Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 12

Marsianer und Maschinen – auf dem Heyne Portal Die Zukunft wirft man einen Blick in die selbige und stellt drei SF-Bücher vor, die 2015 bei Heyne auf Deutsch erscheinen werden.

Die Flammen des Mars (War Dogs) von Gerg Bear ist jetzt keine Überraschung für mich, sind die letzten Bücher des Autors doch auch bei Heyne erschienen.

Umso überraschter bin ich über zwei Titel, die zu den interessantesten SF-Neuerscheinungen der letzten Monate gehören. The Martian von Andy Weir und Ancillary Justice von Anne Leckie stehen bereits auf meiner Leseliste ganz oben. Ancillary Justice steht genauer genommen schon bei mir im Regal und wird mein nächstes Lektüre nach Der goldene Schwarm sein. Anne Leckie taucht zurzeit auch auf den meisten Nominierungs- und Bestenlisten für 2013 auf. Jakob Schmidt hat es auf dem Othlerlandblog besprochen. Bei Heyne wird es unter dem (etwas einfallslosen) Titel Die Maschinen (März 2015) erscheinen. The Martian, eine Art Hard-SF-Robinson-Crusoe-Geschichte auf dem Mars unter der deutschen Entsprechung Der Marsianer (November 2014).

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Überrascht bin ich über diese Neuerscheinungen, weil es ja bei den deutschen SF-Verlagen aktuell einen Trend weg von der Übersetzung interessanter, origineller Romane gibt, hin zu Neuauflagen alter und nicht so alter Klassiker und der Übersetzung von actionreicher Space-Opera ohne viel Tiefgang und Kreativität. So zumindest mein Eindruck. Löblich, dass der Heyne Verlag zeigt, dass er immer noch die Nummer 1 ist, wenn es um Science Fiction geht.

Syfy bestellt neue Serie The Expanse – Der amerikanische Genresender Syfy hat eine Serie in Auftrag gegeben, die auf den Space-Opera-Romanen des Autorenduos James S.A. Corey basiert. Die ersten drei Teile der Reihe sind in Deutschland bei Heyne (wo auch sonst) unter den Titeln Leviathan erwacht, Calibans Krieg und Abaddons Tor erschienen. Ich habe sie bisher noch nicht gelesen, habe es aber noch vor. Von der Serie erwarte ich allerdings nicht allzu viel. Mann muss sich nur anschauen, was Syfy in jüngster Vergangenheit für eine Stuss produziert hat. Inzwischen geben sie sogar Serien bei den dilettantischen Schwachköpfen von Asylum in Auftrag. Die produzieren geklaute Filmideen auf einem Niveau, das eigentlich selbst für den SchleFaZ zu ist. Was Kalkofe nicht daran hindert, den Rotz trotzdem zu zeigen. :)

The Transformation of George R.R. Martin – Andrew Liptak zeichnet auf Kirkusreviews den Werdegang von George R. R. Martin nach, angefangen von seinen ersten Versuchen als SF-Autor und sein kommerzielles Scheitern als Selbiger, über seine Karriere als Drehbuchautor fürs Fernsehen bis zu seinem Neustart als Fantasyautor. Ich habe die ersten Bände von Game of Thrones in der deutschen Ausgabe von Goldmann damals in den 90ern zum ersten Mal gelesen und war sofort begeistert von dieser Fantasywelt, die anders war, als alles, was ich bisher gelesen hatte. Ambivalente Figuren, undurchsichtige Intrigen und Ränkespiele, eine extrem raue und harte Welt, ein sehr dezenter Einsatz von Magie und die wechselnden POVs.

