„Das Herz der Hölle“ von Jean-Christophe Grangé

Das Böse ist immer und überall, wusste schon die Erste Allgemeine Verunsicherung. Und auch Mathieu wird diese Erkenntnis im Verlaufe des Romans noch machen müssen. Dabei glaubt der strenggläubige Katholik, der das Priesterseminar in Rom nur abgebrochen hat, weil er glaubt, Gott als Polizist noch besser dienen zu können. Den Teufel und das personifizierte Böse hält er für Katholizismus aus dem finstersten Mittelalter. Doch als sein Jugendfreund und Kollege, der eben so gläubig ist, das Undenkbare tut, und einen Selbstmordversuch unternimmt, stößt der Commandant der Mordkommission auf eine Spur des Bösen, die sich durch ganz Europa zieht.

Was hat es mit den scheinbar harmlosen Menschen auf sich, die plötzlich grausame Verbrechen begehen? Wie kann es Leichen geben, die nur teilweise verwest sind? Was hat der Vatikan mit dem Ganzen zu tun? Und warum sind plötzlich gnadenlose Killer hinter Mathieu her?

Eine Identifikationsfigur ist der strenggläubige Ermittler für einen Atheisten und Religions- und Kirchenskeptiker wie mich sicher nicht, aber das macht ihn nur interessanter. Denn es macht Spaß, zuzusehen, wie sein Glaube immer wieder auf die Probe gestellt wird, wenn auch meist auf grausame Weise. Denn das Buch vom französischen Thrillermeister ist nichts für schwache Nerven. Was er sich hier an Grausamkeiten ausgedacht hat, sucht seinesgleichen.

Mit fast 800 Seiten ist das Buch allerdings mindestens 200 Seiten zu lang. Die ersten 400 Seiten lesen sich schnell und spannend weg, da entwickelt das Buch einen unheimlichen Sog, der einen in die Abgründe und Schlünde des menschlichen Daseins hinabzieht. Doch irgendwann tritt die Handlung auf der Stelle, die Ermittlung gerät in einen Leerlauf und es wiederholt sich zu viel. Trotzdem bleibt Das Herz der Hölle ein unheimlich spannender und faszinierender Thriller.

Die Bücher von Grangé lese ich schon seit seinem Debüt Der Flug der Störche (noch vor seinem Durchbruch mit Die purpurnen Flüsse) mit großem Vergnügen, auch wenn nicht alle überzeugen können, wie z. B. Der steinerne Kreis. Ich kenne kaum einen Thrillerautor, dem es gelingt, solch abgründige Themen so spannend und komplex zu inszenieren. Die Übersetzung von Thorsten Schmidt liest sich insgesamt ganz gut, auch wenn sie auf den ersten 50 Seiten noch etwas schwächelt, doch dann fängt sich der Stil und liest sich flüssig weg.

Verlosung zweier Exemplaren von „Die Neunte Stadt“

Im letzten Blogeintrag habe ich ja schon mitgeteilt, dass die Belegexemplare meiner Übersetzung von J. Patrick Blacks Die Neunte Stadt eingetroffen sind (und gehe auch etwas auf den Inhalt ein). Das Buch wird am Dienstag den 13. Juni erscheinen und zu diesem Anlass möchte ich zwei der Belegexemplare verlosen.

Das wird allerdings mit ein wenig Arbeit verbunden sein. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, muss sich an dem unten stehenden Textschnipsel versuchen und ihn ins Deutsche übersetzen. Dabei handelt es sich um eine Fußnote aus einem Kapitel der Ich-Erzählerin Kizabel (eine von sieben), dem Techniknerd unter unseren sieben Helden. Die nicht hochgewachsene Kiz, die man meist mit verstrubbelter Kurzhaarfrisur, einem verschmutzten Overall und von Ehrgeiz und Neugierde getriebenem Blick antrifft, ist so etwas wie eine ewige Studentin, weil sie sich lieber um ihre Forschungsprojekte kümmert, statt um die totlangweiligen und altbackenen Prüfungen. Unterstützt wird sie dabei von Lady, einer Art Hologramm mit künstlicher Intelligenz und exzentrischer Persönlichkeit.

