Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Knaur

Leider hat Knaur die Cover noch nicht zum Download auf der Verlagshomepage, deswegen muss diese Programmvorschau ohne bunte Bilder auskommen. Hier kann man sich das Programm als PDF (mit den Cover) runterladen.

Science Fiction

An Science-Fiction findet man nicht viel im Programm, Jason M. Hughes Fortsetzung von Darwin City, mit dem Titel Exodus Towers (wieder von Simone Heller übersetzt). Thematisch klingt es für mich eigentlich interessant, aber beide Bücher haben über 600 Seiten, und da es ja die Dire Earth-Trilogie ist, wird wohl auch noch ein dritter dazu kommen. Warum können sich die Autoren nicht kürzer fassen? Mal sehen.

Der zweite SF-Titel im Programm ist die Jugenddystopie Arena von Holly Jennings. Die Geschichte über eine Gladiatorenliga in der virtuellen Realität spricht mich jetzt nicht so wirklich an.

Fantasy

Der interessanteste Titel im Programm dürfte Das Lied der Krähen (Six of Crows) von Leigh Bardugo sein, das in den USA wohl ein ziemlicher Hit war. Scheint mir Rollenspielgruppen-Heist-Fantasy zu sein. Soll eine Duologie (mit Crooked Kingdom) in der gleichen Welt wie die Grisha-Trilogie sein, aber offenbar eigenständig. Merke ich mir mal vor.

Schattenprinz von David Gemmell habe ich schon in der alten Bastei-Ausgabe im Regal stehen, aber schön, dass die Drenai-Saga weiter neu aufgelegt wird. Ein echter Klassiker, der unter der ganzen anderen Fantasy der 80er Jahre aus der Reihe tanzt (zusammen mit Glen Cooks Black Company). Als Nächstes müsste dann Waylander folgen.

Schattendiebe von Hanna Kuhlmann hat den Indie-Autoren-Preis 2016 gewonnen. Der Klappentext über Diebe, Könige und Götter (falls es da einen Unterschied gibt) spricht mich jetzt nicht so an.

Sehr schön, Fran Wildes Updraft hat einen deutschen Verlag gefunden und wird unter dem Titel Stadt aus Sand und Knochen erscheinen. Der Roman hat im Original für einiges an Aufsehen erregt und auch mich neugierig gemacht.

Und dann wäre da noch Markus Heitz‘ Wedora-Fortsetzung Schatten und Tod. Mit Heitz habe ich es ein paar Mal versucht, aber seine Schreibe ist einfach nicht meins.

Auch fortgesetzt wird Ju Honischs Seelenspalter mit Blutfelsen, und Fechter und Feiglinge ist bereits der dritte Band Der Gilde der Duellanten von Julia Knight.

Und auch Michael J. Sullivans Zeit der Legenden wird mit dem zweiten Band Zeitenfeuer (übersetzt von Marcel Aubron-Bülles) weitergepflegt. Ich bin ja seinerzeit nicht in seine erste Riyria-Saga reingekommen, da mir Band 1 (Der Thron von Melengar) irgendwie zu albern und seicht erschien. Zeitenfeuer hat ein tolles Cover (das ich hier gerne gezeigt hätte), genau solche exotischen Panoramen sind es, die mich auf ein Fantasybuch neugierig machen, mich in fremde Welten locken und Abenteuer verheißen.

