Übersetzungsfrage: Hochseefischerei

In der aktuellen Doku, die ich übersetze, geht es um Hochseefischerei bzw. das modernste und größte Fischereischiff der Welt inklusive einer Fischfabrik an Bord. Es wird ein Schleppnetz ausgeworfen, das bis zu 180 Tonnen Fisch fangen kann.

Weiß jemand zufällig, wie deutsche Fischer umgangssprachlich ein volles Netz nennen?

Im Original heißt es: “The net is full – this is what the crew calls a bag”

Der Begriff “bag” wird noch an anderer Stelle ein, zweimal verwendet. Sollte ich es nicht herausfinden, werde ich es einfach als “volles Netz” übersetzen, aber es wäre natürlich schöner und authentischer, wenn ich das deutsche Äquivalent benutzen kann.

Phantastische Netzstreifzüge 31

Ein paar kurze Netzstreifzüge zum Wochenende, da ich momentan auf mehreren Baustellen tätig bin. Ich hoffe in  den nächsten Tagen noch meine Lobhudelei auf Interstellar verfasst zu bekommen und einen Beitrag über vier Dokumentationen unter der Überschrift Sex, Punk and Videogames.

In Defense of Indiana Jones, Archaeologist – Max Gladstone (Three Parts Dead) darüber, warum Indiana Jones ein toller Archäologe ist. Der notorische holterdiepolter-Grabräuber kann kaum den Standards moderner Archäologie standhalten, aber er stammt auch aus einem anderen Zeitalter, und wie Gladstone schreibt, auch aus einer alternativen Realität, in der man Gummibote als Fallschirme benutzen kann und auch sonstige Regeln der Physik nicht gelten. Der Essay ist sehr unterhaltsam geschrieben und erhält persönliche Beispiele dafür, warum Dr. Henry Jones Jr. als bad-ass-archeologist gar nicht so unrealistisch ist. Habe ich schon erwähnt, dass Indy einer der Helden meiner Kindheit ist. ;)

The Apple Throne - Buchreihen und Serien werden nicht nur in Deutschland eingestellt (auch wenn ich den Eindruck habe, dass das hier proportional gesehen öfters der Fall ist). US-Autorin Tessa Gratton darüber, wie ihre Reihe nach Band 2 vom Verlag eingestellt wurde, obwohl Band 3 schon fertig war, und was sie dagegen unternommen hat. Vor allem darf man das nicht persönlich nehmen und an seinen Fähigkeiten zweifeln. Das sind in der Regel knallharte ökonomische Entscheidungen, die wenig über die Qualität der eingestellten Buchserien aussagen.

MIND MELD: The Evolution of the Author/Fan Relationship – Auf SF-Signal äußern sich einige Autorinnen darüber, wie sich die Beziehung zwischen Fans/Lesern und den Autorinnen vor allem durch soziale Netzwerke (und Blogs) verändert haben. Ich finde toll, dass man sich z. B. per Twitter mit Autoren aus der ganzen Welt austauschen kann. Letztens habe ich zum Beispiel dem schottischen SF-Autor Ian McDonal (Cyberabad) bei der Übersetzung eines Begriffs ins brasilianische Portugiesisch weitergeholfen.

So erklärt die Esa ihre »Rosetta«-Mission – Bei der Esa hat man gelernt, dass man wissenschaftliche Missionen nicht auf trockenen Presskonferenzen und mit langweiligen Lehrfilmen a la Telekolleg erklären kann. Für die Landung auf dem Kometen letzte Woche bzw. die langjährige “Rossetta”-Mission hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen und dabei ist ein ziemlich beeindruckender Film in Kinoqualität herausgekommen.

BOOK REVIEW: Nest of Worlds by Marek S. Huberath, Translated by Michael Kandel – Der englischsprachige (SFF-) Buchmarkt hat sich bisher nicht unbedingt durch zahlreiche interessante Übersetzungen hervorgetan, aber in letzter Zeit entdecke ich dort immer mehr faszinierende Übersetzungen nicht-englischsprachiger Literatur. Bücher, die es in Deutschland nicht auf den Markt geschafft haben. Was ich als Armutszeugnis sehe, da man sich leider fast nur noch auf englischsprachige Übersetzungen zu beschränken scheint. Die Ausnahme bilden aktuelle noch ein paar russische Fantasy und SF-Autoren. Erst in den letzten Streifzügen habe ich über den ersten ins Englische übersetzte chinesischen SF-Roman geschrieben. Jetzt gibt es auf SF-Signal die Rezension zu dem SF-Buch Nest of Worlds des polnischen Autors Marek S. Huberath.