Für mich als Übersetzer stellten die Kapitel von Kizabel die größte Herausforderung dar, da ihr sprachlicher Stil deutlich verschachtelter und anspruchsvoller ist, als die der anderen Ich-ErzählerInnen. Die vielen akademischen Fußnoten mit unzähligen Fachbegriffen brachten meinen Zeitplan gehörig durcheinander, da ich diesen Kapiteln mehr Zeit widmen musste als den anderen. Was aber nicht heißt, dass diese Kapitel langweilig zu lesen wären. Im Gegenteil, sie sind mir (auch wenn ich sie gehörig verflucht habe) sogar die liebsten, da man Kiz mit ihren ironischen Kommentaren, ihrem Humor und ihrem Durchsetzungvermögen einfach mögen muss.

Hier die Fußnote, die es zu übersetzen gilt:

The volumes of hyperprecise, legalistic language filling the Academy’s libraries are an attempt to turn thelemity into something standardized and generic, something that can be taught and controled. But you can never completely filter out the chaos and subjectivity from something inherently chaotic and subjetive. Standardized artifices try to say everything, to cover all possible avenues, when what you really want to do is say the right thing, the way a single line of poetry can hold more meaning than a thousand pages of instructions. To really make an artifice work, you’ve got to understand what you’re doing and why you’re doing it.

Das gilt wohl auch für Übersetzungen. 😉

»Thelemity« ist eine Art Kraft oder Magie, die in der Geschichte wissenschaftlich erforscht und nutzbar gemacht wird. Zum Beispiel durch »artifices«, in denen man diese Kraft für bestimmte Zwecke binden kann. Zum Beispiel in ein »artifice«, das die Gravitation in einem bestimmten Bereich aufhebt, oder so.

Verlost werden die beiden Exemplare unter allen Teilnehmern. Dabei ist ganz unerheblich, für wie gelungen ich die Übersetzung halte. Posted eure Übersetzung einfach unten in den Kommentaren. Die Verlosung läuft eine Woche bis zum 20. Juni. Dann werde ich die Gewinner auslosen und bekanntgeben, und auch die offizielle Übersetzung der Fußnote posten.

Viel Spaß!

Nachtrag: Und nur Mut. Hier wird keine perfekte Übersetzung erwartet (die gibt es gar nicht). Einfach mal versuchen und Spaß daran haben. 🙂

Nachtrag 2: Beim Erstellen des Beitrags hatte ich nicht daran gedacht, aber wenn ihr teilnehmt und euch an der Übersetzung versucht, schaut euch die Kommentare unten doch bitte erst an, wenn ihr schon übersetzt habt. Als ich Captain Future neuübersetzt habe, hatte ich die alten Übersetzungen schon hier im Regal stehen, habe aber erst reingeschaut, nachdem meine schon ferig beim Verlag war, weil ich mir meinen Stil nicht beeinflussen lassen wollte und auch nicht beim Kollegen „klauen“. 😉

„Die Neunte Stadt“ von J. Patrick Black – Belegexemplare eingetroffen.

Das Buch spielt in einer Zukunft nach einem Alienangriff, durch den fast die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde, bevor einzelne Menschen Superkräfte in sich entdeckten, mit denen die Angreifer zurückgeschlagen werden konnten. Seitdem herrscht Krieg. Neun große Städte gibt es noch, die als Verteidigungsbastionen gegen die unbekannten Angreifer (die nicht mit Raumschiffen kamen) dienen. In diesen Städten wird die militärische Elite ausgebildet. Außerhalb der Städte gibt es Siedlungen, in denen die Menschen in Fabriken schuften müssen, um die Kriegsanstrengungen voranzutreiben. Und außerhalb dieser Siedlungen ist die Menschheit auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückgefallen und leben wie an der Frontier, mit wilden Stämmen und Siedlertreks und wissen nichts von dem Krieg und den großen Städten.

Aus diesen unterschiedlichen Umfeldern stammen die sieben jugendlichen Protagonisten des Buchs, die alle als Ich-Erzähler im Präsens auftreten, und deren Wege sich früher oder später kreuzen werden. Im Prinzip handelt es sich um so eine Ausbildungsgeschichte an einer Militärakademie und im Bootcamp (á la Ender’s Game). Doch bis dahin ist es für einige der Protagonisten ein langer und abenteuerlicher Weg.