»PERRY RHODAN hat mich zum E-Book gebracht.« – Perry Rhodan Neo Autor Oliver Plaschka äußert sich dazu, wie er zum E-Book gekommen ist und warum er es inzwischen dem gedruckten Buch vorzieht. Ich selbst lese seit zwei Jahren auch auf dem kindle. Es liest sich sehr angenehm auf dem leichten, handlichen Gerät mit der matten Display, auf dem mir der Lesefluss inzwischen sogar flüssiger vorkommt, als bei gedruckten Büchern. Außerdem nehmen sie keinen Platz weg, was bei meinen überfüllten Bücherregalen inzwischen zu einem entscheidenden Faktor geworden ist. Allerdings lese ich vor allem englischsprachige E-Books, da mir die meisten deutschen Titel zu teuer sind (vor allem im Verhältnis zur gedruckten Ausgabe). Mehr als 10 maximal 12 Euro bin ich nicht bereit für ein E-Book bzw. da Leserecht für Selbiges auszugeben. Im Schnitt zahle ich um die 6 Euro. Es sollte auch nicht zu billig sein, dann wirkt es wie überflüssige Wegwerfware.

 
Easter Island’s first music school - And now for something completly different. Ein kurzer Bericht der BBC. Meine ehemalige Nachbarin aus Berlin Mahani Teave hat in ihrer Heimat auf den Osterinseln eine Musikschule gegründet. Sie selbst lernte dort bis zum Alter von 10 Jahren auf dem einzigen Klavier der Insel, bei der einzigen Musiklehrerin das Pianospiel. Als Lehrerin und Klavier die Insel wieder verließen, zog Mahanis Mutter mit ihr aufs über 3000 Kilometer entfernte Festland von Chile, damit die begabte Tochter weiter ihr Talent fördern konnte. Dort machte sie ihren ersten Abschluss, den zweiten dann in den USA und zuletzt studierte sie auf der Hans Eisler Musikhochschule in Berlin, wo ich ihrer Abschlussprüfung als Pianistin in der Meisterklasse beiwohnen konnte, die sie mit Bravour bestanden hat. Inzwischen ist sie eine der berühmtesten Pianistinnen Südamerikas, gibt Konzerte auf der ganzen Welt und ist in ihre Heimat zurückgekehrt, um dort unter anderem die Musikschule zu gründen, damit auch andere Kinder Insel ähnliche Möglichkeiten und Chancen erhalten, wie sie selbst. Ich denke immer noch gerne an die Zeit zurück, als ihr wunderbares Klavierspiel (vor allem Sommer, als ich Türen und Fenster offen hatte) teilweise den ganzen Tag über aus ihrer Wohnung hinüber in meine klang und mich beim fleißigen Lernen, beim Übersetzen oder kreativen Prokrastinieren beflügelte.

 

Best-Blog-Award-Stöckchen

Auf Facebook finde ich solche Kettenbriefsachen eher nervig, aber diese Blögchen-Stöckchen mit den Fragen finde ich ganz nett. Mir wurde das Stöckchen von neuesvomschreibtisch.wordpress.com hingeworfen. Einem sympathischen Blog eines Serienjunkies, die gerade an ihrer Masterarbeit sitzt und neben Serienkritiken aktuell sehr amüsant über das merkwürdige Verhalten lernbeflissener Bibliothekswiedergänger schreibt.

1. Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? Gab es einen speziellen Auslöser?
Als eher introvertierter, schüchterner Mensch bin ich nie auf die Idee gekommen zu bloggen. Bis ich im November 2011 am Literarischen Colloquium Berlin ein Berufseinsteigerseminar für Übersetzer bei Jochen Schwarzer besucht habe. Dort wurde die Frage aufgeworfen, ob sich eine eigene Homepage beruflichen lohnen würde. Noch am selben Abend habe ich diesen Blog hier eröffnet, in dem es ursprünglich nur ums Übersetzen gehen sollte. Dass ich jetzt auch über alle möglichen anderen Themen blogge, liegt daran, dass ich gefallen daran gefunden habe, es tatsächlich Leute gibt, die meine Einträge lesen und es eine gute Möglichkeit ist, sich zu vernetzen.

2. Schreibst du abgesehen von deinem Blog auch noch andere (fiktionale oder nicht-fiktionale) Texte?
Für E-Zines wie den Fantasyguide schreibe ich seit über 10 Jahren Rezensionen (manche findet man auch hier im Blog wieder), ansonsten noch Artikel für Printmagazine wie Phase X (siehe meine Texte). Ich schreibe auch fiktionale Texte (Kurzgeschichten und Romane), aber bisher alles nur für die Schublade.

