TV-Tipp: Das Rätsel des Sphinx (auf N24)

Am Mittwochabend um 22.05 Uhr läuft mit Das Rätsel des Sphinx die erste N24-Doku, zu der ich das Skript übersetzt habe. Das ist eine BBC-Doku, die sich mit der Frage beschäftigt, wer als Erbauer des Sphinx von Gizeh infrage kommt. War es Cheops, Erbauer der berühmten großen Pyramide, oder einer seiner Söhne – Radjedef oder Chephren. Die Dokus spielt die verschiedenen Theorien durch, ist aber auch ein wenig auf Unterhaltung getrimmt. So wirkt es, als würden die im Film auftauchenden Forscher direkt vor Ort große Entdeckungen machen. Dabei sind das Sachen, die teilweise schon seit hundert Jahren bekannt sind. Interessant ist die Doku aber trotzdem.

Ich hatte »the sphinx« übrigens als »die Sphinx« übersetzt, weil es die gebräuchliche Form ist und alles andere sich komisch anhört. Dabei ist die männliche Form »der Sphinx« und »Rätsel des Sphinx« aber tatsächlich passender, weil sie wohl einen Mann darstellt. In der Archäologie setzt sich die männliche Form inzwischen auch immer mehr durch.

Hier noch die Inhaltsangabe von N24:

Sie ist das größte von Menschen aus einem Stück gefertigte Bauwerk auf der Welt: Die Sphinx von Gizeh. Auch heute noch gibt sie Forschern Rätsel auf. Von wem wurde sie erbaut, wessen Antlitz bildet sie ab? Es herrscht Unklarheit darüber, wie alt das Monument ist und welchem Zweck es im antiken Ägypten diente. Archäologen und Ägyptologen überprüfen die verschiedenen Theorien und versuchen die Puzzleteile dieses einzigartigen Stücks Menschheitsgeschichte zusammenzusetzen.

Ab Mittwoch 22.05 Uhr kann man sich die Doku auch in der Mediathek ansehen.

Öffentliche Kritik an Übersetzungen: Der Spiegel und “Der erste Sohn”

Im Spiegel Nr. 36 wirft Martin Doerry die Frage auf, warum das in den USA zum Bestseller gewordene Buch Der erste Sohn von Phillip Meyer in Deutschland floppte. Doerry bezeichnet seinen dreiseitigen Artikel als “Erklärungsversuch”. Dabei ist die Frage schnell beantwortet. Wild-West-Romane funktionieren auf dem deutschsprachigen Buchmarkt einfach nicht. Der Roman beschreibt ein uramerikanisches Thema (das Leben an der frontier), für das man sich hier einfach nicht interessiert.

Trotzdem schießt sich Doerry auf die Übersetzung als Ursache ein, und liefert 13 Textbeispiele, bei denen die Übersetzung nicht so gut gelungen ist, bzw. wo etwas falsch übersetzt wurde. 13 Sätze bzw. Satzbruchstücke aus 600 Seiten.

Kritisiert man eine Übersetzung, muss man seine Argumente natürlich mit Beispielen untermauern. Aber gerade bei Literaturübersetzungen ist es schwierig, diese Beispiele aus dem Kontext gerissen zu bewerten. Hat der Übersetzer hier ein anderes Wort gewählt, weil durch die wörtliche Übersetzung eine Wortwiederholung auftaucht? Oder weil es nicht zum Satzrhythmus passt, nicht zur Sprachebene, zum Sprachfluss?

Fehler passieren. Vor allem bei einem so dicken Buch. Da kommt es auf die Zeit an, die der Übersetzer für den Text hat. Und auch darauf, ob er die Fahnenkorrekturen nochmal zur Ansicht bekommt. In seinem Leserbrief im Spiegel nur 38 schreibt Übersetzer Hans M. Herzog, dass dies hier nicht der Fall gewesen sei. Gibt damit aber auch fairerweise zu, dass ihm da tatsächlich ein paar Übersetzungsschnitzer durchgegangen sind. Schnitzer, die in einem finalen Korrekturgang der Druckfahnen noch auffallen könnten.

Mir selbst ist es auch schon passiert, dass ich die abgegebene erste Fassung einer Übersetzung erst wieder zu Gesicht bekam, als sie als Belegexemplar im Briefkasten lag. Da bemerkte ich dann nicht nur Fehler, die mir entgangen sind, sondern auch Fehler, die vom Lektorat “reinverbessert” worden sind. Eine sehr ärgerliche Sache, da ich für den Text mit meinem Namen einstehe, obwohl die Fehler von jemand anderem gemacht wurden, ohne dass ich es hätte verhindern können.

