Gelesen: Kurzbesprechungen Juli 2014

Robert Harris – Intrige

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Im Jahr 1894 wird der französische Hauptmann Alfred Dreyfus zu lebenslanger Haft verurteilt und auf die Teufelinsel verbannt, wo er unter unmenschlichen Bedingungen gehalten wird. Dreyfus soll Informationen an die Deutschen verkauft, und damit sein Land verraten haben. Doch der Offizier Marie-Georges Picquart, der an der Verhaftung von Dreyfus beteiligt war, findet heraus, dass da etwas nicht stimmt, dass etwas vertuscht und womöglich ein unschuldiger verurteilt wurde.

Die Affäre Dreyfus ist einer der größten Justizskandale der europäischen Geschichte. Harris konzentriert sich hierbei auf den Ermittler Picquart, der den ganzen Skandal aufdeckt und dabei seine eigene Karriere und sein eigenes Leben aufs Spiel setzt. Hauptsächlich geht es um die Ermittlungsarbeit und die späteren Gerichtsverhandlungen. Der Roman beginnt recht gemächlich, gewinnt aber gegen Ende rasant an Tempo und Spannung.

John Everson – Nightwhere

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Ein junges Paar gerät in eine Beziehungskrise, weil er Blümchensex möchte und sie Schmerz. Nach Besuchen in Swingerclubs zieht es Sie in den legendenumwobenen Nachtclub Nightwhere, wo die dunkelsten Träume wahr werden sollen. Sie gleitet immer mehr in die Welt des Schmerzes ab, während er merkt, dass er sie Schritt für Schritt oder besser Schlag für Schlag verliert.

Der Festa Verlag bezeichnet dieses Buch als SM-Roman. Ich habe die englische Fassung gelesen. SM ist durchaus ein Thema, wird mir aber insgesamt zu plump und oberflächlich behandelt. Statt schrittweise in diese Welt einzuführen, wird es schon kurz nach Beginn übernatürlich und brutal. Hier werden keine subtilen Schmerzen zugefügt, sondern direkt mit der fetten Stacheldrahtkeule zugeschlagen, dass sofort das Blut spritzt. Die übernatürlichen Elemente, die deutlich von Hellraiser und Co. beeinflusst sind, kommen mir teilweise auch zu platt rüber. Interessant hätte die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten werden können, aber auch die bleibt zweidimensional. Man erfährt nichts über ihre Vergangenheit, ihr Berufsleben oder sonst was außerhalb der Sexualität. Der Roman besitzt durchaus interessante Ansätze, die aber zu schnell in plumper Gewalt versanden. Dabei ist er gar nicht so schlecht geschrieben, aber für mich funktioniert er aus den oben genannten Gründen nicht so richtig.
Andre Marx – Die drei Fragezeichen – Der Geist des Goldgräbers

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Nach Marx’ starkem Comeback Die Spur des Spielers ist dies eine eher schwächere Folge aus seiner Feder. Der titelgebende Geist des Goldgräbers lockt die Erwartungen auf eine falsche Fährte, hat er doch mit dem eigentlichen Fall kaum etwas zu tun und verliert nach anfänglichem Spuk schnell an Bedeutung. Die Stimmung in der Wüstenoase der älteren Herrschaften mit ihren Spleens, ihrer Wohngemeinschaft und skurrilen Haustieren ist sehr treffen und anschaulich beschrieben, der eigentliche Fall aber eher unspektakulär. Trotz eines gewagten und schockierenden Endes, das ich leider schon nach 45 % der Lektüre (beim belauschten Telefonat) richtig vorausgesehen habe.

Michael Marcus Thurner – Der Gottbettler

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Das Heer des Gottbettlers erobert eine Stadt nach der andern, Hoffnung liegt einzig auf einer lebensmüden, uralten Kräuterhexe, einem angehenden Zauberer und einem versoffenen Kriegsveteranen.

