Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Blanvalet

Letztens, in meinem Beitrag Trend zur Science Fiction? Ein kleines Zwischenfazit schrieb ich: „Im Prinzip kann man Blanvalet in Bezug auf Science Fiction abschreiben.“
Das gilt auch für die aktuelle Programmvorschau, bis auf ein wenig Star Wars ist da nichts in Richtung SF dabei (was jetzt nicht so schlimm ist, da man sich aktuell nicht über das SF-Angebot anderer Verlage beklagen kann). Und wer sich nur für phantastische Literatur interessiert, muss sich trotzdem durch die komplette Taschenbuchvorschau mit allen Genres kämpfen, da die Fantasybücher munter darüber verstreut sind. Hier kann man sich das Programm als PDF runterladen.

Was Star Wars angeht, kehrt Timothy Zahn zu seiner berühmtesten Figur – Admiral Thrawn – zurück. Der geniale Stratege war der große Widersacher in seiner Thrawn-Trilogie, die 1993 mit Band 1 Erben des Imperiums direkt an den Film Die Rückkehr der Jedi-Ritter anknüpfte und die ursprüngliche Trilogie in Buchform im sogenannten Expanded Universe (in dem unzählige Bücher erschienen sind) fortsetzt. Dieser offizielle von Lucasfilm abgesegnete Kanon ist durch die Filmfortsetzung The Force Awakens für null und nichtig erklärt worden (was nicht wenige Fans der Bücher verärgert hat). Jetzt gibt es einen Reboot des Expanded Universe (unter anderem mit Romanen von Chuck Wendig), in dem man scheinbar nicht auf den berühmten Admiral verzichten möchte. Andererseits sind die Kritiken bisher wirklich gut ausgefallen, für die Vorgeschichte Thrawns.

Fantasy

Während die (für mich doch sehr enttäuschende TV-Serie) The Shannara Chronicles weiterläuft, setzt Blanvalet auch die Neuauflage der Bücher von Terry Brooks mit die Erben von Shannara fort. Schön, dass zumindest diese klassische Reihe weiterhin in Printform gepflegt wird.

Forstsetzungen gibt es von Bernard Trecksel mit Nebeljäger (nicht zu verwechseln mit Band 1, Nebelgänger) und Daniel Arenson mit Die Nacht des Feuers (Drachenlied 3). Beides Reihen, die mich nicht interessieren, mit Arensons erstem Band haben wir uns mal vor etwas mehr als zwei Jahren auf einem Übersetzungsworkshop beschäftigt, an dem auch Übersetzer Jörg Pinnow teilgenommen hat (ich weiß noch, das die Bestürzung groß war, als wir erfahren haben, dass die Maus sterben würde). Scheint mir eher was für LeserInnen zu sein, die noch nicht so viel Fantasy gelesen haben.

Zu John Gwynnes Reihe Die Getreuen und die Gefallenen erscheint Band 1 (Macht) erst im Juni, hier im Programm werden schon die Teile 3 und 4 angekündigt, Übersetzer Wolfgang Thon muss im Akkord arbeiten, haben die vier Bände doch alle zwischen 700 bis 1.000 Seiten. An der Reihe bin ich vom Inhaltlichen her gar nicht uninteressiert, aber um die 3.000 Seiten innerhalb von weniger als einem Jahr ist mir dann doch zu viel. Mal sehen, wie die Kritiken ausfallen werden. Für Gwynne habe ich mich schon interessiert, als Band 1 seinerzeit im Original erschienen ist. Ich muss ja nicht alle auf einmal lesen. Antesten reicht ja auch.

Karla Paul schrieb kürzlich auf Twitter: „Werde in Zukunft kein Buch mehr lesen, bei dem der Verlag nicht ordentlich Reihe & Reihenfolge vermerkt hat! Leserverarsche, my ass .. 😠“ Der Verrat des Inquisitors von Frank Rehfeld scheint so ein Fall zu sein. Auf Amazon wird Der Weg des Inquisitors als (Inquisitor 1) bezeichnet, im Katalog gibt es, bis auf ein kleines Bildchen von diesem Buch keinen Hinweis darauf, ob es sich tatsächlich um Inquisitor 2 handelt. Dabei steht auf der gleichen Seite bei Terry Goodkinds Das Herz des Bösen extra Die Legende von Richard und Kahlan 4 dabei. Warum so unterschiedliche Kennzeichnungen? Auf der Randomhoushomepage steht doch auch Inquisitor 2 dabei. Hat vermutlich was mit dem Marketing zu tun, so richtig verstehe ich es aber nicht.

