Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Bastei Lübbe

Hier kann man sich die Vorschau von Bastei Lübbe als PDF runterladen. SF und Fantasy geht ab Seite 80 los.

Science Fiction

Das ist ein Perry Rhodan-Roman von Christian Montillon und Oliver Fröhlich im Programm. Bei PR habe ich es mal mit den ersten Silberbänden versucht, war historisch gesehen ganz interessant, aber nach Band 3 habe ich das Interesse verloren. Heftroman ist einfach nicht meins, und auch nicht solche Franchiseuniversen bzw. Endlosserien.

Prisma ist Margarete Fortunes Fortsetzung von New Sol, das mir ja gut gefallen hat. Ob mich Band 2 aber noch interessiert, nachdem in Band 1 die Katze aus dem Sack gelassen wurde, weiß ich noch nicht. Man sollte den Klappentext nicht lesen, wenn man New Sol noch nicht gelesen hat, da wird nämlich der große Twist gespoilert.

Und dann ist da noch eine Anthologie zur Honor Harrington-Endlosserie von David Weber mit Kurzgeschichten von Timothy Zahn und einigen Autoren, die ich nicht kenne (siehe Cover). Nix für mich. Ach ja, ein neuer Roman zur Serie ist mit Operation Janus auch dabei.

Neben Cross Cult hat jetzt auch Bastei Lübbe Doctor Who-Romane im Programm. Ich erwähnte es schon, der Franchisekram ist nichts für mich (auch wenn ich mir die Serie sehr gerne ansehe, Matt Smith ist mit mein Lieblingsdoctor).

Fantasy

Südafrikanische Autoren stehen ja gerade hoch im Kurs, Roger Smith im Krimi, Lauren Beukes in der Science Fiction und Charlie Human was Urban Fantasy angeht. Mit Der Fluch des Feuers von Mark de Jager ist jetzt wohl auch klassische Fantasy dabei. Scheint mir Grim-and-Gritty-Fantasy im Stil von David Gemmel und Joe Abercrombie zu sein. Da ich mich sehr für südafrikanische Literatur interessiere, merke ich mir das Buch mal vor.

Die Dreizhen Gezeichneten von Judith und Christian Vogt scheint mir klassische Städtefantasy zu sein, der Klappentext hat mich noch nicht neugierig gemacht. Mal die ersten Kritiken abwarten.

Bastei Lübbe hat ein wirklich abwechslungsreiches Programm mit sehr interessanten AutorInnen. Eine davon ist Clair North (alias Cathrine Webb), deren Die vielen Leben des Harry August viele positive Kritiken erhielt, und das ich dringend mal lesen muss, bevor ich mich dann eventuell an Das Spielhaus begebe.

Alben und Trolle, da schlägt mich schon der Titel in die Flucht, bevor ich beim Klappentext angekommen bin, diese nordische Völkerfantasy erinnert doch stark an Bernhard Hennes Elfen-Welt. Nix für mich. Aber interessant zu sehen, dass die Völkerfantasy auch nach Abflauen des Booms noch nicht ganz totzukriegen ist. Und schön zu sehen, dass auch weiterhin deutsche AutorInnen in den großen Publikumsverlagen eine Chance bekommen (wie oben auch die Vogts)

Tochter der Götter von Amanda Bouchet scheint dem Marketing nach Fantasy mit einem der griechischen Mythologie entlehnten Szenario zu sein, mit ganz schrecklichen Covern, die eindeutig Richtung Romantasy gehen. Auch nix für mich, aber thematisch immerhin mal was anderes.

Robert Jackson Benett hingegen ist auf jeden Fall was für mich und die Stadt der Tausend Treppen steht ganz oben auf meiner Leseliste. Diese Trilogie (Die Stadt der Träumenden Kinder ist Band 3) soll ein wirklich originelles Fantasysetting abseits der üblichen Klischees und Kulissen haben. Leider wird der zweite Band Die Stadt der toten Klingen (erscheint am 29. September) nicht mehr von der von mir hochgeschätzten Eva Bauch-Eppers übersetzt, wie ich gerade sehe. Mag ich ja gar nicht, wenn mittendrin der Übersetzer wechselt (auch wenn ich selbst schon als Übersetzer bei zweiten Bänden von Reihen eingestiegen bin). Vielleicht hol ich es mir doch lieber im Original.

Horror

Ein John Sinclair-Roman von Wolfgang Hohlbein – ist wohl Band 2 – der erste erscheint Ende September. Sinclair und Perry Rhodan stehen wohl aktuell wieder hoch im Kurs zu stehen, wenn sowohl Bastei Lübbe als auch Fischer Tor Romane aus diesen beiden Serien in ihr Programm aufnehmen. Meins ist beides nicht. Aber schon interessant. Es heißt ja, die Heftromanleser würden langsam aussterben, im Sinne, dass kein Nachwuchs hinter den inzwischen meist ergrauten Herren (die mit diesen Heften aufgewachsen sind) nahkommt.

Leider hat man auch weiterhin den unsäglichen Larry Correia im Programm, den ich hier weiterhin ignorieren werde.

Fazit

Gefällt mir ganz gut, das Programm von Bastei Lübbe. Eine gelungene Mischung aus originellen Titeln abseits ausgetretener Genrepfade und dem ganzen Franchise- und Serienkram, der auch sein Publikum hat. Wobei die Science Fiction doch etwas schwach aufgestellt ist. Auch hier scheint sich der Trend nicht anzuhalten.

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Fischer Tor

Mit dem dritten Programm feiert Fischer Tor einjähriges Bestehen (zum runterladen Link anklicken) und trotz des sehr gelungenen Einstands mit den ersten beiden Programme zeigt der Verlag, dass man sich nicht mit dem bereits Geschaffenen zufriedengibt, sondern strebt nach weiteren Variationen, nach Abwechslung und Neuerungen. Einiges davon dürfte so manchen Leser überraschen, wie der Perry Rhodan-Roman von Andreas Eschbach, der für 2019 angekündigt ist, die neue Fantasytrilogie von Bernhard Hennen (Frühjahr 2018, noch nicht hier im Programm), ein John Sinclair-Roman von Denis Erhardt und auch John Scalzis neuer Roman ist dabei.

Science Fiction

Blade Runner von Phillip K. Dick wird passend zur Filmfortsetzung Blade Runner 2049 in neuer Übersetzung von Manfred Allié erscheinen. Ich habe das Buchs schon in der schicken orangefarbenen Nadelstreifenausgabe von Heyne im Regals stehen. Im Vergleich dazu finde ich das neue Cover ehrlich gesagt furchtbar.

Kollaps von John Scalzi; da wird man bei Heyne bestimmt keine Freudensprünge gemacht haben, als man dort erfuhr, dass der Autor, dessen Bände bisher alle dort erschienen sind, zur Konkurrenz gewechselt ist. Aber so ist das Geschäft. Die deutschsprachigen Fans kann ich beruhigen, auch dieses Buch wird von Bernhard Kempen übersetzt. Ich habe von Scalzi bisher nur Krieg der Klone gelesen, das ich ganz unterhaltsam fand, wobei es mich aber nicht so stark motiviert hat, noch mehr von ihm zu lesen. Auf dem Schirm hatte ich ihn zwar immer, aber plötzlich waren dann schon so viele weitere Bücher erschienen, dass es mich eher abgeschreckt hat.