Größtenteils begleiten wir diese drei Figuren und den zweifelnden Heerführer des Gottbettlers. Das Buch weicht von den üblichen Klischees und Handlungsbögen ab und ist eigentlich ganz interessant. Mir persönlich war die Sprache aber zu derb und vulgär. Josefson hat das in der SF und F-Rundschau als erfrischend bezeichnet, mir war es aber zu viel des Guten. Ich mag “Grim and Gritty” wie bei Abercrombie, aber hier kommt es mir sprachlich zu plump rüber, obwohl Thurner eigentlich ein guter Autor ist. Das Interessante an der Geschichte sind die Figuren. Die alte Hexe, hinter der mehr steckt, als man anfänglich vermutet, der Zauberer, der immer besser wird, je mehr sein verstümmelt wird (keine neue Idee, in dieser Form aber interessant). Und der Säufer, der einst ein großer Krieger war. Als ambivalente Figuren, die teilweise sehr unmoralisch handeln. Das sind keine Figuren, die einem ans Herz wachsen. Der Handlungsverlauf entpuppt sich auch als recht überraschend und konsequent. Einzig der titelgebende Gottbettler bleibt mir zu nebulös, der ist fast schon ein McGuffin. Ich hatte das Buch schnell durch, es war nicht unspannend, aber es wird mir auch nicht lange im Gedächtnis bleiben (bis auf den Begriff “alte Furztrommel”).

Don Winslow – Die Sprache des Feuers

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Sturköpfiger Brandermittler ermittelt für eine Versicherung in einer für Winslow typischen kalifornischen Surferumgebung. Anfangs gibt es sehr viele Informationen über Brandermittlungen und Brände, später wird die Geschichte aber richtig spannend und weißt eine überraschende Wendung auf, mit der ich nicht gerechnet hätte. Ein sehr guter Winslow.

Phantastisch 55: Zusatzmaterial zum Artikel “Ein Buchmarkt im Wandel”

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In der aktuellen Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden Phantastikmagazins Phantastisch ist ein Artikel von mir erschienen, in dem es um die aktuelle Lage auf dem phantastischen Buchmarkt geht. Unter anderem bin ich sämtliche Vorschauen der vier großen Phantastikverlage Heyne, Blanvalet, Piper und Bastei/Luebbe von 2010 bis 2015 durchgegangen und habe sämtliche Titel in den Kategorien Fantasy und Science Fiction gezählt. Getrennt jeweils nach den Kategorien deutsche Originalausgabe, Übersetzung in Erstausgabe und Neuauflage. Unter Neuauflage fällt alles, was in irgendeiner Form zuvor schon erschienen ist.

Daraus ist eine umfangreiche Statistik entstanden, auf die ich im Artikel zwar ein wenig eingehe, dich ich aber nur in kleinem Umfang darin unterbringen konnte. Mit diesem Eintrag möchte ich noch die Statistiken und eine Grafik nachreichen, die es nicht ins Heft geschafft haben. Den Artikel werde ich hier natürlich nicht wiedergeben, den kann man in der Phantastisch lesen, die ab sofort beim Atlantis Verlag erhältlich ist.

Nur kurz: Es geht darum, ob mein Eindruck der letzten Jahre stimmt, dass die Zahl an Neuübersetzungen im Bereich Fantasy und vor allem Science Fiction in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Deshalb die Beschäftigung mit den Verlagsvorschauen. Ich wollte es konkret wissen. Dazu habe ich aber auch Stimmen von ÜbersetzerInnen und Buchhändlern gesammelt und eine Umfrage zum Leseverhalten durchgeführt.
Beim Leseverhalten ging es um die These, dass der Rückgang an Übersetzungen dazu führen könnte, dass sich immer mehr Leserinnen die unübersetzten interessanten Titel und abgebrochenen Reihen im englischen Original besorgen, dadurch immer besser im Englischlesen werden und auf Dauer dem deutschen Buchmarkt ganz verloren gehen. Deshalb die Statistik auf der einen Seite und die Leserinnenbefragung auf der anderen.