Bevor man also den Übersetzer öffentlich als Alleinschuldigen ausmacht, sollte man sich man darüber nachdenken, dass es auf dem Weg von der Übersetzung bis zum fertigen Buch noch einige andere Fehlerquellen geben könnte. Wobei ich zugebe, dass es für die meisten Leser, die sich nicht mit der Buchbranche beschäftigen, schwierig sein dürfte, Einblicke in die Buchproduktion zu erhalten, da sich die Verlage in der Regel sehr bedeckt halten, was den Ablauf der Produktion angeht.

Der Übersetzer bekommt vom Verlag ein Manuskript, das es zu übersetzen gilt. Im Idealfall stimmt dieses Manuskript auch mit dem fertigen Originalbuch überein. Oft ist das nicht der Fall. Habe schon mehrfach gehört, dass Übersetzer eine Rohfassung erhalten haben, die teilweise massiv von dem fertigen Originalbuch abgewichen ist. Und meist haben sie es auch nicht gewusst oder erst per Zufall erfahren (ist oft der Fall, wenn die deutsche Ausgabe zeitnah zum Originalbuch erscheinen soll).

Ist das Buch (häufig unter großem Zeitdruck und schlecht bezahlt) übersetzt, geht die Übersetzung zum Lektorat. Die Lektorin geht den Text dann vor allem auf der sprachlichen Ebene durch. Im Idealfall geht die Übersetzung nach erfolgtem Lektorat wieder zurück zum Übersetzer, damit dieser die Änderungen bzw. die Änderungsvorschläge durchgehen kann, um sie abzusegnen oder auch um sich eine bessere Alternative zu überlegen oder für seine Version zu kämpfen. Das kostet natürlich Zeit und wird dem Übersetzer auch nicht bezahlt.

Das Lektorat erfolgt inzwischen häufig bei freien Lektoren und Lektorinnen, die nicht beim Verlag angestellt sind.Bekommen sie z. B. eine ziemlich fehlerfreie Übersetzung und haben nichts anzumerken oder zu ändern, kommen sie schnell in Erklärungsnot, wofür sie denn da ein Honorar verlangen würden. Da macht man auch schon mal Änderungen, wo eigentlich keine notwendig wären.

Dann geht es zum Korrektorat, das im Idealfall nicht mit dem Lektorat identisch ist. Mehr Augen sehen auch mehr Fehler. Hier geht es jetzt um Tipp-, Rechtschreib-, Komma- und Grammatikfehler.

Dann geht der Text in den Satz. Satz heißt, der Text wird so gesetzt, dass er in der gedruckten Fassung ein einheitliches und stimmiges Bild abgibt. Ordentliche Zeilen- und Seitenumbrüche, eine gleichmäßige Zeilenlänge usw. Dabei werden oft noch sogenannte Schusterjungen und Hurenkinder entfernt. Also Wörter bzw. Satzteile, die dafür sorgen, dass der Text nicht gleichmäßig ordentlich aussieht, bei Absätzen am Ende der Seite. Je nach Setzer können da durchaus wichtige Sachen verschwinden. Bei einem richtig guten Setzer (wie z. B. im Golkonda Verlag) gibt es keine Hurenkinder.

Der fertig gesetzte Text ist dann die sogenannte Druckfahne, also die Version des Textes, die in die Druckerei geht. Und im Idealfall bekommt der Übersetzer sie noch zu sehen, bevor sie unter seinem Namen in den Buchhandel gelangt.

Das ist jetzt grob vereinfacht dargestellt. Ich bin auch kein Experte, was die Buchproduktion angeht. Aber es sollte verdeutlichen, dass nicht immer der Übersetzer alleinige Schuld an Fehlern im fertigen Buch hat. Da gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Fehlerquellen. Und immerhin ist ja der Verlag auch dafür verantwortlich, was da bei ihm als Buch erscheint. Erhält er eine schlechte Übersetzung, muss er dafür sorgen, dass sie in Ordnung gebracht wird. Aber das alles kostet eben Zeit und Geld.

Am Ende seines Artikels geht Doerry zumindest noch darauf ein, dass viele Titel unter einem hohen Zeit- und Kostendruck entstehen, der einer fehlerfreien, guten Produktion nicht gerade förderlich ist.

Für den Übersetzer ist ein solch prominenter Artikel im Spiegel mit Sicherheit vernichtend und wird sich negativ auf die Auftragslage auswirken. Egal, ob und wie er jetzt für etwaige Fehler im Buch verantwortlich ist.

Dass eine gute oder schlechte Übersetzung dafür sorgen kann, ob ein Buch ein Bestseller werden kann, wage ich doch zu bezweifeln. Die in einer Woche von 10 Übersetzern runtergehetzte, schlechte Übersetzung von Dan Browns Das verlorene Symbol hat sich jedenfalls nicht negativ auf dessen Verkaufszahlen ausgewirkt. Und wie schon erwähnt, der Wilde Westen zieht einfach nicht, weder in Film noch in Buchform.

