Die dunkle Seite der Macht: E-Books

Ja Cäsar, auch ich bin zur dunklen Seite der Macht übergelaufen. Über Jahre habe ich mich dem Trend zum E-Book verweigert. Bücher waren für mich etwas, dass ich fühlen und riechen musste. Der wohlige Geruch vergilbter Seiten setzt bei mir Erinnerungen an besondere Leseerlebnisse frei, ebenso wie das raue Gefühl eines faltigen Buchrückens einer zerlesenen Ausgabe.

Mein Blick schweift nicht einfach über meine Bücherregale, sondern über mein bisheriges Leben. Jedes Buch ist mit einer bestimmten Zeit verknüpft, mit dem Ort, an dem ich es gekauft habe, der Lebenssituation in der ich es gelesen habe, vielleicht sogar mit besonderen Ereignissen, die damals in der Welt geschehen sind.

Die grellgelb leuchtende mahnende Erinnerung von „Fool on the Hill“ von Matt Ruff, das mich in meinem ersten Studium vermutlich ein Semester gekostet hat, weil ich es in einer Nacht bis zum Morgengrauen durchlesen musste und so die Anmeldung zu einem Seminar verpasst habe.

Da ist der pechschwarze Buchrücken von „House of Leaves“, der mich jeden Morgen wie ein bösartig klaffender Abgrund erwartet und mir auch nach Jahren noch eine wohlige Gänsehaut verursacht.

„Die Stadt Gottes“, die mich bei meiner wunderbaren Reise durch Brasilien begleitet hat und die exotischen Eindrücke, die auf mich einprasselten, in einen literarischen Kontext setzte.

Die berühmte grüne Kassette, die ganz Mittelerde mit seinen Hobbits, Orks, dunklen Herrschern und Zauberern beherbergt und mich während meiner bettlägerigen Zeit mit einem Kreuzbandriss im Knie durch ferne Welten mit schrecklichen Gefahren (und Elben) laufen ließ.

Ich weiß noch genau, wie ich vom Parkhaus zurück zur Buchhandlung gelaufen bin, weil mich der aberwitzige Klappentext von „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ nicht losgelassen hat, und ich mit einem wundervollen Wochenende voll hysterischem Gelächter belohnt wurde.

Jedes dieser Bücher ist mehr als nur sein Inhalt. Sie sind eine Erinnerung, die über das Geschriebene hinausgeht und die in meinem Kopf etwas Einzigartiges entstehen lassen. Diese Bündel aus gebundenem, bedruckten Papier haben etwas Vertrautes, sie vermitteln Geborgenheit und Sicherheit.

Aber manchmal wird es Zeit, dass man sich auf ein neues Abenteuer einlässt. Dass man unerschrocken in die Zukunft blickt, sich nicht vor ihr fürchtet, sondern sie sich zu Nutzen macht, lernt das Neue zu genießen.

Warum sollte meine Erinnerung an als E-Book gelesenes Buch schlechter sein, als die papierene Erinnerung? Das Buch im Regal ist ja nur ein Reizgeber, so wie der Titel eines Romans oder Name des Autors. Ob das Leseerlebnis das Gleiche sein wird? Ob die Erinnerung genauso schön sein wird? Ich weiß nicht? Aber ich bin entschlossen, es herauszufinden.

Im nächsten Blogeintrag gehe ich dann auf die weniger sentimentalen und eher praktischen Aspekte von E-Books ein.

6 Gedanken zu “Die dunkle Seite der Macht: E-Books

  1. beim zweiten foto macht sich leider auch gleich bemerkbar, wie schlampig deutsche verlage (bzw. die dafür beauftragten externen firmen) oftmals arbeiten, wenn es um ebooks geht. der einzug am kapitelanfang sollte eigentlich nicht vorhanden sein und ich gehe mal davon aus, dass man im papierbuch bei „big bill’s…“ bewusst jeweils den anfangsbuchstaben NICHT kursiv gesetzt hat – was man bei der kindle version wohl übersehen hat…

  2. Das mit dem eingezogenen Absatz ist mir auch aufgefallen. Der Unterschied in der Kursivschrift nicht.
    Ich kenne mich mit der Umwandlung ins E-Book Format auch überhaupt nicht aus. Weiß als nicht, ob man für jeden Reader oder zumindest für jedes Format noch mal spezielle Modifikationen vornehmen muss.
    Habe nur schon gehört, dass das Kindle einem schon mal den mühsam gestalteten Satz (also den Gesamtsatz vom Text) wieder kaputt machen kann.

  3. Ach ja, und hätte ich gewusst, dass der Kindle Paperwhite schon so schnell zum gleichen Preis wie der Touch erscheint, hätte ich mit dem Kauf (eigentlich war es eine Geburtstagsgeschenk) noch gewartet.

  4. ich denke, im idealfall sollte eine mobi oder KF8 datei für amazon und eine epub für die restlichen shops erstellt werden. dürfte nicht allzu viel mehr arbeit bedeuten, so enorm sind die unterschiede nicht. aber es kommt viel zu häufig vor, dass ein epub einfach automatisch umgewandelt wird und – offensichtlich gerne auch ohne das ergebnis zu überprüfen – so im kindleshop landet. wobei ich bei der konvertierung von epubs mit calibre selten probleme hatte, die software von amazon, oder was auch immer von den verlagen benutzt wird, scheint da verbuggter zu sein…

  5. Ich kann das heute nicht mehr nachvollziehen, Ob das beim gedruckten oder der eBook-Ausgabe „richtig“ ist – sorry. Aber wieso darf man bei deutschen eBooks den ersten Absatz nicht einrücken? Wer sagt das? Mich würde das wirklich interessieren, wenn es einen Grund gibt, ihn nicht einzurücken, okay. Aber bei meinem spontanen Blick in die eBooks auf meinem kindle finde ich bei den meisten eBooks den ersten Absatz eingerückt. Gut, das sind englische eBooks, weniger deutsche – beim Satz des gedruckten sollte man gewisse Formen einhalten, aber bei einem kindle würde ich das schon gegenüber denen, die die eBooks für mich erstellen, begründen dürfen. Und bisher gab es keine Anmerkungen zu meinen eBooks.

  6. Ich habe keine Ahnung was üblich ist, was man darf und nicht darf. Mir ist nur der Unterschied zwischen den beiden Ausgaben aufgefallen, ohne jetzt das eine oder andere besser oder schlechter zu finden.

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