Da ich dem Artikel nichts vorwegnehmen möchte, stelle ich die Statistiken zunächst mal unkommentiert hier rein. Auf die Umfrage gehe ich, wenn ich irgendwann Zeit habe, auch noch näher ein. Ich habe die Statistik als Exel-Datei diesem Artikel beigefügt. Mir fehlt momentan die Zeit dafür, das Datenmaterial irgendwie anschaulicher aufzubereiten.

Die Verlagsvorschauen erscheinen zweimal im Jahr, Frühling/Sommer und Herbst/Winter. Auf der Grafik unten sieht man die Entwicklung der SF und Fantasyneuerscheinungen der vier erwähnten Verlage von 2010 bis Winter 14/15. Die Zahl der Veröffentlichungen ist klar zurückgegangen. Die Zahl der Neuübersetzung auch deutlich. Die Zahl der deutschen Originalausgaben und der Neuauflagen ist zwar auch zurückgegangen, im Verhältnis zu den Übersetzungen aber relativ stabil geblieben. Die genauen Zahlen gibt es wie gesagt unten in der Exceltabelle.

Grafik Übersetzungen

 

Tabelle Fantasy und SF (mit vollständigen Zahlen)

 

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 24

Das schlechte Gewissen – Adam Roberts ( auf Die Zukunft) zur Frage, ob die Science Fiction der Raumfahrt eher geschadet habe. Eine Frage, die gar nicht so weit hergeholt ist. Immer hin ist der Pionierdrang der 60er Jahre zum Erliegen gekommen und die bemannte Raumfahrt dümpelt so vor sich hin. In der öffentlichen Meinung scheint eine Mehrheit ihr gegenüber negativ eingestellt zu sein, vor allem weil man es für Geldverschwendung hält. Ich sehe es wie Roberts, die Bereisung (nicht die »Eroberung«) des Weltalls ist die Zukunft der Menschheit. Irgendwann (wir werden es wohl nicht mehr erleben) werden die Ressourcen der Erde verbraucht sein, wird der Planet verbraucht, zerstört oder sonst was sein. Und dann wird man froh sein, wenn man auf den Weltraum ausweichen kann. Außerdem gibt es da noch eine Menge zu entdecken. Wo bleibt den der Abenteuergeist und Entdeckerdrang jenseits von Kosten/Nutzen-Rechnungen?

War of the worlds: who owns the political soul of science fiction? – Und nochmal Adam Roberts (diesmal im Guardian) über die politischen Einflüsse auf das Literaturgenre Science Fiction und seine Autoren.

SteglitzMind stellt Anubis mit „Lake Hermanstadt“ vor – der einer der lesenswertesten, interessantesten und anspruchsvollsten Phantastikblogs des deutschen Sprachraums ist.

Pre-1923 Utopias and Science Fiction by Women – das ist eine sehr lange und interessante Liste.

Iain M. Banks’ Culture Spits in the Eye of Nihilism – Wer wissen will, was es mit diesem Kultur-Universum des im letzten Jahr leider verstorbenen Ian M. Banks zu tun hat, sollte diesen Einstiegsartikel von Mordicai Norde lesen. Banks hatte nicht nur wundervolle Ideen, sondern besaß auch die literarischen Fähigkeiten, daraus bemerkenswerte Romane zu machen. Mein Einstiegstipp ist Bedenke Plebas, ein actionreicher und unterhaltsamer Einstieg in die Kultur, der nicht ganz so sperrig ist, wie manch anderer Roman von Banks.

In der Hölle von heute sucht der Teufel einen Job – Dietmar Dath in der FAZ über den aktuellen Stand des Horrorgenres. Aufhänger ist die Anthologie Horror Without Victims, deren Titel schon ein faszinierendes Gedankenspiel andeutet.