Was den Goodkind angeht, da bin ich schon vor vielen Jahren bei Band 11 vom Schwert der Wahrheit (Die Schwestern der Finsternis) ausgestiegen. Hätte die Endlosgeschichte um Richard und Kahlan (deren ersten Bände zu meinen liebsten Leseerlebnissen meiner Jugendjahre gehören) nicht schon längst abgeschlossen sein sollen? Oder hat Terry Goodkind (wie so viele Fantasyautoren, wie z. b. Raymond Feist, R. A. Salvatore usw.) gemerkt, dass er, nachdem er über viele Jahre nur in diesem einen Fantasyuniversum schrieb, seine Leser so darauf konditioniert sind, dass er nichts anderes verkauft bekommt? Versucht hat er es ja.

Mal eine kurze Abschweifung:

Ich habe den Eindruck, dass so mancher Fantasyautor (vor allem aus den 80er und 90er Jahren) in seiner erfolgreichsten Fantasywelt versackt ist, und entweder nichts anderes schreibt, weil sein Verlag darauf besteht bzw. seine LeserInnen eben nichts anderes lesen wollen, oder es als zu schwierig erscheint, etwas Neues zu versuchen. Das hängt natürlich auch mit der Höhe der Vorschüsse zusammen, die ein Bestsellerautor wie z. B. Terry Goodkind (NY-Times-Besteller) erhält, da ist es den Verlagen zu riskant, so viel Geld für ein Experiment auszugeben, und der Autor ist natürlich an solche Honorarhöhen gewöhnt. Raymond Feist sagte mir mal vor einigen Jahren in einem Interview, dass er gerne mal Science Fiction schreiben würde, sein Verlag aber was dagegen hätte.

Inzwischen scheinen mir die AutorInnen (vor allem auch die deutschsprachigen Fantasyautoren) diversifizierter an die Sache ranzugehen; Reihen werden eher erst mal (wenn überhaupt) nur für maximal drei Bände geplant und unter Pseudonym noch andere Sachen (andere Genres oder andere Fantasywelten) geschrieben. Markus Heitz ist da vermutlich ein gutes Beispiel. Bernhard Hennen hat etwas länger gebraucht, um auch (wieder!) abseits seiner Elfen-Romane zu schreiben. Und die jüngeren Autorengenerationen scheinen generell breiter (bzw. pragmatischer) aufgestellt zu sein, denn so ein großer Erfolg, wie einst Hennen und Heitz im Zuge des Völkerfantasybooms blieb ihnen bisher verwehrt (bzw. hat seitdem nicht mehr stattgefunden).

Abschweifung Ende

Anna Stephens Wölfe und Wächter, sagt mir nichts, aber entflohene Sklaven und Sklavinnen scheinen aktuelle wieder hoch im Kurs zu stehen, die sind mir in den anderen Programmen auch begegnet. Seher und Vision sind eigentlich nicht so mein Ding. Mal abwarten.

Die Sarantium– … Reihe? Trilogie? Erscheint im Monatsrhythmus, die ersten beiden Bände waren vorher allerdings schon bei Penhaglion im Programm, Band 3 (Die Götter) ist eine Erstveröffentlichung (da freuen sich die Sammler, die Wert auf eine einheitliche Reihengestaltung legen und schon die beiden Bände von Penhaglion im Regal stehen haben 😉 ) aber immerhin wird die Reihe jetzt fortgesetzt (nur leider nicht von Meike Claußnitzer weiterübersetzt). Die englische Originalfassung von Band 3 (Redemption) ist auch erst im November 2016 erschienen. Ist vielleicht noch unklar, ob da noch mehr kommt.