Was den Roman so ungewöhnlich macht, ist seine Mischung aus Science Fiction und Fantasy. Die Technik der Zukunft, die Kriegsführung und die »Superkräfte« einiger der Hauptfiguren basieren auf etwas, das man durchaus als Magie bezeichnen könnte, im Roman aber Thelemetie heißt und an der Akademie wissenschaftlich erforscht und umgesetzt wird. Es gib riesige Mechroboter, gigantische Geschütze und allen möglichen Kram, der mit diesen Kräften/Energien angetrieben wird.

Was den Roman außerdem ungewöhnlich macht, ist der Stil des Autors, denn jeder der sieben Ich-Erzähler hat seinen ganz eigenen Stil. Torro, der in einer der dystopischen Fabriksiedlungen schuftet, spricht in einem locker-rotzigen jugendlichen Tonfall, die junge Naomi, die mit ihrer Familie durch die Wildnis zieht, im altmodischen Stil 19. Jahrhundert; das Technikgenie Kizabel in einer verschwurbelten akademischen Sprache mit unzähligen Fußnoten und wissenschaftlichen Erklärungen, aber auch mit viel Ironie. Und so weiter. Das macht das Lesen (und auch Übersetzen) dieses dicken Buches sehr abwechslungsreich und verleiht jedem Protagonisten eine eigene Stimme.

Von der Auswahl der Figuren her könnte man meinen, es handele sich um ein Jugendbuch á la Red Rising, doch dafür ist es inhaltlich zu komplex und sprachlich zu anspruchsvoll geschrieben. Es fällt mir schwer eine genaue Zielgruppe zu benennen, aber in seiner Mischung und vom Stil her ist das Buch einzigartig und originell (auch wenn viele bekannte Versatzstücke verwendet werden). Wer also mal was ganz anderes abseits der üblichen Science Fiction und Fantasy lesen möchte, sollte es mit Die Neunte Stadt versuchen.

Es gibt zwar viele spektakuläre Kämpfe und Schlachten auf der Erde und im Weltraum, aber die große Stärke des Romans sind die (mal mehr, mal weniger) liebenswürdigen Figuren mit ihren Beziehungen untereinander.

Es fällt mir schwer, das Buch adäquat zu beschreiben, da so viel drinsteckt und es keine passenden Vergleichsmöglichkeiten gibt. Wer es wagt, erhält eine Wundertüte, die auf jeden Fall einige Überraschungen bereithält.

Das Buch erscheint am Dienstag den 13. Juni.

„Paris-Spaziergänge“ von Hella Broerken, der Besprechung zweiter Teil (Montmatre)

Fortsetzung meiner Buchbesprechung mit Praxistest (im ersten Teil ging es ins Quartier Latin, dort kann man auch grundlegendes über den Aufbau des Buches lesen).

An einem heißen Dienstagmorgenführte der Spaziergang  bei strahlendem Sonnenschein nach Montmatre, wo mich die Metro an der Station Blanche ausspuckte, mitten auf dem Boulevard de Clichy in Pigalle, neben dem Moulin Rouge.

Doch vom Rotlichtviertel aus ging es direkt den Berg hinauf über die Rue Lepic, die in schmalere und nicht so stark frequentierte Nebenstraßen führte. Biegt man dann rechts in die Rue des Abesses ab, stößt man bald auf einen kleinen, schicken Park – den Square Rictus, wo an einer Kachelwand in 250 Sprachen Je t’aime geschrieben steht. Weiter geht es in dem schmucken kleinen Park durch ein Hintertörchen hinauf in einen zweiten Park und dann direkt auf die erste Treppe, um La Butte zu besteigen.

Auf dem Weg zu Sacre Coeur bin ich von der angegebenen Route abgekommen, da die vielen kleinen verwinkelten Straßen mit den unzähligen Touristen, dem Anlieferverkehr und den Zeichnern recht unübersichtlich und stressig sind. Ich landete auf der Rue Novins, die ich eigentlich erst beim Abstieg passieren sollte, irgendwie bin ich wohl auf der falschen Seite am Dalí Museum vorbei. Egal, um die gewaltige Kathedrale Sacre Coeur herum, bin ich dann auf eigenen Faust umhergestiefelt, habe sie aus allen möglichen Winkeln fotografiert und versucht, den Touristenströmen auszuweichen. Die Aussicht von dort oben über Paris ist ganz wunderbar.