Say Hello to the 420 Science Fiction, Fantasy and Horror Books Coming Out in July – SF-Signal stellt mal wieder die englischsprachigen Neuerscheinungen des Monats vor. Darunter sind aber auch viele Neuauflagen von Piers Anthony und Andre Norton (eine Autorin, die in Deutschland kaum bekannt ist, bzw. nicht mehr. Viele ihrer Bücher erschienen von den 1950er bis in die 1980er Jahre hinein auch auf Deutsch).
Auf jeden Fall lesen, will ich Tower Lord von Anthony Ryan, die Fortsetzung von Blood Song. Ansonsten habe ich nichts entdeckt, was mich auf den ersten Blick interessiert. Vielleicht The City von Dean Koontz. Von dem habe ich schon lange nichts mehr gelesen. Ach ja, und natürlich Tigerman von Nick Harkaway.

Neue Bücher Juli 2014 – und Fatasybuch.de stellt die deutschsprachigen Neuerscheinungen vor. Darunter ist viel generischer Kapuzenheini-Fantasykram dabei und eine Neuauflage von Steven Eriksons Der Tag des Sehers, zweiter gesplitteter deutscher Teil des Meisterwerks Memories of Ice aus dem komplexen und genialen Spiel der Götter, das man aber mit Band 1 die Gärten des Mondes beginnen sollte.
Bei den SF-Büchern interessiert mich eventuell Nexus von Ramez Naam. Ja,Heyne bringt gelegentlich noch SF-Neuerscheinungen! Darunter auch Banks letzten Kulturroman Die Wasserstoffsonate.

Wo man mich hört: Auf Radio F.R.E.I. zu einem alternativen SF-Hörspielpreis

Habe gerade mein erstes Radiointerview gegeben. Per Telefon, live auf Sendung. Weiß gar nicht, warum ich mich darauf eingelassen habe. ;) Ich telefoniere nicht gerne und ich geben nur ungerne Interviews. (War aber ein ganz angenehmes Gespräch.)

Hintergrund ist ein alternativer Science Fiction Hörspielpreis, den wir mit ein paar Leuten bei SF-Fan.de organisieren. Der soll eine Art Alternative zur Hörspielkategorie vom Kurd Laßwitz Preis werden. Dessen Hörspieljury im Schnitt alle zwei Jahre keinen Preis verleiht, weil man der Meinung ist, dass es keine nominierungswürdigen Hörspiele gebe, und man auch kategorisch alle kommerziellen Hörspiele, die bei Hörspielverlagen im Handel erscheinen ausschließt.. Als in diesem Jahr kein Preis verliehen wurde, obwohl der WDR 2013 mit der Hörspielumsetzung der Romane »Daemon/Darknet« ein visionäres, brisantes und topaktuelles Hörspiel geschaffen hat, kam die Sache mit dem Alternativpreis ins Rollen.

Das Interview war für eine Sendung des Senders Radio F.R.E.I., den ich vorher gar nicht kannte. Da bringt Moderator John Weide in der Sendung VIP regelmäßig Hörspielnachrichten. Eine Meldung hat er aus dem Blogeintrag von Frank Böhmert gebastelt, in dem sich Frank über die Sache mit der nicht-Preisverleihung aufregt. Mich hat der Moderator als “Rädelsführer” des Alternativpreises ausgemacht und deshalb interviewt. Ich habe die Sendung selbst nicht gehört. Sie wird wohl heute im Web zwischen 15.00 und 17.00 Uhr wiederholt. Ich müsste so um 15.20 drankommen. Ich werde sie mir leider nicht selbst anhören können, da ich um diese Zeit arbeiten muss. Ist vielleicht auch besser so. Ich kann meine eigene Stimme nicht ausstehen.

Uns geht es vor allem darum, mehr Aufmerksamkeit für die SF-Hörspielproduktionen des jeweiligen Jahres zu wecken, auch wenn die Jury des ja sehr renommierten Kurd Laßwitz Preis meint, es sei nur Mist erschienen.