3. Was bedeutet schreiben für dich? Hobby, Arbeit, Entspannung, Therapie…?
Bloggen ist für mich Entspannung, dass mache ich, wenn ich beim Übersetzen gerade eine Pause einlege. Übersetzen ist der Versuch ein Hobby (Literatur) zum Beruf zu machen. Das Schreiben der fiktionalen Texte ist die Lust am Erzählen und der Versuch zu sehen, ob ich es auch “drauf habe”.

4. An welchem anderen Ort auf dieser Welt würdest du gerne leben und warum?
Hawaii. Ich mag es gerne warm und exotisch. Ich liebe den Strand, das Meer und nicht zu kaltes Wasser. Außerdem ist Hawaii eine schöne Südseeinsel (bzw. fünf größere), auf der es keine giftigen Tiere gibt. Ich interessiere mich sehr für die hawaiianische Kultur. Ich würde dort gerne eine Serie über das aktuelle Hawaii drehen, verbunden mit der hawaiianischenTradition, wie sie heutzutage noch weiterlebt, und wie junge Hawaiianer leben. So was wie Treme in Hawaii nur ohne die Katastrophen (Katrina und seine Nachwirkungen).

5. Wenn du nur einen Film oder eine Serienbox auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest: Welche(r) wäre das?
Northern Exposure (Ausgerechnet Alaska), weil mir diese Serie das Gefühl vermittelt, Teil dieser wundervollen Gemeinschaft in Cicely zu sein. Da würde ich mich immer von Freunden umgeben fühlen und könnte von meiner Traumfrau Magie O’Connell träumen.

6. Bevorzugst du ganz allgemein Filme oder Serien?
Inzwischen Serien. Obwohl ich Cineast bin und furchtbar gerne ins Kino gehe. Aber dieser ganze Action-Superhelden-Blockbuster-Kram hängt mir zum Hals raus. Kleine Filme, die tolle Geschichten erzählen, finden nur noch selten ihren Weg auf die Leinwand (vor allem hier in der Provinz). Viele Top-Serien nutzen durch staffelübergreifende Handlungen ganz neue Formen des Erzählens.

7. Was war die letzte Sendung, die du dir im TV angeschaut hast?
Im Pay-TV gestern Abend Ray Donovan und Parks and Recreation. Free-TV schalte ich kaum noch ein. Momentan Die Brücke 2 sonntags im ZDF. Großartige Serie! Und Ripper Street auf Neo, sowie die Heute Show.

8. Bei welcher TV-Serie würdest du gerne mal als Statist mitspielen (oder hättest gerne mitgespielt)?
Als Säufer in Franks Stammkneipe in Shameless US. Die müssen einen Mordspaß am Set haben. Oder als mobile Mülltonne (Dalek) in Doctor Who.

9. Welche Serie kannst du absolut nicht ausstehen und warum?
Revolution. Ich versuche jeder neuen SF-Serie über den Großteil der ersten Staffel eine Chance zu geben. Aber diese Serie ging mir in jeder einzelnen Folge mit ihren dummen Drehbüchern tierisch auf die Nerven. Nach 10 Folgen war für mich Schluss.

10. Wer ist dein liebster Film- oder Serien-Antiheld?
Dexter Morgan. Er ist ein Serienkiller, also verabscheuungswürdig. Trotzdem macht es mir, dank der sonoren und zynischen Off-Stimme Michael C. Halls, viel Spaß, ihn bei seinen verwerflichen Taten zu begleiten. Da fiebere ich förmlich mit.

Während meiner Kindheit in den 90er Jahren waren meine Antihelden-Serienidole Homer Simpson und Al Bundy, im neuen Jahrtausend ist es Hank Moody aus Californication.

11. Welcher Film oder welche Serie wurde in letzter Zeit völlig zu Unrecht gehypt?
The Walking Dead. Ich bin bis zum Ende der vierten Staffel dran geblieben. Produktionstechnisch befindet sich die Serie auf einem hohen Niveau. Aber die Story tritt seit Staffel 2 nur auf der Stelle, es gibt null Entwicklung, auch nicht bei den Figuren. Alles wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich. Es ist mir ein Rätsel, warum die Serie immer noch so beliebt ist.