Band 1 von Die Androidin habe ich gerade angefangen, allerdings aktuell auf Eis gelegt, da ich nächste Woche Urlaub in Paris mache und gerade ein ganz tolles und sehr dickes Sachbuch über die Stadt von Thankmar von Münchhausen lese. Aber wenn ich zurück bin, werde ich weiterlesen, da mich das Cyberpunkszenario im Weltraum durchaus interessiert. Im Oktober wird allerdings schon Band 3 Weg in die Freiheit erscheinen. Also drei Bände mit jeweils um die 600 Seiten innerhalb von einem halben Jahr. Selbst wenn mir Band 1 gefällt, wird es sicher lange dauern, bis ich weiterlesen werde, da mir das zu viel auf einmal wäre. Ich brauche mehr Abwechslung bei meiner Lektüre und lese selten mehr als ein Buch pro Autor im Jahr. Aber da bin ich als Leser eher eine Ausnahme, die meisten dürfte es freuen, dass die Reihe so schnell hintereinander verlässlich erscheinen wird.

Becky Chambers‘ Debütroman Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten hat mich im letzten Jahr schwer begeistert. Kaum ein SF-Roman hat mich in den letzten Jahren so bewegt. Da ist der nächste Band im Wayfarer-Universum – dessen Hauptfigur allerdings die Technikerin Pepper sein wird, die nicht zur Crew des Tunnelbauschiffs gehört und im ersten Band nur eine Nebenrolle hatte – natürlich Pflichtlektüre.

Zwischen den Genres

Bewegt sich G. Willow Wilson mit Alif der Unsichtbare, ein SF-Hackerroman in arabischem Setting á la Tausendundeine Nacht mit Urbanfantasyeinschlag. Alif the Unseen habe ich bereits 2012 im Original begeistert gelesen und schon nicht mehr daran geglaubt, dass das ungewöhnliche Buch noch auf Deutsch erscheinen würde. Großes Lob an Fischer Tor, dass sie sich trauen, was kein anderer deutscher Verlag sich traute.

Fantasy

Nevernight: Die Prüfung von Jay Kristoff. Zur Originalausgabe sind mir schon einige positive Stimmen begegnet. Auch wenn der Klappentext über Verschwörungen unter Mächtigen und ein Mädchen, dass zur Assassinnin ausgebildet wird, noch recht gewöhnlich klingt, aber es kommt ja auch drauf an, wie eine Geschichte geschrieben ist. Erscheint übrigens als Hardcover. Habe ja schon in meinen Beitrag zu Knaur erwähnt, dass ich das für recht gewagt in der Fantasy halte.

Die Legende von Shikanoko von Lian Hearn sagt mir gar nicht, aber ihre Saga um den Clan der Otori (Carlsen) ist mir natürlich ein Begriff, auch wenn ich sie noch nicht gelesen habe. Warum eigentlich nicht? Ich stehe doch total auf Japan und Samurais. Herrscher der acht Inseln ist der Auftakt zu einer Reihe, von der bereits drei Titel im Original erschienen sind. Allerdings mit jeweils zwischen 200 bis 300 Seiten. Da diese Übersetzung hier 600 Seiten hat, vermute ich, dass man zwei englischsprachige Bände in einem zusammengefasst hat. Band 2 ist für Frühjahr 2018 angekündigt. Nachtrag: Jetzt wo ich das Cover hier sehe, ohne den hässlichen Aufkleber von Fischer Tor, fällt mir erst auf, dass es gar nicht dort erscheint, sondern bei Fischer Sauerländer. Steht aber im Programm bei Fischer Tor.

Am Fluss der Sterne von Guy Garvriel Kay spielt in derselben Welt wie Im Schatten des Himmels (habe ich schon angefangen und muss mal dringend weiterlesen), ist aber ebenso ein abgeschlossener und alleinstehender Roman. Ich hoffe doch sehr, dass Kay genügend Leser finden wird, damit noch mehr von ihm auf Deutsch veröffentlicht wird.

Mit Verzauberung der Schatten erscheint Band 2 der Weltenwanderer-Trilogie von V.E.B. Schwab, deren erste Band Vier Farben der Magie gerade erschienen ist. Steht auch auf meiner Leseliste (aber die ist ja bekanntlich viel zu lang, um alles zu schaffen, was darauf steht). Abgeschlossene Einzelbände haben bei mir eine höhere Priorität, scheint aber eine ganz interessante historische Urban Fantasy zu sein.

Und dann wäre da noch Band 3 der Völkerkrieg-Trilogie von Bernd Frentz.

Horror

Als ich im Februar beim Programmchef im Büro stand und das Cover zu Sinclair von Dennis Erhardt an der Wand hängen sah, dachte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Fischer Tor, mit dem wohl zurzeit anspruchsvollsten Phantastikprogramm auf dem deutschsprachigen Buchmarkt, und dann ein Roman zur trashigen Heftromanserie John Sinclair von Jason Dark! Aber warum nicht? Wenn man sich als neuer Verlag mit neuem Programm auf dem Markt festigen möchte, muss man sich möglichst breit Aufstellen und unterschiedliche Sparten abdecken. Da reicht es nicht, nur ungewöhnliche, möglichst originelle Titel zu bringen, die teilweise vielleicht nur von einigen Liebhabern wie mir gelesen werden, man muss auch andere Käuferschichten ansprechen. Zu den Romanen (Band 2 ist im Programm auch schon angekündigt), wird es auch ein Hörspiel von Dennis Erhardt geben, der ja schon viel Erfahrung mit der Inszenierung von John Sinclair hat, und den ich vor allem durch seine Adaption der Elfen-Romane von Bernhard Hennen und Dorian Hunter kenne. Da werde ich eher den Hörspielen eine Chance geben, in Buchformist John Sinlclair nichts für mich. Man merkt, ich bin nicht mit Heftromanen großgeworden (auch mit Perry Rhodan kann man mich jagen).

Und dann erscheint da noch ein ganz besonderes Schmuckstück: H. P. Lovecraft das Werk. Dabei handelt es sich um den aufwendigen Band The New Annotated Lovecraft, herausgegeben von Leslie S. Klinger. Ein wahrer Prachtband (ich habe das Original letztens mal durchgeblättert) mit zahlreichen Illustrationen, Fotografien und Anmerikungen, sowie einer Neuübersetzung durch Andreas Fliedner und Alexander Peschmann. Da ich erst kürzlich Andreas Fliedners exzellente Übersetzung von Der Fall Charles Dexter Ward gelesen habe, vermute ich mal, dass sich dieser Band auch für Lovecraft-Kenner lohnt. Geht mit 68 Euro natürlich ganz schön ins Budget, aber für Bibliophile ist diese Ausgabe vermutlich ein Muss.

Fazit

Als freier Mitarbeiter von Tor Online stehe ich dem Verlag natürlich nahe, aber ich habe ja auch schon für Cross Cult, Knaur und Heyne übersetzt. Ist man in der Branche berufliche tätig, ist es manchmal schwer, zwischen Beruf und Fans-sein bzw. dem privaten Lesen zu trennen. Meine Kommentierungen der Verlagsvorschauen versuche ich aber rein aus Lesersicht zu schreiben (und spare da auch nicht mit Kritik), und vor allem in Bezug auf meinen eigenen Lesegeschmack. Und was das angeht, gefällt mir das Progamm von Fischer Tor aktuell einfach am Besten. Während alteingesessene Verlage wie Blanvalet oder Piper etwas in ihrer Routine gefangen zu sein scheinen und wenig Aufregendes im Programm haben, wagt sich Fischer Tor immer wieder an interessante und gewagte Titel ran, die häufig durch Originalität und einen gewissen Anspruch punkten. Wie z. B. Alif der Unsichtbare oder die Lovecraft-Gesamtausgabe. Sicher gibt es auch Titel im Programm, die mich jetzt nicht so interessieren, wie die Völkerkrieg-Trilogie von Bernd Frenzen z. B. (wobei Band 1 bei mir im Regal steht), und es gibt auch Bücher, die mir nicht so gefallen haben, wie zum Beispiel das in diesem Monat erscheinende Die Überfahrt von Mats Strandberg, aber insgesamt begeistert mich die Mischung aus eher flotten Unterhaltungstiteln, originellen Werken und anspruchsvolleren Sachen, die eine große Abwechslung bietet. AutorInnen mit mehrbändigen Reihen werden konsequent gepflegt, ohne, dass man vergisst, immer wieder neue Namen mit ins Programm zu nehmen. Bei den vielen Raschen Fortsetzungen beseht natürlich die Gefahr, dass Leser, die mit den ersten Bänden nichts anfangen können, bald sagen, dass für sie nichts Interessantes im Programm sei, aber allen kann man es auch nicht recht machen. Und es gibt ja genügend eigenständige Bücher im Programm.