 

Nachtrag: Hier kann man sich das Interview auch anhören: http://www.radio-frei.de/index.php?iid=7&ksubmit_show=Artikel&kartikel_id=4679

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 23

Rezensentische Fehlgriffe – Pieke Biermann wehrt sich gegen aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Kritik in einer Rezension zu einer ihrer Übersetzungen. Sie schildert die ganze Affäre und geht auch konkret auf die vom Rezensenten genannten Beispiele ein. Ein Problem, das wir Übersetzerinnen oft haben, ist, dass man häufig nur eine PDF Datei des Originaltextes bekommt, die vom gedruckten Buch, dank nachträglicher Änderungen abweichen kann. Ist mir gerade mit das Blut der Helden passiert. Da weicht meine PDF-Datei von der Kindle-Version ab, die dem Lektor vorliegt. Da kann es dann Abweichungen geben, wenn ein Leser Original und Übersetzung vergleicht. Ein Rezensent, der eine Übersetzung kritisiert, sollte auf jeden Fall sorgfältig sein, und korrekt aus dem Text zitieren, nicht einfach aus dem Gedächtnis, ohne Seitenangaben. Schließlich will er ja seine Behauptungen auch belegen.

Lost in Animeland: Kino’s Journey – Phantastikautor Django Wexler auf SF-Signal über eine sehr interessante Anime-Serie, die genau nach meinem Geschmack sein könnte. Werde mir bald mal eine Folge auf Hulu ansehen.

Is Ann Leckie the Next Big Thing in Science Fiction? – Danny Wicentowski auf Riferfront Times in einem ausgezeichneten Beitrag über Ann Leckie, in dem er auf ihr Leben, ihr Werk und eine unschöne Sexismusdebatte im amerikanischen Fandom eingeht. Besonder interessant, ist der Teil über die ungewöhnliche Nutzung der Personalpronomen im Roman Ancillary Justice. Ist Ann Leckie als the Next Big Thing in SF. Sieht ganz so aus. Ich fand ihren Roman ganz hervorragend.

The Cloud Roads – Mistkaeferl bespricht auf der BP einen Fantasyroman von Martha Wells:

Bunt, überraschend und verspielt – das sind drei Eigenschaften, die der Fantasy in Zeiten des grauen Zynismus irgendwie abhanden gekommen sind, und vielleicht sind sie ein Grund, weshalb Martha Wells’ The Cloud Roads so begeistert aufgenommen wurde:

Und genau deshalb möchte ich das Buch auch lesen. Grim-and-Gritty-Zynismus gibt es inzwischen zu Hauf, aber Sense-of-Wonder-Fantasy kaum noch. Mir hat von Wells auch schon Necromancer gefallen.

»Lassen Sie mich durch, ich bin Star-Wars-Fan!« - Achim (Gallagher) Hiltrop erklärt uns in einem eindrucksvollen Forenpost worum es bei Star Wars geht. Ist für jeden interessant, der sich damit nicht auskennt, aber mal eine Überblick erhalten möchte.

Fantasy in Animeform – Animario stellt bei den Serienjunkies Animes vor, die sich im Genre der klassischen von Tolkien und Dungeons and Dragons beeinflussten Fantasy bewegen. Da kommt man natürlich nicht an Record of Lodoss War vorbei. Eine Serie, die stark an die Drachenlanze erinnert, die ich aber uneingeschränkt empfehlen kann. Sehr empfehlen kann ich auch Vision of Escaflown. Einer Portal-Fantasy, in der es eine Schülerin in eine Fantasywelt verschlägt, die mit riesigen, mechanischen Battlemechs etwas steampunkiger daherkommt. Lief vor mehr als 10 Jahren mal auf MTV. Insgesamt liefert der Artikel aber nicht mehr, als eine grobe Übersicht mit ein paar Tipps. Könnte ruhig noch mehr in die Tiefe gehen. Es gibt ganz viele Fantasyserien, wie Berserk, Fall of Titans uvm.

2014 Locus Awards Winners - und nochmal Anne Leckie. Die hat jetzt auch den Locus-Award für das beste Debüt gewonnen. In der SF ging der Preis an das Autorenduo James S.A. Corey und in der Fantasy an Neil Gaiman.