Fortschrittliche Flachwelt – Christian Endres auf diezukunft darüber, warum Terry Pratchetts Scheibenweltromane auch für Science-Fiction-Fans interessant sind. Da kann ich als langjähriger Leser dieser wunderbaren Reihe nur zustimmen. Diese Bücher stecken voller Wissen und Weisheit. Wer einen ersten Einstieg in die Scheiben Welt wagen möchte, sollte nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge anfangen, da die ersten Bücher vom Humor her noch etwas flacher uns slapstickhafter sind (wenn auch sehr unterhaltsam). Mein Einstieg waren Helle Barden (Men at Arms) und Alles Sense (Reaper Man). Bei den Hexenromanen empfiehlt es sich allerdings, sie in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Müsste ich ein Lieblingsbuch auswählen, es wäre Die Nachtwächter.

Ursula K. Le Guin (hier meine Hausarbeit zu ihrem Buch The Dispossessed) hat die die National Book Foundation’s Medal for Distinguished Contribution to American Letters erhalten. In ihrer Dankesrede zeigt die 85-jährige Autorin, dass sie nicht von ihrer Bissigkeit verloren hat, bricht eine Lanze für die SF und Fantasyliteratur und ermuntert NachwuchsautorInnen, sich nicht von der Profitoptimierung der Konzerne unterkriegen zu lassen.

But the name of our beautiful reward is not profit – it’s name is freedom.

 

Captain Future auf Spiegelonline

In der Rubrik EinesTages stellt Reporterin Stephanie Maeck die Animeserie Captain Future vor, die ein wichtiger Teil ihrer Kindheit gewesen ist. Im Artikel selbst geht es ausschließlich um ihre Erinnerung an die Serie, aber wenn man sich durch die Bildergalerie klickt, erhält man noch Hintergrundinformation zur Entstehung der Romanvorlage und sieht auch das ein oder anderer Buchcover aus dem Golkonda Verlag.

Der_Tod_von_CF_gross

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 30

Mobbing und Rezensionen – Da ich nur in deutschsprachigen Foren unterwegs bin, bekomme ich aus der amerikanischen SFF-Szene (Science Fiction and Fantasy) nicht so viel mit. Deshalb schätze ich es sehr, wenn Murilegus Rex auf seinem Blog Lake Hermannstadt über die neuesten Entwicklungen berichtet. Leider geht es mal wieder um eine sehr unschöne Angelegenheit. Es hat sich herausgestellt, dass es sich bei der hochgelobten Nachwuchsautorin Benjanun Sriduangkaew um dieselbe Person handelt, die hinter dem Rezensionblog Requires Hate steckt, wo sie oft Gift und Galle weit unter der Gürtellinie gegen Autorinnen und Leser spuckt, und das sie bereits seit zehn Jahren unter verschiedenen Namen in Foren, Communities usw. Menschen aufs übelste mobbt, bedroht und beschimpft. Eine ganz üble Geschichte, die jetzt von einigen Akteurinnen der Szene aufgearbeitet wird. Wer wirklich hinter dieser hasserfüllten Person steckt, ist bis heute nicht bekannt. Ich kannte zwar den Blog Requires Hate, aber ansonsten ist die Sache bisher völlig an mir vorübergegangen, und ich bin doch schockiert über das gewaltige Ausmaß.

Ist die Zeit der Fantasy vorbei? Hat das Taschenbuch eine Zukunft? – Diese Fragen hat Phantastik-News.de hat den Machern der großen Phantastikverlage gestellt. Mit teils kuriosen Antworten:

George R.R. Martin schreibt noch an seinem nächsten Roman. Sobald der bei Penhaligon erscheinen wird, ist ein neuer Höhenflug der Fantasy vorprogrammiert.