Und auch Ken Lius Das Schwert von Dara erhält eine Fortsetzung, genauer gesagt sogar zwei, da man The Wall of Storms in zwei Bände aufteilt (Die Götter von Dara und Die Stürme von Dara. Ich kann ja verstehen, warum Verlage aus einem Buch zwei machen (die Rechte und auch die Übersetzung müssen finanziert werden) – und besser, als wenn es gar nicht erscheinen würde; Band 1 scheint nicht wirklich viel Interesse erregt zu haben (nur zwei Amazonrezensionen). Aber Fantasy als Hardcover hat es auch schwer, da geht es wohl vielen wie mir, für die das traditionell einfach ein Taschenbuch- und inzwischen Paperbackgenre ist. Und 40 Euro für Band 2 sind da nicht so wirklich reizvoll. Den großartigen ersten Band habe ich direkt nach Erscheinen im Original gelesen (im Hardcover für 27 Euro!, da war ich superneugierig drauf), lange bevor eine deutsche Veröffentlichung feststand. In der Sprache werde ich dann wohl auch Band 2 lesen. 40 Euro für ein Buch geht einfach über mein Budget bzw. dem, was ich mir unter einem vernünftigen Buchpreis vorstelle (deswegen habe ich auch nicht viel von Klett Cott bzw. der Hobbit Presse im Regal stehen, auch den nächsten Tad Williams, der gesplittet wird, werde ich dann lieber im Original lesen). Das sind zumindest die Gründe, die ich dahinter vermute, warum es zu dem Buch so wenig Rückmeldungen gibt, aber vielleicht liegt es auch an dem ungewöhnlichen Szenario und der komplexen und distanzierten Erzählweise, die für mich persönlich Pluspunkte sind. Aber ich habe auch Bekannte, die daran gescheitert sind.

Da blutende Land von Klaus N. Frick, da bin ich einfach neugierig, was der Perry-Rhodan-Chefredakteur so drauf hat, die Synopsis liest sich auch herrlich altmodisch.

Fantasymäßig ist Knaur richtig gut aufgestellt, mit einer ausgewogenen Mischung aus Fortsetzungen (also dem Aufbau von Autoren) und Titeln von neuen AutorInnen. Die sowieso nie stark vertretene Science-Fiction scheint man weiter zurückzufahren. Die Fortsetzung von The Ark – Die letzte Reise der Menschheit wird wohl nicht auf Deutsch erscheinen (und falls doch, dann nicht von mir übersetzt, denn ich weiß von nichts), unter den am Ende der Programmvorschau aufgeführten Top-Titeln ist The Ark nicht dabei.

Na, wie auch immer, in Bezug auf Fantasy kann man das Programm von Knaur weiterhin im Auge behalten, da die Linie mit einer Mischung aus originellen und eher mainstreamigen Fantasytiteln weiter beibehalten wird, und es auch wieder einige Überraschungen im Programm gibt. Ein paar Titel habe ich mir vorgemerkt, aber das habe ich auch mit Titeln aus dem letzten Herbstprogramm gemacht, die ich immer noch nicht gelesen habe (es erscheinen eindeutig zu viele interessante Bücher 😉 )

Je mehr Programmvorschauen der großen Genreverlage ich mir durchschaue, desto mehr scheint sich der Trend zu Science Fiction (den ich vor einem Jahr meinte, erkannt zu haben) wieder zu verflüchtigen. Warum das der Fall ein könnte, habe ich hier schon mal ausgeführt (allerdings vor den aktuellen Programmvorschauen).

Heyne bleibt gewohnt stark in der Science-Fiction, bei Blanvalet ist sie ganz verschwunden, Piper bringt zumindest weiterhin seine inzwischen etablierten Autoren. Knaur scheint jetzt fast ganz auf Fantasy zu setzen, Fischer Tor bleibt seiner bisherigen Linie treu und hat mit Scalzi und Chambers auch wieder lupenreine SF im Programm (die Vorschau ist noch nicht online, aber auf Amazon kann man sich die Titel ansehen). Und Cross Cult, die klassische Fantasy ( bisher gemieden haben, wie der Teufel das Weihwasser, setzen ab Herbst verstärkt auf Fantasy und haben neben Dirk van den Boom und den Franchise-Titeln kaum noch SF im Programm (auch hier gibt es noch keine Vorschau, aber die Titel stehen schon auf der Verlagsseite). Wobei mancher Fantasytitel mehr SF enthält, als man auf den ersten Blick glauben mag. Und Claudia Kerns „Divided States of America“ soll auch SF sein.

Und man darf nicht vergessen, dass aktuell viel SF in allgemeinen Reihen außerhalb der Genreprogramme erscheint. Blake Crouchs Dark Matter (Goldmann) erhält zum Beispiel aktuell viel Aufmerksamkeit von den Medien (gerade heute eine Besprechung in der Rhein-Zeitung gelesen).

