Phantastische Netzstreifzüge 43

Wolfgang Jeschke (1936­–2015) – Es gibt wohl keinen Herausgeber, der einen solch großen und bedeutenden Einfluss auf die Science Fiction in Deutschland hatte, wie Wolfgang Jescke, der seit Beginn der 70er Jahre die SF-Reihe bei Heyne herausgegeben hat. Und auch als Autor leistete er beeindruckende Werke ab. Ich habe von ihm nur den ausgezeichneten Roman Der letzte Tag der Schöpfung und einige Kurzgeschichten gelesen. Mein Beileid an die Angehörigen.

Nebula Award für den fremdartigsten Roman des Jahres – Josefson kommentiert die Preisvergabe der Nebula-Awards am letzten Wochenende. Zum Preisträger in der Romankategorie Anihilation schrieb ich letztes Jahr:

Eine Biologin, eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Linguistin begeben sich auf eine Expedition in ein Gebiet, in dem Flora und Faune durch ein nicht näher spezifiziertes Ereignis auf teils recht unheimliche Weise verändert wurden, und auch die vier Expeditionsteilnehmer werden durch das Gebiet verändert. Dass sie nur bei ihren Berufsbezeichnungen genannt werden, und nicht bei ihren Namen, hat auch damit zu tun. Einer gelungener, atmosphärisch dichter und psychologisch komplexer Roman, der der mich trotz der relativen Ereignisarmut in seinen Bann gezogen hat. Ein vielversprechender Auftakt für die Southern-Reach-Trilogie, die in diesem Jahr noch im Kunstmann Verlag erscheinen soll. Sprachlich gar nicht so sperrig, wie ich es von VanderMeer erwartet hätte.

Meine Stimme hätte allerdings The Three-Body Problem von Cixin Liu bekommen. Meine Meinung dazu gibt es hier. Ansonsten kann ich mich Josefson nur anschließen.

Stephen King: By the Book – Stephen King äußert sich in der New York Times zu Autoren und Büchern, die er empfehlen kann. Allerdings scheint er doch mit gehörigen Scheuklappen zu lesen (was durchaus sein Recht ist). Auf die Frage: »Do you enjoy fiction in translation? Stories from particular corners of the world?«, antwortet er:

I actually avoid novels in translation when I can, because I always have the feeling that the author is being filtered through another mind. I read “Nana” last year, and swapped back and forth between two translations. They were quite different — not in the plot, which is simple, but in the mode of expression. That said, I read Pierre Lemaitre, a really excellent suspense novelist, and the aforementioned Karin Fossum. And of course the wonderful John Ajvide Lindqvist. I also enjoyed Stieg Larsson, wooden prose and all.

Finde ich sehr schade, da ihm dadurch viele tolle Bücher aus den unterschiedlichsten Kulturen entgehen. Dass er sich als Autor mit Übersetzungen seiner Werke unwohl fühlt, und dass das übersetzte Buch nicht das Buch ist, das der Autor verfasst hat, kann ich gut verstehen. Bei einer guten Übersetzung ist es aber eine möglichst wirkungsäquivalente Annäherung. Ich möchte jedenfalls nicht auf die ganzen großartigen Bücher aus Sprachen verzichten, die ich nicht selbst beherrsche. Und wenn ihm Lindqvist und Larsson in Übersetzung gefallen haben (mir übrigens auch), warum dann nicht auch andere?

Ich kenne übrigens nicht wenige Übersetzer, die es selbst vermeiden Übersetzungen zu lesen. 😉

»Ich lasse mich reinfallen« – Die taz hat ein sehr interessantes Interview mit dem Übersetzer Dirk van Gunsteren geführt, in dem es allerlei Interessantes zum Übersetzen von Tomas Pynchon, aber auch zum Übersetzen allgemein, zu erfahren gibt.

Tanith Lee Was An Indispensible Fantasy Author – Ende Mai ist die Autorin Tanith Lee verstorben. Ich hatte ihren Namen eigentlich immer auf dem Radar, habe es aber trotzdem versäumt, mal etwas von ihr zu lesen. Nach allem, was ich in den vielen Nachrufen über sie und ihr Werk gelesen habe, muss ich das dringend nachholen.

How Comic-Cons are Killing Fandom – Oscar Bernie darüber, warum Comic-Cons seiner Meinung nach das Fandom zerstören. Ich bin selbst leider noch nie auf einer Comic-Con in den USA gewesen, aber ich kann seine Argumentation gut nachvollziehen. Die einstige Kultveranstaltung in San Diego (und ihre Ableger) scheinen nach allem, was ich so in den Medien mitbekomme, immer mehr zu einer reinen Werbeveranstaltung für Filmverleiher und TV-Sender geworden zu sein, in der es vor allem darum geht, die neuesten Produkte zu vermarkten, und weniger um die eigentlichen Helden der Cons: die Fans. Ich persönlich ziehe kleinere, familiärere Cons auch den großen Mediacons vor. Deshalb bin ich in meinem Leben auch nur einmal auf der Fedcon gewesen, fahre aber seit 10 Jahren zum Bucon. Wobei man die deutschen Cons nicht mit denen in Amerika vergleichen kann, und es auch nicht allein auf die Größe ankommt. Der nicht gerade kleine Worldcon scheint ja auch eine relativ unkommerzielle Veranstaltung zu sein.

Single page of notes wins SF author John Scalzi $3.4m deal – Da soll noch mal einer sagen, dass sich Science Fiction nicht verkauft. John Scalzi hat seine nächsten 10 Bücher für 3,4 Millionen Dollar verkauft. Okay, über 10 Jahr gesehen ist das jetzt auch kein Riesenvermögen, aber deutsche Genreautoren können von solchen Zahlen nur träumen (und die meisten englischsprachigen vermutlich auch). John Scalzi Bücher verkaufen sich jeden Monat in einem fünfstelligen Bereich. Respekt. Ich habe von ihm bisher nur Krieg der Klone gelesen, fand ich ganz gut, aber irgendwie ist der Rest von ihm an mir vorbeigegangen.

Nachtrag: Wie ich gerade erfahren habe, ist auch Christopher Lee verstorben. Ein großer Schauspieler, der auch noch im hohen Alter von 93 Jahren gerockt hat.

 

 

3 Gedanken zu “Phantastische Netzstreifzüge 43

  1. Jeschke, Lee – eine traurige Woche …

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