 

Edit: einige Tippfehler verbessert.

 

P. S. Es geht mir hier nicht um Schuldzuweisung, sondern nur darum, mögliche weitere Fehlerquellen neben den Übersetzern aufzuzeigen (siehe die Kommentare unten).

Mich gibt es auch auf …

LinkedIn, Traduguide, Facebook und Twitter.

Wenn man als Übersetzer Aufträge bekommen möchte, braucht man Kontakte. Kontakte kann man auf alle möglichen Arten bekommen: Schule, Studium, Verwandtschaft, Freundes- und Bekanntenkreis, Messen, Seminare usw.

Immer wichtiger wird es aber, im Internet vernetzt zu sein. Sprich in den sozialen Netzwerken. Facebook ist jetzt eher was für den privaten Kreis der Freunde und weiteren Bekannten. Twitter ganz ähnlich, aber auf reduzierte Weise.

LinkedIn hingegen ist ein soziales Netzwerk für berufliche Kontakte. Ich bin da jetzt schon seit einem Jahr dabei, habe aber noch nicht so recht verstanden, wie das funktioniert. Die fünf Kontakte, die ich hatte, sind inzwischen wieder auf drei geschrumpft.

Heute habe ich mich auf Empfehlung eines Kollegen noch bei Traduguide.com angemeldet. Eine Plattform auf der Übersetzer und Dolmetscher ihre Dienste anbieten und auf der Aufträge ausgeschrieben werden. Mal schauen, ob sich da was tut.

Sollte jemand Empfehlungen haben, wo man sich sonst noch im Netz anmelden sollte, nur her damit. :)

Bei LinkedIn sieht das z. B. so aus:

LinkedIn-Profil

 

Wo man mich trifft: Übersetzungsseminar in Straelen

Vom 3. bis zum 7. September werde ich an einem Übersetzungsseminar/Workshop des Deutschen Übersetzerfonds am Europäischen Übersetzerkollegium in Straelen teilnehmen. Der Deutsche Übersetzerfonds veranstaltet regelmäßig Seminare und Workshops für Übersetzer zu bestimmten Themen. Thema dieses Seminars:

»In einer anderen Welt«
Sprachenübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Fantasyliteratur

Wer dem obigen Link folgt, findet dort den ganzen Ausschreibungstext.

12 Teilnehmer, die Science Fiction, Fantasy und sonstige Phantastik übersetzen, werden in diesen fünf Tagen gemeinsam an ihren Übersetzungen arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt. Die Texte liegen mir bereits vor, einige der ÜbersetzerInnen kenne ich bereits, andere noch nicht.

Wenn ich zurück bin, werde ich hier im Blog über das Seminar berichten.

TV-“Tipp” (lieber ein Hinweis): Mythos und Wahrheit – Bunker

Am Montag den 1.9.2014 läuft um 21.05 Uhr auf N24 die TV-Doku »Mythos und Wahrheit – Bunker«, für die ich die Rohübersetzung gemacht habe.

Rohübersetzung heißt, dass ich das englische Originalproduktionsskript mit den Sprechertexten und Bildeinblendungen übersetzt habe. Diese Übersetzung wird dann von einer Redakteurin verwendet, um die deutschen Erzähler- und Sprechertexte zu erstellen. Wenn ich mir die finalen Texte so ansehe, bleibt aber durchaus viel von meinen Formulierungen übrig. Demnächst werde ich mal einen genaueren Eintrag darüber verfassen, wie so etwas abläuft.

Hier der offizielle Text zur Doku:

Zum Schutz der Bevölkerung und Regierungen vor atomaren, biologischen und chemischen Angriffen spielen Bunker eine wichtige Rolle. Eine Reise in die verborgenen und geheimen Welten unter der Erde: Die Dokumentation zeigt die historische Entwicklung – von privaten Schutzräumen in Vorgärten bis hin zur neuen Generation der Hightech-Bunker in Form von unterirdischen Kleinstädten, die möglichst vielen Menschen Schutz bieten können.

Quelle: http://www.n24.de/n24/Mediathek/Dokumentationen/d/5305250/mythos-und-wahrheit–bunker.html (ab dem 1.9. kann man sich die Doku auch unter diesem Link in der Mediathek ansehen.)
Von den acht Dokus (bzw. Infotainmentsendungen), die ich bisher übersetzt habe, würde ich diese als die schwächste bezeichnen (deshalb der TV-Tipp in Anführungszeichen). Da sind sogar die Texte des Erzählers nicht sehr gelungen. Habe versucht, das ein wenig aufzubessern, ohne etwas am Inhalt zu verändern. Die Redakteurin hat da noch deutlich mehr aufpoliert. Die Originaldoku wirkt wie ein Werbevideo von Bunkerherstellern, die paranoiden Weltuntergangshysterikern teure Bunker für die nahende Zombieapokalypse unterjubeln wollen.