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 11

J. R. R. Tolkien und der Erste Weltkrieg: Auf Spiegelonline gibt es ein interessantes Interview mit John Garth, der das Buch Tolkien und der Erste Weltkrieg geschrieben hat. Es geht darum, wie Tolkiens Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg dessen Werk beeinflusst haben. Das Buch ist bereits 2006 im Original erschienen, aber erst jetzt auf Deutsch bei Klett/Cotta-Hobbit/Presse (wo auch sonst). Übrigens mitübersetzt von Birgit Herden, der ehemaligen Mitinhaberin des Otherland und Golkondianerin.

Dubai Diaries – Episode 91 – Achim Hilltrop alias Gallagher – SF-Autor, Fandomgröße und legendärer Organisator von SFNSDSSFS – lebt und arbeitet seit einigen Monaten in Dubai. Keine Ahnung, was er da genau macht, ich vermute mal, was mit Computern oder Weltuntergangsmaschinen. Seitdem berichtet er mit Humor und Scharfsinn in seinem Blog des SF-Netzwerks aus einer uns völlig fremden Welt. Aktuell gab es in Dubai eine große Convention (die Middle East Film & Comic Con, kurz MEFCC.) mit prominenten Gästen und vielen Gästen in Kostümen. So was hätte ich in Dubai ehrlich gesagt nicht erwartet.

Fantasy-Ennui – Ausgehend von einem Rant Ursula Vernons fragt sich Mistkaeferl, ob ihre aktuelle Fantasymüdigkeit vom dürftigen, immer gleich aussehenden Kapuzenheini-Fantasy-Angebot der Verlage liegt, oder an der mit den Jahren gestiegenen Leseerfahrung im Genre. Das Wort Ennui musste ich erst mal googeln. ;) Was ich dazu denke, kann man unten in den Kommentaren nachlesen. Ergänzen sollte ich noch, dass ich in den letzten 20 Jahren immer wieder Phasen hatte, in denen ich über einen längeren Zeitraum keine Fantasy gelesen habe, weil ich auch das Gefühl hatte, alles schon mal gelesen zu haben. Inzwischen, wo ich mich immer mehr mit dem englischsprachigen Buchmarkt beschäftige, komme ich kaum mit dem Lesen interessanter Titel hinterher, wobei ich aber von Buch zu Buch meist zwischen den Genres wechsel, um die Abwechslung zu pflegen. Die Angebote deutscher Fantasyverlage empfinde ich aber auch schon seit einiger Zeit sehr unbefriedigend und wenig verlockend. Und wenn sich mal interessante und originelle Bücher in die Programme verirren, werden sie gut unter immer gleich aussehenden, generischen Titelbildern und Klappentexten versteckt, damit der Leser ja nicht mitbekommt, dass er hier ein Buch in den Händen hält, das aus der Masse heraussticht.

The great 1980s Dungeons & Dragons panic – Was heutzutage Computerspiele und insbesondere Ballerspiele sind, waren für die hysterischen Moralapostel in den 1980ern Jahren, man mag es kaum glauben, Spiele, die mit Würfel, Bleistift und Papier und vor allem viel Phantasie (ganz gefährlich) gespielt wurden – also Pen and Paper Rollenspiele wie Dungeons and Dragons. Angeblich sollten solche Spiele Jugendliche sozial isolieren und in den Selbstmord treiben. Und Teufelswerk waren sie sowieso. Peter Ray Allison rekapituliert für die BBC diese heute lächerlich wirkende Episode, in der mal wieder erwachsene (und größtenteils religiös motivierte) Moralapostel, versuchten die ach so schlimme Jugend vor den Versuchungen des Teufels zu bewahren.

