wieder eine beeindruckende Leistung abliefert. Allein wegen ihr hat sich der Film schon gelohnt.

Wrong

Ein knallhartes Entführungsdrama. Paul ist verschwunden und sein bester Freund Dolph gerät auf seiner verzweifelten Suche an den dubiosen Master Cheng. Schon bald brennt ein Auto, es fließt erstes Blut und es gibt einen Toten. Dolph findet sich in einem Strudel aus Sex, Verrat und Tannebäumen, kommt vom Regen in die Traufe und steckt so richtig in der Scheiße. „Wrong“ macht alles richtig und schickt den Zuschauer auf einen Psychotrip bis in die tiefsten inneren Abgründe. Muss man gesehen haben. Vor allem wenn man sich fragt, warum der eigenen Wecker nach 7:59 Uhr nicht auf 7:60 umspringt.

Drug War

Johnie To liefert wie immer einen erstklassigen Film ab. Anfangs sehr ruhig, fast wie eine Dokumentation vom Polizeialltag einer Anti-Drogeneinheit in der chinesischen Provinz. Dabei aber sehr unterhaltsam mit gutem Humor. Am Ende gibt dann aber noch die gewohnte Johnie-To-Schießerei, die wie immer ihresgleichen sucht. Diesmal nicht mit arschcooler Ästhetik überstilisiert wie in “Election” “Vengeance” oder “Exile”, sondern so knüppelhart und grausam, dass dem Publikum mehr als einmal ein ungläubiges Keuchen entfuhr (eher wie bei “Breaking News”). Bekommt von mir 9 von 10 Hahas

Love Eternal

Ruhiges Drama um einen sensiblen jungen Mann, der regelmäßig Damenbesuch erhält und sich am liebsten mit dem Tod beschäftigt. Dem Wortvogel Torsten Dewi hat er überhaupt nicht gefallen, ich fand ihn ganz schön und teilweise auch lustig. Tolle Filmmusik und einige makabre Szenen. Eigentlich ein tieftrauriges Drama, das viele vermutlich als langweilig empfinden werden.

Lords of Salem oder hässliche Hexen mit einer hygienischen Behinderung
Ein Film, der meine Erwartungen voll erfüllt hat. Denn durch die vielen schlechten Kritiken im Vorfeld rechnete ich bereits mit der wirren Hexenhokospus Gurke, in der es eigentlich nur darum geht, Sheri Moon Zombie in Szene zu setzen. Sieht man einmal nicht Sheri Mono Zombie, dann tanzen verschrumpelte, hässliche Hexen nackt ums Feuer oder spucken Neugeborenen ins Gesicht. Von Rob Zombie hatte ich mehr erwartet als ein lahmer Aufguss alter Hexen und Satanskinderfilme wie „Rosmary’s Baby“. „Lords of Salem weißt nicht den geringsten Funke Originalität auf. Hat man alles schon gesehen, und zwar besser, spannender und gruseliger.

Dirty Weekend

… ist eine witzige, schwarze low Budget Komödie um einen Lehrer, der seine Geliebte, die auch seine Schülerin ist, beim Romantikwochenende in Frankreich um die Ecke bringen möchte, was durch die Ankunft eines maskierten Verbrechers mit Goldschatz verkompliziert wird.

You’re Next

… ist ein knallharter Home-Invasion Thriller, der so richtig den Saal gerockt hat. Klare Empfehlung. Familienfeier auf einem abgeschiedenen Anwesen, das bald von maskierten Armbrustschützen Besuch erhält. Daraus entwickelt sich ein brutaler Survivalthriller, bei dem eigentlich nur eine Person Überlebensinstinkt entwickelt und damit zum Alptraum für die Killer wird. Sauspannend und mit vielen Schockmomenten. Der schreckhafte Zuschauer neben mir fuhr mehr als einmal zusammen und hat ängstlich die Hände vor die Augen gehalten.

Stand der Dinge und Wo man mich trifft

Ufz, habe gerade die Übersetzung zu Captain Future – Band 4 beendet, jetzt folgt noch ein Korrekturgang und dann geht es ab an den Verlag.

Ufz, ebenfalls heute beendet habe ich meine Bachelorarbeit + Korrekturgang. Jetzt fehlen noch die Einleitung, Inhaltsverzeichnis und die Bibliographie (die man immer schon während des Schreibens pflegen sollte, damit man am Ende nicht so eine Fisselarbeit hat). Bei einem Kapitel über die Darstellung von Armut in amerikanischen Sitcoms überlege ich noch, ob ich es etwas chronologischer strukturiere und weniger themenorientiert. Abgabe ist dann am 26. August.

Ufz, bin mich momentan fleißig am Bewerben. Stellensuche und das Verfassen von Bewerbungen kostet doch mehr Zeit, als ich dachte.

Ufz, muss auch noch ganz dringend eine Hörspielrezi schreiben. Elfenwerk!

Ab morgen trifft man mich wieder in Berlin.

Am Dienstagabend z. b. in der Wuhlheide beim Konzert von System of a Down. Eine Band, die ich schon seit Veröffentlichung ihres ersten Albums 1998 sehr schätze. Damals waren sie noch ein Geheimtipp, doch schon mit dem zweiten Album wurden sie richtig bekannt und liefen auf MTV rauf und runter. Inzwischen tun sie sich nur noch gelegentlich zusammen, um einige Konzerte zu spielen.

Ab Mittwoch wird man mich dann gelegentlich auf dem Fantasy Filmfest antreffen können.

Ufz. Danach muss ich dann noch die Übersetzung von „Das Blut der Helden“ beenden (womöglich meine letzte Übersetzung). Zum Glück kann ich im September (neben der Stellensuche) voll und ganz darauf konzentrieren (soweit kein spontaner Umzug dazu kommt).

Von Letzterem würde auch abhängen, wo man mich ab Oktober treffen wird. Das ist durch die Stellensuche nämlich noch unklar. Auch, ob ich dann noch weiter Zeit und Lust zum Übersetzen haben werde. Das Übersetzen zum Vollzeitberuf zu machen, hat auf jeden Fall nicht geklappt. Jetzt muss ich Prioritäten setzen und Geld verdienen.

Und zum Schluss gibt es noch ein Bild, das so gar nichts mit diesem Beitrag zu tun hat. Ein Bild vom Rheinsteig (Wanderung vom Bollywood-Mekka Lorch, nach Kaub). Bei all dem Stress, brauche ich auch mal Auszeiten.

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