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Blanvalet

Letztens, in meinem Beitrag Trend zur Science Fiction? Ein kleines Zwischenfazit schrieb ich: „Im Prinzip kann man Blanvalet in Bezug auf Science Fiction abschreiben.“
Das gilt auch für die aktuelle Programmvorschau, bis auf ein wenig Star Wars ist da nichts in Richtung SF dabei (was jetzt nicht so schlimm ist, da man sich aktuell nicht über das SF-Angebot anderer Verlage beklagen kann). Und wer sich nur für phantastische Literatur interessiert, muss sich trotzdem durch die komplette Taschenbuchvorschau mit allen Genres kämpfen, da die Fantasybücher munter darüber verstreut sind. Hier kann man sich das Programm als PDF runterladen.

Was Star Wars angeht, kehrt Timothy Zahn zu seiner berühmtesten Figur – Admiral Thrawn – zurück. Der geniale Stratege war der große Widersacher in seiner Thrawn-Trilogie, die 1993 mit Band 1 Erben des Imperiums direkt an den Film Die Rückkehr der Jedi-Ritter anknüpfte und die ursprüngliche Trilogie in Buchform im sogenannten Expanded Universe (in dem unzählige Bücher erschienen sind) fortsetzt. Dieser offizielle von Lucasfilm abgesegnete Kanon ist durch die Filmfortsetzung The Force Awakens für null und nichtig erklärt worden (was nicht wenige Fans der Bücher verärgert hat). Jetzt gibt es einen Reboot des Expanded Universe (unter anderem mit Romanen von Chuck Wendig), in dem man scheinbar nicht auf den berühmten Admiral verzichten möchte. Andererseits sind die Kritiken bisher wirklich gut ausgefallen, für die Vorgeschichte Thrawns.

Fantasy

Während die (für mich doch sehr enttäuschende TV-Serie) The Shannara Chronicles weiterläuft, setzt Blanvalet auch die Neuauflage der Bücher von Terry Brooks mit die Erben von Shannara fort. Schön, dass zumindest diese klassische Reihe weiterhin in Printform gepflegt wird.

Forstsetzungen gibt es von Bernard Trecksel mit Nebeljäger (nicht zu verwechseln mit Band 1, Nebelgänger) und Daniel Arenson mit Die Nacht des Feuers (Drachenlied 3). Beides Reihen, die mich nicht interessieren, mit Arensons erstem Band haben wir uns mal vor etwas mehr als zwei Jahren auf einem Übersetzungsworkshop beschäftigt, an dem auch Übersetzer Jörg Pinnow teilgenommen hat (ich weiß noch, das die Bestürzung groß war, als wir erfahren haben, dass die Maus sterben würde). Scheint mir eher was für LeserInnen zu sein, die noch nicht so viel Fantasy gelesen haben.

Zu John Gwynnes Reihe Die Getreuen und die Gefallenen erscheint Band 1 (Macht) erst im Juni, hier im Programm werden schon die Teile 3 und 4 angekündigt, Übersetzer Wolfgang Thon muss im Akkord arbeiten, haben die vier Bände doch alle zwischen 700 bis 1.000 Seiten. An der Reihe bin ich vom Inhaltlichen her gar nicht uninteressiert, aber um die 3.000 Seiten innerhalb von weniger als einem Jahr ist mir dann doch zu viel. Mal sehen, wie die Kritiken ausfallen werden. Für Gwynne habe ich mich schon interessiert, als Band 1 seinerzeit im Original erschienen ist. Ich muss ja nicht alle auf einmal lesen. Antesten reicht ja auch.

Karla Paul schrieb kürzlich auf Twitter: „Werde in Zukunft kein Buch mehr lesen, bei dem der Verlag nicht ordentlich Reihe & Reihenfolge vermerkt hat! Leserverarsche, my ass .. 😠“ Der Verrat des Inquisitors von Frank Rehfeld scheint so ein Fall zu sein. Auf Amazon wird Der Weg des Inquisitors als (Inquisitor 1) bezeichnet, im Katalog gibt es, bis auf ein kleines Bildchen von diesem Buch keinen Hinweis darauf, ob es sich tatsächlich um Inquisitor 2 handelt. Dabei steht auf der gleichen Seite bei Terry Goodkinds Das Herz des Bösen extra Die Legende von Richard und Kahlan 4 dabei. Warum so unterschiedliche Kennzeichnungen? Auf der Randomhoushomepage steht doch auch Inquisitor 2 dabei. Hat vermutlich was mit dem Marketing zu tun, so richtig verstehe ich es aber nicht.