Exclusion As Default: Female Geeks – Foz Meadows über die Ausgrenzung von Frauen aus dem Fandom. Als ich gestern die Fragen von Buzzfeed beantwortet habe (66), dachte ich überhaupt nicht daran, wie sehr diese doch auf ein männliches, weißes Publikum im mittleren Alter zentriert sind. Da ist aber was Wahres dran. Das Fandom ist in großen Teilen konservativ und veränderungsresistent. Platzhirsche versuchen ihr Revier zu verteidigen und so junges, womöglich noch kostümiertes Gemüse stört da nur. Außer wenn es leicht bekleidet ist, dann ist es super zum Gaffen und Grapschen, wie es wohl auf der Leipziger Buchmesse passiert ist.

 

Buchempfehlung: Die geheime Melodie von John Le Carré

Bevor es hier mit frischen Besprechungen zu Frederik Pohls “Gateway”, Volker Kutschers “Die Akte Vaterland” und einem Batman-Hörspiel weitergeht, erst einmal Resteverwertung. Die Rezi erschien bereits vor einigen Jahren im Fantasyguide.

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Bruno Salvador (Salvo), Sohn eines katholischen Priesters, ist ein Kind, das es nicht gibt. Nach einer romantischen Verfehlung seines Vaters wird er von einer Afrikanerin im Kongo zur Welt gebracht. Vom Vater als Neffen ausgegeben begleitet er den Missionar in den ersten Jahren seiner Kindheit. Nachdem er einige Jahre in einem babylonischen Sprachwirrwarr, aufwuchs, ging es dann an ein Internat in England. Unter der Obhut eines Mönchs wächst er zu einem gebildeten britischen Staatsbürger mit afrikanischen Wurzeln heran.

Seine sprachlichen Hintergrund nutzend wird er ein Spitzendolmetscher, spezialisiert auf afrikanische Sprachen.

Inzwischen verheiratet arbeitet er gelegentlich auch für die britische Regierung, sprich den Geheimdienst. Bisher hat er allerdings nur von Abhörtechniker eingefangene Gespräche in einem Londoner Keller übersetzt. Diesmal geht es zu einem Außeneinsatz. Für Leute, die er nicht kennt, soll er auf einer ihm unbekannten Insel Verhandlungen eines ominösen Syndikats mit kongolesischen Kriegsherren übersetzen. Dabei erfährt der dem Kongo immer noch verbundenen Übersetzer ungeheuerliche und wird mit in die geheimen Machenschaften mit hineingezogen.

John Le Carré, der Altmeister des Spionageromans ist inzwischen 75 Jahre alt, doch von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Aus der Ich-Perspektive erzählt er eine Geschichte, in der eigentlich gar nicht so viel passiert, in einer Spritzigkeit, die den Leser mitreißt und bis zum Schluss nicht mehr loslässt. In einem leicht aristokratischen Stil, den jene an den Tag legen, die nicht in England geboren sind, aber gerne britisch wirken möchten, erzählt Salvo seine Geschichte. Wie auch „Absolute Freunde“ ist „Geheime Melodie“ ein biografischer Roman, der das ganze Leben des Protagonisten erzählt. Wobei dieser Teil, diesmal etwas kleiner gehalten wird. Der Leser lernt Salvo von klein auf kennen, und kann somit seine Handlungsweisen nachvollziehen. Das ist wichtig, denn ansonsten könnte sein Verhalten nach der Konferenz irrational erscheinen. So kann der Leser verstehen, dass Salvo in seinem Herzen immer noch Afrikaner ist, und sich so mit naiver Heimatliebe in Schwierigkeiten bringt.

Seine Gegner, dass sind neben denn skrupellosen afrikanischen Kriegsherren, vor allem namenlose westliche Konglomerate, deren Mitglieder nach außen hin als afrikaliebende Wohltäter in Erscheinung treten, hinter den Kulissen aber eine gnadenlose Machtpolitik betreiben. Le Carré zeigt deutlich, welches Interesse der Westen der afrikanischen Bevölkerung entgegenbringt. Nämlich gar keins. Afrika ist dem Westen scheißegal. Das Einzige, was von Interesse ist, sind die Rohstoffe.

Und so schafft es der Autor einen Roman über Afrika zu schreiben, der gar nicht in Afrika spielt. Denn überall auf der Welt wird über die Zukunft Afrikas entschieden, nur nicht in Afrika selbst. Einzig einige korrupte Politer, die sich selbst bereichern wollen und es sich leisten könne Afrika zu verlassen kommen zu Wort.