Interessant ist die Doku trotzdem für jene, die sich für Bunker wie z. B. die riesige Bunkeranlage der US-Regierung unter dem Greenbrier Resort (ein Luxushotel).

Crowdfunding für eine Musikschule auf Rapa Nui

Mahani Teave wuchs auf der abgelegensten Insel der Welt auf: Rapa Nui. Die Osterinsel, berühmt für die Moai, die klobigen Steinköpfe, für deren Herstellung der komplette Wald der Insel abgeholzt wurde. Als sie 9 Jahre alt war, zog jemand mit einem Piano auf die Insel und Mahanis Zukunft war besiegelt. Sie lernte das Klavierspielen, und als das Piano die Insel wieder verließ, zog Mahanis Mutter mit ihr in das 6000 Kilometer entfernte Santiago de Chile, damit sie dort weiter das Klavierspiel lernen konnte. Später studierte sie in Cleveland und entwickelte sich zu einer der berühmtesten und besten Nachwuchspianistinnen in Lateinamerika. Schließlich zog es sie an die Hans Eisler Musikschule in Berlin, wo sie in die Wohnung direkt neben mir wohne, und ich ihr wundervolles Klavierspiel täglich genießen konnte (was deutlich besser war, als der Assi-Hip-Hop aus der Wohnung unter mir :) )

Inzwischen lebt Mahani wieder in Chile und hat auf Rapa Nui eine Musikschule gegründet. Bisher fand der Unterricht in verschiedenen Privaträumen statt, jetzt möchte man ein Gebäude für eine feste Musikschule bauen. Dazu sollen die nachhaltigen Baukonzepte von Earthship.

Da es an direkten größeren Sponsoren mangelt, versucht man es per Crowdfunding über die Plattform indiegogo. Das ursprüngliche Ziel von 135.000 Dollar wurde inzwischen auf realistische 56.000 Dollar reduziert. In Zeiten, in denen eine Weltraumsimulation 50 Millionen und ein Kartoffelsalatprojekt, das auf 10 Dollar ausgelegt war 50.000 sammeln können, ist es für ernstere, wohltätige Anliegen ohne coole Ice-Bucket-Challenge schwierig, genügend Spender aufzutreiben. Der Erfolg ein Crowdfunding-Projekt entscheidet sich in der Regel nach 3-4 Tagen.

Ich spende eigentlich prinzipiell nichts für Crowdfunding, weil ich da ein Investor bin, der an etwaigen Gewinnen nicht beteiligt wird. Bei diesem Projekt habe ich es aber gerne getan. Wer auch spenden möchte, kann sich hier ausführlich über das Projekt informieren und dann spenden: https://www.indiegogo.com/projects/easter-island-sustainable-music-school-rapa-nui#home

Zitate aus dem Ersten Weltkrieg gesucht

Aktuell übersetze ich eine TV-Dokumentation über den Ersten Weltkrieg, die ausschließlich aus (nachkolorierten) Originalaufnahmen aus dieser Zeit besteht. Das Skript ist auf Englisch, es gibt aber auch Zitate, die aus dem Deutschen ins Englische übersetzt wurden (aus »Mein Kampf« z. b., oder aus Reden). Leider konnte ich dazu nicht den deutschen Originalwortlaut finden. Vielleicht könnt Ihr mir ja weiterhelfen. Falls jemand die passende Stelle zur Hand hat, wäre ich um Hilfe sehr dankbar.

1933 gibt es in Tannenberg eine Feier zu Ehren von Hindenburg. Hitler sagt dabei: “Tannenberg is a symbol. It was here, in 1914,
that Germany’s destiny was determined.”
Kennt jemand den deutschen Originalwortlaut?

Aus dem Roman »August Vierzehn« von Solschenizyn gibt es folgendes Zitat: “The regiment is a sort of village, the officer a sort of squire, and so long as meals, mass and vodka are offered, bullets hold no terror for them.”
Hat jemand die deutsche Übersetzung von Swetlana Geier zur Hand und kann mir da weiterhelfen.

Zur Führungsspitze mit Ludendorff sag von Hindenburg: “It is a happy marriage.”
Weiß jemand, was genau er im Deutschen gesagt hat.

Nach dem Sieg in Polen 1914 sagt Hindenburg: “If things had turned out differently, mine would be the most hated name in all Germany.”
Der deutsche Wortlaut?

In »Mein Kampf« schreibt Hitler: “The pride of the fighting soon turned into nightmare”
Weiß jemand, was da im Original steht?

Momentan habe ich diese Zitate ins Deutsche zurückübersetzt. Was aber keine gute Lösung ist.