Aus einer aktuellen Übersetzung

Die Dunkelheit war hereingebrochen. An tausenden Gebäuden, über die gesamte weitläufige Stadt verteilt, blinkten helle Lichter. Weitere Lichter glitten mit einem leisen Brummen an vorbeiziehenden Fliegern durch den dunklen Himmel. Auf den Feldern nördlich der Metropole erhoben sich strahlende Feuer bis zum Zenit, als gewaltige Raumschiffe auf ihrem Weg zu fernen Welten abhoben.


Die sternenklare Nacht bot ein fantastisches Spektakel. Fünf große Monde – Iapetus, Titan, Tethys, Dione und Mimas – zogen in einer königlichen Prozession am Himmel entlang. Und das alles, wurde von dem gewaltigen, leuchtenden Bogen der Ringe dominiert, der sich südlich des Zenits, vor dem schwarzen Hintergrund der Nacht, majestätisch erhob. Wie ein Pfad, der von den Göttern quer durch den Himmel gelegt worden war.


Curt Newton hielt für einen Moment inne und blickte andächtig zu diesem wundervollen Spektakel hinauf.

 

Nachtrag: Nachdem es schon entsetzte Reaktionen auf den “schwülstigen” Text gabe, hier das Original zum Vergleich:

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Darkness had fallen. Lights were blinking from thousands of buildings all over the fa-flung city. Other lights streaked along with soft humming through the upper darkness, as fliers passed. From the field north of the city, trails of shining fire arched toward the zenith as vast space ships took off for other worlds.

The starry sky was a stupendous spectacle. Across it marched a royal procession of five large moons – Japetus Titan, Tethys, Dione and Mimas. And dominating all, a c r o s s the heavens just south of the zenith, soared the tremendous shining arc of the Rings. It was like a pathway laid down by the gods though the sky.

Curt Newton paused momentarily to look up at that wonderful spectacle.

Parque Oziel – Eintrag 7: Das Fotoprojekt „Vom Wesen der einfachen Dinge“

In diesem Eintrag geht es nun um die Durchführung des Fotoprojekts. Falls Ihr nicht wisst, was damit gemeint ist, hier findet ihr die bisherigen Einträge: Parque Oziel

Kapitel 4 meiner Diplomarbeit beginnt mit den Steckbriefen der Kinder. Die wurden vom Format eines brasilianischen Poesiealbums inspiriert. Da sie in ihrem Format schlecht in diesen Blog passen, habe ich sie hier als PDF Datei hinterlegt. Persönliche Daten, wie das genaue Geburtsdatum, der vollständige Name und die Namen der Eltern habe ich ebenso entfernt, wie die Fotos von den Kindern.

Steckbriefe der Kinder

Hier folgt jetzt die Beschreibung der Durchführung des Projektes. Einige der Fotos kommen in der Diplomarbeit nicht vor. Die habe ich extra für diesen Eintrag eingefügt:

4.2 Die Durchführung

Es gilt in Brasilien als höflich, zu einer Verabredung, eine Stunde zu spät zu kommen. Deshalb stand auf der Einladung zu diesem Treffen 9.00 Uhr – in der Hoffnung, dass bis 10.00 Uhr genügend Kinder anwesend sein würden. Als wir um 9.15 Uhr – zu spät zu unserem eigenen Treffen – im P.A.F eingetroffen sind, war der Raum gerammelt voll. Die Einladung hatte anscheinend neugierig gemacht.

Drei Tage zuvor

Die Plakate waren endlich fertig. Dreißig von Hand geschriebene DinA5 Plakate, die all diejenigen einluden, die Interesse an unserem Fotoprojekt hatten. Das war ein Haufen Arbeit, den wir ohne die tatkräftige Hilfe der Familie Campos nicht geschafft hätten. 9 Leute opferten ihren freien Tag – es war Karnevalsdienstag, ein Feiertag – um mit uns diese Plakate zu malen:

Durchführung1

In einer langen Sitzung mit Corinta, Wanderley und dem Canario hatten wir uns auf 30 Kinder in drei Gruppen geeinigt. In der ersten Gruppe sollten Kinder von 10 bis 12, in der zweiten von 13 bis 16 und in der dritten von 17 bis 25 Jahren teilnehmen. Besonders bei der letzten Gruppe gab es noch eine Diskussion mit dem Canario, da er diese Altersgruppe nicht mehr als Jugendliche sieht. In dem Alter ist man in der Favela bereits verheiratet und geht arbeiten oder man ist in einer Gang oder tot (Laut Prof. Wanderley sterben 70% der männlichen Jugendlichen in den Favelas, bevor sie dreißig sind.).Letztlich stimmte er aber doch zu.

Jetzt mussten wir die Einladungen nur noch unters Volk bringen. Doch anstatt einfach die Plakate aufzuhängen, hatte Wanderley die grandiose Idee, dass wir drei Studenten doch mit dem VW des Canarios durch Oziel fahren könnten, um dabei durch ein Mikrofon die Einladung vorzulesen. So würden die Leute wissen, dass wir wirklich Studenten aus Deutschland seien.

Neben dem Fahrersitz hatte der Bus des Canarios genau einen weiteren Sitz – den Beifahrersitz. Der wurde von Thomas belegt. Soleilla, Adailton und ich mussten auf die Rückbank. Nur gab es diese nicht. Es gab keine Sitze, sondern nur den harten, dreckigen Boden des VWs, was die Fahrt sehr abenteuerlich gestaltete. Um meine Hose nicht auf ewig zu versauen, konnte ich mich nicht hinsetzen. Zum Stehen war ich aber zu groß. Halb hockend, halb stehend versuchte ich mich irgendwie festzuhalten, während der –in meinen Augen schrottreife VW über die holprigen Straßen von Oziel ruckelte. Dabei musste ich auch noch das Plakat so halten, dass Thomas es lesen konnte. Der las nämlich, mit einem Mikrofon in der Hand, während der Fahrt die Einladung vor, die durch überdimensionierte Boxen auf dem Dach des VWs in ohrenbetäubender Lautstärke durch die ganze Favela posaunt wurde. In so starkem deutschen Akzent, dass niemand auch nur ein Wort verstand. Egal, die Leute wurden neugierig und kamen zum Canario gelaufen, um zu fragen, worum es ginge. So ging es zwei Stunden lang durch die Favela. Zwischendurch haben wir immer wieder Plakate an Geschäften und Kneipen aufgehenkt. Public Relations auf Brasilianisch.

Es funktionierte, wie die 30 Kinder, die an diesem brasilianischen Morgen um 9.15 Uhr vor uns saßen bewiesen. 30 Kinder, die vollkommen ruhig auf ihren Sitzen saßen und aufmerksam den Worten des Canarios lauschten. Worte, die wir mit unseren spärlichen Sprachkenntnissen kaum verstanden. Doch als wir unsere Namen hörten, war uns klar, dass wir nun an der Reihe waren. Der Canario hatte uns aufgerufen, damit wir uns den Kindern vorstellen. Er war dabei der geborene Lehrer und schaffte es spielend, dass wir uns alle gegenseitig vorstellten und dabei noch gegenseitig einige deutsche bzw. portugiesische Wörter beibrachten.

Durchführung2

Nach dieser ungewöhnlichen „Schulstunde“ ging es zur Gruppeneinteilung. Jeder, der an unserem Projekt teilnehmen wollte, musste sich bei uns schriftlich anmelden. Das heißt, eigentlich mussten wir die Formulare ausfüllen, während die Kinder uns ihre Namen und Daten gesagt haben. Dabei zeigte sich mir einmal mehr, wie gut es doch gewesen wäre, vor Antritt dieser Reise, richtig die Sprache zu lernen. Ich verzweifelte bereits bei der Buchstabierung der Namen, da die portugiesischen Buchstaben, ganz anders ausgesprochen werden, als man vermutet.

Durchführung3

Eine Stunde und mehrere Liter Schweiß später war es aber geschafft. 34 Kinder hatten sich angemeldet. Die geplante Gruppeneinteilung war allerdings hinfällig, da von den 17 – 25jährigen nur 2 Jugendliche da waren. In der Gruppe der 10 – 12jährigen hatten sich 11 angemeldet und bei den 13 – 16 Jährigen 23.

Vor Beginn dieses Projektes dachten wir, dass wir regelmäßig mit einer Schulklasse arbeiten könnten. Doch die Schulen in Brasilien lassen nur ungern Fremde hinein und so mussten wir improvisieren. (Später hat die Schule übrigens ihre Meinung geändert, als sie von unserem Projekt erfuhr, hat sie uns angeboten, jederzeit ihre Einrichtung zu nutzen. Aber dazu mehr im Unterkapitel über die Schule in Kapitel 5)

Nun mussten wir nur noch das nächste Treffen mit den Kindern ausmachen. Das übernahm der Canario, indem er für den kommenden Montag zu einem Ping-Pong Tunier zwischen Deutschland und Brasilien einlud. Was das nun mit unserem Projekt zu tun haben soll, konnte sich mir nicht ganz erschließen, aber ich habe auch nicht alles verstanden, was der Canario erzählte. Zu dem Zeitpunkt war ich auch so erschöpft, dass es mir ziemlich egal war. Wir beendeten das Treffen, und es blieb das ungute Gefühl, nicht zu wissen, wie es mit den Gruppen weiterging.