Für mich persönlich ist das Programm von Fischer Tor, das, an dem ich alle anderen Verlage messe (die teilweise auch sehr interessante Titel im Programm haben, wie z. b. Knaur, Heyne und Cross Cult).

P.S. schade, dass diese hässlichen gelben und grünen Tor-Flatschen mitten auf den meist schönen Covern prangen.

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Cross Cult

Die offizielle Programmvorschau von Cross Cult ist noch nicht online, aber die Titel sind schon auf der Verlagshomepage einsehbar (und ich habe schon eine vorläufige Vorschau vorliegen). Zu meiner Überraschung setzt der Verlag im Herbstprogramm zu Abwechslung mal verstärkt auf Fantasy, wobei die Genregrenzen bei manchem Titel verschwimmen, und so ganz ohne SF geht es natürlich nicht. Die Cover hier sind teilweise, glaube ich, noch nicht ganz final.

Science Fiction

Der Spitzentitel im Programm ist die Endzeitdystopie The Divided States of America, in der sich die Vereinigten Staaten von Amerika nach einem verheerenden Anschlag gar nicht mehr ganz so einig sind. Genaueres weiß ich noch nicht über den Titel, aber anders als viele andere Endzeitgeschichten, erzählt er wohl von dem Zusammenbruch der Zivilisation selbst (ähnlich wie Marc Elsberg im ausgezeichneten Blackout– Nr. 10 in der Liste) , also jenem Szenario, auf das sich so viele Preper in den USA mit Bunkern im Garten, Waffen im Keller und Nahrungsmitteln in den Vorratsräumen vorbereiten.

Mit Das Buch des Phoenix erscheint (nach Lagune und Wer fürchtete den Tod) bereits der dritte Titel von Nnedi Okorafor bei Cross Cult, die bevorzugt auf ein afrikanisches Setting setzt. Dieses Mal geht es um genetische Experimente und übernatürliche Fähigkeiten. Da mir Lagune sehr gut gefallen hat, bin ich auch auf dieses Buch gespannt. Nnedi Okorafor wird 2017 übrigens auf der Frankfurter Buchmesse sein und bei den Dragon Days in Stuttgart (Tad Williams übrigens auch).

Nach dem Erfolg der Trilogie um Die Welten der Skiir (DSFP für Prinzipat), wird es mit Die Reise der Scythe: Aszendenz den Auftaktband zu einer zweiten SF-Trilogie vom Hans Dampf in allen Gassen der deutschen Science Fiction Dirk van den Boom geben. Ob es in dieser Space Opera endlich um Außerirdische gehen wird, die auf der Erde einfallen, um uns alle Hawaiihemden zu klauen … wer weiß. 😉

Außerdem sind noch einige Star Trek-Romane dabei (unter anderem von David Mack), sowie ein Doctor Who-Kurzgeschichtenband (in dem der von mir verehrte Nick Harkaway vertreten ist).

Fantasy

Hah, ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, dass The Vagrant von Peter Newman auf Deutsch erscheinen würde. Als es 2015 im Original rauskam, habe ich es nach Lektüre einer begeisterten Rezension sofort auf meinen Kindle geladen und an einem Wochenende ebenso begeistert verschlungen. Hier meine Kurzkritik von damals:

Ein wilder Mix aus Fantasy und Science Fiction, in dem ein stummer Held mit Schwert, Baby und störrischer Ziege an der Leine durch eine von Dämonen eroberte und dementsprechend düstere Welt zieht. Ein englischsprachiger Rezensent hat Newmans Schreibstil als »stark« bezeichnet, was man in diesem Fall am ehesten als »schroff« übersetzen könnte. Es ist auf jeden Fall ein ungewöhnlicher (aber durchaus lesenswerter) Stil, der hervorragend zum Inhalt passt. Um diese Mischung inhaltlich einzuordnen, würde ich als Vergleichsreferenzen am ehesten Kings Der dunkle Turm, McCarthys The Road, Gemmels John Shannow und Warhammer heranziehen.

Cross Cult bringt direkt alle drei Romane, also auch The Malice (Arglist) und das gerade auf Englisch erschienene The Seven (Sieben) im halbjährlichen Rhythmus. Beide Daumen hoch dafür von mir.

Zum Newman passt auch dieser Klassiker der Fantasyliteratur, der auf Deutsch sehr lange vergriffen war (meine Knaur-Ausgabe im Regal ist von 1984, der letzte Sammelband ist wohl von 1990). Fred Saberhagen dürfte nur noch den älteren Kennern der Fantasy ein Begriff sein. Gelesen habe ich Das erste Buch der Schwerter übrigens noch nicht gelesen (Schande über mein Haupt, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Knaur-Ausgaben von damals nicht gekürzt sind).

Dass Cross Cult Marie Brennans Die Naturgeschichte der Drachen im Programm hat, überrascht mich besonders, kann man doch hier keine Brücke über Endzeit zur SF schlagen, wie bei den beiden obigen Titeln. Aber eine positive Überraschung. Band 2 soll dann im März 2018 erscheinen.

Hollow Earth: Dämonenfalle von John und Carol E. Barrowman scheint mir Urban Fantasy vom unter den Geeks besonders beliebten Schauspieler John Barrowman (Doctor Who, Arrow) und seiner Schwester zu sein. Eher nix für mich.

Daneben gibt es mit Die Jünger des Judas von Steve Savile noch einen Thriller im Programm, der mir in Richtung Steve Berry oder Clive Cussler zu gehen scheint. So was lese ich ja eigentlich ganz gerne, wenn es nicht zu plump daherkommt. Über die Belagerung der Festung von Masada habe ich mal eine Doku übersetzt. Ein interessantes Bauwerk mit einer spannenden Geschichte.

Kurzkritiken: Cleave, Louis, Gregory, Thiemeyer und Kiernan

Liebe in diesen Zeiten (Everyone Brave is Forgiven) – Chris Cleave (Übersetzung Susanna Goga Klinkenberg)

Chris Cleave kann schreiben (und Susanna Goga-Klinkenberg übersetzen). Hier stimmt jedes Wort, jeder Satz ist unterhaltsam, jeder Dialog vom trockenen oder bissigen bis schwarzen britischen Humor geprägt. Jede einzelne Figur entwickelt schon nach wenigen Worten eine eigene Persönlichkeit. Und Cleave findet genau den richtigen Ton für und die richtige Balance zwischen Komödie, Romanze und den herzergreifend tragischen Schicksalen während des Zweiten Weltkriegs.