Schreibt z. B. Holger Kappel von Blanvalet.
Insgesamt äußern sich alle eher positiv, aber was sollen sie auch sonst in der Öffentlichkeit sagen. Was ich so aus der Branche unter vorgehaltener Hand mitbekomme, hört sich da schon deutlich pessimistischer an. Ich habe dazu einen Diskussionsthread im Forum der Bibliotheka Phanastika gestartet, aber das Thema scheint nicht sehr brisant zu sein, oder die Leute sind es müde, über den ewigen Untergang des Abendlandes zu diskutieren. Diejenige, die sich äußern, sehen es anders als ich, und haben den Eindruck, als wären die Regale in den Buchhandlungen so voll wie noch nie mit Fantasy. Sehen aber alle auch eine mangelnde Vielfalt, was originelle Fantasy angeht.
Ich bin jedenfalls gespannt, was sich 2015 in der Fantasy und der Science Fiction in Deutschland tun wird, denn es soll Bewegung in den etwas eingerosteten Buchmarkt kommen (wozu ich aber noch nicht mehr schreiben kann). Ich hoffe, dass die aktuelle Flaute nur vorübergehend ist, und der nächste Besteller, der einen neuen Trend auslösen könnte, bald kommt. Wenn es wohl auch nicht der neue Martin sein wird.

The Worst of All Possible Universes and the Best of All Possible Earths: Three Body and Chinese Science Fiction – In der Übersetzung von Ken Lui ist jetzt erstmals ein chinesischer Science-Fiction-Roman auf Englisch erschienen. Eine tolle Sache, das chinesische Kino ist ja unter anderem für seine Fantasystoffe im Wuxia-Bereich bekannt. Aber SF findet dort so gut wie gar nicht statt, da die SF aus politischen Gründen keinen guten Ruf in China hat. Ich finde es immer faszinierend, SF aus einer anderen Sprache (in Übersetzung) lesen zu können, als dem alles dominierenden englischen Sprach- und Kulturraum. Besagt Buch heißt The Three-Body Problem und stammt von Cixin Liu, der sich in dem hier verlinkten Artikel zur chinesischen SF äußert. Das Buch steht auf meiner Leseliste jetzt ganz weit oben. Sollte je ein deutscher Verlag dieses Buch kaufen, hoffe ich sehr, dass man es aus dem Chinesischen übersetzen lässt und nicht die Übersetzung einer Übersetzung anfertigt, wie Heyne es zuletzt beim aktuellen Buch des japanischen Autor Koji Suzuki gemacht hat.

Hayao Miyazaki: Governors Award Recipient Says ‘I Intend to Work Until the Day I Die’ – Variety hat ein sehr interessantes Interview mit dem japanischen Kinomagier Hayao Miyazaki geführt, der zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren gehört. Aus dem Spielfilmgeschäft hat er sich inzwischen leider zurückgezogen, aber auch in seiner Rente, ist er immer noch hochaktiv und kreativ.

„Schwierigkeiten ist das falsche Wort, als Unternehmer und Verleger kennt man nur Herausforderungen.“ – SteglitzMind stellt Karlheinz Schlögl vom Golkonda-Verlag vor – auf dem Blog SteglitzMind liefert Verlagsmitbesitzer Karlheinz Schögl interessante Einblicke in die Arbeit des Golkonda Verlags.

Utopiales 2014 : Rencontre Avec Michael Moorcock – von Michael Moorcock hat man in den letzten Jahren (leider) nicht mehr viel gehört. Es ist schon über 10 Jahre her, dass von ihm etwas in Deutschland veröffentlicht wurde. Und das meiste davon waren auch Neuauflagen seiner Romane um den Ewigen Helden. Es wird übrigens höchste Zeit, dass Elric, Corum und Co. eine deutsche Neuausgabe erhalten. Ich weiß, dass einige deutsche Kleinverlage daran interessiert sind (bzw. waren), die Lizenzgebühren dafür, aber deren Möglichkeiten übersteigen. Neben der Midkemia-Saga von Raymond Feist war der Sammelband mit den sechs Romanen um Elric von Melnibone für mich als Jugendlicher der prägende Einstieg in die Fantasy – noch vor Herr der Ringe.

Moorcock ist inzwischen 74 Jahre alt und soll schon seit längerer Zeit gesundheitliche Probleme haben. Was erklären könnte, warum auch im englischsprachigen Raum, nicht viel Neues von ihm in den letzten 10 Jahren erschienen ist. Zuletzt 2010 ein Doctor-Who-Roman. Das er aber durchaus noch lebendig und aktiv ist, zeigt dieses Interview, das er auf der Utopiales in Frankreich gegen hat.