Sehr interessant ist der Einblick in die Dolmetscherbranche, die sicher keine Aufregende ist, aber doch eine mit Macht. Allein durch Tonlage, Tonfall, Lautstärke, Mimik und Gestik kann der Dolmetscher beeinflussen, wie das Übersetzte verstanden wird, und trägt somit sicherlich auch zum Ausgang von Verhandlungen bei.

Wie schon „Der ewige Gärtner“ ist „Geheime Melodie“ ein Roman, der den ausbeutenden und skrupellosen Umgang des Westens mit Afrika kritisiert. Le Carré schafft es dabei, einen sympathischen Protagonisten mit nachvollziehbaren Handlungsweisen aufzubauen. Wenn er sich gegen Ende auch ein bisschen zu dämlich und naiv anstellt. Die komplizierte Situation im Kongo ist in diesem Buch eher nebensächlich. Der Schwerpunkt liegt auf dem anspruchsvollen aber trotzdem flotten Schreibstil des Autors, der eine gar nicht so spannende Geschichte über 400 Seiten trägt.

 

Buch gewonnen: Nick Harkaway – Der goldene Schwarm

Durch einen Tweet von Nick Harkaway bin ich darauf aufmerksam geworden, dass der Knaus Verlag zwei signierte Exemplare der gerade auf Deutsch erschienenen Ausgabe verlost. Es wurde Cover mit verzerrter Schrift gezeigt und gefragt, ob es sich dabei um a) die deutsche, b) die südafrikanische oder c) die taiwanesische Ausgabe handelt. Einer tippte auf a), eine zweite Teilnehmerin auf b) und ich war der Einzige, der sich die Mühe gemacht hat, einen taiwanesischen Onlinebuchhändler zu googlen, um dort den Namen des Autors in die Suchmaske einzugeben. Et voilà:

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Ein Buchgewinn, über den ich mich ganz besonders freue, da mich Harkaway Erstling Die gelöschte Welt (The Gone-Away World) wie kaum ein anderes Buch im neuen Jahrtausend begeistert hat (und es gab Ninjas!!!!!). The Angelmaker, wie Der goldene Schwarm im Original heißt, ist bereits 2012 erschienen, und seit dem, war ich immer wieder drauf und dran, es mir zu kaufen, aber aus mir unbekannten Gründen kam es nie dazu. Ich bin allerdings etwas überrascht, dass es sich nicht um ein Hardcover handelt, was ich beim Preis von 19.99 Euro eigentlich erwartete hätte. Ganz ehrlich, soviel gebe ich für ein Paperback nicht aus. Da muss es sich schon um eine ganz besondere Ausgabe handeln. Aber Hauptsache, das Buch ist überhaupt auf Deutsch erschienen.

Hier kann man molosovskys Meinung zu dem Buch nachlesen (zweites Buch in der Liste): http://molochronik.antville.org/stories/2148955/

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 10

utopia2016.ch – Simon Spiegel, in diversen SF-Foren auch als Simifilm bekannt, hat jetzt, begleitend zu einem Forschungprojekt über die Tradition positiver Utopien im nicht-fiktionalen Film, einen Blog gestartet, auf dem er Beiträge zu diesem Thema veröffentlichen möchte. Wenn ich mich recht erinnere, hat Simi auch über das Thema Utopie im (fiktionalen?) Film promoviert. Auf jeden Fall eine interessante Sache. In der Science Fiction gehen die positiven Utopien meist unter der Wucht und Masse der Dystopien unter (aktuell läuft ja noch der Hype um Jugenddystopien wie Hunger Games), in realen bzw. nicht-fiktionalen Zukunftsprognosen sowieso.

and ‘Blood Song’ in German is… – Kürzlich habe ich die englische Ausgabe von Anthony Ryans Blood Song besprochen. Jetzt gibt es ein deutsches Cover und einen deutschen Titel. Der sehr lesenswerte Roman wurde von Sara und Hannes Riffel übersetzt und erscheint bei Klett/Cotta bzw. Hobbit-Presse. Ich habe allerdings keine Ahnung wann.

