Bei den New York Yankees im Stadion

Vor genau einem Jahr war ich bei den New York Yankees im Stadion. Hier ein kurzer Bericht.

Ich kann nicht behaupten, ein großer Fan von kommerzialisiertem Sport zu sein. Weder schaue ich mir die Bundesliga, noch die Champions League an, und Korruptinos Fußball WM der Männer ist mir auch wurscht. Noch kommerzieller als in den USA geht es wohl kaum, wo Mannschaften aus rein finanziellen Gründen von einer Stadt in die andere umziehen, wie zum Beispiel die Brooklyn Dodgers, die 1958 nach L. A. zogen und der Stadt das Herz herausrissen (»Our Bums«).

Wenn man aber die USA und deren Kultur verstehen will, kommt man an Baseball nicht vorbei. Kein anderer Sport hat das Land so geprägt und steht stellvertretend für den »American Exceptionalism«. Eine komplexe und komplizierte Sportart, die man wohl nur ganz verstehen kann, wenn man mit ihr aufgewachsen ist. Hier empfehle ich die herausragende Doku »Baseball« von Ken Burns.

Das bekannteste und erfolgreichste Team des Sports sind die New York Yankees, das Team, das mit Babe Ruth und Heinrich Ludwig »Lou« Gehrig zur Legende wurde und weitere Ausnahmespieler, wie Joe Dimaggio und Mickey Mantle hervorbrachte. Der letzte Titel und die letzte Finalteilnahme liegen allerdings schon zehn Jahre zurück. „Doch nach einem holprigen Start sieht es diese Saison gar nicht so schlecht aus“, schrieb ich letztes Jahr, als ich diesen Beitrag begann. Insgesamt lief es dann doch wieder sehr bescheiden für die Yankees.

Die U-Bahn hält direkt vor dem Stadion in der Bronx an Gate 6, wo sich die Fans ganz entspannt den Eingangskontrollen nähern. Hinter dem Einlass gab es ein Yankees-Shirt als Geschenk, dann musste ich noch einmal ums halbe Stadion rum, um meinen Platz zu finden. Der lag in der zweiten Etage mit guter Sicht auf das Spielgeschehen. Immer wieder kamen Leute mit schlechteren Tickets, die versuchten, hier bessere Plätze zu finden, bis dann die eigentlichen Kartenbesitzer kamen, um ihre Sitze einzunehmen. Zu Spielbeginn war es noch relativ leer im Stadion, die Plätze füllten sich erst nach und nach, da viele vermutlich direkt von der Arbeit kamen. Nicht wenige gingen auch schon wieder vor Spielbeginn. Bei vier bis fünf Spielen pro Woche ist das wohl nicht ungewöhnlich.

Anders als in deutschen Fußballstadien gibt es hier keine Ultras, die für Stimmung sorgen. Das läuft alles über die Stadiontechnik, mit eingespielter Musik und Fans, die dann tanzend auf der großen Leinwand eingeblendet werden. Die Jungs, die den Platz zwischendurch abzogen, tanzten dann zu YMCA. Und der übliche Patriotismus mit Heldenverehrung und Nationalhymne durfte natürlich nicht fehlen. Trotzdem herrschte eine angenehme, entspannte Stimmung im Stadion. Erst in den letzten beiden Innings, bei der drohenden Niederlage, nahmen aggressivere Töne, vermutlich durch den stetigen Bierkonsum gefördert, deutlich zu. Da merkte man, dass es unter der familienfreundlichen Fassade durchaus brodelte.

Nach dem Spiel ging es dann in einer überfüllten U-Bahn, dank Bauarbeiten, im Schneckentempo zurück nach Manhattan – aber ganz entspannt und gelassen, ohne grölende, besoffene Fans.

Die Yankees haben übrigens 3:4 gegen die Washington Nationals verloren. Hier zeigte sich, dass nicht das Team mit den meisten Homeruns gewinnt. Hat man noch keine Spieler auf den Bases, bringt ein Homerun nur jeweils einen Punkt, wie für die Yankees. Die Nationals haben mit einem Homerun gleich drei Punkte geschafft, weil sie schon Spieler auf den Bases platzieren konnten. Hier zahlt sich geschicktes Taktieren aus. Es war bis zum Schluss ein spannendes und ereignisreiches Spiel.