Das Schreiben seltsamer Geschichten | H.P. Lovecraft sagt, wie’s geht - Fantasyautorin E.L. Greif (Die zwölf Wasser) ist es leid, sich dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie in einem solchen “Schmuddelgenre” schreibt. Als Universalantwort für all die literarischen Snobs hat sie einen Essay von H.P. Lovecraft übersetzt und ihrer Lage angepasst. Interessante Lektüre.

 

Kurzkritiken: Meine Lektüre der letzten Monate (2/2)

Frank Miller – Die Rückkehr des dunklen Ritters

Gilt neben Watchmen als der Meilenstein des Superheldencomics der 80er Jahre und als Wendepunkt. Ein alternder Bruce Wayne zieht noch einmal das Cape über, um die Welt oder zumindest Gotham zu retten (die Welt übernimmt der Mann im blauen Strampelanzug). Der Comic ist ein Abgesang auf die strahlenden Superhelden, die immer alles richtig machen und stets im Recht sind. Um das Ganze auf der Metha-Ebene zu diskutieren, werden immer wieder lange (manchmal zu lange) Blöcke mit TV-Berichterstattung eingeblendet, die Batmans Handeln aus verschiedenen Perspektiven diskutieren. Die Rückkehr des dunklen Ritters ist ein sehr guter Comic, aber vor allem im historischen Kontext; für mich ist er nicht so gut gealtert wie Watchmen. Vermutlich hätte ich ihn schon zwei Jahrzehnte früher lesen müssen, um restlos begeistert zu sein.
Den Band habe ich übrigens von molosovsky im Zuge der Entmillerfizierung seiner Comicsammlung erhalten. Zu den Zeichnungen kann ich nichts sagen, da kenne ich mich nicht mit aus.

Douglas Preston u. Lincoln Child – Mission – Spiel auf Zeit

Preston/Child lese ich eigentlich ganz gerne, auch wenn die Pendergast-Reihe mit jedem Band etwas schwächer geworden ist. Aber Mission ist der absolute Tiefpunkt, ein vollständig aus dem Baukasten zusammengestückeltes und schlecht geschriebenes 08/15 Klischeewerk, bei dem ich mich frage, ob hier wirklich die Autoren selbst dran gesessen haben, oder nur ihre Namen zur Verfügung stellten, während ein Ghostwriter oder Computer das Teil verfasst hat. Auf den Inhalt gehe ich gar nicht erst ein, aber die Frühwerke von Clive Cussler um Supermann Dirk Pitt lesen sich auch nicht schlimmer. Aus der neuen Reihe um Gideon Crew werde ich jedenfalls nichts mehr lesen.

Stephen King – Mr. Mercedes

Unter den letzten Büchern von King, ist dieser Thriller um einen pensionierten Cop, der versucht seinen schlimmsten ungelösten Fall auf eigene Faust zu lösen, das schwächste. Aber damit ist es immer noch ein guter Thriller. Wobei Thriller schon übertrieben ist, da der (nennen wir es lieber) Krimi ein sehr gemächliches Tempo vorlegt. Weder die Geschichte um den Massenmörder, der mit einem Mercedes absichtlich in eine Menschenmenge fährt, noch der frustrierte pensionierte Cop, der jeden Nachmittag vor dem Fernseher hockt und mit seiner Waffe spielt, sind wirklich originell. Auch deren Hintergrundgeschichte nicht. Trotzdem schafft King es, sie lebhaft und glaubhaft zu schildern. Das Buch, das dem Krimiautor James M. Cain (der den Postmann zweimal klingeln lies) gewidmet ist, will aber auch gar nicht mehr sein, als eine Hommage an die Ermittler der alten Schule.

