Kurzbesprechungen meiner Lektüre März bis Juni (Teil 1)

Eigentlich wollte ich diese Bücher alle ausführlich besprechen, aber mir fehlt die Zeit und ich hinke schon einige Bücher hinterher. Deshalb gibt es leider nur Kurzbesprechungen.

Volker Kutscher – Die Akte Vaterland

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Die Akte Vaterland ist der vierte Teil in der Reihe um den Berliner Ermittler Gereon Rath; inzwischen sind wir im Jahr 1930 angekommen, die SA marschiert in den Straßen und liefert sich blutige Kämpfe mit den Kommunisten. Die parlamentarische Demokratie liegt in ihren letzten Zügen. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Charlie Ritter ist endlich aus Paris zurück. Dummerweise verschlägt es Gereon kurz darauf nach einem Mord im Vergnügungstempel »Haus Vaterland« in die Provinz nach Masuren. Einem Teil deutscher Geschichte, der heute fast in Vergessenheit geraten ist.
Es ist spannend und abwechslungsreich, den eigenwilligen Ermittler mal auf fremdem Terrain zu begleiten. Für die nötige Berlinstimmung sorgt Charlie dann als Undercoverzwiebelschneiderin im Haus Vaterland.

Ein verzwickter Krimi, mit viel deutscher Geschichte, eigenwilligen und unterhaltsamen Figuren und einer tollen Atmosphäre. Um deutsche Krimis mache ich eigentlich einen großen Boden, aber von Kutschers Romanen bin ich schwer begeistert.

 

Anne Leckie – Ancillary Justice

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Großartige Science-Fiction, in der die Hauptfigur ein Raumschiff im Körper einer Frau? Ist, und sich für Ungerechtigkeiten und Intrigen rächen möchte. Sehr entspannt erzählte Geschichte im Military-SF-Kontext, in der es vor allem und die Themen Identität, Geschlecht und Herrschaft geht. Dass alles verpackt Leckie sprachlich und erzählerisch auf eine Weise, wie sie mir bisher noch nicht untergekommen ist. Das Prinzip der Raumschiffe kennt man schon von Banks oder McCaffrey, aber wie Leckie es hier mit dem Thema Identität verknüpft ist schon besonders.
Der Roman räumt momentan zu Recht sämtliche SF-Preise ab. Ausführlichere und bessere Besprechungen gibt es bei Jakob Schmidt und Jim C. Hines. Ancillary Justice wird im nächsten Jahr bei Heyne unter dem nichtssagenden und unsinnigen Titel Die Maschinen erscheinen. Aber immerhin.

 

Chris Web – Nur 6 Tage

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Jugend-SF-Dystopie, in der ganz England von den Russen erobert wurde. Ganz England? Ja, allerdings. Die Überlebenden müssen für die Eroberer den Schutt des Krieges auf der Suche nach einem Artefakt wegräumen. Bietet jetzt für erfahrene SF-Leser nichts Neues, für Jugendliche aber einen gelungenen Einstieg in die Science Fiction, ohne sich auf Krachbumm-Action zu beschränken. Lebhafte Figuren und eine recht interessante Geschichte. Übersetzt wurde es übrigens von Frank Böhmert, in schön schnoddrigem Tonfall.

 

 
Jeff VanderMeer – Anihilation

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Eine Biologin, eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Linguistin begeben sich auf eine Expedition in ein Gebiet, in dem Flora und Faune durch eine nicht näher spezifiziertes Ereignis auf teils recht unheimliche Weise verändert wurde, und auch die vier Expeditionsteilnehmer werden durch das Gebiet verändert. Dass sie nur bei ihren Berufsbezeichnungen genannt werden, und nicht bei ihren Namen, hat auch damit zu tun. Einer gelungener, atmosphärisch dichter und psychologisch komplexer Roman, der der mich trotz der relativen Ereignisarmut in seinen Bann gezogen hat. Ein vielversprechender Auftakt für die Southern-Reach-Trilogie, die in diesem Jahr noch im Kunstmann Verlag erscheinen soll. Sprachlich gar nicht so sperrig, wie ich es von VanderMeer erwartet hätte.

 

 

Ted Chiang – Das wahre Wesen der Dinge

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Gute bis herausragende SF-Kurzgeschichten, in denen es häufig um die Beziehung zwischen Mensch, Wissenschaft, Software und sozialen Zwängen geht. Obwohl ich die Meisterschaft seiner Werke erkenne, kann ich mich nicht für alle dieser Geschichten begeistern, da sie mir teilweise zu distanziert geschrieben sind. Am Besten hat mir Der Lebenszyklus von Softwareobjekten gefallen, in der es um die Frage geht, ob sich tamagotchiartige Softwarecharaketeren (so was wie Haustiere) zu echten Persönlichkeiten entwickeln können. Insgesamt kann ich dies bei Golkonda erschienen Kurzgeschichtensammlung nur empfehlen.

 

 

Im nächsten Teil der Kurzbesprechungen geht es in das von mir verhasste Genre des Regionalkrimis, wo es für mich eine handfeste bzw. felsenfeste Überraschung gab.

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