Mit Die verlorene Legionen geht Die Brücke der Gezeiten von David Hair bereits in die siebte Runde (im Original sind es nur vier), aber immerhin wird die Reihe komplett durchgezogen und scheint sich gut genug zu verkaufen. Gelesen habe ich noch nichts von Hair, bin aber neugierig. Jetzt wo absehbar ist, dass die Reihe auch auf Deutsch abgeschlossen wird, behalte ich sie mal im Hinterkopf.

Die Feuerdiebin von Arthur Phillips scheint die Fortsetzung von Die Dunkelmagierin zu sein, zumindest steht auf der Verlagshomepage, dass es sich um Der graue Orden 2 handeln soll, im Katalog kein Wort davon. Sollen die BuchhändlerInnen das bei ihren Vorbestellungen etwa nicht wissen. 😉 Um den Verlag zumindest ein wenig in Schutz zu nehmen, sollte ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass sich Buchhandlungen unheimlich schwer damit tun, Bücher von Autoren zu bestellen, deren erstes Buch sich nicht gut verkauft hat (daher auch die vielen Pseudonyme, mit denen die Verlage so manchem Autor zu einer zweiten Chance verhelfen, wie z. B. Daniel Abrahm/Hanover). Das bei einem späteren Band einer zusammenhängenden Serie allerdings zu verheimlichen, ist nicht die feine Art. Hier wurde es allerdings auch bei Band 1 in der Vorschau schon nicht erwähnt.

Alexis Royce Die Todbringerin, super, noch eine Frau im Programm – dachte ich auf den ersten Blick (siehe Wo sind die Frauen?), doch dann blickte ich auf die Biografie links unten und sah, dass man dort verkündet, dass es sich dabei um den Spiegel-Bestsellerautor Royce Buckingham (Die Karte der Welt, fand ich ganz okay) handelt. „Sein erstes Buch für weibliche Fantasyfans“ heißt es dort. Warum eigentlich? Weil die Hauptfigur eine Frau ist? Die Karte der Welt hat 50 Amazonbesprechungen erhalten, darunter nicht wenige, die als weibliche Nicknames zu erkennen sind, wie z. B. Lillys Books, Mimi oder Kaugummiqueens Bücherstube. Das Geschlechterverhältnis scheint mir zumindest ausgeglichen zu sein. Aber anscheinend traut man den Leserinnen nicht zu, sich ein Buch von einem Autor zu kaufen, und den Männern nicht, ein Buch mit weiblicher Hauptfigur. Also muss ein weibliches Pseudonym her, aber den Buchhändlern will man natürlich nicht verschweigen, dass es sich hier um einen Spiegel-Bestsellerautor handelt. Wie das im Original aussieht, weiß ich nicht, da habe ich noch keine Ankündigung für das Buch finden können, nur die Meldung vom Dezember 2016 auf Royce Buchinghams Facebookseite, dass er mit Princess Assassin jetzt fertig sei. Von einem Pseudonym steht da nichts, aber so Sachen müssen natürlich mit dem Autor abgesprochen werden (siehe Daniel Abraham bzw. Hanover). Trotzdem schade, dass man hier immer noch diese eingefahrenen Geschlechterklischees findet.

Fantasy für Frauen?

Bei Durchsicht der Programme (nicht nur bei Blanvalet) fällt mir immer wieder die Formulierung Fantasy für Frauen auf, aber nie Fantasy für Männer (da steht dann höchsten Heroic Fantasy). Für Männer scheint dann doch schon negativ besetzt zu sein, weil man sich darunter wohl Fantasy mit einer wikingerartigen Horde aus bärtigen, muskelbepackten und wild grunzenden Männern vorstellt, die plündernd, brandschatzend und vergewaltigend von Dorf zu Dorf zieht, und dabei ihren Feinden die Körperteile einzeln abhackt, damit sie besser in deren Blut baden kann.