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John Niven – Straight White Male

Die Hauptfigur, ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor, der gerne viel trinkt und zu keiner Frau Nein sagen kann und plötzlich an einer Uni unterrichten solle (Staffel 3), erinnert schon ein wenig an den aus der Serie Californication bekannten Hank Moodey, auch wenn ihm ein wenig dessen Charme abgeht und seine Vorliebe für Luxus Hank befremden würde. Das Buch beginnt als zynische und derbe Abrechnung mit Hollywood und der ganzen Szene in L.A. entwickelt sich aber zu einem tiefgründigen Psychogramm eines Mannes, der feststellt, dass er den besten Teil seines Lebens verpasst hat. Niven ist dabei ein extrem unterhaltsamer Autor, bei dem jede einzelne Seite Spaß macht, der nie langweilt und durchgehend eine mitreißende Dynamik in seiner Schreibe besitzt. Ein Autor, von dem ich mit Sicherheit noch mehr lesen werde.

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Kurzkritiken: Meine Lektüre der letzten Monate (1/2)

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Joe R. Lansdale – Gauklersommer

Journalist und Kriegsverteran kehrt in seine Heimatstadt zurück, versucht einige Morde aufzuklären und gerät dabei an sehr böse Menschen. Die Kleinstadt ist Camp Rapture. der Reporter ein Nachfahre des resoluten weiblichen Sheriffs aus Kahlschlag. Der Roman selbst gehört zu den eher schwächeren Werken Lansdales. Zumindest hat er mich nicht so gepackt wie Kahlschlag und Ein feiner dunkler Riss. Schlecht ist es aber auch nicht, vor allem die Figuren überzeugen, allen voran der sozioapathische Freund des Reporters, mit dem die Bösewichte einen nicht weniger zimperlichen Feind haben. Für eine solche investigative Geschichte hat mir aber ein wenig die Spannung gefehlt.

Nick Dybek – Der Himmel über Greene Harbor
Coming-of-Age-Roman über einen den 14-jährigen Cal, der in einer rauen Hafenstadt, die vom “Deadliest Catch” (der Krabbenfischerei) lebt, ein düsteres Geheimnis entdeckt, das ihn vor ein schweres moralisches Dilemma stellt und die Beziehung zu seinem Vater für immer verändert. Vor allem der erste Teil des Romans überzeugt durch seine sprachliche Wucht und die feinfühlige Darstellung des jugendlichen Lebens in einem Fischerstädtchen, in einer nicht ganz intakten Familie. Mit der Wendung hin zum kammerspielartigen Krimi verliert der Roman etwas an Atmosphäre, gewinnt dafür aber an Kraft. Der hintersinnige Originaltitel Captain Flint was Still a Good Man, die auf den Kapitän aus Stevensons Schatzinsel anspielt, passt viel besser zum Buch, als der kitschige deutsche Titel, der eher auf einen Roman im Stil von Nicholas Sparks vermuten lässt. Was zum Glück nicht der Fall ist. Klare Leseempehlung! In Taschenbuchausgabe von Heyne wird an keiner Stelle der Übersetzer erwähnt. Deshalb sei es hier erwähnt: Der Himmel über Greene Harbor wurde von Frank Fingerhut übersetzt!

Max Gladstone – Two Serpents Rise
Ausführliche Besprechung folgt noch. Nur soviel: Im zweiten Band der Craft-Sequenz steigert sich Gladstone sprachlich deutlich und kommt souveräner rüber. Dafür ist die Geschichte geradliniger und weniger komplex angelegt, als in Three Parts Dead. Eine Reihe, für alle, die gerne etwas ungewöhnlichere und originellere Fantasy lesen möchten. Der Mix aus moderner großstädtischer Gesellschaft und magiedurchdrungener Fantasymythologie überzeugt auf der ganzen Linie.

Danny Wallace – Auf den ersten Blick
Cover und Titel der deutschen Ausgabe zielen auf LeserInnen ab, die Zwei an einem Tag von David Nicholls gelesen haben. Da gehöre ich zwar auch zu, aber im Gegensatz zu mir, der literarisch sehr flexibel ist, könnten viele davon enttäuscht sein, dass sie hier statt einer romantischen Liebesgeschichte eine klassische Slackerkomödie bekommen. Mir hat das Buch trotzdem ganz gut gefallen. Es ist jetzt nicht der Brüller, aber hat durchaus seine witzigen Momente.

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 29

Zwei kurze Netzstreifzüge für zwischendurch.