oliblogzeinull – Oliblog is back. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere virtuell surfende Phantast, Literatur- und oder Filmliebhaber an den Blog von Rechtsanwalt und Filmexperte Oliver Naujoks, der immer sehr profunde, nachvollziehbare und angenehm zu lesende Kritiken zu phantastischen Filmen, Bollywoodwerken, Boll-Werken aber auch Klassikern und vergessenen Meisterwerken der Filmgeschichte verfasst hat, ebenso wie zu Büchern aus dem deutschen, französischen und englischen Sprachraum. Eindrucksvoll sind Konsequenz und Akribie, mit er bestimmte Themenprojekte (aktuell nautische Literatur) durchzieht. Ich habe und werde seine Blogeinträge immer mit großem Vergnügen lesen. Wenn mir auch seine Vorliebe für Filme von Uwe Boll und deutschen Hip-Hop von Assis auf ewig ein Rätsel bleiben wird. ;)

Forumos-Übersetzer empfehlen: Karl Edward Wagner – Kane: Der BlutsteinWagners Geschichten um Kane habe ich vor vielen Jahren als Jugendlicher in den beiden Sammelbänden von Bastei/Lübbe (siehe Foto 1) kennengelernt. Die haben damals 10 und 12 DM gekostet und mich (der ich noch recht unbedarft in der Fantasy unterwegs war) schwer begeistert. Nach all den strahlenden Helden, Bauernjungen mit verborgenen Kräften in sich, den Aragorns und Pugs, endlich mal ein dreckiger, brutaler (Anti-)Held, der völlig unmoralisch handelt und tut, wozu er Lust hat. Ganz tolle Sword and Sorcery. Die beiden Bände sind schon seit Ende der D-Mark vergriffen und nie neu aufgelegt worden.

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Da die Geschichten nicht nur mich, sondern auch Hannes Riffel als Jugendlichen begeistert haben, hat er es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, Kane den deutschen Fantasylesern wieder zugänglich zu machen. Den Anfang macht Der Blutstein, einer der wenigen Romane Wagners, der im Band Das Buch Kane enthalten ist. Golkonda bringt ihn als Einzelroman in schicker Aufmachung raus (wobei ich gestehen muss, dass mir dieses Bild im Bild überhaupt nicht gefällt und das eigentlich schöne Cover für mich ruiniert). Warum es sich lohnt, sich dieses Band zuzulegen, kann man in der Empfehlung von mistkaeferl nachlesen. Die Übersetzung ist wohl komplett (unter anderem vom Originalübersetzer) überarbeitet worden. Ich bin gespannt, da ich den Band selbst noch nicht habe.

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Totgesagte leben länger: Videotheken vs. Gegenwart – Die deutsche Filmlegende Jörg Buttgereit (dessen Nekromantik noch als VHS-Kassette bei mir im Regal steht) wirft, in seinem sehr interessanten und schön geschriebenen Essay, einen Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft? von Videotheken. Ich bin selbst mit einer kleinen Videothek vor der Haustür in unserem kleinen Westerwalddorf aufgewachsen, und die unzähligen Nachmittage, die ich zunächst in den (unermesslich wirkenden) Regalen stöbernd und dann vor dem Fernseher staunend verbracht habe, eröffneten mir einen Blick in unendlich große Welten, der  mich trotz des trögen Dorflebens optimistisch in die Zukunft blickend aufwachsen ließ. Unzählige Abenteuer habe ich als kleiner Steppke an der Seite der Gonnies, des jungen Sherlock Holmes, von Indiana Jones und dem American Ninja Michael Dudikoff ;) verbracht. Meine Leidenschaft für die Phantastik, für das Exotische und auch für die unermessliche Vielfalt der Welt wurde hierdurch entfacht und gefördert. Schon seit Jahren gibt es keine einzige erreichbare Videothek mehr bei mir in der Umgebung. Was ich vor allem deshalb sehr bedauere, weil mir dadurch die Möglichkeit fehlt, mir Filme auf DVD mit Originaltonspur auszuleihen. Sämtliche Onlineangebote für Leihdownloads oder Flatratstreams bieten die Originalfassung viel zu selten an, und Filme in Synchros kann ich mir kaum noch antun. In Berlin gibt es zumindest noch gemütliche kleine Spezialvideotheken wie das Videodrom. Die größeren Ketten wie Videoworld schließen immer mehr Filialen (zuletzt z. B. meine in Moabit, die ich vor meinem Umzug noch besucht habe).