Im Prinzip geht es um eine Dreiecksgeschichte während des Zweiten Weltkriegs, in der wir die tragischen Schicksale der drei Protagonisten während des Blitz in London (als die Bomben fallen und alles in Schutt und Asche versinkt) und des Kriegseinsatzes in Frankreich und auf Malta verfolgen. Der Star des Buches ist sicher die unerschütterliche und unermüdliche junge Mary North, die sich für den Kriegseinsatz meldet, unfreiwillig Lehrerin wird, Spaß an der Sache findet und nach dem fast alle Kinder aus London evakuiert wurden, mit denen zurückbleibt, die keiner will, mit Behinderungen, Beeinträchtigungen, schwarzer Hautfarbe und anderen „Makeln“, die die armen Kleinen in der versnobten britischen Gesellschaft zu einem Club der Verlierer abstempeln.

Das Ende von Eddy (En finir avec Eddy Bellegueule) von Éduard Louis (Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel)

Ähnlich wie Didier Eribon (dem das Buch auch gewidmet ist) in Rückkehr nach Reims, erzählt Édouard Louis von der schwierigen Kindheit eines homosexuellen Außenseiters in einfachen (sozial Schwachen) Verhältnissen auf dem Land in Frankreich. Obwohl viele Jahrzehnte zwischen Eribons und Louis‘ Kindheit liegen, scheint sich nicht viel verändert zu haben. Rassismus, Intoleranz, Gewalt, Hass auf die da oben, Städter, feine Pinkel und alle, die anders sind.

Ich bin zwar in auf einem Dorf aufgewachsen, aber die Lebensverhältnisse, die Louis hier schildert, keine Glühbirnen auf den Zimmern, kein Teppichboden, kaum Türen im Haus, dafür jede Menge Schimmel und Feuchtigkeit, sind ziemlich schockierend. So etwas hätte ich eher in den 50er Jahren vermutet. Dass so was vereinzelt noch vorkommt, klar, aber so massiv in so vielen Haushalten in einem Dorf … Dazu die alltägliche Gewalt, der Eddy an der Schule ausgesetzt ist, das konstante Mobbing der gesamten Dorfgemeinschaft (auch wenn es nicht immer böse gemeint ist) und sogar aus seiner Familie. Das alles schildert Louis beeindruckend und bewegend, in einer einfachen aber effektiven Sprache, ähnlich wie Eribon, nur ohne die soziologische Analyse und etwas unmittelbarer, weil er direkt aus der Kindheit erzählt.

Es gibt aber auch Widersprüche in der Geschichte. Auf der einen Seite heißt es, sie hätten kein Telefon zuhause, weshalb Eddy stundenlang in der Telefonzelle mit seiner Freundin telefoniert hätte, ein paar Seiten später ruft ihn dann seine Mutter abends zuhause an, um Bescheid zu geben, es würde etwas später werden.

Ein heftiges, brutales und schonungsloses Buch über einen Teil der Gesellschaft, der vermutlich so gut wie allen die zu dem Buch greifen oder meinen Blog lesen vollkommen fremd sein mag. Jenem Teil der Gesellschaft, der nach der Wahl Trumps in den USA und den aktuellen Erfolgen des Front National (zumindest in der Auslandspresse) wieder viel Aufmerksamkeit erhält, ohne das er aber wirklich verstanden wird.

Die Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel liest sich ausgezeichnet, vor allem auch in Bezug auf die Schimpfworte und Umgangssprache, da ich die Sprache gerade lerne, freut es mich auch, dass er einige interessante Begriffe auf Französisch erklärend im Text belassen hat.

After Party von Daryl Gregory (Übersetzung Frank Böhmert)

Neurochemikerin verlässt auf eigene Verantwortung die Psychiatrie, um herauszufinden, wer plötzlich wieder die Droge auf den Markt bringt, die sie überhaupt erst in die Geschlossene gebracht hat und an deren Herstellung sie mitgewirkt hat. Eine Droge, die dafür sorgt, dass einem Gott erscheint (bei jedem in einer anderen Manifestation) und nicht mehr verschwinden will. Daraus entwickelt sich dann eine Mischung aus Gangsterstory und Road-Movie, die mir für meinen Geschmack anfangs zu ziellos dahinplätschert. Erst gegen Ende, wenn die Storyfäden um die titelgebende Afterparty zusammenlaufen und sich die Geschichte als Krimi entpuppt, kommt sie so richtig in Fahrt. Schlecht fand ich das Buch nicht, aber meine hohen Erwartungen hat es auch nicht erfüllt. Dafür wird nicht genügend auf diese wirklich interessante Droge eingegangen, die zwar kein McGuffin ist, aber von der ich mir gewünscht hätte, dass der Autor etwas näher auf sie eingeht, bzw. sie zu einem zentraleren Bestandteil der Geschichte macht. Der letzte Teil des Buches mit dem Mädchen hat mir richtig gut gefallen. Auf den ganzen Gangsterkram hätte ich aber gut verzichten können. Da hat mir Harrison Squared von Gregory deutlich besser gefallen. Die Übersetzung von Frank Böhmer liest sich ganz ausgezeichnet mit prägnanten kurzen Sätzen, genau auf den Punkt geschrieben.

Babylon von Thomas Thiemeyer

Seit Medusa 2004 erschien, bin ich Thomas Thiemeyer in seinen Einzelromanen aber auch bei seiner Reihe um die Archäologin Hannah Peters treu geblieben, auch wenn mir der Band 3 Valhalla nicht so gut gefallen hat, da dort viel zu viel Wert auf die rasante aber auch oberflächliche Action gelegt und die wirklich interessante Hintergrundgeschichte völlig vernachlässigt wurde. Aber Babylon dürfte mein Abschiedsband gewesen sein. Auch dieses Buch beginnt als rasanter Actionroman, in den Thiemeyer mit dem Handlungsort Syrien und in Form eines IS-Schergen noch eine politische Komponente einbaut, doch leider bleibt diese auf dem Niveau eines amerikanischen B-Actionmovies. Und im letzten Drittel dreht die Geschichte dann vollends Richtung Erich von Dänniken ab. Und das Ende sorgt dafür, dass alles, was vorher passiert ist, im Prinzip für die Katz war, und dass es mir als Leser völlig egal ist, was mit den Figuren passiert. Die ersten beiden Drittel des Buchs habe ich immerhin noch flott weggelesen, ohne mich zu langweilen, doch als es dann Richtung Präastronautik und Esoterik ging, musste ich mich regelrecht durch das Buch quälen. Da hat jeder Satz wehgetan. Wobei ich es gar nicht prinzipiell ablehne, wenn ein Abenteuerthriller völlig ganz phantastisch wird (wie z. B. Korona), aber das hier ist einfach nur inkohärenter Murks.

Agents of Dreamland von Caitlan R. Kiernan

Eine Tor.com-Novelle, die im englischsprachigen Raum viel Lob erhalten hat. Von der Form her ist das Buch auch ganz wunderbar geschrieben und konstruiert, sprachlich auf höchstem Niveau, allein die Akte-X-artige Geschichte, mit Lovecrafteinflüssen konnte mich nicht so richtig packen. Ob es an der unkonventionellen Erzählstruktur lag? Ich weiß es nicht. Auch wenn es nicht schlecht zu lesen war.

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Knaur

Leider hat Knaur die Cover noch nicht zum Download auf der Verlagshomepage, deswegen muss diese Programmvorschau ohne bunte Bilder auskommen. Hier kann man sich das Programm als PDF (mit den Cover) runterladen.