Das American Museum of Natural History (New York 2 von X)

Der erste Tag nach meiner Ankunft in New York führt mich an einen Ort unsagbarer Schrecken; ein Ort, in dessen düsteren Kellergängen und Gewölben ein unglaubliches Gemetzel stattfand; wo jene, die um ihr Überleben kämpften, im Blut der bereits gefallenen ausrutschten. Zumindest in der Fiktion, im Roman Relic von Douglas Preston und Lincoln Child, der einerseits eine Hommage an das American Natural Museum of History darstellt, wo Preston fünfzehn Jahre lang arbeitete, andererseits ein ultraspannender und blutiger Monsterthriller ist, der mir als Leser Furcht einflößte, gleichzeitig aber den Wunsch weckte, unbedingt dieses riesige Museum, das 1869 eröffnet wurde, zu besuchen.

An diesem Mittwochmorgen birgt das Museum keine Schrecken, nur fröhliches Kindergeschrei zahlreicher Schülergruppen in den Hallen voller konservierter Kindheitsträume. Wer aus meiner Generation ist nicht aufgewachsen mit dem Was ist Was-Dinosaurier-Buch, den Dinos („Nicht die Mama! Nicht die Mama!“), Jurassic Park und dem Sense of Wonder, dem faszinierten Staunen für die Wunder der Welt. Hier liegen sie in dieser riesigen Schatzkammer, all das Wunderbare, das unsere Welt und unser Universum hervorgebracht hat. Riesige Dinosaurierskelette, nicht minder gewaltige Meteoriten aus den Tiefen des Alls, lebensechte Panoramen mit ausgestopften Tieren von sämtlichen Kontinenten und das Erbe unzähliger Völker und Kulturen, die diesen Planeten zu einem vielfältigen und reichhaltigen Ort machen, den es mit Abenteuergeist zu erforschen gilt.

Die Tierpanoramen sollten aber auch als Mahnmal dienen, denn die Tiere haben ihre Körper nicht nach ihrem natürlichen Tod der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Sie wurden erbarmungslos gejagt von Mitarbeitern des Museums, in einer Zeit, als die Großwildjagd nicht nur bei rechten Spinnern als Heldentat galt. Nur Jumbo, der riesige Elefant, kam bei einem Unfall mit einem Zug ums Leben, nachdem er von P.T. Barnums Zirkus ausgebüxt war.

In Dinosaurs in the Attic erzählt Douglas Preston die abenteuerliche und faszinierende Geschichte des Museums, die turbulente Entstehungszeit und welch kuriose Mitarbeiter und Bewohner das ehrwürdige Haus einst beherbergte. Zum Beispiel den Schimpansen Judy, der wie ein menschliches Kind aufgezogen wurde und neugierig durch die Museumsflure streifte. Die Insektenforscherin, die ihre entlaufenen Skorpione mit der bloßen Hand und dem Hinweise einfängt, sie könnten einen nicht stechen, wenn man sie am Schwanz packt. Von den Expeditionen nach Asien, wo Banditen am Straßenrand lauerten; in die Arktis, in einem unglaublichen Unterfangen, den riesigen und tonnenschweren Meteoriten zu bergen.

An diesem heißen Sommertag ist es ausgerechnet in der Südamerikabteilung eiskalt. Während man Dschungeldörfer und die Bauten einstiger Hochkulturen betrachtet, sorgt die Klimaanlage für eine frostige Atmosphäre, in der es jeden Besucher, der durch die Glastür tritt, augenblicklich schüttelt.

Am Besten gefällt mir die Margarete Mead Hall for the Pacific People, wo angenehme Temperaturen herrschen. Ich hatte schon immer ein Faible für die polynesischen Inselvölker und ihre Kulturen. Aber auch die Dinosaurier haben es mir angetan und all die schummrigen Gänge mit Überbleibseln der vielfältigen Kulturen des Orients.

Das Gedränge wechselt ständig von angenehm leer zu dicht gedrängt und hektisch, wenn wieder eine Schülerhorde an mir vorbeistürmt. Da heißt es dann, schnell vorbeizuhuschen. Fünf Stunden verbringe ich in den Eingeweiden des Museums, kann mich gar nicht sattsehen an all den Wundern unserer Welt; einer Natur, wie wir sie schon längst zerstört haben; und all den untergegangenen Zivilisationen.