Beim Abstieg habe ich dann die obere Rue Lepic verpasst, bzw. die Abzweigung davon und stand plötzlich wieder unten in Pigalle. Da ich den Spaziergang aber komplett durchziehen wollte, musste ich in der Mittagshitze wieder den Berg hoch latschen, fand dann die richtige Abzweigung in die Rue Tourlaque und dort endlich das erste Café mit einem schattigen Plätzchen. Im quis parle? bestellte ich mir jetzt in kulinarischer Waghalsigkeit Entenbrust mit Kartoffelpüree und frittierten? Apfelstücken. Da ich die Karte nur teilweise lesen konnte, dachte ich, es wären normale Kartoffeln, aber der Püree mundete ganz vorzüglich. Dieses Café – in dem sich sonst vor allem Einheimische zu treffen schienen, die sich alle kannten und mich zu meiner exzellenten Menüwahl beglückwünschten – kann ich nur empfehlen.

Dann ging es weiter: das auf der Strecke liegende Museeum Montmatre und den Friedhof habe ich aber nicht besucht, nur den kleinen Weinberg fotografiert. Von Montmatre habe ich sicher nur einen Bruchteil gesehen, aber der hat mir richtig gut gefallen. Abseits der extrem stark befahrenen und lauten Straßen in der Innenstadt bieten die zum Teil mittelalterlich anmutenden Straßen und Gässchen, eine willkommene und ruhige Abwechslung. Am Ende des Spaziergangs ging es eine lange steinerne Wendeltreppe hinab zur Metro an der Station Lamarck-Cualaincourt.

Die Route und ihre Sehenswürdigkeiten sind in diesem Kapitel ganz hervorragend beschrieben, dass ich mich verlaufen habe, liegt eher daran, dass mein Stadtplan nicht den ganzen Teil von Montmatre abdeckt. Trotz der Hitze habe ich diesen Spaziergang durch teilweise mit Touristen vermintes Gebiet sehr genossen, vor allem dann, wenn ich abseits der ausgetretenen Pfade auf die kleinen, atmosphärischen Ecken des Viertels stieß, in denen das Stadtleben noch ungestört zu funktionieren scheint. Wo man sich auf den Bänken im Schatten der Bäume auf einen Plausch trifft, oder in de Cafés und Bistros, wo man sich kennt und schätzt.

„Monster 1983“ von Ivar Leon Menger (eine Hörspielempfehlung)

(Ivar Leon Mengers) Monster 1983 ist von der Machart her so eine Art Nostalgiegeschichte wie Stranger Things, war allerdings vorher dar. Die Achtzigerjahre, amerikanische Kleinstadt, eine mysteriöse Mordserie, ein neuer Sheriff mit nebulöser Vergangenheit. Wer mit den Filmen von Steven Spielberg (aus dem Hause Amblin) und den Büchern von Stephen King aufgewachsen ist, wird ahnen können, in welche Richtung es geht. Neben dem Sheriff als Hauptfigur gibt es auch noch seinen Teenagersohn mit seinen beiden Freunden, die stellenweise aber etwas kurz kommen (deren Sprecher aber tolle Arbeit abliefern).

Die an der Küste spielende Geschichte umschifft dabei kein einziges Klischee (was sicher als Hommage gedacht ist, meist funktioniert, gelegentlich aber den Bogen überspannt) und teilweise grenzt die Leistung der Sprecher schon an Overacting, was teilweiese ein wenig nervt.

Mir hat vor allem die erste Hälfte mit der ruhigen Inszenierung und Einführung in den Kleinstadtkosmos gefallen, nur leider geht es in der zweiten Hälfte genauso ruhig weiter. Dazu trägt auch die trantütige Musik bei, die stellenweise schon einschläfernd wirkt. Eine richtige Spannungskurve oder so etwas wie Dramaturgie gibt es nur in Ansätzen.

Das ganze Namedropping mit Sachen aus den 80ern (Magnum, Der weiße Hai, Rambo usw.) war mir teilweise schon zu viel des Guten, nett finde ich allerdings, dass der Sprecher von Tom Selleck den zwielichtigen Bürgermeister spricht, der einen neuen Sheriff einstellt – so wie Tom Sellecks Figur Jesse Stone in den gleichnamigen Filmen von einem zwielichtigen Bürgermeister als Polizeichef eingestellt wird.