Science Fiction

An Science-Fiction findet man nicht viel im Programm, Jason M. Hughes Fortsetzung von Darwin City, mit dem Titel Exodus Towers (wieder von Simone Heller übersetzt). Thematisch klingt es für mich eigentlich interessant, aber beide Bücher haben über 600 Seiten, und da es ja die Dire Earth-Trilogie ist, wird wohl auch noch ein dritter dazu kommen. Warum können sich die Autoren nicht kürzer fassen? Mal sehen.

Der zweite SF-Titel im Programm ist die Jugenddystopie Arena von Holly Jennings. Die Geschichte über eine Gladiatorenliga in der virtuellen Realität spricht mich jetzt nicht so wirklich an.

Fantasy

Der interessanteste Titel im Programm dürfte Das Lied der Krähen (Six of Crows) von Leigh Bardugo sein, das in den USA wohl ein ziemlicher Hit war. Scheint mir Rollenspielgruppen-Heist-Fantasy zu sein. Soll eine Duologie (mit Crooked Kingdom) in der gleichen Welt wie die Grisha-Trilogie sein, aber offenbar eigenständig. Merke ich mir mal vor.

Schattenprinz von David Gemmell habe ich schon in der alten Bastei-Ausgabe im Regal stehen, aber schön, dass die Drenai-Saga weiter neu aufgelegt wird. Ein echter Klassiker, der unter der ganzen anderen Fantasy der 80er Jahre aus der Reihe tanzt (zusammen mit Glen Cooks Black Company). Als Nächstes müsste dann Waylander folgen.

Schattendiebe von Hanna Kuhlmann hat den Indie-Autoren-Preis 2016 gewonnen. Der Klappentext über Diebe, Könige und Götter (falls es da einen Unterschied gibt) spricht mich jetzt nicht so an.

Sehr schön, Fran Wildes Updraft hat einen deutschen Verlag gefunden und wird unter dem Titel Stadt aus Sand und Knochen erscheinen. Der Roman hat im Original für einiges an Aufsehen erregt und auch mich neugierig gemacht.

Und dann wäre da noch Markus Heitz‘ Wedora-Fortsetzung Schatten und Tod. Mit Heitz habe ich es ein paar Mal versucht, aber seine Schreibe ist einfach nicht meins.

Auch fortgesetzt wird Ju Honischs Seelenspalter mit Blutfelsen, und Fechter und Feiglinge ist bereits der dritte Band Der Gilde der Duellanten von Julia Knight.

Und auch Michael J. Sullivans Zeit der Legenden wird mit dem zweiten Band Zeitenfeuer (übersetzt von Marcel Aubron-Bülles) weitergepflegt. Ich bin ja seinerzeit nicht in seine erste Riyria-Saga reingekommen, da mir Band 1 (Der Thron von Melengar) irgendwie zu albern und seicht erschien. Zeitenfeuer hat ein tolles Cover (das ich hier gerne gezeigt hätte), genau solche exotischen Panoramen sind es, die mich auf ein Fantasybuch neugierig machen, mich in fremde Welten locken und Abenteuer verheißen.

Und auch Ken Lius Das Schwert von Dara erhält eine Fortsetzung, genauer gesagt sogar zwei, da man The Wall of Storms in zwei Bände aufteilt (Die Götter von Dara und Die Stürme von Dara. Ich kann ja verstehen, warum Verlage aus einem Buch zwei machen (die Rechte und auch die Übersetzung müssen finanziert werden) – und besser, als wenn es gar nicht erscheinen würde; Band 1 scheint nicht wirklich viel Interesse erregt zu haben (nur zwei Amazonrezensionen). Aber Fantasy als Hardcover hat es auch schwer, da geht es wohl vielen wie mir, für die das traditionell einfach ein Taschenbuch- und inzwischen Paperbackgenre ist. Und 40 Euro für Band 2 sind da nicht so wirklich reizvoll. Den großartigen ersten Band habe ich direkt nach Erscheinen im Original gelesen (im Hardcover für 27 Euro!, da war ich superneugierig drauf), lange bevor eine deutsche Veröffentlichung feststand. In der Sprache werde ich dann wohl auch Band 2 lesen. 40 Euro für ein Buch geht einfach über mein Budget bzw. dem, was ich mir unter einem vernünftigen Buchpreis vorstelle (deswegen habe ich auch nicht viel von Klett Cott bzw. der Hobbit Presse im Regal stehen, auch den nächsten Tad Williams, der gesplittet wird, werde ich dann lieber im Original lesen). Das sind zumindest die Gründe, die ich dahinter vermute, warum es zu dem Buch so wenig Rückmeldungen gibt, aber vielleicht liegt es auch an dem ungewöhnlichen Szenario und der komplexen und distanzierten Erzählweise, die für mich persönlich Pluspunkte sind. Aber ich habe auch Bekannte, die daran gescheitert sind.

Da blutende Land von Klaus N. Frick, da bin ich einfach neugierig, was der Perry-Rhodan-Chefredakteur so drauf hat, die Synopsis liest sich auch herrlich altmodisch.

Fantasymäßig ist Knaur richtig gut aufgestellt, mit einer ausgewogenen Mischung aus Fortsetzungen (also dem Aufbau von Autoren) und Titeln von neuen AutorInnen. Die sowieso nie stark vertretene Science-Fiction scheint man weiter zurückzufahren. Die Fortsetzung von The Ark – Die letzte Reise der Menschheit wird wohl nicht auf Deutsch erscheinen (und falls doch, dann nicht von mir übersetzt, denn ich weiß von nichts), unter den am Ende der Programmvorschau aufgeführten Top-Titeln ist The Ark nicht dabei.

Na, wie auch immer, in Bezug auf Fantasy kann man das Programm von Knaur weiterhin im Auge behalten, da die Linie mit einer Mischung aus originellen und eher mainstreamigen Fantasytiteln weiter beibehalten wird, und es auch wieder einige Überraschungen im Programm gibt. Ein paar Titel habe ich mir vorgemerkt, aber das habe ich auch mit Titeln aus dem letzten Herbstprogramm gemacht, die ich immer noch nicht gelesen habe (es erscheinen eindeutig zu viele interessante Bücher 😉 )

Je mehr Programmvorschauen der großen Genreverlage ich mir durchschaue, desto mehr scheint sich der Trend zu Science Fiction (den ich vor einem Jahr meinte, erkannt zu haben) wieder zu verflüchtigen. Warum das der Fall ein könnte, habe ich hier schon mal ausgeführt (allerdings vor den aktuellen Programmvorschauen).

Heyne bleibt gewohnt stark in der Science-Fiction, bei Blanvalet ist sie ganz verschwunden, Piper bringt zumindest weiterhin seine inzwischen etablierten Autoren. Knaur scheint jetzt fast ganz auf Fantasy zu setzen, Fischer Tor bleibt seiner bisherigen Linie treu und hat mit Scalzi und Chambers auch wieder lupenreine SF im Programm (die Vorschau ist noch nicht online, aber auf Amazon kann man sich die Titel ansehen). Und Cross Cult, die klassische Fantasy ( bisher gemieden haben, wie der Teufel das Weihwasser, setzen ab Herbst verstärkt auf Fantasy und haben neben Dirk van den Boom und den Franchise-Titeln kaum noch SF im Programm (auch hier gibt es noch keine Vorschau, aber die Titel stehen schon auf der Verlagsseite). Wobei mancher Fantasytitel mehr SF enthält, als man auf den ersten Blick glauben mag. Und Claudia Kerns „Divided States of America“ soll auch SF sein.