 

 

Kurzbesprechungen meiner Lektüre März bis Juni (Teil 2)

Keine Zeit! Keine Zeit! Deshalb nur kurz:

Frank Schätzing – Breaking News
Ein großer Stilist wird Schätzing nie werden, aber das muss er auch gar nicht. Wer schon einmal ein Interview mit ihm gehört hat, weiß, dass er so schreibt, wie er spricht. Im aktuellen Roman hat er sich offenbar Don Winslows Tage der Toten als Vorbild genommen, und schildert einen Jahrzehnte andauernden Konflikt in schnoddrig-zynischem Tonfall. Dabei kombiniert er eine aktuelle, brisante Verschwörungsgeschichte in Thrillerform, mit einer Familiengeschichte im Kontext der Gründung und Entwicklung des Staates Israels. Als roter Faden dient der Werdegang eines Freundes dieser Familie: Arial Sharon.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Schätzing gelingt es gut, die komplexe, kaum zu durschauende und auf westliche Leser vermutlich absurd anmutende Konfliktsituation des Nahen Ostens vor allem zwischen Israel und Palästina darzustellen. Auch wenn man manchmal der Erklärbär überhandnimmt. Kann ich jedem, der sich halbwegs für diesen Konflikt interessiert nur wärmsten empfehlen.
Jörg Maurer – Felsenfest

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Ich mag keine deutschen Krimis (bis auf die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher). Ich hasse Regionalkrimis. Aber Jörg Maurers Alpenkrimi Felsenfest hat mir richtig gut gefallen. Da geht es um ein Klassentreffen, das in einer Geiselnahme endet (tun das nicht alle Klassentreffen?), an deren Ende alle Lady-Gaga-Masken tragen. Ein Krimi, der das Lokalkolorit mit viel hintersinnigem Humor vermittelt und eine interessante Geschichte mit herrlich verschrobenen Figuren (wie dem Grantler) bietet. Da kann ich mich Denis Schecks Empfehlung nur anschließen.

Michael Chabon – Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay.

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Eine wunderbare Hommage an die Anfangsjahre des Superheldencomics, der vor allem von jungen jüdischen Autoren geprägt wurde. So auch die beiden Helden der Geschichte Sam Clay und Joe Kavalier. Letzterer musste vor den Nazis nach Amerika fliehen, und hofft, mit dem Geld, dass er durch die Comics verdient, seine Familie inklusive seines kleinen Bruders nachholen zu können. Ach ja, Zauberer und Entfesslungskünstler ist er auch noch. Über zwei Jahrzehnte erzählt Chabon auf wundervolle Weise die Familiengeschichte dieses dynamischen Duos und schafft es dabei viele interessante, zeitgeschichtliche Themen mit reinzupacken. Ein Meisterwerk!

Kurzbesprechungen meiner Lektüre März bis Juni (Teil 1)

Eigentlich wollte ich diese Bücher alle ausführlich besprechen, aber mir fehlt die Zeit und ich hinke schon einige Bücher hinterher. Deshalb gibt es leider nur Kurzbesprechungen.

Volker Kutscher – Die Akte Vaterland

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Die Akte Vaterland ist der vierte Teil in der Reihe um den Berliner Ermittler Gereon Rath; inzwischen sind wir im Jahr 1930 angekommen, die SA marschiert in den Straßen und liefert sich blutige Kämpfe mit den Kommunisten. Die parlamentarische Demokratie liegt in ihren letzten Zügen. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Charlie Ritter ist endlich aus Paris zurück. Dummerweise verschlägt es Gereon kurz darauf nach einem Mord im Vergnügungstempel »Haus Vaterland« in die Provinz nach Masuren. Einem Teil deutscher Geschichte, der heute fast in Vergessenheit geraten ist.
Es ist spannend und abwechslungsreich, den eigenwilligen Ermittler mal auf fremdem Terrain zu begleiten. Für die nötige Berlinstimmung sorgt Charlie dann als Undercoverzwiebelschneiderin im Haus Vaterland.