Ping-Pong

Montagmorgen, halb zehn in Brasilien – wo ist mein Ping-Pong Schläger? Richtige Tischtennisschläger gab es im P.A.F gar nicht. Nur etwas, das erahnen ließ, dass es sich dabei einst um einen Schläger gehandelt hat. Kein Belag, kein Griff, aber es hat funktioniert. Drei Deutsche spielten unterstützt von vier Brasilianern um die Ehre Deutschlands. Es wurde ein spannendes Turnier, bei dem jeder sein Bestes gab. Am Ende siegten die Brasilianer, aber nur weil der Canario uns so lange spielen ließ, bis Brasilien in Führung war.

Durchführung4

Und was hat das Ganze mit dem Fotoprojekt zu tun? Ich weiß es nicht, aber so läuft es nun mal in Brasilien und vor allem in Parque Oziel. Sport war schon in den vorangegangenen zwei Wochen ein guter Weg, um die Kinder kennenzulernen und um Vertrauen aufzubauen.
Als wir den Canario nach dem Fotoprojekt fragten, meinte er, dass wir uns doch am nächsten Tag mit den Kindern um 9.00 Uhr treffen würden. Davon wusste ich bis dato nichts.

Das erste Treffen

Das erste Treffen lief auch wieder sehr chaotisch ab. Der Canario erzählte wieder viel, von dem wir wenig verstanden. So langsam wurde uns klar, dass die Einteilung in drei Gruppen, so nicht funktionieren würde. Die Kinder hatten alle unterschiedliche Stundenpläne. Die einen mussten vormittags in die Schule, die anderen erst nachmittags, ganz unabhängig vom Alter. Das lag daran, dass die Schule mehr Klassen als Räume hat. Also war es auch an diesem Tag nichts mit Gruppenarbeit. Dafür ließen wir aber die Kinder, die da waren, die Steckbriefe aus dem vorigen Kapitel ausfüllen.

In meinem Tagebucheintrag für diesen Tag habe ich vermerkt, dass mich die chaotische Organisation ganz schön nerven würde. Ich hatte mich wohl noch nicht an die südamerikanische Art gewöhnt. Erst auf einem anderen Kontinent wurde mir bewusst, wie viel Wert ich doch auf „deutsche Tugenden“ wie Pünktlichkeit und Organisation lege.

Am nächsten Tag war es endlich so weit. Wir trafen uns mit unserer ersten Gruppe. Allerdings später als geplant. Denn als wir um 9.00 Uhr im Jugendzentrum ankamen, gab es vor der benachbarten Kirche eine Bürgerversammlung. Über 50 Leute standen und saßen vor dem Eingang der Kirche und führten eine erhitzte Diskussion mit dem Canario. Es gab seit Tagen kein Wasser mehr in Oziel. Während die Stadt dabei war, Rohre zu verlegen, hatte sie einfach das Wasser abgestellt. Für die Bewohner eine Zumutung. Sie konnten sich nicht waschen, die Toilettenspülung nicht nutzen und nicht kochen. Es war gerade Hochsommer und die Temperaturen überstiegen die 30 Grad täglich. Der Canario schaffte es, die Leute zu einem Protestmarsch zu überreden, der zunächst durch ganz Oziel ging, um noch mehr Leute zu mobilisieren. Wir haben uns diesem spontan angeschlossen, an Gruppenarbeit war zu dem Zeitpunkt nicht zu denken. Mit über hundert Menschen ging es in sengender Hitze los, allen voran fuhr – der uns allzu vertraute – Bus des Canarios.

Durchführung5

Durch die aufpeitschenden Parolen des Canarios schlossen sich immer mehr Menschen diesem Marsch an, der vorläufig am Zugang zur Autobahn endete. Es war eine der beiden wichtigen Autobahnen, die von Sao Paulo nach Campinas führen. Von dort rief der Canario bei der Stadtverwaltung an, und drohte mit der Sperrung der Autobahn, wenn nicht innerhalb von zwei Stunden eine Lösung für das Wasserproblem gefunden würde. Dass dies keine leere Drohung war, hatten die Bewohner Oziels bereits in der Vergangenheit erfolgreich bewiesen. Zwei Stunden später fuhren Tanklastwagen durch die Favela und verteilten Wasser an die Bewohner.

Durchführung6

Ich habe diese kurze Episode geschildert, um zu zeigen, wie wenig wir uns auf feste Planung verlassen konnten. Wie sehr uns aber diese „Unzuverlässigkeit“ am Leben der Bewohner teilnehmen lies. In der Favela führt man kein Leben nach festen Zeitplänen und unverrückbaren Terminen. Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt, sich mit den ständigen Unwägbarkeiten arrangieren und ein gehöriges Improvisationstalent entwickeln. Aber am Ende funktioniert es meistens, und so klappte es auch mit unserer Gruppenarbeit nach Ende des Protestmarsches.

Die Idee der Alterseinteilung war längst vergessen, wir nahmen einfach, was da war. Es waren fünf Kinder, denen wir erst einmal grundlegende Sachen der Fotografie erklären wollten. Dafür drückten wir ihnen unsere Digitalkameras in die Hand und folgten ihnen durch Oziel. Wir wollten sehen, wie gut sie mit Kameras umgehen konnten. Es folgte eine unterhaltsame Wanderung zum Spielplatz, dem Sportplatz, der Schule und der Autobahnbrücke. Danach ging es in den Computerraum, wo wir uns die Bilder am Bildschirm anschauten und mit den Kindern darüber sprachen. Dabei zeigten sich die Kinder durchweg interessiert und konzentriert. Trotz der Sprachprobleme funktionierte die Kommunikation irgendwie, nicht zuletzt auch wegen der Hilfe von Adailton und Joao.

Am Ende der Sitzung verteilten wir die ersten fünf Einwegkameras und sagten den Kindern, dass sie nun eine Woche Zeit hätten, all das zu fotografieren, was ihnen etwas bedeutet. Z.B. ihre Freunde, Familie, ihren liebsten Ort oder ihrer Lieblingsgebäude. Wir machten ihnen auch klar, dass sie nur 24 Bilder zur Verfügung hatten und sich ihre Fotos sparsam einteilen sollten.

Joao ist eigentlich ein Kapitel für sich. Er ist der sehr füllige und stets fröhliche Trainer der Fußballmannschaft, der es sich trotz seines Gewichtes nicht zu schade ist, selber auf dem Platz mitzuspielen, wohlgemerkt bei 30 Grad im Schatten. Er ist so etwas wie die gute Seele des P.A.F. . Joao kennt die Namen aller Kinder und weiß, wann wer in der Schule ist und wann im Jugendzentrum. Dank seiner Hilfe konnten wir in den kommenden Tagen die Gruppenarbeit einigermaßen organisieren.

Bereits einen Tag nach der ersten Gruppensitzung konnten wir mit 15 weiteren Kindern weitermachen. Eine einheitliche Gruppengröße konnten wir vergessen. Wir mussten die Kinder so nehmen, wie sie kamen. Die Sitzung mit diesen 15 Kindern lief genauso ab wie die Sitzung mit den ersten fünf Kindern. Am Ende machten weitere 15 Hobbyfotografen die Straßen Oziels mit ihren gelb leuchtenden Kameras unsicher.

Mit den restlichen Kindern war eine einheitliche Gruppenarbeit leider nicht möglich. Bei einigen mussten wir auf die Fotoeinweisung verzichten. Sie bekamen einzeln von uns die Einwegkameras und eine kurze Bedienungseinleitung. Mehr war leider nicht drin. Dazu sollte ich noch erwähnen, dass wir einen sehr engen Zeitplan hatten. Zu diesem Zeitpunkt war bereits der 14. März. Am 3. April ging unser Flug zurück nach Deutschland. Bis zu diesem Datum mussten wir also den Kindern genug Zeit zum Fotografieren geben, die Bilder entwickeln lassen und eine Ausstellung organisieren und durchführen. Durch den deutschen Semesterbeginn am 14. April war es uns auch nicht möglich, unseren Aufenthalt in Brasilien zu verlängern.

Die Ausstellung wurde für Sonntag, den 26. März geplant, unseren letzten Sonntag in Brasilien. Dementsprechend mussten wir uns mit der Durchführung unseres Projektes ranhalten. Während ich einige Kameras noch an Kinder verteilt habe, habe ich sie von anderen schon wieder eingesammelt und zum Entwickeln gebracht.

Auf jeder Kamera stand der Name des entsprechenden Kindes, und die Mitarbeiter des Fotoladens waren so weitsichtig diese Namen auch auf die Tüte mit den Bildern zu übertragen – etwas, woran ich nicht gedacht hatte. Wir hatten nur mit dem ersten Bild der Einwegkameras das entsprechende Kind fotografiert, um ihm im Nachhinein, die Bilder zuordnen zu können. Ein Plan, der in einem chaotischen Desaster geendet wäre. War es doch bei über 50% der Filme ausgerechnet dieses erste Foto, das wir gemacht haben, das nichts geworden ist. Da haben uns die überaus freundlichen Mitarbeiter des Fotoladens – der die Filme teilweise innerhalb eines Tages entwickelt hat – eine Menge Arbeit erspart.

In den folgenden Tagen kam leider keine richtige Gruppenarbeit mehr zu Stande. Viele Kinder haben ihre Kameras bei Adailton und Joao abgegeben. So haben wir es immerhin noch geschafft alle Filme – ja es kamen alle Kameras zurück – rechtzeitig vor der Ausstellung zu entwickeln. Wir haben es auch noch geschafft, mit fast allen Kindern ein Videointerview über ihre Bilder und ihr Leben in Parque Oziel zu machen. Die Interviews führte Soleilla. Wegen der fehlenden Sprachkenntnisse – die sich innerhalb der letzten Wochen bei uns allen drei erheblich verbessert haben – fielen diese Interviews allerdings nicht so ausführlich aus, wie wir uns das gewünscht hätten.