Bitte einmal deutlich röcheln – Ich schaue mir amerikanische TV-Serien nur noch im Original an, aber es gibt noch immer viele Zuschauerinnen, die lieber auf eine deutsche Fassung zurückgreifen. Gleichzeitig wollen sie die aktuellen Serien auch möglichst schnell und zeitnah zur US-Ausstrahlung haben. Nicht nur, weil man alles gerne möglichst sofort haben will, sondern auch, um im globalisierten Internet mit sozialen Netzwerken, in denen man täglich mit Freunden und Bekannten aus der ganzen Welt kommuniziert, nicht gespoilert zu werden, während man sechs Monate auf die deutsche Fassung wartet. Das war früher ungefähr der Zeitraum, den ein Synchronisationsstudio für die Synchronisation einer Serienstaffel zur Verfügung hatte. Wie der Artikel von Niklas Hofmann auf Sueddeutsche.de zeigt, hat sich das Zeitfenster ein klein wenig verkürzt. Und zusätzlich muss man sich noch mit teils abstrusen Bedingungen der amerikanischen Vorlagenlieferanten rumschlagen. Die Rohübersetzung des Dialogskripts muss in unfassbar kurzer Zeit abgeliefert werden und manche Folge ist erst wenige Stunden vor der Ausstrahlung fertig.

Ich übersetze ja auch Produktionskripte für Fernsehen, bisher allerdings nur im Dokumentarbereich. Auch da sind die Abgabefristen teilweise sehr knapp, was der Übersetzung nicht immer gut tut. Für eine Doku von 45 Minuten brauche ich in der Regel zwei Tage. Ein dritter Tag wäre noch sehr gut, um die Übersetzung nochmal in Ruhe durchzugehen, um den Text mehr vom Original zu lösen. Etwas, das dann später ein Redakteur macht. Aber wenn ich mehr Zeit habe, hat die Redaktion nachher auch weniger Arbeit. Ich denke, das Skript von einer Folge von The Walking Dead ist durchaus an einem Tag zu schaffen – vor allem wenn die Folge zombielastig ist. Bei einer Folge von Law and Order oder Boston Legal sieht die Sache schon anders aus. Wie auch immer, wer eine zeitnahe Ausstrahlung in deutscher Fassung fordert, weiß nach Lektüre dieses Artikels, welchen Preis er dafür zahlen muss. Dem Erfolg von The Walking Dead scheint das in Deutschland aber keinen Abbruch zu tun. Wenn man die Originalfassung nicht kennt, merkt man oft auch nicht, wie wenig bestimmte Stimmen zu den Figuren passen, oder ob da etwas hastig runterübersetzt wurde.

Und natürlich erhalten die Übersetzerinnen und die anderen Beteiligten für den gestiegenen Zeitdruck und Arbeitsstress einen ganz besonderen Bonus: die Honorare in diesem Bereich sinken nämlich schon seit Jahren kontinuierlich bis ins Unverschämte. Trotzdem würde ich (als Serienjunkie) gerne mal eine TV-Serie übersetzen.

AKIRA – Review – Anlässlich des Erscheinens auf Blu-ray hat Animario auf Serienjunkies.de diesen Animeklassiker neu besprochen. Für mich war das Anfang der 90er der erste Anime, den ich bewusst (als Anime) gesehen habe (ausgeliehen in der örtlichen Videothek). Und er hat mich so richtig vom Hocker gehauen und dafür gesorgt, dass ich bis heute furchtbar gerne japanische Zeichentrickfilme sehe. Anfang/Mitte der 90er Jahre waren die noch gar nicht so einfach zu bekommen, da der Anime-Boom erst etwas später einsetzen sollte. Damals haben wir noch in der Schule heimlich während des Unterrichts den Printkatalog der A.C.O.G rumgehen lassen, um am Ende eine Sammelbestellung aufzugeben (ähnlich wie das mancher auch von T-Shirtbestellungen aus dem EMP-Katalog oder Horrorfilmbestellungen bei Incedible Strange Video kennt). So konnte man sich auch absprechen, wer was kauft, damit am Ende eine möglichst große Bandbreite an zu schauenden Filmen hatte.

Akira ist übrigens zu Recht nicht nur ein Animeklassiker, sondern auch ein SF-Klassiker, der bis heute (zu Zeiten des Unglücks von Fukushima) aktuell wirkt. Ich besitze übrigens auch den großartigen Soundtrack auf CD, der maßgeblich zu der dichten, düsteren Atmosphäre einer leicht verkommen, autoritär-anarchistischen Zukunft beiträgt.