Die meisten Handlungsstränge und Rätsel werden übrigens nicht aufgelöst, aber es gibt ja eine zweite Staffel, in der es weitergeht.

Atmosphärisch hat mir das Hörspiel gut gefallen, ich habe es insgesamt auch gerne gehört (auch wenn sich das oben schon wie ein Verriss liest, Staffel zwei werde ich mir auch kaufen), aber die fehlende Dramaturgie, die teilweise ermüdend träge inszenierten Dialoge (z. B. das Süßholzraspeln zwischen dem Sheriff und seinem Deputy als beide eigentlich schon mehr als beunruhigt sein sollten), das stellenweise Overacting, die klischeehaften Bösewichte und ein paar Unglaubwürdigkeiten in der Story (das Finale mit dem dämlichsten Regierungsagenten überhaupt) haben mich doch gestört.

Trotzdem kann ich das Hörspiel allen empfehlen, die sich für die Achtzigerjahre, Grusel und dichte Kleinstadtatmosphäre interessieren.

P.S. das Hörspiel wurde von Audible produziert, ist aber auch einzeln im Download erhältlich (alle Folge in einem Kauf), die erste Staffel gibt es auch auf CD, ich meine gelesen zu haben, dass die bei Staffel zwei nicht mehr der Fall sein soll.

„Paris-Spaziergänge“ von Hella Broerken, der Besprechung erster Teil (Quartier Latin)

Letzte Woche habe ich Urlaub in Paris gemacht, und wie es sich für eine Leseratte gehört, habe ich mich natürlich mit Büchern darauf vorbereitet. Es war mein erster Besuch in der Stadt, einige Sehenswürdigkeiten waren mir natürlich ein Begriff, aber einen wirklichen Überblick hatte ich nicht. Was ich nicht machen wollte, war die einzelnen typischen Touristenattraktionen (Eiffelturm, Louvre, Notre Dame usw.) der Reihe nach abhaken, ohne vom Rest der Stadt etwas mitzubekommen.


Also habe ich mir dieses Buch mit empfohlenen Spaziergängen gekauft, da ich die Stadt weder vom Bus aus noch per Boot erkunden wollte, sondern zu Fuß, ganz gemütlich in meinem eigenen Tempo. Hella Broerken stellt neun verschiedene von ihr individuell nach ihrem Geschmack gestaltete Spaziergänge vor, die ich mir im Vorfeld alle durchgelesen habe. Für fünf Tage in Paris (von denen zwei größtenteils für An- und Abreise draufgehen) sind neun Spaziergänge natürlich zu viel. Also musste ich eine Auswahl treffen und habe mich einfach an die Reihenfolge im Buch gehalten, da mir die ersten drei auch sehr vielversprechend erschienen (die restlichen werde ich dann bei meinem nächsten Besuch nachholen).

Die Autorin machte in ihren Beschreibungen einen sympathischen Eindruck, deckt durchaus einige bekannte Sehenswürdigkeiten ab, hat aber auch Empfehlungen, die man in den üblichen Touristenführern eher nicht findet (wobei ich zum Vergleich nur den von Lonely Planet kenne). Jedenfalls haben mir ihre Schilderungen richtig Lust darauf gemacht, in ihre Fußstapfen zu treten.

Die Spaziergänge beginnen und enden immer an einer Metrostation, so dass man immer gut hin und auch wieder wegkommt. Zu Beginn jedes Kapitels (ein Kapitel pro Spaziergang) gibt es eine kleine Karte, auf der die Route (mit den Highlights der Strecke) eingezeichnet ist. Trotzdem sollte man noch einen richtigen Stadtplan mitnehmen, da nur die Straßen bezeichnet sind, die man entlanggeht. Hat man sich mal verlaufen (was mir mehrmals passiert ist) benötigt man eine Straßenkarte oder Googlemaps auf dem Smartphone (was ich aber aus Angst vor hohen Roaminggebühren nicht genutzt habe, da ich per Aldi-Auslandspaket nur eine geringe Datenmenge frei hatte).