Entweder glaubt man, Fantasy allgemein sei was für Männer, und nur bei speziellen Büchern (also mit weiblichen Hauptfiguren) muss man darauf hinweisen, dass es für Frauen ist. Oder Fantasy ist generell für Männer und Frauen gedacht, und nur bei speziell Büchern (also mit weiblichen Hauptfiguren) muss man auf charmante Art darauf hinweisen, dass das nichts für Männer ist. 🙂

Die gläserne Wüste von Steven Erikson. Band 18 der zehnbändigen Malazan-Reihe (Spiel der Götter). 😉 Na ja, zehn im Original, aber ab Band 2 gesplittet. Hier muss ich Blanvalet aber mal ein großes Lob aussprechen, dass sie diese Reihe konsequent durchziehen, trotz der Verzögerungen in der Übersetzung. Und das sie auch an Übersetzer Tim Straetman festhalten, denn kein anderer könnte, diese überaus komplexe Reihe so kompetent und kenntnisreich übersetzen wie er (auch er war auf dem oben erwähnten Übersetzerworkshop mit einem Malazan-Text dabei, daher weiß ich, was für eine anspruchsvolle Mammutaufgabe das ist). Die Reihe werde ich bis zum letzten Band auf Deutsch lesen (wobei ich aktuell etwas hinterherhinke).

Fazit

Vor 15 Jahren hätte ich das Programm als leidenschaftlicher Fantasyleser richtig toll gefunden. Inzwischen haben sich meine Leseinteressen dafür zu sehr verschoben (wobei immer noch spannende Sachen dabei sind). Zwar habe ich schon fast immer aus allen Genres gelesen, aber gerade was Fantasy angeht, bemerke ich seit einigen Jahren eine gewisse Müdigkeit, wenn ich zu viel ähnliche Sachen lese, was vor allem dazu führt, dass ich kaum noch Reihen lese, die über drei Bände hinausgehen. Ich würde mir viel mehr abgeschlossene einzelne Fantasybücher wünschen. Gerade habe ich erneut mit großer Begeisterung Die Fernen Königreiche von Allan Cole und Chris Bunch gelesen (in meiner alten Goldmannausgabe von 1993), da gibt es zwar noch drei weitere Bücher, die in der Welt spielen, aber jeder davon ist ein alleinstehender, abgeschlossener Roman, wo man sich bei größeren Leseabständen keine Sorgen machen muss, zu viel vom Vorgänger vergessen zu haben. Warum nicht mal was wie A Stranger in Olondria von Sofia Samatar oder die wunderbar kurzen Fantasyeinzelbände von Tor.com, wie z. B. Spiderlight von Adrian Tchaikovsky oder The Sorcerer Of The Wildeeps von Kai Ashante Wilson? (Die Antwort kenne ich natürlich, aber das wären Sachen, die mich neugierig machen würden.)

P. S. es ist natürlich etwas unfair, gerade hier im Programm von Blanvalet diese ganzen Betrachtungen über Vermarktungsmechanismen auszuführen, da diese ja auch bei vielen anderen Verlagen greifen, aber die Idee dazu kam mir nun mal bei Durchsicht dieses Programms. Vielleicht sollte ich darüber mal einen eigenen Beitrag verfassen (und damit gleich allen potentiellen Auftraggebern ans Bein pinkeln 😉 ). Ich glaub, ich sollte dringend über ein anderes Genre schreiben, oder in einem anderen Genre übersetzen.

P.P.S hier hier geht es zur Programmvorschau von Heyne, und hier zu meinem Blick auf Piper

4 Gedanken zu “Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Blanvalet

  1. Hat dies auf Treffpunkt Phantastik rebloggt und kommentierte:
    … es ist natürlich etwas unfair, gerade hier im Programm von Blanvalet diese ganzen Betrachtungen über Vermarktungsmechanismen auszuführen, da diese ja auch bei vielen anderen Verlagen greifen, aber die Idee dazu kam mir nun mal bei Durchsicht dieses Programms. …

  2. Ich bin echt gespannt auf den Thrawn-Roman. Die ursprüngliche Trilogie von Timothy Zahn gehört für mich zum besten, was im Star-Wars-Universum veröffentlicht wurde (ich habe die Dinger so oft durchgeleiert, dass ich mich mittlerweile nicht mehr traue, sie noch aus dem Schrank zu nehmen). Sehr schade, dass das alles verworfen wurde.

    • Kennst du die Hörspielumsetzung der „Thrawn“-Trilogie? Die ist richtig gut gemacht, mit den deutschen Synchronsprechern der Kinofilme (wie Wolfgang Pampel z. B.). Kann ich nur empfehlen.

  3. Fantasy über bärtige, muskelbepackten und wild grunzende Männer wäre toll! Auch für Frauen 😀

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