Die Ausstellung sollte Sonntag den 26. März ab 9.00 Uhr stattfinden. Wir waren pünktlich und sehr überrascht, dass der Ausstellungsraum des P.A.F schon voller Menschen war, die auf Stühlen saßen und dem Canario, Corinta und einigen anderen Leuten von der Universität lauschten.

Wir hatten wieder mal nicht alles mitbekommen. Man nutzte die Ausstellung gleichzeitig zur Mitgliederversammlung des P.A.F., um über eine neue Satzung abzustimmen. Deswegen kann ich nicht sagen, ob die vielen Eltern nun wegen der Ausstellung oder der Versammlung gekommen sind. Das war aber auch egal, Hauptsache sie waren da, und die Kinder konnten ihren Eltern stolz die Fotos präsentieren. Dazu hatte jedes Kind bis zu fünf Bilder ausgewählt, die an den Wänden und den umfunktionierten Tischtennisplatten befestigt waren. Der Raum war gerammelt voll, es waren auch einige Studenten der Universität von Campinas gekommen, die einen Film über die Ausstellung drehten.

Durchführung7

Es waren sogar Mitglieder aus Thomas Gastfamilie gekommen, die sich vorher nie in die Favela hinein getraut hätten. Die Ausstellung war ein voller Erfolg, die Kinder begeistert und stolz und wir waren froh, dass wir den Kindern zumindest ein wenig zurückgeben konnten. Die Negative haben wir nach Deutschland mitgenommen, die Abzüge konnten sie behalten.

Bereits nach kurzer Zeit hatten wir gelernt, dass die Uhren in Brasilien anders ticken. Wir lernten, flexibel zu sein und zu improvisieren. Hätten wir starr an unseren vorgefertigten Plänen festgehalten, währen wir wohl verzweifelt gescheitert. Erst nachdem wir uns an brasilianischen Rhythmus angepasst hatten, wurde uns klar, „dass es schon irgendwie funktionieren wird“. Ich hätte mir zwar gewünscht richtige Gruppenarbeit machen zu können und mich auch besser mit den Kindern zu unterhalten, aber letztendlich bin ich froh darüber, wie das Projekt verlaufen ist. Die Kinder waren von Anfang an offen und freundlich zu uns. Sie haben sich mit uns unterhalten – auch wenn wir vieles nicht verstanden haben – sie haben neugierig Fragen über Deutschland gestellt, mit uns Fußball, Volleyball und Ping Pong gespielt, uns die stolz die Favela gezeigt und waren stets aufmerksam bei dem Fotoprojekt dabei.

4.3 Die Ergebnisse

900 Fotos von 34 Kindern. Erstaunlicherweise sind fast bei jedem Kind 23 Fotos pro Kamera etwas geworden. Nur bei einem Jugendlichen sind nur 13 Bilder etwas geworden, und diese auch meist sehr unscharf oder unterbelichtet. Interessanterweise war es ausgerechnet der Älteste von allen, der mit der Kamera nicht zurechtgekommen ist. Er war auch der Einzige, der seinen Steckbrief am Computer nicht selber ausfüllen konnte.

Insgesamt hat uns die gute Qualität der Bilder sehr überrascht. Zum einem hatten wir von den billigen Einwegkameras keine so gute Bildqualität erwartet. Zum anderen waren die Kinder größtenteils sehr sicher im Umgang mit den Apparaten. Von den 915 Bildern sind 121 nichts geworden, das heißt, sie sind unscharf, zu dunkel oder durch einen Finger verdeckt.

Größtenteils wurden Menschen fotografiert. 215 Einzelpersonen, 82 Aufnahmen von der Familie und 64 von Freunden. Ca. 64 Aufnahmen waren gestellte Szenen – wobei das ein reiner Schätzwert ist. 103-mal wurden Gebäude fotografiert, Innenaufnahmen von Wohnungen waren 64-mal dabei.

Im nächsten Kapitel habe ich die Fotografien bestimmten Kategorien zugeordnet. Zu Beginn habe ich alle aufgelistet und in Klammern dahinter geschrieben wie viele Aufnahmen es in diesen Kategorien gibt. Wobei viele Aufnahmen in mehrere Kategorien fallen und einige sich gar nicht zuordnen lassen.

Nordamerikastudien an der Freien Universtität (FU) Berlin – Teil 1

Vorweg: Alle Angaben hier sind natürlich ohne Gewähr. Wenn Ihr euch genauer informieren wollt, geht auf die Homepage des JFK-Instituts und informiert Euch bei der studentischen und universtitären Studienberatung.

Einige von Euch haben vielleicht schon mitbekommen, dass ich Nordamerikastudien studiere. Aber was ist das überhaupt? Das hier ist der erste Eintrag von einer Reihe, in der ich versuchen werde, den Studiengang etwas zu erklären.

Wie der Name schon sagt, geht es um Nordamerika. In erster Linie um die USA. Kanada kommt (zumindest an meinem Institut) nur am Rande, in wenigen Veranstaltungen vor. An anderen Universitäten ist der Studiengang auch als Amerikanistik bekannt. Wobei es da (scheinbar) leichte Unterschiede gibt.

Am John F. Kennedy Institut der Freien Universität Berlin versteht sich Nordamerikastudien als interdisziplinärer Studiengang mit verschiedenen Schwerpunkten aus unterschiedlichen Fachbereichen. Die da wären: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Soziologie, Literatur und Kultur. Im Bachelorstudiengang muss man sich davon zwei Schwerpunkte aussuchen, auf die man sich, nach zwei Semestern mit einer Einführung zu allen Schwerpunkten, konzentriert.

Ich habe mich natürlich für die beiden Schwerpunkte entschieden, mit denen man die schlechtesten Berufsaussichten hat: Literatur und Kultur. :)

Aber zunächst ein paar allgemeine Infos. An der FU in Berlin liegt der NC (Numerus clausus) allgemein recht hoch, da Berlin für Studenten eine beliebte Stadt ist. In Nordamerikastudien lag er im Wintersemester 12/13 (in der Regel beginnt ein Studium zum Wintersemester) bei 1,7. NC heißt in den meisten Fällen die Durchschnittsnote im Abitur. Bewirbt man sich für ein Zweitstudium, so wie ich es getan habe, gilt die Note des ersten Studienabschlusses (in meinem Fall die Diplomnote), und man konkurriert nur mit anderen Zweitstudienbewerbern, allerdings um eine beschränkte Anzahl von ca. 2 bis 3 Plätze.
Ich wiederhole, für alle Abiturienten gilt der NC von 1,7 (wobei sich das jedes Jahr ändern kann) – von 203 Bewerbern haben 61 einen Studienplatz bekommen. Auf die Sache mit den Wartesemestern gehe ich jetzt nicht weiter ein, das kann man googeln.
Hier die Tabelle mit den NCs an der FU: http://www.fu-berlin.de/studium/docs/DOC/ncliste.pdf

Wenn Ihr diese Hürde genommen habt, müsst ihr noch gute Englischkenntnisse (auf C1 Niveau) durch eine Sprachtest an der FU nachweisen. Durch eine komplette Staffel »Buffy the Vampire Slayer« gut vorbereitet, war dieser kein Problem. Manche empfanden ihn schwieriger als den TOEFL-Test. Ich nicht.

In den ersten zwei Semestern muss man dann einige Pflichtveranstaltungen belegen. Die Pflichtveranstaltung “Understanding North America” (kurz UNA) geht über zwei Semester, besteht aus einer Doppelvorlesung mit dazugehörigem Tutorium. Pro Semester wird in drei Schwerpunkte eingeführt, in jedem muss man einen Essay schreiben und am Ende an eine große Klausur (die bei mir teils aus Fragen, teils aus Essays bestanden hat, und vor der alle einen Horror haben) teilnehmen (zumindest war es bei mir so, kann sein, dass sich da etwas geändert hat).

Die zweite Pflichtveranstaltung ist das Sprachpraxismodul “Oral and Writing Skills”, das über drei Semester geht und dessen Ziel es ist, die Englischkenntnisse der Teilnehmer auf ein akademisches Niveau zu bringen.

Semester 1: Allgemeines über die englische Sprache, Essays schreiben, am Ende eine Klausur (kann mich nicht mehr so recht daran erinnern)
Semester 2: Statt Klausur gibt es am Ende eine 10-minütige Präsentation + fünf Minuten Diskussion, natürlich auf Englisch. Darauf wird das gesamte Semester hingearbeitet.
Semester 3: Mediating Skills, am Ende eine Klausur in der man einen deutschen Text ins Englische übersetzen muss (was schwieriger ist, als es sich anhört).

Das sind die harten, unangenehmen Brocken des Studiums. Dabei stehen die meisten Studierenden ziemlich unter Stress, weil diese Noten hauptsächlich für das Auslandssemester zählen.

Das Auslandssemester

Zum Studium gehört ein obligatorischer (also verpflichtender) Auslandsaufenthalt. Der manchmal in Form eines Praktikums absolviert wird, meist aber als Auslandssemester bzw. Auslandsjahr. Das Ziel der Meisten ist ein Jahr in den USA. In der Regel im vierten Semester. Das heißt, man muss sich bereits im zweiten Semester bewerben, da die Vorbereitung ein Jahr dauert und sehr aufwändig ist.