Was den Goodkind angeht, da bin ich schon vor vielen Jahren bei Band 11 vom Schwert der Wahrheit (Die Schwestern der Finsternis) ausgestiegen. Hätte die Endlosgeschichte um Richard und Kahlan (deren ersten Bände zu meinen liebsten Leseerlebnissen meiner Jugendjahre gehören) nicht schon längst abgeschlossen sein sollen? Oder hat Terry Goodkind (wie so viele Fantasyautoren, wie z. b. Raymond Feist, R. A. Salvatore usw.) gemerkt, dass er, nachdem er über viele Jahre nur in diesem einen Fantasyuniversum schrieb, seine Leser so darauf konditioniert sind, dass er nichts anderes verkauft bekommt? Versucht hat er es ja.

Mal eine kurze Abschweifung:

Ich habe den Eindruck, dass so mancher Fantasyautor (vor allem aus den 80er und 90er Jahren) in seiner erfolgreichsten Fantasywelt versackt ist, und entweder nichts anderes schreibt, weil sein Verlag darauf besteht bzw. seine LeserInnen eben nichts anderes lesen wollen, oder es als zu schwierig erscheint, etwas Neues zu versuchen. Das hängt natürlich auch mit der Höhe der Vorschüsse zusammen, die ein Bestsellerautor wie z. B. Terry Goodkind (NY-Times-Besteller) erhält, da ist es den Verlagen zu riskant, so viel Geld für ein Experiment auszugeben, und der Autor ist natürlich an solche Honorarhöhen gewöhnt. Raymond Feist sagte mir mal vor einigen Jahren in einem Interview, dass er gerne mal Science Fiction schreiben würde, sein Verlag aber was dagegen hätte.

Inzwischen scheinen mir die AutorInnen (vor allem auch die deutschsprachigen Fantasyautoren) diversifizierter an die Sache ranzugehen; Reihen werden eher erst mal (wenn überhaupt) nur für maximal drei Bände geplant und unter Pseudonym noch andere Sachen (andere Genres oder andere Fantasywelten) geschrieben. Markus Heitz ist da vermutlich ein gutes Beispiel. Bernhard Hennen hat etwas länger gebraucht, um auch (wieder!) abseits seiner Elfen-Romane zu schreiben. Und die jüngeren Autorengenerationen scheinen generell breiter (bzw. pragmatischer) aufgestellt zu sein, denn so ein großer Erfolg, wie einst Hennen und Heitz im Zuge des Völkerfantasybooms blieb ihnen bisher verwehrt (bzw. hat seitdem nicht mehr stattgefunden).

Abschweifung Ende

Anna Stephens Wölfe und Wächter, sagt mir nichts, aber entflohene Sklaven und Sklavinnen scheinen aktuelle wieder hoch im Kurs zu stehen, die sind mir in den anderen Programmen auch begegnet. Seher und Vision sind eigentlich nicht so mein Ding. Mal abwarten.

Die Sarantium– … Reihe? Trilogie? Erscheint im Monatsrhythmus, die ersten beiden Bände waren vorher allerdings schon bei Penhaglion im Programm, Band 3 (Die Götter) ist eine Erstveröffentlichung (da freuen sich die Sammler, die Wert auf eine einheitliche Reihengestaltung legen und schon die beiden Bände von Penhaglion im Regal stehen haben 😉 ) aber immerhin wird die Reihe jetzt fortgesetzt (nur leider nicht von Meike Claußnitzer weiterübersetzt). Die englische Originalfassung von Band 3 (Redemption) ist auch erst im November 2016 erschienen. Ist vielleicht noch unklar, ob da noch mehr kommt.

