Fantasy Filmfest oder Gorebauer sucht Frau (zum Zerstückeln)

Jedes Jahr von Ende August bis Anfang September zieht das Grauen in ausgewählten deutsche Lichtspielhäuser ein. »Fear Good Movies« nennt das Fantasy Filmfest selbst seine Filme. Eine Woche lang laufen dann in jeweils zwei Kinosälen bis zu 12 Filme in 6 Slots pro Tag. Die Festivalstädte sind Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, München, Nürnberg und Stuttgart. Um die 70 Filme in 6 Tagen.

Als das Fantasy Filmfest (FFF) 1987 erstmals stattfand, waren es noch 26 Filme, darunter viele ältere Filme und Klassiker, wie „Die Fliege“ von 1958, „Abott und Costello treffen den Unsichtbaren“ von 1951, „Jason und die Argonauten“ von 1963 oder „Clockwork Orange“ von 1971. Hier gibt es eine komplette Liste der damaligen Filme, in diesem Archiv findet man auch die Filmtitel aus allen anderen Jahren.

Wenn man sich die ersten Jahre anschaut, sieht man, dass es damals schon eine Mischung aus Horror, Abenteuer, Fantasy, Science Fiction, Thriller, Action und Arthouse (z.B. „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ 1988) gab. Heute wird von den Festivalfans viel darüber gejammert, dass früher mehr Horror und Splatterfilmen liefen – 1989 z. B. Peter Jacksons Erstling „Badtaste“ –  ein Blick in die Liste der Filmtitel kann dies aber nicht bestätigen, so liefen im gleichen Jahr auch  „Star Trek I und V“.

Das Festival zeigt also von Anfang an eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Genres, hauptsächlich (aber nicht nur) abseits des Mainstreams. Ältere Filme sieht man inzwischen aber fast gar nicht auf dem Festival. Vor einigen Jahren gab es noch Retrospektiven (z.B. über die Shaw Brothers 2004 oder das Nippon Classics Special 2006), die sind inzwischen leider völlig aus dem Programm verschwunden. Ich habe immer gerne Filme daraus angesehen, sonst wären mir solche Knaller wie „Hanzor The Razor“ völlig entgangen.

Inzwischen laufen nur noch aktuelle Filme (z. B. auf dem Filmmarkt in Cannes eingekauft, oder wie immer das läuft), die kurz nach dem Festival schon ins Kino kommen, oder auf DVD erscheinen. Trashgranaten sind selten geworden, die handwerkliche Professionalität ist gestiegen. In den letzten 2-3 Jahren gab es tatsächlich weniger Horror und Splatter, dafür mehr Thriller und Dramen. Ich schätze die Vielfalt an Genres aber sehr.

Zum ersten Mal bin ich 2003 mit meinem Freund und Mitbewohner Mathias aufs FFF in Köln gefahren. Damals konnten wir nur an einem Tag zum Festival, da wir am nächsten Tag für 10 Tage Urlaub nach Schottland geflogen sind. Deshalb gab es nur diese drei Filme: „Cabin Fever“ (Eli Roths ekliger aber auch langweiliger Backwoodshorror), „Dead Creatures“ (ein sozialkritischer, aber auch lahmer Zombiefilm) und „Resurrection of the Little Match Girl“ (eine schräge, moderne asiatische Variante des Märchens von Hans Christian Andersen). Die Filme waren nicht der Knaller, aber wir hatten Blut geleckt und der Festivalbesuch sollte in den nächsten Jahren zur Tradition werden. Meist in Köln, teilweise auch in Frankfurt, von Jahr zu Jahr an mehr Tagen, bis ich dann 2009 nach Berlin bin und Mathias nach München. Seitdem besuchen wir das FFF leider getrennt.

Beim Festivalpublikum überwiegt durchaus die Farbe Schwarz, vor allem in Form von Film- und Metal-T-Shirts, aber wie in Wacken, ist es auch hier stets höflich und gesittet. Unter den Besucher bifinden sich aber  auch etwas ältere und vom äußeren Erscheinungsbild seriöser wirkend Leute, was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass es sich größtenteils um Filmverrückte (im positiven Sinne) handelt. Die Atmosphäre ist locker und angenehm, kein Gedrängel in den Schlangen und kein Prollverhalten während der Vorstellungen. Gelegentlich können sich auch mal Leute wie Tom Tykwer oder Oliver Kalkofe aufs Festival verirren.

Die ersten Filme für 2013 sind heute auf der Homepage und auf Facebook verkündet worden, ich werde mich aber erst damit auseinandersetzen, wenn alle Filme online sind. Dann gibt es eine lange Session, in der alle Trailer gesichtet und alle Filmbeschreibungen gelesen werden. An dieser Stelle sei gewarnt, die Filmbeschreibungen im Programmheft des Festivals sind so kreativ und glaubhaft wie die Tatsachenberichte eines gewissen Baron von Münchhausen oder die Aussagen über den Stande des zweiten Irakkriegs von Comical Ali. Aber sie sind stets amüsant zu lesen und mit einiger Festivalerfahrung lernt man, sie einschätzen zu können.