Schaut man sich die Homepage des Studiengangs an, kann leicht der Eindruck entstehen, dass für genügend Studienplätze in den USA vorhanden sind. Das ist aber nicht der Fall.

Man muss sich für ein solches Auslandsjahr (-semester) bewerben; mit den bisherigen Noten, einer schriftlichen Begründung, einem TOEFL-Test mit mindesten 100 Punkten (der kostet über 100 Euro und man muss sich rechtzeitig anmelden) und einem Vorstellungsgespräch vor einer Auswahlkommission. Insgesamt kann man bei TOEFL 120 Punkte errreichen. Ich hatte beim ersten Mal nur 96 geschafft, beim zweiten Mal (wieder über 100 Euro Gebühr) dann 112.

Einige Studenten (ich kenne da keine Zahlen) bekommen keinen Platz in den USA, da es einfach nicht genug Colleges in Amerika gibt, die einen Platz zur Verfügung stellen (das hängt davon ab, wie viele Amis zum Austausch nach Deutschland wollen; meist weniger als umgekehrt). Dazu gibt es noch einige Plätze in Kanada und Australien. Wer auch hier leer ausgeht, muss sich mit dem Erasmusprogramm, also einem Platz an einer Uni in Europa begnügen. Manche wollen auch gar nicht in die USA, weil sie dort schon in der Schulzeit für ein Austauschjahr waren. Außerdem ist es eine Frage der Finanzierung. Ein Jahr USA kann teuer werden, wenn man auch keine Studiengebühren bezahlen muss (die zahlt der amerikanische Student, der nach Deutschland kommt).

Ich habe keine Auslandssemester gemacht, weil ich es mir nicht leisten konnte. Da ich mich im Zweitstudium befinde und über dreißig bin, habe ich keinen Anspruch auf Auslandsbafög und mit einem Stipendium hat es auch nicht geklappt. Deshalb wurde mir das Auslandssemester ausnahmsweise erlassen. War für mich jetzt auch nicht so schlimm, da ich bereits in meinem ersten Studium ein Auslandspraktikum in Brasilien gemacht habe (siehe die Blogeinträge zu Parque Oziel). Für mich ist es aber doch ärgerlich, da ich demnächst einen Bachelor in Nordamerikastudien haben werde, aber noch nie in Nordamerika gewesen bin. Eine Bildungslücke, die ich hoffentlich bald werde schließen können.

Der Rest des Studiums

Neben den bisher erwähnten Veranstaltungen besteht das Studium vor allem aus Seminaren (in Regel eine Sitzung von jeweils 90 Minuten pro Woche). Man muss sogenannte Module absolvieren. Ein Modul besteht einfach aus zwei Seminaren, die thematisch halbwegs zusammenpassen.  Da wird zwischen Aufbau- und Vertiefungsseminaren unterschieden, wobei sich mir bis heute nicht so recht der Unterschied zwischen den beiden Seminarformen erschließt. Aufbau soll natürlich mehr eine weiter gefasste Einführung in den Schwerpunktbereich umfassen, während es bei den Vertiefungsseminaren … ja irgendwie in die Tiefe gehen soll. Ich habe da keinen großen Unterschied feststellen können, außer dass es die Seminarwahl der Studierenden verkompliziert. Welche Aufbau- und Vertiefungsseminare man wählt, bleibt einem Selbst überlassen. Man muss nur darauf achten, dass man am Ende die richtigen zusammenhat. Siehe auch hier: http://www.jfki.fu-berlin.de/academics/ba/studydocs/index.html

Ich musste noch in jedem Seminar einen Leistungsnachweis in Form einer Hausarbeit, einer Klausur, einigen Essays oder etwas Ähnlichem erbringen + ein Referat, was ziemlich stressig werden kann. Bei mehr als zwei Hausarbeiten pro Semester wird es schwierig, da mischt man am besten noch Seminare mit Klausuren oder Essays bei. Inzwischen hat sich die Studienordnung geändert, und man muss nur noch eine Leistung pro Modul (also eine Leistung in zwei Seminaren) erbringen. Darauf gibt es dann 5 bzw. 10 Leistungspunkte (auch Credits genannt) und eine Note. Am Ende werden alle Noten und die Note der Bachelorarbeit zusammengerechnet.

Man muss im Hauptfach Nordamerikastudien 120 Leistungspunkte erreichen, im Nebenfach (bei mir Lateinamerikastudien) 30 und im ABV Bereich auch 30 (zum Nebenfach und ABV wird es auch noch gesonderte Einträge geben).

Auf die Inhalte der Schwerpunkte Literatur und Kultur werde ich noch in einem gesonderten Eintrag eingehen, über die anderen weiß ich nicht genug. Auch für meine persönlichen Eindrücke und die Kritik am Studiengang wird es einen Extraeintrag geben (mit der Kritik warte ich am besten, bis ich den Abschluss in der Tasche habe :) )

Für wenn ist dieser Studiengang geeignet? Für jeden, der sich ganz besonders für die USA interessiert, egal in welchem der oben genannten Bereiche. Es ist eine Regionalwissenschaft, die sich viel mit der Geschichte und der Kultur des Landes beschäftigt. Ich z. B. habe schon seit frühester Kindheit eine Leidenschaft für dieses Land entwickelt. Vor allem durch Filme, Serien und Bücher. Warum ich die USA mit all ihren Widersprüchen und auch unschönen Seiten so faszinierend finde, werde ich – Ihr könnt es schon ahnen – in einem Extraeintrag besprechen.

Was kann man mit dem Studium Nordamerikastudien anfangen? Vor allem kann man sich damit für das Masterstudium Nordamerikastudien oder ähnliche Master qualifizieren. Danach dann den Doktor machen (z. B. am Graduiertenkolleg des JFK-Instituts) und eine Karriere als Dozent (und Forscher) an der Uni anstreben.

Was kann man damit beruflich machen? Keine Ahnung. Es gibt zwar (fast) jedes Jahr einen sogenannten »Career Day« am Institut, auf dem ehemalige Absolventen erzählen, was sie jetzt so treiben. Aber mir hat das nicht so wirklich weitergeholfen, denn, kaum einer der Berufe und Tätigkeiten hatte irgendetwas mit dem Studium zu tun, und meist sind sie über Kontakte an die Stellen gekommen. Das scheint auch das wichtigste während des Studiums zu sein: Netzwerken und Kontakte knüpfen.

Wo man sich mit dem Bachelor bewerben kann? Ich weiß es nicht. Da mein Abschluss aber kurz vor der Tür steht (Oktober 2013) werde ich mich in den nächsten Wochen intensiv damit beschäftigen und Euch hier auf dem Laufenden halten.

Ich habe den Studiengang aus reinem Interesse gewählt, die Berufsmöglichkeiten waren erst einmal zweitrangig. Da ich aber bereits ein Diplom als Sozialpädagoge habe, kann ich auch jederzeit wieder auf diesen (tollen) Beruf zurückgreifen. Ein (zweijähriger) Master kommt für mich zunächst nicht in Frage, da ich jetzt erst einmal genug studiert habe und endlich (wieder) arbeiten und Geld verdienen will. Was die Zukunft noch bringen wird, bleibt dabei offen.

Von Übersetzern, schlechter Bezahlung und bösen Verlagen

Ich habe ja schon an anderer Stelle erwähnt, dass die deutschsprachigen Übersetzer in meiner Wahrnehmung bzw. nach meinem Empfinden ruhig etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit machen könnten. Manch einer wird mir jetzt wahrscheinlich widersprechen, und sagen, dass sie dies bereits täten, und ich weiß auch das etwas getan wird, aber ich bekomme da leider nicht viel von mit.

Auf zwei Aktionen, die ich in jüngster Zeit mitbekommen habe, möchte ich hier kurz eingehen. Die erste begrüße ich, die zweite halte ich für eher suboptimal.

Eine Gruppe von Kinder und Jugendbuchübersetzerinnen, die unter anderem im VDÜ (Verband der Übersetzer) organisiert sind, haben einen offenen Brief an Random House geschrieben: http://literaturuebersetzer.de/download/presse/PM-Offener-Brief-an-RH.pdf

Random House ist eine der größten Verlagsgruppen weltweit und gehört zum Bertelsmann Konzern, zu ihr gehören unter anderem Verlage wie Heyne, Goldmann, Penhaglion und viele mehr. Nachdem was ich gehört habe, gibt es für alle Randomhouse Verlage Standardverträge, die für alle gleich gelten.

In dem offenen Brief werfen die Übersetzerinnen Random House vor, dass seine Verlage in Vertragsverhandlungen stets schlechtere Bedingungen anbieten würden, als es bei anderen Mitgliedern der Branche der Fall sei. Auch würde man sich nicht an die Vergütungsrichtlinien eines Urteils des Bundesgerichtshofs halten.

Wer jetzt meint, dann geht doch zu anderen Verlagen, dem sei gesagt, dass Random House durch seine schiere Größe und Marktstellung ein Auftraggeber ist, an dem man nur schwerlich vorbeikommt.

Des Weiteren beklagen sie sich darüber, dass Random House sich auch bei langjähriger, erfolgreicher Zusammenarbeit weigere, die Honorare zu erhöhen (und sie teilweise sogar senken möchte). Lieber würde man diese fruchtbare Geschäftsbeziehung aufgeben.