Im Vorfeld habe ich mir im Fließtext alle Straßennamen, interessante Einrichtungen (Museen, Parks usw.) per Textmarker markiert, damit ich im Gehen nicht immer den ganzen Text lesen muss. Jedes Kapitel enthält auch einige Fotos und am Ende eine Informationstafel mit den Öffnungszeiten der im Spaziergang enthaltenen Einrichtungen.

Im Quartier Latin

Das Viertel liegt im Südosten der Stadt, direkt am linken Seineufer unterhalb der Île Saint-Louis, jener kleineren Insel direkt hinter der Île de la Cité (auf der die Kathedrale von Notre-Dame steht). Startpunkt ist die Metro-Station Sully Morland am rechten Seine-Ufer. Hier muss man darauf achten, welchen Ausgang man nimmt, sonst könnte es erst mal verwirrend werden, ich bin dann auch direkt auf der falschen Brücke gelandet und musste wieder zurückgehen, um die Pont de Sully zu betreten. Von dieser Seine-Brücke hat man einen guten Blick auf die Rückseite von Notre-Dame.

Hat man das andere Ufer erreicht, erhebt sich vor einem direkt das modern gestaltet Gebäude des Institut du Monde Arabe, in dem ich eine ganz interessante Ausstellung zur Geschichte der arabischen Welt besucht habe (da kommt man mit dem Museumspass rein, dessen 62 Euro für vier Tage sich durchaus lohnen, wenn man einige Museen auf dem Programm hat). Danach geht es dann am Ufer den Quai Saint Bernard entlang, an dem einige Skulpturen ausgestellt sind. Hier lässt sich – wie in eigentlich jedem Park von Paris – auch bei heißem Wetter noch ein freies schattiges Plätzchen zum Hinsetzen finden. Ich war in der Mittagszeit dort, als viele Franzosen ihre Mittagspause in der strahlenden Sonne genossen. Am Ende des Quais geht es dann über die Straße in den Jardin des Plantes, einem großen, grünen Park, in dem sich die Galerie d’Anatomie befindet (in der Dinosaurierskelette ausgestellt werden) und das Naturkundemuseum. Dummerweise hatte ich nicht auf die Angaben der Öffnungszeiten am Ende dieses Kapitels geachtet und stand an diesem Dienstag bei beiden Museen vor verschlossener Tür. Egal, weiter ging es zur Moschee des Viertels (die man für 3 Euro besichtigen kann), die ich mir aber nur von außen angesehen habe.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich Hunger und stürzte mich in das Gewirr aus kleinen Straßen und Boulevards des Quartier Latin, bis ich schließlich in der Rue Censier in einem Restaurant landete, wo ich kulinarischer Hasenfuß mir erstmal ganz unfranzösisch einen Burger bestellte (der dann noch nicht mal wirklich gut war). Genügend Mut mich auf die französische Küche einzulassen, sollte ich erst am nächsten Tag zeigen.

Ich weiß ja nicht, ob es an dem enttäuschend Essen lag, jedenfalls gelang es mir dann trotz Straßenkarte nicht, die Rue Mouffetard zu finden, die mich zum Pantheon führen sollte. Irgendwie bin ich in einer Parallelstraße gelandet, und als ich das Pantheon dann schon in Sichtweite hatte, wollte ich nicht mehr zurücklaufen. Die Ruhmeshalle, in der einige französische Berühmtheiten wie Victor Hugo, Émile Zola und Alexandre Dumas bestattet liegen, bietet sowohl von außen als auch von innen einen imposanten Anblick. An einem so hochsommerlichen Tag mit strahlenden Sonnenschein empfiehlt sich nach einem schweißtreibenden Spaziergang auch ein Besuch der angenehm kühlen Krypta. Vom Pantheon geht es dann noch weiter zum Schlusspunkt dieses Spaziergangs: den riesigen Jardin de Luxembourg, wo es auch zahlreiche Bänke und Stühle im Schatten gibt.