Ein verzwickter Krimi, mit viel deutscher Geschichte, eigenwilligen und unterhaltsamen Figuren und einer tollen Atmosphäre. Um deutsche Krimis mache ich eigentlich einen großen Boden, aber von Kutschers Romanen bin ich schwer begeistert.

 

Anne Leckie – Ancillary Justice

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Großartige Science-Fiction, in der die Hauptfigur ein Raumschiff im Körper einer Frau? Ist, und sich für Ungerechtigkeiten und Intrigen rächen möchte. Sehr entspannt erzählte Geschichte im Military-SF-Kontext, in der es vor allem und die Themen Identität, Geschlecht und Herrschaft geht. Dass alles verpackt Leckie sprachlich und erzählerisch auf eine Weise, wie sie mir bisher noch nicht untergekommen ist. Das Prinzip der Raumschiffe kennt man schon von Banks oder McCaffrey, aber wie Leckie es hier mit dem Thema Identität verknüpft ist schon besonders.
Der Roman räumt momentan zu Recht sämtliche SF-Preise ab. Ausführlichere und bessere Besprechungen gibt es bei Jakob Schmidt und Jim C. Hines. Ancillary Justice wird im nächsten Jahr bei Heyne unter dem nichtssagenden und unsinnigen Titel Die Maschinen erscheinen. Aber immerhin.

 

Chris Web – Nur 6 Tage

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Jugend-SF-Dystopie, in der ganz England von den Russen erobert wurde. Ganz England? Ja, allerdings. Die Überlebenden müssen für die Eroberer den Schutt des Krieges auf der Suche nach einem Artefakt wegräumen. Bietet jetzt für erfahrene SF-Leser nichts Neues, für Jugendliche aber einen gelungenen Einstieg in die Science Fiction, ohne sich auf Krachbumm-Action zu beschränken. Lebhafte Figuren und eine recht interessante Geschichte. Übersetzt wurde es übrigens von Frank Böhmert, in schön schnoddrigem Tonfall.

 

 
Jeff VanderMeer – Anihilation

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Eine Biologin, eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Linguistin begeben sich auf eine Expedition in ein Gebiet, in dem Flora und Faune durch eine nicht näher spezifiziertes Ereignis auf teils recht unheimliche Weise verändert wurde, und auch die vier Expeditionsteilnehmer werden durch das Gebiet verändert. Dass sie nur bei ihren Berufsbezeichnungen genannt werden, und nicht bei ihren Namen, hat auch damit zu tun. Einer gelungener, atmosphärisch dichter und psychologisch komplexer Roman, der der mich trotz der relativen Ereignisarmut in seinen Bann gezogen hat. Ein vielversprechender Auftakt für die Southern-Reach-Trilogie, die in diesem Jahr noch im Kunstmann Verlag erscheinen soll. Sprachlich gar nicht so sperrig, wie ich es von VanderMeer erwartet hätte.

 

 

Ted Chiang – Das wahre Wesen der Dinge

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Gute bis herausragende SF-Kurzgeschichten, in denen es häufig um die Beziehung zwischen Mensch, Wissenschaft, Software und sozialen Zwängen geht. Obwohl ich die Meisterschaft seiner Werke erkenne, kann ich mich nicht für alle dieser Geschichten begeistern, da sie mir teilweise zu distanziert geschrieben sind. Am Besten hat mir Der Lebenszyklus von Softwareobjekten gefallen, in der es um die Frage geht, ob sich tamagotchiartige Softwarecharaketeren (so was wie Haustiere) zu echten Persönlichkeiten entwickeln können. Insgesamt kann ich dies bei Golkonda erschienen Kurzgeschichtensammlung nur empfehlen.

 

 

Im nächsten Teil der Kurzbesprechungen geht es in das von mir verhasste Genre des Regionalkrimis, wo es für mich eine handfeste bzw. felsenfeste Überraschung gab.