Das deckt sich mit dem, was ich von Kollegen gehört habe. Kontinuität in der Zusammenarbeit scheint egal zu sein. Das führt dann dazu, dass bei manchen Buchreihen und Serien ständig der Übersetzer wechselt und die Leser sich jedes Mal wieder an einen neuen Stil und teilweise an neue Begriffe (im Serienkosmos) gewöhnen müssen. Dass so etwas Lesern auffällt, sieht man z B. an dem Aufschrei, den es gab, nachdem der Übersetzer von Terry Pratchett mehrfach gewechselt hat (wobei ich hier jetzt nicht andeuten möchte, dass die neuen Übersetzer einen schlechteren Job machen würden).

An dieser Stelle muss ich nochmal erwähnen, dass Literaturübersetzer oft beschissen bezahlt werden. Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, aber, so ist die Bezahlung nun mal.

Schlechte Bezahlung führt dazu, dass ÜbersetzerInnen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, mehr Aufträge annehmen müssen. Weshalb für die einzelnen Aufträge weniger Zeit bleibt (abgesehen davon, dass die Bearbeitungszeiten für Übersetzungen von Seiten der Verlage, aufgrund knapper Programmplanungen, sowieso immer mehr verkürzt werden). Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass erheblicher Zeitdruck einer Übersetzung nicht unbedingt gut tut.

Den Leser wird durch diese Verlagspolitik die optimale Übersetzung, für die sie eigentlich bezahlen, vorenthalten. Den Übersetzern wird es immer schwieriger gemacht, sich mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe inzwischen einige kennengelernt, die über einen Berufswechsel nachdenken und von einem Berufseinstieg abraten. Viele sind nur noch aus Liebe zur Literatur und zu ihrem Beruf dabei, lassen sich also quasi aus idealistischen Gründen ausbeuten (um es mal etwas überspitzt zu formulieren). Ein Verhalten, das ich auch aus dem sozialen Bereich kenne.

Wie ihr seht, unterstütze ich diesen offenen Brief. Da ich viel in Literaturforen unterwegs bin, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass viele Leser völlig utopische Vorstellungen von der Bezahlung von Übersetzern haben. Da ist es nur zu unterstützen, wenn Übersetzer auf ihre (teils prekäre) Lage aufmerksam machen.

Leider gibt es genug Leute, die bereit sind, für ein auch noch so geringes Honorar zu arbeiten. Und leider gibt es auch Verlage, die keinerlei Hemmungen haben, schlechte Arbeit, also schlechte Übersetzungen und/oder schlecht lektorierte und korrigierte Texte zu veröffentlichen. Und irgendwie kommen sie damit auch noch bei den Lesern durch.

Jetzt ist der Text doch deutlich länger geworden, als ich es geplant hatte. Deshalb werde ich über die zweite Aktion in einem gesonderten Beitrag berichten. So lässt es sich auch im Bedarfsfall leichter diskutieren.

 

Edit: Missverständnis geändert

Parque Oziel – Eintrag 6: Fotografie und Bildanalyse

Hier der Link zu Eintrag 5

3. Fotografie und Bildanalyse

3.1 Fotografie

In unserer westliche „Wohlstandsstandsgesellschaft“ ist die Fotografie zu etwas Alltäglichem geworden. Fast jeder besitzt einen Fotoapparat – und sei es nur ein Fotohandy. Der Schritt von der normalen Kamera, deren begrenzter Film noch in einem Fotolabor entwickelt werden musste, hin zur Digitalkamera, die eine unbegrenzte Zahl von Fotografien zur Verfügung stellt, die schnell wieder gelöscht, am Computer gespeichert, ausgedruckt und per Mail verschickt werden können, führte zu einer wahren Bilderflut.

In einer Favela wie Parque Oziel ist ein Fotoapparat immer noch etwas Besonderes. Der einzige der dort eine Kamera hatte, war der Fußballtrainer Joao. Es war eine winzige Digitalkamera die fünf Bilder speichern konnte. Kameras und Fotos sind für die Bewohner Parque Oziels ein Luxus, den sich die meisten nicht leisten können.

Was es für diese – ohne Fotografie aufgewachsenen Kinder – bedeutet, ihr Leben, ihr Umfeld und ihre Familie nun mit einer Kamera festzuhalten, kann ich als Außenstehender nur erahnen. Wenn ich hier über die Fotografie schreibe, kann ich das nur aus meiner Betrachtungsweise. Einer Betrachtungsweise, die von klein auf durch Fotografien geprägt wurde: Die ersten Porträtaufnahmen des kleinen Markus – die auf den Wohnzimmerregalen stehend, dem Besucher zeigen, dass hier ein wohlerzogener Junge aufwächst; die Familienfotos, die wie Bordieu schreibt, die Integration der Familiengruppe stärken sollen (vgl. Bordieu, 1965, S. 31); all die Erinnerungsschnappschüsse an die „wichtigen“ Kindheitsereignisse wie Einschulung, Klassenfahrten, Urlaube, Kindergeburtstage usw. Ein ganzes Leben, ordentlich sortiert in Fotoalben, die alle paar Jahre aus dem Schrank gekramt und in melancholischer, leicht wehmütiger Stimmung betrachtet werden.

Ich frage mich, wie meine Erinnerungen an meine Kindheit aussehen würden, wenn ich nicht diese unzähligen Fotos hätte? Erinnerungen, festgehalten durch viele kleine Momentaufnahmen, die mit Hilfe des Gedächtnisses zu einem mehr oder weniger stimmigen Ganzen verknüpft werden.

Das stellt sich mir die Frage, ob die Fotografien die Erinnerungen authentischer machen oder sie eher verfälschen? Bei der Betrachtung der Fotos frage ich mich immer, ob es sich um eine spontane Momentaufnahme oder eine – für den Fotografen – inszenierte Szene handelt?

Pilarczyk und Mietzner bezeichnen eine Fotografie als „eine multiperspektivische Quelle und haben mindestens fünf Perspektiven ausgemacht (Pilarzczyk/Mietzner, 2003, S21f): „
1. Die Fotografenperspektive: Der Blick des Fotografen ist durch die Ausschnittauswahl und die dadurch vorgenommene Bildgestaltung im Bild wirksam.
2. Die Perspektive der Abgebildeten ist in Blickbeziehungen und Körperhaltung fotografisch aufgezeichnet.
3. Die Betrachterperspektive entsteht durch den Blick des Betrachters auf die Fotografie, durch seine Wahrnehmungen und Empfindungen, deren Subjektivität und Emotionalität förderlich oder hinderlich für den Analyseprozess sein können.
4. Gehen in das Bild auch die Perspektiven derjenigen (der Personen oder/und Institutionen) ein, die es verwenden, da dadurch jeweils ein ganz besonderer Aspekt des Fotos hervorgehoben wird.
Schließlich spielt 5. in ganz ähnlicher Weise die Perspektive eventueller Auftraggeber mit hinein, deren Intentionen umgesetzt werden sollen.“

Wie der Titel dieser Arbeit schon sagt, interessiert mich vor allem die Perspektive der Kinder. Die in diesem Fall, vor allem die Fotografen sind. Zum Teil aber auch die Abgebildeten und in unseren Videointerviews auch die Betrachter. Die Rolle der Auftraggeber und der Personen, die das Bild verwenden, fallen meinen Kommilitonen Thomas und Soleilla, aber im Rahmen dieser Diplomarbeit vor allem mir zu.

Auch wenn wir die Kinder frei fotografieren lassen wollten, haben wir ihnen einen Auftrag gegeben: „ Fotografiert was euch gefällt, was euch etwas bedeutet, was in eurem Alltag eine besondere Rolle spielt.“ Dadurch haben wir die Motivwahl der Kinder wahrscheinlich beeinflusst. Wenn ich auch glaube, dass die Vorgaben schnell vergessen waren, nachdem sie die Kameras in den Händen hielten.

Warum gerade Fotografie?

Fotografie ist ein Medium, das ohne Sprache wirkt. Wenn wir ein Bild betrachten, sehen wir, objektiv betrachtet alle dasselbe. Subjektiv gesehen sieht jeder etwas anderes, abhängig von seinem kulturellen Hintergrund, seiner Bildung und seinen persönlichen Erfahrungen. Aber das Lachen eines Kindes erkennt man auf der ganzen Welt.

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3.2 Warum Einwegkameras?

Der offensichtlichste Grund ist finanzieller Natur. In dieser Menge (ca. 30 Kameras) konnten wir uns nur Einwegkameras leisten. Zwar haben wir vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) einen Fahrtkostenzuschuss bekommen (ca. 50 % des Flugpreises), alles andere mussten wir uns aber selbst finanzieren. Für 5 Euro pro Stück konnte ich 30 Einwegkameras günstig bei Ebay kaufen. Allerdings waren die ein holländisches „no name“ Produkt und wie sich herausstellte von eher minderer Qualität. Zum einen von der Verarbeitung – in Brasilien angekommen, musste ich einige der Kameras mit Kleber reparieren. Zum anderen von der Bildqualität. Da 30 Kameras zu wenig waren, und zwei nicht mehr zu reparieren waren, musste ich 6 Kameras in Brasilien nachkaufen. Diese Kodakeinwegkameras zeigten eine deutlich bessere Bildqualität. Aber wir waren ja schon froh, dass die holländischen Apparate überhaupt funktionierten und uns der Super-GAU unserer schlimmsten Befürchtungen erspart blieb.

Bevor ich aber überhaupt an die finanzielle Seite dachte, war für mich schon klar, dass ich Einwegkameras verwenden möchte. Wie schon im Kapitel über die Entstehung des Projektes erwähnt, kam mir die Idee durch ein ähnliches Projekt, das im Irak stattgefunden hat, bei dem auch Einwegkameras verwendet wurden. So habe ich von Anfang an gar nicht an eine andere Möglichkeit gedacht. Die Einwegkamera war für mich das perfekte Instrument. Günstig im Preis, einfach in der Bedienung und es wäre nicht schlimm gewesen, wenn einige der Kameras nicht zurückgegeben worden wären. Was aber nicht der Fall war.