Mit Die verlorene Legionen geht Die Brücke der Gezeiten von David Hair bereits in die siebte Runde (im Original sind es nur vier), aber immerhin wird die Reihe komplett durchgezogen und scheint sich gut genug zu verkaufen. Gelesen habe ich noch nichts von Hair, bin aber neugierig. Jetzt wo absehbar ist, dass die Reihe auch auf Deutsch abgeschlossen wird, behalte ich sie mal im Hinterkopf.

Die Feuerdiebin von Arthur Phillips scheint die Fortsetzung von Die Dunkelmagierin zu sein, zumindest steht auf der Verlagshomepage, dass es sich um Der graue Orden 2 handeln soll, im Katalog kein Wort davon. Sollen die BuchhändlerInnen das bei ihren Vorbestellungen etwa nicht wissen. 😉 Um den Verlag zumindest ein wenig in Schutz zu nehmen, sollte ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass sich Buchhandlungen unheimlich schwer damit tun, Bücher von Autoren zu bestellen, deren erstes Buch sich nicht gut verkauft hat (daher auch die vielen Pseudonyme, mit denen die Verlage so manchem Autor zu einer zweiten Chance verhelfen, wie z. B. Daniel Abrahm/Hanover). Das bei einem späteren Band einer zusammenhängenden Serie allerdings zu verheimlichen, ist nicht die feine Art. Hier wurde es allerdings auch bei Band 1 in der Vorschau schon nicht erwähnt.

Alexis Royce Die Todbringerin, super, noch eine Frau im Programm – dachte ich auf den ersten Blick (siehe Wo sind die Frauen?), doch dann blickte ich auf die Biografie links unten und sah, dass man dort verkündet, dass es sich dabei um den Spiegel-Bestsellerautor Royce Buckingham (Die Karte der Welt, fand ich ganz okay) handelt. „Sein erstes Buch für weibliche Fantasyfans“ heißt es dort. Warum eigentlich? Weil die Hauptfigur eine Frau ist? Die Karte der Welt hat 50 Amazonbesprechungen erhalten, darunter nicht wenige, die als weibliche Nicknames zu erkennen sind, wie z. B. Lillys Books, Mimi oder Kaugummiqueens Bücherstube. Das Geschlechterverhältnis scheint mir zumindest ausgeglichen zu sein. Aber anscheinend traut man den Leserinnen nicht zu, sich ein Buch von einem Autor zu kaufen, und den Männern nicht, ein Buch mit weiblicher Hauptfigur. Also muss ein weibliches Pseudonym her, aber den Buchhändlern will man natürlich nicht verschweigen, dass es sich hier um einen Spiegel-Bestsellerautor handelt. Wie das im Original aussieht, weiß ich nicht, da habe ich noch keine Ankündigung für das Buch finden können, nur die Meldung vom Dezember 2016 auf Royce Buchinghams Facebookseite, dass er mit Princess Assassin jetzt fertig sei. Von einem Pseudonym steht da nichts, aber so Sachen müssen natürlich mit dem Autor abgesprochen werden (siehe Daniel Abraham bzw. Hanover). Trotzdem schade, dass man hier immer noch diese eingefahrenen Geschlechterklischees findet.

Fantasy für Frauen?

Bei Durchsicht der Programme (nicht nur bei Blanvalet) fällt mir immer wieder die Formulierung Fantasy für Frauen auf, aber nie Fantasy für Männer (da steht dann höchsten Heroic Fantasy). Für Männer scheint dann doch schon negativ besetzt zu sein, weil man sich darunter wohl Fantasy mit einer wikingerartigen Horde aus bärtigen, muskelbepackten und wild grunzenden Männern vorstellt, die plündernd, brandschatzend und vergewaltigend von Dorf zu Dorf zieht, und dabei ihren Feinden die Körperteile einzeln abhackt, damit sie besser in deren Blut baden kann.