 

 

Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 9

Die unsichtbare Tätigkeit: Erfahrungen eines Romanübersetzers – von Bernhard Kempen in Alien Contact.  Okay, der hier verlinkte Artikel ist nicht mehr ganz aktuell, immerhin schreibt der Autor noch von D-Mark-Beträgen, und dass er seine Übersetzungen als gedrucktes Manuskript plus Disketten an den Verlag schickt, aber ansonsten hat der Text auf Epilog.de nichts an Aktualität verloren. Bernhard Kempen kenne ich durch Frank Böhmert und den Berliner Übersetzungsstammtisch. In meinen Regalen tummeln sich zahlreiche seiner Übersetzungen und zuletzt konnte er mich mit der seiner als Cyberabad betitelten deutschen Fassung von Ian McDonalds River of Gods begeistern. Seinen Ausführungen zum Übersetzen kann ich mich nur anschließen. Ein sehr lesenwerter Text darüber, was es bedeutet Übersetzer zu werden und zu sein, wie die Arbeit im Detail aussieht und von den Vor- und Nachteilen, die man als Freiberufler hat.

255 Reasons To Read Science Fiction, Fantasy and Horror in April 2014 – SF-Signal hat wieder die englischsprachigen Neuerscheinungen des aktuellen Monats in einer großen Covergalerie zusammengefasst. Da sind aber auch Comics, Sachbücher und Neuauflagen dabei. Ich habe die Liste bisher nur kurz überflogen. Ich komme sowieso nicht hinterher. Age of Shiva sieht interessant aus, aber ich habe Lovegroves Age of Zeus schon seit Jahren ungelesen im Regal stehen, und müsste das erst einmal lesen.

Neue Bücher Fantastische Literatur im April 2014 – Eine Übersicht und Tipps zu den phantastischen deutschsprachigen Neuerscheinungen hat Fantasybuch.de zusammengefasst. Kleiner Hinweis an die Macher: der Link unten zur Übersicht ist doch etwas klein geraten, den habe ich erst nach längerem Suchen entdeckt.

Da interessiert mich auf jeden Fall Verlorene Paradise von Ursula K. Le Guin, das bei Atlantis in der Übersetzung von Horst Illmer erschienen ist (dass ich das noch erleben darf!). Beim Earl-Dumarest-Band von E. C. Tubb (dessen erster Teil mir gut gefallen hat) bin ich mir nicht sicher, ob es Band 2 ist, oder einer über 20, der bisher noch nicht auf Deutsch erschienen war. Richard Schwartz bringt ein neues Buch aus der Askir-Reihe heraus. Die Auftaktband Das erste Horn fand ich ja genial, die Reihe habe ich begeistert verfolgt, vor einigen Bänden bin ich aber ausgestiegen. Warum, könnt ihr hier nachlesen. Der Django Wexler könnte interessant sein, ansonsten ist da nicht für mich dabei. Die Jubiläumssachen von Heyne habe ich sowieso schon im Regal stehen.

Deltus.de – Der Festa Verlag geht im Mai mit einem Imprint für Science Fiction, Fantasy und Endzeitzombies an den Start. Erste Ankündigungen kann man sich schon auf der Seite ansehen. Das sind ein paar interessante Sachen dabei. Z. B. Matthew Woodring Stovers Acts of Caine, die seit über fünfzehn Jahren auf eine Übersetzung wartet. Warum sich das lohnen könnte, könnt ihr bei der Bibliotheka Phantastika nachlesen. Die Bücher werden allerdings gesplittet erscheinen. Mit Ian Tregillis ist noch ein weiterer interessanter Autor dabei.

Ich habe noch sieben weitere interessante Links, aber die gibt es erst morgen, da ich jetzt gleich zum Offline-Kegeln muss.