Für die Kinder war es natürlich schade, dass sie die Kameras nicht behalten konnten. Die meisten haben uns danach gefragt und waren – verständlicherweise – ein wenig enttäuscht, dass die Kameras nach 26 Bildern unbrauchbar waren.

In Zeiten von Digitalkameras mit denen unzählige Bilde gemacht werden könne – wir drei Studenten haben alle unsere eigene Digitalkamera mitgebracht und hunderte von Fotos geschossen – kann in dieser Beschränktheit von 26 Bilder auch ein Vorteil liegen. In der „digitalen Fast Food Knipserei“ geht den einzelnen Bildern durch die Beliebigkeit der Masse, der Wert eines einzelnen Bildes leicht verloren. Dadurch, dass die Kinder nur 26 Bilder zur Verfügung hatten, mussten sie sich ihre Motive sorgfältig auswählen. Dem einzelnen Motiv wird mehr Beachtung geschenkt, und ich denke, dass diese Beschränktheit auch die Analyse der Bilder erleichtert. Denn welche Motivation könnte man noch in einem Bild erkennen, das als eines von hunderten einfach wahllos geknipst wurde.

Die analoge Fotografie ist auch besser geeignet um bestimmte Momente genau im richtigen Augenblick festzuhalten, da es bei Digitalkameras meist zu einer Verzögerung zwischen dem Drücken des Auslösers und der eigentlichen Aufnahme kommt.

Ich für meinen Teil bin noch ein Anhänger der altmodischen Fotografie, und hatte neben der Digitalkameras auch noch einen  Fotoapparat mit Film dabei
.
Hier sehen wir eines der Kinder mit einer der holländischen Einwegkameras.

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Die Kameras waren einfach zu bedienen. Man musste einfach auf den Auslöser drücken und danach den Film an einem Rädchen weiterdrehen. Je nach den Lichtverhältnissen konnte man auch das Blitzlicht benutzen, das sich nach kurzer Wartezeit aufgeladen hat. Alle Kinder sind – wie wir anhand der Ergebnisse feststellen konnten – gut mit den Kameras zurechtgekommen. Trotz unserer in gebrochenem Portugiesisch vorgetragenen Erklärungen.
Obwohl es qualitative Unterschiede zwischen den in Brasilien und den Deutschland gekauften  Einwegkameras gab, ist die Bildqualität insgesamt besser als wir erwartet hatten.

3.1 Bildanalyse

Bei der Bildanalyse geht man meist nach einem bestimmten Schema vor (vgl. Ehrenspeck, 2003). Dazu gehört die Bestimmung von externen Klassifikationsfaktoren wie der Zeitpunkt der Aufnahme, Ort, auf den sich das Bild bezieht, Autorenschaft (wer ist der Fotograf) und  ursprünglicher Verwendungszweck. Dazu kommen noch Daten, die aus den Bildern selbst gewonnen werden können wie etwa Wahl des Films und der Abzüge, Wahl des Bildausschnitts, Objektiv- und Blendenwahl, Kamerastandort, Unschärfe usw.

All dies sind Faktoren, die bei dieser Arbeit vernachlässigt werden können. Denn alle Bilder wurden mit den gleichen Einwegkameras von den gleichen 34 Kindern innerhalb derselben Woche gemacht. Die „primitive“ Technik der Einwegkameras lässt keine Veränderungen an der Kamera zu.

Die Punkte auf die ich mich in meiner Bildanalyse konzentrieren möchte finden sich auf den Fotografien selber:
·    Bildthema
·    Bildgegenstände
·    Körper – die Blickbeziehungen im Bild erfassen und die Gesten und Mimiken interpretieren.

Aber auch, wie Ehrenspeck es sinngemäß formuliert (vgl. Ehrenspeck, 2003): die Wahrnehmung einer imaginären Dimension bestimmt durch kulturelle Konventionen, Motivgeschichte, Bildtradition und ästhetische Umsetzung.
·    Symbole und Motive
·    Licht und Schatten
·   Imaginäre Bildräume mit Horizontlegung, Fluchtpunkt, symmetrischem oder asymmetrischem, zwei- oder dreidimensionalem Bildaufbau

Ich sehe vor allem in den kulturellen Konventionen eine große Herausforderung, da die Fotografien in einer mir fremden Kultur entstanden sind. Hier wird sich zeigen, inwieweit der kurze Einblick – den ich in diese Kultur bei meinem neunwöchigen Aufenthalt bekommen habe – ausreicht um den Fotografien in meiner Analyse gerecht zu werden.

Frauen in der Science Fiction

Vor einiger Zeit habe ich ja die ganz wundervolle Geschichte »Flying in the Face of God« von Nina Allan für das Magazin Phase X übersetzt (siehe hier). Das war bisher das Beste, was ich übersetzen durfte, und ich hoffe, dass ich der Geschichte einigermaßen gerecht geworden bin. Und ich hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr von ihr auf Deutsch erscheinen wird.

Die britische Autorin hat auch einen sehr interessanten Blog, in dem sie sich regelmäßig mit aktuellen Tendenzen in der Phantastikszene auseinander setzt. Aktuell gibt es einen epochalen Eintrag über Frauen in der Phantastik. Auslöser war wohl (wenn ich es richtig verstanden habe), dass es keine einzige Frau auf die Shortlist des Arthur C. Clark Award geschafft hat, und auch zu einer Horrorconvention keine Frau eingeladen wurde.

Sie betrachtet das Thema aber sehr differenziert und sieht keine Schuld bei den Juroren des Awards, die sich danach richten mussten, was eingereicht wurde. Von den 33 Büchern, die man wirklich als SF bezeichnen kann, sind nur fünf von Frauen geschrieben. Im Weiteren geht sie darauf ein, woran das liegen könnte.

Kurz darauf listet sie sage und schreibe 101 Frauen auf, die man gelesen haben sollte. Und nicht nur das, sie schreibt zu jeder Autorin auch noch eine ausführliche, persönliche  Begründung. Darunter sind viele Klassiker wie Margaret Atwood, Ursula K. Le Guin, relativ bekannte Schriftstellerinnen wie Susan Hill, Shirley Jackson, Kij Johnson, Hilary Mantel usw. Auch viele, die ich gar nicht kannte, und auch einige meiner Lieblingsautorinnen. Wie z B. Audrey Niffenegger, die mit »Die Frau des Zeitreisenden« einen der besten SF-Romane der letzten Jahre geschrieben hat, oder Susanna Clarke (»Jonathan Strange & Mr. Norell.)
Dazu noch einige Autorinnen, die ich erst jüngst für mich entdeckt habe. Catherynne M. Valente oder Joe Walton, deren (zurecht) von Preisen überhäuftes »In einer anderen Welt« jüngst bei Golkonda erschienen ist. Und auch die Newcomerin Genevieve Valentine, deren famos, phantastisches »Mechanique« auch gut in den Golkonda Verlag passen würde.

Im SF-Netzwerk wurde jüngst diskutiert, ob es einen Unterschied in der Schreibe zwischen Autorinnen und Autoren geben würde? Ich weiß es nicht. Das Geschlecht der/des AutorInn gehört nicht zu meinen Kaufkriterien. Da gehe ich nach Inhalt und Empfehlungen. Trotzdem würde ich sagen, dass ca. 70 – 80% der Bücher in meinem Regal von Männern geschrieben wurden (Tendenz fallend). Das nur als neutrale Feststellung.

In der Fantasy sind deutschsprachige Autorinnen inzwischen stark vertreten, wenn auch nicht so prominent und dominant wie z. B. die Herren Heitz, Hennen und Hardebusch. In der SF haben es Autorinnen bei großen Verlagen wohl schwerer (wobei deutschsprachige SF es generell schwer bei diesen Verlagen hat). Aber es gibt sie. Sie sind in denen kleine Verlagen Verlagen vertreten und auch im (stark von grauhaarigen Männern mit Bierbäuchen dominierten) Fandom aktiv.
Die SF von Heidrun Jänchen erscheint regelmäßig bei Wurdack. Nina Horvath ist in verschiedenen Genres und Verlagen unterwegs. Miriam Pharo hat mit »Hanseapolis« eine Reihe über ein futuristisches Hamburg veröffentlicht. Barbara Slawigs »Flugverbot« ist jüngst bei Golkonda neu aufgelegt worden. Und es gibt sicher noch einige, die ich jetzt vergessen habe.

Ich selbst habe mich mit dem Thema mal vor drei Jahren in einer Hausarbeit mit dem Titel The Dispossessed – Ein feministischer Blick auf die Utopie von Usula K. Le Guin beschäftigt. Da ging es aber vor allem um ihren Roman »The Dispossessed« (»Planet der Habenichste«).
Ich habe mich lange davor gescheut, die Arbeit zu veröffentlichen, da ich sie für zu mangelhaft halte. Gab zwar eine 2,0 dafür, aber das heißt ja nichts. An einigen Stellen sind meine Thesen viel zu generalisierend gehalten und nicht durch Literaturverweise belegt. Für eine literaturwissenschaftliche Arbeit beschäftige ich mich auch zu wenig mit Textbeispielen und verweise generell zu wenig auf konkrete Stellen im Text. Aber macht Euch ruhig selbst ein Bild. Die Arbeit ist mit 11 Seiten nur halb so lang wie die über »Deadwood«. Es hilft, wenn man »The Dispossessed« gelesen hat.