Entweder glaubt man, Fantasy allgemein sei was für Männer, und nur bei speziellen Büchern (also mit weiblichen Hauptfiguren) muss man darauf hinweisen, dass es für Frauen ist. Oder Fantasy ist generell für Männer und Frauen gedacht, und nur bei speziell Büchern (also mit weiblichen Hauptfiguren) muss man auf charmante Art darauf hinweisen, dass das nichts für Männer ist. 🙂

Die gläserne Wüste von Steven Erikson. Band 18 der zehnbändigen Malazan-Reihe (Spiel der Götter). 😉 Na ja, zehn im Original, aber ab Band 2 gesplittet. Hier muss ich Blanvalet aber mal ein großes Lob aussprechen, dass sie diese Reihe konsequent durchziehen, trotz der Verzögerungen in der Übersetzung. Und das sie auch an Übersetzer Tim Straetman festhalten, denn kein anderer könnte, diese überaus komplexe Reihe so kompetent und kenntnisreich übersetzen wie er (auch er war auf dem oben erwähnten Übersetzerworkshop mit einem Malazan-Text dabei, daher weiß ich, was für eine anspruchsvolle Mammutaufgabe das ist). Die Reihe werde ich bis zum letzten Band auf Deutsch lesen (wobei ich aktuell etwas hinterherhinke).

Fazit

Vor 15 Jahren hätte ich das Programm als leidenschaftlicher Fantasyleser richtig toll gefunden. Inzwischen haben sich meine Leseinteressen dafür zu sehr verschoben (wobei immer noch spannende Sachen dabei sind). Zwar habe ich schon fast immer aus allen Genres gelesen, aber gerade was Fantasy angeht, bemerke ich seit einigen Jahren eine gewisse Müdigkeit, wenn ich zu viel ähnliche Sachen lese, was vor allem dazu führt, dass ich kaum noch Reihen lese, die über drei Bände hinausgehen. Ich würde mir viel mehr abgeschlossene einzelne Fantasybücher wünschen. Gerade habe ich erneut mit großer Begeisterung Die Fernen Königreiche von Allan Cole und Chris Bunch gelesen (in meiner alten Goldmannausgabe von 1993), da gibt es zwar noch drei weitere Bücher, die in der Welt spielen, aber jeder davon ist ein alleinstehender, abgeschlossener Roman, wo man sich bei größeren Leseabständen keine Sorgen machen muss, zu viel vom Vorgänger vergessen zu haben. Warum nicht mal was wie A Stranger in Olondria von Sofia Samatar oder die wunderbar kurzen Fantasyeinzelbände von Tor.com, wie z. B. Spiderlight von Adrian Tchaikovsky oder The Sorcerer Of The Wildeeps von Kai Ashante Wilson? (Die Antwort kenne ich natürlich, aber das wären Sachen, die mich neugierig machen würden.)

P. S. es ist natürlich etwas unfair, gerade hier im Programm von Blanvalet diese ganzen Betrachtungen über Vermarktungsmechanismen auszuführen, da diese ja auch bei vielen anderen Verlagen greifen, aber die Idee dazu kam mir nun mal bei Durchsicht dieses Programms. Vielleicht sollte ich darüber mal einen eigenen Beitrag verfassen (und damit gleich allen potentiellen Auftraggebern ans Bein pinkeln 😉 ). Ich glaub, ich sollte dringend über ein anderes Genre schreiben, oder in einem anderen Genre übersetzen.

P.P.S hier hier geht es zur Programmvorschau von Heyne, und hier zu meinem Blick auf Piper

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Piper Fantasy

Hier kann man sich die Programmvorschau als PDF-Datei runterladen. Bei all den markigen PR-Sprüchen im Katalog sollte man bedenken, dass sie primär für den Buchhandel gedacht sind, damit der kräftig vorbestellt.

Als Spitzentitel wird Peter F. Hamiltons Das Dunkel der Sterne angekündigt, den zweiten Band der Die Chronik der Faller, die in seinem Commonwealth-Universum spielt (das bisher bei Bastei Lübbe erschienen ist). Schön zu sehen, dass hier nicht nur alte Titel neu aufgelegt werden (wie der Armageddon-Zyklus), sondern es auch mit neuen Werken des britischen SF-Autors weitergeht.

Mit die Granden von Pandaros liegt der zweite SF-Roman des deutschen SF-Autors James Sullivan vor. Ob das jetzt der Roman über die Schattenkonzerne aus Chrysaor ist, von dem James mir erzählt hat, kann ich aus dem Klappentext jetzt nicht erkennen, aber ich vermute es mal. Vielleicht äußert sich James ja in den Kommentaren dazu. 😉 Chrysaor war jedenfalls ein flottes Weltraumabenteuer mit Piraten, viel Action und Spannung.