Und man darf nicht vergessen, dass aktuell viel SF in allgemeinen Reihen außerhalb der Genreprogramme erscheint. Blake Crouchs Dark Matter (Goldmann) erhält zum Beispiel aktuell viel Aufmerksamkeit von den Medien (gerade heute eine Besprechung in der Rhein-Zeitung gelesen).

Reread: „Die Fernen Königreiche“ von Allan Cole und Chris Bunch

Das Buch versprüht Abenteuergeist und Sense of Wonder, wie sie mir bei neueren Fantasywerken schon seit vielen Jahren nicht mehr untergekommen sind. Schuld daran sind die reichhaltige Phantasie der Autoren und ihre Fähigkeit, sie so in Worte zu fassen, dass vor dem geistigen Auge des Lesers ein prächtiges Panorama entsteht, das einen förmlich mit hinein in das große Abenteuer zieht. Die Geschichte steckt voller Magie und Zauberei, auch wenn es stellenweise schon zu viel des Guten ist, denn gelegentlich kommt die Zauberei zu bequem und einfach daher, auch wenn sich die Autoren immer wieder kreative Zauber einfallen lassen.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Kaufmannssohn Amalric Antero – der sich zunächst einer verführerischen und zwielichtigen Kurtisane verfällt, die ihn an den Rand des finanziellen und moralischen Ruins treibt – und seines Freundes, des ehrgeizigen Hauptmann Janos Greycloak, der davon träumt, die legendären Fernen Königreiche zu entdecken und ihnen die Geheimnisse der Zauberei zu entreißen. Ihre Expedition führt sie durch eine Fülle an exotischen und gefährlichen Orten, die von Kannibalen, Sklavenhändlern, untoten und bösen Zauberern bevölkert sind.

Im ersten Teil folgt der Roman – nach dem etwas langatmigen Einstieg, der aber auch das Setting für die spätere Komplexität der Geschichte legt – einer klassischen Abenteuerreise, auf der die Gefährten viele Gefahren mit Witz und Entschlossenheit zu meistern haben, doch im zweiten Teil kommt es zu einem Bruch, der der Geschichte deutlich mehr an Tiefe verleiht. Da geht es um die Rechte von Frauen und Sklaven, soziale Gerechtigkeit ganz allgemein und eine unverhoffte Revolution gegen die traditionelle Autokratie der Geisterseher. Letztere sind im Prinzip die Zauberherrscher von Amalrics Heimatstadt Orissa.

Später geht es dann erneut auf Abenteuerreise, wobei die Geschichte dort dann ein wenig stärker in klassische Fantasybahnen gelenkt wird, die in den ersten beiden Dritteln des Buches geschickt umschifft wurden. Doch diese Wende erhält die Gesamtgeschichte auch deutlich mehr an Komplexität und wird zu einem stimmigen Ganzen abgerundet.

Die Fernen Königreiche gehört definitiv in die Reihe jener Fantasybücher aus den 80er und 90er Jahren, die es verdient hätten, wieder neu aufgelegt zu werden. Für mich ist es gut gealtert, und obwohl ich inzwischen unzählige Fantasybücher gelesen habe, und um 20 Jahre erfahrener bin, hat mich das Buch auch bei der Zweitlektüre wieder gepackt und staunend und mitfiebernd auf eine Abenteuerreise geschickt.

Gelesen habe ich es, wie bei der Erstlektüre über Ostern, und damals vor über 20 Jahren bin ich tief in diese Abenteuergeschichte, die ganz ohne Elfen, Orks und Zwerge auskommt, eingetaucht und habe sie gierig fast an einem Stück verschlungen. Damals trug ich auch noch nicht so viel Gepäck mit mir herum, die Zahl der zuvor gelesenen Fantasybücher befand sich noch im zweistelligen Bereich, weshalb diese Welt besonders exotisch und aufregend auf mich wirkte. Doch auch heute, mit an die 1.000 gelesenen Fantasybüchern, hat die Geschichte nichts von ihrer Kraft verloren und konnte mich erneut schwer begeistern. Dieses Mal las ich sie mit anderen Augen, hatte einen Blick für Tiefen, die mir damals entgangen sind, und habe ein anderes Buch gelesen, dass mir aber kein bisschen weniger gut gefallen hat.

Meine Ausgabe ist von 1994 (2005 gab es nochmal Doppelbände bei Blanvalet), in der guten Übersetzung von Jörg Ingwersen, erschienen bei Goldmann (die damals noch ein aufregendes Fantasyprogramm hatten), mit einem opulenten Cover, das einen förmlich auf diese Abenteuerreise lockt. Das Original erschien 1993, verfasst vom Autorenduo Allan Cole und Chris Bunch (Die Sten-Chroniken), die noch zwei weitere Bücher in dieser Welt geschrieben haben. In Band 2, Das Reich der Kriegerinnen geht es um Amalrics Schwester, die auch in Die Fernen Königkreiche eine kleine Rolle spielt. Und in Das Reich der Finsternis bricht Almaric Antero fünfzig Jahre nach den Ereignissen von Band 1 wieder zu einem Abenteuer auf. Der vierte Band der Reihe, Die Rückkehr der Kriegerin, in dem wieder Almarics Schwester Rali die Hauptrolle spielt, wurde von Allan Cole alleine verfasst, da sich die beiden Autoren/Schwager zerstritten hatten. Leider merkt man das diesem Band an, der die Qualität der drei Vorgänger nicht halten kann. Chris Bunch verstarb 2005.

Aktuell wird wieder einiges an Fantasy aus den vergangenen Jahrzehnten neu aufgelegt (Shannara, Amber, Midkemia, Gemell usw.), und meiner bescheidenen Meinung nach (auch wenn ich mich wiederhole), ist es an der Zeit, auch diese abgeschlossenen Einzelbände der vierteiligen Reihe in einer ansprechenden Neuauflage herauszubringen. Denn, wie ich oben schon erwähnte, solche Abenteuerfantasy abseits der üblichen Genreklischees, ohne Grim-and-Gritty-Einschlag, ohne allzu komplizierte politische Ränke und Intrigen, aber dafür mit ganz viel Sense of Wonder und einer gewissen Leichtigkeit, findet man heute nur noch selten.

Und hier noch ein Link zum Vertiefen: In einem Beitrag zu dessen 70. Geburtstag geht Gero auf der Bibliotheka Phantastika etwas näher auf das Werk von Allan Cole ein.

Gero schreibt unter anderem:

The Far Kingdoms ist vor allem in Anbetracht seines Erscheinungsjahrs ein ungewöhnliches Buch, dessen Vorbilder viel mehr beim klassischen Abenteuerroman oder Filmen wie The 7th Voyage of Sinbad zu finden sein dürften, als bei der klassischen High Fantasy à la Tolkien. Von daher wirkt der Roman ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, auch wenn er als Fantasy-Abenteuerroman hervorragend funktioniert. Und da Cole/Bunch klug genug sind, die Veränderungen zu zeigen, die ihre Reisen und Erlebnisse bei Amalric Antero und Janos Greycloak bewirken, ist The Far Kingdoms sogar noch ein bisschen mehr als einfach nur ein Abenteuerroman.

Weitere Rereads:

Der Drachenbeintrohn von Tad Williams

Helle Barden von Terry Pratchett

Mond über Manhattan von Paul Auster

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Blanvalet

Letztens, in meinem Beitrag Trend zur Science Fiction? Ein kleines Zwischenfazit schrieb ich: „Im Prinzip kann man Blanvalet in Bezug auf Science Fiction abschreiben.“
Das gilt auch für die aktuelle Programmvorschau, bis auf ein wenig Star Wars ist da nichts in Richtung SF dabei (was jetzt nicht so schlimm ist, da man sich aktuell nicht über das SF-Angebot anderer Verlage beklagen kann). Und wer sich nur für phantastische Literatur interessiert, muss sich trotzdem durch die komplette Taschenbuchvorschau mit allen Genres kämpfen, da die Fantasybücher munter darüber verstreut sind. Hier kann man sich das Programm als PDF runterladen.

