Frauen in der Science Fiction

Vor einiger Zeit habe ich ja die ganz wundervolle Geschichte »Flying in the Face of God« von Nina Allan für das Magazin Phase X übersetzt (siehe hier). Das war bisher das Beste, was ich übersetzen durfte, und ich hoffe, dass ich der Geschichte einigermaßen gerecht geworden bin. Und ich hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr von ihr auf Deutsch erscheinen wird.

Die britische Autorin hat auch einen sehr interessanten Blog, in dem sie sich regelmäßig mit aktuellen Tendenzen in der Phantastikszene auseinander setzt. Aktuell gibt es einen epochalen Eintrag über Frauen in der Phantastik. Auslöser war wohl (wenn ich es richtig verstanden habe), dass es keine einzige Frau auf die Shortlist des Arthur C. Clark Award geschafft hat, und auch zu einer Horrorconvention keine Frau eingeladen wurde.

Sie betrachtet das Thema aber sehr differenziert und sieht keine Schuld bei den Juroren des Awards, die sich danach richten mussten, was eingereicht wurde. Von den 33 Büchern, die man wirklich als SF bezeichnen kann, sind nur fünf von Frauen geschrieben. Im Weiteren geht sie darauf ein, woran das liegen könnte.

Kurz darauf listet sie sage und schreibe 101 Frauen auf, die man gelesen haben sollte. Und nicht nur das, sie schreibt zu jeder Autorin auch noch eine ausführliche, persönliche  Begründung. Darunter sind viele Klassiker wie Margaret Atwood, Ursula K. Le Guin, relativ bekannte Schriftstellerinnen wie Susan Hill, Shirley Jackson, Kij Johnson, Hilary Mantel usw. Auch viele, die ich gar nicht kannte, und auch einige meiner Lieblingsautorinnen. Wie z B. Audrey Niffenegger, die mit »Die Frau des Zeitreisenden« einen der besten SF-Romane der letzten Jahre geschrieben hat, oder Susanna Clarke (»Jonathan Strange & Mr. Norell.)
Dazu noch einige Autorinnen, die ich erst jüngst für mich entdeckt habe. Catherynne M. Valente oder Joe Walton, deren (zurecht) von Preisen überhäuftes »In einer anderen Welt« jüngst bei Golkonda erschienen ist. Und auch die Newcomerin Genevieve Valentine, deren famos, phantastisches »Mechanique« auch gut in den Golkonda Verlag passen würde.

Im SF-Netzwerk wurde jüngst diskutiert, ob es einen Unterschied in der Schreibe zwischen Autorinnen und Autoren geben würde? Ich weiß es nicht. Das Geschlecht der/des AutorInn gehört nicht zu meinen Kaufkriterien. Da gehe ich nach Inhalt und Empfehlungen. Trotzdem würde ich sagen, dass ca. 70 – 80% der Bücher in meinem Regal von Männern geschrieben wurden (Tendenz fallend). Das nur als neutrale Feststellung.

In der Fantasy sind deutschsprachige Autorinnen inzwischen stark vertreten, wenn auch nicht so prominent und dominant wie z. B. die Herren Heitz, Hennen und Hardebusch. In der SF haben es Autorinnen bei großen Verlagen wohl schwerer (wobei deutschsprachige SF es generell schwer bei diesen Verlagen hat). Aber es gibt sie. Sie sind in denen kleine Verlagen Verlagen vertreten und auch im (stark von grauhaarigen Männern mit Bierbäuchen dominierten) Fandom aktiv.
Die SF von Heidrun Jänchen erscheint regelmäßig bei Wurdack. Nina Horvath ist in verschiedenen Genres und Verlagen unterwegs. Miriam Pharo hat mit »Hanseapolis« eine Reihe über ein futuristisches Hamburg veröffentlicht. Barbara Slawigs »Flugverbot« ist jüngst bei Golkonda neu aufgelegt worden. Und es gibt sicher noch einige, die ich jetzt vergessen habe.

Ich selbst habe mich mit dem Thema mal vor drei Jahren in einer Hausarbeit mit dem Titel The Dispossessed – Ein feministischer Blick auf die Utopie von Usula K. Le Guin beschäftigt. Da ging es aber vor allem um ihren Roman »The Dispossessed« (»Planet der Habenichste«).
Ich habe mich lange davor gescheut, die Arbeit zu veröffentlichen, da ich sie für zu mangelhaft halte. Gab zwar eine 2,0 dafür, aber das heißt ja nichts. An einigen Stellen sind meine Thesen viel zu generalisierend gehalten und nicht durch Literaturverweise belegt. Für eine literaturwissenschaftliche Arbeit beschäftige ich mich auch zu wenig mit Textbeispielen und verweise generell zu wenig auf konkrete Stellen im Text. Aber macht Euch ruhig selbst ein Bild. Die Arbeit ist mit 11 Seiten nur halb so lang wie die über »Deadwood«. Es hilft, wenn man »The Dispossessed« gelesen hat.

HausarbeitLeGuinreinfassung

Ein Gedanke zu “Frauen in der Science Fiction

  1. Wenn schon Namen von deutschen SF-Schriftstellerinnen aufgezählt werden, bitte diese beiden nicht vergessen: Johanna Braun und Angela Steinmüller.

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