Andrew Bannister legt mit Die Verlorenen den zweiten Band seiner Spin-Trilogie vor, die mit Die Maschinen begann. Dan Wells setzt seinen SF-Roman Blue Screen mit Overworld fort.

Im Bereich der Fantasy ist auch Wolfgang Hohlbein wieder vertreten, doch um High Fantasy, wie die Vorschau behauptet, handelt es sich bei Armageddon eindeutig nicht, spielt es doch in unserer Welt und geht um den Beginn der Apokalypse.

Ansonsten sind auch die üblichen Piper-Verdächtigen mit neuen Bänden vertreten: Alex Pehov, Christoph Hardebusch, Brandon Sanderson.

Und was das Thema der gesplitteten Fantasybücher angeht, führt Piper die Argumentation, die Bücher dürften nicht zu dick werden, mit den Sammelbänden zu Richard Schwartz‘ Götterkriege (also Askir) ad absurdum: der dritte Sammelband hat 1664 Seiten!

Im Bereich der Urban Fantasy bzw. Romantasy ist Jennifer Estep mit ihrem zweiten Big Time-Roman Hot Mama vertreten.

David Falk startet mit Blutsbande – Krieger des Nordens 1 eine neue Fantasyserie, deren Klappentext aber noch recht nichtssagend ist. Scheint Richtung Grim und Gritty zu gehen.

Die einzige Überraschung im Programm scheint mir die Kooperation zwischen Michael Peinkofer und Christoph Dittert (Perry Rhodan, Die Drei Fragezeichen) zu sein, in der Peinkofers Splitterwelten-Trilogie fortgesetzt wird. Band 1 erschien 2012 von ihm alleine verfasst.

Glühender Zorn scheint ein Fantasydebüt des Drehbuchautors F. I. Thomas zu sein. Bei dem Namen handelt es sich wohl um ein Pseudonym, das sich per Google lüften lässt, aber das geht mich ja nichts an. Klappentext lässt die übliche vom Mittelalter inspirierte Fantasy mit Zauberern und Drachen vermuten.

Auf den Rest gehe ich gar nicht weiter ein, dass sind vor allem Neuauflagen bekannter Werke und Urband Fantasy bzw. Romantasy, die mich nicht interessiert.

Einen Titel, der mich so wirklich interessiert habe ich in dem Programm nicht gefunden. Bei Peter F. Hamilton hinke ich schon seit Jahren hinterher. Da muss ich erst noch eine ganzen Haufen anderer Bände lesen. Und ansonsten kann ich hier nichts entdecken, was aus den üblichen Schemata und Themen auszubrechen scheint. Nichts, was Originalität und aufregende Geschichten abseits der ausgetretenen Genrepfade verspricht. Wird sicher genügend LeserInnen geben, die sich freuen, hier im Programm Nachschub an vertrauten Stoffen zu finden, doch für mich ist da auf den ersten Blick nichts dabei. Mal sehen, ob mich dann bei Erscheinen die eine oder andere Rezension vom Gegenteil überzeugen kann.

P.S. ich habe den Eindruck, dass Paperbacks (Klappenbroschur) immer teurer werden. Der Hamilton kostet 18.99 €, fast so viel wie ein Hardcover. In den Übersetzerhonoraren spiegelt sich eine solche Preissteigerung jedenfalls nicht wieder (die stagnieren seit über zehn Jahren), weshalb ich mir zweimal überlege, ob ich es mir leisten kann und will, so viel für ein Paperback auszugeben. 😉

P.P.S. Der Verlag scheint für seine Titel ganz Feuer und Flamme zu sein: Glühendes Tor, Glühender Zorn, Schattenflamme, Feuerstimmen, Feuervögel, Feuerstürme, Feuerträume, Hot Mama 🙂

P.P.P.S Wo sind die Frauen? 25 Titel von Männern im Programm (wenn auch teilweise Neuauflagen) und nur vier! von Frauen! Wo sind Autorinnen wie Sofia Samatar, Kameron Hurley oder Elizabeth Bear?