Phantastische Netzstreifzüge 45

Wie wird eigentlich ein Roman übersetzt? – Übersetzerin Kerstin Fricke (die auch phantastische Literatur und Computerspiele übersetzt) berichtet auf ihrem Blog Die Wortspielerin darüber, wie bei ihr die Übersetzung eines Romans abläuft. Bei mir sieht das ganz ähnlich aus, nur dass mir die Lektorinnen noch nicht die Bude mit Anfragen einrennen. Die zu übersetzenden Romane lese ich auch nicht immer vor Beginn der Übersetzung. Bei Sachen, die sprachlich etwas nervig oder anstrengend sein können (wie z. B. Captain Future), trägt die Neugier darauf, wie es weitergehen soll, einen deutlich Motivationsschub bei, um konsequent weiterzuarbeiten. Die lektorierte Fassung und/oder die Korrekturfahnen bekomme ich auch nicht von allen Verlagen vor Publikation zu Gesicht. Was in Ordnung ist, wenn ich es vorher weiß und mich darauf einstellen kann. Bevor ich einen Auftrag annehme, schaue ich mir das zu übersetzende Buch aber auf jeden Fall an, damit ich auch weiß, worauf ich mich da einlasse. Anders ist es auch schwierig, abzuschätzen, wie lange man für die Übersetzung (je nach Schwierigkeitsgrad) brauchen wird und ob das Honorar auch für den Aufwand angemessen ist.

A History of Epic Fantasy – Adam Whitehead gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Phantastikbloggern im englischen Sprachraum. In den letzten Jahren ist es auf seinem Blog (aus beruflichen Gründen) etwas stiller geworden. Aber in den letzten Wochen hat er dort eine tolle Artikelserie gestartet, in der er die Geschichte der epischen Fantasy erzählt. Aktuell ist er bei Teil 10 und in den 80er Jahren angekommen. Obwohl ich seit 20 Jahren Fantasy lese und über ein relativ gutes Genrewissen verfüge, habe ich dort noch einiges Interessantes lernen können. Wer des Englischen halbwegs mächtig ist und sich für Fantasyliteratur interessiert, sollte sich die Artikel auf jeden Fall einmal ansehen. Auf Deutsch ist mir ein ähnliches Projekt bzw. eine ähnliche Übersicht über das Genre nicht gekannt.

Rereading Shannara – Aidan Moher hat auf tor.com einen Reread von The Elfstones of Shannara (Die Elfensteine von Shannara) gestartet. Normalerweise sind mir diese Rereads zu detailliert, da jedes Kapitel ausführlich besprochen wird, aber weil ich das Buch selbst gerade erst gelesen habe (dazu wird es noch einen eigenen Blogeintrag geben), finde ich Mohers Analyse sehr interessant. Es ist wirklich erstaunlich, wie aufmerksam er den Text liest und wie ausführlich er auch einzelne Sätze analysiert. Ich habe das Buch wohl etwas zu schnell gelesen, so dass mir einige wirklich tolle Feinheiten entgangen sind.

The Elfstones of Shannara ist der zweite Teil der Shannara-Reihe von Terry Brooks, kann aber eigenständig gelesen werden, da er 50 Jahre nach Band 1 spielt. Allerdings gibt es zahlreiche Anspielungen auf den Vorgänger, dessen Geschichte aber ausführlich erwähnt wird, so dass man inhaltlich mitbekommt, was damals passiert ist. The Sword of Shannara erschien 1977 bei Del Rey und war ein großer Erfolg, der eine neue Ära im Fantasygenre einleitete. Obwohl (oder vielleicht auch weil) es sich um eine ziemliche dreiste Tolkien-Kopie handelte, die aber sehr unterhaltsam geschrieben ist. Ich habe Band 1 vor ca. 15 Jahren gelesen und genauso in Erinnerung behalten. Die deutsche Fassung des im Original mit knapp über 400 Seiten nicht gerade dicken Buchs hat man tatsächlich in 3! dünne Bände gesplittet, und es dabei noch geschafft, sie mit einer leserunfreundlichen kleinen Schrift zu bedrucken. Bei den Elfensteinen lief es ähnlich ab. Der erste Splittband steht bei mir auch schon seit 15 Jahren im Regal, aber ob ich ihn mal gelesen habe, weiß ich nicht. Als ich jetzt die englische Fassung gelesen habe, kam mir nichts bekannt vor.

Auch Mistkaeferl hatte sich vor einigen Jahren auf der Bibliotheka Phantastika an einen Reread gewagt und war positiv überrascht, wie gut sich die Geschichte gehalten hat.

Terry Brooks hat mit diesen beiden Büchern der epischen Fantasy eine neue Richtung gegeben, der dann erfolgreiche Autoren wie Dave Eddings, Raymond Feist und viele andere folgten.

Im Januar 2016 läuft auf MTV die Serienverfilmung von The Elfstones of Shannara an, und die bisherigen Trailer sehen gar nicht so schlecht aus.

3 Gedanken zu “Phantastische Netzstreifzüge 45

  1. Ich habe die Elfensteine als Komplettband. Auf die Serie freue ich mich sehr!

  2. Ich habe eigentlich schon lange sowas Ähnliches wie Adam Whiteheads „A History of Epic Fantasy“ für unser Blog geplant, von daher bin ich über seine Artikelreihe nicht so richtig von innen heraus begeistert. (Um jegliche Missverständnisse auszuschließen: ich habe an dem, was er schreibt, nicht sonderlich viel rumzumeckern – aber er hat mir halt eine Idee geklaut, mit der ich schon seit dem Neustart der Bibliotheka Phantastika liebäugele …)

    Andererseits komme ich dieses Jahr eh nicht mehr dazu, aus den bereits vorhandenen Fragmenten ein paar einigermaßen runde Artikel zu machen … und außerdem habe ich eh einen etwas anderen Ansatz. So gesehen: Schön, dass es das auf „Wertzone“ gibt … und vielleicht gibt’s ja irgendwann auch mal etwas annähernd Vergleichbares auf Deutsch. 😉

    • Ich hatte auch mal kurz die Idee, ihn zu fragen, ob wir das für den Fantasyguide ins Deutsche übersetzen dürfen, habe aber eigentlich auch schon genug mit meinen bisherigen Übersetzungen zu tun. In einem Kommentar hat er auch erwähnt, dass sein Agent gerade versuche, das Ganze in Buchform an den Verlag zu bringen. Auf jeden Fall brauchen wir so etwas auch auf Deutsch, aber ergänzt um die deutsche Publikationsgeschichte der Bücher plus die Geschichte der deutschsprachigen Fantasy. Vielleicht finden sich ja irgenwann ein paar Gleichgesinnte, die so etwas auf die Beine stellen. 😉

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