Was Star Wars angeht, kehrt Timothy Zahn zu seiner berühmtesten Figur – Admiral Thrawn – zurück. Der geniale Stratege war der große Widersacher in seiner Thrawn-Trilogie, die 1993 mit Band 1 Erben des Imperiums direkt an den Film Die Rückkehr der Jedi-Ritter anknüpfte und die ursprüngliche Trilogie in Buchform im sogenannten Expanded Universe (in dem unzählige Bücher erschienen sind) fortsetzt. Dieser offizielle von Lucasfilm abgesegnete Kanon ist durch die Filmfortsetzung The Force Awakens für null und nichtig erklärt worden (was nicht wenige Fans der Bücher verärgert hat). Jetzt gibt es einen Reboot des Expanded Universe (unter anderem mit Romanen von Chuck Wendig), in dem man scheinbar nicht auf den berühmten Admiral verzichten möchte. Andererseits sind die Kritiken bisher wirklich gut ausgefallen, für die Vorgeschichte Thrawns.

Fantasy

Während die (für mich doch sehr enttäuschende TV-Serie) The Shannara Chronicles weiterläuft, setzt Blanvalet auch die Neuauflage der Bücher von Terry Brooks mit die Erben von Shannara fort. Schön, dass zumindest diese klassische Reihe weiterhin in Printform gepflegt wird.

Forstsetzungen gibt es von Bernard Trecksel mit Nebeljäger (nicht zu verwechseln mit Band 1, Nebelgänger) und Daniel Arenson mit Die Nacht des Feuers (Drachenlied 3). Beides Reihen, die mich nicht interessieren, mit Arensons erstem Band haben wir uns mal vor etwas mehr als zwei Jahren auf einem Übersetzungsworkshop beschäftigt, an dem auch Übersetzer Jörg Pinnow teilgenommen hat (ich weiß noch, das die Bestürzung groß war, als wir erfahren haben, dass die Maus sterben würde). Scheint mir eher was für LeserInnen zu sein, die noch nicht so viel Fantasy gelesen haben.

Zu John Gwynnes Reihe Die Getreuen und die Gefallenen erscheint Band 1 (Macht) erst im Juni, hier im Programm werden schon die Teile 3 und 4 angekündigt, Übersetzer Wolfgang Thon muss im Akkord arbeiten, haben die vier Bände doch alle zwischen 700 bis 1.000 Seiten. An der Reihe bin ich vom Inhaltlichen her gar nicht uninteressiert, aber um die 3.000 Seiten innerhalb von weniger als einem Jahr ist mir dann doch zu viel. Mal sehen, wie die Kritiken ausfallen werden. Für Gwynne habe ich mich schon interessiert, als Band 1 seinerzeit im Original erschienen ist. Ich muss ja nicht alle auf einmal lesen. Antesten reicht ja auch.

Karla Paul schrieb kürzlich auf Twitter: „Werde in Zukunft kein Buch mehr lesen, bei dem der Verlag nicht ordentlich Reihe & Reihenfolge vermerkt hat! Leserverarsche, my ass .. 😠“ Der Verrat des Inquisitors von Frank Rehfeld scheint so ein Fall zu sein. Auf Amazon wird Der Weg des Inquisitors als (Inquisitor 1) bezeichnet, im Katalog gibt es, bis auf ein kleines Bildchen von diesem Buch keinen Hinweis darauf, ob es sich tatsächlich um Inquisitor 2 handelt. Dabei steht auf der gleichen Seite bei Terry Goodkinds Das Herz des Bösen extra Die Legende von Richard und Kahlan 4 dabei. Warum so unterschiedliche Kennzeichnungen? Auf der Randomhoushomepage steht doch auch Inquisitor 2 dabei. Hat vermutlich was mit dem Marketing zu tun, so richtig verstehe ich es aber nicht.

Was den Goodkind angeht, da bin ich schon vor vielen Jahren bei Band 11 vom Schwert der Wahrheit (Die Schwestern der Finsternis) ausgestiegen. Hätte die Endlosgeschichte um Richard und Kahlan (deren ersten Bände zu meinen liebsten Leseerlebnissen meiner Jugendjahre gehören) nicht schon längst abgeschlossen sein sollen? Oder hat Terry Goodkind (wie so viele Fantasyautoren, wie z. b. Raymond Feist, R. A. Salvatore usw.) gemerkt, dass er, nachdem er über viele Jahre nur in diesem einen Fantasyuniversum schrieb, seine Leser so darauf konditioniert sind, dass er nichts anderes verkauft bekommt? Versucht hat er es ja.

Mal eine kurze Abschweifung:

Ich habe den Eindruck, dass so mancher Fantasyautor (vor allem aus den 80er und 90er Jahren) in seiner erfolgreichsten Fantasywelt versackt ist, und entweder nichts anderes schreibt, weil sein Verlag darauf besteht bzw. seine LeserInnen eben nichts anderes lesen wollen, oder es als zu schwierig erscheint, etwas Neues zu versuchen. Das hängt natürlich auch mit der Höhe der Vorschüsse zusammen, die ein Bestsellerautor wie z. B. Terry Goodkind (NY-Times-Besteller) erhält, da ist es den Verlagen zu riskant, so viel Geld für ein Experiment auszugeben, und der Autor ist natürlich an solche Honorarhöhen gewöhnt. Raymond Feist sagte mir mal vor einigen Jahren in einem Interview, dass er gerne mal Science Fiction schreiben würde, sein Verlag aber was dagegen hätte.

Inzwischen scheinen mir die AutorInnen (vor allem auch die deutschsprachigen Fantasyautoren) diversifizierter an die Sache ranzugehen; Reihen werden eher erst mal (wenn überhaupt) nur für maximal drei Bände geplant und unter Pseudonym noch andere Sachen (andere Genres oder andere Fantasywelten) geschrieben. Markus Heitz ist da vermutlich ein gutes Beispiel. Bernhard Hennen hat etwas länger gebraucht, um auch (wieder!) abseits seiner Elfen-Romane zu schreiben. Und die jüngeren Autorengenerationen scheinen generell breiter (bzw. pragmatischer) aufgestellt zu sein, denn so ein großer Erfolg, wie einst Hennen und Heitz im Zuge des Völkerfantasybooms blieb ihnen bisher verwehrt (bzw. hat seitdem nicht mehr stattgefunden).

Abschweifung Ende

Anna Stephens Wölfe und Wächter, sagt mir nichts, aber entflohene Sklaven und Sklavinnen scheinen aktuelle wieder hoch im Kurs zu stehen, die sind mir in den anderen Programmen auch begegnet. Seher und Vision sind eigentlich nicht so mein Ding. Mal abwarten.

Die Sarantium– … Reihe? Trilogie? Erscheint im Monatsrhythmus, die ersten beiden Bände waren vorher allerdings schon bei Penhaglion im Programm, Band 3 (Die Götter) ist eine Erstveröffentlichung (da freuen sich die Sammler, die Wert auf eine einheitliche Reihengestaltung legen und schon die beiden Bände von Penhaglion im Regal stehen haben 😉 ) aber immerhin wird die Reihe jetzt fortgesetzt (nur leider nicht von Meike Claußnitzer weiterübersetzt). Die englische Originalfassung von Band 3 (Redemption) ist auch erst im November 2016 erschienen. Ist vielleicht noch unklar, ob da noch mehr kommt.

