Holger M. Pohl – Ein Nachruf

Ich weiß gar nicht mehr, in welchem Jahr genau ich Holger persönlich kennengelernt habe, aber es war auf jeden Fall auf dem Bucon, 2006 oder 07 vielleicht. Vorher kannten wir uns schon durch unsere gemeinsame Arbeit beim Fantasyguide übers Internet. Die Treffen auf dem Bucon sollten zu einer liebewordenen Tradition werden. Wenn Ralf Steinberg, Michael Schmidt und ich zusammen auf dem Bucon eintrafen, hatte Holger meist schon einen Tisch besetzt, an dem wir uns dann für den Rest des Cons niederließen und um den herum praktisch ein ganzer Kosmos entstand, bei dem immer wieder Leute vorbeischauten. Nachdem Con ging es dann stets zum traditionellen Essen der Fantasyguide-Gruppe (+ weitere Freunde u. Bekannte), oft war Holgers Frau Moni (mit der er seit 1986 verheiratet war) mit dabei (die beiden sind dann am nächsten Tag noch auf die Frankfurter Buchmesse). Die letzten beiden Jahre hatten wir in unserer Whats-App-Gruppe öfters darüber geschrieben, wir sehr uns dieses Treffen fehlt und wie sehr wir uns darauf freuen, wenn es wieder möglich sein wird. Dass das jetzt nie wieder stattfinden wird, kann ich gar nicht glauben.

Holger war auch meist mein Hauptgesprächspartner auf dem Marburg Con, auf dem ich nicht so viele Leute kannte. Und auch in Leipzig auf der Buchmesse haben wir uns gelegentlich getroffen. Auf dem ersten Foto oben sieht man ihn bei einer seiner ersten Lesungen 2015 zu seinem ersten Roman Arkland. 2018 haben wir uns zusammen in Berlin ein Hotel genommen, um mit Ralf einen kleinen Fantasyguide-Con zu veranstalten (der nur aus uns Dreien bestand). Das war ein sehr lustiges und sehr angenehmes Wochenende, das wir schon längst wiederholt hätten, wäre nicht Corona dazwischengekommen). In unserer WhatsApp-Gruppe hatten wir uns zeitweise fast täglich unterhalten.

Holgers große Leidenschaft war die Fantasy. Er liebte Herr der Ringe, veranstaltete jedes Jahr im Dezember einen Marathon mit den Verfilmungen, reiste mehrfach mit dem Camper durchs Land der Ringe Neuseeland (hier sein Reisebericht), um die Drehorte zu besuchen und im Tänzelnden Pony zu speisen. Doch auch die Space Opera hatte es ihm angetan, die war für ihn das Salz in der SF-Suppe (S. 28). Und so schrieb er mit Arkland eine Fantasy-Reihe in der Tradition der Sword-and-Sorcery der 60/er und 70er Jahre, die er so mochte (vor allem Michael Moorcock, den er mal interviewen durfte), war aber auch mit Die neunte Expansion und Rettungskreuzer Ikarus im Weltraum unterwegs, zuletzt zusammen mit Dirk van den Boom in der Welt der 7 Ebenen.

Seine humorvolle Seite zeigte er nicht nur auf den Cons in lustiger Runde, sondern auch in seinem Langzeitprojekt Die Leiden des jungen Verlegers, das 2021 nach langem „Autorenleiden“ erschien, in dem er die deutschsprachige Kleinverlagsszene fantasyvoll auf die Schippe nahm. Seine Bücher schrieb er teilweise im Zug auf dem langen Weg zur Arbeit und zurück. Seine bissige Seite zeigte er gerne in seiner Kolumne beim Fantasyguide. Im Fandom war er auch schon lange vor seinem ersten Roman bekannt, unter anderem als Autor und einer der Herausgeber des Magazins Phase X.

Und obwohl er Schwabe war und in der Nähe von Stuttgart wohnte, galt seine Fußballliebe Borussia Dortmund. Doch wenn es um Kartoffelsalat ging, war er ganz Lokalpatriot und bestand darauf, dass der ohne Mayonnaise zubereitet wurde.

Holger war so ein netter und toller Mensch, der sich sehnsüchtig auf seine nächste Neuseelandreise gefreut hat und auf die Zeit, in der er sich ganz dem Schreiben widmen kann. Am 16. Januar wurde er 63 Jahre alt. Letzten Montag schrieb er noch auf Facebook: »Montag und Urlaub … die Welt ist in Ordnung 🙂!«. Jetzt ist Freitag, und sie ist es nicht mehr, denn Holger ist gestern völlig überraschend verstorben.

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