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Parque Oziel – Eintrag 5: Die zentrale Fragestellung

Hier die Links zu den ersten fünf Einträgen: Eintrag 1, Eintrag 2, Eintrag 3 und Eintrag 4

Wie hätte ich Parque Oziel als Kind wahrgenommen? (Fußnote: Wohlgemerkt als deutsches Kind das nur für kurze Zeit zu Besuch kommt.)

Als Kind war ich fasziniert von Baustellen, Bretterbuden, Schleichwegen und Matsch. Nach neun Jahren ist Parque Oziel immer noch eine matschige Baustelle voller Schleichwege und Bretterbuden. Ich hätte dort meine helle Freude gehabt. Überall stehen angefangene Rohbauten; Bagger heben Gräben für Wasserrohre aus; die Straßen bestehen aus matschigem Lehm; überall geht es auf und ab. Steile Straßen, schmale, verwinkelte Wege. Mittendrin eine Oase in Grün. Eine dschungelartige Grünfläche – von den Erwachsenen zum Gemüse- und Obstanbau verwendet – die zu stundenlangen Abenteuern einlädt. Mehrere staubige Bolzplätze und ein baufälliger Spielplatz, der gerade wegen seiner morschen Struktur zum Spielen anregt. Stundenlang wäre ich fasziniert durch die von Hunden und spielenden Kindern bevölkerten Straßen gezogen, die so ganz im Gegensatz zu der grauen Eintönigkeit wildwuchsbefreiter deutscher Straßen steht. Von Müll und Abwässern gefärbte Straßen, auf denen kein Ball gerade Rollen kann. Was ich als Erwachsener zunächst mit Bestürzung und ein wenig Ekel wahrgenommen habe, hätte mir als Kind grenzenlose Freude bereitet.
Parque Oziel – ein riesiger Abenteuerspielplatz.

Dieser kurze Absatz steht eigentlich am Ende von Kapitel 2. Da ich aber vermute, dass viele Leser das theorielastige Kapitel nicht bis dahin durchhalten, habe ich ihn an den Anfang gesetzt.

2. Die zentrale Fragestellung

2.1 Was ich herausfinden möchte
Als ich das Fotoprojekt in Angriff genommen habe, hatte ich noch nicht darüber nachgedacht, eine Diplomarbeit daraus zu machen. Unsere Absicht war es, die Kinder dabei zu unterstützen ihr Leben in der Favela mit Hilfe von Fotografie darzustellen. Wir hatten uns einen realistischen und authentischen Einblick erhofft, wie wir in alleine nie bekommen würden.

Welches Potenzial in diesen 900 Fotografien steckt, darauf hat uns erst Prof. Wanderley aufmerksam gemacht. Mit ihm und Prof. Fichtner habe ich dann auch ein langes Gespräch darüber geführt, welche Möglichkeiten die Fotos für eine Diplomarbeit bieten. Dieses Gespräch ist die Basis für die folgenden Ideen bzw. Fragestellungen.

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen.

Für uns Deutsche – aufgewachsen in relativem Wohlstand – erscheinen die Wohn- und Lebensverhältnisse in der Favela schockierend und undenkbar. „Wie können diese Menschen in solchen Zuständen leben und trotzdem noch lächeln. Vor allem wo kommt diese Lebensfreude der Kinder her“

Die Kinder von Oziel sind die erste Generation, die in dieser Gemeinde geboren und aufgewachsen ist. Sie kennen keine anderen Lebensumstände. Sie sehen zwar das Leben der Reichen in den täglichen Telenovelas, doch bleibt dies für sie eine abstrakte Welt, die es im Fernsehen gibt. Würden sie den Luxus, in dem die reiche Oberschicht oder auch die Mittelschicht lebt einmal selber erleben, und mit dem Wissen wieder in Favela zurückkehren. Sie wären vermutlich zu tiefst schockiert und deprimiert.
Sie kennen es nicht anders. Es ist ihr Alltag.

Aber sind sie sich ihrer schlechten Lebensumstände wirklich nicht bewusst? Herrscht diese Lebensfreude vielleicht nur an der Oberfläche. Dies sind zwei Fragen, die ich durch Analyse der Bilder beantworten möchte.

2.2 Feldforschung

Während ich diese Diplomarbeit schreibe, stelle ich fest, dass die Feldforschung die – für mich – wichtigste Methode der qualitativen Sozialforschung im Rahmen dieser Arbeit ist. Vor allem die teilnehmende Beobachtung, die für uns in Oziel zum Alltag gehörte. Durch diese täglichen Beobachtungen, durch die Unterhaltungen mit den Kindern und den Erwachsenen in Oziel, aber auch mit den Außenstehenden – wie z.B. Corinta, mit anderen Mitarbeitern der Universität und den Bewohnern der Stadt Campinas ist ein reichhaltiger Wissensschatz entstanden, der mir jetzt erst richtig klar wird. All das Wissen, das beiläufig entstanden ist, und nicht durch im Voraus geplante Erfassungsmethoden. Ohne dieses Wissen währe es mir nicht einmal ansatzweise möglich, mich an eine Analyse und Interpretation der Bilder zu wagen.

„Zu einer echten, freien Feldforschung im Stile der teilnehmenden Beobachtung und des Gesprächs gehört, daß der Forscher jedes Mittel heranzieht, sei es Archivmaterial, Literatur, Zeitungsartikel, Fotos und ähnliche Dinge, die etwas über das Leben, auch des vergangenen, der betreffenden Gruppe auszusagen vermögen.“(Girtler 2001, S.31)

Es gibt nicht viel Material, das über Parque Oziel existiert. Ich habe mich bemüht möglichst alles, was aufzutreiben war, zu benutzen. Das wichtigste Dokument dazu war der Geschichtsband „ Parque Oziel – A Historia De Uma Ocupacao“, den meine beiden Kommilitonen Andreas und Thomas erst ein Jahr zuvor erstellt haben. Das erste schriftliche Dokument, das es über Parque Oziel gibt. Alle sonstigen Dokumente sprich die Videointerviews, die Steckbriefe und die Bilder stammen von Soleilla, Thomas und mir. Das einzige weitere Dokument, das wir zu Gesicht bekommen haben, war ein Film zum neunjährigen Jubiläum der Favela, erstellt von Studenten der Universität Campinas.

Wie einst bei Eingeborenenstämmen üblich, erfuhren wir das Meiste durch mündliche Überlieferung. Sollte es doch weitere schriftliche Aufzeichnungen geben, sind sie mir nicht bekannt.

Girtler spricht sich für eine Offenheit in der Forschung aus und gegen eine Theoriebildung im Vorfeld der Forschung (vgl. Girtler 2001). Meiner Meinung nach werden viele Forschungsprozesse durch vorangegangene Forschungsfragen zu sehr beeinflusst. Man sucht nach bestimmten Antworten und findet meist auch einen Weg diese zu entdecken. Dies schränkt den Blick auf das Erforschte zu sehr ein. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir ohne konkrete Forschungsfragen an dieses Fotoprojekt rangegangen sind. Genauso halte ich es auch bei dieser Diplomarbeit. Ich habe mich bemüht die Forschungsfrage so offen wie möglich zu halten, ohne  dabei auf ein methodisches Vorgehen zu verzichten. Girtler schreibt, dass sich die Struktur während des Forschungsprozesses ergebe ( vgl. Girtler 2001).

Girtlers zweites Prinzip der Feldforschung ist das „gegenseitige Lernen“(vgl. Girtler 2001, S.56). Das heißt nicht nur die Erforschten erzählen etwas von sich, sondern auch der Forscher bringt Persönliches von sich mit ein. Für uns war dies eine hervorragende Methode, um mit den Kindern und den anderen Bewohnern von Oziel in Kontakt zu kommen. Alle kannten Deutschland als große Fußballnation (jeder Erwachsenen kannte zumindest den Namen Beckenbauer) und brachten so ein großes Interesse für Deutschland mit (siehe auch den Unterpunkt „Ein Abend in der Schule“ auf Seite 89). Kam das Thema auf Fußball, war das Eis schnell gebrochen und eine lebhafte Unterhaltung begann. Fußball ist eine gemeinsame Sprache, die überall in Brasilien gesprochen wird.

Um noch ein weiteres Mal Girtler zu zitieren: „Der Beobachter braucht also persönliche Kontakte, die zu freundschaftlichen werden können, um von der zu beobachtenden Gruppe akzeptiert zu werden, denn nur so wird es ihm möglich sein, relativ ungehindert in der spezifischen Alltagswelt sich bewegen, beobachten und diskutieren zu können (Girtler 2001, S.65).
Für Parque Oziel galt dies doppelt. So führte uns der Canario erst einmal herum und stellte uns den „wichtigen“ Leuten vor, damit klar war, dass wir keine Polizeispitzel waren.

Wir entwickelten einige freundschaftliche Beziehungen. Mit den Kindern war es vor allem Soleilla, die eine enge Beziehung zu einigen der Mädchen knüpfte. In ihrem Steckbrief schrieb Gabriella, dass der bedeutungsvollste Moment in ihrem Leben derjenige gewesen sei, in dem sie Soleilla kennen gelernt hat. Die Verabschiedungen von den Kindern gestalteten sich sehr tränenreich.