Mit Die verlorene Legionen geht Die Brücke der Gezeiten von David Hair bereits in die siebte Runde (im Original sind es nur vier), aber immerhin wird die Reihe komplett durchgezogen und scheint sich gut genug zu verkaufen. Gelesen habe ich noch nichts von Hair, bin aber neugierig. Jetzt wo absehbar ist, dass die Reihe auch auf Deutsch abgeschlossen wird, behalte ich sie mal im Hinterkopf.

Die Feuerdiebin von Arthur Phillips scheint die Fortsetzung von Die Dunkelmagierin zu sein, zumindest steht auf der Verlagshomepage, dass es sich um Der graue Orden 2 handeln soll, im Katalog kein Wort davon. Sollen die BuchhändlerInnen das bei ihren Vorbestellungen etwa nicht wissen. 😉 Um den Verlag zumindest ein wenig in Schutz zu nehmen, sollte ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass sich Buchhandlungen unheimlich schwer damit tun, Bücher von Autoren zu bestellen, deren erstes Buch sich nicht gut verkauft hat (daher auch die vielen Pseudonyme, mit denen die Verlage so manchem Autor zu einer zweiten Chance verhelfen, wie z. B. Daniel Abrahm/Hanover). Das bei einem späteren Band einer zusammenhängenden Serie allerdings zu verheimlichen, ist nicht die feine Art. Hier wurde es allerdings auch bei Band 1 in der Vorschau schon nicht erwähnt.

Alexis Royce Die Todbringerin, super, noch eine Frau im Programm – dachte ich auf den ersten Blick (siehe Wo sind die Frauen?), doch dann blickte ich auf die Biografie links unten und sah, dass man dort verkündet, dass es sich dabei um den Spiegel-Bestsellerautor Royce Buckingham (Die Karte der Welt, fand ich ganz okay) handelt. „Sein erstes Buch für weibliche Fantasyfans“ heißt es dort. Warum eigentlich? Weil die Hauptfigur eine Frau ist? Die Karte der Welt hat 50 Amazonbesprechungen erhalten, darunter nicht wenige, die als weibliche Nicknames zu erkennen sind, wie z. B. Lillys Books, Mimi oder Kaugummiqueens Bücherstube. Das Geschlechterverhältnis scheint mir zumindest ausgeglichen zu sein. Aber anscheinend traut man den Leserinnen nicht zu, sich ein Buch von einem Autor zu kaufen, und den Männern nicht, ein Buch mit weiblicher Hauptfigur. Also muss ein weibliches Pseudonym her, aber den Buchhändlern will man natürlich nicht verschweigen, dass es sich hier um einen Spiegel-Bestsellerautor handelt. Wie das im Original aussieht, weiß ich nicht, da habe ich noch keine Ankündigung für das Buch finden können, nur die Meldung vom Dezember 2016 auf Royce Buchinghams Facebookseite, dass er mit Princess Assassin jetzt fertig sei. Von einem Pseudonym steht da nichts, aber so Sachen müssen natürlich mit dem Autor abgesprochen werden (siehe Daniel Abraham bzw. Hanover). Trotzdem schade, dass man hier immer noch diese eingefahrenen Geschlechterklischees findet.

Fantasy für Frauen?

Bei Durchsicht der Programme (nicht nur bei Blanvalet) fällt mir immer wieder die Formulierung Fantasy für Frauen auf, aber nie Fantasy für Männer (da steht dann höchsten Heroic Fantasy). Für Männer scheint dann doch schon negativ besetzt zu sein, weil man sich darunter wohl Fantasy mit einer wikingerartigen Horde aus bärtigen, muskelbepackten und wild grunzenden Männern vorstellt, die plündernd, brandschatzend und vergewaltigend von Dorf zu Dorf zieht, und dabei ihren Feinden die Körperteile einzeln abhackt, damit sie besser in deren Blut baden kann.

Entweder glaubt man, Fantasy allgemein sei was für Männer, und nur bei speziellen Büchern (also mit weiblichen Hauptfiguren) muss man darauf hinweisen, dass es für Frauen ist. Oder Fantasy ist generell für Männer und Frauen gedacht, und nur bei speziell Büchern (also mit weiblichen Hauptfiguren) muss man auf charmante Art darauf hinweisen, dass das nichts für Männer ist. 🙂

Die gläserne Wüste von Steven Erikson. Band 18 der zehnbändigen Malazan-Reihe (Spiel der Götter). 😉 Na ja, zehn im Original, aber ab Band 2 gesplittet. Hier muss ich Blanvalet aber mal ein großes Lob aussprechen, dass sie diese Reihe konsequent durchziehen, trotz der Verzögerungen in der Übersetzung. Und das sie auch an Übersetzer Tim Straetman festhalten, denn kein anderer könnte, diese überaus komplexe Reihe so kompetent und kenntnisreich übersetzen wie er (auch er war auf dem oben erwähnten Übersetzerworkshop mit einem Malazan-Text dabei, daher weiß ich, was für eine anspruchsvolle Mammutaufgabe das ist). Die Reihe werde ich bis zum letzten Band auf Deutsch lesen (wobei ich aktuell etwas hinterherhinke).

Fazit

Vor 15 Jahren hätte ich das Programm als leidenschaftlicher Fantasyleser richtig toll gefunden. Inzwischen haben sich meine Leseinteressen dafür zu sehr verschoben (wobei immer noch spannende Sachen dabei sind). Zwar habe ich schon fast immer aus allen Genres gelesen, aber gerade was Fantasy angeht, bemerke ich seit einigen Jahren eine gewisse Müdigkeit, wenn ich zu viel ähnliche Sachen lese, was vor allem dazu führt, dass ich kaum noch Reihen lese, die über drei Bände hinausgehen. Ich würde mir viel mehr abgeschlossene einzelne Fantasybücher wünschen. Gerade habe ich erneut mit großer Begeisterung Die Fernen Königreiche von Allan Cole und Chris Bunch gelesen (in meiner alten Goldmannausgabe von 1993), da gibt es zwar noch drei weitere Bücher, die in der Welt spielen, aber jeder davon ist ein alleinstehender, abgeschlossener Roman, wo man sich bei größeren Leseabständen keine Sorgen machen muss, zu viel vom Vorgänger vergessen zu haben. Warum nicht mal was wie A Stranger in Olondria von Sofia Samatar oder die wunderbar kurzen Fantasyeinzelbände von Tor.com, wie z. B. Spiderlight von Adrian Tchaikovsky oder The Sorcerer Of The Wildeeps von Kai Ashante Wilson? (Die Antwort kenne ich natürlich, aber das wären Sachen, die mich neugierig machen würden.)

P. S. es ist natürlich etwas unfair, gerade hier im Programm von Blanvalet diese ganzen Betrachtungen über Vermarktungsmechanismen auszuführen, da diese ja auch bei vielen anderen Verlagen greifen, aber die Idee dazu kam mir nun mal bei Durchsicht dieses Programms. Vielleicht sollte ich darüber mal einen eigenen Beitrag verfassen (und damit gleich allen potentiellen Auftraggebern ans Bein pinkeln 😉 ). Ich glaub, ich sollte dringend über ein anderes Genre schreiben, oder in einem anderen Genre übersetzen.

P.P.S hier hier geht es zur Programmvorschau von Heyne, und hier zu meinem Blick auf Piper