Zur Stärkung geht es in die Cafeteria, wo ein reichhaltiges Selbstbedingungsbüffet darauf wartet, gejagt und gesammelt zu werden. Keine Sterneküche, aber besser als all die Verpflegungsstationen in den Museen, die ich in den kommenden Tagen noch besuchen werde, wenn auch in Schulkantinenatmosphäre.

Das Beste habe ich mir für den Schluss aufgehoben. In Dinosaurs In The Attic erzählt Preston auch die Geschichte von Murf the Surf, einem charmanten aber auch eiskalten Verbrecher, der mit Kollegen 1964 den Stern von Indien und weitere kostbare Edelsteine aus dem Museum stahl. Eine kuriose und faszinierende Geschichte, durch die ich mich besonders auf die Halle mit der Bezeichnung Gems und Minerals freute, nur um mit enttäuschter Miene vor der Mitteilung zu stehen: Wegen Renovierung geschlossen.

Trotzdem trete ich nach fünf Stunden hochzufrieden in die schwülheiße Nachmittagsluft hinaus, der nasse Asphalt zeugt noch vom Regen, der hier irgendwann in jüngster Zeit niedergegangen sein muss. Ich gehe noch ein wenig in den Central Park hinein, schauen, wo sich das Metropolitan Museum befindet, doch auf halber Strecke komme ich zum Schluss, dass die Zeit bis zum Baseballspiel der Yankees etwas knapp werden könnte, denn aufgrund des kürzlichen Niederschlags fahre ich lieber ins Hotel zurück, um mir eine Regenjacke zu holen. Aber dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

Das Museum liegt ungefähr auf halber Höhe westlich des Central Parks, der Eintritt kostet 23 Dollar. Ich bin mit dem New York Pass für eine Woche (270 Dollar), der die meisten Attraktionen New Yorks beinhaltet, schneller reingekommen. Wie bei allen beliebten Museen lohnt sich, direkt morgens um 10.00 Uhr da zu sein, um durch zunächst noch relativ leere Flure und Hallen streifen zu können.

Der erste Tag auf der Lower East Side (New York 1 von X)

Die Lower East Side

New York riecht ganz eigen. Nach acht Stunden in einer fliegenden Sardinnenbüchse, sowie einer Stunde in einer heißen und verschwitzten Schlange an der Grenzkontrolle (eine gute Überbrückung der Wartezeit aufs Gepäck, nur leider ohne Toilette) und einer Taxifahrt mit einem redseligen und sympathischen Ägypter, steige ich aus auf den heißen Asphalt der Lower East Side und bemerke als Erstes diesen eigentümlichen Geruch, der mir in dieser Mischung noch nie begegnet ist (einzig São Paulo roch relativ ähnlich).

Sind dies die olfaktorischen Impressionen einer Stadt, die niemals schläft, oder einer Stadt, die niemals duscht? Nicht so unangenehm, wie die gelegentlichen unverkennbaren Ausdünstungen der Kanalisation, die hier und da einem gammligen Gespenst gleich durch die Luft wabern. Aber auch nicht so angenehm, wie Asphalt nach einem Sommerregen, oder die Gewürzabteilung eines Wochenmarkts in Chinatown.

The Big Apple, Melting Pot oder Salad Bowl, ehemals New Amsterdam und Manna-hata (wie es bei den Algonkin hieß), das Tor zur Welt, wo einst alle Einwanderer über Ellis Island eingeschleust wurden. „Concrete jungles where dreams are made of“. Aufgewachsen mit Serien wie Hill Street Blues und NYPD, mit Filmen wie Manhattan, Frühstück bei Tiffany’s, Mean Streats und In den Straßen von Brooklyn, träume ich schon von klein auf, einmal die große liberale Metropole zu besuchen, in der Hip-Hop und Punk erfunden wurden und Steve Buscemi in so manchem Schlamassel landete. Dreißig Jahre und einen Abschluss in Nordamerikastudien sollte es dauern, bis ich endlich das Land meiner Träume betrat.

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