Mir hat dieser erste Spaziergang nach dem Buch von Hella Broerken ausgezeichnet gefallen, auch wenn ich mich unterwegs verlaufen und die Rue Mouffetard verpasst habe. Nicht schlimm, denn anders als die Autorin bin ich nicht so ein Ladenbummler, der sich für putzige kleine Geschäfte und deren Waren interessiert. Alles, was keine Buchhandlung ist, erhält von mir nur eingeschränkt Beachtung. Dass man sich auf diesen Spaziergängen schon mal verlaufen kann, liegt vor allem an den riesigen Straßenkreuzungen, an denen mehr als vier Straßen zusammenlaufen, da wird es dann unübersichtlich. Ist aber nicht schlimm, denn auch abseits der geplanten Wege kann man auf interessante Sachen stoßen.

Für diesen ersten Spaziergang wählte ich übrigens – aufgrund des heißen Wetters – das falsche Schuhwerk. Jene Sandalen, die jahrelang bei mir auf dem Speicher standen, weil sie mir zu unbequem waren, sorgten dann für einige Blasen an meinen Füßen, die mich aber nicht daran hinderten, nach dem Spaziergang noch vom Jardin de Luxembourg zur Kathedrale von Notre Dame zu latschen.

Untergekommen bin ich übrigens im putzigen Hotel Chopin in der Passage Jouffroy, die Teil des neunten Spaziergangs ist, der durch einige dieser Einkaufspassagen aus dem 19. Jahrhundert führt. Das ist zentral gelegen, direkt vor der Metrostation Grand Boulevard am Boulevard Montmatre, in Fußnähe zum Louvre und dem Seineufer. Ein etwas in die Jahre gekommenes Hotel mit Charme und Katze, relativ günstig, für meinen Geschmack aber mit etwas zu hellhörigen Wänden, dafür aber ruhig gelegen und sauber.

Im zweiten Teil der Besprechung wird es dann nach Montmatre und ins Marais gehen.

P. S. Meinen Hinflug nach Paris hätte ich fast verpasst, weil ich auf der Anfahrt zum Frankfurter Flughafen am Wiesbadener Kreuz zwei Stunden in einem 20 Kilometer langen Stau gestanden habe (Montagsmorgens ist keine gute Zeit, um über die Autobahn nach Frankfurt zu fahren). Landet man auf dem Roissy (dem Flughafen Charles de Gaulle), sollte man sich vorher einen Plan ansehen, denn der Flughafen ist riesig und leicht verwirrend, ich bin in Terminal 2g angekommen, das Abseits von allem anderen liegt, und hatte erst mal keine Ahnung, wie ich zu meinem Bus komme. Ich dachte, es gäbe nur einen Terminal 2 und nicht sieben. Für die Fahrt in die Stadt sollte man auch noch mal eine Stunde plus einplanen, je nachdem wo man hinmuss.

Ist man eine Woche in Paris, lohnt sich die Wochenkarte Navigo Decouverte. Dafür holt man sich in einer Metrostation oder am Flughafen (wenn man es findet) einen Bon am Automaten, für den man dann am Informationsschalter den Navigo Pass ausgestellt bekommt (für den man ein Passfoto benötigt), den man dann wiederum am Automaten mit Geld auflädt. Im Navigo ist ein RFID-Chip, mit dem man dann am Drehkreuz zur Metro über einen Scanner fährt und dann eintreten kann.

Programmvorschau Herbst/Winter 2017/18: Bastei Lübbe

Hier kann man sich die Vorschau von Bastei Lübbe als PDF runterladen. SF und Fantasy geht ab Seite 80 los.

Science Fiction

Das ist ein Perry Rhodan-Roman von Christian Montillon und Oliver Fröhlich im Programm. Bei PR habe ich es mal mit den ersten Silberbänden versucht, war historisch gesehen ganz interessant, aber nach Band 3 habe ich das Interesse verloren. Heftroman ist einfach nicht meins, und auch nicht solche Franchiseuniversen bzw. Endlosserien.

Prisma ist Margarete Fortunes Fortsetzung von New Sol, das mir ja gut gefallen hat. Ob mich Band 2 aber noch interessiert, nachdem in Band 1 die Katze aus dem Sack gelassen wurde, weiß ich noch nicht. Man sollte den Klappentext nicht lesen, wenn man New Sol noch nicht gelesen hat, da wird nämlich der große Twist gespoilert.

Und dann ist da noch eine Anthologie zur Honor Harrington-Endlosserie von David Weber mit Kurzgeschichten von Timothy Zahn und einigen Autoren, die ich nicht kenne (siehe Cover). Nix für mich. Ach ja, ein neuer Roman zur Serie ist mit Operation Janus auch dabei.