Filmrezensionen zu den vergangenen Jahren aber auch zu aktuellen Filmen während des Festivals findet man hier: http://f3a.net/review.html
Ansonsten auch in zahlreichen Foren und Blogs. Die für mich hilfreichsten Kritiken gibt es beim Wortvogel. Der hat übrigens angekündigt, in diesem Jahr mit dem Fahrrad von München nach Berlin zum Festival zu fahren.
Einen Bericht + Kurzkritiken von mir zum FFF 2012 gibt es hier: http://www.fantasyguide.de/12693/

Der Eröffnungsabend am 20. August werde ich dieses Jahr verpassen, da ich zum zeitgleich stattfindenden Konzert von System of a Down in der Wuhlheide gehen werde, aber an den anderen Tage habe ich vor das Festival in Berlin zu besuchen. Ich  werde mich hier im Blog zu gegebener Zeit wieder dazu äußern.

Puh, der Eintrag ist jetzt doch erheblich langweiliger geworden, als ich es mir erhofft hatte. Aber eigentlich wollte ich auch nur den Gorebauer-Sucht-Frau-Titel irgendwo unterbringen. Falls Du es also bis hierher durchgehalten hast, vielen Dank fürs Lesen. 🙂

Ein Gorebauer ist übrigens jemand, dem es bei Filmen, vor allem bei Horrorfilmen, nur auf möglichst viele und heftige Splattereffekte und literweise Blut ankommt. Die gibt es auf dem FFF aber nur in einer Minderheit, die meisten Besucher sind Filmfans und Cineasten, die tolle Geschichten und außergewöhnliche Filme erwarten. Zumindest meinem Eindruck nach. Wobei geile Splatterkomödien mit Partyfaktor immer gerne willkommen sind und in der Festivalatmosphäre, in einer Horde von gleichsam Bekloppten gleich viel besser funktionieren.

3 Gedanken zu “Fantasy Filmfest oder Gorebauer sucht Frau (zum Zerstückeln)

  1. Ich mag das FFF (Berlin) sehr. Die großen Überraschungen gibt es vielleicht nicht mehr, aber das geht nicht anders, denke ich, da die Internet-Gemeinschaft ungeduldig ist und alle Filme JETZT sehen will. Ich glaube, die Filmindustrie muss da etwas nachlegen und immer möglichst schnell veröffentlichen, bevor es eh alle im Netz gesehen haben und nicht mehr ins Kino gehen. (Abgesehen davon gibt es wohl seit Jahren ein Überangebot an Horror-Thriller; da zu wählen, stelle ich mir nicht einfach vor.)

    Jedenfalls: Vor Jahren war ich einmal auf einer der Night-Veranstaltungen (oder war es doch das richtige Festival?). Bin komplett „unbeleckt“ in „Hostel“ gegangen, hatte von dem Film noch nicht viel gehört im Vorfeld. Nun gut, der Streifen ist bekannt, halb Soft- und halb Torture-Porn, gut gemacht. Die Atmosphäre im Kino war wie immer einfach phantastisch. Nach dem Ende des Films kam dann Eli Roth überraschend auf die Bühne und hat ein paar Fragen beantwortet. War sehr cool. Alles so unkompliziert, locker und ungekünstelt.

    Ich hoffe, ich schaff’s dieses Jahr wieder in ein paar Filme (auch wenn mich die ersten Trailer auf der Seite nicht SO ansprechen).

  2. Danke für deinen ausführlichen Kommentar, Marwin.

    Einerseits ist es natürlich schön, wenn die vielen Filme des FFF so schnell auf DVD und im Kino erscheinen (vor allem bei denen, die man auf dem Filmfest verpasst hat), andererseits nimmt es dem Besuch so ein bisschen den Hauch der Exklusivität. Erzählt man seinen Freunden von einem unglaublichen Geheimtipp, den man auf dem Festival gesehen hat, ist es schon enttäuschend, wenn diese den Streifen schon in der Videothek ausgeliehen haben. Aber damit kann ich leben, Hauptsache die Filme auf dem Filmfest sind gut.

    • Genau. Richtige Entdeckungen kann man nur noch für sich persönlich machen. Aber das geht mir generell so. Wenn ich meine, einen Film entdeckt zu haben, gibt es immer ein paar Freunde, die den schon längst im Auge oder irgendwie/irgendwo gesehen haben.
      Aber du hast recht, das passt schon. Beim FFF geht’s ja eher um die Atmo und das Gefühl, unter Gleichgesinnten gute Filme zu sehen. Die, die auf den Nights liefen in diesem Jahr waren jedenfalls wieder sehr vielversprechend (leider konnte ich das Wochenende nicht).

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