Unter den Erwachsenen war es vor allem Adailton mit dem wir Freundschaft schlossen. Adailton ist der gute Geist des P.A.F.; der erste der morgens da ist und der letzte der abends zuschließt. Wir haben ihm bei seiner Arbeit geholfen, mit ihm gekocht, geredet und vor allem viel gelacht. Er war eine unerlässliche Stütze bei unserer Arbeit. Es waren hauptsächlich die freundschaftlichen Beziehungen, die uns viele Türen geöffnet haben.

Die vielleicht wichtigste Frage für die gesamte Feldforschung ist für Girtler: “Was darf ich sagen oder tun, um die von mir beobachteten Menschen nicht zu verärgern.“ (Girtler, 2001, S.107)

Zu dieser Frage wird mir immer einer meiner Kommilitonen in Erinnerung bleiben, der ein falsches portugiesisches Wort verwendete und den Canario somit fragte, ob er denn Probleme mit seinem Penis hätte. Auch die peinliche Episode die sich am Ende unseres Essens bei Isabella (siehe das Unterkapitel „Ein Essen in der Favella“), ist wohl beispielhaft dafür. Die Menschen in Oziel sind zwar arm und leben unter dürftigen Verhältnissen, aber sie sind auch sehr stolze Menschen, die kein Geld für kleine Gefälligkeiten annehmen möchten. Ich kann mir auch gut vorstellen, wie gönnerhaft teilweise das Auftreten von „reichen“ Studenten und Forschern auf diese Menschen wirken kann.

2.3 Aus der Perspektive von Kindern

 
Ich spare es mir, in diesem Kapitel den aktuellen Stand der Kindheitsforschung nachzuzeichnen. Stattdessen werde ich nur auf die – für diese Arbeit – wichtigen Punkte eingehen.

Mein Grundgedanke bei der Entscheidung die Perspektive von Kindern zu wählen, war die Hoffnung, dadurch einen ehrlicheren und authentischeren Einblick in das Favelaleben zu bekommen. Ich bin davon ausgegangen, dass Kinder ihre Motive spontaner und mit weniger Hintergedanken wählen. Mit Hintergedanken meine ich vor allem politische und ähnliche Interessen. Ich hatte die Befürchtung, dass ein Erwachsener eher eine Zensurschere im Kopf hat, als ein Kind. Dass er die unschönen Seiten der Favela entweder ganz auslässt, weil er sich dafür schämt, oder dass er sie bewusst in den Vordergrund rückt, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Bei den Kindern habe ich gehofft, dass sie die positiven und negativen Seiten der Favela so in ihren Fotografien widerspiegeln, wie sie in ihrem Alltag auftauchen.

Die Forschung sieht im Umgang mit der „Perspektive der Kinder“ vor allem ein Problem der Differenz zwischen Erwachsenen und Kindern. (vgl. Honig/Lange/Leu 1999, S. 9)

Da haben wir auf der einen Seite die akademisch gebildeten Forscher, die sich gerne einer komplizierten, für „normale Menschen“ unverständlichen Fachsprache bedienen, um gesellschaftliche Wirklichkeiten wissenschaftlich darzustellen. Auf der anderen Seite die Kinder, die die Welt noch mit ganz anderen Augen wahrnehmen, und sich einer einfachen Sprache bedienen, die den Erwachsenen aber oft so fremd erscheint, weil sie sie schon längst verlernt haben.

Mir scheint, wir haben es hier vor allem mit einem Übersetzungsproblem zu tun. Wie können wir die Sprache der Kinder entschlüsseln, und in für die Forschung „brauchbare“ Ergebnisse übersetzen? Oder um es salopp auszudrücken, wie könne wir einen „Draht“ zu den Kindern bekommen.

In unserem Fotoprojekt sah ich den wichtigsten Schritt um einen „Draht“ zu den Kindern zu bekommen, darin Vertrauen zu schaffen. Sie sollten merken, dass sie von uns als Person und als Gesprächspartner ernst genommen werden, dass wir ihnen wirklich zuhören (was durch die Sprachbarrieren gar nicht so einfach war). ( Fußnote: Wobei dies auch, durch die Neugierde auf eine fremde Kultur, auf „die Ausländer“ ein Vorteil gewesen sein könnte, der es erleichtert hat, „das Eis zu brechen“.)

Honig, Lange und Leu schreiben: „Es stellen sich fragen wie: Inwieweit ist es mir als Erwachsenem möglich, mittels „Empathie“ und Rollenübernahme die Perspektive von Kindern zu übernehmen und im Hinblick auf Handlungsprobleme stellvertretend zu deuten? Die Bezogenheit ist in ein Verhältnis der Asymmetrie eingebettet, das sich durch Empathie allein nicht aufheben lässt. Daher ist der Versuch, etwas über das „Wesen des Kindes“ zu erfahren, mit dem Paradox konfrontiert, an einer „Perspektive des Kindes“ anknüpfen zu müssen, die man doch erst kennenlernen will.“( (Honig/Lange/Leu, 1999, S. 21)

Ich sehe dieses Paradox, an etwas anknüpfen zu wollen, das man erst noch kennenlernen will, nicht. Denn immerhin haben wir alle diese „Perspektive des Kindes“ schon einmal kennengelernt – als wir selber noch Kinder waren. Die Frage ist, wie sehr wir uns noch an diese Zeit noch erinnern können. Daran, wie wir damals empfunden haben, wie wir die Welt gesehen haben. Das mag kein sehr wissenschaftlicher Ansatz sein, aber für mich war es der Weg, den ich durch die Favela gegangen bin.

Eine weitere Schwierigkeit lässt sich vielleicht mit dem Heisenbergschen Unbestimmtheitsprinzip aus der Quantenmechanik deutlich beschreiben, welches besagt: Dass die Position eines Teilchen (z. B. Elektron) sich unmöglich beobachten lässt, da die Beobachtung an sich schon die Position des Teilchens verändert (Atkins, 1986).

In der Kindheitsforschung heißt das: “Erwachsene beeinflussen in der Interaktion mit Kindern unvermeidlich deren Perspektive und deren Äußerung.“
In unserem Fall war diese Beeinflussung, neben der Vorgabe: „Fotografiert was euch gefällt, was euch etwas bedeutet, was in eurem Alltag eine besondere Rolle spielt.“, auch allein unsere Anwesenheit als Studenten aus Deutschland. Vor allem, dass wir Leute von „Außen“ waren, mag die Kinder in ihren Aktionen beeinflusst haben (siehe auch das Kapitel 1.4 Wir von Außen).

 
Ich sehe darin aber kein größeres Problem, da das Leben der Kinder, von der Interaktion mit Erwachsenen geprägt ist und sie sicher in der Lage sind damit umzugehen. Ich denke auch, dass unsere Anwesenheit schnell vergessen war, wenn die Kinder allein mit ihrer Kamera in der Favela unterwegs waren.

Eine weitere Schwierigkeit sieht die Kindheitsforschung in der begrenzten sprachlichen Ausdrucksform von Kindern (vgl. Petermann/Windmann 1993, S. 127). Eine Schwierigkeit, die durch die sprachliche Barriere in unserem Projekt noch stärker hervortritt. So sind unsere Videointerviews mit den Kindern sprachlich sehr beschränkt und auch nicht methodisch konzipiert. Doch diese Hürde haben wir durch das Medium der Fotografie überwunden. Fuhs (1997, S. 266) sieht die Fotografie, als ein externales Medium, das als Vermittlungsinstanz eingesetzt wird, um Zugang zu der Erlebniswelt des Kindes zu schaffen.

Einen weiteren Vorteil in der Wahl von Kindern als Fotografen, sehe ich darin, dass Kinder von Erwachsenen oft nicht wahrgenommen werden. Die Erwachsenen schenken den Kindern wenn sie mit ihren Kameras unterwegs sind nicht die gleiche Beachtung wie anderen Erwachsenen. So kann es Kindern gelingen Erwachsene in Lagen oder Momenten zu fotografieren, die sonst nicht möglich gewesen währen. Wobei dies natürlich ein erheblicher Eingriff in die Privatsphäre ist und wir als Forscher mit dem gesammelten Datenmaterial sehr sorgfältig und diskret umgehen müssen.

Diese Arbeit beschäftigt sich aber nicht ausschließlich mit der Perspektive der Kinder, sondern auch mit meiner eigenen Perspektive – wie ich die Favela, die Kinder und deren Perspektive wahrgenommen habe.

„Die methodologische interessante Frage, die sich aus diesem Interesse ergibt, ist die, wie sich die Forscherperspektive auf die Teilnehmerperspektive beziehen kann. Die Antwort ethnographischer Ansätze ist die einer Quasi-Teilnehmerschaft. Ethnographen setzen sich der Alltagswelt der beforschten Gruppe aus, kulturelle Praktiken vor Ort und in ihrem Vollzug sind der Forschungsgegenstand. Ethnographen im Feld versuchen, auf Aktivitäten zu blicken, als ob sie Teilnehmer wären.“ (Kelle/Breidenstein, 1999, S.98)

Genau das war es, was wir in diesen neun Wochen in Parque Oziel gemacht haben. Wir haben am Alltag der Kinder teilgenommen. Mit ihnen gespielt, geredet, gelacht und gegessen. Diese teilnehmende Beobachtung hat es uns ermöglicht, denn Kinder auf „Augenhöhe“ zu begegnen. Da es uns nicht möglich war die Kinder in ihren Alltag außerhalb des Jugendzentrums zu begleiten, haben wir ihnen als Ersatz die Einwegkameras mitgegeben.

Auf diese Weise möchte ich analysieren, wie die Kinder selbst ihre Kultur beschreiben (vgl. Kelle/Breidenstein, 1999, S.102).



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