Neben Cross Cult hat jetzt auch Bastei Lübbe Doctor Who-Romane im Programm. Ich erwähnte es schon, der Franchisekram ist nichts für mich (auch wenn ich mir die Serie sehr gerne ansehe, Matt Smith ist mit mein Lieblingsdoctor).

Fantasy

Südafrikanische Autoren stehen ja gerade hoch im Kurs, Roger Smith im Krimi, Lauren Beukes in der Science Fiction und Charlie Human was Urban Fantasy angeht. Mit Der Fluch des Feuers von Mark de Jager ist jetzt wohl auch klassische Fantasy dabei. Scheint mir Grim-and-Gritty-Fantasy im Stil von David Gemmel und Joe Abercrombie zu sein. Da ich mich sehr für südafrikanische Literatur interessiere, merke ich mir das Buch mal vor.

Die Dreizhen Gezeichneten von Judith und Christian Vogt scheint mir klassische Städtefantasy zu sein, der Klappentext hat mich noch nicht neugierig gemacht. Mal die ersten Kritiken abwarten.

Bastei Lübbe hat ein wirklich abwechslungsreiches Programm mit sehr interessanten AutorInnen. Eine davon ist Clair North (alias Cathrine Webb), deren Die vielen Leben des Harry August viele positive Kritiken erhielt, und das ich dringend mal lesen muss, bevor ich mich dann eventuell an Das Spielhaus begebe.

Alben und Trolle, da schlägt mich schon der Titel in die Flucht, bevor ich beim Klappentext angekommen bin, diese nordische Völkerfantasy erinnert doch stark an Bernhard Hennes Elfen-Welt. Nix für mich. Aber interessant zu sehen, dass die Völkerfantasy auch nach Abflauen des Booms noch nicht ganz totzukriegen ist. Und schön zu sehen, dass auch weiterhin deutsche AutorInnen in den großen Publikumsverlagen eine Chance bekommen (wie oben auch die Vogts)

Tochter der Götter von Amanda Bouchet scheint dem Marketing nach Fantasy mit einem der griechischen Mythologie entlehnten Szenario zu sein, mit ganz schrecklichen Covern, die eindeutig Richtung Romantasy gehen. Auch nix für mich, aber thematisch immerhin mal was anderes.

Robert Jackson Benett hingegen ist auf jeden Fall was für mich und die Stadt der Tausend Treppen steht ganz oben auf meiner Leseliste. Diese Trilogie (Die Stadt der Träumenden Kinder ist Band 3) soll ein wirklich originelles Fantasysetting abseits der üblichen Klischees und Kulissen haben. Leider wird der zweite Band Die Stadt der toten Klingen (erscheint am 29. September) nicht mehr von der von mir hochgeschätzten Eva Bauch-Eppers übersetzt, wie ich gerade sehe. Mag ich ja gar nicht, wenn mittendrin der Übersetzer wechselt (auch wenn ich selbst schon als Übersetzer bei zweiten Bänden von Reihen eingestiegen bin). Vielleicht hol ich es mir doch lieber im Original.

Horror

Ein John Sinclair-Roman von Wolfgang Hohlbein – ist wohl Band 2 – der erste erscheint Ende September. Sinclair und Perry Rhodan stehen wohl aktuell wieder hoch im Kurs zu stehen, wenn sowohl Bastei Lübbe als auch Fischer Tor Romane aus diesen beiden Serien in ihr Programm aufnehmen. Meins ist beides nicht. Aber schon interessant. Es heißt ja, die Heftromanleser würden langsam aussterben, im Sinne, dass kein Nachwuchs hinter den inzwischen meist ergrauten Herren (die mit diesen Heften aufgewachsen sind) nahkommt.

Leider hat man auch weiterhin den unsäglichen Larry Correia im Programm, den ich hier weiterhin ignorieren werde.

Fazit

Gefällt mir ganz gut, das Programm von Bastei Lübbe. Eine gelungene Mischung aus originellen Titeln abseits ausgetretener Genrepfade und dem ganzen Franchise- und Serienkram, der auch sein Publikum hat. Wobei die Science Fiction doch etwas schwach aufgestellt ist. Auch hier scheint sich der Trend nicht anzuhalten.